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Full text of "Goethe-jahrbuch"

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Goethe -Jahrbuch. 



Herausgegeben 



VON 



LUDWIG Geiger . 

ACHTZEHNTER BAND. 



Mit dem zwölften Jahresbericht 



DER 



Goethe- Gesellschaft. 




j 



Frankfurt a/M. 

Literarische Anstalt 

RüTTEN & LoENING. 

1897. 



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Mit Bild und Facsimile 

der verstorbenen 

Frau Grossherzogin Sophie von Sachsen 

UND 

DEM Plan von Rom nach Piranesi 
IN Lichtdruck. 



Drackerd ron Aogust Osterrieth in Frankfurt a. M. 

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Vorwort. 




|ls der Druck dieses Bandes begann, hoffte ich wie 
gewöhnlich den Dank an die Frau Grossherzogin 
von Sachsen als die Spenderin reicher und diesmal be- 
sonders köstlicher Schätze aussprechen zu dürfen. Nun, 
da der Druck des Bandes beendet ist, trifft der Dank, der 
nicht zurückgehalten werden kann, die erhabene Frau nicht 
mehr am Leben. Und so sei Ihr aus bewegtem Herzen 
der Dank für so viele gehaltreiche Gaben und für die huld- 
reiche Anthcilnahme an diesem Jahrbuch, sowie die innige 
Verehrung für Ihr vollgesegnetes Wirken ins Grab nach- 
gerufen. Die Würdigung Ihrer Verdienste, die Schilderung 
Ihres Wesens ist in den anschliessenden Blättern von be- 
rufener Hand versucht; aber auch der Herausgeber dieses 
Jahrbuches will und darf nicht mit der Aeusserung seines 
Schmerzgefühls zurückhalten. 

Dieser Band erscheint um dieselbe Zeit wie seine un- 
mittelbaren Vorgänger, enthält aber im Gegensatze zu jenen 
keine Festrede, da eine Festversammlung aus Anlass des 
ebenerwähnten Trauerfalles zunächst unterbleiben muss. 
Infolgedessen mussten während des Druckes drei Stücke 
der neuen Mittheilungen, die theilweise wegen Raum- 
mangels hatten zurückgelegt werden müssen (S. 134 — 160), 



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IV Vorwort. 

eingeschoben werden. Daher sind die »neuen Mittheilungen« 
mehr als doppelt so stark wie im vorigen Bande. Zu diesem 
aussergewöhnlichen Umfange hat aber auch die höchst 
dankenswerthe fast zwei Bogen starke Vermehrung des Bei- 
trags des Goethe- und Schiller- Archivs und eine Mittheilung 
aus dem Goethe-Nationalmuseum beigetragen ; die letztere 
ist um so freudiger zu begrüssen, da diese Rubrik in den 
drei letzten Jahren gefehlt hat. Den Vorständen beider 
Weimarer Anstalten, deren Mitwirkung für dieses Jahr- 
buch unentbehrlich ist, sei auch an dieser Stelle herzlichster 
Dank gesagt. 

Auch die Abhandlungen, fast so zahlreich, wenn auch 
nicht ganz so umfangreich wie in einzeben früheren Bänden, 
weisen eine Veränderung auf. Es sind lauter neue Männer, 
die wenigstens in diesen Blättern zum ersten Male mit 
grösseren Beiträgen zum Worte kommen. Ich begrüsse 
den Eintritt solch neuer Elemente mit Freuden; denn er 
bedeutet keineswegs das Zurückziehen erprobter Freunde, 
sondern bestätigt die erfreuliche Thatsache von dem An- 
wachsen des Interesses für unsere Studien. 

In Betreff der Bibliographie habe ich zu beklagen, dass 
seit dem Aufhören der Referate die Zusendung neu er- 
schienener Arbeiten stark abgenommen hat. Daher bin 
ich weit mehr als früher genöthigt, mich der Hülfe Anderer 
zu bedienen und erkenne mit besonderem Dank ausser der 
Mitwirkung altbewährter Helfer die Unterstützung, welche 
mir die in der Zeitschrift »Euphorion« gegebene Zusammen- 
stellung gewährt. 

Berlin, den 20. Mai 1897. 

Ludwig Geiger. 



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Inhalt. 

Seite 

Sophie, Grossherzogin vcn Sachsen, Prinzessin der Niederlande I— VII 

I. Neue Mittheilungen: 

I. Mittheilungen aus dem Goethe- und Schiller- Archiv. 

1. Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 
i8ia Herausgegeben von August Fresenius ... 3 

2. Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. Her- 
ausgegeben von Albert Leitzmann 33 

3. Briefe aus der Wertherstadt, 1778— 1779. Heraus- 
gegeben von Carl Schüddekopf 48 

4. Brief Pius Alexander WolfFs an Rühle von Lilienstern. 
Herausgqjeben von Julius Wähle 61 

5. Drei Briefe von Johann Heinrich Voss d. J. an Goethe. 
Herausgegeben von Hans Gerhard Graf .... 69 

6. Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. Her- 
ausgegeben von Carl ScHtJoDEKOPP 76 

Materulien ans dem Goethe- und Sehiller-Archiv sind ferner benutzt in 
dem Anfsatz von E Scheidemantel (S. 163— 173). 

II. Mittheilungen aus dem Goethe-National-Museum. 
Von Carl Ruland. 

1. Ein Urtheil über Weimar und Goethe aus dem Jahre 
1776 xoi 

2. Goethe und die Dresdener Gallerie 104 

III. Verschiedenes. 

1. Vier Briefe Goethes. Mitgetheilt von L. Geiger, 

M. Grunwald, C. Schüddekopf xoS 

2. Mittheilungen v. Zeitgenossen über Goethe 1772— 1832. 
Herausgegeben von L. Bob^, L. Geiger, M. Grunwald. 

I. Mittheilungen Verschiedener 115 

II. Therese Huber über Goethe 1783— 1824 .... 120 
IIL Garve an Schiller (1797) ,,. 

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T. von Loois Held, Weimar. 



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Sophie 

GroBsherzogin von Sachsen, 

Königliche Prinzessin der Niederlande. 

Geboren im Haag am 8. April 1824, vermählt am 8. October 
1842, gestorben am 23. März 1897. 



Am Abend des 23. März, als Weimar noch im 
frischen Schmuck des Kaiserfestes prangte, ist die 
Grossherzogin Sophie nach kurzem Leiden einem 
Herzschlag erlegen. Sechs Tage später folgten wir 
Ihrem Sarg durch die von einer schweigenden Menge 
überfüllten Strassen in die Fürstengruft, wo die 
Hohe Frau nun in Einem Räume mit Carl August 
und seinem Geschlecht, in Einem Räume mit den 
Herrschern unserer classischen Dichtung ruht. Ein 
ernstes VALE grüsste vom Goethehaus herab die 
Verewigte. In den Hallen des Archivs werden wir 
Ihre Büste zu den Denkmälern der grossen Geister 
gesellen, so wenig dies gesegnete Dasein äusserer 
Erinnerungszeichen bedarf. 

Sie stand im 73. Lebensjahr und hatte die goldene 
Hochzeit mit dem Gemahl, mit dem Lande, mit 
deutscher Art und Kunst gefeiert. Nach schweren 
Prüfungen war Sie im vorigen Sommer erfrischt 



I* 



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durch die Freude des Gelingens, huldvoll, heiter, 
zielbewusst, unter uns getreten in den Prachträumen 
Ihres neuen, weithin sichtbaren Schatzhauses. Vielen, 
die sich nicht als Landeskinder Ihrer Gegenwart 
erfreuten, wird Sie im Lichte dieses schönen Festes 
lebendig vor Augen bleiben. 

Aber Sie war viel mehr als eine Pflegerin und 
Mehrerin literarischer Güter und der Erinnerungen 
Alt- Weimars. Eine höchst selbständige und thätige, 
keine beschauliche Natur, wollte Sie nicht ausruhen 
im Vergangenen. Den Wahlspruch Ihres Oranischen 
Hauses Je maintiendrai hat Sie einmal in die deut- 
schen Worte umgesetzt : »Die Herrschaft über sich 
selbst ist die Vorbedingung für jegliche Thätigkeit 
und für ernsthafte, gewissenhafte Ausführung über- 
nommener Pflichten«. »Pflicht« war eines der letzten 
Worte aus Ihrem Mund, als man vergebens zur 
Schonung der Kräfte mahnte ; eine nationale Pflicht 
nannte Sie stets die Verwaltung des Goethischen 
Erbes, das der Enkel tiefbegründetes und wohl- 
belohntes Vertrauen Ihr hinterlassen hatte. 

Eine in jedem Sinn vornehme, ungewöhnlich 
kluge und thatkräftige, jede Arbeit schätzende Frau, 
streng in den Formen, die Sie selbst so leicht übte, 
begabt mit allen Eigenschaften um an der Spitze 
auch des mächtigsten Reiches zu walten, unermüdet, 
niemals sprunghaft, fest auf Einem Sinn, Sich einer 
tete hollandaise — wie Sie gern sagte — bewusst und 
auch dem Geschäftssinn grosser niederländischer 
Handelsherren keineswegs fremd, überaus klar in 
Wonen und Entschlüssen, nichts Grosses noch 
Kleines vergessend und wiederum nichts Verzeih- 
liches nachtragend, mit den Schwächen der Mensch- 



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heit in allen Ständen vertraut, aber dadurch nie 
beim dem warmen Herzen so gut wie dem kühlen 
Kopf zu folgen, hat diese seltene Fürstin Ihr Leben 
ausgelebt zum unermesslichen Segen Ihres Hauses, 
Ihres Landes und Aller, die irgend Ihr Wirken 
spünen, 

Sie mischte sich in nichts Fremdes, duldete 
aber in den eigenen Angelegenheiten neben dem 
Rathe der Berufenen keinen anderen Willen. Sie 
konnte von den schwersten Fragen zu den kleinsten 
hinabsteigen, mitten in tiefen Ueberlegungen der 
frierenden Schildwache da unten im Schlosshof 
human gedenken, und die so überlegende wie über- 
legene Fürstin war wohlthätig nicht aus äusserem 
Antrieb und Herkommen, sondern aus innerster 
Nothwendigkeit Ihres Wesens edel, hilfreich und 
gut. Der alten Heimath stets treulich zugethan, 
umfasste Sie die neue, obwohl Sie im Lauf eines 
halben Jahrhunderts Sich nicht alles Spracheigen- 
sinns bemächtigte und den bezeichnenden Ausdruck 
leichter französisch fand, mit wärmster, frucht- 
barster Liebe. »Die Frau Grossherzogin« war eine 
Landesmutter, die zum Heil der Städte und Dörfer 
des in manchen Strichen vom Himmel karg be- 
dachten Staates Ihren Reichthum, Ihre nichts Halbes 
oder VergebUches angreifende Lebensweisheit, Ihre 
Güte den Schulen und den Kunstanstalten, den 
Armen und den Kranken zuwandte und dies immer 
aus dem Vollen ins Grosse gerichtete Bemühen 
auch auf Ihre Besitzungen in Holland, Schlesien, 
Posen erstreckte. 

Was Sie unternahm, vollzog Sie gross und 
behielt es fest im Auge. Ihre Stiftungen sicherte 



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Sie mit starker, freigebiger Hand für alle absehbare 
Zukunft; so auch das Goethe- Archiv, das zu Ihrer 
Herzensfreude bald ein Goethe- und Schiller-Archiv 
und mehr werden sollte, gleich im ersten Jahr. 

Sie kannte nur eine nachhaltige mitthätige 
Theilnahme, und aller oberflächliche Dilettantismus 
war Ihr zuwider gleich jedem blossen Wortschall. 
Sie imponirte wo Sie auftrat, ohne es zu wollen, 
vielmehr eben dadurch, und hatte, wie Sie. im 
Stillen gar viel Mildes that, die Gabe durch zane 
Aufmerksamkeiten zu beglücken und neben wür- 
digster Repräsentation Sich ganz unbefangen in Ernst 
und Scherz zu erschliessen. 

Wer nur auf grösseren Festen Ihr unvorbereitetes, 
möglichst einfaches Wort gehört hat, ahnt nicht, 
welchen bedeutenden Gehalt und manchmal welche 
heitere Anmuth Sie in das Gespräch zu legen ver- 
stand. »Die, wie jedermann sagt, gescheite und 
ausgezeichnete Dame« — so lautet Carlyle's bün- 
diges Urtheil. Ihres Lobes voll ist Friedrich Hebbel, 
von dem Sie selbst bekannte, er sei einer der 
Menschen, die Ihre innersten Gedanken und Em- 
pfindungen gelöst hätten. »Sie ist nicht bloss eine 
edle, sondern auch eine tiefe Frau«, schreibt er; 
und wieder: »Sie ist eine höchst bedeutende Frau, 
ich glaubte schon ein Maass von Ihr zu haben, 
habe es aber erst gestern erhalten. Man kann 
geradezu alles mit Ihr sprechen«. 

Nicht eigentlich eine ästhetische, dem Kunst- 
genuss Sich widmende Natur, obgleich Sie früher 
gern und gut sang und von Bildern und Hand- 
zeichnungen der Meister umgeben sein wollte, 
gegen manche Stimmen auch aus Goethes Bereich 



IV* 



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verschlossen, stärker bedacht Ihren Geist durch 
dichterisch ausgeprägte Gedanken zu nähren als 
der Phantasie und Empfindung Schwingen zu 
leihen, war Sie von Jugend auf in mehreren Lite- 
raturen sehr belesen und erweiterte die deutsche 
Kunde an der Seite Ihres Gemahls, Gelehrten und 
Schriftstellern auch persönlich lauschend, bis in 
die Jahre, wo Sie Ihr Archiv nicht bloss ererben, 
sondern zugleich und immerfort erwerben und 
alles, was darin lag, was daraus in die Welt 
wanderte, was ihm zuging, selbst kennen wollte. 
Auf der grossen Ausgabe der Werke Goethes, die 
man wohl kurz die Sophienausgabe genannt hat 
und deren Titelblätter so einfach Ihren Namen 
zeigen, auf der Vorbereitung und der Vollführung, 
deren Beginn Sie fast ungeduldig betrieb, ruhte 
gern Ihr anfeuernder Blick. Und auch in unserer 
Gesellschaft ist vom Stiftungstag an nichts Wich- 
tigeres geschehen, an dem Sie keinen warmen, 
förderlichsten Antheil durch Won und That ge- 
nommen hätte. 

Wie Ihre gleichfalls aus der Ferne nach Wei- 
mar gezogene Vorgängerin Maria Paulowna, die 
Schwester Ihrer Mutter, ist die Grossherzogin 
Sophie im weitesten Kreis aller Literaturfreunde 
einer »Huldigung der Künste« werth. Den Ge- 
fühlen nicht allein unseres Bundes wird zur rechten 
Zeit an der verwaisten Stätte ein Berufener sein 
starkes Wort leihen; jetzt sei zum letzten Kranze 
nur dies bescheidene Blatt gefügt. 

Wir neigen uns in tiefer Mittrauer vor unserem 
Hohen Protektor, der noch lang Seine schirmende 
Hand auch über unsere Gesellschaft halten möge. 



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und vor Seinem erlauchten Hause; den Verlust 
aber tragen wir im Sinne der einer anderen Fürstin 
Weimars gewidmeten Verse: 

Bleibet immerfort auch eingedenk 
Der Abgeschiednen, deren rühmliche Lebenszeit, 
Umwölkt zuletzt, zur Glorie sich läuterte. 
Unsterblich glänzend, keinem Zufall ausgestellt; 
Um welche sich versammelt ihr geliebt Geschlecht 
Und alle, deren Schicksal sie umwaltete, 
Sie wirke noch wie vormals immer mütterlich. 
In Leid und Freuden bleibet ihrer eingedenk, 
Genuss, Entbehrung, Hoffnung, Schmerz und 

Scheidetag 
Menschlich zu übernehmen, aber männlich auch ! 

Im Auftrage 

des Vorstandes der Goethe-Gesellschaft: 

Erich Schmidt. 




VI* 



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Der Vorstand hat den Mitgliedern der Goethe-Gesellschaft 
an dieser Stelle noch Allerhöchstem Befehle gemäss, Kenntniss 
zu geben von dem Schreiben, welches Seine Majestät der 
Kaiser aus Anlass des Hinscheidens I. K. H. der Frau Gross- 
herzogin an den Vorstand zu erlassen geruht hat. 

In Meinem Schmerze über den Heimgang Ihrer König- 
lichen Hoheit der Frau Grossherzogin von Sachsen gedenke 
Ich auch des schweren Verlustes, welcher die Goethe- 
Gesellschaft durch das Hinscheiden Ihrer Erlauchten Gönnerin 
betroflfen hat. War es der Verewigten, der Begründerin 
des Goethe- und Schiller-Archivs, doch innige Herzens- 
sache, das Andenken der beiden Geisteshelden an der 
Stätte ihres Wirkens durch Sammlung und Pflege ihrer 
schriftlichen Denkmäler zu ehren und allen Deutschen ein 
tieferes Eindringen in den Geist ihrer Werke zu ermög- 
lichen. Noch im vorigen Jahre war es der Entschlafenen 
vergönnt, ihre unermüdliche und kein Opfer scheuende 
Fürsorge auf diesem Gebiete durch die Vollendung des 
von ihr in hochherziger Weise geschaffenen neuen Heims 
für das Goethe- und Schiller-Archiv gekrönt zu sehen und 
die Einweihung desselben im Verein mit der Goethe-Gesell- 
schaft festlich zu begehen. Mir selbst ist leider nun die 
Freude versagt, die neuen Archivräume und ihre jedem 
Deutschen theuren Schätze unter Führung der hohen Frau 
in Augenschein zu nehmen, wie es für dieses Jahr von 
der Heimgegangenen Mir in Aussicht gestellt war. Ich 
ersuche den Vorstand den Ausdruck Meiner herzlichen 
Theilnahme der Goethe-Gesellschaft zu übermitteln. 

Berlin im Schloss, 

den 26. März 1897 

(gez.) Wilhelm 
I. R. 

An den Vorstand der Goethe-Gesellschaft zu Weimar. 

Der Vorstand hat sich beeilt. Seiner Majestät den tief- 
gefühlten Dank der Goethe- Gesellschaft für den Allerhöchsten 
Erlass auszusprechen. 



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I. Neue Mittheilungen. 



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I. Mittheilungen aus dem Goethe- 
UND Schiller -Archiv. 



I. SIEBEN BRIEFE GOETHES AUS DEN JAHREN 
1806, 1807, 1810. 

I. An den Her:(og Carl August. ' 

Öfters bin ich in Versuchung gekommen in Teplitz 
aufzuwarten; doch da es in manchem Sinne das räthlichste 
zu seyn scheint gerade nach Weimar zu gehen, so wird 
unsre Abreise in diesen Tagen erfolgen. Mein Befinden 
war bisher ganz leidlich: denn obgleich die Symptome 
meiner Übel nicht ausgeblieben sind, so habe ich doch 
keine schmerzlichen Anfälle erlitten, weshalb ich denn ganz 
wohl zufrieden zu seyn Ursache habe. Seit meinem Letzten 
wurden mehrere interessante Bekanntschaften gemacht, 
andre mehr cultivirt. Wenn ich sie im Ganzen durchgehe, 
so bleibt doch immer Voght von Hamburg wohl die vor- 
züglichste. Hinter einer etwas rauhen bürgerlichen Schale, 
die man am reichen Reichsstädter wohl verträgt, zeigt sich 
grosse Kenntniss der weltlichen Dinge, der beste Wille 
fürs Gute, Rechte und Wohlthätige und eine unermüdete 
Thätigkeit. Dabey ist seine Geistescultur wirklich fein 
und auch in literarischen Dingen hat er schöne Kenntnisse. 
Man kann leicht mit ihm über alles reden, weil sich leicht 



' Riemers Hand. 



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Neue Mittheilungbn. 



bey ihm an alles anspielen lässt. Der Landgraf von Hessen 
hat mich mit einigen Aussichten nach dem Orient be- 
kannt gemacht, nicht weniger auch mir eröffnet, wohinaus 
die gegenwärtigen Überschwemmungen und Umwälzungen 
der Weltzustände endlich laufen würden. Von diesen 
Mysterien werde ich mündlich etwas mittheilen können. 

Indem wir uns nun von einer Seite so ernsthaft unter- 
hielten, machten die schönen Frauen Solms und Nariskin 
im Ganzen und besonders auch auf die M)'stagogen eine 
solche Wirkung, die man fast comisch nennen dürfte. Die 
Fürstinn Solms ist abgereis't und was sonst unsre Con- 
temporanen sind, verlieren sich auch nach und nach. Polen 
und Juden haben jetzt durchaus das Übergewicht, und da 
sich in der Hälfte der Badezeit eines Jeden die Lust er- 
schöpft, neue Bekanntschaften zu machen; so finde ich 
mich in diesen letzten Tagen am Sprudel und Neubrunn 
ganz in einem fremden Lande. 

Eine überraschend angenehme Erscheinung war ein 
Portefeuille von Kupferstichen das Graf Lepel * mit sich 
führt und worin er die Acquisitionen aufbewahrt, die er 
unterweges macht. Die sieben Sacramente von Poussin 
waren mir fast ganz neu, und eine gute Parthie Rembrandts 
habe ich auch mit viel Vergnügen wiedergesehn. Indessen 
hat denn doch die Mineralogie innerhalb dieser Felsen auch 
ihre Rechte behauptet, und es ist auf allen Bergen genugsam 
gepocht worden. Das Obergangsgestein, das unmittelbar 
auf den Granit folgt, und aus welchem der Sprudel eigent- 
lich seine Kräfte nimmt, ist durch die Sorgfalt des alten 
Steinschneiders und Mineralienhändlers Müller mehr bekannt 
geworden, und giebt zu bedeutenden geologischen Be- 
merkungen Anlass. So wie ich mir denn die frühere Natur 
und Gestalt jenes heisswässrigen Phänomens und den Zustand 
seiner frühern Umgebung deutlicher gemacht habe als 
sonst. Denn freylich ist gegenwärtig durch Anlagen und 
Gebäude alles theils verändert, theils zugedeckt. Ein Bruder 
des von Struve, der sich so lange bey uns aufhielt, ein 



' Die Handschrift hat »Löpel«,eine Schreibung, die auch in Goethes 
Tagebuch neben »Lepel« erscheint. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, ^Sio. 5 

passionirter Mineraloge, war dabey als Theilnehmer sehr 
erwünscht. Er hat die grosse Genauigkeit Wernerischer 
Schüler in Beschreibung dieser natürlichen Gegenstände, 
viel Kenntniss und Thätigkeit, wobey ihm denn freylich 
seine Taille zu statten kommt, die ihm besser als uns die 
Berge zu besteigen erlaubt. Doch sind wir in Engelhaus 
gewesen und ich habe mich auf dem immer noch hart- 
näckig bestehenden Felsen alter Zeiten erinnert. Aus allen 
diesen Wegen und Schritten ist denn doch zuletzt eine 
schöne Folge von Mineralien entstanden, welche dem 
Jenaischen Cabinet einverleibt werden soll. Vielleicht fände 
sich in Teplitz ein Kenner und thätiger Naturfreund, der 
von dortaus gleichfalls eine Kiste nach Jena schickte, so 
könnten wir die beyden Sammlungen aneinanderstossen 
und das eine Ende von Böhmen hätten wir wenigstens 
geologisch in Besitz genommen. 

Vorstehendes * nehmen Sie gnädig und freundlich auf, 
so wie die Versicherung einer ewigen Anhänglichkeit. 

Carlsb. d. 4. Aug. am Morgen unsrer Abreise. 

Goethe. 

2. An Steffens. 
[Concept.'J [September oder Anfang October 1806.] 

Eines der ersten Hefte, die mir bey meiner Rückreise 
aus Girlsbad durch den Buchhandel entgegenkamen, waren 
Ihre Grundzüge. Mit Hoffnung und Zutrauen nahm ich es 
auf; aber ich muss gestehen dass mich das Lesen in einen 
bösen Humor versetzte. Ob dieses Phänomen gegen Ihr 
Buch, oder gegen mein Befinden zeugt, will ich mir gern 
von der Zeit beantworten lassen. Ich würde ein so wunder- 
liches Geständniss Ihnen nicht geradezu überschreiben, wenn 
nicht Ihre freundliche Sendung und Ihr zutraulicher Brief 
mir Offenheit zur Pflicht machte. 

Bekenn' ich es aufrichtig ! Anfangs wars mir ein pein- 
lich Gefühl die ganze tausendfach bewegliche Erdennatur, 
von deren zwar partiellem, doch freyem Anschaun ich 

' Von »Vorstehendes« an eigenhändig. 
* Riemers Hand. 



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6 Neue Mittheilungen. 



soeben zurückkehrte, an dem Kreuz der vier Weltgegenden 
zappeln zu sehen. Doch ist indessen die Empfindung viel 
gelinder geworden. Ich habe das Werk in meiner Vor- 
stellung von seinem dogmatischen Ernst einigermassen 
entkleidet, und es als einen Halbscherz eines höchst geist- 
und wissreichen Mannes betrachtet, in welcher Ansicht es 
dann unschätzbar wird. 

Nun scheint es sich bey mir auf diesem Wege immer 
mehr einzuschmeicheln und mich durch die Würde seiner 
Form, durch den Werth seines Gehaltes zu ernsthafteren 
Gesinnungen nöthigen zu wollen, und wir wollen abwarten, 
in wiefern, indem ich mich mit Ihren individuellen An- 
sichten beschäftige, mein eignes Individuum sich nach und 
nach dem Ihrigen sich anzubilden . . . . ' 

Dieser Conflict kann mir nicht anders als vortheilhaft 
seyn, und ich werde gern gestehen, wann und wie Ihr 
Genius den Sieg davon trägt. 

Uebrigens bleiben Sie überzeugt, dass ich an allem, 
was Sie lieben und leisten, wahren und lebhaften Antheil 
nehme und lassen mich Ihrem Andenken empfohlen seyn. 

j. An C, G. V. VoigU* 

Nach Herrn Professor Fernows Anleitung sende Ew. 
Excellenz das an Serenissimus gerichtete Schreiben durch 
den Kutscher zurück. Serenissimus sind den 14. in der 
Nacht auf eine von H. Verlohren' erhaltene Stafette von 
hier nach Dresden gereist, wie es in Weimar nunmehr auch 
durch den Geheimen Secretair Vogel bekannt geworden. 
Höchstdieselben waren bey gutem Befinden und guter Laune. 

Der Herzog von Coburg der noch kurze Zeit hier 
gezaudert, ist nunmehr auch nachgefolgt. Alle Welt ist 
gespannt auf Nachrichten von Dresden. 

Übrigens vreiss ich von mir nichts weiter zu sagen, 
als was meine vorigen Briefe schon enthalten, dass mir 

' Die Punkte stehn auch in der Handschrift. Ergänzt man nicht 
»vermag«, sondern etwa »bequemt« oder »entschliesst«, so braucht das 
doppelte »sich« nicht auf einem Versehen zu beruhen. 

* Riemers Hand. 3 Ich habe das »H.« vor dem Namen hier 
nicht in »Herrn« aufgelöst, weil es auch »Hauptmann« heissen könnte. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 18 10. 7 

die Cur und die von Dr. Kappe' vorgeschriebene Lebens- 
weise ganz besonders wohl bekommt. Ich würde niemals 
wünschen mich besser zu befinden als jetzt ; doch wage ich 
noch nicht zu triumphiren : denn es bleibt noch immer die 
Frage ob entfernt von der heilsamen Quelle mich die alten 
Übel nicht von frischem anpacken. Es ist mir so lange 
schlimm gegangen, dass ich gar nicht den Muth habe, ein 
dauerndes Gute zu hoflfen. 

Von Weimar, von der dorjt anhaltenden Dürrung, von 
dem besonders im Saalthale heftig eingefallenen Gewitter und 
was dergleichen mehr ist, hat mir Herr Fernow Nachricht 
gegeben. Ich wünsche dass Ew. Excellenz die gegenwärtige 
stille Zeit zu Ihrer Erhohlung nutzen mögen, um mit uns 
die Früchte des Friedens, wenn sie anders zur Reife kommen, 
nach so manchen Leiden mit Behaglichkeit zu geniessen. 
Empfehlen Sie mich den verehrten Ihrigen. Ich denke Ihrer 
zusammen gar oft innerhalb dieser Felsen und Gebirge. 
Der alte Müller begleitet mich wie vormals. Er ist noch 
eben so gut zu Fuss wie vor zwanzig Jahren und spricht 
immer von der Zukunft für die er zusammenträgt. Sollte 
nicht ein solches Beyspiel auf den Geist eben so viel 
Wirkung ausüben als die Brunnen auf den Körper? 

Die geognostische Sammlung, die ich früher in dem 
Jenaischen Intelligenzblatt angekündigt, hat sich noch um 
manches Interessante vermehrt. Ich bin eben daran noch- 
mals eine Beschreibung dazu anzufertigen. Je genauer man 
in diese Sache hineinsieht, je mehr bewundert man die 
stetige Folge merkwürdiger Epochen. Die Suite welche 
ich vorm Jahre nach Jena gebracht, werde ich diessmal 
complettiren so dass sie in ihrer Art einzig seyn soll. 
Titius von Dresden und Sulzer von Ronneburg nehmen 
einigen Antheil an diesen Dingen; doch nicht so viel als 
ich wünschte. Natürlich hat jeder seine eigene Ansicht und 
sein eigenes Interesse. 

Mich bestens empfehlend 

Carlsbad 

den 18. Julius 1807. Goethe. 

' Gemeint ist Christian Erhard Kapp. 

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8 Neue Mittheilungen. 



4. An den Fürsten Lichnowsky. 
[Concept.*] [Karlsbad, 7. Juli iSio.] 

Sobald ich aus Ew. Durchlaucht wohlwollendem 
Schreiben ersehen dass allerhöchsten Ortes das Überreichte 
nicht ungnädig aufgenommen worden, habe ich sogleich 
den Druck der kleinen Sammlung veranstaltet, wobey mich* 
jedoch die hiesigen typographischen Einrichtungen keines- 
wegs begünstigt. Indessen nehme ich mir die Freyheit 
einige Exemplare zu beliebiger Verwendung zu übersenden. 

Was sonst höchst erfreuliches Ew. Duchlaucht theil- 
nehmendes Schreiben enthält, verwahre ich in einem danck- 
baren Herzen. Ich weiss das Glück zu schätzen einer so 
erhabnen und fürtrefflichen Herrscherinn nicht unbekannt 
geblieben zu seyn und was ich Ew. Durchlaucht in dieser 
schönen und günstigen Zeit schuldig geworden, bleibt mir 
unvergesslich. Meinen wiederhohlten Danck und die Ver- 
sicherung meiner aufrichtigen Anhänglichkeit hoffe ich bald 
mündlich wiederhohlen zu können. 

/. An Cotta. 
[Concept.'] [Karlsbad, 29. Juli 1810.] 

Ew. Wohlgebornen für den neusten Brief vom 18. July 
zu danken, will ich nicht verschieben. Ich hatte ein Blättchen 
an Sie in Weimar niedergelegt, welches aber bey Ihrer 
Durchreise nicht» abgegeben worden. Ich dankte darin 
für^ dasjenige was Sie wegen der Farbenlehre notirt, und 
bin nunmehr auch wegen der übersendeten Rechnung 
dankbar, und wünsche dass alle Ihre Unternehmungen 
glücken und Sie für so viel ^ guten Willen und Bemühung 
belohnen mögen. ^ 

Mein hiesiger Aufenthalt ist mir auf mancherley Weise 
vergnüglich und fruchtbar geworden. Die Gegenwart Ihro 
Majestät der Kaiserinn hat uns im Juny sehr glücklich 

' Eigenhändig mit lateinischen Buchstaben. Die Bezeichnung des 
Umlauts fehlt häufig. * »mich« aus »mir«. 
3 Riemers Hand. 

* »für« über gestrichenem »wegen«. 5 »viel« aus »vielen«. 
^ Die Handschrift hat »möge«. 



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Si£BEK Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 18 10. 9 

gemacht, und es musste mir sehr erwünscht seyn, etwas 
zu der Zufriedenheit beytragen zu können, die sie über 
ihren hiesigen Aufenthalt zu hegen schien. 

Die vorgesetzten Arbeiten sind freylich dadurch etwas 
zurückgesetzt worden, und eines was mir besonders am 
Herzen lag, muss ich für dieses Jahr völlig aufgeben. Ich 
dachte nämlich unserer Prinzess Caroline, jetziger Erbprinzess 
von Mecklenburg, durch Ihren Damen-Calender eine Artig- 
keit zu erzeigen, um so mehr, da ich bey der Hochzeitfeyer 
nicht gegenwärtig seyn konnte; allein mein Vorsatz Hess 
sich nicht ausführen und ich wollte Sie nun ersuchen, ob 
Sie dieser trefflichen Fürstinn diesen Calender das nächste 
Jahr dediciren möchten; wobey es denn an meiner Theil- 
nahme nicht fehlen soll. 

An den Wanderjahren wird gearbeitet. Ob aber ein 
Theil fertig wird, weiss ich gegenwärtig kaum zu sagen. 
Es ist mir das Werk unter der Arbeit lieber geworden, und 
ich sehe erst jetzt wieviel sich für dasselbe und durch das- 
selbe thun lässt. Hier schalte ich das Prooemion oder 
Paroemion zu einiger Vorahndung meiner Absichten ein; 
nur bitte ich inständigst, es nicht aus Händen zu geben, 
damit es nicht früher im Publicum als an der Spitze des 
Werks selbst erscheine. 

Was das Manuscript betrifft, welches Sie zurückwün- 
schen; so werde ich die erste Gelegenheit ergreifen, um 
solches zu erhalten, es wo möglich zu überschicken oder 
wenigstens Nachricht zu geben, wie es mit der Sache steht. 

6. An C G. V, Voigt. 
[Concept. *] [Karlsbad, 31. Juli 18 10.] 

Ew. Excellenz 
erhalten von mir einige Nachricht spät und kurz vor 
meinem Abgang, welche früher hätte erscheinen sollen; 
doch will ich mich nicht entschuldigen und vor allen Dingen 
versichern, dass es mir höchst unangenehm war zu ver- 
nehmen, Ihre Thätigkeit sey durch ein unerwartetes Übel 
gestört worden. Glücklicher Weise vernahm ich zugleich 



Riemers Hand. 



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10 Neue Mittheilungen. 



die Wiederherstellung und wünsche nur, dass sie dauerhaft 
gewesen sey. 

Von Carlsbad will ich zuerst des Alten und Unver- 
gänglichen erwähnen, der Felsen und Gebirge, die noch 
immer in alter Pracht und Herrlichkeit dastehen und be- 
sonders wenn die Sonne scheint, einen gar vielfach erfreu- 
lichen Anblick geben. Auch im Einzelnen sind sie wieder 
untersucht worden; und ob sich gleich nichts eigentliches 
Neues findet, so ist doch Mannigfaltigkeit und Vollständig- 
keit angenehm. 

Der gute Müller lebt noch auf seine alte Weise fon. 
Er hat sich von grossen Krankheiten erhohlt und ist, wenn 
auch nicht rüstig, doch noch immer thätig und klug. Mein 
kleiner Aufsatz zu seiner Sammlung hat nun Zeit gehabt 
sich zu verbreiten, und seine Cabinettchen werden häufig 
verlangt. Wenn er ein klein wenig mehr Geschick hätte; 
so würde er den Winter über die Sammlungen machen, 
einpacken, um sie bereit zu haben, wenn sie gefordert 
würden. So sucht er aber jedesmal erst die Suite zusammen, 
wenn sie bestellt ist. Unser guter Bergrath würde sich 
hiebey anders benehmen. 

Ein Graf Razoumowsky, der sich seit dem May hier 
befindet, geologisirt auch sehr eifrig; weil er aber ins un- 
endlich Kleine* geht, und deshalb alles besser zu wissen 
glaubt, weil er Varietäten, die man mit Fleiss ignorirt, 
auffindet und für bedeutend hält; so ist nicht angenehm 
mit ihm umgehen, um so weniger als auf diesem Wege 
keine Belehrung zu hoffen ist. 

Einiges was sich auf diese Liebhaberey bezieht, habe 
ich hier gefunden. So besitzt Franz Mayer' ein Schmuck- 
Kästchen, worin acht oder mehr Stücke, als eine Uhr, Uhr- 
kette, Etuis, Dosen und dergleichen, alle von dem Villacher 
opalisirenden Muschelmarmor, und zwar von dem alier- 
schönsten, gearbeitet, sind. Es schreibt sich aus der besten 
Zeit her, wo dergleichen häufig zu haben war, und man 
also aussuchen konnte. Er verlangt 1500 fl. dafür. 

' Die Handschrift hat »Meyer« und dieser Schreibung begegnen 
wir auch in Goethes Tagebuch und in Carl Augusts Brief an Goethe 
vom 20. Juli 1810. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 18 10. II 

Bey dieser Gelegenheit muss ich des Curses der Bank- 
zettel gedenken. Sie stehen jetzt wieder zu 400 für 100. 
Sie waren schon weiter herunter, und werden sich schwer- 
lich wieder' viel hinauf helfen. Dieser Curs macht den 
hiesigen Aufenthalt diessmal unangenehm und theuer. Nicht 
allein die Kaufleute, sondern auch die Wirthe fangen nun 
an ihre Forderung nach diesen Verhältnissen einzurichten, 
und weil diese Verhältnisse nicht sicher, sondern vorüber- 
gehend sind, und die Banknoten täglich mehr an Credit 
verlieren; so übertreibt man die Forderungen, um ja nicht 
zu kurz zu kommen. Deswegen ist alles, besonders auch die 
Quartiere, theurer als sonst, nicht allein dem Nennwerthe 
der Zettel nach, sondern auch gegen Silbergeld gerechnet. 

Hiezu kommt noch, dass bey der grossen Anzahl von 
Gästen mancher zuletzt für die Quartiere bezahlte, was 
gefordert wurde. Ferner dass in Teplitz und Franzenbrunn 
alles noch theurer ist, und die Carlsbader, ungeachtet ihrer 
sonstigen Honnettität, doch auch nicht ganz zurückbleiben 
wollen. Genug es lässt sich voraussehen, dass bey dieser 
Einleitung Carlsbad in keinem Sinne mehr für uns so 
wohlfeil seyn wird, wie es sonst war. 

Seit einigen Tagen fängt es an, wieder etwas leerer 
zu werden. Der Zudrang war im July sehr gross. Ich 
habe ältere Freunde wiedergefunden, sowie auch neue 
interessante Bekanntschaften gemacht. Die erste Zeit befand 
ich mich recht wohl; nachher musste ich einiges leiden, 
doch half ich mir bald wieder, wobey mir besonders die 
Gegenwart unseres Starke* zu gute kam. 

Dieser treffliche Mann befindet sich sehr abwechselnd, 
und es sieht nicht aus, als wenn ihm die hiesige Kur 
grossen Vortheil bringen werde. Doch wollen wir für ihn 
und uns die Hoffnung nicht aufgeben. 

Von Durchlaucht dem Herzog aus Töplitz vernehmen wir 
desto bessere Nachrichten. Das Baden soll ihm sehr gut an- 
schlagen. Ich denke auch die nächste Woche in Töplitz zu 
seyn, und hoffe, da Ew. Excellcnz doch manches Paket dahin 
spediren, auch daselbst ein Wort von Ihnen zu vernehmen. 

* »wieder« über der Zeile. 

* Gemeint ist Johann Christian Stark der ältere. 



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12 Neue Mittheilungen. 

Sie haben in Weimar indessen auch nicht immer die 
beste Zeit gehabt: die Krankheit der kleinen Prinzessinn, 
der Abschied unsrer theuren Prinzess Caroline, des Herzogs 
Übel und was sich sonst noch hinzufügte. Sagen Sie mir, 
dass es jetzt im Ganzen und Einzelnen wieder besser steht. 

Das Vergnügen, das wir in Carlsbad hatten, Ihro 
Majestät die Kaiserinn längere Zeit unter uns zu sehen, 
ist leider auch durch das Befinden dieser trefflichen Dame 
einigermassen verkümmert worden. So vielen Vorzügen 
wünscht man eine lange Dauer, und ist freylich bey allen 
Symptomen ängstlich, die auf das Gegentheil hindeuten. 

7. An Cotta. 

[Concept.*] [Weimar, 16. November 1810.] 

Bald nach meiner Ankunft erhielt ich Ew. W. Brief vom 
27. September* und danke schönstens fürs Andenken. Nun 
bin ich einen Monat wieder zu Hause und wie natürlich 
kaum zu mir selbst gekommen. Ich bedenke von Zeit zu 
Zeit, was etwa Ostern zu leisten seyn möchte, und schreibe 
darüber nächstens. 

Über mein Wandern sind die Wanderjahre ins Stocken 
gerathen, doch denke ich, ein glücklicher Anstoss soll bald 
einen entschiedenen Entschluss hervorbringen, und dann 
wird alles wieder im Gange und wenn das Glück gut ist, 
bald am Ende seyn. 

Das beste was ich von meiner Sommerfahrt mit nach 
Hause gebracht habe, ist ein Schema meiner Biographie, 
das wenigstens in seinen Grundzügen ziemlich vollständig 
dasteht. Ich arbeite es nun im Einzelnen aus und eigentlich 
sind diese Betrachtungen jetzt dasjenige was mich am 
meisten interessirt. Ich bin genöthigt in die Welt- und 
Literargeschichte zurück zu gehen, und sehe mich selbst 
zum erstenmal in den Verhältnissen die auf mich gewirkt 
und auf die ich gewirkt habe; und diess giebt zu sonder- 
baren Reflexionen Anlass. Ich habe gegen mehrere Freunde 
kein Geheimniss aus diesem Vorsatz .gemacht. Man hat ihn 

' Riemers Hand. 

• »27. September« fehlt; der Raum dafür ist frei gelassen. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 1810. 13 

durchaus mit Beyfall aufgenommen und mir manches 
versprochen was mich fördern kann. 

Wollten Sie die Gefälligkeit haben mir den Wiener 
Nachdruck meiner Werke zu senden, dass ich dieses ver- 
wünschte Opus näher kennen lerne. Sie haben alles durch 
einander geworfen, wie Kraut und Rüben, wie ich bey 
einem flüchtigen Blick, den ich in Böhmen darauf warf, 
bemerkte. Hauptsächlich wünschte ich zu sehen, was sie 
noch abgedruckt haben, das in unsrer Ausgabe nicht steht; 
und ich hätte grosse Lust, einen Supplementband, besonders * 
Gedichte, an den Tag treten zu lassen. Es ist manches 
darunter aus meinen ersten Zeiten, das wegen verschiedener 
Ursachen bisher zurückblieb; jetzt aber wohl das Tageslicht 
wird anblicken dürfen. In * einiger Zeit kann ich wenigstens 
eine Inhaltsanzeige schicken. 

Vielleicht könnten Sie mir auch zu einem musicalischen 
Hefte verhelfen. Es sind sechs Canons von Joseph Haydn, 
Augsburg, bey Gambart. ^ 

Ferner wollte ich Sie ersuchen mir die sämmtlichen 
Jahrgänge des Rheinländischen Hausfreundes, eines Calenders, 
der in Karlsruh herauskommt, zu verschaffen. Ich habe den 
auf 18 II gesehen, welcher allerliebst ist. Soviel ich weiss 
hat dieses Volksbüchlein unsern vortrefflichen Hebel zum 
Verfasser. 

Soeben erhalte ich den Almanach des Dantes, der mich 
nicht zu erinnern braucht, für wie vieM anderes angenehm- 
mitgetheilte^ ich zu danken habe. Ich will nur der Riepen- 
hausischen Hefte erwähnen. Es bleibt ein dankenswerthes 
Unternehmen, das man nicht* mit der grössten Strenge 

' »besonders« steht am Rand mit Verweisungszeichen, das Komma 
davor ist von mir eingesetzt. 

* »In — schicken.« ist nachträglich eingefugt. 

3 Der Satz lautete ursprünglich: »Es sind Canons von Joseph 
[»Joseph« über der Zeile] Haidn, wenn ich nicht irre, sechs, die in 
Augsburg, ich weiss aber nicht in welchem Verlag, herausgekommen 
sind.« Daraus hat Goethe eigenhändig die jetzige Fassung hergestellt, 
wobei er »Haidn« in »Hayden« verwandelte. 

♦ »viel« über der Zeile. 

s »mitgetheilte« aus »mitgetheiltes«. 
^ »nicht« nach gestrichenem »also«. 



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14 Neue Mittheilungen. 



beurtheilen, noch die höchsten Forderungen daran machen 
muss. Es ist schon bewundernswerth, wenn junge Künstler 
ohne höhere Unterstützung dergleichen unternehmen und 
ausführen. Da sich Ew. W. der Sache annehmen, so ist 
sie nunmehr geborgen. 

Die Boisserieschen ' Zeichnungen ins Publicum zu 
bringen, ist gleichfalls höchst verdienstlich, und* kann man 
auch den Enthusiasmus der Unternehmer nicht ganz theilen; 
so muss man doch bekennen, dass er nöthig war um eine 
so schwierige Arbeit zu vollbringen. 

Recht interessante und geistreiche Umrisse zu Faust 
von Retzsch' habe ich in Dresden gesehen. Wenn er sie 
ebenso auf die Platten bringt, so wird es ein gar erfreu- 
liches Heft geben. 

Auch hat Herr Nauwerck^ in Ratzeburg ein halb Dutzend 
meist ausgeführte Zeichnungen zu Faust geliefert, die 
besonders in Betrachtung, dass sie von einem Liebhaber 
herrühren, bewundernswürdig sind. 

Ich hoffe nun bald zu vernehmen, dass Sie den Ort 
glücklich verändert haben und in Stuttgardt einheimisch 
sind. Möge 5 Ihnen alles was Sie hoffen und erwarten 
erfüllt werden. 

Die vorstehenden Briefe Goethes hätten, nachdem sie die 
ihnen zukommende Stelle in bereits erschienenen Bänden der 
Weimarer Ausgabe nicht gefunden haben, den Freunden des 
Dichters wohl noch geraume Zeit vorenthalten bleiben müssen, 

' Die Handschrift hat »Boisseretschen«, und so pflegt Rieni^ den 
Namen auch in den Briefen von 1811 zu schreiben. 

' Von hier an lautete die Stelle über die Boisser^eschen Zeich- 
nungen ursprünglich folgendermassen: »und ich denke die Liebhaberey 
am Mittelalter soll ja wohl noch so lange halten, bis auch dieses Werk 
hinreichende Käufer gefunden hat. Für die Geschichte der Baukunst 
bleibt es übrigens durchaus bedeutend, und den Engländern, sollt' ich 
denken, müsstc es sehr willkommen seyn, wenn sich die|Communication 
dorthin wieder eröffnet.« Die geltende Fassungjsteht nicht am Rande, 
sondern unter der gestrichenen und ist, wie die folgenden Absätze, 
mit feinerer Feder geschrieben als das Vorhergehende. 

' »von Ratsch [so!]« am Rande. 

4 Die Handschrift hat »Nauwerk«. 

s »sind. Möge« aus »sind; und«. 



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Sieben Briefe Goethes aus dek Jahren 1806, 1807, 1810. 15 

hätte man mit ihrer Veröffentlichung warten wollen, bis inner- 
halb der Ausgabe selbst für eine Nachlese — die dann mit 
dem Grossen auch das Kleine und neben üngedrucktem auch 
schon Gedrucktes bringen muß — wieder die Zeil gekommen 
ist. Das schien bei Briefen von so reichem Inhalt und so 
selbständiger Bedeutung nicht wUnschenswerth, und der Ent- 
schluß, sie den Lesern des Goethe-Jahrbuchs vorzulegen, wurde 
von dem Redactor der Briefabtheilung und dem jetzigen 
Herausgeber um so leichter gefaßt, als diese sieben Briefe 
durch mancherlei Bezüge unter einander verbunden sind, ja 
man darf sagen sich ungezwungen zu einer Gruppe zusammen- 
schließen. 

Karlsbad als der gemeinsame Hintergrund fällt sofort ins 
Auge; selbst in den Brief an Steffens, der etwas seitab steht, 
blicken von fern die böhmischen Berge herein. Der Zeit 
nach reichen die Briefe von 1806, dem Jahr, in dem Goethe 
nach langer Pause zum ersten Mal wieder Karlsbad aufsuchte, 
bis zu dem Jahr 18 10, das für die Stadt wie für den Dichter 
durch die Anwesenheit der Kaiserin eine besondere Bedeutung 
gewann. Dabei ist zufällig in der Reihe dieser Briefe — und 
auch das erhöht ihre Einheitlichkeit — weder das Jahr 1808 
vertreten, in dem »die geselligen Persönlichkeiten in Karlsbad« 
für Goethe »ein ganz ander Wesen« hatten (Annalen 1808, 
W. A. Bd. 36, S. 31), noch das Jahr 1809, in dem ihn die 
Kriegsereignisse nicht nach Karlsbad kommen ließen; daher 
uns denn auch von den großen dichterischen Schöpfungen 
hier wiederholt die Wanderjahre, dagegen niemals die Wahl- 
verwandtschaften begegnen. 



I. Der Brief an Carl August war im Großherzoglichen 
Hausarchiv zu Weimar bisher irrthUmlich unter die Briefe 
von 18 10 eingereiht, offenbar deswegen, weil Goethe auch 
in diesem Jahr am 4. August von Karlsbad abreiste. Die 
falsche Datirung ging in die Verzeichnisse von Diezel und 
Strehlke über, und erst bei der Bearbeitung des Jahrgangs 1810 
der Goethischen Briefe wurde von Albert Leitzmann der Irr- 
thum bemerkt und der Brief dem Jahre zugewiesen, dem er 
nach seinem Inhalt wie nach den äußeren 2^ugnissen (Goethes 
Tagebuch unterm 3. August 1806 und Carl August an Goethe 
5. August 1806) angehört. 

Die Absicht, zu Anfang August nach Jena zurückzukehren, 
spricht Goethe schon in der ersten Hälfte des Juli aus (an 
C. G. Voigt 12. Juli), und in dem Brief an Christiane vom 
28. Juli bedauert er, sich nicht auf einen längeren Aufenthalt 
in Karlsbad eingerichtet zu haben. Darnach bedarf es keiner 
besonderen Erklärung dafür, dass er sich von seinen Reise- 
gefährten V. Hendrich und Riemer auch auf dem Rückweg 



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l6 Neue Mittheilungen. 



nicht trennte und der Versuchung, dem Herzog in Teplitz 
aufzuwarten, widerstand. Eine directe Einladung des Herzogs, 
wie DUntzer annahm (Goethe und Karl August, 2. Aufl. S. 588), 
kann er nicht erhalten haben ; sonst würde der Eingang unseres 
Briefes anders lauten. Das Schreiben, worauf sich Goethe als 
auf sein letztes bezieht, war der nicht mehr vorhandene Brief 
vom 14. Juli, den Goethe noch nach Weimar gesandt hatte 
(Tagebuch), und der daher »erstaunlich alt« in des Herzogs 
Hände kam (Carl August an Goethe 5. August 1806). 

Die Berichte über die Badegesellschaft in unserem Brief, 
in dem an Frau v. Stein vom 21. Juli und in den Annalen 
ergänzen sich gegenseitig; über den Verkehr im einzelnen 
gibt das Tagebuch Auskunft. Wohl zum ersten Mal, wenn 
wir von den Stellen des Tagebuchs (lo. Juli bis 3. August 
1806; II. October 1807) absehen, tritt hier Baron Voght in 
den Kreis der Goetheliteratur, der in den Reichsfrei herrn- 
stand erhobene Hamburger Kaufmann und Philanthrop (1752 
bis 1839), ein Mann von erstaunlicher Vielseitigkeit und Ein- 
drucksfahigkeit, thatkräftig, weitblickend und großherzig, dem 
Goethefreund noch besonders anziehend, wie er, im Alter 
erblindet, aber innerlich ungebrochen, seine »unermüdete 
Thätigkeit« bis zum letzten Tag seines Lebens fortsetzt 
(Allg. d. Biogr. 40, 161). Das Goethe- und Schiller- Archiv 
besitzt von Voght unter anderm ein Billet aus den Karlsbader 
Tagen von 1806: er muß Goethe und seine Begleiter bitten, 
erst am Sonntag (27. Juli) seine Mittagsgäste zu sein, weil 
ihn ftlr den Freitag der Landgraf von Hessen, der ihn »in 
gewisser Rücksicht als zu ihm gehörend ansehe«, dringend 
zu sich einlade. — An den Eröffnungen des Landgrafen Carl von 
Hessen-Cassel hebt Goethe, wie in unserm Briefe, so auch 
sonst, z. B. im Tagebuch unterm 27. Juli 1806, den Charakter 
des Mysteriösen hervor. Daher wird man geneigt sein, bei 
den Mystagogen, auf die der Zauber der schönen Fürstinnen 
Solms und Nariskin so stark wirkte, vor allem an ihn zu 
denken. — Im Portefeuille des Grafen Lepel (vgl. v. Bieder- 
mann, Erläuterungen zu den Tag- und Jahresheften S. 93) 
waren Goethe die sieben Sacramente von Poussin fast ganz 
neu. Er hatte, als im Jahr 1 800 Oesers Kupferstichsammlung 
versteigert wurde, unter anderm auch auf »6 Blätter von den 
7 Sacramenten nach Poussin« bieten lassen, hatte aber weder 
diese noch irgend eine der Nummern des Katalogs, ftlr die er 
Auftrag gegeben hatte, erhalten (Brief des Secretärs A. E. Thiele 
an Goethe, Leipzig 19. April 1800, im Goethe- und Schiller- 
Archiv). 

Die mineralogischen und geologischen Studien des Dichters 
sind eng mit Karlsbad verwachsen, und sie waren es, die 
ihn, so oft er dort weilte, mit dem wackeren Joseph Müller 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 1810. 17 

zusammenfUhrten. Besonders fruchtbar wurde dieser Verkehr in 
den Jahren 1806 und 1807, in denen es Goethe unternahm, 
die Mineraliensammlung Müllers, aus der dieser Cabinetchen 
zum Verkauf herstellte, »wissenschaftlichen Zwecken näher zu 
führen.« Er selbst hat darüber wiederholt, aber in späteren 
Jahren nicht immer genau berichtet (Naturw. Schriften, W. A. 
Bd. 9, S. 9. 37), und auch die beste seiner Darstellungen, 
die in den Annalen (Bd. 35, S. 264 ff. Bd. 36, S. 12 f.), be- 
darf in Einzelheiten der Berichtigung oder doch der Ergänzung. 
Auch sie läßt nicht erkennen, was uns — um dies gleich 
hier zu erwähnen — der dritte unserer feriefe unmittelbar vor 
Augen führt, daß Goethe zweimal eine Beschreibung der 
Müllerschen Sammlung geliefert hat: zuerst 1806 indem Auf- 
satz »An Freunde der Geognosie,« der im September entstand, 
am 6. October im Intelligenzblatt der Jenaischen Literatur- 
Zeitung (Nr. 94) erschien, und in vielen Separatabzügen an 
Muller geschickt wurde, um mit dessen Cabinetchen versendet 
zu werden (Intelligenzbl. a, a. O. Sp. 776; Goethe an Eich- 
städt 4. October'; Tagebuch 24. October und 8. December*); 
sodann 1807 in dem zwei Bogen starken Aufsatz »Sammlung 
zur Kenntniß der Gebirge von und um Karlsbad, angezeigt 
und erläutert von Goethe. Karlsbad, gedruckt mit Johanna 
Franieckischen Schriften 1807«, der, in Karlsbad selbst ent- 
standen (Tagebuch 5. Juli bis 28. August), fortan statt jenes 
kürzeren die Müllerschen Sammlungen begleitete. Ich bemerke 
bei dieser Gelegenheit, daß in der naturwissenschaftlichen 
Abtheilung der Weimarer Ausgabe der Aufsatz »An Freunde 
der Geognosie«, obwohl bereits angekündigt (Naturw. Sehr. 
Bd. 9, S. 317), doch nicht zum Abdruck gekommen ist, weil 
der Herausgeber die Ueberzeugung erlangte, daß Goethes 
Antheil daran zu gering sei. Der Aufsatz besteht im wesent- 
lichen aus einem trockenen Catalog, wie ihn die »Recapitula- 
tion« des späteren Aufsatzes gibt, und dieser Catalog ist unter 
Mitwirkung von Lenz zu Stande gekommen (Tagebuch 27. bis 
30. September 1806). — Als den bedeutendsten geologischen 
Gewinn jener Zeit bezeichnet Goethe, wie in unserm Brief, 
so überall, wo es die Gelegenheit mit sich bringt, die nähere 
Bekanntschaft mit dem Uebergangsgestein, aus dem die heißen 
Quellen entspringen. Aber wie werthvoU es ihm war, im 
Zusammenhang damit auch von dem früheren Zustand der 



' Die drei Billette an Eichstädt Nr. 5246-5248 der W. A. sind 
nach dem Tas^ebuch zu datiren: i., 2. und 4. October. 

* Die Aosendung der »mineralogischen Anzeige«, d. h. eben jener 
Separatabzüge, an Müller verzögerte sich — ganz so, wie die der 
»2. Lieferung« der Werke an Cotta — in Folge des gestörten Post- 
verkehrs bis zum 8. December. Von den Abzügen, die Goethe selbst 
behielt, schickte er am 9. Mai 1807 einen an Blumenbach. 

GOITHE-JAHRBUCR XVIII. 2 



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l8 Neue Mittheilungen. 

Karlsbader Quellen eine deutlichere Vorstellung gewonnen 
zu haben, das lassen spätere Aeußeningen selten so klar 
erkennen wie das Tagebuch unterm 3. August 1806, unser 
Brief und die folgende Stelle des Aufsatzes »An Freunde der 
Geognosie«: »Durch unermüdete Betrachtungen und Nach- 
forschungen stellte er (Joseph Müller) in seiner Einbildungs- 
kraft ein Bild des älteren und mittleren Zustandes der Karls- 
bader Quellen auf, das auch für den interessant seyn muß, 
der sich mit seinen theoretischen Ansichten nicht durchaus 
vereinigen könnte. Auch hievon« — wie von Müllers Leben 
und seinen Verdiensten um die Geognosie — »soll am schick- 
lichen Orte ein Abriß gegeben werden« — ein Versprechen, 
das wenigstens in dem hier angedeuteten Umfange nicht er- 
füllt worden ist. — Ueber den Legationsrath Heinrich Christian 
Gottfried v. Struve orientirt kurz v. Biedermann S. 338 seiner 
»Erläuterungen« ; Genaueres im Neuen Nekrolog der Deutschen, 
Jahrgang 29 (185 1), S. 981. Welcher seiner Brüder sich vor 
dem Sommer x8o6 längere Zeit in Weimar aufhielt, ist mir 
nicht bekannt. — Bergrath Werner und August v. Herder, 
von denen nach der Darstellung der Annalen »jener auf längere, 
dieser auf kürzere Zeit« an Goethe herantrat, werden in 
unserem Briefe gar nicht erwähnt; möglich, daß er im Concept 
schon fertig war, als Goethe am letzten Tag seines Karlsbader 
Aufenthalts ihren Besuch erhielt (Tagebuch). — Die Fahrt 
nach Engelhaus hatte Goethe am 22. Juli mit Müller gemacht. 
Der Name des Ortes brauchte zwischen ihm und dem Herzog 
nur genannt zu werden, um noch jetzt, nach zwanzig Jahren, 
die heitersten Erinnerungen an jenen »Abschied im Namen 
der Engelhäuser Bäuerinnen« (W. A. Bd. 4, S. 227) wachzu- 
rufen. — Goethes Aeußerung, daß für das jenaische Cabinet 
eine ähnliche Folge der Teplitzer Mineralien erwünscht sei, 
wie er selbst sie von Karlsbad mitbringe, fiel auf günstigen 
Boden. Schon am 5. August antwortete Carl August (Bd. i, 
S. 311 des gedruckten Briefwechsels), daß sich Racknitz be- 
mühen werde, eine mineralogische Suite der Teplitzer Gegend 
zu liefern. Es war derselbe v. Racknitz, dem Goethe während 
des Karlsbader Aufenthalts von 1786 so wesentliche Förderung 
in mineralogisch -geognostischen Dingen schuldig geworden 
war (Naturw. Sehr. Bd. 9, S. 7). 

2. Das Concept des Briefes an Steffens ist ohne Datum 
und ohne Angabe des Adressaten auf einem sonst leeren Bogen 
blauen Conceptpapiers überliefert. Es versteckt sich in dem 
Fascikel »Chromatica 18« des Goethe- und Schiller-Archivs 
(Bl. 218), gehört aber nicht zu dessen ursprünglichem Bestand, 
wie ihn John auf dem Umschlag angegeben hat, sondern zu 
sieben nachträglich eingelegten Nummern, die von Musculus* 
Hand auf dem Umschlag verzeichnet sind. In dieser Aufzäh - 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 1810. 19 

lung folgt auf Nr. 6, den Brief von C. H. PfafF an Goethe 
vom 13. Deceraber 181 2, als Nr. 7 unser Concept, bezeichnet 
als »ein Brief von Goethe, ob an Pfaff?« Eduard von der 
Hellen, dem es nicht entging, daß die wirkliche Antwort 
Goethes an Pfaff (gedruckt in Westermanns Monatsheften 1876 
S. 252) ganz anders lautet, vermuthete in unserm ßriefentwurf 
ein »cassirtes Concept« dieser Antwort, aber auch gegen 
diese Annahme ergaben sich mir bei näherer Prüfung schwere 
Bedenken. Ich legte den Brief Rudolf Steiner vor, und dieser 
erkannte sehr bald die Beziehung auf Steffens und dessen 
»GrundzUge der philosophischen Naturwissenschaft.« 

Dieses Buch — dessen Titel von den Goetheforschern 
in der ungenauen Fassung citirt zu werden pflegt, die ihm 
Goethe in den Annalen (W. A. Bd. 35, S, 255) gegeben hat, 
— kam dem Dichter im Jahr 1806, bald nach seiner Rück- 
kehr aus Karlsbad, »durch den Buchhandel« entgegen (das 
Genauere im Tagebuch unterm 16., 21., 22, und 29. August), 
und er hatte sein Urtheil darüber bereits in dem Brief an 
F. A. Wolf vom 31. August mit köstlichem Humor ausge- 
sprochen, als am 5. September »Steffens Sendung«, d. h. ein 
Exemplar der »Grundzüge« — wohl dasselbe, das sich noch 
heute im Goethehause befindet, — und ein Brief von Steffens, 
jetzt im Goethe- und Schiller-Archiv, bei ihm eintraf (Tage- 
buch). Der Brief muß, obwohl in feinem Datum die 3 in 
eine i verwandelt ist, am 3. September geschrieben sein, denn 
Steffens nimmt darin bereits auf Goethes Brief an Wolf Bezug. 
Er eile, sagt er, um so mehr, Goethe sein Buch zu überschicken, 
als ihm der Geheimderath Wolf versichere, daß die ersten 
Bogen das Glück gehabt hätten, die Aufmerksamkeit seiner 
Excellenz auf sich zu ziehen, — eine freilich sehr euphemis- 
tische Wiedergabe von Goethes Worten: »das Büchlein hat 
zwar an seiner Vorrede einen honigsüßen Rand, an seinem 
Inhalte aber würgen wir andere Laien gewaltig«. 

Auf diesen StefTens'schen Brief, dessen künftigem Abdruck 
in der Reihe der an Goethe gerichteten Romantikerbriefe 
hier nicht vorgegriffen werden soll, ist der unsrige die Antwort. 
Er kann nur im September oder im Anfang October geschrieben 
sein; keinenfalls nach der Schlacht bei Jena, sonst könnte 
eine Hindeutung auf die furchtbare Katastrophe nicht fehlen. 
Dafür, daß er wirklich abgeschickt worden, ist mir ein äußeres 
Zeugniß nicht bekannt — auch in Steffens' »Was ich erlebte« 
finde ich ihn nicht erwähnt — , aber die innere Wahrschein- 
lichkeit spricht durchaus dafür: denn glänzender, als es hier 
geschieht, konnte auch Goethe nicht hoffen der Aufgabe 
gerecht zu werden, einen aus dem Innersten seiner Natur her- 
vorgehenden Widerspruch aufrichtig zu bekennen, und doch 
2U einer versöhnlichen Annäherung, ja zu einer Anbildung an 



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20 Neue Mittheilungen. 



den Autor den Weg offen zu lassen. Zu dem Wort der Annalen 
von der »uneinigen Einigkeit«, in der man mit Steffens ge- 
wöhnlich gelebt habe, liefert unser Brief den lebendigsten 
Commentar. 

Der Gedanke des gegen die Newtonianer gerichteten 
Epigramms (W. A. Bd. i, S. 325): 

»Alles erklärt sich wohl«, so sagt mir ein Schüler, »aus jenen 
Theorien, die uns weislich der Meister gelehrt.« 

Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert, 
Passt ein lebendiger Leib freilich zur Strafe daran. 

erfährt hier eine neue, sehr hübsche Anwendung auf Steffens* 
Theorie von der »Quadruplicität« der Natur. Daß andererseits 
Goethe das Geistreiche in Steffens wirklich schätzte und sich 
davon anregen ließ, zeigen seine von Riemer aufgezeichneten 
Aphorismen aus dem November und December 1806. Der dort 
wörtlich citirte Ausspruch von Steffens (Riemer, Briefe von 
und an Goethe S. 291) entspricht einem in den »Grundzügen« 
(S. 183) aufgestellten Gesichtspunkt, ist aber nicht aus ihnen 
entnommen, und die Art, wie er eingeführt wird (»Steffens 
nannte«, nicht »Steffens nennt«), deutet darauf hin, daß ihn 
Goethe überhaupt nicht gelesen, sondern, als er »hinter der 
bewussten Thüre horchend saß«, von Steffens gehört hat; 
vgl. Goethe an F. A.^ Wolf 31. Aug. 1806; Steffens, Was 
ich erlebte Bd. 6, S. 49. 

Das kühne Compositum »wißreich« stellt sich dem ähnlich 
gebildeten »schaureich« an die Seite, das wir bei Boisser^e 
(Bd. I, S. 268) aus Goethes Munde vernehmen. 

3. Aus dem Brief vom 18. Juli 1807, der im Mai 1895 
bei Albert Cohn in Berlin zur Versteigerung gelangte, ist das 
Wesentlichste schon im Catalog jener Auction mitgetheilt 
worden und daraus in das vorige Goethe -Jahrbuch (S. 239) 
übergegangen. Gleichwohl wird der vollständige Text des 
Briefes, wie er hier auf Grund einer von Herrn Albert Cohn 
dem Goethe- und Schill er- Archiv geschenkten Abschrift ge- 
geben wird, im Rahmen unserer Veröffentlichung willkommen 
sein. Dass der Brief wirklich, wie Cohn vermuthete, an Voigt 
gerichtet ist, wird durch das Tagebuch bestätigt; auch die 
»vorigen Briefe«, vom 9. und 18. Juni und 9. Juli, finden wir 
dort verzeichnet. 

Fernow, der am 17. Juli in Karlsbad eingetroffen war, 
hatte Goethe noch am selben Abend die aus Weimar mit- 
gebrachten Briefe übergeben (Tagebuch), darunter einen von 
Voigt an Carl August, den nun Goethe dem Herzog nicht 
nach Dresden nachsendet, sondern »nach Herrn Professor 
Fernows Anleitung« an Voigt zurückgehn läßt. Voigt mochte 
nicht wünschen, daß der Brief in Sachsen von napoleonischen 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 181 o. 21 

Spähern geöffnet werde. — Der Herzog hatte ursprünglich 
Karlsbad nach vierzehn Tagen mit Teplitz vertauschen wollen, 
war aber dann fast sechs Wochen geblieben. Noch am 14. Juli 
gedachte er von Karlsbad erst »zu Ende der Woche« ab- 
zugehn; wie es scheint, nach Weimar (Goethe an Christiane 
14. — 16. Juli). Da traf die Stafette aus Dresden ein, die ihm 
die bevorstehende Ankunft Napoleons meldete, und er reiste, 
um den Gewaltigen, der ihn längst bei sich erwartet hatte, 
nicht von neuem zu reizen, noch in der Nacht dorthin ab. 
Das schien die Staatsraison dringend zu fordern. Hatte doch 
Voigt am 4. Juli an Goethe geschrieben (Goethe- und Schiller- 
Archiv, ungedruckt) : » . . . der Friede ist vor der Thür, und 
alsdenn eilt Napoleon nach Hause. — Der Herzog soll und 
muß ihn alsdenn noch in Deutschland besuchen; wir ver- 
derben sonst alle unsre Affairen, da wir uns besonders mit 
Contingent und Contribution gar nicht empfohlen haben.« 
Der persönlichen Neigung Carl Augusts freilich entsprach 
diese Reise sehr wenig, und dem charakteristischen Miß- 
geschick, das alle Schritte begleitete, die er dem Corsen ent- 
gegen that, entging er auch diesmal nicht (Friedr. v. Müller, 
Erinnerungen aus den Kriegszeiten von 1806 — 1813, S. 152 f.). 
Seinen Geheimsecretär Vogel schickte er nach Weimar voraus, 
wie er ihn nach Karlsbad hatte vorangehn lassen (Tagebuch 
unterm 5. Juni). — Herzog Ernst von Koburg hatte bei Auer- 
städt gegen Napoleon gekämpft, hatte Trümmer des preußi- 
schen Heeres nach Graudenz und Königsberg geführt und 
war von dort schwer krank nach Memel gebracht worden. 
Durch den Tod seines Vaters (9. December 1 806) war er zur 
Regierung gelangt, aber Napoleon hatte Sequestration über 
sein Land verhängt. Jetzt wurde es ihm durch den Frieden 
von Tilsit zurückgegeben. Ob er davon schon sichere Nach- 
richt hatte, als er in Karlsbad »noch kurze Zeit zauderte«, 
ehe er Carl August nachfolgte ? — Die Spannung, von der unser 
Brief Zeugniß ablegt, herrschte am 18. Juli auch noch in 
Dresden; erst am 19. wurde die durch den Frieden geschaffene 
Lage in ihren Hauptumrissen bekannt (v. Müller, Erinnerungen 
S. 154). 

Über die veränderte Curmethode, deren sich Goethe auf 
Kapps Rath mit so gutem Erfolg bediente, geben das Tage- 
buch (vom 17. Juni an) und von den Briefen besonders die 
an Christiane Aufschluss. 

Mit vielsagender Kürze bemerkt Goethe, er gedenke 
Voigts und der Seinigen gar oft »innerhalb dieser Felsen und 
Gebirge«. Nicht nur Voigts Bruder, der Bergrath, auch er 
selbst theilte Goethes mineralogisch-geognostische Interessen 
(Goethes Briefe an C. G. v. Voigt, herausg. von O. Jahn, 
S. 22, Anm. 3. S. 38 f. 141 u. s. w.). Er war, von seiner 



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22 Neuf. Mittheilungen. 



Familie begleitet, »in glücklicheren Zeiten« einmal mit Goethe 
in Karlsbad zusammengetroffen, * und daß er sich »in Goethes 
Nähe hatte der Natur nahen können«,* war ihm »die ge- 
bliebenste Erinnerung von dorther«. »Mit solcher Vergangen- 
heit allein«, hatte er noch ktlrzlich geschrieben, »kann man 
die sorgenreichere Gegenwart mildern«. Mineralogische An- 
denken für ihn und seine Fraii, die Goethe Anfangs Juli ihrem 
Sohn, dem Regierungsrath, mitgab, überzeugten ihn, »daß 
der Pisolith noch nicht ausgegangen«, und als Goethe selbst 
nach Weimar zurückkam, rief er ihm ein »Willkommen aus 
den Graniten her I« entgegen (Briefe Voigts an Goethe vom 
3. und II. Juni, 4. Juli und 12. September 1807 im Goethe- 
und Schiller-Archiv, ungedruckt). Auch mit dem Steinschneider 
Muller war Voigt von alten Zeiten her wohlbekannt. Ist 
doch jener merkwürdige Brief Müllers, der uns Goethes Ver- 
kehr mit ihm schon für das Jahr 1785 bezeugt, an Voigt 
gerichtet (Hlawacek-Ruß, Goethe in Karlsbad S. 7 ff.). 

Von Goethes beiden Beschreibungen der Müllerschen 
Sammlung ist oben S. 17 die Rede gewesen.' Welches In- 
teresse an seinem neuen Aufsatz Goethe bei Voigt voraus- 
setzte, geht daraus hervor, daß er ihm, noch ehe er über 
gedruckte Exemplare verfügte, das Manuscript zusandte (Tage- 
buch unterm 23. August). 

Titius, den Goethe schon seit 1786 kannte (vgl. v. Bieder- 
mann, Goethe und Dresden), wird im Tagebuch von 1807 
nur einmal (unterm 30. Juli) erwähnt, öfter Sulzer von Ronne- 
burg (8.-23. Juli), dessen auch der Brief »An Herrn von 
Leonhard« (Naturw. Sehr. Bd. 9, S. 50) und die Annalen 
(Bd. 36, S. 18) gedenken; nach einer einleuchtenden Ver- 
muthung Uhdes (s. dessen H. A. O. Reichard S. 99, Anm.i; 
Allg. d. Biogr. 37, 148) wären dieser »emsige Mineralog« 
und der »rüstige Bub von Schweizerblut«, von dem einst Gotters 
gereimte Epistel als von einem geeigneten Darsteller des Götz 
gesprochen hatte, eine und dieselbe Person. 



' Dies Zusammentreffen kann nur das durch einen Bericht des 
Grafen Moritz Brühl (G.-J. XI, 125) und durch einen Brief des 
Steinschneiders Müller (s. unten^ bezeugte im Jahre 1785 sein; in 
keinem der Jahre, in denen O. Jahn Reisen Voigts nach Karlsbad er- 
wähnt fand (a. a. O. S. 110 Anm.), war Goethe dort anwesend. 

* »Ob nicht Natur zuletzt sich doch ergründe«, heißt es in Goethes 
Gedicht an Voigt zur Feier des 27. Septembers 1816 (W. A. Bd. 4, S. 15). 

5 Hier sei nur noch erwähnt, daß Goethe, um im Vorwort des 
Aufsatzes von 1807 (Natun^'. Sehr. Bd. 9, S. 317) angeben zu können, 
in welcher Nummer des Intelligenzblattes sein Aufsatz »An Freunde 
der Geognosie« gestanden habe, bei Eichstädt anfragen mußte (4. Juli 
1807). Aus den Separatabzügen, deren ja Müller genug hatte, war das 
also nicht zu ersehen. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, ^^lo. 23 

4. Das Concept unseres vierten Briefes, zu »Keils Samm- 
lung« im Goethe- und Schiller-Archiv gehörig, ist wie das 
des zweiten auf einem sonst leeren Foliobogen ohne Datum 
und ohne Angabe des Adressaten überliefert. Daß das Papier 
dasselbe ist wie bei unserem fünften und sechsten Brief 
(Wasserzeichen : / IVS und der österreichische Doppeladler), sei 
nur beiläufig erwähnt, denn der Inhalt des Briefes reicht zu 
seiner Bestimmung vollständig aus. 

Könnte an sich ein Zweifel darüber bestehn, daß mit 
der »erhabnen und fürtrefflichen Herrscherinn« die Kaiserin 
von Oesterreich gemeint ist, so würde er gehoben durch die 
Erwähnung einer »kleinen Sammlung«, die der Dichter drucken 
lässt, sobald er erfährt, daß »allerhöchsten Ortes das Ueber- 
reichte nicht ungnädig aufgenommen worden«, und zwar an 
einem Orte drucken läßt, dessen »typographische Einrichtungen 
ihn keineswegs begünstigen.« Das paßt unter allem, was 
Goethe während seines Lebens hat drucken lassen, lediglich 
auf die 18 10 in Karlsbad gedruckten »Ihro Majestät der Aller- 
durchlauchtigsten Frau Frau Maria Ludovica Kaiserinn von 
Österreich bey Ihrer höchst beglückenden Anwesenheit in 
Karlsbad allerunterthänigst zugeeigneten Gedichte«. ' Damit 
ist uns aber zu dem Adressaten des Briefes schon der Weg 
gewiesen. Die Kaiserin hatte, ehe sie am 22. Juni nach 
Teplitz abreiste, Goethe den Auftrag ertheilt, wie er in drei 
firüheren Gedichten im Namen Karlsbads zu ihr gesprochen, 
so nun in ihrem Namen Worte des Abschieds an die Be- 
wohner von Karlsbad zu richten. Er hatte am 22. — 24. Juni 
»Der Kaiserin Abschied« gedichtet, und unterm 25. verzeichnet 
sein Tagebuch: »Vollendung und Einband der Abschrift der 
Gedichte für die Kaiserin.« Wer war es, der diese Abschrift 
der Kaiserin übermittelte? Eine fürstliche Person, eine Durch- 
laucht, die in Karlsbad während der Anwesenheit der Kaiserin 
mit Goethe verkehrt hatte, und die nun von Teplitz aus mit 
ihm correspondirte. Das trifft meines Wissens nur auf einen 
zu, auf den Fürsten Karl v. Lichnowsky. Er war noch am 
Mittag des 25. Juni mit Goethe beim Chevalier O'Hara zu- 
sammen (Tagebuch), muß aber unmittelbar darauf nach Teplitz 
abgereist sein. Und von ihm findet sich in der That im Goethe- 
und Schiller -Archiv ein Brief an Goethe, datirt »Töplitz den 
28. Junius 1810«, der mit den Worten beginnt: »Des ehren- 
vollen Auftrags Seiner Majestät * Ihre Gedichte zu überreichen 
habe ich mich gegen des Obristhofmeisters Excellenz entledigt, 
und aus dem Munde Seiner Majestät selbst ihre Bewunderung 



' Vgl. W. A. Bd. 16, S. 489 f. 

* Auffallender Weise tritt in Lichnowsky s Briefen der zur Formel 
erstarrte Ausdruck »Seine Majestät« an die Stelle von »Ihre Majestät.« 



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24 Neue Mittheilungen. 



über den Abschied vernommen.« Mit einer Lieblingsidee, 
schreibt Lichnowsky weiter, sei er zwar gegen den Obrist- 
hofmeister (den Grafen Althann) nicht glücklich gewesen, 
weil deren Erfüllung nicht von der Kaiserin unmittelbar 
abhängen würde — eine Ordensverleihung also — , wohl aber 
sei die Kaiserin auf einen andern Beweis ihres Dankes und 
ihrer Zufriedenheit bedacht, der ihm um so schätzbarer sein 
werde, als dessen Idee ganz von ihr selbst herkomme.' Auf 
diese Andeutung, die er am 3. Juli Christiane mitgetheilt hatte, 
nimmt Goethe im zweiten Absatz unseres Briefes Bezug ; auf 
den von Lichnowsky ausgesprochenen Wunsch, ihn in Teplitz 
zu umarmen, antwortet er in der Schlusswendung. 

Das Tagebuch verzeichnet unsern Brief unterm 7. Juli 
neben einem an den Herzog gerichteten, der diesem am 
Abend des 1 2. Juli in Teplitz von einem Mr. St. Vincent über- 
bracht wurde (Carl August an Goethe 13. Juli 1810). Gingen 
beide Briefe mit derselben Gelegenheit ab, und will man nicht 
annehmen, daß sie mehr als drei Tage unterwegs waren, so 
konnte ihnen Goethe nicht nur Exemplare des Octavdrucks, 
sondern auch solche des Quartdrucks der Gedichte beifügen. 
Denn die Exemplare in Quart wurden, wie sich aus den »Acta 
den Aufenthalt in Carlsbad betr. 1810« (Goethe- und Schiller- 
Archiv unter Goethes Rechnungen) ergibt, am 7. Juli vom 
Buchdrucker abgeliefert und kamen am 9. Juli vom Buch- 
binder zurück, fünfzig mit bloßem Falz, drei in buntes Papier 
gebunden. * 

5. Unser fünfter Brief folgt in dem Goethischen Concept- 
heft, das die Jahreszahlen 181 1 und 181 2 trägt, aber auch 
Briefe von 18 10 enthält, unmittelbar auf unseren sechsten, der, 
bisher falsch datirt, eine falsche Datirung auch des unsrigen 
nach sich zog. In Wahrheit ist unser Brief die Antwort auf 
Cottas Brief vom 18. Juli 1810; das genaue Datum, der 
29. Juli, ergibt sich aus Cottas Schreiben vom 27. Sep- 
tember 18 IG.' 

In Betreff der Farbenlehre hatte Cotta am 29. Mai aus 
Leipzig geschrieben, er erkenne es mit großem Dank, auch 



' Auf einer goldenen Dose wollte die Kaiserin eine bekränzte Lyra 
in Diamanten anbringen lassen; nachdem die Ausführung dieser Idee 
zweimal verunglückt war (vgl. Tagebücher 4, 389), wählte sie eine 
Dose mit dem Namen Luise (Goethe an Zelter 28. Februar 181 1). 

* Eine in diesen Acta enthaltene Buchbinderquittung über 5 fl. 30 Xr. 
für einen Atlasdeckel betrifft offenbar den Einband der für die Kaiserin 
bestimmten Abschrift der Gedichte. 

3 Bestätigt wird die Datirung dieses und unseres siebenten Briefes 
durch Wilhelm Arndts handschriftliches Verzeichniß der Briefe Goethes 
(im Goethe- und Schiller- Archiv), das auch die noch nicht g^edruckten 
Briefe an Cotta mit ihren Anfangsworten aufführt. — Die Briefe Cottas 
an Goethe befinden sich sämmtlich im Goethe- und Schiller- Archiv. 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, i8ro. 25 

der Verleger dieses einzigen Werks seiner Art zu sein, in 
Hinsicht des Honorars aber sei er recht verlegen; er habe 
einstweilen laoorh. bemerkt und denke, es solle sich noch 
mehreres nachtragen lassen. Warum das Blättchen, worauf 
Goethe ihm dankte — es ist im Tagebuch unterm 6. Juni 
verzeichnet — , nicht an ihn abgegeben wurde, müßte aus 
Christianens Briefen hervorgehn, von denen aber aus dieser 
Zeit keiner vorhanden ist. — Nach der Rechnung, die Cotta 
seinem Brief vom 18. Juli beilegte, war er bedeutend in 
Goethes Schuld; er bemerkte daher, daß Frege & Co. zu 
jeder Zahlung beauftragt seien. 

Prinzessin Caroline hatte sich am i. Juli mit dem Erb- 
prinzen von Mecklenburg-Schwerin vermählt. Da Goethe ihr 
Fest nicht mitbegehn konnte, war es seine Absicht gewesen, 
»ihr etwas zum Tage der Abreise zu widmen«, »ein artig 
Liedchen« nach einer Melodie, die er Silvie v. Ziegesar zu 
errathen aufgibt. Daß er über den Gedichten für die Kaiserin 
nicht dazu gekommen sei, bedauert er in verschiedenen Briefen 
— an seine Frau 27. Juni, an Silvie v. Ziegesar 4. Juli, an 
Knebel 10. Juli — , aber erst aus dem unsrigen ergibt sich der 
Bezug auf den Damenkalender und damit, wie es scheint, der 
Schlüssel zu den Worten des Briefes an Silvie: was er der 
lieben Prinzeß zugedacht, habe sich verspätet und brauche 
nun ein Jahr um zu reifen. ' Ein ihm vorschwebendes Gedicht 
an der Spitze des Damenkalenders für 181 1 erscheinen zu 
lassen — nöthigenfalls mit römischen Seitenzahlen — wäre 
es noch immer Zeit gewesen; aber jetzt noch beim Verleger 
anzuregen, daß er das Taschenbuch der Prinzessin widme, 
dazu mochte es ihm zu spät scheinen. So machte er diesen 
Vorschlag für den folgenden Jahrgang. Cotta nahm ihn dank- 
bar an und versprach die Einrichtung darnach zu treffen 
(27. September). Er erinnerte auch im nächsten Sommer 
(27. Juli) den Dichter an seine Zusage, aber Goethe, damals 
eifrig mit Dichtung und Wahrheit beschäftigt und in seinem 
Gemüth der Prinzessin gegenüber schon auf andere Weise 
einigermaßen erleichtert*, antwortete am 22. August 181 1, 
es sei ihm, obwohl er es bis diese Tage noch immer gehofft 
habe, nicht möglich geworden, seine Zusage zu erfüllen; er 
würde dies, setzte er hinzu, mit mehr Verlegenheit anzeigen, 
»wenn nicht die Versprechen der Autoren, so wie die Schwüre 
der Liebhaber, von den Göttern selbst mit einiger Leichtigkeit 
behandelt würden«. Cotta unterließ nun jede Zueignung des 
Almanachs für 181 2, »um der an die liebenswürdige Erb- 

' »reisen« im Text der W. A. ist wohl nur ein Lesefehler. 

' Er hatte ihr am 15. März eine Partie Kaazischer Zeichnungen 
als Andenken, am 14. August auf ihren Wunsch die Zeichnungen 
Nauwercks zum Faust übersandt. 



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26 Neue Mittheilungen. 



Prinzessin von Mecklenburg nicht vorzugreifen«, versuchte 
sogar noch für den Jahrgang 1813 den geplanten Beitrag 
Goethes zu erhalten (17. September 181 1; 7. März 1812), 
aber ohne Erfolg. 

Der Arbeit an den VVanderjahren machte in Karlsbad 
so Manches Concurrenz — die Vorbereitungen zur Selbst- 
biographie, die Gedichte für die Kaiserin, das Schema zur 
Tonlehre — , doch schrieb Goethe noch am 19. Juli an 
Sartorius, daß zu Michael vielleicht der erste Theil erscheine. 
In unserm Brief äußert er sich schon viel zweifelhafter. Er 
hatte sich in der Zwischenzeit in Voltaires Correspondenz ver- 
tieft, die dem Interesse an der Selbstbiographie neue Nahrung 
gab, und als er dann zu den Wanderjahren zurückkehrte, be- 
schäftigte ihn die Ueberlegung der geologischen Partien des 
Romans so stark (Tagebuch 28. Juli bis i. August), daß der 
Abschluß des ersten Theils ins Ungewisse hinausgerückt 
wurde. An die geologischen Partien zunächst, wenn auch 
gewiß nicht an sie allein, wird Goethe gedacht haben, als er 
schrieb, »er sehe erst jetzt, wie viel sich für das Werk und 
durch dasselbe thun lasse.« Unter dem Prooemion, das er 
»zu einiger Vorahndung seiner Absichten einschaltete«, ist ohne 
Zweifel der Brief Wilhelms an Natalien zu verstehn, aus dem 
wir die für Wilhelms Wanderschaft geltenden Gebote kennen 
lernen. In dem Abdruck der ersten Kapitel des Romans im 
Damenkalender für 1810 war dieser Brief nur angekündigt, 
nicht mitgetheilt. 

Das Manuscript, welches Cotta (in seinem Brief vom 1 8. Juli) 
zurückwünschte, war ein Aufsatz über Necker, den Johannes 
v. Müller im Jahr 1806 als Vorrede zu einer von Eichstädt ge- 
planten Uebersetzung der »Manuscrits de Mr. Necker« ge- 
schrieben, später, da die Uebersetzung nicht erschien, vergeb- 
lich zurückverlangt hatte. Nach seinem Tode hatte sein Bruder 
Johann Georg, der Herausgeber seiner sämmtlichen Werke, sich 
wegen dieses Aufsatzes wiederholt an Eichstädt gewendet, ohne 
eine Antwort zu erhalten. Nun versuchte der Verleger durch 
Goethes Vermittlung etwas zu erreichen. Goethes nächster Brief 
an Cotta, unser siebenter, berührt die Angelegenheit nicht — 
wahrscheinlich besprach sie Goethe erst in den Tagen vom 23. bis 
26. November mündlich mit Eichstädt* — , und der zweitnächste, 
vom 2. December 1810, ist bis jetzt nicht bekannt. Jedenfalls 
musste Johann Georg Müller seine Aufforderung, der Besitzer 
des Aufsatzes möge ihn zurückgeben oder veröffentlichen, noch 
im Jahr 1814 wiederholen (im 18. Band der Werke seines 
Bruders, S. 399 Anm.), und erst im April 1819 entsprach ihr 



* Vgl, Goethe an Eichstädt 15. November 1810: »Wegen einiges 
andern hoffe ich bald mündliche Anfrage zu thun.« 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 18 10. 27 

Eichstädt durch Abdruck des Aufsatzes im Intelligenzblatt der 
Jenaer Literatur-Zeitung (Nr. 25 und 26). 

6. Diesem Brief hat der Kanzler v. Müller in dem 
Goethischen Conceptheft 1811/12 (s. oben S. 24) die Jahres- 
zahl 181 2 beigeschrieben, der Schreiber einer im Kanzler 
Müller-Archiv befindlichen Abschrift hat sie copirt, Strehlke 
hat sie übernommen, und sie ist bis jetzt nicht beanstandet 
worden, obwohl schon die von Strehlke (Bd. 2, S. 345) mit- 
getheilte Stelle über die Anwesenheit der Kaiserin von Oester- 
reich den Irrthum hätte aufklären können. Auf den 31. Juli — 
dieses Datum ergibt sich aus Voigts Antwort vom 1 1. August — 
hat Goethe den Brief vielleicht nur zurückdatirt ; die Wendung 
»Der Zudrang war im July sehr gross« würde eher auf den 
Anfang August führen. Wahrscheinlich ist der Brief einer der 
vier, deren Porto in den »Actaa (s. oben S. 24) unterm 
2. August notirt ist. 

Der briefliche Verkehr mit Voigt war im Sommer 1810 
nicht so lebhaft wie 1807. Daß Voigt ernstlich an Coqueluche 
(Keichhusten) erkrankt gewesen, aber wieder hergestellt sei, 
hatte Goethe schon aus einem Brief des Herzogs vom i. Juli 
erfahren (Briefwechsel 2, 21). 

Der Steinschneider Müller — uns nun auch schon ein 
alter Bekannter — erscheint hier zum ersten Mal nicht mehr 
im Vollbesitz seiner körperlichen Rüstigkeit; aber wie viel 
ihm auch jetzt noch davon geblieben war, lässt die ergötz- 
liche Anekdote aus dem Jahr 181 1 erkennen, die Goethe 
im Tagebuch (unterm 23. Mai) und in den Annalen erzählt. 
Der Gewohnheit Müllers, aus seinen Steinvorräthen »jede 
Sammlung einzeln zusammen zu klaubencc, gedenkt Goethe 
auch anderwärts (Naturw. Sehr. Bd. 10, S. 177; Annalen 1808, 
Bd. 36, S. 36) und führt sie hauptsächlich auf die Lust zurück, 
»einige Fundörter zu verheimlichen und überhaupt sein Gewerb 
mit einer gewissen Dunkelheit zu umgeben«. — Der gute 
Bergrath, »der sich hiebey anders benehmen würde«, ist 
natürlich Voigts Bruder, der schon seit den achtziger Jahren 
von Ilmenau aus seine Mineraliencabinetchen versandte ; vgl. 
außer den bekannten Briefstellen (Goethe an J. C. Kestner 
25. April 1785, an C. G. Voigt 9. Februar 1788) auch die 
Erwähnung im »Deutschen Gilblas«, Stuttgart und Tübingen 
1822, S. 161, auf die mich Bernhard Suphan aufmerksam 
macht. 

Für den Verkehr mit Graf und Gräfin Razoumowsky sei 
auf das Tagebuch (22. Mai — 29. Juli), auf die an Carl August 
gesandten »Nachrichten von Carlsbad« (Briefe 21, 3x2) und 
auf den Brief an Knebel vom 12. Juni verwiesen. Zwischen 
Razoumowskys Schwiegersohn, dem Grafen Uwarow, und 
Goethe spannen sich bekanntlich noch im Jahr 18 10 brief- 



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28 Neue Mittheilungen. 



liehe Beziehungen an, die bis in Goethes letzte Lebenszeit 
fortdauerten. * 

Franz Mayer, ein Wiener Galanteriehändler, der in seiner 
Vaterstadt Karlsbad wohl nur in der Badesaison einen Laden 
aufthat, * muß unter den Curgästen eine sehr bekannte Persön- 
lichkeit gewesen sein. Goethes Tagebuch erwähnt ihn sehr 
häufig, Carl August unterhielt geschäftliche (und humoristisch- 
wohlwollende?) Beziehungen zu ihm (Goethes Tagebuch unterm 
20. August 1807;' Carl August an Goethe 20. Juli 1810), und 
unser Brief setzt voraus, dass auch Voigt ihn kannte. Stiftungen, 
durch die sein Andenken in Karlsbad fortlebte, erwähnen 
Lenhart, Carlsbads Memorabilien (Prag 1840) S. 140 und 
Mannl, Erinnerungsblätter aus der Geschichte Carlsbads (Carls- 
bad 1858) S. 42. 

Mit einem Uebergang, den eine im Tagebuch (unterm 
29. Juli 1806) erzählte Geschichte hübsch illustrirt, kommt 
Goethe von Franz Mayers Preisforderung auf den Curs des 
Papiergelds und dessen Einwirkung auf alle Verhältnisse zu 
sprechen. Er endigt, könnte man sagen, seine Karlsbader 
Correspondenz mit diesem Thema, wie er sie mit ihm be- 
gonnen hatte (in den an Carl August gesandten »Nachrichten« 
vom 24. Mai). 

Zu der Andeutung, daß er in der späteren Zeit seines 
Karlsbader Aufenthalts »einiges habe leiden müssen«, gibt der 
Brief an seine Frau vom 22. Juli die nähere Ausfuhrung, das 
Tagebuch (vom 9. — 21. Juli) die Daten. — Mit der Aeußerung 
über Stark vgl. die warmen Worte in dem Brief an Carl 
August vom 22. Juli. 

Ueber die Krankheit der kleinen Prinzessin (Marie) und 
über sein eigenes Leiden hatte der Herzog an Goethe be- 
richtet (14. Juni und i. Juli). 

7. Dieser Brief, wie der fünfte und sechste in dem Concept- 
heft 1811/12 erhalten, wurde von Eduard von der Hellen 
und Albert Leitzmann in das Jahr 181 1 gesetzt, aber er kann 
seinem Inhalt nach nur zwischen Cottas Briefe vom 27. Sep- 
tember und 17. December 1810 fallen und muss von den 
beiden Briefen, die Goethe in dieser Zeit an Cotta gerichtet 
hat, der frühere sein. Bestätigt wird diese Datirung durch 
Citate in Düntzers Erläuterungen zu Dichtung und Wahrheit 



* Das Werk von 'A. Wassiltschikow »Die Familie Rasumowski« 
(Petersburg 1878) ist mir nur aus einer Erwähnung in Georg Schmids 
»Goethe und Uwarow« (S. 44) bekannt. 

* Quittungen von inm im Goethe- und Schiller- Archiv, z. B. vom 
8. Juli 1808 und 22. Juni 1810, sind unterzeichnet: »Franz Mayer u. C. 
zur Stadt Karlsbad in Wiena. 

J Heißt er »der Meerjunker« vielleicht in Bezug auf das Haus 
»zum Meerfräulein« (Tagebuch 21. Mai 18 10; Briefe 21, 312)? 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 1810. 29 

(Bd. I, S. 18 f.) und, wie schon oben (S. 24 Anm. 3) bemerkt, durch 
Arndts handschriftliches Verzeichniss. Das Concept ist nicht auf 
einmal, sondern mit Unterbrechungen dictirt : der Anfang etwa 
am 6. November,' die mit dunklerer Tinte geschriebene Mittel- 
partie, mit »Soeben« beginnend, verrauthlich am 10.,' noch 
später der Schluß, der mit der neuen Fassung der Stelle über 
die Boisser^eschen Zeichnungen einsetzt (s. oben S. 14 Anm. 2). 

Die Wanderjahre werden im Tagebuch während des 
Teplitzer Aufenthalts nur einmal (29. August), während der 
weiteren Reise gar nicht erwähnt; erst im October begegnen 
sie uns wieder. 

Unter dem biographischen Schema, das zur Zeit unseres 
Briefes »in seinen GrundzUgen ziemlich vollständig dastand«, 
bin ich geneigt, das von Riemers Hand geschriebene »Schema 
zur Biographie« zu verstehn, das in der Weimarer Ausgabe 
Bd. 29, S. 253 f. gedruckt ist, und das ich für die, vermuth- 
lich am 16. Juni gefertigte,' Reinschrift eines im Anfang des 
Karlsbader Aufenthalts entstandenen Dictats halte. Dazu würde 
passen, daß dieses Schema auf dasselbe österreichische Papier 
geschrieben ist wie die Concepte unseres vierten, fünften und 
sechsten Briefes. Mit der »Ausarbeitung des Schemas im Ein- 
zelnen« scheint Goethe am 8. October, also bald nach seiner 
Heimkehr, begonnen zu haben (vgl. das Tagebuch in der Zeit 
vom 8.-23. October). Von dem »Zurückgehn in die Welt- 
und Literargeschichte« während des Sommers und Herbstes 
1810 geben die Aufzeichnungen des Tagebuchs und das be- 
kannte in Kilian Steiners Besitz befindliche Octavbändchen 
(W. A. Bd. 26, S. 347 ff.) eine Vorstellung; Proben der 
»Reflexionen«, die dem Dichter aus den Vorstudien zu seiner 
Biographie erwuchsen, und deren er in jener Zeit auch gegen 
Zelter gedenkt (Brief vom 31. October), finden sich außer in 
seinem eigenen Tagebuch und in Kilian Steiners Manuscript 
auch in Riemers Tagebuch, z. B. unterm 7. October und 
5. November (Deutsche Revue XII, Octoberheft, S. 45). 
Materialien, die sein Vorhaben fördern konnten, hatte sich 
Goethe am 25. October schriftlich von Bettina und vielleicht 
schon im September mündlich von dem alten Freunde v. 
Trebra erbeten (vgl. G.-J. IX, 1 1 ff.) 

Von dem Wiener Nachdruck »Goethes sämmtliche Schriften 
Wien i8ioff. Verlegt bey Anton Strauß. In Comraission 

' Die Worte »Nun bin ich einen Monat wieder zu Hause« fuhren 
auf die erste Woche des November; im Tagebuch heißt es unterm 
6. : »Einige Briefe.« 

* Vgl. die Erwähnung des Almanac des Dames im Tagebuch 
unterm 10. November. 

3 Riemers Tagebuch unter diesem Datum (Deutsche Revue XII, 
Juliheft, S. 63): »Bei G. das Schema zur Biographie.« 



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30 Neue Mittheilungen. 



bey Geistinger*« erschienen im ersten Jahr dreizehn Bände; 
Goethe konnte also in Böhmen schon ziemlich viel von 
»diesem verwünschten Opus« gesehen haben. Als Probe der 
Anordnung wird der Inhalt des ersten Bandes genügen: Faust, 
Die Laune des Verliebten, Die natürliche Tochter. Die Bände 
I — 19 dieses Nachdrucks finden sich noch heute in Goethes 
Bibliothek. Aber als er sie erhielt (vgl. Goethe an Cotta 
22. August 181 1), hatte die Frage, was diese Ausgabe mehr 
enthalte als die erste Cottasche, kein unmittelbares Interesse 
mehr für ihn. Denn während wir ihn mit der Sammlung 
seiner »zerstreuten Gedichte« am 23. und 29. October 1810, 
mit ihrer »schließlichen Redaction« und »Retouche« am 2. und 
4. April 181 1 beschäftigt sehen (Tagebuch), ist von dem Plan, 
sie als Supplementband erscheinen zu lassen, in der Corre- 
spondenz mit Cotta, soweit ich sie übersehe, nicht weiter die 
Rede. Möglich, daß man ihn bei der persönlichen Begegnung 
am 2. Mai 181 1 fallen ließ. 

Die Canons von Haydn bestellte sich Goethe ohne Zweifel 
für die kleine Hauscapelle, die Donnerstags und Sonntags 
bei ihm sang und die gleich nach seiner Rückkehr ihre Zu- 
sammenkünfte wieder aufgenommen hatte (Tagebuch 4., 7., 
14. October u. s. w.). 

Für Goethes Schätzung des Rheinländischen Hausfreunds 
liegt aus der Zeit unseres Briefes — worauf Bernhard Suphan 
mich hinweist — ein zweites, sehr beredtes Zeugniß vor, das 
uns Charlotte v. Schiller aufbewahrt hat: die Erzählung von 
dem Bergmann in Falun im Hausfreund für i8ii nannte er 
»die erste Geschichte in allen zweiundvierzig Taschenbüchern, 
die in dieser Messe erschienen sind«. ' Goethes Wunsch, die 
sämmtlichen Jahrgänge des Kalenders zu besitzen, konnte Cotta 
dadurch erfüllen, dass er ihm (10. Mai 181 1) das in seinem Ver- 
lag erschienene »Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes« 
übersandte, in dem die von Hebel verfassten Jahrgänge bis 181 1 
zusammengestellt waren. Es wäre interessant zu wissen, ob 
die Herausgabe des Schatzkästleins im Cottaschen Verlag zur 
Zeit unseres Briefes schon im Werk war, oder ob etwa Goethes 
briefliche Aeußerung einen Antheil daran hatte. 

Die beiden ersten Hefte der »Geschichte der Malerei in 
Italien« von F. und J. Riepenhausen, die schon Ende Mai 

' Auf dem Haupttitel (aber schon nicht mehr auf dem Untertitel) 
des I. Bandes heißt es statt »Verlegta vielmehr »Gedruckt bey Anton 
Strauß«. Vom 20. Band — genauer: vom Untertitel des 19. Bandes 
an — verschwindet Strauß' warne, und es heißt nur: »Wien, in 
Commission bey Geistinger.« 

* K. Schmidt, Schillers Sohn Ernst (Paderborn 1893), S. 62, wieder 
abgedruckt bei v. Biedermann, Goethes Gespräche Bd. 10, S. 66 f. — 
Ueber die Gesellschaft, in der Goethe die Erzählung vorlas, vgl. Rie- 
mers Tagebuch unterm 16. November 1810 (a. a. 0. S. 46). 



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Sieben Briefe Goethes aus den Jahren 1806, 1807, 1810. 3 l 

zur Absendung nach Weimar bereit lagen (Cotta an Goethe 
29. Mai 1810), fand Goethe bei seiner Rückkehr vor — seine 
Bibliothek bewahrt sie noch heute — , und Cottas Hoffnung, 
sie in der Jenaer Literatur-Zeitung erwähnt zu sehen, ist wohl 
nur darum nicht in Erfüllung gegangen, weil im Januar 181 1 
zwischen Goethe und Eichstädt eine Verstimmung eintrat. 

Daß Cotta Boisser^es Werk über den Kölner Dom nun 
auch übernommen habe, hatte Goethe aus seinem Brief vom 
27. September erfahren. Ebenso, daß er sich — worauf der 
Schluß unseres Briefes Bezug nimmt — auf den Winter in 
Stuttgart niederlassen werde und sich dort eines ästhetisch 
schönern Lebens zu erfreuen hoffe als in Tübingen unter 
bloßen ^r^riy/gelehrten. 

Ueber die »Liebhaberey am Mittelalter« hat sich Goethe 
nicht leicht geringschätziger geäußert als in der ursprünglichen 
Fassung der Stelle über das Boisser^esche Unternehmen. Daß 
er im allgemeinen milder, billiger und, nach seinem eigenen 
Ausdruck, historischer urtheilte, aber freilich, wenn man es 
ihm zu toll machte, auch grimmig werden konnte, zeigt sein 
Brief an den Grafen Reinhard vom 7. October 1810. — Als 
»vermittelnd gegen neuere Künstler«, wie es in den Annalen 
einmal heißt, sehen wir den Faust wirksam. Die Umrisse von 
Retzsch hatte Goethe wohl im Atelier des Künstlers gesehen 
(vgl. das Tagebuch unterm 20. September); die sechs Zeich- 
nungen Nauwercks zum Faust waren ihm durch Zelters Ver- 
mittlung in Karlsbad zugekommen (Briefwechsel zwischen 
Goethe und Zelter Bd. i, S. 404—407; Tagebuch 4. Juli). 
Er hätte sehr gewünscht auch Nauwerck noch in Dresden an- 
zutreffen; da dies nicht der Fall war, dankte er ihm am 
16. November schriftlich (Briefe 21, 416; vgl. G.-J. II, 412). 
Mit der Erwähnung in der Jenaer Literatur-Zeitung, die er ihm 
zusagte, ging es wie mit der des Riepenhausenschen Werkes. 
Aber später hat er wiederholt sowohl der Nauwerckschen 
Faustbilder als der Umrisse von Retzsch in Ehren gedacht 
(W. A. Bd. 36, S. 66. 104. 169; Kunst u. Alterth. VI, 2, S. 428 f. ; 
vgl. VI, I, S. 155 f.). — Daß Nauwercks Zeichnungen, zu denen 
sich noch die Scene in Auerbachs Keller gesellt hatte, aus 
Goethes Händen in den Besitz der Erbprinzessin von Mecklen- 
burg kamen, ist schon oben (S. 25 Anm. 2) berührt worden. 

August Fresenius. 



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32 Neue Mittheilungen. 

2. BRIEFWECHSEL ZWISCHEN GOETHE UND 
LICHTENBERG. 

I. Goethe an Lichtenberg, 

Wohlgebohrner ! 
Hochgeehrtester Herr! 

Könnte es Ew. Wohlgeb. bekannt seyn, wieviel ich 
Denenselben in dem Studio der Naturlehre schuldig ge- 
worden, so müssten Sie es ganz natürlich finden, dass ich 
eine Gelegenheit ergreife Ihnen dafür Dank zu sagen. 

Die Achtung die ich für Dieselben hege, lässt mich 
zugleich den lebhaften Wunsch empfinden, dass meine Bey- 
träge zur Optik Ihnen nicht uninteressant scheinen mögen. 

Ew. Wohlgeb. erhalten durch einen Fuhrmann ein Käst- 
chen, dessen Inhalt auf dem beyliegenden Blatte bezeichnet 
ist, und ich wünsche demselben eine gütige Aufnahme. 

Da die Versuche, welche ich in meinem ersten und 
zweyten Stücke der optischen Beyträge den Liebhabern 
der Naturlehre empfehle, sich alle auf einen einzigen Haupt- 
versuch zurückführen lassen und in einer Reihe betrachtet 
lehrreich sind, wenn sie einzeln genommen den Beobachter 
mehr verwirren können, so sind die kleinen überzogenen 
Gestelle bequem sie im Ganzen zu übersehen, und die 
mannigfaltigen Verhältnisse und Verbindungen mit Einem 
Blicke zu beobachten. 

Wenn Ew. Wohlgeb. sie in Ihrem Musäo aufzustellen 
für werth halten, so w^ird es mir zum grössten Vergnügen 
gereichen. Sie erlauben mir, dass ich Denenselben so wie 
ich fortfahre, weiter von meinen Arbeiten Rechenschaft gebe. 

Es ist meine Absicht, dass diese Kleinigkeiten Ihnen 
auf keine Weise lästig seyn mögen. Es hat daher der 
Fuhrmann, wie sein Frachtbrief besagt, Ihnen dieselben 
völlig frey zu überliefern. 

Ich empfehle mich Ew. Wohlgeb. geneigtem Andenken 
und wünsche zu hören, dass Sie sich recht wohl befinden. 
Weimar Ew. Wohlgeb. 

den Uten May ergebenster 

1792. Goethe. 



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Briefu'echsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 33 

2. Goethe an Lichtenberg. 

Wohlgebohrner 
insonders hochgeehrtester Herr, 

Ew. Wohlgeb. haben meine ersten optischen Versuche 
mit soviel Nachsicht aufgenommen dass ich hoffen darf 
Sie werden auch meinen weiteren Arbeiten einige Auf- 
mercksamkeit gönnen. Der Zeit und meinen Wünschen 
nach sollte ich schon weiter gekommen seyn ; allein sowohl 
diess Jahr als das vorige habe ich in mancherley Zer- 
streuungen zugebracht und die kriegerischen Begebenheiten 
von denen ich Zeuge gewesen lassen zu wissenschaftlichem 
Nachdencken wenig Raum. Indessen habe ich manches ge- 
sammelt und versucht und ich hoffe es bald ordnen und 
verbinden zu können. 

Wie ich die Lehre von den farbigen Schatten be- 
handelt werden Ew. Wohlgeb. aus beyliegendem Hefte 
ersehen, ich gedencke die übrigen Bedingungen unter 
welchen wir apparente Farben erblicken nach und nach 
auf eben diese Weise vorzunehmen, wobey ich mir Ihre 
Theilnehmung und Belehrung erbitte. 

Wollten Ew. Wohlgeb. mir gefällig das Manuscript 
auf Weimar zurücksenden, wohin ich balde zu gehen hoffe 
und mir zugleich einige Nachricht von Ihrem Befinden 
geben ? Ich wünsche dass sie günstiger als vor einem Jahre 
seyn möge. 

Erhalten Sie mir ein geneigtes Andencken und bleiben 
von meiner besondem Hochachtung überzeugt. 
Franckfiirt Ew. Wohlgeb. 

d. II. Aug. 93. ergebenster 

Goethe. 

}. Lichtenberg an Goethe. 

Hochwohlgebohmer Herr, 
Hochzuverehrender Herr Geheimder Rath, 
Alles was ich seit einigen Jahren unternehme, geht 
sehr langsam von Statten, und, was das betrübteste bey 
der Sache ist, obendrein meistens ohne den Vortheil, den 

Gorm-jAHaBucu XVHI. 3 

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34 Neue Mittheilungen. 

ein altes Sprüchwon sonst einem solchen procedere zu- 
sichert, ich meine ohne den einer besseren Ausführung. 
Ich leide noch immer ausserordentlich an Nerven, und es 
wird nun auch wohl nicht besser werden bis ich die Nerven 
selbst ablege. Ich rechne daher sehr auf Ew. Hochwohl- 
gebohr. Excellentz geneigte Gesinnungen gegen mich, bey 
dieser Verzögerung meiner Antwort. 

Ew. Excellentz hätten mir nicht leicht ein grösseres 
Vergnügen machen können, als durch die gütige Mittheilung 
Ihres vortrefflichen Aufsatzes. Sie haben mich dadurch auf 
einen Theil der Lehre vom Lichte aufmercksam gemacht, 
um den ich mich bisher wenig bekümmert hatte. Es waren 
mir zwar einige der gemeinsten Phänomene bey den farbigen 
Schatten bekannt, aber die Wahrheit zu gestehen, ich hatte 
nicht gedacht, dass dort noch so vieles läge, das einer 
weitern Entwickelung so sehr bedürfte. Die Sache ist sehr 
angenehm und soll mich, wenn es meine Kräffte verstatten 
nicht wenig beschäfftigen. 

Ehe ich Ew. Hochwohlgebohr. einige meiner Gedancken 
über die Sache vortrage, muss ich Dieselben vor allen Dingen 
auf eine Schrifft über diese Materie aufmercksam machen, 
die Dr, Gehler in seinem phys. Wörterbuch Artickel: Schatten 
(blaue) Band lü. S. 826 anführt, weil sie nicht allein eine 
grosse Menge von zum Theil sehr schönen Versuchen 
enthält (92 an der Zahl) sondern weil der scharfsinnige 
Verfasser am Ende auf eine Erklärung des Phänomens 
geräth, die mit der Ihrigen auf eines hinaus läuft. Der 
vollständige Titul ist: Observatians sur les ombres colories, 
cantenant um suite (tExpiriences sur les diffirentes couleurs 
des ombres, sur les moyens de rendre les ombres colories ^ 
et sur les causes de la difftrence de leurs couleurs, Par 
H. F, T. ä Paris 1782 in gross 12 »°. Dass dieses Mannes 
Theorie von der von Ew. Hochwohlgebohr. nicht sehr 
verschieden ist, werden Sie schon aus dem wenigen was 
Dr. Gehler davon sagt (vermuthlich nach Briss on) ersehen 
können. Da ich das Buch selbst in Händen habe, so setze 
ich noch ein kurtzes Resultat aus seinem Versuche mit 
des Verfassers eignen Worten her: Tout ceci prouve, bien, 
sagt er S. 197, qu'une certaine Proportion de clarti entre 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 35 

les lumieres est non-seulement necessaire pour colorer les ombres, 
mais encore que Iturs diffirentes couleurs dipendent 
aussi de la Proportion dUntensiti entre les memes 
lumieres. Ich wünschte sehr, dass Ew. Excellentz einmal 
dieses Buch sehen könten, und erbiete mich daher, falls 
es, wie ich fast vermuthe, in Ihrer Gegend nicht anzutreffen 
seyn solte, Ihnen das Exemplar von hiesiger Bibliothek zu 
übersenden, wenn Sie es befehlen. Es scheint das Aufsehen 
nicht gemacht zu haben, das es zu machen verdient. Der 
Verfasser hat sehr viel nette Versuche; unter andern hat 
er vermittelst zweyer Käfiche, deren Schatten einander 
kreuzten, und bey dem Lichte von zwey Talglichtern und 
einem Caminfeuer, rothe, violette, gelbe, blaue und 
grüne Schatten zu gleicher Zeit gesehen. Wenn 
anders die Beobachtungen nicht durch die Phantasie zu des 
Verfassers Zweck etwas abgerundet worden sind; welches 
gerade in diesem Theil der Physik, bey voller Unschuld des 
Beobachters, leichter als in irgend einem andern geschehen 
kan, wovon ich am Ende noch etwas sagen werde. 

Trotz der frappanten Versuche, womit Ew. Hochwohl- 
gebohr. Ihre Theorie unterstützen, und so sehr derselben 
auch die Beobachtungen des eben genannten HE. T. zu 
statten zu kommen scheinen, so kan ich mich doch, nach 
einigem, was ich beobachtet habe, noch nicht entschliessen 
sie für gantz ohne Einschränckung richtig zu erkennen. 
Ich rechne nämlich bey der gantzen Schatten-Geschichte 
sehr viel auf die Unbestimmtheit der Ausdrücke weiss, 
weisses Papier u. s.w. Die Menschen wissen freylich was 
das für eine Farbe ist die sie weiss nennen, aber wie 
vielen mag wohl je die reine weisse Farbe zu Gesicht 
gekommen seyn? Im gemeinen Leben nennen wir weiss, 
nicht was weiss aussieht, sondern was weiss aussehen 
würde wenn es dem reinen SonnenLichte ausgesezt wird, 
oder doch einem Lichte, das der Qualität nach nicht sehr 
von dem SonnenLichte abweicht. Es ist mehr die Dis- 
position zum weiss werden und weiss seyn können, in 
allen ihren Gradationen, was wir an den Körpern weiss 
nennen, als ihre reine weisse Farbe selbst. Ich halte diesen 
Bogen Papier z. B. für weiss, in der tiefsten Dämmerung, 



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36 Neue Mittheilungen. 



selbst in der Nacht beym schwächsten SternenLicht, bey 
Talg- Wachs- und LampenLicht, im höchsten Sonnen- 
schein^ in der Abendröthe, bey Schnee und Regenwetter, 
im Walde und im tapezierten Zimmer pp ich bin aber 
überzeugt, dass er den höchsten Sonnenschein, etwa auf 
einer Alpenspitze ausgenommen, wo man noch den Wider- 
schein des blauen Himmels entfernt hätte, nichts weniger 
als weiss ist. Wir mercken dieses freylich nicht, weil in 
allen unsem Urtheilen die sich auf GesichtsEmpfindungen 
gründen, Urtheil und Empfindung so zusammenwachsen, dass 
es uns in gewissen Jahren kaum möglich ist sie wieder zu 
trennen; wir glauben jeden Augenblick etwas zu empfinden 
was wir eigentlich blos seh Hessen. Daher rührt es, dass die 
schlechten Porträtmahler die Gesichter gantz über und über 
mit Fleischfarbe anstreichen; sie können sich gar nicht 
vorstellen, dass in einem Menschen-Gesicht blaue grüne 
gelbe und braune Schatten seyn können, und bey ihrem 
Manschetten-Werck verfahren sie so sauberlich, dass man 
nur aus dem Ort und dem Umriss erräth, dass der Kalch- 
fleck, den sie hingeklext haben, eine Manschette vorstellen 
soll. Meinem Fenster gegenüber steht ein weisser Schorn- 
stein, dessen beyden mir sichtbaren Seiten selten einerley 
Grad von Erleuchtung haben. Zuweilen wenn mir die eine 
Seite gelb oder bläulich zu seyn scheint, frage ich Personen 
von übrigens sehr richtigem Verstand um die Farben des 
Schornsteins. Gewöhnlich ist die Antwort er ist so weiss 
auf der einen Seite als auf der andern, auf die eine scheint 
aber die Sonne, das macht den Unterschied. In der 
Camera obskura fallen die Urtheile schon richtiger aus; 
daher wird auch das Colorit leichter nach den Wercken 
grosser Meister als nach der Natur studirt, weil man dort 
die Farbe schon vom Urtheil geschieden auf der Leinwand 
hat, und sie wie jeden andern gefärbten Lappen untersuchen 
kan gegen allerley Licht und in allerley NeigungsWinckeln 
gegen dasselbe; hier aber erst Urtheil von Empfindung 
geschieden werden muss, das nicht jedermans Sache ist. 
Mit einem Wort: Weisse nennen wir die Disposition der 
Oberfläche eines Körpers alle Arten gefärbten Lichtes gleich 
starck nach allen Richtungen zurück zuwerfen und ein 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 37 

solcher Körper erscheint auch würcklich weiss, wenn jenes 
gefärbte Licht, der Menge sowohl als der Beschaffenheit 
und Intension nach, auf ihn fällt, in allen andern Fällen 
nicht. Es lässt sich also fast das unendliche gegen Eins 
verwetten, dass ein Körper z. B. ein Bogen weisses Papier, 
der die Capacität zur Weisse im höchsten Grade besizt nie 
eigentlich weiss erscheinen werde und nie auf einem 
Gemähide weiss dargestellt werden dürfe, z. ß. Ich schreibe 
jezt einem Fenster gegenüber, das nach Mitternacht sieht, 
der Himmel ist ziemlich heiter und mehrere Dächer, die 
gegen Mittag und Abend gerichtet sind, werden von der 
Sonne etwas beschienen; mein Zimmer ist himmelblau 
tapeziert, die weisse Decke desselben wird beträchtlich 
durch die genüberstehende Häusser erleuchtet, was für 
mannigfaltiges Licht fällt nicht auf dieses Blatt? Dass aber 
alle die Farben dieser Gegenstände auf dem Papier liegen 
bedarf dünckt mich keines Beweisses. Denn, wenn ich das 
Zimmer gantz verfinstern und nun nach Belieben bald hier 
und da ein Loch in die Wand stechen könte, so würde 
sich auf ihm allemal die Farbe eines Gegenstandes an der 
Stelle zeigen, die mit dem Gegenstand und dem Loche in 
einer geraden Linie läge. So wie ich also, nachdem ich 
das Loch bald hier bald da bohrte, blaue rothe und gelbe 
pp Flecke auf meinem Papier hervorbringen könte, so 
entstehen auch die Schatten auf einem sogenannten weissen 
Papier, wenn Licht abgehalten wird, das nöthig ist die 
sogenannte Weisse (die es aber nicht ist) hervorzubringen. 
Dass der blaue Schatten nicht vom blauen Himmel her- 
komme, haben Ew. Hochwohlgebohr. glaube ich, unwider- 
leglich dargethan ; allein ich glaube dass auch beym trüben 
Himmel entweder das blaue immer herrschend sey, oder dass 
wenigstens das graue in der Nachbarschafft von dem gelben 
uns blau scheine. Dieses habe ich auf eine Weise erfahren, 
die mir keinen Zweifel übrig lässt. Ich besitze einen 
Planspiegel von fast Orangegelbem Glase. Mit dem setzte 
ich mich an die vom Fenster am weitesten entfernte Wand. 
Es war ein sehr trüber Tag. Als ich in diesem Spiegel 
das Fenster mit seinen dunckeln Stäben betrachtete, so 
sah ich manche darunter dreymal, einmal schwartz, einmal 



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38 Neue Mittheilungen. 



orangegelb und einmal himmelblau. Ich erklärte mir die 
Erscheinung so und ich glaube nicht, dass ich mich irre. 
Der Spiegel machte 2 Bilder eines von der Oberfläche wie 
jede andere Spiegelscheibe und eines von der Belegung, das 
Bild eines Stabes von der Belegung her war schwartz wenn 
es zugleich mit dem Bilde eines Stabes von der Oberfläche 
her zusammentraf; orangefarb, wenn das Bild von der 
Oberfläche her den hellen Himmel von der Belegung her 
unter sich hatte, und himmelblau, wenn das Bild von der 
Belegung her den hellen Himmel von der Oberfläche her 
über sich hatte. Es sah vortrefilich aus. Sobald ich aber 
eine gelbe nicht belegte Spiegelscheibe darneben legte, so 
fand ich aus der Vergleichung, dass das, was ich in schmalen 
Streifen zwischen dem vielen und herrlichen gelben für 
himmelblau hielt, weiter nichts war als das Graue des 
Himmels, das ich auch auf der Spiegelscheibe sah, und 
endlich fieng ich sogar an meine himmelblauen Streiffen 
nicht mehr für blau zu halten. 

Ob ich mir also gleich einiges in Ew. Excellenz Ver- 
suchen noch nicht erklären kan, so möchte doch dieses 
vielleicht geschehen, wenn mir das Locale, auf welches 
hier ausserordentlich viel ankömt gantz bekannt wäre. 
Auch dieses habe ich erfahren. Vor etwa 10 Tagen, da die 
Sonne auf meinen Gang um 12 Uhr schien, hielt ich einen 
Schlüssel gegen eine weisse Wand, die durch blosse Reflexion 
erleuchtet war, und fand den Schatten blass Ulla. Heute 
um 12 Uhr, da die Umstände bis etwa die verschiedene 
Declination der Sonne, den vorigen sensibiliter gleich waren, 
hielt ich den Schlüssel an dieselbe Wand und der Schatten 
war schmutzig gelbÜch. Haben Ew. Hochwohlgebohr. wohl 
auch schon die herrlichen Ulla Schatten gesehen? Da ich 
seit dem Empfang Ihres Schreibens den bunten Schatten 
nachlaufe, wie ehmals als Knabe den Schmetterlingen, so 
hatte ich neulich in einer meiner Kammern unvermuthet 
einen herrlichen Anblick. Es herrschte in dieser Kammer, 
worin ich Bücher stehen habe, ein sonderbares, ungewisses, 
magisches Licht dem man ansah, dass es das Product durch 
einander geworfener Bilder von gegenüber befindlichen 
und von der Sonne beschienenen Gegenständen war, denen 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 39 

ein halb herabgelassner weisser Vorhang den Eingang zum 
Theil erschwerte. Gleich stellte ich am entferntesten Ende 
vom Fenster einen Bogen Papier auf, als ich meine Hand 
dargegen hielt war der Schatten lilla und nah angehalten 
Schwartz mit lilla Einfassung und zur Seite lagen 2 bis 3 
blass grüne Schatten. Ein dicker BleystifFt horizontal ge- 
halten, zeigte nur einen lilla Schatten; vertikal, lilla und 
blass grüne neben einander. 

Ohne mich weiter in meine Erklärung einlassen zu 
dürfen, werden Ew. Excellenz schon sehen wo ich hinaus 
will, ich lasse also die Anwendung weg. Doch will ich 
damit gar nicht sagen dass nicht irgend hierin etwas noch 
zurück sey, das anders erklärt werden muss. Es ist z. B. 
gewiss, dass wenn man lange durch ein rothes Glas sieht 
und zieht es plötzlich vor den Augen weg, so erscheinen 
die Gegenstände einen Augenblick grünlich; sieht man 
hingegen durch ein grünes Glas, so erscheinen sie alsdann 
Anfangs röthlich. Dieses hängt mit BüfFons couleurs acci- 
dentales zusammen, die man in den Augen bemerkt. 

Mit einem Wort, ich glaube die Sache ist sehr wichtig 
und ich verspreche mir von Ew. Excellenz Bemühungen 
nach diesem herrlichen Anfange sehr viel. Ich werde ge- 
wiss so viel es die Umstände verstatten mitarbeiten und 
nicht versäumen Denselben Nachricht zu geben. 

Dr. Gehler führt noch 2 SchrifFten an, eine von Beguelin 
und eine von Opoixy die wahrscheinlich von weniger Be- 
deutung seyn werden. 

Ich bitte mir mein flüchtiges Geschreibe gütigst zu 
vergeben, der ich mit der grössten Hochachtung und 
innigsten Verehrung die Ehre habe zu verharren 

Ew. Excellenz 

unterthäniger Diener 
' Göttingen d. 7 Oct. 1793. GCLichtenberg 



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40 Neue Mittheilungen. 

4, Goethe an Lichtenberg. 

Wohlgebohrner 
insonders hochgeehrtester Herr, 
Ew. Wohlgeb. erhalten hierbey einen Aufsatz den ich 
geneigt aufzunehmen bitte. Gern hätte ich ihn nochmals 
durchgearbeitet, oder ihn wenigstens mit Noten versehen, 
deren er manche bedarf, doch hätte mir diese Arbeit Ihre 
Belehrung verspätet. 

Vielleicht kann ich bald meine Vorschläge wie ich die 
Farbenlehre überhaupt behandelt wünschte, ingleichen ein 
Schema inwiefern ich sie gegenwärtig übersehe Ew. Wohlgeb. 
zusenden. Leider komme ich selten mit Ruhe und Samm- 
lung an diese Speculationen. Gegenwärtiges Manuscript 
bitte zu behalten und empfehle mich gütigem Andencken. 
W. d. 29. Dec. Ew. Wohlgeb. 

93. ergebenster 

Goethe. 
Das französche Werck sur les ombres colorees ist 
mir ja wohl noch biss Ostern zu behalten vergönnt? 

W. d. 29. Dec. 93. 

Goethe. 

/. Lichtenberg an Goethe, 

Hochwohlgebohrner Herr, 

Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath, 
Ew. Hochwohlgebohr. nehme ich mir die Freyheit hier 
einen vortrefflichen Mann vorzuführen, Herrn Professor 
Olufsen aus Kopenhagen, der sich vorigen Winter hier bey 
uns aufgehalten hat. Er hat mich um diese Introduction 
ersucht, zu der ich mich desto williger verstanden habe, 
als ich es mit der gegründeten Versicherung thun konte, 
dass dieser Besuch nicht mit unter die Onera gehört, wo- 
mit die Welt den Genuss Ihres Ruhms zu vergällen sucht. 
Er ist ein Mann von grossen Kenntnissen und von unge- 
wöhnlichem Geist. Das Studium der Agrikultur, wovon er 
eigentlich Professor ist, und zu dessen Betreibung er eigent- 
lich jezt auf einer Reise nach England begriffen ist, ver- 
bindet er mit sehr tiefen Einsichten in die gesammte Natur- 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 41 

Lehre. Ich kan mit Wahrheit sagen, dass ich bey jedem 
Besuch von ihm gelernt habe, ob er mich gleich hier vor- 
züglich seines Umgangs werth geachtet und häufig besucht 
hat. Vielleicht ist es Ew. Hochwohlgebohr. bey dieser 
Gelegenheit nicht unangenehm zu erfahren, dass dieser 
Agricola der Verfasser des Lustspiels die Goldne Dose in 
5 Aufzügen ist, von welchem kürzlich in der Literatur- 
Zeitung (wo ich nicht irre im iiiüü (CXPfll) Stück von 
diesem Jahre) gesagt worden ist, dass es durch einige 
fernere Feilenstriche zu einem der ersten Producte der 
comischen Muse erhoben werden könne. Und dieses herr- 
liche Stück hat er in 8 Tagen geschrieben und als Ano- 
nymus schon von der Direction eine Prämie von 450 •% 
dafür erhalten. Ich hoffe er soll Ihnen Vergnügen machen. 

Für das treffliche Mspt, womit Sie mich beehrt haben, 
sage ich Ihnen den verbindlichsten Danck. Hätte HE. 
Olufsen nicht seine Reise gantz wider mein Vermuthen 
und selbst wider sein eigenes, drey Tage früher, angetreten 
als er willens war, so hätte ich mir die Freyheit genommen 
Denselben einige Bemerckungen über dasselbe mitzutheilen. 
So muss aber alles, was er mitnehmen soll, schon diesen 
Abend fertig seyn und unter diesen Umständen war es mir 
unmöglich mich gehörig zu erklären, es soll aber, wills 
der Himmel, noch in diesen Ferien geschehen. 

Das Buch über die bunten Schatten steht Ihnen so 
lange zu Befehl, als Sie es zu behalten wünschen. 

In Zeit von 4 Wochen dencke ich Ew. Hochwohlgebohr. 
das erste Hefft von meinen Erklärungen Hogarthischer 
Kupferstiche vorlegen zu können. Die Copien sind vor- 
trefflich; es ist auch nicht ein Gesichtszug verfehlt, aber 
die Erklärungen desto erbärmlicher. Ich kan die abge- 
druckten Bogen gar nicht mehr ansehen. Ich glaube ich 
gebe mich auf dem Titul für einen Dorf Pastor adjunctus aus. 

Mit der innigsten Verehrung und Ergebenheit habe 
ich die Ehre zu verharren. 

Ew. Hochwohlgebohr. 

gehors. Diener 

Göttingen d. i8üS April 1794. GCLichtenberg. 



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42 Neue Mittheilungen. 



6. Goethe an Lichtenberg, 

Das Gute das mir Ew. Wohlgeb. zugedacht ist mir 
nur zur Hälfte geworden, HE. Olavsen hat mir Ihren Brief 
von Gotha aus zugesendet und seinen Weg über den 
Thüringer Wald genommen, jedoch uns nicht ganz ohne 
Hoffnung gelassen dass er uns bey seiner Rückkehr be- 
suchen werde. Ich dancke Ihnen zum Voraus für die Be- 
kanntschaft dieses interessanten Mannes. 

Angenehm ist mir die Hoffnung Ihren Hogarth balde 
zu sehen. Wenn Sie mit den Kupfern zufrieden sind, 
werden wir an der Erklärung gewiss viel Freude haben 
Hierbey liegt mein Reinecke, ich wünsche dass dieses uralte 
Weltkind Ihnen in seiner neusten Wiedergeburt nicht miss- 
fallen möge. 

Wenn es Ihre Zeit erlaubt, so haben Sie ja die Güte 
mir mit Ihren Bemerckungen über meinen letzten Aufsatz 
zu helfen. Seyn Sie nur versichert dass ich jede Art von 
Recktification und Widerspruch vertragen kann. 

Das französche Buch behalte ich mit Ihrer Erlaubniss 
noch einige Zeit, es hat mir zu einigen schönen Versuchen 
die mir fehlten geholfen, so wie Ihre Anmerckungen auf 
einen andern Weg die Phänomene zu kombiniren und viel- 
leicht zu erklären. 

Leben Sie recht wohl und erlauben mir bald wieder 
etwas zu übersenden. 

W. d. 9. Juni 1794. Goethe. 

7. Lichtenberg an Goethe, 

Hochwohlgebohrner Herr, 

Hochzuverehrender HErr Geheimer Rath 
Für die mir übersandten Schrifften statte ich Ew. 
Hochwohlgebohr. unterthänigen Danck ab und nehme mir 
zugleich die Freyheit Ihnen das 211 Hefft von meinen 
skandaleusen Excursionen über den Hogarth vorzulegen. 
Obgleich zwischen meinem Danck und meiner Anmeldung 
eines kleinen Geschencks die copula Und steht, so muss 
ich doch sehr bitten, mir zu Liebe dieses mal lieber alles in 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 43 

der Welt bey diesem Und zu dencken als eine copulam 
zwischen beyden, ich meine so was wie Ersatz für das 
Gedancken-Fest, das mir Ihre unnachahmlichen Schrifften 
gewährt haben. Wahrlich ich darf mir bey den jetzigen 
trüben und langen Abenden gar die Möglichkeit einer 
solchen Vergleichung nicht einmal gedencken, ohne mich 
herzlich zu schämen. Ich hoffe aber auch oder bin viel- 
mehr sicher überzeugt, dass Sie alles zum Besten kehren 
werden. 

Vielleicht habe ich die Ehre Ihnen noch diesen Herbst 
eine kleine physikalische Schrifft von mir vorzulegen. Meine 
Absicht war auch wircklich gegenwärtige noch bis dahin 
zurück zu halten. Da aber Herr Prof. Hufeland sich zu 
einer Bestellung nach Weimar erbietet, so mag diese allein 
vorangehen. 

Mit der grossesten Hochachtung und innigsten Ver- 
ehrung habe ich die Ehre zu seyn 

Ew. Hochwohlgebohr. 

gehorsamster Diener 
Göttingen d. 12. Oct. 1795. GCLichtenberg. 

8. Lichtenberg an Goethe. 

Hochwohlgebohrner Herr, 
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath, 

Meinen herzlichsten Danck für die wahrhafft grosse 
Unterhaltung, die Sie mir mit der Fortsetzung Ihres Romanes 
gewährt haben. Solte es wohl gantz ein Roman seyn } Ich 
habe sie mit dem Gefühl von Gegendruck gelesen, ohne 
welches ich in keinem Buch fortfahren kan. Ich kan nicht 
recht deutlich sagen was ich unter diesem Ausdruck ver- 
stehe, ich glaube aber der Sache nahe zu kommen, wenn 
ich es durch oftt wiederkehrendes Gefühl von der Supe- 
riorität des Schrifftstellers über mein werthes Selbst nenne; 
diese bestehe nun in der Anordnung, dem Ausdrucke, den 
Gedancken oder den Empfindungen. Mit einem Wort ich 
lese gar keine Bücher, wo ich noch beym dritten oder 4ÜS 
Bogen sagen kan: das kan ich auch. 



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44 Neue Mittheilungek. 



Hier kömmt der Cellini. Ew. Hochwohlgebohr. Brief 
war unter CoUeg-Papiere gerathen, und erst vor ein Paar 
Tagen, da ich eben willens war noch einmal nach dem 
Nahmen zu fragen, fand ich ihn zu meiner grossen Freude 
von ungefehr. Sie können ihn bis gegen Ostern behalten. 
Nach Ostern müssen aber nach einem neuen, aber gewiss 
sehr guten Gesetz, alle Bücher in natura vorgezeigt werden. 
Denn man hat gefunden, dass bey dem bisherigen Verfahren 
Bücher verlohren giengen, und für die Bibliothek in blossen 
Assignaten existirten. 

Mit der grössten Hochachtung und Verehrung ver- 
•harre ich 

Ew. Hochwohlgebohr. 

gehorsamster Diener 
Göttingen d. 15 Jenner 1796. GCLichtenberg, 

9. Goethe an Lichtenberg, 

Wohlgebohrner, 
Insonders hochgeehrtester Herr! 
Ew. Wohlgeb: erhalten das mir übersendete Buch, 
mit vielem Danke, zurück, ich bitte um Vergebung, wenn 
es etwas länger als es sollte, ausgeblieben ist und zugleich 
um Erlaubniss in ähnlichen Fällen künftig wieder Anspruch 
an Ihre Gefälligkeit machen zu dürfen. 

Der ich mich mit aller Hochachtung unterzeichne 
Weimar den joten März 1796. 

Ew. Wohlgeb. 

ergebenster Diener 

J. W. V. Goethe. 

10. Lichtenberg an Goethe. 

Hochwohlgebohrner Herr, 
Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath, 
Ew. Hochwohlgebohr erhalten hier durch Herrn Ing- 
versen, einen jungen Dänen und sehr hoffnungsvollen 
Chemiker meine Fortsetzung des Hogarthischen Wercks, 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 45 

für welche ich mir Ihre gütige Nachsicht erbitte. Ich habe 
diesesmal, bloss durch meine Hypochondrie verleitet, die 
immer, was sie an Zeit verliehrt, am Ende wieder durch 
Krafft zu ersetzen hofft, die Uebersendung verschoben. Ich 
weite mich über manches erklären. Daraus ist nun nichts 
geworden. Der Wunsch dieses sehr braven und geschickten 
jungen Mannes ihm dadurch, dass ich ihn zu meinem 
Briefboten machte, einen kurtzen Zutritt bey Ew. Hoch- 
wohlgebohrnen zu verschaffen hat nun jenen Vorsatz auf- 
gehoben. Ew. Hochwohlgebohr. verliehren dabey gewiss 
nichts, und der Hypochondrie sind solche Wendungen sehr 
angenehm. 

Mit Ihrem Benvenuto Cellini haben Sie mir und allen, 
die ich kenne, ein sehr grosses Geschenck gemacht. Schade 
dass die Erzählung so offt abgebrochen worden ist, oder 
dass die guten Monatschrifften nicht so in die Zeichen des 
Thierkreises treten können wie die Sonne, und dass man 
so lange warten muss. Ich habe das Ende der herrlichen 
Geschichte noch nicht gesehen. Sie erscheint doch wohl 
bald besonders mit einem guten Porträt.^ 

Mit der vollkommensten Hochachtung habe ich die 
Ehre zu verharren 

Ew. Hochwohlgebohr. 

gehorsamster Diener 

Göttingen d. 17 Sept. 1796. GCLichtenberg. 



In Lichtenbergs Nachlass, von der Familie in Bremen 
pietätvoll gehtltet, fand ich bei einer im September 1896 
vorgenommenen Durchsicht acht Briefe Goethes, sowie ein 
Exemplar seiner Abhandlung »Versuch die Elemente der Farben- 
lehre zu entdecken«. Diese Abhandlung wird der zweiten, 
Collationen der drei bisher nur aus den Concepten bekannten 
Briefe 3021, 3239 und 3456 (2922 und 31 16 fand ich nicht 
vor) einem künftigen Ergänzungsbande der vierten Abtheilung 
der Weimarischen Ausgabe zu gute kommen. Die fünf bisher 
unbekannten Briefe Goethes vereinige ich hier mit fünf im 
Goethearchiv erhaltenen Briefen Lichtenbergs zu einem Brief- 
wechsel beider Männer, dem zur heute erreichbaren Voll- 
ständigkeit nur eben jene fünf in der Weimarischen Ausgabe 
nach Goethes Concepten gedruckten Briefe fehlen. 



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46 Neue Mittheilüngen. 

Nr. I bildet den ersten Anfang der Correspondenz ; er 
ist Götze diktirt. Die Uebersendung der Gestelle zu seinem 
optischen Hauptversuch erwähnt Goethe auch in der »Con- 
fession des Verfassers« in der Geschichte der Farbenlehre: 
»Mit Lichtenberg correspondirte ich eine Zeitlang und sendete 
ihm ein paar auf Gestellen bewegliche Schirme, woran die 
sämmtlichen subjectiven Erscheinungen auf eine bequeme Weise 
dargestellt werden konnten« (Naturwissenschaftliche Schriften 
4, 301). Im Verlauf dieser Stelle skizzirt er dann die Ent- 
wicklung seiner wissenschaftlichen Beziehungen zu dem Göt- 
tinger Physiker in kurzen Zagen : »Ingleichen einige Aufsätze, 
freilich noch roh und ungeschlacht genug. Eine Zeitlang 
antwortete er mir ; als ich aber zuletzt dringender ward und 
das ekelhafte newtonische Weiss mit Gewalt verfolgte, brach 
er ab über diese Dinge zu schreiben und zu antworten; ja 
er hatte nicht einmal die Freundlichkeit ungeachtet eines so 
guten Verhältnisses meiner Beiträge in der letzten Ausgabe 
seines Erxlebens zu erwähnen. So war ich denn wieder auf 
meinen eigenen Weg gewiesen« (S. 302). Lichtenbergs Antwort 
auf diese erste Annäherung Goethes, in der er diesen seiner 
Theilnahme an seinen Arbeiten versicherte (vgl. Briefe 9, 314), 
ist nicht erhalten. Es folgt dann der Zeit nach Goethes Brief 
Nr. 2922 (Briefe 9, 314): daß der darin erwähnte »kleine 
Apparat« nicht, wie von der Hellen (S. 382) meint, die 27 
Spielkarten mit optischen Figuren sind, die man auch wohl 
schwerlich als Apparat bezeichnen kann, sondern die auf 
Gestellen beweglichen Schirme, lehrt unsre Nr. i. Auch be- 
antwortet Lichtenbergs Brief vom 7. Oktober 1793 (unsre 
Nr. 3) nicht Goethes Nr. 2922 »verzögert«, wie ebendort 
behauptet wird, sondern unsre Nr. 2. In dieser Nr. 2 (erwähnt 
in den Postsendungen Briefe 10, 430), ganz eigenhändig, in 
Frankfurt nach der Belagerung von Mainz kurz vor der Rück- 
kehr nach Weimar geschrieben, nimmt Goethe nach einjähriger 
Pause durch Uebersendung des Aufsatzes über die farbigen 
Schatten (vgl. Briefe 10, 96, 97, 127, 264) die Beziehungen 
wieder auf. Auf Lichtenbergs ausführliche Antwort (Nr. 3) be- 
zieht sich Goethes Aeußerung an Herder aus der Mitte Oktober 
1793: »Hier ein Brief von Lichtenberg, woraus du sehen 
wirst, daß noch manches zu thun ist, ehe wir vom Gesetz 
erlöst uns einer evangelischen Gemeinschaft erfreuen können« 
(Briefe 10, 116). Ueber die darin erwähnte anonyme Schrift 
»Sur les ombres coloröes« handelt Goethe ausführlich in der 
Geschichte der Farbenlehre (Naturwissenschaftliche Schriften 
4, 226; vgl. auch Briefe 10, 127). Goethe, durch Lichten- 
bergs thätige Theilnahme erfreut und gefördert (vgl. Briefe 
10, 127), antwortet schnell und eingehend in Nr. 3021 (Briefe 
IG, 116); unter ander m erbittet er sich das erwähnte fran- 



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Briefwechsel zwischen Goethe und Lichtenberg. 47 

zösische Werkchen, das er auch umgehend aus Göttingen 
geschickt erhält und excerpirt. Mit der ganz eigenhändigen 
Nr. 4 (erwähnt in den Postsendungen Briefe 10, 431) über- 
sendet Goethe den Eingangs erwähnten »Versuch die Elemente 
der Farbenlehre zu entdecken« (vgl. auch Briefe 10, 132, 
141, 145, 147). Es kann kein andrer Aufsatz gemeint sein, 
wodurch auch wahrscheinlich wird, daß von der Hellens 
Datirungen der Billete an Herder und Knebel (Briefe 10, 
132, 145) falsch sind; beide, in deren zweitem es heisst: 
»Dieser Aufsatz soll Lichtenbergen vorgelegt werden; ich 
wünschte sehr, daß dieser Mann meiner Unternehmung Freund 
bliebe, wenn er auch sich von meiner Meinung nicht über- 
reden konnte« (S. 145), sind ein paar Monate zu spät ein- 
geordnet. Der in Nr. 5 von Lichtenberg an Goethe empfohlene 
dänische Nationalökonom ist der Kopenhagener Professor Oluf 
Christian Olufson (1764 — 1827); die Besprechung seines Lust- 
spiels »Gulddosen« (Kopenhagen 1793) steht in der Allge- 
meinen Literaturzeitung 1794, 2, 14 (Stück iii). Der Aus- 
tausch literarisch - belletristischer Erzeugnisse, der in dieser 
Nummer durch die Ankündigung der ersten Lieferung des 
Hogarth eröffnet wird, beginnt von nun an den wissenschaft- 
lichen Verkehr abzulösen, bis auch er allmählich im Sande 
verläuft. Goethes in Nr. 6 (ganz eigenhändig) wiederholte 
Bitte um ein genaueres Eingehen auf den zuletzt überschickten 
optischen Aufsatz blieb erfolglos; bald darauf wurde ihm 
durch Lichtenbergs neue Bearbeitung des Erxlebenschen Com- 
pendiums, in der seine Versuche total ignorirt wurden, aller 
wissenschaftliche Gedankenaustausch mit diesem verleidet, 
worüber er sich Schiller gegenüber bitter beklagt (Briefe 10,335). 
Ob das der Zeit nach hier anzureihende Konzept Nr. 3 116 
(Briefe 10, 225) wirklich abgesandt wurde, ist mir zweifelhaft 
seines fragmentarischen Charakters wegen; ich halte es für 
einen cassirten Anfang einer Dankepistel für das erste Heft 
Hogarth, das Lichtenberg im Mai, Juni und Juli 1794 ver- 
sandte (vgl. dessen Briefe i, 169. 2, 176, 178). Jedenfalls ging 
von der Hellen in der Irre, wenn er (Briefe 10, 407) seine mög- 
liche Zugehörigkeit zu dem Briefe vom 30. Dezember 1793 
behauptete; auch das Fehlen optischen Inhalts beweist nichts 
für oder gegen eine Datirung, da Goethe schon durch Lichten- 
bergs Schweigen verstimmt war. Nr. 7 ist bereits in Lichten- 
bergs Briefen i, 232 ungenau gedruckt. Die in diesem Briefe 
in Aussicht gestellte physikalische Schrift ist, soviel ich sehe, 
nicht erschienen. Der Zeit nach folgt dann Goethes Brief 
Nr. 3239 (Briefe 10, 345), den die ersten drei Bände des 
Wilhelm Meister begleiteten. Benvenuto Cellinis Buch über 
die Goldschmiedekunst, das Goethe gleichzeitig sich leihweise 
aus Göttingen erbat, übersendet Lichtenberg mit Nr. 8; mit 



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48 Neue Mittheilungen. 



Nr. 9 (Geists Hand) sendet es Goethe zurück. Nr. 10 ist 
ebenfalls bereits in Lichtenbergs Briefen i, 233 ungenau und 
unvollständig gedruckt: über den Dänen Ingverson weiß ich 
nichts Näheres. Den Beschluß der erhaltenen Korrespondenz 
macht Goethes Brief Nr. 3456 (Briefe 11, 297). 

Für Eugen Reicheis ktlhne Hypothesen (vgl. G.-J. 10, 328) 
bietet sich in dem neuen Material keinerlei Anhalt. Die 
Krisis, in die das Verhältniß beider Männer durch ihre ab- 
weichenden physikalischen Anschauungen kam, zeigt deutlich, 
daß Goethe schon damals nicht, wie er sich doch in Nr. 6 
rühmt, »jede Art von Rectification und Widerspruch vertragen« 
konnte. £s will mir scheinen, als habe die Verstimmung 
Goethes auf diesem Gebiet auch eine wehiger unbefangene 
Würdigung von Lichtenbergs satirischen I^istungen wenigstens 
für eine Zeitlang im Gefolge gehabt (vgl. Briefe 12, 264. 13, 20). 
Im Alter zollte er dann seinem Reichthum an komischer Kraft 
wieder unbeschränktere Bewunderung (vgl. Werke 29, 757 
Hempel). aIbert Leftzmann. 

^^ 

3. BRIEFE AUS DER WERTHERSTADT, 1778—79. 

I. 

Wetzlar, d. 27. Dec: 1778. 
Gestern war ich das erstemal in der Assemblee. Der 
Adel schliesst sich doch nicht so ganz von den bürger- 
lichen Gesellschaften aus, wie man anfangs glaubt; nur 
kein Assessor, kein Gesandter kömmt hinein; wohl aber 
Fremde, die sich hier in Sollicitations-Geschäften aufhalten. 
Einige interessante Bekanntschaften hab ich gemacht; das 
übrige gleicht ganz, bis auf die Garderobe herunter, dem 
herrlichen Gemähld im Werther. . . . Eine junge Gräfinn 
von tVügenstein die erst seit 3 Mt. hier ist, übrigens auf 
dem Lande erzogen und daher umgänglicher, als mans von 
ihrem Stande erwarten sollte, studiert hier in den Gegenden 
umher das Lokale, was Göthe beim Werther so herrlich 
genuzt hat; eine liebe Schwärmerinn, nächster Tage soll 
ich mit ihr wallfahrten nach all den heiligen Gegenden, 
dem Brunnen, Wahlheim, dem Jagdhaus des Amtsmanns pp 
denn das alles ist hier in der Nähe um Wetzlar, und die 
Trennung von Lotten am Ende des ersten Theils ist blos 
poetische Fiction. . . . 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778--79. 49 

d. 27. Decemb. Abends. 

Eben komm ich zurück von unsrer Wallfahrt. Gleich 
vor der Stadt ist der Brunnen, dann geht der Weg V« 
Stunde weit über den Berg hin am Abhänge, der überall 
felsigt und mit Tannen bewachsen ist. Tief unten im Thal 
der Fluss. Jenseit der Stadt auf der Spize hoher Berge 
einige alte Schlösser. Nah am Fluss, wo der Abhang am 
steilsten hinabfällt, hervorsteigende Klippen, wo Werther 
die Nacht vor seinem Sterbetag den Hut verlor. Dann 
kamen wir nach Garbenheim^ oder, wie Göthe es umgetauft 
hat, Wahlheim, tranken da KaflFee bei der guten Alten, die 
uns viel erzählte von ihrem verstorbnen Hans und wie 
ihr Mann, der nun auch todt ist, sich aus der Schweiz 
hätte herausbetteln müssen; besuchten dann die Linden 
am Kirchhoff. Von da nach dem Amtmann der noch auf 
dem Jagdhoff wohnt, und wo mich meine Gräfinn ein- 
führte, denn das ist so Sitte hier, dass ein Frauenzimmer, 
wenn sie auf Besuch ausgeht, einen Führer mitnimmt, den 
sie will. Der Alte ist ein lieber Mann, der noch immer 
seine Freude hat an seinen Kindern, die noch alle unver- 
heirathet sind. Der 2te Sohn war aus Giessen zum Besuch 
da, und der ältste, den Du vielleicht noch in Göttingen 
gekannt hast, lebt hier izt als Praktikant. Lotte, weisst 
Du, ist nach Hanover verheirathet. Die 2te Schwester, 
Sophie, hat schwarze feurige Augen, schwarzes Haar, viel 
Witz, an Schönheit wenig ihres gleichen, und ist eine 
innige Freundinn von meiner Comtesse. Noch waren einige 
andre Bekannte aus der Stadt da, lauter junge Leute, und 
da gings denn an Spass und Pfänderspiel ohn alle Zurück- 
haltung. Gewiss ist kein Ort in der Welt, wo junge Leute 
beiderlei Geschlechts sich so leicht zusammen finden, und 
so viel Freude daran haben, alles Gute der Gesellschaft zu 
gemessen. Es thut einem so wohl, nach 3 Jahr Verbannung 
einmal wieder unter Menschen zu leben, die darauf aus- 
gehn, sich des Lebens zu freuen. Und so will ich denn, 
wie auch Werther that, mich gern vergessen, gern mit 
dieser guten Art Volks die Freuden geniessen, die so den 
Menschen noch gewährt sind, . . . 

Nächstens werd ich den Garten des Grafen von M. .. 

Goitml-Jahkbuch XVin. 4 



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50 Neue Mittheilungen. 



besuchen, und die Allee. Der Graf C. ist der ehmalige 
Kammerpräsident Graf Bassenheim, der seitdem seine 
Stelle resignirt hat, und nach Friedberg gezogen ist, weil 
ihm das Leben hier nicht anstand. Nächstens denk ich 
seine Bekanntschaft zu machen. 

Werthers Leiden sind eigentlich aus einer doppelten 
Geschichte componirt. Lotte, des Amtmanns Puff Tochter, 
war Göthens Mädchen, und die, warum Jerusalem sich 
erschoss, war die Frau eines hiesigen Sekretairs, Hert, die 
gleich nach der traurigen Geschichte von hier zog, um 
den Ort des traurigen Andenkens zu meiden. 

Herrliche Gegenden müssen hier sein im Sommer. 
Aus meinem Fenster hab ich ganz die Aussicht, die Göthe 
malt, über den Fluss und Wiesen hin den Berg hinauf an 
ein verfallnes Schloss. Aber itzt ist die ganze Gegend 
auch nichts, als ein lackirt Bildchen. 

d. 28 Decemb. 

. . . Nun kenn ich die Stadt so ziemlich ganz. Guter 
Gott, was für ein Nest! Lauter Häuser mit Bleifenster 
und Schieferdächern; Gassen, so eng, dass man des Tags 
Licht nicht darin sieht, und so krumm, dass man nicht 
herausfinden, und so bergigt, und so schlecht gepflastert, 
dass man sie nicht ersteigen kann; in einigen Strassen 
Treppen von 50 Stufen, um den Berg hinan zu kommen. 
Ich wohne nun ungefehr mitten in der Stadt, und sehe 
über den abhängigen sehr geräumigen Marktplatz und den 
untern Theil der Stadt aus meinem Fenster in die herr- 
lichste Landschaft hinaus, wo der Fluss sich durch Wiesen 
und Kornfelder das Thal hinab zwischen 2 Ungeheuern 
Bergen hinschlängelt; die Berge stehn gleich vor der Stadt, 
und auf jedem ein verfallnes Schloss. 

. . . Comödie ist weg seit 14 Tagen; die Truppe ist 
schlecht gewesen unter alle Kritik. Aber der Adel hat 
Privatkomödie gespielt, und noch neulich Lessings Minna 
gegeben, wo Schleinitz den Teilheim gemacht hat, Hammer- 
stein den Wachtmeister, und meine kleine Gräfinn die Minna 
ganz unvergleichlich. War ich Aktor, so würd ich ein 
ähnliches unter Bürgerlichen projektiren, auch würden die 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778—79. 51 

Gräfinn, Hammerstein und Fräulein Gülich mit dabei sein. 
Die Gräfinn will durchaus Julius von Tarent zu Stande 
haben, da will sie die Blanka machen. Aber wo ein Julius, 
wenn auch Hammerstein den Guido herausbrächte ? . . . 

Abends: 12 Uhr. 
— Heut Nachmittag war ich eine Stunde bei Puffs, 
die heut in die Stadt gekommen sind, und wir jungen 
Leute und Mädchen lärmten und jauchzten doch durch- 
einander, wie die Kinder; so wohl war uns. 

d. 29. Decemb. 
. . . Noch Eine Nachschrift. Werther ist noch immer 
meine tägliche Lektür, und ich bin itzt dem^ Büchlein 
doppelt gut, dass es so ganz aus der lebendigen Welt 
herausgeschrieben ist. Du weisst, wie Einem ist bei einem 
Roman, wo alles so ganz natürlich hergeht, man ist unter all 
den Leuten wie zu Hause, und wäre, wenn nun das Buch 
zu Ende ist, noch gerne länger mit ihnen, und setzte eine 
Bekanntschaft vort, bei der uns so wohl war. So kannst 
du denken, welch eine Herzensfreude mir ist, in all den 
Gegenden und unter all den Leuten zu leben und zu weben, 
wo auch mein seliger Werther lebte und webte. Und ich 
versichre dich, die Leute sind im Buch fast alle so ganz 
hingestellt, wie sie sind, ohn alle Schminke, und das macht 
mir denn beides das Büchlein und die handelnden Personen 
doppelt werth. 

2. 
Wetzlar, den 29. Decemb: 1778. 
. . . Willst Du mehr wissen von den Leuten hier, und 
von ihrer Gutartigkeit und von den leidigen Verhältnissen, 
die sie wieder trennen, und von hiesigen Gegenden, so 
nimm Deinen Werther vor; denn alles ist nach dem Leben 
gemahlt, und die Trennung von Lotten am Ende des ersten 
Theils ist eine blosse Fiction; die ganze Scene spielt vort in 
und um Wetzlar; und der Amtmann mit seinen Kindern, und 
der Graf C. und Albert und alle andern leben noch hier, und 
sind auch meine Bekannte; und aus Werthers Brunnen 

4* 



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52 Neue Mittheilungen. 



trink ich täglich Wasser, und meine liebste Wallfarth ist 
über den felsigten Hügel hin, an dessen Fuss der Strom 
sich schlängelt, nach Wahlheim, und war ich den Sommer 
hier, ich wollt immer dort unter den Linden Kaffee trinken. 
So ist mein Werther mein täglichs Studium, und ich freue 
mich, wenn ich finde wie alles in ihm so wahr und lebendig 
ist. Was mir aber dies Studium über alles werth macht, 
ist, dass ichs theile mit einer Freundinn, die mich all das 
Lokale im Werther zuerst hat auffinden lernen, eine holde 
Schwärmerin, die auf dem Lande erzogen und erst seit 
2 Mt: hier ist, und die sich so herzlich an all unsre kleinen 
Zirkel anschliesst, und willig des Vorzugs vergisst, den ihr 
bürgerliche Verhältnisse geben; denn sie ist eine würkliche 
Reich sgräfinn von fVitgenstein, . . . 

3- 

Wetzlar, d. 30. Dec: 1778. 

. . . Hätt ich Dich hier, wie solltest Du laut jauchzen 
über die herrliche Landschaft, die hier vor meinen Fenstern 
ausgebreitet liegt!... Was wird das sein, wenn erst der 
Frühling kömmt in all seiner Herrlichkeit, und Farbe und 
Leben hinein bringt in die graue Landschaft! Auch neidet 
mich jeder um mein Zimmer, und zur Zeit der Visitation 
hats ein Hr : von Meckeln bewohnt, der der dritte war in 
dem herrlichen Kleeblatt mit Göthe und Jerusalem, die denn 
immer hier ihre gemeinsame Niederlage hatten. 

Ich will Dir doch nun die Geschichte erzählen von 
Göthe und dem sei. Jerusalem, die den ganzen Stoff zum 
Werther angiebt, so wie ich sie hier aus dem Munde der 
Augenzeugen und besonders der Puffschen Familie gesammelt 
habe. 

Göthe und Jerusalem lebten hier in herzlicher Ein- 
tracht und ganz gleichen Gesinnungen; jeder Mensch war 
ihnen desto willkomner, je natürlicher er war, und so 
waren sie hier denn ganz in ihrem Element, nahmen innigen 
Antheil an jede gesellige Freude, und verschlossen übrigens 
in ihrem Herzen alle Empfindung, die für diese Atmosphäre 
zu kräftig war, denn sie hätten nur den guten Seelen hier 
den unbefangnen Genuss ihres Lebens leid gemacht. Göthe 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778—79. 53 

war ganz offen für jedermann, und für jede Art von Freude 
empfänglich; Jerusalem mehr verschlossen, und hatte den 
Grundsatz des Polonius, seine Freundschaft nicht jeder 
neuausgebrüteten noch unbefiederten Bekanntschaft Preis 
zu geben ; aber wenn er sich einmal anschloss, so wars auch 
so innig, dass nicht Leben noch Tod ihn losreissen konnte 
von seiner Liebe. Aus diesem Grundzug in beider Charakter 
erklärt sich alles in der Geschichte ihres folgenden Lebens ; 
und diese dem Anschein nach so differenten Grundzüge 
hat Göthe so treflich in einander zu verschmelzen gewusst, 
dass das herrliche Bild daraus geworden ist, was nun im 
Werther da steht. 

Göthe hatte seine gewöhnliche Niederlage in Garben- 
heim, und machte auf einem Ball vor der Stadt Bekannt- 
schaft mit Lotte Puff, die damals an ihren itzigen Mann, 
den Sekretär Küstner schon versprochen war, wie das alles 
im Buch geschrieben stehet. Der Umgang dauerte theils 
in der Stadt, theils auf dem Lande vort, bis Küstner kam ; 
und mittlerweil sammelten sich all die herrlichen Situationen, 
die Du aus dem ersten Theil kennst. Die Augen von ganz 
Wetzlar waren auf einen Mann gerichtet, den sie nicht 
begreifen konnten, der bald am Markttag alle Kirschen 
am ganzen Markt aufkaufte, alle Kinder in der Stadt zu- 
sammentrommelte, und dann mit der Karavane nach Puffs 
Hause zog, wo er die Kinder all im Kreise um die Körbe 
herstellte, und Lotte ihnen Butterbrodt dazu schnitt, bald 
wieder auf den Dörfern herumzog und sich selbst seine 
Erbsen absämte und kochte. Küstner war schon im Begriff, 
seine Lotte zu lassen, weil er das nun nicht in ihr zu 
finden hoffte, was sein ganzes Verlangen war, eine treue 
Gehülfinn des Lebens: als Göthe unter vieler Beklemmung 
und Thränen den herrlichen Abend feierte, mit dem sich 
4er erste Theil schliesst, und dann als ehrlicher Mann 
wegging, da er als ehrlicher Mann nicht mehr bleiben 
durfte. Auch ist er seitdem nie wieder nach Wetzlar 
kommen, hat Lotten auch bis dahin noch nie wieder gesehn. 

Jerusalem hatte indess als braunschweigscherLegations- 
Sekretär all das Schicksal, womit der 2te Theil anfängt, 
machte Bekanntschaft mit der Sekretärinn Hert, und lebte 



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54 Neue Mittheilungen. 

eine Weile mit ihr in der bangen Situazion, die auch im 
Roman die Geschichte der Katastrophe entgegen führt. 
Hier ist alles pünktlich wahr, und die mehrsten Briefe sind 
wirklich von Jerusalem an Göthe, der damals schon weg 
war, geschrieben. . . . 

d. 31. Decemb. 

Weiter in der Geschichte meines Werthers. 

Das Schicksal seiner letzten Tage hat Göthe treulich 
erzählt, aber dennoch fehlts nicht an Stoff zu anderweitigem 
gleich starken Interesse. So war er ungefehr einen Monat 
vor seinem Ende mit der Sekretairinn Hert bei Puffs ge- 
wesen, sie hatten da einen herzlichen Abend gehabt, und 
Jerusalem führte die Sekretärinn nach Haus. Als er über 
den Kirchhoff kam, wo er itzt begraben liegt, erwacht' er 
aus der düstern Schwermuth, die den ganzen Abend seine 
Sele verfinstert hat, und lag ihr an, mit ihm in die Kirche 
zu gehn, und da ein Vater unser für ihn zu beten. Sie 
wollt' ihm den Unmuth und die Widerwärtigkeit seines 
Herzens ausreden; »nicht doch«, sagte sie zu ihm, »wir 
wollen uns des Lebens freuen, solange wir's haben, und 
wollen beten für einander, wenn eins vor dem andern hin- 
stirbt.« Das übermannte ihn vollends, er begleitete sie nach 
Haus, redte viel davon, dass auch er bald hier liegen würde, 
ging dann wieder auf den Kirchhoff, und lag da an der 
Mauer unter einer Linde bis an den lichten Morgen. Wenig 
Tage nachher eräugte sich der ängstliche Auftritt mit Lotten 
S. 181, und der S. 190. wo durchaus kein Pünktlein Fiction 
ist, sondern alles lautre Wahrheit. So auch die ganze 
folgende Geschichte bis an seinen Tod. Der Nachbar, der 
den Schuss hörte, war der Franciskaner, der gerad in der 
anliegenden Kirche Messe hielt. Nicht der Bediente des 
Unglücklichen brachte Herten die schröckliche Nachricht^ 
sondern der Friseur, der immer früh um 7 zu ihm kam, 
erzählts als eine Stadtneuigkeit, in Lottens Gegenwart, die 
ohnmächtig hinsank. Die Pistole war währendem Schuss 
seitwärts abgeglitten und hatte die halbe Hirnschale weg- 
genommen, so dass alles Gehirn herausgefallen war. Der 
Unglückliche, noch in dem Bewusstsein, der Schuss sei 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778—79. 55 

halb verfehlt, hatte nach der 2ten Pistole gegriffen, und 
war mit der Pistole in der Hand zur Erde gefallen. Bis 
er den andern Mittag starb, schlug das Herz mit der un- 
bändigsten Gewalt, und bei jedem Herzschlag stürzte eine 
Menge Blut aus der Wunde; ganz ohne Bewusstsein seiner 
selbst heulte er laut, dass mans weit umher hören konnte, 
und bäumte sich im Bett fürchterlich in die Höhe. Schon 
eh er todt war, wurd ihm der Sarg angemessen, so bald 
er starb legte man ihn im blauen Rock gelbem Unterzeug 
und Stiefeln hinein, fingirte Anstalten zur Beerdigung für 
den andern Tag, und begrub ihn dann noch denselben 
Abend in der Stille, um Auflauf zu verhüten. Die ganze 
Stadt hat Theil genommen an der traurigen Geschichte, 
und noch hab ich keinen gefunden, dem's nicht warm 
wird, wenn er davon erzählt. Vorigen Sommer, Abends 
in der Dämrung haben Sprickmann und seine Freunde 
Blumen auf sein Grab gestreut, und dabei Trauermusik 
gemacht im Angesicht der ganzen Stadt. Das lieb ich nun 
nicht, auf die Art Prunk zu treiben mit seinem Herzen. Aber 
wie mirs eng wird im Busen, wenn ich so an einem trüben 
Abend einsam bei seinem Grabe vorübergehe, und wie mir 

da die hellen Thränen im Auge stehn Lieber, in 

Wetzlar hat daraus keine Seele arg; aber wärst Du hier, 
Du solltest mit mir gehn, und mit mir weinen auf dem 
Grabe ! 

D. I Jan. 1779. 
Redouten werden hier diesen Winter schwerlich zu Stande 
kommen. Vorigen Winter hat der Adel angefangen, sich 
durch eigne Masken zu unterscheiden, und auf alle Art 
auch hier von den Unadlichen sich zu sondern; darüber 
hats immer viel Händel gegeben. Graf Bassenheim führte 
hier zuerst Redouten ein, um dadurch doch je zuweilen 
alle Zirkel in eins zu ketten, und das wieder gut zu machen, 
was leidige Verhältnisse getrennt hatten, und wenn der 
Adel anfangen wollte, sich zu sondern, so sagt' er in der 
Gesellschaft selbst seine Herzens Meinung drüber, undfoderte 
lauter Unadliche zum Tanz auf. So macht' ers bei aller 
Gelegenheit, und der auszeichnende Aufwand, den er machte. 



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56 Neue Mittheilungen. 



berechtigte ihn dazu vor jedem andern. Oft stellt' er all- 
gemeine Schlittenfahrten an, aber auch da gab's gewöhnlich 
Händel. Als der Mann einige Jahre vergebens dran ge- 
arbeitet hatte, seinen Plan durchzuführen, ward er des 
Dinges müde, legte seine Stelle nieder und zog in die 
Einsamkeit nach Friedberg. 

D. 2. Jan. 
Heut Morgen wars endlich so viel Wetter, dass ich 
den Garten aufsuchen konnte, den Werther gleich S. 8. 
beschreibt, und wo die herrliche Scene vorging im letzten 
Briefe des ersten Theils. Der Garten ist die schönste und 
allgemeinste Promenade hier, unmittelbar vorm Thor an 
einem Hügel von da man die ganze Stadt und die ganze 
Gegend übersieht. Auch kann man da zu aller Zeit Kaffee, 
Wein pp haben, und das Billard ist den ganzen Winter 
geheizt. Mir war doch alles so bekannt und willkommen, 
als ich hinein trat; war's, als sollt' ich einen Fremden, an 
dem schon lange mein ganzes Herz gehangen hatte, nun 
endlich von Angesicht zu Angesicht sehn, und so ging ich 
mit klopfendem Herzen die Lindenallee an der Gartenthür 
hinauf. . . . 

4- 

Wezlar, d. 15. Jan. 1779. 
... Ich arbeite itzt unter dem Assessor Dittfurth, einem 
Mann, den ich als Gelehrten und als Menschen unendlich 
hochschätze, . . . 

d. 22. Jan. 

Der Brief ist liegen blieben, weil ich ihm noch eine 
ausführliche Erzählung von dem Schicksal des sei: Jerusalem, 
der den ersten Stoff zum Werther gegeben hat beifügen 
wollte. — Aber das muss bleiben, ich kann nicht daran 
kommen, vor den Zerstreuungen die mir jede Stunde ab- 
stehlen als Juristen und als Gesellschafter. 

Also nur bloss die Hauptstriche. Göthe lebte hier als 
Praktikant, liebte Lotten Puff, des hiesigen Amtmanns 
Tochter, die damals schon mit ihrem itzigen Mann, dem 
Sekretär Küstner in Hanover, versprochen war, und durch- 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778—79. 57 

lebte mit ihr eben die Auftritte, die den isten Theil vom 
Werther ausmachen. Als der Bräutgam kam, um seine 
Braut zu holen, ging Göthe, wie einem ehrlichen Kerl 
gebürt, heimlich vort, wie das alles im letzten Brief des 
ersten Theils beschrieben ist. 

Die Scene des 2ten Theils ist abermal in Wetzlar, 
bloss Personen und Verhältnisse sind verändert. Hier ist 
die ganze Geschichte des braunschweigischen Legations- 
Sekretär bei der Visitation, Jerusalem, seine Liebe mit der 
Frau des hiesigen Stadt-Sekretärs Hert, sein Verdruss mit 
der hiesigen Noblesse, und sein unglückliches Ende. Alles 
wörtlich richtig. Also Albert ist auch aus 2 Charakteren 
zusammengeschmolzen; demSekr: Küstner und demSekr: 
Hert. Der Amtmann Puff mit seinen Kindern lebt noch 
hier, der Graf C. ist der Graf von Bassenheim, damaliger 
Präsident am Cammer-Gericht, iziger Burggraf zu Friedberg, 
der sein möglichstes that, die fatalen Verhältnisse zwischen 
Adlichen und Unadlichen zu tilgen; die Gräfinn B. ist eine 
Comtesse von Wittgenstein, die hier mit ihrem Vater lebt, 
und die ich sehr genau kenne; ganz die liebe Schwärmerin, 
wie sie im Roman vorkömmt. . . . 



Die Vorlagen zu vorstehender VeröfFentlichung verdankt 
das Goethe- und Schiller- Archiv Herrn Rechtsanwalt Dr. jur. 
Arnold Ziese in Rendsburg. Er hatte uns bereits im März 1895, 
unter Vermittlung des Herrn Geheimen Staatsraths Dr. jur. Carl 
Rothe in Weimar, einen Auszug aus den in seiner Hand be- 
findlichen Originalen, Briefen seines Urgroßoheims Dr. jur. 
Johann Arnold Günther aus Hamburg, überwiesen und die 
Mittheilung an den weiteren Kreis der Goethefreunde gefällig 
anheimgegeben. Jetzt sandte er, zu diesem Behuf, nebst den 
bezüglichen Urschriften zugleich eine Abschrift der sämmtlichen 
vorhandenen Briefe Günthers, auch einiges literarische Material, 
das, wie jene bei den folgenden Erläuterungen verwerthet 
worden ist. B. S. 

Nicht als geschichtliche Urkunden, die über Goethe in 
Wetzlar wesentlich Neues erbringen, wurden die vorstehenden 
Briefe hervorgezogen. Ihr historisch -biographischer Werth ist 
nicht erheblich, und sie enthalten sogar im Einzelnen greifbare 
Irrthümer, die zu berichtigen jetzt überflüssig sein würde, so 
z. B. die Angabe, daß Goethe und Jerusalem in herzlicher 



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58 Neue Mittheilungen. 

Eintracht und ganz gleichen Gesinnungen lebten, daß der 
zweite Theil des Werther auf echten Briefen Jerusalems an 
Goethe beruhe, dass Goethe nie wieder in Wetzlar gewesen 
und Lotte nicht mehr gesehen habe, daß unter dem Fräulein 
von B. eine Gräfin Wittgenstein zu verstehen sei (vgl. viel- 
mehr £. Schmidt, Richardson, Rousseau und Goethe S. 286) und 
dergleichen mehr. Aber eine »Berichtigung der Geschichte des 
jungen Werthers«, wie sie etwa der hannoversche Lieutenant von 
Breitenbach 1775 versuchte, wollen ja diese Briefe gar nicht 
sein; sie sind vielmehr lediglich vertrauliche Herzensergüsse 
eines warmen Anempfinders, der begeistert in Goethes Spuren 
wandelt, und so zugleich Zeugnisse für das Fortbestehen der 
Wertherstimmung — für uns vor allem wichtig durch den Nach- 
weis, wie bald sich selbst im Kreise der Nahestehenden die 
Legende des berühmten Stoffes bemächtigt, charakteristisch 
aber auch für die Person des Briefschreibers, der in der 
Wertherstadt einem Anfall von »Wertherfieber« nicht entgeht. 
Es ist dies ein junger Hamburger, der Licentiat der Rechte 
Johann Arnold Günther, später Senator seiner Vaterstadt, 
dessen Leben der Domkapitular Friedrich Johann Lorenz 
Meyer beschrieben hat.' Geboren am 9. April 1755. zu«n 
Kaufmann bestimmt, aber zur Gelehrtenlaufbahn sich durch- 
ringend, seit 17 71 auf dem Johanneum und academischen 
Gymnasium gebildet, zwanzigjährig in Göttingen immatriculirt 
und 1778 zum Dr. juris promovirt, trat er imDecember desselben 
Jahres die beliebte Reise durch Deutschland und nach den 
Mittelpunkten der Rechts- und Staatsgelehrsamkeit, Wetzlar, 
Regensburg und Wien an, von der er erst Mitte 1780 nach 
Hamburg zurückkehrte. Dort ist er als einer der angesehensten 
Bürger seiner Vaterstadt, hoch verdient um das Armenwesen und 
als Begründer des modernen Feuerlöschsystems in Hamburg, 
auch als Schriftsteller von reger Thätigkeit, bereits 5 1 jährig im 
Jahre 1806 gestorben. — Während seines Aufenthaltes in Wetzlar 
vom Weihnachtsabend 1778 bis Ende August 1779 sind nun 
unsere Briefe geschrieben und an zwei Hamburger Jugend- 
freunde gerichtet, von denen der eine, Wilhelm Nissen (Adressat 
von Nr. II und IV) jung verheirathet in Hamburg lebte, der 
zweite noch in Göttingen studirte. Achtzehn Jahre später 
sah Günther die Wertherstadt wieder. In seinen »Erinnerungen 
aus den deutschen Kriegs-Gegenden, aus der Schweiz und 
aus den angrenzenden Ländern, in vorzüglicher Hinsicht auf 
Natur -Schönheit und auf Völker -Glück. Aufgesammelt im 
Sommer 1796«, die sein Biograph nach seinem Tode heraus- 



' Johann Arnold Günther. Ein Lebensgemälde. Hamburg, Bohn, 
1810. Vgl. ferner das Hamburger Schriftsteller-Lexicon III, 3 ff. und die 
Allg. deutsche Biographie X, 174. 



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Briefe aus der Wertherstadt, 1778—79. 59 

gegeben hat (Hamburg 1806), schildert er auch Wetzlar, wo 
er »sehr glückliche Jugendtage« verlebte, und findet es un- 
begreiflich — wogegen sich freilich schon der Herausgeber 
verwahrt — , daß das eben so treue als treffliche Bild, das 
Goethes Werther von diesen Gegenden und von den Wetzlarer 
Zuständen entwerfe, bisher unbekannt und unbemerkt ge- 
blieben sei. »Man hat«, fügt er hinzu, »den Namen des 
unglücklichen, als Mensch und als Schriftsteller respectabeln 
jungen Mannes, dessen hier erfolgter trauriger Selbstmord 
die erste Entstehung der Dichtung veranlasste, seit langen 
Jahren vergessen, und fern sei es von mir, seinen Namen 
und seine traurige Geschichte je wieder dieser Vergessenheit 
zu entziehen ; aber durchaus unabhängig hiervon ist und bleibt 
diese Aufsuchung des Urbildes zu Local-Situationen, Local- 
Sitten, Local- Charakteren. — Unvorbereitet, aber mit innigster 
Theilnahme fand ich dieses alles zu einer Zeit, wo das Gedicht 
erst vor kurzem erschien, meine jugendlichere Phantasie für 
Eindrücke dieser Art noch wärmer war, hier realisirt, und 
lebte hohe, nie vergessliche Festtage in dieser Versinnlichung, 
dieser Vergegenwärtigung, und im nun erst ganz verstandenen, 
ganz gefühlten Studium der manchen hohen und praktischen 
Lebens-Weisheit, die der Dichter so schön und so kräftig in seine 
nur dem Schwärmer und dem Dummkopf gefährliche Dichtung 
zu verweben gewusst hat; — und mit gleicher Theilnahme 
rufe ich mir heute an Ort und Stelle beide Eindrücke zurück, 
und weihe beiden noch als Mann ein stilles Fest wehmüthiger 
Wiedererinnerung, ohne dadurch bei meinen Freunden den 
Verdacht der Empfindelei oder der Schöngeisterei zu befürchten, 
von denen eine, wie sie wissen, mir so fremd ist, als die 
andere«. 

Anders gibt sich der junge Günther in seinen Wetzlarer 
Briefen, die hier nur zum Theil mitgetheilt werden konnten ; 
auch er zeigt sich von der Sentimentalität der Zeit berührt und 
aus einer tiefen Empfindung für Natur und Dichtung lässt er sich 
zur Nachfolge des vielbeweinten Schattens fortreißen. Während 
in Hamburg seiner eine Geliebte wartet, die er als Nelly 
besingt und später heimführt, wird er in Wetzlar erst von 
der Frau des hamburgischen Procurators von Bostel (vgl. Herbst 
S. 34), dann von der jungen Gräfin Wittgenstein und endlich 
gar von einer Lotte, der Tochter des dortigen Kammermedicus 
Held, bezaubert. Auch er lernt sein Mädchen auf einem Balle 
kennen, schwärmt mit ihr über Romane und erfährt erst zu 
spät, dass sie bereits versprochen ist. Aber trotz der leiden- 
schaftlichen Maske seiner Briefe bleibt es bei ihm ein Spiel, 
wie es etwa der Schwabe Miller mit Lotte von Einem trieb 
(E.Schmidt, Charakteristiken S. 178), und in dem ersten der 
Briefe, die von seiner Lotte handeln, 6. Januar 1779, glaubt 



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6o Neue Mittheilungen. 



er selbst sich wegen seiner Wertheriade entschuldigen zu 
müssen: »Soll ich eine Apologie vorausschicken? Dir weit- 
läufig versichern, daß ich nicht auf die Charlatanerie ausgehe, 
VVerthern zu kopiren? — Du weist, wie sehr ich das hasse, 
und kannst leicht erachten, daß ähnliche Verhältnisse, ähn- 
licher Ton des Umgangs und Gleichheit des Orts ganz natür- 
lich eine Aehnlichkeit der Situation bereiten kann, die an sich 
wohl ganz romantisch aussehen möchte, und die ich nicht 
gern jemanden erzählte, der mich nicht ganz kennt.« 

Bei den Einzelheiten von Günthers Mittheilungen brauchen 
wir nicht zu verweilen; die citirten Stellen aus VVerther sind 
jedem vertraut. Ueber Sprickmanns Wertherfeier im Frühjahr 
1778 vgl. Weinhold in der Zeitschrift f. d. Kulturgeschichte N. F. I, 
261 ff., entstellt hti Appell, Werther und seine Zeit, 3. Aufl. S. 50. 
von Schleinitz (oben Brief vom 28. Dez.) wird von R. Schlösser 
im Euphorion II, 352 erwähnt. Der auch sonst von Günther 
gerühmte Assessor Th. D. von Ditfurth spielt bekanntlich bei 
Jerusalems Zwist mit seinem Vorgesetzten, dem Subdelegaten 
Johann Jakob von Hoefler, — Verhältnisse in denen wir die 
wahre Ursache seines Selbstmordes zu suchen haben — eine 
wichtige Rolle, vgl. F. Koldewey, Lebens- und Charakterbilder 
1881 S. 185 ff. Auf ihn bezieht sich eine weitere Stelle in 
Günthers Briefe vom 2. Januar 1779, wo es heißt: »Viel 
Mühe kostete michs, ihm begreiflich zu machen, daß ich 
klug gethan hätte, mich hier als Unadlicher zu produciren, 
denn er wollte mirs durchaus abstreiten, man müsste den 
Mantel nach dem Winde hängen, und der, welcher unadlich 
geboren wäre, müsste dem Adelstolz dadurch eine Nase drehen, 
daß er die Dreistigkeit hätte, seinem Namen ein von anzu- 
hängen. Endlich begriff ers denn, daß sich das nicht thun 
lässt für einen, der auf Akademien unadlich war, und hier 
Bekannte von Adel wieder findet, die ihn vormals als un- 
adlich kannten. — Und übrigens kann ich den übergroßen 
Vortheil auch noch nicht absehn.« Diese Aeußerung Ditfurths 
ist wichtig, da sie im schärfsten Gegensatz steht zu einer 
Anklage, die gegen Werthers Urbild von seinem Vorgesetzten 
und seiner Regierung erhoben wurde ; von Koldewey in seiner 
eben erwähnten Skizze übergangen sei diese Episode hier 
aus den Acten des herzogl. Landeshauptarchivs zu Wolfen- 
büttel nachgetragen. Höfler führte in seiner Beschwerdeschrift 
über Jerusalem vom 9. November 1771 an den Herzog Karl 
auch Folgendes an: »Bey seiner Ankunfft gab er sich unter 
dem Thor als Herzogl. Braunschweig- Wolfenbüttelscher Camvier- 
Juncker von Jerusalem an, worüber einige Gesandten sich 
gegen mich aufhielten und sagten: wenn mir ein Cammer- 
Juncker zum Secretaire geschickt würde : so müssten Sie sich 
auch einen von ihren Höfen ausbitten, wiewohl bey gegen- 



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Brief Pius Alexander Wolffs an Rühle von Lilienstern. 6i 

wärtigem Geschafft von einem Secretaire nur erfordert würde, 
dass er deutlich und correct schreiben könne, alles tlbrige 
aber dem Subdelegato zur Last liege«. In Folge dieser und 
ähnlicher Beschwerden wurde Ditfurth am 15. November 1771 
aufgefordert, tlber die Vorgänge auf Eid und Pflicht vertrau- 
lich zu berichten; er antwortet am 30. November: mad 5 
ist es gar nicht wahrscheinlich, dass sich der HE. Ass: /er: 
ftlr einen Cammerjunker ausgegeben haben solte, welches ihm 
hier, da seine Bestimmung doch gleich das Gegentheil zeigte, 
wenig würde habe helfen können, vielleicht kann es aber ein 
Irrthum seyn, da er mit dem HE. von Riedesel hierher ge- 
kommen, und dieser Würtembergischer Cammerjunker und 
RegierungsRath ist, ich habe noch immer gehoffet, unter 
einem andern praetext den Thorzettel zu bekommen und 
einzuschicken, solte ich solchen noch erhalten, so ermangele 
ich nicht ihn schuldig nachzusenden«. Zu solchen Mitteln 
griff Jerusalems Vorgesetzter, der bereits dessen Vorgänger, 
den freilich ganz anders gearteten August Siegfried von Gou^, 
auf dem Gewissen hatte! — Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, 
daß in Gou^s »Masuren« nicht, wie noch die zweite Auflage 
von Goedekes Grundriss IV, 427 angibt, der Graf von Bässen- 
heim als »krimmischer Gesandter« auftritt, der mit Ohrfeigen 
tractirt und schließlich zur Thüre hinausgeworfen wird, sondern 
eben dieser Höfler, dessen empörende Behandlung weit mehr 
als die in Günthers Berichten einseitig hervorgehobene Neigung 
zu Elisabeth Herd das Urbild Werthers in den Tod trieb. 

Carl Schüddekopf. 



4. BRIEF PIUS ALEXANDER WOLFFS AN RÜHLE 
VON LILIENSTERN. 

Verehrter Freund! 
Auch ohne Ihre Erinnerung, die mir übrigens sehr werth 
ist, indem sie mir die Versicherung giebt, dass Sie meiner 
noch gedenken, hätte ich meine Pflicht nicht versäumt, 
Ihnen über die Bearbeitung und Darstellung »Romeo und 
Julia« Bericht zu geben, indem Sie, mein werther Freund, 
doch immer die Ursache bleiben, dass das Stück auf die 
Bühne gekommen. Sie haben es bei mir in Anregung ge- 
bracht, und durch Ihre Bearbeitung und Gespräche zu tieferem 
Nachdenken veranlasst, konnte ich Göthen Anfangs dieses 
Winters meinen Plan vorlegen: wie ich glaubte, dass sich 



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62 Neue Mittheilungen. 



dieses herrliche Stück zusammenrücken und in einer ge- 
drängteren Form darstellen Hesse. 

Es gelang mir denn auch, ihn dafür zu interessiren, obwohl 
übrigens von meinen Vorschlägen nichts angenommen wurde, 
als dass der grösste Theil der Exposition auf den Maskenball 
verlegt wurde, welches ich Ihnen schon damals, wenn Sie 
sich noch erinnern, vorschlug und in Ihrem Manuscript ange- 
merkt hatte. Die Bearbeitung Göthes ist nach meiner Einsicht 
vortrefflich; auch spricht der glückliche Erfolg der AuffFührung 
ganz dafür — demungeachtet hat sich schon eine Rotte von 
Widersachern gefunden; doch das war vorauszusehen. 

Göthe hat, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Portal 
zu dem Stücke errichtet; es beginnt in der Nacht; — 
Capulets Haus ist erleuchtet — die Diener winden Kränze 
daran und singen ein festliches Lied; hier ist Ihre Idee zum 
Theil geblieben : es ziehen während des Gesanges Quadrillen 
und einzelne Masken in das Haus, und gegen Ende des 
Liedes treten Romeo und Benvolio auf. Dieser zieht gegen 
die Diener Capulets, Romeo hält ihn zurück, mahnt ihn 
zum Frieden, und in einem gedrängten Gespräch, welches 
ganz vortrefflich gelungen, kommen sie dahin überein, dass 
sie selbst auf den Ball ziehen wollen — - Romeo sagt : »nicht, 
um den Schmerz (über RosaUnde) zu heilen, sondern ihn 
zu vergessen.« Indem sie abgehen wollen, sich zu ver- 
mummen, kommt ihnen Mercutio in den Weg, der sich 
sträubt, mitzugehn, dann aber heimlich sich auch maskirt 
und dort erscheint. Die Bühne verwandelt sich in den 
Maskenball. Nun kommen die Scenen, wo Paris bei Capulet 
wirbt, wo die Mutter Julien davon unterrichtet; der Prinz 
erscheint mit Mercutio und giebt von Zeit zu Zeit zu 
erkennen, dass er die Heirath mit Paris begünstige. — 
Romeo erscheint, und nun geht Alles seinen Gang, wie im 
Originale, die Bühne verwandelt sich zum zweitenmale in 
Capulets Garten,' man hört aus der Ferne noch Musik. 
Romeo tritt auf vor Juliens Balcon und spricht, während 
sich der Klang der Musik verliert, einige lyrische Verse, 
die von ausserordentlicher Wirkung sind. Dieser Moment 
ist einer von den schönsten im ganzen Stücke; Julia erscheint 
auf dem Balcon und nun folgen wir dem Original. 



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Brief Piüs Alexander Wolffs an Rühle von Lilienstern. 63 

Der zweite Act beginnt im Klostergarten mit Lorenzos 
Monologe ; dann kommt Romeo, dann Julia, und von hier aus 
gehen sie zur Trauung. Nun folgt Mercutios Tod — Tybalts 
Tod — Romeos Verbannung; — so schliesst der zweite Act. 

Der dritte Act beginnt mit Juliens Monolog, und so fort 

— auch im 4. Acte — alles wie im Original. Im 4. Acte 
ist noch eine schöne Scene eingelegt, wo Paris bei Julien 
selbst um ihre Hand wirbt; Lorenzo ist im Hause, um 
Opulets über Tybalts Tod zu trösten; dadurch sind die 
vielen Verwandlungen vermieden: der ganze 4. Act spielt 
im Capulets Hause. 

Der fünfte Act beginnt mit Romeos Monologe, wo er 
seinen Traum erzählt, der Page Romeos kommt zurück 
von Verona und berichtet Julias Tod; hier hat Göthe eine 
herrliche Erzählung dem Pagen geschrieben, wo der ganze 
Leichenzug Julias beschrieben wird. Sie hatten die Idee, 
ihn wirklich vorzustellen; dies kann bei uns nicht gut auf 
dem beschränkten Platz geschehen ; aber die Erzählung ist 
wundervoll. Ich kenne nicht bald ein Gedicht, in dem eine 
solche Gegenwart herrscht. Nun folgt die Apothekerscene 

— dann das Zusammentreffen des Bruders Marcus mit 
Romeo, dann die Todtengruft. — Paris tritt auf mit einer 
Fackel, streut Blumen vor dem Gewölbe; — Romeo kommt 
von der andern Seite, steckt seine Fackel dem Paris gegen- 
über an die Mauer — ein herrliches Bild! Und hier hab' 
ich einen herrlichen Monolog gewonnen, zu dessen Ende 
Romeo das Gewölb erbricht; — Paris will ihn greifen, 
wird getödtet und nun wie im Original. Nach Romeos 
Tod kommt Lorenzo, Julia erwacht — Lorenzo will sie fort- 
führen, aber indem er sich wendet, um aus dem Gewölbe 
heraus zu gehen, ersticht sich Julia. — Hier hat Lorenzo 
noch einige Reflexionen, die aus der Handlung hervorgehen 
und schliesst das Gewölbe mit den Worten: 

»Die dunkle Pforte soll Euch hier verwahren, 

»Bis ich es darf den Obern ofienbaren. — 

»Glückselig der, der Liebe rein geniesst, 

»Weil doch zuletzt das Grab so Lieb' als Hass verschliesst 

So endigt das Stück. 

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64 Neue Mittheilungen. 



Die Charactere sind nirgens beschädigt; Mercutio hat 
noch viel gewonnen; die Amme ist weniger breit, aber der 
Character selbst ist wie im Original. Paris ist bedeutender 
geworden, Romeos Page eine liebliche Erscheinung durch 
seine Treue und Theilnahme für seinen Herrn. Alle Weg- 
lassungen sind motivirt und jede Übertreibung und Härte 
verbannt. Dagegen ist durchaus nichts zu sagen. — Worüber 
nun aber die Kritik schreit, ist die Weglassung der Ver- 
söhnung der beiden Häuser, und mir war angst und bange, 
als ich zum erstenmale davon hörte; nun aber stimme ich 
ganz für die gegenwärtige Einrichtung. Diese Versöhnung 
ist und bleibt ein Motiv für den Roman; das Trauerspiel 
hat ein Ende nach Julias Tod. Shakespeare folgt der 
Novelle treu bis zu Ende ; er wäre gewiss nie auf den Ge- 
danken gekommen, diese Scene hinzuzufügen, wenn er sie 
nicht in der Erzählung gefunden — ja ich behaupte, wenn 
man Shakespeare wegen dieses Zusatzes lobt, tadelt man 
ihn dadurch in allen seinen anderen Stücken. Romeos und 
Julias Tod ist gerechtfertigt; er ist ein Mörder, sie liebt 
den Mörder ihres nächsten Verwandten. Und man gebe 
nur auf das Publicum Acht — was doch in der Regel ent- 
scheidend ist — geben Sie darauf Acht, wenn Sie das Stück 
aufFühren sehen, ob die Zuschauer nicht nach dem Hute 
greifen, wenn Julia todt ist; diese Versöhnung, die nicht 
ohne Wiedererzählung des ganzen Stückes stattfinden kann, 
schadet dem mächtigen Eindrucke unendlich, mit dem Sie 
jetzt das Theater verlassen. Angedeutet muss sie werden 
und dies geschieht in den letzten Worten Lorenzos, aber 
diese feierliche Grabesstille darf durch keine Wehklage und 
Versöhnung unterbrochen werden; und Sie glauben nicht, 
welche Wirkung dies hervorbringt, wenn Lorenzo diese 
vier Leichen einschliesst : Tybalt — Paris — Romeo — Julia 
— Hass und Liebe — der Tod versöhnt sie; sie ruhen alle 
friedlich zusammen in einer Gruft. — Was Sie auch darüber 
hören mögen: fassen Sie keinen Widerwillen, ehe Sie der 
Aufführung beigewohnt haben. Und warum soll denn just 
eine Versöhnung daraus werden? — Welche Versöhnung 
wird denn durch den Tod der Desdemona, der Cordelia, 
der Emilia hervorgebracht? — 



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Brief Pius Alexander Wolffs an Rühle von Lilienstern. 65 

Doch genug davon. Ich habe mich schon so viel darüber 
gestritten und streiten hören, dass es mir unmöglich ist, 
es zu wiederholen. Man kann ja auch einmal das Stück 
so endigen lassen — dann wird man sehen, wer Recht hat; 
oder vielmehr, was es für Wirkung thut. Ein Spass fällt 
mir dabei ein. Der Graf Marschall mag auch davon haben 
läuten hören und hatte sich vorgenommen, Göthen darüber 
zur Rede zu stellen, welches denn auch geschehen. 

»Erlauben Sie,« sagte er, »warum haben Sie die Ver- 
söhnung weggelassen?« — Göthe antwortete aber weiter 
nichts als: »Die christliche Liebe, mein Bester, kann sich 
das ja wohl denken!« — 

Die Darstellung ist uns sehr gelungen, und Ihr 
ergebenster Diener und seine Frau haben einen Schritt 
vorwärts gethan in ihrer Kunst. Ich glaube, Sie würden 
uns loben. Mit welcher Lust und Freude wir unsere Rollen 
studirt haben, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Solche 
Rollen sind heutzutage sehr rar — ja, man kann behaupten, sie 
sind gar nicht mehr zu haben, man mag bieten, was man will. 
Nur wünschte ich freilich, dass Sie den ersten Eindruck durch 
uns bekämen, Mad. Hartwig und Herrn Schirmer beneide 
ich darum, wenn ihnen sollte die Freude aufbewahrt sein. 

Sonst geht Alles hier so seinen alten Gang fort. Ich 
komme wenig ins bischen Leben hinaus, das man hier 
findet, und bin am heitersten, wenn ich mich auf meine 
Kunst reducire. Meine Gesundheit hat sich etwas mehr 
befestigt, und mir ist wohl, wenn ich mich meinem Fleisse 
ergeben kann. Das Comödieschreiben liegt mir noch immer 
an — das ist ein Übel, wie die Zahnschmerzen — es giebt 
kein Mittel dafür. Ich habe eine kleine Oper geschrieben, 
die der hiesige Capellmeister componirt; und Anfangs wie 
wir von Halle zurückkamen, hab' ich meinen alten Plan 
verfolgt, und eine Novelle von Cervantes für's Theater 
bearbeitet ; es ist schlecht genug ausgefallen, und Sie werden 
es wohl ehestens in Dresden zu sehen kriegen; das Stück 
heisst: Preciosa. Man wird mich gräulich mitnehmen, — 
wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. 

Unsere Reise nach Leipzig und Berlin hat uns viel 
Freude gemacht und Geld gebracht. Was will man mehr? 

Gomn -Jahrbuch XVIII. 5 



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66 Neue Mittheilungen. 



Übrigens hab ich in meiner Kunst wenig Erfreuliches 
gesehen ; wir sind in Weimar ungemein voraus, und es holt 
uns kein anderes Theater so bald ein. Sie geben sich auch 
keine Mühe dazu und lassen uns laufen. 

Meine Frau erwiedert Ihre freundlichen Grüsse und 
freut sich Ihres Andenkens. Lassen Sie immer von Zeit 
zu Zeit ein paar Worte von sich hören; sie können mir 
von niemanden mehr Freude machen. Hier sagt man, Sie 
werden in Dresden Vorlesungen halten. Ist es wahr? Und 
über welchen Gegenstand.^ 

Dass uns Schulze verlässt, wird Ihnen vielleicht schon 
bekannt sein. Er folgt einem Rufe nach Hanau. Wahrschein- 
lich wird Dr. Riemer, den Sie kennen, seine Stelle ersetzen. 
Er (Seh.) will die Göthe'schen Fesseln, die mitunter etwas 
beschwerlich sein mögen, abschütteln. 

Leben Sie wohl, mein theurer Freund. 

Ihrer Frau Gemahlin, wenn sie sich meiner erinnert, 
bitte meine Verehrung zu bezeigen. 

Weimar, den 20. Febr. 1812. 

Ich bleibe in Hochachtung 

der Ihrige 

WolfF. 



Der Brief wurde, als eine der frühesten Zuwendungen an 
das »Goethe- Archiv« abschriftlich übergeben im April 1886 
vom Oberkammerherm Friedr. Kurt von Alten zu Oldenburg, 
Vorsteher der Grossherzoglichen Sammlungen, der auch als 
Schriftsteller durch sein Werk »Aus Tischbeins Leben und 
Briefwechsel« 1879 zur Goetheliteratur einen Beitrag geliefert 
hat. (t S./6. October 1894). 

Goethes Bearbeitung von Romeo und Julia ist erst nach 
seinem Tode im Druck erschienen (Nachträge zu Goethes 
sämmtlichen Werken. Gesammelt und herausgegeben von 
£. Boas. 2. Band, S. 5 — 124) und steht jetzt, nach den Hand- 
schriften revidirt, im 9. Bande der Weimarischen Ausgabe. 
Daß P. A. Wolff und Riemer an der Bearbeitung betheiligt 
waren, bemerkte Goethe in den Tag- und Jahresheften 181 1 
(Werke 36, 63). Noch andere Zeugnisse ftlr Wolffs Theilnahme 
habe ich aus ungedruckten Briefen desselben an den Leipziger 
Justizrath Dr. Heinrich BlUmmer veröffentlicht (Schriften der 



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Brief Pius Alexander Wolffs an Rühle von Lilienstern. 67 

Goethe-Gesellschaft 6, 248 f.). Aus denselben geht hervor, 
daß Goethe auf Wolffs Betreiben die Bearbeitung unternommen 
habe, um durch eine Gefälligkeit gegen diesen einen zwischen 
ihm und Wolff bestehenden Zwiespalt (vgl. Martersteig, P. A. 
Wolff S. 75 ff.) zu beseitigen. Der innere Antheil Wolffs 
stellt sich nach dem Briefe an Rtlhle von Lilienstern als ein 
sehr geringer heraus, und nichts anderes blieb von Wolffs Vor- 
schlägen bestehen als die Zusammenziehung mehrerer Scenen 
des I. Actes auf dem Maskenball. Genast (Aus dem Tagebuch 
eines alten Schauspielers, i, 181) berichtet auch, daß Wolff 
es gewesen sei, der die Umwandlung Mercutios und der Amme 
angeregt habe, in der Befürchtung, daß diese beiden Charaktere 
die Hauptrollen in den Schatten drängen und das Haupt- 
interesse auf sich ziehen könnten. Der wahre Grund der 
starken Aenderung dieser Figuren liegt jedoch tiefer, und 
Goethe spricht ihn deutlich aus, wenn er die beiden »possen- 
hafte Intermezzisten« nennt, »die uns bei unserer folgerechten, 
Uebereinstimmung liebenden Denkart auf der Btlhne unerträg- 
lich sein müssen.« (Shakespeare und kein Ende, Hempel 28, 739 ; 
vgl. auch Schriften der Goethe-Gesellschaft a. a. O. S. 246 f.) 
Wie tief Goethe mit seinen Aenderungen gerade diesen echt 
Shakespeareschen Figuren ins Fleisch schnitt, scheint Wolff, 
dem Wortlaut des Briefes zufolge, nicht ganz klar geworden 
zu sein. Auch W^olffs lobende Anerkennung des Goethischen 
Schlusses wird heute, wie damals, von den wenigsten getheilt. 
Tiecks Bedenken dagegen (Dramaturgische Blätter i, 261) 
sind jedenfalls tiefer und mehr aus dem Wesen der dramatischen 
Kunst geschöpft als die mehr äußerlichen Gründe, die Wolff 
ÜXt diesen Schluss ins Feld führt. Unbestreitbar ist, daß Goethe 
in seinem Bestreben, alles seiner künstlerischen Ueberzeugung 
nach dem Stoffe Fremdartige, oder wie er sich drastisch aus- 
drückt, die »disharmonischen Allotria«, zu beseitigen und das 
Interessante zu concentriren und in Harmonie zu bringen 
(an Caroline von Wolzogen 28. Januar 181 2, Literarischer 
Nachlass i, 421) sich Eingriffe in das Original gestattete, die 
dem Wesen und Geiste der Shakespeareschen Kunst stark 
zuwider liefen. So wichtig Goethes Bearbeitung für die Ein- 
bürgerung des herrlichen Werkes auf der deutschen Bühne 
wurde, so erklärlich ist auch, trotz vieler zugedichteter schöner 
Verse und vieler feiner Schliffe, die dem Schlegelschen Texte 
zugute kamen, ihr vollständiges Verschwinden von der Bühne. 
Eine Rettung seiner Bearbeitung, wie sie G. Ramberg ver- 
sucht hat (Beilage zur Münchner Allgemeinen Zeitung 1892 
Nr. 234 f.), dürfte wohl als mißlungen bezeichnet werden 
(vgl. auch E. Kilian, Münchner Allgem. Zeitung 1892, Nr. 250). 
Ueber die Aufführung, die am i. Februar 181 2 stattgefunden 
hatte, sind die Urtheile verschieden. Genast (a. a. O. S. 181) 

5* 



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68 Neue Mittheilungen. 

erklärt, daß weder Wolff zum Romeo, noch seine Frau zur 
Julia passte. Ein anderer Zeitgenosse spricht sich sehr gtlnstig 
aus sowohl über die Darstellung der Hauptrollen als über die 
GesammtaufFührung (Gotthardi, Weimarische Theaterbilder i, 
95 ff., 2, 50). Das scheint zweifellos, daß Wolffs gemessene, 
reflectirende Art nicht fähig war, die stürmende Leidenschaft, 
den jähen Stimmungswechsel, das maßlos überschäumende 
Temperament Romeos völlig glaubhaft körperlich zu gestalten. 

Die Darsteller der beiden Hauptrollen in Dresden waren 
Mad. Schirmer und Herr Julius (die Angaben Wolffs beruhen 
auf einem Irrthum). Ueber die Darstellung der Julia hat sich 
Tieck in den höchsten Ausdrücken des Lobes ausgesprochen 
in dem bekannten Briefe an Raumer (Dramaturgische Blätter 
I, 249 ff.); über die Darstellung des Romeo ebendaselbst 
S. 253 ff. 

Der Adressat des Briefes ist der gebildete, geistvolle 
Kriegsschriftsteller Otto August Rühle von Lilienstern, der 
vom September 1807 bis Ende 181 1 militärischer Gouverneur 
des Prinzen Bernhard, des zweiten Sohnes von Carl August, 
war. Zur Zeit, da ihn Wolffs Brief traf, lebte er als Land- 
wirth in der Nähe von Dresden. 

Seinem Stolz über die künstlerische Höhe des Weimarischen 
Theaters hat Wolff auch sonst Ausdruck gegeben ; so in dem 
Briefe, den er bei seinem ersten Berliner Gastspiele an Goethe 
schrieb (Schriften der Goethe-Gesellschaft 6, 185). 

Johannes Schulze war damals Professor am Weimarischen 
Gymnasium. Der junge, lebhaft empfindende Mann hatte nach 
der Aufführung von Calderons »Standhaftem Prinzen« ein 
Schriftchen erscheinen lassen, worin Stück und Aufführung 
ausführlich behandelt waren. Ueber des Verfassers romantisch- 
christliche, mystisch angehauchte Tendenzen war Goethe übler 
Laune; sie erschienen ihm als »unselige Fratzen« (vgl. den 
angeführten Brief an Caroline v. Wolzogen). Dieser innere 
Gegensatz zwischen den zwei so grundverschiedenen Naturen 
war, abgesehen von äusseren Gründen, bei dem Abgang 
Schulzes von Weimar wohl maßgebender als die Fesseln 
des Goethischen Regiments, die übrigens auf dem Gebiete 
der Schule wohl kaum vorhanden waren. Schulze ist nach- 
mals berühmt geworden durch seine hervorragende Thätigkeit 
bei der Reformirung des höheren preußischen Unterrichts- 
wesens (vgl. Varrentrapp, Johannes Schulze und das höhere 
preußische Unterrichtswesen in seiner Zeit). 

Julius Wähle. 



s? 



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Drei Briefe von Johann Heinrich Voss d. J. an Goethe. 69 



5. DREI BRIEFE VON JOHANN HEINRICH VOSS D. J. 
AN GOETHE. 

I. 

[Mitte März 1804.] 

Verehrter Herr Geheim erath 

Hier schicke ich Ihnen die Recension der M.[ytholo- 
gischen] B.[riefe] so gut ich sie habe machen können. Sie 
war schon am Montag fertig, nur das mühselige Abschreiben 
hat die Absendung verzögert. Die Arbeit ist für mich 
belehrend gewesen, ob sie für das Institut brauchbar sein 
wird, werden Sie und der Hofrath Eichstädt entscheiden. 
Gerne will ich einem besseren Recensenten nachstehn, 
gerne, wenn mein Machwerk nur einem Theile nach brauch- 
bar ist, jede Änderung zulassen. Die Recension ist zu lang, 
das sehe ich, vorher vermuthete ichs nicht, da ich sie auf 
kleine Zettel geschrieben und ihrem Umfange nach nicht 
übersehn konnte. Eichstädt aber versteht die Kunst des 
Zusammenschmelzens, und wird sie ausüben, wie er mir 
versprochen hat. Mein Vater hat nichts von der Arbeit 
gesehn, und will auch nichts sehn, aus Furcht vor den 
Gothanern und ihren Vorwürfen einer Selbstrecension, oder 
einer von einem dienstbaren Geiste verfertigten Arbeit. 
Wenn Sie, Herr Geheimerath, falls meine Bitte nicht zu 
unbescheiden ist, ihr eine Durchsicht gönnen wollten, so 
würde ich meines Vaters wegen die Bitte wagen, einzelne 
Theile, die .der Überarbeitung bedürfen mit dem Bleistifte 
zu bezeichnen, und das Überdüßige in Klammern zu 
schließen. — Ich weiss unter andern nicht, ob der lezte 
Theil gegen Hermann hinlängliche Klarheit hat, die ich 
geben wollte. Dieser Mann hat mich geärgert, nicht weil 
er meinen Vater widerlegte, sondern weil er ihn so dumm 
widerlegte. (Seinen Nachsprecher Jakobs in Gotha habe 
ich ganz aus dem Spiel gelassen, weil er Hermanns Vor- 
stellung noch verwirrter gemacht hat.) Wäre er nicht 
Professor in Leipzig, und wäre ich ein zehn Jahre älter, so 
hätte ich ihn ganz anders abgefertigt ; jezt mußte ich, auch 
wohl des Instituts wegen, höflicher zu Werke gehn, als ich 



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70 Neue Mittheilungen. 

Lust hatte. Für den Schluß hatte ich keinen Raum mehr; 
auch versteht das der Hofrath Eichstädt besser als ich. 

Mein Vater, der mir eine Empfehlung an Sie, Herr 
Geheimerath aufträgt, arbeitet mit dem grösten Eifer an 
seinem Programm. Er wäre gewiß sehr unglücklich, wenn 
ihn jemand hinderte, die Arbeit zu vollenden, so fesselt sie 
ihn. Sie wird aber auch ein gar köstliches Werk werden. 

Ich empfehle mich Ihrer Güte, und nenne mich mit 
Hochachtung und wahrer Liebe Ihren 

ergebenen 

Heinrich Voß. 

2. 

Jena d. 24 März 1804. 
Verehrter Herr Geheimerath, 

Ihr gütiger Brief hat mir eine unbeschreibliche Freude 
gemacht, ich kann es nicht sagen, wie sehr. Daß Sie meine 
erste Arbeit für das Institut einer so genauen Durchsicht 
gewürdigt haben, daß Sie nicht ganz unbefriedigt sie zurück- 
schickten, war mehr als ich erwarten durfte, aber es hat 
mich auch nicht wenig angespornt, bald etwas besseres zu 
liefern, und nach allen Kräften ein thätiger und brauchbarer 
Mitarbeiter zu werden. Die Bemerkung werde ich benuzen, 
und alles, was in der Bemerkung angedeutet liegt. Auch 
die Bitterkeiten sollen getilgt werden, bis auf die unschäd- 
lichen und harmlosen. Es ist unser gewöhnlicher Haus- 
dialect, der nicht so arg ist, als er aussieht, denn wir 
pflegen über Heyne in dem Tone zu reden mit lachendem 
Gesichte. — Nun will ich den Dornedden recensiren, und 
Herrmann, (den Mythologen) wenn Sie es mir verstatten. 
Ich hoffe, es gelingt mir, es gründlich zu thun, sonst über- 
lasse ichs einem anderen, der geübter ist. Brückners Gedichte 
bearbeite ich jezt; es scheint mir, daß ichs erträglich mache; 
aber mein Vater soll entscheiden. Die Anzeige von Höltys 
neuer Ausgabe ist, wie mein Vater sagt, gut geworden; 
aber die war auch leicht, da ich über den Dichter nichts 
zu sagen hatte. 

Ihre freundliche Einladung, Herr Geheimerath, hat uns 
allen, aber mir über das Maaß, Freude gemacht. Ich werde 



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Drei Briefe von Johann Heinrich Voss d. J. an Goethe. 7^ 

Riemers Stelle vertreten, so gut ich kann, und mein lieber 
August wird schon zufrieden sein. Wir wollen im Homer 
zusammen lesen; wir können die Grammatik üben; wir 
wollen uns schon nüzlich beschäftigen. Ich sehne mich 
recht nach diesem Donnerstage. 

Unterdessen will ich noch, was ich kann, für Eichstädt 
arbeiten. Vielleicht kann ich von Büchern, die kaum des 
Anführens werth sind, einige kurze Notizen machen, um 
längere zu verhüten. Es ist wirkHch verdrießlich, daß 
manche Leute so viel Worte machen, wo wenige zur 
Genüge hinreichen. 

Hofrath Eichstädt hat mir eine Recension der M. Briefe, 
die in der Leipziger Bibliothek steht, und vom Gothaner 
Lenz ist, mitgetheilt. Sie muss noch hin und wieder an- 
geführt werden, und mit unter widerlegt. Das soll aber 
ganz glimpflich abgehn. Ich werde oft mit Einer Zeile es 
thun können. Zwei Stellen sind darin, die mir eine gewaltige 
Lust zum polemisiren machen, aber Lenz verdient es nicht, 
daß man sich sehr viel um ihn bekümmert. Auch kann 
man ihm nicht viel zur Last legen, da er, was er thut, 
seiner Natur nach thun muß. 

Mein Vater bittet mich, Sie, verehrter Herr Geheimerath, 
herzlich von ihm zu grüßen. Ich denke, sobald seine Arbeit 
fertig ist, kömmt er zu Ihnen. — Mit Ehrfurcht und Liebe 
nennt sich Ihr 

ergebener und gehorsamer 

Heinrich Voß. 

3. 
Verehrter Herr Geheimerath, 

Wenn mein Vater seiner Arbeit wegen heute schreiben 
könnte, so würde er Ihnen selbst aus der Fülle seines 
Herzens sagen, welchen Eindruck die Recension seiner Ge- 
dichte auf ihn gemacht. Lange hatte er sich nach dem 
Augenblicke gesehnt, wo er sie lesen sollte; gestern und 
vorgestern fragte er mich zu mehreren malen, wann 
ich denn die Correctur bekäme; heute morgen endlich 
habe ich ihn auf das angenehmste überrascht. Ich habe 



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72 Neue Mittheilungen. 



mich, während er laß, recht an seiner .freudigen Miene 
erlabt, ja wahrlich, ich habe den Ausdruck seines Ge- 
sichtes verstanden, und nichts sehnlicher gewünscht, als 
daß auch Sie zugegen sein möchten, um sich über ihn zu 
freuen. Mein Vater hat ja früher nie die Freude gehabt, 
durchaus verstanden zu sein, und doch ging sein ganzes 
Streben dahin, verstanden zu werden. Wozu ihm jezt die 
Aussicht und Hofnung auf die schönste Weise geöfnet ist. 

Als ich von der Druckerei, wohin ich den Correctur- 
bogen brachte, zurückkam, fand ich meinen Vater noch 
nachdenkend im Zimmer auf und ab gehen. Wie konnte 
er auch nach einer so fröhlichen, herzlichen Erscheinung 
sogleich an die abgebrochene Arbeit zurückgehn? Nun 
fing er an sich lauter zu äußern. Durchaus hat ihm Ihr 
herliches Wort gefallen, in allen Theilen hat er es wahr, 
gerecht und zulänglich befunden. 

Ob der große Haufe die Recension billigen wird, oder 
genießen kann, bezweifele ich sehr, und es ist mir, als 
ob ich schon die Stimmen höre, da sei ein angenehmes 
aber sehr gehaltloses Geschwäz zum Vorschein gekommen«. 
Vielleicht* möchten solcher Leute wegen Citate nothwendig 
gewesen sein, aber das Werk selbst wäre dadurch ge- 
schändet worden, das sehe ich jezt mehr ein, als jemals. 
Der wahre Leser wird sich mit meinem Vater über das 
tiefe Studium der Gedichte wundern und freuen. Er wird 
mit ihm überzeugt sein, dass nie eine vollkommnere 
Characteristik von irgend einem Werke sei gegeben worden. 

Noch ist das Programm nicht vollendet. Die Unter- 
suchung über die Titanen ist mühsam aber anziehend. 
8 Stücke werden gefüllt werden. Kein Monat ist in der 
A. L. Z. so gut ausgestattet als der April, und er mag das 
so eben erschienene Urtbeil im R. Anzeiger, »die J. A. L. Z. 
sei in allen Fächern gründlich und unparteiisch« von neuem 
bestätigen. — Der Knochen, den die Hallenser statt eines 
Programms, den Hunden vorgeworfen, hat in Jena viel 
Sensation erregt. Er hat schon einmal in einem medici- 
nischen Journale gedient, und ist, da die Platte abgenuzt 



' Zuerst: Freilich 



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Drei Briefe von Johakn Heikrich Voss d. J. an Goethe. 73 

war, von neuem aufgekrazt worden. — Es will verlauten, 
daß Herr Bertuch sehr neidisch sein soll, und besonders 
mit Schütz unzufrieden ist, daß er so gar vieles recensirt, 
und verderbt, was andere vielleicht noch gut gemacht hätten. 
Meinem Vater, der eben nicht schadenfroh ist, entschlüpfte 
neulich der Wunsch für Bertuch invidid rumpantur ut ilia, 
und ich hätte beinahe Lust ihn von ganzem Herzen zu 
unterschreiben. 

Ich wünschte, mein Vater schriebe gleich sein zweites 
Programm, weil er jezt so warm für die Sache ist. Sobald 
ich in Weimar etwas zurecht gewohnt bin, fange ich gleich 
an die hekateische Karte auszuarbeiten ; dabei muß er mir 
Hülfe leisten, und so denke ich, daß er ununterbrochen 
bei dieser Arbeit bleiben wird. Aber wäre es nicht gut, 
wenn Sie, Herr Geh. Rath, ihn auch einmal bäten, jezt 
die Arbeit nicht liegen zu lassen? Mir scheint es so. 

Das ExempLir der M. Briefe, welches noch bei Ihnen 
liegt, gehört Ihnen. Mein Bruder hat schon ein anderes. 
Sie wollten es ja mit Papier durchschießen lassen. Mein 
Vater meint, daß der Philostrat Ihnen Anlaß geben wird, 
die M. Briefe vielfach zu bereichern. 

Wenn mein Vater mit seiner Arbeit fertig wäre, so 
käme er in diesen Tagen zu Ihnen, denn seine Sehnsucht 
bei Ihnen zu sein, ist jezt sehr groß. Doch wird er, falls 
Sie früher nicht nach Jena kommen, mich nach Weimar 
bringen, sobald ich vom Consistorium gefodert werde. 

Herr Riemer empfiehlt sich Ihnen. Ich spreche ihn 
manchmal, aber nur auf Augenblicke, weil ich ihn in seiner 
Arbeit nicht stören mag. Morgen Nachmittag reist er mit 
Fernow nach W.[eimar] zurück. 

Mein Vater, wie auch meine Mutter empfehlen sich Ihnen 
von ganzem Herzen. Mit Ehrfurcht und Liebe nenne ich mich 

Jena d. 17 April 1804. 

Ihren Ergebenen 

Heinrich Voß 



Wie Goethe den jüngeren Johann Heinrich Voss, den treuen 
Sohn und Gehilfen des Homerverdeutschers, gleich diesem, 
als Mitarbeiter heranrief für die Jenaische Allgemeine Literatur- 



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74 Neue Mittheilungen. 



Zeitung, das ist, in grösserem Zusammenhange, im vorjährigen 
Goethe-Jahrbuch (XVII, 87 ff.) geschildert worden.' 

Als Ergänzung zu dem dort Gesagten, und als Nachtrag 
zu der früher (G.-J. V, 47—93) veröffentlichten Correspondenz 
Vossens mit Goethe dienen die drei hier mitgetheilten Briefe. 
Ein vierter Brief, datirt: Jena 11. März 1804 (wie jene drei 
verwahrt in einem besonderen ActenbUndel, »die Allgemeine 
Literatur -Zeitung betr.«) ist rein philologisch fachwissenschaft- 
lichen Inhalts: er enthält Anweisungen über die nachträg- 
liche Anbringung wichtiger Namen (z. B. Peloris, Tartessos) 
auf der »Hesiodischen Welttafel« , die in Weimar , unter 
Goethes Aufsicht, für die J. A. L.-Z. gestochen wurde. Am 
Schluß des Briefes verspricht Voss, Goethes Wunsche gemäß, 
zum Lesen der Correctur nach Weimar zu kommen, hofft 
aber schon vorher seine Recension der Mythologischen Briefe, 
an der er »seit 8 Tagen arbeite«, senden zu können. »Ich 
habe mich der Kürze befleißigt«, fügt er hinzu, »und denke 
noch beim Abschreiben jeden überflüssigen Ausdruck zu tilgen. 
Ich glaube nicht, daß ich etwas gesagt habe, was ein Sohn 
über seinen Vater mit Bescheidenheit nicht sagen darf«. 

Die beiden ersten der oben mitgetheilten Briefe spiegeln, 
in charakteristischer Weise, die Empfindungen Vossens wieder 
bei der Absendung der fertigen Recension an Goethe und 
beim Rückempfang. Sie lassen zugleich deutlich gewahren, 
mit welchem Vergnügen der recensirlustige junge Mann sich 
mitten hinein versetzt sieht in die frische geistige Arbeit 
für ein bedeutendes Unternehmen; eingeführt durch seinen 
Vater, dem er blindgläubig ergeben ist, und durch Goethe, 
zu dem er mit großer Verehrung und Bescheidenheit auf- 
blickt, ohne sich jedoch zu scheuen, seine guten Qualitäten, 
mit einer gewissen Selbstgefälligkeit, herauszustreichen und 
sich in der ererbten Vossischen Art oder Unart zu behagen. 

Sicherlich hatte Goethe, indem er die Besprechung der 
Mythologischen Briefe dem Sohne des Verfassers übertrug, 
die Absicht, diesem eine Freundlichkeit zu erweisen. In noch 
höherem Masse war das der Fall, als er selbst, bald darauf, 
die »Lyrischen Gedichte von Johann Heinrich Voss« und mit 
ihnen die Person des Dichters in einer unvergleichlich geist- und 
gemüthreichen Charakteristik — man darf sagen — verklärte. 

Der dritte der oben mitgetheilten Briefe nun gibt, ganz 
in des Sohnes liebenswürdiger Art, den Eindruck wieder, den 

' Auch in dem Buche: Goethe und Schiller in Briefen von Heinrich 
Voss d. j. Briefauszüge, in Tagebuchform zeitlich geordnet und mit 
Erläuterungen herausgegeben von Dr. Hans Gerhard Cfräf. Mit Heinrich 
Voss' Bildniß. Leipzig. Verlag von Philipp Reclam jun. [1896.] (Univ.- 
BibliothekNr. 5581/82.) Im Folgenden ist das Werk kurz als »Voss- 
Briefe« citirt. 



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Drei Briefe von Johann Heinrich Voss d. J. an Goethe. 75 

Goethes Darstellung auf den Vater Voss machte, und bildet so 
eine werthvolle Ergänzung zu Heinrichs ausführlichen Aeuße- 
rungen über die Recension, ihre Entstehung und seinen eignen 
Antheil an ihr (vgl. Voss-Briefe S. 32 f.). 



1. Das fehlende Datum kann nicht genau bestimmt werden, 
doch fällt es zwischen Montag den 12. März (die Recension 
war nschon am Montag fertigii) und Sonnabend den 17. März, 
den Tag der ersten Teil-Aufführung, zu der Voss nach Weimar 
kam (Goethes Tagebücher III, loi, 6; darnach zu berich- 
tigen Voss-Briefe S. 26). — Ueber die Mythologischen Briefe 
hatte Goethe mit Voss am 12. und 13. Februar ausführlich 
gesprochen (Voss-Briefe S. 20). Am 15. Februar schrieb Goethe 
an Eichstädt: »Möchten Sie wohl dem Sohn die Recension 
der Mythologischen Briefe überlassen?« Die Arbeit erschien 
in Nr. iii— -113 (9.— 11. Mai) der J. A. L.-Z. Dass sie nicht 
mit Vossens gewöhnlicher Chiffre DAE (= Der Alte Ehr- 
würdige) unterzeichnet ist, sondern mit W. C. J., konnte zu 
der Meinung verleiten, dass Christian Friedrich Wilhelm Jacobs 
der Verfasser sei, wie v. Biedermann (Goethe-Forschungen, 
Neue Folge S. 389 f.) annimmt, obgleich dann die Chiffre 
C. F. W. J. oder C. W. J. hätte sein müssen. — Unter den 
»Gothanernu sind zu verstehen der eben genannte Jacobs 
und Karl Gotthold Lenz, der die Mylh. Briefe in der Neuen 
Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste 
(LIX, 54—98, Leipzig 1797) eingehend besprochen hatte, 
worauf Voss am Schluss des zweiten Briefes zu sprechen kommt. 
— »Für den Schluß hatte ich keinen Raumn — Anders lautet, 
was Voss an Abeken schreibt, 10. April 1804: »Solltet Ihr in 
dieser Recension manchen Ausdruck finden, den mit Bescheiden- 
heit ein Sohn über seinen Vater nicht sagen darf, so denkt daran, 
daß ich ihn entweder in Goethes oder Eichstädts Namen ge- 
macht, oder daß ihn Goethe hineingesetzt (es sind gewöhn- 
lich nur epitheta), und daß ich für die Schlußworte einen 
leeren Raum gelassen habe, und noch jetzt nicht einmal weiß, 
was Eichstädt hier hinzuzusetzen gesonnen ist« (Voss-Briefe 
S. 26). — Das Programm ist die Abhandlung »Alte Weltkunde«, 
die gleichzeitig mit der »Hesiodischen Welttafel« in der J. A. 
L.-Z. erschien. 

2. Der Brief Goethes an Voss, vom 21. März, enthält, 
neben freundlicher Anerkennung, gelinden Tadel wegen zweier 
unfreundlicher, verächtlicher Ausdrücke; gleichzeitig bat Goethe 
Eichstädt einige wenige »Bitterkeiten« wegzulöschen. — Nicht 
nur der Vossische »Hausdialecta, sondern auch ihre wissen- 
schaftliche Verkehrssprache war so gröblicher Art, daß Goethe 
Vossens gelegentlich mit einer Cyclopenfamilie vergleicht 



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76 Neue Mittheilungek. 



(Brief an W. v. Humboldt, 8. Februar 18 13), und Knebel 
mit einem »vom Grobschmiede hart gehämmerten Geschlecht«. 
— Karl Friedrich Dornedden: Neue Theorie zur Erklärung 
der griechischen Mythologie (Göttingen, 1802). — Martin Gott- 
fried Hermann (nicht Herrmann, vgl. Bursian : Geschichte der 
classischen Philologie in Deutschland 1, 488), ein Schüler Heynes, 
Verfasser des »Handbuches der Mythologie aus Homer und 
Hesiod« (3 Bde, Berlin 1787— 95), das der Vater Voss in den 
Myth. Briefen heftig angegriffen hatte. — Die Recension der 
»Gedichte von F. T, /, Brücknern erschien, gleichzeitig mit 
der Anzeige von Höltys Gedichten in Nr. 93 (18. April) der 
J. A. L.-Z. — Mit der Einladung für die Osterfeiertage schliesst 
Goethes Brief vom 21. März. — lieber Lenz vgl. die Er- 
läuterung zu Brief I. 

3. Der Knochen, »den die Hallenser statt eines Programms, 
den Hunden vorgeworfene, bezieht sich wohl auf das, in der 
Allg. Lit. -Zeitung Nr. 11 1 (11. April 1804) veröffentlichte 
Kupfer, den Kopf eines Mammutskeletts darstellend, als Bei- 
gabe zu einer Recension von J. A. Bergks und F. G. Baum- 
gärtners »Museum des Wundervollen« Bd. I. — Invidid rum- 
pantur ut ilia, Virgil Ecl. VII, 26. Voss, der Vater, über- 
setzt : »Dass vor Neid aufplazen die Eingeweide« (Des P. Vir- 
gilius Maro Werke I, 79. Braunschweig 1821). — Voss, dessen 
Lieblingsstudium damals alte Geographie war, arbeitete für 
den Vater eine Karte, die die Reisen des Hekatäos von Milet 
veranschaulichen sollte. — Das Exemplar der Myth. Briefe 
erbat Voss, wenige Monate vor seinem Tode, am 20. April 
1822, von Goethe zurück, da die zahlreichen Randbemerkungen 
des Vaters bei einer neuen Ausgabe benutzt werden sollten 
(vgl. G.-J. V, 89). — Goethes Beschäftigung mit Fhilostrat 
wird für die damalige Zeit u. a. bezeugt durch den kleinen 
Aufsatz »Letzte Kunstausstellung. 1805« in den Biogr. Ein- 
zelnheiten. — Nach Weimar kam Voss, der Vater, erst Mitte 
Mai, Heinrich war schon am 30. April dahin übergesiedelt. — 
Riemer hielt sich in Jena auf, um seine lexikalischen Arbeiten 
zu fördern. Hans Gerhard Graf. 

^% 

6. BRIEFE VON AUGUST WILHELM SCHLEGEL 
AN GOETHE. 

I. 

Jena d. 24 Sept 97 
Schon oft nahm ich mir vor Ihnen zu schreiben, doch 
war mir, als ob das was ich zu sagen hätte nicht bedeutend 
genug wäre um Ihnen so weit nachzureisen : eine Bedenk- 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 77 

lichkeit über die mich Ihre freye Mittheilungsweise im 
Gespräch seit dem ersten Augenblicke der Bekanntschaft 
weggesetzt hatte. Dass ich Ihren Umgang unendlich vermisse, 
dass nichts mir ihn ersetzen könnte, wenn ich auch jetzt 
weniger isolirt, und nicht be3mah für alles was meinem 
Geiste und Herzen werth ist, auf meine geliebte Freundin 
eingeschränkt wäre, glauben Sie mir gewiss gern. 

Sie sind uns indessen während dieser Zeit im Geiste 
einige Male sehr nahe gewesen, wir haben die ganze Gewalt 
Ihrer Gegenwart gefühlt. Ich habe die Bogen vom Almanach 
einzeln gehabt, und wollte, ich könnte Ihnen mein Entzücken 
und meine Bewunderung ausdrücken. Alexis hat einen ge- 
fährlichen Nebenbuhler am Pausias gefunden: der neueste 
Eindruck ist immer der reizendste, und man muss sich 
also jetzt hüten, jenem Unrecht zu thun. Alexis hat die 
unwiderstehliche Macht der Leidenschaft für sich, die meisten 
Menschen werden durch die Gegenwart stärker ergriffen 
werden als durch die Erinnerung, wenn diese gleich viel- 
leicht geschickter ist, in zauberischem Lichte aus dem Spiegel 
der Dichtung zurückgestrahlt zu werden. 

Im Pausias liebe ich eben diese schöne besonnene Ruhe 
unter den süssesten Empfindungen. Die zarteste Sinnlich- 
keit ist mit dem reinsten und edelsten in der Liebe so 
innig verschmelzt, wie in der Zeichnung der Gestalten das 
Liebliche mit grossen herrlichen Umrissen. Die Wechsel- 
reden fügen sich an einander wie die Blumen im Kranze 
der GeUebten. Das Idyllische in das wirkliche Leben hinein 
zu verpflanzen ' und ihm dadurch eine Wahrheit zu geben, 
die es bey der Versetzung in eine isoürte ländliche Welt 
schwerlich für uns haben kann, weil uns bey unsrer rauhen 
Natur die feine Bildung der Gefühle unerklärlich bleibt — 
diess war schon im Alexis gelungen; aber hier steht das 
Idyllenleben des Mahlers und der Blumenkünstlerin, wie 
mich däucht, noch unabhängiger und schöner entfaltet, 
dicht neben den Szenen der grossen Welt. Ob alles so 
täuschend im Griechischen Kostüm ist, wie das Gastmahl, 
darüber haben wir gestritten. Vielleicht konnte ein Griechi- 



■ Damach gestrichen: war schon 

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78 Neue Mittheilungen. 

scher Dichter die Vorzüge des Dichters, des Mahlers, der 
Liebenden nicht so vergleichen : aber doch lägen ihm diese 
Zeilen wohl nicht so fern, dass er sie, ins Griechische 
übertragen, nicht ganz gefühlt hätte. 

Ich kann mir nicht helfen, ich muss Sie von Dingen 
unterhalten, die Ihnen freylich nicht neu seyn können. 
Die Braut von Korinth ist mir unter Ihren diessjährigen 
Gaben doch die liebste. Ich las sie meiner Frau vor ohne 
noch von dem Inhalte zu wissen, und da ich nun anfing 
etwas unheimliches zu ahnden, und allmählig ein immer 
stärkerer Schauer durch die glühende Szene hinlief, so 
gerieth ich in Verwirrung, ich stockte, und meine Frau 
behauptete, ich hätte eben deswegen darstellender gelesen, 
als nachher, da ich die Wendung schon voraussah. Das 
Gespenstermässige auf diese Art mit dem idealisch Schönen 
zu vereinigen, war Ihnen vorbehalten; der innerliche Schauer 
ist desto gewaltiger, weil er gar nicht durch sinnliche 
empörende Vorstellungen erregt wird. Und wie kühn und 
gross ist der noch unentschiedne Antagonism zwischen 
den heidnischen Göttern und den christlichen! Es ist als 
ob der Geist des Mädchens aus einer doppelten Ferne her- 
käme, weil sie durch die Kluft des Lebens und der Reli- 
gion von dem Geliebten geschieden ist. — Das Sylben- 
maass scheint auch eine wahre Eingebung für diesen Gegen- 
stand: es tritt so leise und heimlich auf, und beschleicht 
das Gemüth mit stiller Gewalt; der ganze Rhythmus der 
Erzählung ist wie ein Geisterschweben. 

Mit der Bajadere haben Sie Ihr Geheimniss ein wenig 
verrathen: wir lassen es uns nun nicht ausreden, dass Sie 
der Gott Mahadöh selbst sind, der jetzt, ich weiss nicht 
in der Wievielsten Verwandlung auf der Erde umhergeht. 

Welche neuen Aussichten für die Poesie eröffnen so 
wohl Ihre Idyllen als die hier aufgestellte Reihe von Bal- 
laden! und wie werden durch solche Beweise diejenigen 
widerlegt, welche behaupten, das Gebiet der Dichtung werde 
durch den Gang unsrer Bildung immer mehr verengt, und 
sey nahe daran völlig erschöpft zu seyn! Sie haben der 
Ballade durch die Wahl des Stoffes, durch die Behandlung 
und selbst durch die erfundnen Sylbenmaasse ganz neue 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 79 

Rechte gegeben, und für alles bisher vorhandne in dieser 
Gattung ist ein andrer Maassstab gefunden, ein neuer Ge- 
sichtspunkt gegeben. Bey Gelegenheit habe ich einmal 
Bürgers Balladen wieder gelesen, und unter andern starke 
Zweifel gegen ihre durchgängige Volksmässigkeit bekom- 
men. Ich glaube nämlich, es lässt sich eine positive Popu- 
larität, und eine negative unterscheiden. Von der ersten, die 
eigentlich ganz entbehrlich ist, hat Bürger nur allzuviel; (ich 
rechne dahin : »Herr Marschall, was haun wir das Leder uns 
wund« u. dergl.) gegen die letzte aber, die in blosser Ent- 
haltung besteht, scheint er mir oft durch das Bestreben nach 
Stärke und Lebendigkeit der sinnlichen Darstellung, auf die 
er meistens sein ganzes Vertrauen setzt, zu Verstössen. Die 
alte Spanische, Englische und Dänische Romanze oder 
Ballade thut ja in diesem Stücke immer lieber zu wenig 
als zu viel, und überrascht durch die grosse Wirkung bey 
scheinbar geringen Mitteln. 

Ich habe diesen Sommer auch noch fleissig gedichtet: 
Sie werden mich mehrmals im Almanach finden. Ich gehöre 
zu den Leuten, die Lust zum Spazierengehen bekommen, 
wenn das Thor eben geschlossen werden soll; erinnern Sie 
sich noch, wie Sie mich einmal vorigen Herbst auf dem 
Garten zum Dichten ermunterten, und sagten : man rechne 
bey dem Alm. auf nichts was nicht vor dem Schlüsse des 
Jahres fertig wäre? — Seit vielen Jahren fühlte ich mich 
nicht so dichterisch gestimmt als grade jetzt. In frühern 
Zeiten, als Knabe noch, hatte ich eine unsägüche Leichtigkeit, 
die freylich mit dem immer regen Nachbildungstriebe zu- 
sammenhing. Seit ich in das männliche Alter trat, waren 
die Foderungen, die ich an mich machte, mit der Schwierig- 
keit sie zu realisiren, immer in einem solchen Verhältnisse, 
dass es mir einen Entschluss kostete, etwas zu unternehmen. 
Das Mechanische der Ausführung habe ich freylich durch so 
mancherley Übungen zu sehr in meine Gewalt bekommen, 
als dass es mich aufhalten könnte. Nur über die Anlage 
wurde es mir schwer mit mir eins zu werden: aber ich 
sehe, wie viel man auch hier durch einige gelungene An- 
strengungen an Sicherheit und Selbständigkeit gewinnt; 
und ich hatte jetzt mehrmals recht lebhaft das Gefühl, wie 



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8o Neue Mittheilungen. 



gegen diese freythätigste aller Beschäftigungen des Geistes 
jede andre ihren Reiz verlieren muss. Leider verhindern 
mich ganz heterogene Arbeiten dieser günstigen Stimmung 
nachzuhängen. 

Ein Gedicht von mir über und wider die Wegführung 
der Kunstwerke aus Rom wird Ihnen vielleicht wegen des 
Gegenstandes keinen sonderlich erfreulichen Eindruck machen 
— und ich wünschte wirklich, die Begebenheiten hätten 
keinen Stoff zu einem solchen Gedichte gegeben. — Haben 
Sie vielleicht einen Aufsatz von R öderer gelesen, worin 
er die Gründe gegen die Wegführung auf das bündigste 
zusammengedrängt hat, der vor ziemlicher Zeit im Journal 
de Paris und seitdem, wo ich nicht irre, in der Minerva 
übersetzt gestanden? Es nannte jemand neulich diesen 
unbestechlichen Schriftsteller einen überfranzösischen Kopf, 
und ich würde schon nach diesem einzigen Aufsatze so 
urtheilen. 

Ich habe mich auch an eine Romanze gewagt, und 
zwar, ohne* von den Kranichen des Ibycus zu wissen 
(welches mir die schönste von Schillers Balladen scheint) 
einen Gegenstand gewählt, der Pendant dazu macht, obgleich 
in einem ganz entgegengesetzten Farbentone, die Geschichte 
vom Arion. Ich bin äusserst begierig Ihr Urtheil darüber 
zu erfahren. Was wohl eine Geschichte für Beschaffenheiten 
haben muss, um zu einer Ballade zu taugen ? Denn auf die 
glückliche Wahl des Stoffes kommt doch hier wohl vorzüglich 
viel an. Ich bin mit meinen Gedanken darüber noch nicht 
viel weiter gekommen, als dass diese Dichtart immer etwas 
wunderbares zu verlangen scheint; grade nicht immer ein 
eigentliches Wunder — obgleich die alte Englische, Schot- 
tische und Dänische Ballade gar zu gern in die Geisterwelt 
hinüberschreitet — aber doch eine seltsame Verkettung 
von Umständen, oder* ein wunderbares der Gesinnung. — 
So bald ich einmal wieder Zeit habe, werde ich Jagd auf 
passende Geschichten machen, auch auf Morgenländische. 
Da Sie mit der Indischen Ballade vorgegangen sind, so 



' Darnach gestrichen : es zu 
* Darnach gestrichen: doch 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 8l 

denke ich, wird die Dichtart wohl die Reise um die Welt 
machen, und vielleicht einmal in Madagaskar die verwiesenen 
Deputirten besuchen. — 

Bey Gelegenheit der Gedichte für den Alm. habe ich 
mit Schiller mehrere Briefe gewechselt; er hat mir auch auf 
ein paar andre Gedichte lebhaft seinen Beyfall bezeugt, auf 
meine letzte Sendung aber mit dem Arion, den er indessen 
ebenfalls eingerückt, habe ich gar keine Antwort von ihm 
bekommen, ich weiss nicht aus welchem Grunde. So viel 
ich weiss, hat noch niemand hier diese Entfernung bis jetzt 
gemerkt: doch hat es mich einige Male in Verlegenheit 
gesetzt, dass sich Leute an mich gewandt haben, in der 
Voraussetzung ich sähe Schillern häufig. Ich konnte jetzt 
keinen Schritt zur Annäherung weiter thun, wenn Seh. nicht 
meinen Eifer zu seinem Alm. beyzutragen, dafür genommen 
hat. Es sollte mir leid thun, wenn ich die Hoffnung auf- 
geben müsste, dieses unverschuldete Misverständniss wieder 
ausgeglichen zu sehen, weil ich es alsdann mir selbst schuldig 
wäre, meine Sachen nicht mehr in Institute zu geben, die 
Seh. herausgiebt; so ungern ich mich von der guten Gesell- 
schaft ausschliessen würde. 

Wir haben hier verschiedentlich interessanten Besuch 
von Fremden gehabt: dass der Rittmeister von Funk hier 
war, werden Sie vielleicht wissen ; HE. von Hardenberg aus 
Weissenfeis hat einige Male einen Tag bey uns zugebracht. 
Sie werden ihn hier oft gesehen haben, aber ich weiss 
nicht, ob Sie je näher ins Gespräch mit ihm gekommen 
sind. Er ist für uns ein äusserst interessanter Mann, und 
die schwärmerische Wendung die ihm der Tod seiner 
jungen Geliebten, des Fräuleins von Kühn, gegeben hat, 
macht ihn noch liebenswürdiger, da ein so ausgebildeter. 
Geist sie unterstützt, oder ihr das Gegengewicht hält. 
Seine Schwermuth hat ihn mit doppelter Thätigkeit in die 
abstraktesten Wissenschaften gestürzt : seine innre Unruhe 
verräth sich dabey durch die Menge und Neuheit seiner 
eigenthümlichen Ansichten. — Er verlässt jetzt diese Gegend, 
um nach Dresden ?und von da nach Freyberg zu gehen. 
Von meinem Bruder aus Berlin haben wir recht angenehme 
Nachrichten. Wie es scheint, wird er sehr in Gesellschaften 

Goitu-Jauriuoi XVIIL 6 

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8 2 Neue Mittheilungen. 



gezogen, doch betheuert er, dass er immer sehr fleissig ist, 
und die Griechen nicht vergisst. Doch wird auf Michaelis 
noch nichts davon, ich denke dagegen, auf Ostern alles 
erscheinen. — Am zweyten Bande meines Shakspeare wird 
stark gedruckt, er muss nächstens fertig seyn. Bey dem 
zweyten Stücke hat mir die Prosa, worin es grossentheils 
geschrieben ist, viel Noth gemacht, beynah so viel als die 
versifizirten Stellen; wenigstens hat die alte Übersetzung 
dabey eine eben so starke Umformung erleiden müssen. 
Diese Zeit her habe ich viel für Fiorillo*s Werk gearbeitet, 
besonders die Artikel von Leonardo da Vinci und 
Michely piü che mortui, Angel divino, — 
Eine Rec. von mir, die zu Anfange des vorigen Monats 
in der Lit. Zeitung gestanden, hat mir viel Freude gemacht, 
weil es mir dadurch gelungen ist, etwas Gutes aus der 
unverdienten Dunkelheit hervorzuziehen. Sie betraf nämlich 
ein Gedicht die Gesundbrunnen von Neubeck, das 
schon vor ein paar Jahren erschienen ist, wovon aber bis jetzt 
gar nicht die Rede gewesen. Ich hatte es mir also recht noch 
angelegen seyn lassen, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken; 
und wie ich höre, ist es mir ziemlich gelungen. Der Ver- 
fasser ist ein junger Arzt der in Schlesien lebt; das Gedicht 
ist auch dort und zwar sehr unscheinbar gedruckt. Ein 
HE. Fischer, der jetzt sich hier aufhält (mit einer ver- 
witweten Gräfin von Reichenbach verheirathet, die hier 
eine Kur gebraucht) kennt den Neubeck persönlich, und 
machte mir von seiner Lage keine allzugünstige Schilderung, 
und erbot sich das Stück von der L. Zeit, nebst einem 
Briefe von mir zu besorgen. Ich erkundigte mich darin, 
wie es mit der ersten Auflage seines Gedichts stehe, und 
ob sich keine neue veranstalten Hesse, wobey ich meine 
Dienste anbot. — Er meldet mir denn, sehr erfreut darüber 
endlich bemerkt worden zu seyn, es seyen nur 300 Ex. 
auf seine eignen Kosten gedruckt, und abgesetzt, und giebt 
mir freye Vollmacht mit Buchhändlern deswegen Verträge 
zu machen. Nun hatte ich Gelegenheit, es gleich zu Stande 
zu bringen, da Göschen hier durch kam. Er ging sehr 
bereitwillig in den Vorschlag ein, und will eine elegante 
Ausgabe veranstalten, die gewiss auch beytragen wird, das 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 83 

Gedicht in Ansehen zu setzen, da Kleider Leute machen. — 
Der gute Neubeck, der mit seinem Talent ganz isolirt und 
bisher unbemerkt in einer kleinen Schlesischen Stadt lebt, 
wird eine grosse Freude haben. — 

In etwa acht Tagen hat man uns Hermann und 
Dorothea versprochen, dann ist aber unsre poetische 
Weinlese für den Herbst so ziemlich vorbey. Klopstocks 
Oden werden erst im Winter fertig. — Der Mess Katalog, 
der übrigens wohl nicht vollständig ist, soll die sieben 
magern Kühe Pharaonis vorstellen. 

Verzeihen Sie, dass ich so ins Plaudern hinein gerathen 
bin, und es Sie vielleicht bereuen mache, dass Sie mich 
Ihnen zu schreiben veranlasst. Wahrscheinlich trifft Sie diess 
noch diesseits der Alpen : ich bin äusserst begierig, ob Sie 
noch in das Land gehen werden 

Ch' Apennin parte, e 'l mar circonda e VAlpe. 

Wohin der Eigennutz meine Wünsche lenkt, errathen 
Sie leicht, ob uns gleich in der Folge gewiss Früchte Ihrer 
Italiänischen Reise zu Theil würden. — Reisen Sie in jedem 
Falle recht glücklich und gesund, und vergessen Sie uns 
nicht ganz. 

Viele Empfehlungen von meiner Frau, welche diese 
Zeit über nicht wohl gewesen ist, und noch medicinirt. 
Doch hoffe ich, es soll vor dem Winter noch wieder besser 
werden. 

Leben Sie recht wohl. Mit unveränderlichen Ge- 
sinnungen 

Ganz der Ihrige 

AWSchlegel 

2. 

Jena d. 19^5^ Febr 1798 
Sie erhalten hier einen Brief, den ich als Einlage zur 
Besorgung an Sie heute bekam. Der Buchhändler Unger 
meldet mir, dass er mit Ihnen eine Abrechnung getroffen, 
vermöge deren Sie mir 50^ auszahlen würden. Ich er- 
wähne diess nur deswegen, um hinzuzufügen, dass es damit 
gar keine Eil hat, und sehr füglich verschoben bleiben 
kann, bis Sie etwa nach Jena, oder ich nach Weimar 

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84 Neue Mittheilungen. 

komme, damit Sie sich nicht mit der Absendung beschweren 
möchten. 

Übrigens habe ich seit den glücklichen Stunden, die 
ich bey Ihnen zubrachte, nur deswegen so ganz geschwiegen, 
weil ich von Woche zu Woche der Hoffnung lebte, Sie 
endlich in unserm stillen Jena zu sehen, wo nicht ich allein 
lebhaft nach Ihrer Ankunft verlange. Ich bin um so stärker 
dabey interessin, da ich den Sommer nicht in Jena zu- 
bringen werde. Erst denke ich nach Ostern einen kleinen 
Ausflug nach Berlin zu machen, und dann die schöne Jahrs- 
zeit in Dresden zu geniessen. Ich bleibe aber hier an- 
gesiedelt, und werde im Herbst wieder die Winterquartiere 
hier beziehen. 

Es geht mir sonst recht wohl. Meine Frau, die im 
Anfange des Winters viel zu leiden hatte, ist jetzt völlig 
hergestellt; und wir leben vergnügt in unserm kleinen Kreise. 
Madame Gotter, die einer Aufheiterung sehr bedurfte, war 
einige Wochen bey uns, und hat ihre Tochter noch auf 
längere Zeit hier gelassen. Sie hat das geendigte aber nicht 
ganz vollendete Lustspiel Gotters, der schöne Geist mit 
Hülfe meiner Frau, die es von dem Verfasser hatte vorlesen 
hören, aus den verwirrten Papieren ihres Mannes volL 
ständig herausgebracht, und denkt es vielleicht auf das 
Berliner Theater zu bringen. 

Ich bin fleissig am Shakspeare und auch sonst, und 
hoffe, Ihnen in einiger Zeit eins und das andre zeigen zu 
können, was Ihnen nach Ihrer gütigen Theilnahme an meinen 
Arbeiten Freude machen wird. HE. von Brinkmann, dessen 
Bekanntschaft ich heute machte, hat die Gefälligkeit, Ihnen 
diesen Brief mitzunehmen, und wird Ihnen mündlich meine 
Gesinnungen bezeugen. Meine Frau lässt sich bestens 
empfehlen. 

Ihr gehorsamster 

AWSchlegel 

3- 

Jena d. 9 May 1798 

Ich eile, Ihnen das erste vollständige Exemplar des 
ersten Stücks vom Athenaeum, das ich erhalte, in meinem 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 85 

und meines Bruders Namen zuzusenden, damit es wenigstens 
den Reiz der Neuigkeit habe, wenn es auch das Verdienst 
der Neuheit durch seinen Inhalt nicht sollte behaupten 
können. In diesem Stücke werden Sie unter den Gebrudern 
Schlegel) & Comp, mich noch herrschend finden, in dem 
zweyten hat mein Bruder d\fi Oberhand. Unser Antheil 
wird ungefähr gleich seyn, wenn der seinige nicht über- 
wiegt. Er wird das Journal mit Philosophie und Kritik, 
ich werde es mit Litteratur, und wir werden es beyde jeder 
nach seiner Art mit Griechen versorgen. So hoffen wir 
einen Kreis zu haben, der uns nie zu eng werden kann, 
und worin wir doch durch die Behandlung verschiedenartige 
Leser festzuhalten suchen. Wir wünschen uns vor allem 
lebhaft Ihren Beyfall, und werden ihn als eine sehr 
günstige Vorbedeutung des Gelingens unsrer jungen und 
(wenn nur nicht allzusehr!) jugendlichen Unternehmung 
ansehen. 

Der Blüthenstaub ist von einem philosophischen 
Freunde, der nicht unter seinem wahren Nahmen genannt 
seyn will. 

Bey den Übersetzungen aus den[!] Griechischen habe 
ich mir besonders die Bearbeitung des Pentameters ange- 
legen seyn lassen, und behalte mir vor, zu einer andern 
Zeit etwas von der Verschiedenheit des Griechischen Pen- 
tameters vom Römischen, und den Vorzügen des ersten zu 
sagen. Die vielsylbigen Schlüsse der Griechen habe ich 
freylich nur selten anbringen können, aber ob sich das 
Übergehen des Sinnes aus einem Distichon in das andre, 
welches immer neue elegische Perioden bildet, und das 
Epigrammatische und Symmetrische wegnimmt, überhaupt 
der Elegie einen freyeren und nachlässigeren Gang giebt, 
nicht auch mit Vortheil im Deutschen gebrauchen Hesse, 
scheint mir wenigstens der Untersuchung werth. 

Ihrem gütigen Rathe gemäss habe ich das Gesuch, von 
dem ich mit Ihnen sprach, sogleich an die vier dirigiren- 
den Höfe gebracht, und das Schreiben nach Gotha und 
Weimar mit Briefen an die HE. Geheimen Räthe von 
Fritsch und Frankenberg begleitet, und erwarte nun ruhig 
den Erfolg. 



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86 Neue Mittheilungen. 



Meine Frau ist heute früh nach Dresden abgereist, und 
lässt sich bestens empfehlen. Ich hoffe gewiss noch das 
Vergnügen zu haben Sie in Weimar oder hier zu sehen; 
An Herrn 
Geheimen Rath von Göthe AWSchlegel 

in 

Weimar 
nebst einem Buche 

4- 

Berlin d. lo Jun 1798 

Eine unvermuthete Beschleunigung meiner Abreise von 
Jena machte es mir unmöglich, Sie noch einmal wie ich 
gewünscht hätte in Weimar zu besuchen, oder Ihre Ankunft 
in Jena abzuwarten. Vermuthlich sind Sie jetzt dort, und 
bey allem dem Schönen, was mir diesen Sommer zu Theil 
wird, ist der Gedanke, dass ich Ihren Umgang würde ge- 
niessen können, der einzige Grund mich dahin zurück- 
zusehnen. Mein Bruder hatte schon vor mehren Tagen 
einen Brief an Sie geschrieben, den ich sogleich mit einem 
von mir begleiten wollte ; aber ich wurde gestört, und auch 
heute gewinne ich nur zu einigen flüchtigen Zeilen Raum, 
Ihnen recht ordentlich zu schreiben behalte ich mir auf 
eine ruhigere Zeit vor. 

Ich habe Tieck aufgemuntert, Ihnen seinen angefangnen 
Roman zu schicken, den ich noch nicht gelesen habe, von 
dem man mir aber versichert, es sey unter seinen bisherigen 
Sachen das beste. Sie werden in dem Briefe die Schüchtern- 
heit erkennen, womit er sich Ihrer Bekanntschaft nähert: 
eine gütige Aufnahme würde ihn gewiss über alles erfreuen. 

Zugleich überschicke ich Ihnen einige kleine Gedichte 
von ihm. Wenn sie Ihnen nicht misfallen, so haben Sie 
die Güte, sie Schillern für den Musenalmanach zu über- 
geben, um nach Belieben Gebrauch davon zu machen. Was 
mich betriflFt so glaube ich schwerlich, dass ich diesen 
Sommer etwas werde dichten können. Überdiess hat Schiller 
seine Einladung Theil an dem Almanach zu nehmen nur 
so obenhin erneuert, dass ich, da mein sonderbares Verhält- 
niss gegen ihn seit dem vorigen Herbste immer noch eben so 
besteht, mich kaum überzeugen kann, es sey ihm Ernst damit. 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 87 

Meine Begierde ist schon lebhaft darauf gerichtet, was 
uns die poetische Weinlese im nächsten Herbst von Ihnen 
bescheren wird. 

Von Zelters launiger Komposizion des Zauberlehrlings 
hat Ihnen mein Bruder schon geschrieben. Seine Bekannt- 
schaft zu machen, hatte für mich etwas eigenthümlich 
anziehendes, weil er wirklich zugleich Maurer und Musiker 
ist. Seine Reden sind handfest wie Mauern, aber seine 
Gefühle zart und musikalisch. Wir haben die Fabel vom 
Orpheus auf ihn gedeutet: dieser habe nicht durch die 
Musik, sondern neben ihr, mitunter Häuser aufgeführt; alles 
übrige sey Ausschmückung, die Zeltern auch zu Theil ge- 
worden seyn würde, wenn er nicht das Unglück hätte, in 
einem historischen Zeitalter zu leben. Zelter behauptet 
aber die ursprüngliche Verwandtschaft der beyden Künste : 
und obgleich er gestehen muss, dass er nicht immer musi- 
kalisch bauen darf, so fodert er doch dass man durchaus 
architektonisch komponire. 

Ich habe hier schon viele und mancherley Bekanntschaften 
gemacht: mit Gelehrten, Künstlern, Jüdinnen, Geheimräthen 
und Schauspielern. Bey den Gelehrten muss man nur ja 
keine Bildung suchen, und auch sonst eben nicht viel. 
Nicolai, der in der Vorrede zu seinen philosophischen Ge- 
sprächen unter andern sehr drollig gegen meinen Bruder 
und mich zu Felde gezogen ist, hat uns, da wir nur zum 
Scherz Miene machten ihn zu besuchen, sogleich zu einem 
grossen Abendessen eingeladen. Seine Bücher müssen ihm 
auf diese Art schweres Geld kosten. 

In einigen Zirkeln, worin ich hier war, sind Sie uns 
recht nahe gewesen, und ich habe etwas gegolten, weil ich 
Sie zuletzt gesehen hatte, und von Ihnen erzählen konnte. 
So war ich am Mittwoch des Mittags bey MUe. Mariane 
Meyer, und denselben Abend bey einer Frau von Berg, die 
Sie auch persönlich kennt, wieder mit MUe Meyer, wo 
wir auf Ihre Gesundheit mit der herzlichsten Wärme ge- 
trunken haben. 

Über das hiesige Theater schreibe ich Ihnen nächstens 
umständlicher. Iffland habe ich schon öfter auf und ausser 
dem Theater gesehn, doch beydes noch nicht so häufig 



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88 Neue Mittheilungen. 



als ich gewünscht hätte. Er ist sehr beschäftigt gewesen 
mit einem neuen Stücke, das nach den beyden ersten Akten, 
die ich davon gehört, eins seiner vorzüglichsten seyn wird. 
Ich habe ihm den Hamlet vorgelesen, den er mit der 
gespanntesten Aufmerksamkeit und mit grosser Empfäng- 
lichkeit für das grosse Ganze, für den innem tiefen Zu- 
sammenhang bey scheinbaren Incohärenzen und für die 
wesentliche Schicklichkeit aller Umgebungen angehört hat. 
Es machte solchen Eindruck auf ihn, dass er sehr lebhafte 
Lust bezeugte das Stück ganz in seiner ursprünglichen 
Gestalt, ohne alle Veränderung, auf das Theater zu bringen : 
ein Wagestück, an dessen glücklichem Erfolge ich grossen 
Antheil nehme. 

Den dritten Band vom Sh. werde ich Ihnen erst im 
Herbst überreichen können; das 2lt Stück vom Athenaeum 
hingegen wird hoffentlich bald nachfolgen. Ich bin be- 
gierig auf Ihr ürtheil über das erste. 

Leben Sie recht wohl und gesund, und vergessen Sie 
uns nicht. 

Herrn Professor Meyer bitte ich mich bestens zu em- 
pfehlen — wie gern hätte ich seinen Umgang in Weimar 
ruhiger genossen. Wenn er, wie ich vermuthe, die Be- 
urtheilung von Fiorillo's Geschichte der Kunst für die ALZ. 
übernommen so bitte ich ihn, Versehen, die sich durch 
die Entfernung des Verfassers vom Redacteur des Werkes 
eingeschlichen haben mögen, und wahrscheinlich auf meine 
Rechnung kommen nicht zu scharf zu rügen. 

Wenn Sie mich mit einer Zuschrift erfreuen wollen, 
so haben Sie nur die Güte auf das Couvert zu setzen: 
Dresden beym Hofsecretär Ernst. Meinem Bruder oder 
Tieck wird HE. Unger gern einen Brief besorgen. 

5- 

Berlin d. Jun 98 
Mlle Meyer hat sich gütig erboten, etwas von mir an 
Sie zu bestellen, und ich kann diese Gelegenheit, Ihnen 
mein Andenken zu erneuern, nicht ungenutzt vorbeygehn 
lassen. Ich wünschte nur, dass ich etwas bedeutenderes 
mitzutheilen hätte, als die inliegenden beyden Gedichtchen, 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 89 

die hier in einem ruhigen Augenblicke entstanden, und bey 
einem Abendessen, das Mad. Unzelmann gab, mitgetheilt 
worden sind. Die Idee zu dem Sonett hatte ich schon in 
Weimar gefasst, aber bis jetzt noch nicht zur Ausführung 
kommen können ; ich habe hier den Pygmalion nicht wieder 
aufführen sehen, — Es sind nur ein Dutzend Exemplare 
von jedem Stücke gedruckt, sie sind also als nicht gedruckt 
anzusehen, und ganz zu Ihrer Disposition. Wenn sie Ihnen 
genug gefallen, um für den diessjährigen Musenalmanach 
Gebrauch davon machen zu wollen, so wird es mich sehr 
erfreuen. Ich glaube nicht, dass ich diesen Sommer dazu 
komme, etwas von einigem Umfange zu dichten. 

In kurzem werde ich nun Berlin verlassen und nach 
Dresden gehn, wohin mich mein Bruder, der sich ange- 
legentlich empfehlen lässt, begleiten wird. Je länger ich 
hier bin, desto mehr gerathe ich in einen Wirbel von Zer- 
streuungen hinein; Gesellschaft und Theater sind meine 
einzigen Beschäftigungen, und beyde geniesse ich ganz nach 
Wunsch. Sobald ich wieder zur Ruhe gelangt bin, schreibe 
ich Ihnen umständlicher. Ich würde mich unendlich freuen, 
von Ihnen zu hören. Leben Sie indessen recht wohl und 
behalten Sie mich in gütigem Andenken. 

AWSchlegel 

6. 

Dresden d. 18 Jul. 1798 

Ihr gütiger Brief vom i8l!2 Jun. bewillkommte mich 
hier gleich nach meiner Ankunft auf die erfreulichste Art: 
er war mir noch nach Berlin geschickt worden, folgte mir 
aber unmittelbar hieher zurück. Ich habe es bis jetzt ver- 
schoben ihn zu beantworten, weil ich ihn gern mit der 
Sendung von einigem, das ich erst aus Berlin erwarten 
musste, und auch, wo möglich, mit einem neuen Gedicht 
begleiten wollte. 

Mlle. Meyer wird die Güte gehabt haben, Ihnen einen 
Brief von mir zu übergeben, den sie auf ihre Reise mit- 
nahm. Er enthielt ein paar Kleinigkeiten auf eine Rolle 
von Iffland und eine von Mad. Unzelmann, die mir die 
Gelegenheit entlockt hatte, und die ich Ihnen, wenn sie 



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90 Neue Mittheilukgen. 



nicht zu unbedeutend gefunden würden, für den Almanach 
überliess. Sie laden mich aber auf eine so unwidersteh- 
liche Art ein, an diesem Theil zu nehmen, dass ich es un- 
möglich dabey bewenden lassen konnte, durch jene wenigen 
Zeilen, allenfalls meinen guten Willen bezeugt zu haben. 
Ich habe daher die ersten ruhigen Tage meines Hierseyns 
zu poetischen Träumen angewandt. Was konnte mir an 
diesem Orte näher liegen als eine Künstler -Geschichte? 
Ich wollte etwas recht fröhliches und leichtes dichten ; aber 
ich fand es schwerer als ich mir vorgestellt hatte, bey 
diesem Gegenstande die Wärme und Lebendigkeit der sinn- 
lichen Gegenwart mit jener sittlichen Zartheit zu verein- 
baren, ohne die er mir nicht edel geschienen hätte. Lassen 
Sie mich doch ja wissen, wie weit es mir nach Ihrem Ur- 
theile gelungen ist diess zu erreichen. 

Das Gedicht auf die Huldigung ist schon zu sehr ver- 
vielfältigt um noch im Almanach zu erscheinen, und auch 
sonst wohl nicht für ihn geeignet. Ich Hess es meinem 
Freunde Unger zurück um das Julius-Stück der Jahrbücher 
der Preuss. Monarchie damit zu eröffnen, und er hat nun 
noch besonders einige Exemplare davon sauber abdrucken 
lassen. Ich bin so frey, Ihnen zwey zu überschicken, eines 
für Sie selbst, und eines, wenn Sie gut finden sollten, es 
Sr. Durchlaucht dem Herzoge bey seiner Zurückkunft ge- 
legentlich mitzutheilen. 

Sie erhalten hiebey auch das 211 St. vom Athenäum. 
Wir wünschen, dass Sie das, was Ihnen im ersten gefiel, 
nicht darin vermissen, und Ihre der Beherzigung so werthe 
Warnung nicht aus der Acht gelassen finden mögen. Mein 
Bruder ersucht besonders um Nachsicht gegen seinen Ver- 
such den W. Meister zu charakterisiren, auf die auch gewiss 
die Lösung einer so hohen und verwickelten Aufgabe An- 
spruch machen darf. Er würde höchst erfreut seyn, wenn 
Sie Ihre Ideen wenigstens zum Theil getroffen fänden und 
nicht ganz unzufrieden wären. 

Sie eröffnen uns eine schöne Aussicht auf die poetische 
Weinlese dieses Herbstes, da Sie so ganz damit beschäftigt 
scheinen für die Ergiebigkeit derselben zu sorgen. Wenn 
nur nicht die Veränderung Ihrer äussern Lage in Ansehung 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 91 

der öffentlichen Geschäfte zu viel von Ihrer Zeit und Ihren 
Kräften dem Kreise raubt, worin wir Sie natürlich am 
liebsten so einzig wirken sehen, weil hier eine Art von 
Gemeinschaft der Thätigkeit Statt findet, und weil wir um 
so mehr mit uns selbst zufrieden seyn dürfen, je besser 
wir die Früchte der Ihrigen zu gemessen verstehen. 

Die Nachricht, welche ich von Jena aus erhalte, dass 
mein Anhalten um die Professur vermuthlich den ge- 
wünschten Erfolg haben wird, ist mir auch um deswillen 
erfreulich, weil sie meinen Aufenthalt in Ihrer Nähe sichert. 
Ich sinne nun mit Eifer auf die Einrichtung meiner künftigen 
Vorlesungen auf die ich mich wirklich als auf eine ganz 
neue Übung des Geistes freue. 

Meinen hiesigen Aufenthalt suche ich hier durch An- 
frischung und Erweiterung meiner antiquarischen Kennt- 
nisse und Betrachtung der Kunstwerke bestens zu benutzen. 
Wie glücklich würde ich mich aber schätzen, könnte ich 
bey dieser die Leitung eines Mannes wie der Prof Meyer 
haben, der bey einer solchen Tiefe und Selbständigkeit 
des Urtheils so viel gesellige Mittheilsamkeit besitzt. Haben 
Sie doch die Güte, ihn verbindlichst von mir zu grüssen, 
und ihm eine Bemerkung über den Laokoon zu zeigen, 
die im Athenäum S. 85 und 86 steht: wir sprachen über 
diesen Gegenstand, als ich in Weimar war. — Bey der hiesigen 
Akademie scheinen wie in Berlin, und wie es überhaupt 
das Loos der Akademien seyn mag, die Sachen ziemlich 
auf dem Kopfe zu stehen. Dort soll Hirt die Anlagen der 
Künstler untersuchen und sie auf den richtigsten Weg zur 
Bildung führen; hier ist Seidelmann Direktor geworden, 
der nichts eignes zeichnen, geschweige denn mahlen kann, 
und sich auf der letzten Ausstellung durch einen Ungeheuern 
Gott den Vater, der über und über in einem Schlauch 
von Gewände steckt, lächerlich gemacht hat. Einen jungen 
Künstler, Gareis, habe ich kennen gelernt, der viel Feuer 
des Geistes, Fertigkeit und Keckheit der Hand verräth, und 
wenn er sich dazu bringen kann, recht ausgeführt und 
fleissig zu mahlen, und sich vor dem Dekorazionsgeschmacke 
hütet, vielleicht etwas sehr bedeutendes leisten wird. 

In Berlin war ich unter so vielen gesellschaftlichen 



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92 Neub Mittheilungen. 



Zerstreuungen nicht ruhig genug gestimmt mich mit Kunst- 
werken zu beschäftigen. Ich habe mich in der That vor- 
trefflich unterhalten, und verschiedne Umstände verzögerten 
meine Abreise, so dass ich volle fünf Wochen dort geblieben 
bin. Ich würde diese aber auch dann nicht für verloren 
halten, wenn weiter nichts dadurch zu Stande gebracht 
wäre als die AuflFührung des Hamlet, wozu ich noch in 
den letzten Tagen mit Iffland alles verabredet. Er bleibt 
dabey sich ganz treu an die ursprüngliche Gestalt zu halten, 
bis auf einige Ausdrücke, denen wir der leidigen Schick- 
lichkeit zu lieb, veränderte Lesearten haben unterlegen 
müssen, und einige Licenzen in Ansehung der Theater- 
veränderungen, wo sie wohl am ersten erlaubt seyn möchten, 
weil die Angabe derselben nicht von Shaksp. herrührt, und 
ihm keine oder wenig Machinerie zu Gebote stand. 

Iffland hat mir aufgetragen mich zu erkundigen, ob 
Schillers Wallenstein so früh fertig werden würde, dass er 
etwa im November gegeben werden könnte? und unter 
welchen Bedingungen der Verfasser geneigt seyn würde, 
ihn dem Berliner Theater zur AuflFührung zu überlassen? 
Da ich Ifflanden nicht sagen konnte dass ich jetzt nicht an 
Schiller schreibe, so habe ich die Anfrage übernommen; 
ich ersuche Sie um Bestellung derselben, und um Nachricht 
an mich oder unmittelbar an Iffland. 

Meine Frau und mein Bruder, der mich hieher begleitet 
hat, um hier recht ruhig für unsre Unternehmung zu arbeiten, 
empfehlen sich Ihnen angelegentlich. Letzthin vermehrte 
unser Freund Hardenberg, der jetzt in Töpliz die Kur 
braucht, unsern häuslichen Kreis auf ein paar Tage. Auch 
er bittet mich ihn zu empfehlen. Sie sind uns in diesem 
angenehmen Gartenhause recht oft gegenwärtig und es 
wird Ihrer mit den Gesinnungen gedacht, die Sie an uns 
allen kennen. Leben Sie recht wohl und gesund. 

Aug Wilh. Schlegel 

7. 

Dresden d. 29 Jul 98 
Erlauben Sie mir, das inliegende Gedicht heute nur mit 
wenigen Zeilen zu begleiten. Es war die Eingebung einer 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 93 

heitern Stunde die ich nicht ungenutzt wollte vorbeygehn 
lassen. Ich habe neben der musikalischen Symmetrie und 
Entgegensetzung worauf im Bau der Strophen und dem 
Wechsel der Reden alles abgesehen ist, freyen Schwung und 
Steigerung zu erhalten gesucht, und wünsche, dass es mir 
gelungen seyn mag. Ich sende diess Lied meinen übrigen 
kleinen Beyträgen zum Musenalmanach, welche Sie durch 
MUe. Meyer und von hieraus nebst dem 2 St. des Aihenaeum 
empfangen haben werden, nach, um doch das wenige, was 
ich habe, alles zu geben. 

Leben Sie recht wohl, und lassen Sie meine Hoffnung 
auf baldige erfreuliche Nachricht von Ihnen nicht unerfüllt 
bleiben. A. W. Schlegel 

Aus dem Kreise der Romantiker ist keiner in ein näheres 
Verhältniß zu Goethe getreten, als Wilhelm Schlegel; ihre 
Verbindung erstreckt sich über mehr als ein Menschenalter 
hin, weckt auf beiden Seiten vielfache Interessen und trägt in 
den ersten acht Jahren, bis zu Schlegels Abschied von Deutsch- 
land, einen anscheinend intimen Charakter. Ueber die tiefen 
Unterschiede aber, die seine Natur von der Schlegels trennten, 
ist Goethe sich von vornherein klar gewesen. Schon wenige 
Tage nach ihrem ersten Zusammentreffen in Jena äußert sich 
dies gemischte Gefühl in ungemein bezeichnender Weise: 
»Wilhelm Schlegel ist nun hier und es ist mir höchst wahr- 
scheinlich, daß er einschlägt. So viel ich habe vernehmen 
können ist er in ästhetischen Haupt- und Grundideen mit 
uns einig, ein sehr guter Kopf, lebhaft, thätig und gewandt« 
— so hatte Goethe an Heinrich Meyer am 17. Mai 1796 im 
Concept geschrieben; aber schon bis zum 20. Mai ändert er 
die Worte »es ist mir höchst wahrscheinlich« in »es ist zu 
hoffen« und fügt hinzu : »Leider ist freylich schon bemerklich, 
daß er einige demokratische Tendenz haben mag, wodurch 
denn manche Gesichtspunkte sogleich verrückt und die Ueber- 
sicht über gewisse Dinge eben so schlimm als durch die ein- 
gefleischt aristokratische Vorstellungsart verhindert wird. Doch 
mehr von ihm wenn ich ihn näher kenne.« Aehnliche Ein- 
schränkungen begegnen überall, wo Goethe über die Gebrüder 
Schlegel urtheilt; noch am 34. April 1827, bei Wilhelms letztem 
Besuche in Weimar, rühmt Goethe Eckermann gegenüber ein 
höchst bedeutendes Gespräch mit ihm über literarische und 
historische Gegenstände, das für ihn sehr belehrend gewesen 
sei, fügt aber hinzu : »Nur muß man keine Trauben von den 
Domen und keine Feigen von den Disteln verlangen; übrigens 



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94 Neue Mittheilungen. 



ist alles ganz vortrefflich.« Seine große Lebenskunst »alles Gute 
zu schätzen, wo er es findet,« der Schiller einmal Ausdruck 
verleiht, ist der Grundzug auch dieses für ihn so fruchtbaren 
Verhältnisses; wenn er dagegen am 26. October 1831, nach 
der letzten Angriffen Schlegels auf die Veröffentlichung des 
Goethe-Schillerschen Briefwechsels, an Zelter schreibt: »Ich 
hatte mit mir selbst genug zu thun, was kümmerten mich Andere«, 
so bedarf das für die Jahre von Schlegels Aufenthalt in Jena, 
von Mitte Mai 1796 bis Anfang November 1801 mit einigen 
Unterbrechungen, der Einschränkung. Ungemein vielseitig 
sind die Beziehungen Schlegels zu Goethe in dieser reich be- 
wegten Frühzeit der Romantik ; erwähnt sei hier nur die An- 
regung zur Sonettendichtung, der Antheil Schlegels an der 
Verbesserung der Goethischen Gedichte, das gemeinsame 
Interesse für Calderon und die spanische Bühne, für Shakespeare 
und seine Vorgänger ; Goethes Bemühungen um die Aufführung 
des Ion, Alarcos und Julius Caesar und endlich Schlegels Be- 
theiligung an der Gründung der Neuen Allgemeinen Literatur- 
zeitung, der er Mitarbeiter wie Steffens, Schleiermacher und 
Bernhardi zuführte. Auch suchte Goethe, als Schiller Ende 
Mai 1797, also ehe unser Briefwechsel einsetzt, mit den 
Brüdern Schlegel gebrochen hatte, »in ihrem Kreise wenigstens 
sociale Verhältnisse zu vermitteln.« Dagegen betont Schiller 
mit Recht in dem bereits erwähnten Briefe an die Gräfin 
Schimmelmann(Jonas VI, 219), daß dies Verhältniss kein freund- 
schaftliches, sondern ein rein literarisches sei. An der lächer- 
lichen Verehrung, welche die beiden Schlegel Goethe erwiesen, 
sei er selbst unschuldig, er habe sie nicht dazu aufgemuntert, 
er leide vielmehr dadurch und sehe selbst recht wohl ein, 
daß die Quelle dieser Verehrung nicht die reinste sei; »denn 
diese eiteln Menschen bedienen sich seines Namens nur als 
eines Paniers gegen ihre Feinde, und es ist ihnen im Grunde 
nur um sich selbst zu thun.« Die spätere Entwicklung der Brüder 
sollte Schiller Recht geben. Eine ausführliche Darstellung 
der Berührungs- und Trennungspunkte zwischen dem Führer 
der romantischen Schule und ihrem Meister, oder wie Goethe 
selbst sich nannte ihrem »Befreier«, wird man hier nicht 
erwarten; eine vorläufige Uebersicht hat J. Minor im G.-J. 
X, 212 — 232 gegeben. 

Die Originale der Briefe Goethes an A. W. Schlegel sind 
seit Böckings Ausgabe nicht wieder benutzt und befinden sich 
nicht bei dem übrigen Schlegelschen Nachlasse in Dresden, 
sondern wurden zusammen mit den Briefen Schillers — deren 
Urschriften Jonas in seiner Gesammtausgabe gleichfalls ver- 
misst — von F. G. Welcker als Vermächtniss Schlegels im 
Jahre 1845 ^^^ Universitätsbibliothek zu Bonn überwiesen. 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 95 

Eine Collation, zu der Herr Geh. Regierungsrath Schaar- 
Schmidt gütigst die Originale lieh, bewies aufs neue Böckings 
Sorgfalt ; abgesehen von Orthographie und Interpunktion sind 
in dem neuen Abdruck der Weimarischen Ausgabe nur folgende 
Versehen zu bessern : XIII, 343, i komme] komm XV, 30, 20 
angestrichenen] angestrichnen 84, 15 gebrauchen] brauchen 
XVI, 75, 15 zurückstellen] zustellen 316, 17 um] im Original 
Schreibfehler und 316, 19 Wie] Wenn und in Goethes Briefe 
vom 15. December 1824 (Böcking S. 52, Z. 5) Ueber lies 
Aber. 

Zu den von Böcking veröffentlichten 33 Briefen Goethes 
an Schlegel treten aber noch 5 später bekannt gewordene 
hinzu, von denen zwei allerdings nicht abgesandt wurden. 
£s sind 

i) Brief vom 18. Juni 1798, nach dem Concept abge- 
druckt Briefe XIII, 182. 

2) Brief vom 28. Februar — 2. März 1801, in den Briefen 

XV, 184 fälschlich als an Graf Brühl gerichtet abgedruckt. 
Vgl. unten die Anmerkung zu Nr. 37. 

3) Undatirt und unabgesandt (um den i. Februar 1802), 
Briefe XVI, 419 im Apparat zu Nr. 4522. 

4) Undatirt und unabgesandt (Mitte Juni 1803), Briefe 

XVI, 471 im Apparat zu Nr. 4712, vorher fragmentarisch in 
den Schriften der Goethe-Gesellschaft VI, 252. 

5) Brief vom 27. October 1803, Briefe XVI, 335. Zuerst 
von W. V. Maltzahn im Shakespeare- Jahrbuch VII, 62, dann 
von L. Geiger im G.-J. V, 5 als an IfHand gerichtet abge- 
druckt, vgl. G.-J. VI, 362. 

Im Ganzen sind also 38 Briefe Goethes an Schlegel be- 
kannt, denen 64 bezw. 65 Briefe Schlegels — sämmtlich un- 
gedruckt bis auf einzelne Stellen in den Schriften der Goethe - 
Gesellschaft VI, 231 ff. — entsprechen. Bereits gedruckt näm- 
lich und hier nicht zu wiederholen ist Schlegels erster Brief 
vom 16. Juli 1797, aus Schillers Nachlasse von L. Urlichs in 
den Preußischen Jahrbüchern 1862 IX, 216 veröffentlicht, 
dessen Original sich jetzt gleichfalls im Archiv befindet. Schlegel 
übersendet darin seinen »Prometheus« (Schillers Musenalm. 
1798, 49. Schlegels Werke I, 49) und »einen kürzeren Beytrag 
von einigen Strophen« (vermuthlich die »Zueignung des Trauer- 
spiels Romeo und Julia« M.-A. 1798, 175 Werke 1,35, deren 
Handschrift auch im Archiv liegt) zur Prüfung an Goethe und 
Schiller, weil letzterer vom 11. bis 18. Juli in Weimar war. 
Goethe antwortete am 19. (Briefe XII, 195), Schiller am 27. Juli 
(Jonas V, 230). 

Ein früherer angeblicher Brief Schlegels an Goethe da- 
gegen, datirt Jena 23. Mai 1797, den HofTmann von Fallers- 
leben aus Meusebachs Sammlung in seinen »Findlingen« 



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96 Neue Mittheilungen. 



1859, S. 183 veröffentlichte, ist sicher nicht an Goethe ge- 
richtet. Denn dieser war für Schlegel längst kein »unbekannter 
Fremder« mehr, kannte den übersandten ersten Band der 
Shakespeareübersetzung bereits im Manuscript und war zu 
derselben Zeit (19. Mai bis 16. Juni, vgl. Tagebuch U, 68, 74) 
selbst in Jena. Der Adressat ist vielmehr Christian Gottlob 
von Voigt, der gemeinsam mit Goethe die Oberaufsicht über 
die Universität Jena führte; das von Schlegel übersandte 
zweite Exemplar des Shakespeare überreichte er am 25. Mai 
der Herzogin Luise für Carl August, wie seine Antwort an 
Schlegel von demselben Tage beweist, die mir durch die Güte 
des Herrn Oberbibliothekars Dr. Schnorr von Carolsfeld ab- 
schriftlich vorlag. 

Goethes persönliche Bekanntschaft mit Schlegel fällt in 
die Mitte des Mai 1796. Goethe war vom 28. April bis 8. Juni 
in Jena (Tageb. II, 43 f.), Schlegel wird von Schiller am 
II. März (Goedeke, Geschäftsbriefe Schillers S. 190) in acht 
Wochen erwartet und am 7. Mai schreibt Friedrich Schlegel 
an Böttiger (Archiv für Litteraturgeschichte XV, 404), sein 
Bruder sei »eben über Leipzig nach Jena und Weimar ab- 
gereist.« Daß Goethe und ScKlegel alsbald, noch vor der 
Abreise des Grafen Gessler am 16. Mai, bekannt wurden, 
geht aus Goethes Briefen an J. H. Meyer vom 20. Mai und 
an W. von Humboldt vom 27. Mai (Briefe XI, 66, 77) her- 
vor. Dann folgte Schlegels erster Besuch in Weimar am Montag 
den 27. Juni 1796; das Datum ergibt sich einerseits aus 
Fr. Schlegels Brief an Böttiger, Archiv für Literaturgeschichte 
XV, 409, andrerseits aus W. Schlegels Brief an Schiller, Preuß. 
Jahrbücher IX, 213. Tags darauf verreiste Schiegel, um in 
Braunschweig am i. Juli mit Caroline getraut zu werden 
(Waitz, Caroline I, 169). Falsch ist Liers Vermuthung (Archiv 
für Literaturgeschichte XV, 409), daß es sich um eine bereits 
vollendete Reise nach Mainz handle. Die Neuvermälüten 
langten am 8. Juli Abends in Jena an (Caroline I, 173), und 
Goethe schreibt am 12. an Schiller: »Grtlßen Sie Schlegeln 
und seine Frau, ich freue mich beyde diesmal zu finden.« 
Obwohl die Correspondenz erst mit Goethes Briefe vom 28. Mai 
1797 beginnt (Briefe XII, 133), so war doch der Verkehr zwischen 
beiden während Goethes häufiger Besuche in Jena (1796: 
16.— 19. Juli, 18. August — 5. October; 1797: 13. Januar, 
12.— 13. Februar, 20. Februar — 31. März, 29.— 30. April, 
19. Mai — 16. Juni) ein sehr reger und wuyde durch Friedrich 
Schlegels Ankunft (Anfang August 1796, vgl. Caroline I, 178) 
noch verstärkt. Am 28. Mai übersendet Goethe in Jena die 
ersten Theile des Gozzi für Friedrich und erbittet die fran- 
zösische Uebersetzung von G essners Idyllen zurück ; ein zweiter 
Brief vom 14. Juni 1797 bezieht sich auf das Manuscript von 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 97 

Schlegels Aufsatze Ȇber Shakespeare's Romeo und Julia,(f 
den Goethe am 10. Juni an Schiller geschickt hatte und dieser 
in die Hören 1797, VI, 18—48 aufnahm. Hier setzen unsere 
Briefe ein. 

I. Während Goethes dritter Schweizerreise geschrieben, 
die ihn vom 30. Juli bis 20. November 1797 von Weimar und 
Jena entfernte. Goethe erhielt das inhaltsreiche Schreiben erst 
nach seiner Rückkehr im December, da ein ganzes Packet 
in Frankfurt gestockt hatte, und dankte am 16. December 
zugleich für den zweiten Theil der Shakespeareübersetzung. 
Die besprochenen Goethischen Gedichte kannte Schlegel aus 
den Aushängebogen des Schillerschen Musenalmanachs für 
1798 (vgl. Jonas V, 245), wo S. i — 18 »Der neue Pausias«, 
S. 88—99 ^^^^ Braut von Corinth« und S. 188 — 193 »Der 
Gott und die Bajadere.« — Bürgers Vers »Herr Marschall, was 
haun wir das Leder uns wund« aus dem »Lied von Treue,« 
Bergers Ausgabe Nr. 166. — Schlegels Gedicht »Die entführten 
Götter« in Schillers M.-A.1798, 199 Werke I, 61. — Der Auf- 
satz von Pierre Louis Roederer (1754— 1835) »Ueber Buona- 
parte's Zug nach Rom, und über die Gemähide und. Statuen 
Italiens« in Archenholz' Minerva 1797 April S. 126 — 136. — 
Schlegels »Arion« folgt in Schillers M.-A. 1798, 278 unmittelbar 
auf Schillers »Kraniche des Ibycus.« — Mit den Schicksalen 
der verwiesenen Deputirten beschäftigte sich Goethe am 8. Oc- 
tober 1799 (Tageb. 11, 268). — Ueber Schlegels Beiträge zu 
Schillers Musenalmanach für 1798, trotz des inzwischen er- 
folgten Bruches, vgl. Schillers Briefe (Jonas V, 212 f., 230 f., 
244 f.) und Schlegels Antworten (Preuß. Jahrb. IX, 216 fr.). — 
Karl Wilhelm Ferdinand von Funck (Allg. D. Biogr. VIII, 200), 
damals Stabsrittmeister bei den Husaren in Cölleda, Freund 
Kömers und Schillers, mit Goethe seit Juni 1792 bekannt; 
Verfasser der anonymen »Geschichte Kaiser Friedrichs II.« 
und Mitarbeiter an den Hören. Ueber seinen Besuch in Jena 
vgl. Archiv für Literaturgeschichte III, 161. — Friedrich von 
Hardenbergs Braut Sophie von Kühn starb am 19. März 1797. 
— Friedrich Schlegels. »Geschichte der Poesie der Griechen 
und Römer« erschien erst 1798 als Fragment beiUnger in Berlin 
(Jugendschriften I, 231). — Der zweite Band von Schlegels 
Shakespeare enthält : Julius Caesar und Was ihr wollt. — Ueber 
Schlegels Antheil an J. D. Fiorillos »Geschichte der zeichnen- 
den Künste« Band I, Göttingen 1798, sagt F., mit Schlegel 
schon seit seiner Göttinger Studienzeit bekannt, in der Vorrede 
P. XX: »Namentlich muß ich hier den Antheil anerkennen, 
den mein achtungswürdiger Freund A, W, Schlegel an diesem 
Werke hat, indem er, da ich des Italiänischen Ausdrucks 
mächtiger bin als des Deutschen, meine Handschrift vor dem 
Drucke durchgesehen und ihr diejenige Form des Vortrags 

GOKTBI-JABIIBOCK XVIIL 7 



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98 Neue Mittheilungen. 



ertheilthat, worin sie hier erscheint.« Vgl. Archiv für Literatur- 
geschichte III, 158 — 160. — Schlegels Recension von Val. 
Wilh. Neubecks »Gesundbrunnen« (Breslau, 1795) ^^ der Allg. 
Lit.-Zeitung 1798, Nr. 374 (Werke XI, 71). Haym, Die Ro- 
mantische Schule S. 872, vergleicht ihr Verhältniß mit dem 
Gottscheds zu Schönaich. »Noch in den Berliner Vorlesungen 
erwähnt er des Gedichts mit grossem Lobe und rühmt sich 
seiner Verdienste um die öffentliche Hervorhebung desselben.« 
Neubecks Briefe an Schlegel bei Klette, Verzeichniss der von 
A. W. v. Schlegel nachgelassenen Briefeammlung Nr. 53. 

»Michel, piü che mortal, Angel divino« aus Ariosts Orlando 
Furioso, Canto 33 Stanza 2 V. 4 ; »Ch' Apennin parte, e '1 mar 
circonda e TAlpe« aus Petrarcas Sonett »in vita di Madonna 
Laura« 96 (beginnend »O d*ardente virtute ornata e calda«) 
V. 14. Beide Citate wurden mir gütigst von Herrn Dr. B. 
Wiese in Halle nachgewiesen. 

2. Unger schreibt an Goethe (Berlin, 11. Febr. 1798 
ungedr.): »An Ihren Befehl habe ich Herrn Hirt, laut bei- 
gehender Quitung 50 ^ in Golde bezahlt; darf ich gehor- 
samst bitten, diese Herrn Rath Schlegel in Jena bezahlen zu 
lassen? — Es ist hier ein sehr geschärftes Verbot, daß kein 
Gold aus dem Lande soll; mir war es daher ein sehr an- 
genehmer Auftrag, auf diese Art Hrn. A. W. Schlegel eine 
Schuld abtragen zu können.« 

Ueber Schlegels Besuch in Weimar im Januar 1798 ist 
nichts überliefert, aber vgl. Friedrichs und Schleiermachers Brief 
an Wilhelm vom 15. Januar 1798 bei Walzel S. 346. Goethe 
ging am 20, März nach Jena (Tageb. II, 202). — Ueber Gotters 
Lustspiel »Der schöne Geist« vergl. R. Schlösser, Gotter 
S. 276—278; über Gustav von Brinkmann und seinen Besuch 
in Weimar und Jena G.-J. XVII, 42. 

3. Inzwischen war Goethe vom 20. März bis 6. April in 
Jena und Schlegel vom i. bis 5. Mai in Weimar gewesen. 
Der Widerspruch zwischen Goethes Briefen an Schlegel vom 
I . und an Schiller vom 2. Mai einerseits und dem Schlegels an 
Eschenburg (Bemays, Zur Entstehungsgeschichte des Schlegel- 
schen Shakespeare S. 259) andrerseits fällt weg, da das Original 
des letztern vom »7. May,« nicht vom 7. März datirt ist und 
anfangt : »Gestern, da ich erst Abends zuvor von einer Reise 
nach Weimar zurückgekommen war.« — Das übersandte erste 
Stück vom Athenäum enthält von Wilhelm : S. 3—69 »Die 
Sprachen. Ein Gespräch über Klopstocks grammatische Ge- 
spräche«, S. 141— 177 »Beyträge zur Kritik der neuesten 
Litteratur«, mit Friedrich gemeinsam S. 107 — 140 »Elegien 
aus dem Griechischen« und von Novalis S. 70—106 »Blüthen- 
staub.« — Schlegels »Gesuch« ging an die vier thüringischen 
Höfe um Ertheilung einer Professur; vgl. Goethe an Schiller 



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Briefe von August Wilhelm Schlegel an Goethe. 99 

(16. Mai 1798): »Schlegeln kann die Professur wohl nicht fehlen, 
der Herzog ist ihm wegen der Shakespearischen Uebersetzung 
günstig, es ist auch schon beyfällig deshalb nach Gotha com- 
municirt« und an C. G. Voigt (21. Juni 1798) Briefe XIII, 190. 
4. Schlegel reiste von Jena nach Berlin ab »etwa am 
20. Mai« (Caroline I, 213) und traf mit Goethe, der vom 
20. bis 31. Mai, dann vom 4. bis 23. Juni in Jena war, nicht 
mehr zusammen. — Friedrichs Brief vom 3. Juni 1798 ist 
noch ungedruckt; es heißt darin: »Zelter hat mir vor einiger 
Zeit eine Composition der Romanze, der Zauberlehrling, mit- 
getheilt, die mir durchaus vortrefflich scheint, und mir eine 
ganz neue Ansicht von seiner Musik gegeben hat. Ich möchte 
ihn nach dieser Probe für fähig halten, die Braut von Korinth 
zu componiren. Er tappt und versucht zwischen dem Com* 
ponibeln und Inkomponibeln wie andre Musiker unsicher 
herum: aber hat er einmal gefunden, was für ihn das Rechte 
ist, so hält er es gewiss fest und vollendet es.« — Tiecks 
Brief vom 10. Juni 1798 liegt im Archiv, Goethes Antwort 
siehe Briefe XIII, 208 ; sein angefangner Roman ist der erste 
Theil von »Franz Sternbalds Wanderungen«, den Goethe in 
den Propyläen kritisch zu behandeln gedachte (vgl. Werke 
47, 362). Die von Schlegel tibersandten Tieckschen Gedichte 
sind in Schillers Musenalmanach für 1799 aufgenommen: 
S. 26 Herbstlied, 36 Kunst und Liebe, 42 Auf der Reise, 
48 Der neue Frühling. — Nicolai hatte außer im »Sempronius 
Gundibert« auch in der Vorrede zu den »Neuen Gesprächen 
zwischen Christian WolfF und einem Kantianer tlber Kants 
metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre und der Tugend- 
lehre« (Berlin u. Stettin, 1798) die Schlegel angegriffen, vgl. 
Koberstein 5 IV, 846 f. — Ueber Marianne Meyer (Frau 
v. Eybenberg), vgl. L. Geiger, G.-J. XIV, 95 ff., über Karoline 
Friederike v. Berg, geb. v. Haeseler, die bekannte Freundin 
der Königin Luise, G.-J. XIV, 59. 109. 126. XV, 239, XVII, 
37- 45* S^« — Hamlet in Schlegelscher Bearbeitung zuerst 
in Berlin aufgeftlhrt am 15. Oktober 1799 (Teichmanns lit. 
Nachl. S. 352). — Auf J. H. Meyers Anzeige von Fiorillos 
»Geschichte der zeichnenden Künste« Band I in der Allg. 
Lit.-Zeitung 1799 I Nr. 2, 3 hat wieder hingewiesen P.Weiz- 
säcker in Seufferts Deutschen Literaturdenkmalen 25, LXI. 

5. Marianne Meyer hatte ihren Besuch in Weimar durch 
einen Brief vom 12. Juni auf den 26. angekündigt (G.-J. 
XIV, no); dass sie »durch Krankheit an der Ausführung ihres 
Plans verhindert wurde« ist ein Irrthum L. Geigers (ebda. S. 1 10), 
denn Goethes Tagebuch verzeichnet (II, 213) am 26. Juni: 
»Kam Dem, Meyer an, sie war Abends mit Fräul. Göchhausen 
bey mir,« am 27.: »Waren beyde Mittags und Abends bey 
mir,« und am 28.: »Gleichfalls.« Vgl. auch G.-J. XV, 299. — 

7* 



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100 



Neue Mittheilungen. 



Schlegels Brief wird um den 20. Juni geschrieben sein, worauf 
die Brüder »in kurzem« Berlin verliessen, um in Dresden die 
»constituirende Versammlung« der Romantik zu halten ; Goethes 
Brief vom 18. Juni traf Wilhelm schon nicht mehr in Berlin 
an. — Die beiden mit Marianne Meyer übersandten Gedichte 
sind »An Friederike Unzelmann als Nina« und »Der neue 
Pygmalion, an IfRand,« in Schillers Musenalmanach für 1799 

5. 73, 144 (Werke I, 243, 350), deren Einzeldrucke bisher 
nicht bekannt sind. 

6. Die übersandte »Künstler-Geschichte« ist »Kampaspe«, 
gedruckt in Schillers Musenalmanach für 1799, S. 86 (Werke 
I, 211). Schlegels Gedicht »Am Tage der Huldigung. Berlin 

6. Juli 1798« zuerst in Ungers Jahrbüchern der preußischen 
Monarchie 1798, Werke I, i6o. Ueber beide Gedichte vgl. 
Goethe an Schiller 25. Juli 1798 (Briefe XIII, 227). — Im 
zweiten Stück des Athenäum stehen S. 3—146 die »Fragmente« 
und S. 147—178 »Über Goethe's Meister« von Friedrich. 
Das Fragment 310, S. 85 — 87, von Wilhelm handelt über 
Aloys Ludwig Hirt's (vgl. Urlichs in der Allg. deutschen 
Biographie 12, 477) Aufsatz »Laokoon« in den Hören 1797 
Stück 10, S. 1 — 26, Stück 12, S. 19 — 28. Hirt antwortete im 
Berlin. Archiv der Zeit 1798, 2, 437, worauf die Reichs- 
anzeigernotiz (Athenäum II, 2, 331) erfolgte, vgl. Caroline I, 231, 
Walzel S. 383. — Ueber Jakob Crescentius Seydelmann vgl. 
Allg. deutsche Biographie 34, 85, über Franz Gareis ebda. 8, 
371. — Schlegels Anfrage über den Wallenstein wurde erst 
im Oktober von Goethe ausgerichtet (vgl. Teichmanns Liter. 
Nachlass S. 201), inzwischen hatte Iffland selbst mit Schiller 
sich in Verbindung gesetzt; die erste Berliner Aufführung der 
Piccolomini fand am 18. Febr. 1799, von Wallensteins Tod 
am 17. Mai 1799, von Wallensteins Lager erst am 28. No- 
vember 1803 statt. — Hardenberg war mit Wilhelm Schlegel 
am 29. März 1798 in Jena bei Goethe (Tageb. II, 203). 

7. Schlegel übersendet mit diesem Briefe sein Gedicht: 
»Lebensmelodien« Schillers M.-A. 1799, S. iii — 115, Werke 
I, 64—68. Ueber seine andern Beiträge zum Almanach vgl. 
den 5. und 6. Brief. Carl Schüddekopf. 




^* 



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II. Mittheilungen aus dem Goethe- 
National-Museum. 



Von 

Carl Ruland. 



I. EIN URTHEIL ÜBER WEIMAR UND GOETHE 
AUS DEM JAHRE 1776. 

Man hat sich vielfach bemüht, zeitgenössische Urtheile 
über Goethe zu sammeln und aus ihnen manchen interessanten 
Einblick in die Wirkung gewonnen, die die Persönlichkeit 
des Dichters auf die sich ihm Nähernden ausgeübt hat. Natür- 
lich sind solche Urtheile mit Vorsicht auf ihre Berechtigung 
zu prüfen ; grade wie die machtvolle Erscheinung Goethes Viele 
für alle Zeit zu Freunden und Bewunderern gewann, so schreckte 
auch dieser oder jener kleine Umstand Andere für immer 
zurück. 

Nicht sehr zahlreich sind derartige Ueberlieferungen aus 
der ersten Zeit des Weimarischen Lebens ; Wielands begeisterte 
Briefe sind bekannt; daß Klopstock Ungünstiges berichtet 
worden war und er in Folge davon Goethe mit Ermahnungen 
heimsuchte, wissen wir auch, ebenso daß Goethe mit manchem 
ihm abgeneigten Einfluß in den dem Hofe nahe stehenden 
Kreisen, anfanglich öfter, später nur noch vereinzelt, zu kämpfen 
hatte. Grade über die Stimmung dieser letzteren Elemente 
der Weimarischen Gesellschaft giebt der nachstehend mit- 
getheilte Brief Aufschluß. Der Schreiber, Moritz Ulrich, 
Graf und Herr zu Putbus, lebte etwas über ein Jahr, von 
1775 — 1776, ^^ Weimarischen Hofe als Wirklicher Geheimer 
Rath und Oberhofmeister der Herzogin Anna Amalia; am 



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102 Neue Mittheilüngen. 



29. Juli 1776 berichtet er seinem Onkel, einem Grafen Wartens- 
leben, wie folgt.* 

La cour d'ici a bien des regrets de ne pas 

faire la connaissance de Votre Excellence, surtout M«ne la 
Duchesse Mfere qui connait Testime particulifere de la maison 
de Brounswic pour Son mirite. Les pauvres beaux esprits 
n'ont qu'ä donner une ffete d'avoir manqui la pr^sence de 
celui, qui aurait jou6 dans leurs cercles le mfeme role 
qu'Attila jouait parmi les rois. Pardonnez, mon eher Oncle, 
cette unique occurrence d'une comparaison entre le cour- 
tisan le plus poli et le prince le plus barbare. Nos soi- 
disans beaux esprits, quelque fois assez laids, fönt un objet 
de curiositi pour un observateur philosophe. Quelque fois 
ginies ou du moins pritendans de cette couronne dans 
leurs Berits, ils ne prouvent pas la m£me ambition dans 
leurs conversations. Immer herablassend, an allem Theil 
nehmend, alles mitmachend, sind sie kindisch, schwärmend, 
und wenn ihre Laune auf das Höchste gestiegen, studentisch. 
Dieu priserve cette peinture naive de paraitre devant leur 
tribunal. Plus infaillibles qu'un Pape, ils lancent des ana- 
thfemes et des bans contre tous ceux qui leur refusent l'ad- 
miration. La noblesse en elle-mfime, la diffirence du rang, 
et surtout un malheureux cordon sont des ridicules impar- 
donnables ä leurs yeux et l'objet immortel des plus im- 
pertinents sarcasmes.* 

Cependant leur ton a un peu changi avec leur politique. 
Plus ils apper^oivent la possibiliti de reprisenter, plus ils 
augmentent en digniti et politesses. J'en suis mieux traiti 
que bien d'autres et, sans aspirer ä roriginaliti du ginie, 
je leur ai prouvi que sans grossifereti on sait repousser et 
lancer des pointes. Herder n'est pas encore arrivi; Votre 



' Der Brief wurde unlängst in dem Archiv des früher in Wartens- 
lebenschem Besitze befindlichen Gutes Exten bei Rinteln, von dem jetzigen 
Eigenthümer, Herrn Rittergutsbesitzer E. von Meien, aufgefunden und 
dem Goethe-National-Museum zum Geschenke gemacht. Mit Ge- 
nehmigung des gütigen Gebers ist der Brief in dem Goethe-Schiller- 
Archiv niedergelegt worden. Das einige Male nicht ganz einwandfreie 
Französisch läßt der Abdruck unverändert. 

' Spricht hier Graf Putbus aus eigner schmerzlicher Erfahrung? 
Er besaß einen Würtembergischen grand cordon. 



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Ein Urtheil über Weimar und Goethe aus dem Jahre 1776. 103 

Excellence le connait mieux quc moi, par ses ouvrages. 
On dit qu'il est aussi clair dans ses sermons qu'obscur dans 
quelquesuns de ses ouvrages. On doute de son ortho- 
doxie, mais on fait l'^Ioge de sa phisionomie, qui pour 
nous autres enthousiastes de Mr. Lavater prouve autant 
que des actions. GoethCy depuis peu Geh. Legationsrath 
avec Tentrie au conseil, est le favori dfeclari du Duc et le 
protigi des deux Duchesses. Vous connaissez, mon trts- 
cher Oncle, le genre de son ginie par ses ouvrages. Malgri 
le goüt qu'il a marqui autrefois pour la satyre qui frise 
la libelle/ il parait honnete homme et marque des senti- 
ments d'honneur. D'ailleurs il a toutes les ambitions : celle 
de bei homme, d'homme aimable quoique modelt sur le 
ton de Tacad^mie, d'homme adroit, d'homme a talents. II 
se croit un Alcibiade et on Ta gäti assez pour le fortifier 
dans toutes ses pr^tensions. Une ambition d^mesurie Tem- 
pechera toujours d'^tre pleinement heureux. Wieland^ autre- 
fois son antagoniste, pour le moment son adulateur outre, 
est plus politique et plus dissimul^ que lui. II change aussi 
souvent de caracttre que de style dans ses ouvrages. 
Lenz, Klinger et quelques autres auteurs subalternes ne 
respirent que par la protection des deux autres. Comme 
notre cour se distingue soit en bien ou en mal, par 
Taffluence des pottes, j'ai pris la liberti de donner (entre 
nous) ä Votre Excellence une idie de leur conduite, avant 
qu'il ne soit plus question d'eux. Leur influence et leur 
faveur changera, comme tout, ä la cour, du jour au lende- 

main Le Prince hiriditaire de Darmstadt* se plait 

beaucoup ici. II adopte Tesprit, le goüt et les amusements 
de son beau-frfere. La perte de sa promise ne parait pas 
Taffliger quoique la cour de Russie n'ait encore rien fait 
pour le didommager de sa complaisance forcie. 

Notre cour ne se trouvant pas encore assez petite, 
s'est partagie en plusieurs s^jours. Le Duc et le Prince, 
son beau-frfere, sont a Ilmenau, oü habillis avec toute leur 
suite en mineurs, ils fönt reprendre le travail de quelques 

' Der Graf denkt offenbar an »Götter, Helden und Wieland«. 
* Ludwig, später der erste Grossherzog von Hessen, geb. 1755. 



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104 Neue Mittheilungen. 

mines d'argent, qui, il y a deux ans, itaient priftries k 
Celles de la Saxe Electorale. La Duchesse regnante se 
trouve avec sa petite suite ä Belvedere, toujours contente 
sans de grands sujets de contentement. M^e la Duchesse 
Mtre est restie ici et s'occupe de la lecture, du dessin- et 
de la musique. Le Prince Constantin se forme dans les 

bois de Tiefurt qu'il fait embellir avec goüt 

Mit den Urtheilen des Grafen wird heute schwerlich 
Jemand übereinstimmen. Der gute Wieland schreibt in seiner 
ehrlichen Begeisterung, seine Seele sei voll von Goethe wie 
ein Thautropfen von der Morgensonne, und hier wird er 
politisch kluger Schmeichelei und Heuchelei beschuldigt ; dem 
weltklugen Hofmanne kam der Gedanke gar nicht, daß der 
erst vor wenig Monaten arg verspottete Dichter der »Alceste« 
jetzt von aufrichtiger Freundschaft für den Spötter erfüllt sein 
sollte. Die Voraussagung, Goethe werde wohl niemals völlig 
glücklich sein, kann man verstehen und sogar für einigermaßen 
berechtigt halten, wenn man sich z. B. der von Faust mit 
Mephisto eingegangenen Wette erinnert, aber wie sehr täuscht 
sich Graf Putbus darin, daß er die Zuneigung Carl Augusts 
zu dem Dichter für die flüchtige Caprice eines Augenblicks 
hält. Wenn ein philosophe observateur, wie er sich selbst 
nennt, ein Mann von ruhigem Urtheil, wie er sich sonst in 
seinem Briefe zeigt, — das glauben konnte, so beweist das 
nur, wie hoch Carl August auch die Besten seiner nächsten 
Umgebung überragte, mit wieviel weiterem Blicke er Menschen 
und Verhältnisse überschaute. Verstanden hat ihn damals selbst 
nicht ein Mann wie Graf Putbus, der das den Herzog und 
Goethe umschlingende Band nur für einen Favoritismus hielt, 
von dem man nächstens nichts mehr hören werde. 



2. GOETHE UND DIE DRESDENER GALLERIE. 

Der 47. Band der Weimarischen Goethe-Ausgabe bringt 
auf S. 368—387 eine Reihe kurzer, kritischer Bemerkungen 
über 375 Gemälde der Dresdener Gallerie. Es sind Notizen, 
wie sie ein aufmerksamer Besucher einer Gemäldesammlung 
sich in dem am Eingange gekauften Katalog zu notiren pflegt. 
Der Herausgeber hat denn auch ermittelt, daß sie sich an den 
Dresdener Katalog von 177 1 anlehnen. Betrachtet man aber 
die Handschrift, die in Band 47 zum Abdruck gelangte, so 
zeigt sich, dass man es hier nicht mit den vor den Bildern 
gemachten Originalnotizen, sondern mit einer Reinschrift zu 
thun hat. Goethe hat sich von einem Kanzlisten den Katalog 
in klein 8°. copiren lassen und dann auf die, die Abschrift 



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Goethe und die Dresdener Gallerie. 



105 



durchschiessenden Quartblätter die kritischen Bemerkungen 
^u 375 von den im Katalog verzeichneten 1207 Bildern ein- 
getragen. Wo mochten die vor den Gemälden entstandenen 
Notizen hingerathen sein? 

In Goethes Bibliothek findet sich eine Anzahl Kataloge, 
Führer etc., die er von seinen Reisen in Deutschland wie in 
Italien mitgebracht; einige zeigen die Spuren des Gebrauchs 
durch Striche, Ausrufungszeichen, hie und da auch ein Paar 
Worte in Bleistift; es lag nahe, unter ihnen nach Dresdener 
Verzeichnissen zu suchen. Die 18 13 angekauften Kataloge 
der Antiken und der Gemälde zeigten zwar mehrfache auto- 
graphe Bemerkungen, aber keinerlei Uebereinstimmung mit 
obigem Manuscripte. Aeltere Kataloge schienen zu fehlen. 
Bei näherer Durchsicht der von Jean Auguste Lehninger iyS2 
veröffentlichten Description de la Ville de Dresde et de ses 
envtrons zeigte sich aber, daß sie auf Seite 178—283 eine 
genaue französische Uebersetzung des officiellen Katalogs ent- 
hält; und hier sind die Ränder mit feinen, zum Theil sehr 
flüchtigen, an wenigen Stellen später mit Tinte ergänzten 
Bleistiftnotizen bedeckt. Aber nicht von Goethes, sondern von 
Meyers Hand! Daß aber diese Meyerschen Notizen in engster 
Beziehung zu dem Goethischen Manuscript stehen, lehrte die 
oberflächlichste Vergleichung. Die einfache Nebeneinander- 
stellung nur weniger Einträge mag dies beweisen. 
Meyer : Goethe : 

2. nicht übel. Nicht übel, artig gruppirt. 

3. es sind bessere hier, dünkt Es sind bessere hier. 



mich, 
plump. 



5. besser als obiger (Nr. 3.) 

6. ein berühmtes Stück. 

7. schön, 
schön. 



12. 

14. ohne Übereinstimmung, 
aber gut nach seiner Art. 

15. (vacat.) 

18. (vacat.) 

19. ist nicht sonderlich. 

21. nicht von den besten. 

22. etwas besser. 

23. kräftig. 

^5* gut gemahlt, schöne Wider- 
scheine im Wasser. 



Dicke Weiber, plump, besser 
als mans von Nieder- 
ländern gewohnt ist, ge- 
zeichnet. 

Schön. 

j Fürtrefflich. 

Schön, fast so zierlich als von 
Dow. 

Ohne Uebereinstimmung, aber 
gut nach seiner Art. 

Ein gutes kleines Bild. 

Schön wie Nr. 12. 

Nicht sonderlich. 

Nicht von den Besten. 

Besser. 

Kräftig. 

gut gemahlt, schöne Wider- 
scheine im Wasser. 



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I06 Neue Mittheilungen. 



Meyer: Goethe: 

26. ebenf. gut. Ebenfalls gut. 

27. bekanntes schönes bild. Bekanntes schönes Bild. 

28. mehr fleißig als gut. Mehr fleißig als gut. 

29. von wilder manier. Von wilder Manier. 

30. nicht sonderlich. Nicht sonderlich, kann gelitten 

haben. 

Goethe bricht seine Abschrift bei Nr. 500 ab, während 
Meyers Notizen, wenn auch mit Uebergehung mancher Num- 
mern, sich bis zum Ende des Katalogs erstrecken. Wie haben 
wir uns nun die Entstehung des Goethischen Manuscriptes 
zu denken? 

Im Jahre 1794 verweilte Meyer von April bis September 
in Dresden, mit kunsthistorischen Studien beschäftigt, auch 
manche Gemälde in sorgfältigen Sepiazeichnungen copirend. 
Im August kam auch Goethe nach Dresden, — wie er selbst 
erzählt, — »mit Meyer eine gute Woche und gute Stunden 
verlebend, sich auf der Gallerie was Rechtes zu Gute thuendcc. 
Als eine dauernde Erinnerung an diese guten und lehrreichen 
Stunden wird sich Goethe die Aufzeichnungen seines kunst- 
berathenden Freundes ausgebeten und eine Abschrift davon 
genommen haben, hie und da sie noch durch einige Worte, 
sei es aus eigener Erinnerung, sei es aus Gesprächen mit 
Meyer ergänzend, und dadurch in sein geistiges Eigenthum 
aufnehmend. Daß das so entstandene Manuscript, ohnerachtet 
seines Meyerschen Ursprungs, ein Anrecht hatte unter Goethes 
»Vorarbeiten zur Kunst« aufgenommen zu werden, wird 
Niemand bestreiten. 

Es sind oben zwei weitere Dresdener Kataloge als in 
Goethes Bibliothek befindlich erwähnt worden : das Verzeichniß 
der Antiken-Gallerie von 1807, und das der Gemälde-Gallerie 
von 1812. Sie sind bei dem Aufenthalt von 181 3 benutzt 
worden. Vom 20 — 25. April dieses Jahres und dann wieder 
in der ersten Hälfte Augusts hat sich Goethe in Dresden auf- 
gehalten ; wir wissen, daß er die Antiken, Originale wie 
Abgüsse, eingehend besichtigt hat. Im »Verzeichniß« findet 
sich nur ein Vermerk von Goethes Hand auf S. 28, entweder 
zu einer Büste Catos oder zu der des Antius Restio gehörend : 
»Länge der Oberlippe. Güte des Herzens«, eine physio- 
gnomische Betrachtung aus Lavaterscher Schule. 

Das Studium der Gemälde war in dem Jahre für Goethe 
dadurch beeinträchtigt, daß die wer th vollsten Bilder wegen 
der Kriegsgefahr aus der Gallerie auf den Königstein geflüchtet 
waren ; er wandte sich darum den noch sichtbaren »minderen, 
schönen Sachen« zu. So finden wir auch die Randnoten im 
Katalog meist bei den kleineren Bildern der Italiäner des 
16. und 17. Jahrhunderts. Manchmal sind sie von energischem 



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Goethe und die Dresdener Gallerie. 107 

Ausdruck : Zu dem Garofolo zugeschriebenen Mars und Venus 
bemerkt Goethe : »Dümmer wie dumm« ; Luca Giordano nennt 
er den »allzeit fertigen Wandbedecker,« oder ein »Frevelhaftes 
und gedankenloses Talent«. An Paolo Veroneses Anbetung 
der Könige bewundert er »reiche Gewänder, glückliche Er- 
findung«; desselben Meisters Hochzeit zu Cana ist ihm ein 
»Abgrund von Wahrheit und Naivetät« ; in Giulio Romanos 
Madonna mit dem Wasserbecken erblickt er den »Gipfel eines 
grossen Talentes«. Oefter werden die Gemäldebeschreibungen 
des Katalogs in glttcklichstem Ausdruck verbessert, denn der 
dargestellte Gegenstand, die Composition als solche, die 
Vertheilung der Figuren im Räume und ihre Gruppirung sind 
es, die in erster Linie sein Interesse erregen. Bemerkungen 
über das Technische, die Malweise etc. finden sich fast nirgends. 
So lässt sich auch aus diesen flüchtigen Bemerkungen mancher 
Einblick in Goethes Kunstanschauung gewinnen. 




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111. Verschiedenes. 



I. VIER BRIEFE GOETHES. 

Mitgetheilt von 

L. Geiger, M. Grunwald, C. Schüddekopf. 

a. An Adam Friedrich Oeser. 

19. Dez. 1782. 

Künftigen Dienstag d. 24ten habe ich das Vergnügen 
Sie zu sehen, und will mich einrichten dass ich die Feyer- 
tage in Leipzig bleiben kann. Meine Absicht ist, wie Sie 
leicht denken, Ihnen auf alle Weise beschwerlich zu seyn. 
Ich melde es voraus damit Sie Zeit haben Sich in Ihr 
Schicksal zu ergeben. Leben Sie recht wohl. Mir hätte 
kein angenehmerer Heiliger Christ bescheert werden können. 

Weimar d. i9ten Dez. 82 Goethe 

Herrn Professor 
Oeser 

nach 
fr, Leipzig 

Das Original, ein Quartbogen mit Siegel (®) und dem 
Vermerk von Oesers Hand: v. Goethe, X br, 82, befindet sich 
in der Vieweg'schen Autographensammlung der herzogl. Biblio- 
thek zu Wolfenbuttel. Daselbst folgendes Bruchstück, gleich- 
^ falls eigenhändig, auf einem halben Quartblatt, zu keinem 
bisher nachgewiesenen Briefe gehörig: 

Hienächst ersuche Sie mir u den Meinigen heute Mittag 
das Vergnügen Ihrer Gegenwart zu gönnen. Weimar d. 
5. Jan. 1832. JW V Goethe. 



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Vier Briefe Goethes. 109 

b. An Wieland. 

24. Dez. 1796. 
»Da unsere Schüttchen dieses Jahr wieder nicht übel 
gerathen sind, und sie Dir sonst wohl zu schmecken 
pflegten, so schicke ich hier beykommend ein Stück, und 
füge noch etwas geräucherten Lachs hinzu. Ich hätte ge- 
wünscht dass Du diese Gaben des Backhauses und der 
Nordsee bey mir verzehren möchtest, allein ich bin Diens- 
tags zu einer Reise nach Leipzig beordert, die ich in der 
Hoffnung antrete, Dich bald nach meiner Rückkunft wieder 
zu sehen. Indessen wünsche ich glücklich in die sich 
immer verlängernden Tage hineinzuleben. Weimar am 
24ten Dec. 96. Goethe. 

Das Billet — von Schreiberhand; nur »Goethe« eigen- 
händig; Quartbogen, etwa */» Seiten beschrieben; auf der 4. 
Seite die Adresse : »Herrn Hofrath Wieland Wohlgeb« — der 
Vollständigkeit wegen an sich erwtlnscht, ist gewiss nicht seines 
Inhalts, sondern nur wegen des anmuthigen herzlichen Tones, 
der dem alten Genossen gegenüber gebraucht wird, erfreulich. 
Die eine darin erwähnte culinarische Spende stammte gewiss von 
F. H. Jakobi, bei dem sich Goethe am 26. Dezember dafür be- 
dankte. (W. A. Briefe Bd. XI. S. 293, 296.) Goethe reiste mit 
dem Herzog, wie er an Schiller schrieb (a. a. O. XII S. i) am 
28. Dezember — Dienstag der 24. war ein Freitag gewesen — 
von Weimar nach Leipzig. Am 2. Januar Morgens gings nach 
Dessau (an Christiane; daselbst S. 3) am 11. Januar schrieb 
Goethe an Schiller, dass er nach einer i4tägigen Reise heim- 
gekehrt sei. (a. a. O. S. 4.) — »Schuttchen« ist noch heute, 
wie B. Suphan mich belehrt, in Weimar gäng und gäbe für 
die Weihnachts- Wecke oder -Stollen. — Das Original des Briefes 
ist im Besitze des Herrn Rudolf Brockhaus in Leipzig, der 
es freundlichst zum Druck überliess. 

c. An? 

29. Oktober 1802. 
Monsieur, 
Vos lettres jusqu'a celle du 16 Octobre me sont arrivies 
et je Vous remercie tres affectueusement d'etre entri dans 
mes vues. Je vous proteste Monsieur les sentimens de la 
plus vive gratitude pour les bontis infinies que Vous aves 
marqu& a mon fils et aux Messieurs qui Taccompagnoit 
pendant leur sejour a Paris. Mes Voyageurs en ont et6 



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HO Neue Mittheilungen. 



penetris de reconnoissance et n'ont pu assez se louer' de 
touts les soins que Vous aves bien voulu leur accordir. 

Le plan d'un etablissement litteraire dans ce pais ci, 
que Vous aves" communiqui a Mr. de Wolzogen a acquis 
toute mon approbation je serai fort aise de le voir reuissir 
et j'ai demandi rapport sur ce projet a celui de mcs con- 
seillers qui est chargi de cette partie la. J'ai Thonneur de 
Vous communiquer son sentiment cy Joint. ' II est certain 
que si Vous pouvies trouver un commissionnaire, qui fut 
asses litterateur pour etre Professeur de la langue francaise 
a mon Academie de Jena, qu'alors Votre projet me seroit 
doublement interessant et que Vos affaires y gagneroit en 
meme tems. Le local de Jena seroit tres apte pour Votre 
entreprise. II ne s'agiroit point d'enseigner la langue fran- 
caise comme un Maitre de langue le feroit/ mais comme 
un connoisseur qui communiquat Tesprit de cette langue 
a des personnes qui en s^auroit deja assez pour la parier 
et pour Tecrire. Peut etre pourroit on y ^ joindre un College 
d'histoire politique et litteraire du dernier siecle,* pour 
augmenter Tinteret. 

Ce sera avec la plus vive satisfaction que je recevrai 
le don du livre que Vous voules bien me faire, je le placerai 
dans ma bibliotheque comme une marque precieuse du 
Souvenir que vous accordes aux personnes de ce pays ci, 
qui ont eu l'avantage de contracter Votre connoissance. 

Je ne cesserai d'etre avec les sentimens d'une estime 
toute particuliere Monsieur^ 

Weimar Votre tres affectionni 

ce 29. 10. 2. Charles Auguste 

Duc. 



' So schreibt Goethe; der Herzog hat ein s am Ende hinzugefugt. 

' Ursprünglich: m aves; das m ist wie es scheint von G. selbst 
ausgestrichen. 

J Liegt nicht bei; der conseiller ist G. selbst. 

* Le feroit vom Herzog eingefügt 

( Auch das y scheint der Herzog eingefugt zu haben. 

^ So Goethe; der Herzog hat geändert: des demiers siecles; eine 
Aenderung, die nicht blos die Worte, sondern den Sinn trifft 

7 Von hier an, auch das Datum vom Herzog geschrieben. 



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Vier Briefe Goethes. III 

Der vorstehende Brief, der mir von Herrn Rudolf Brock- 
haus in Leipzig, dem schon oft dankbar erwähnten Spender, 
freundlichst zum Abdruck überlassen worden ist, wird hier 
buchstäblich nach dem Original mitgetheilt. Denn diese 3 SS. 
in 4^ fast vollständig beschrieben, sind bis auf die Unterschrift 
und wenige winzige Verbesserungen und einen kleinen Zusatz, 
die von Karl August herrühren, ganz von Goethes Hand. Da 
derartige ausführliche eigenhändige Briefe Goethes in einer 
fremden Sprache eine Seltenheit sind, so lohnt es sich auch 
die kleinsten EigenthUmlichkeiten, um nicht zu sagen Fehler 
festzuhalten. Zu den EigenthUmlichkeiten gehört die Schreibung 
oi für ai, s für z (aves), überaus seltsame Accentsetzung und 
mindestens ebenso häufige Auslassung des Accents (der Accent 
aigu sieht gar zu oft wie ein grave aus). 

Zu den EigenthUmlichkeiten gehört der Gebrauch : proteste 
etwa für präsente, ofiirme, im Sinne von »betheuern«, apte =» 
fähig, contracter votre connaissance ss Ihre Bekanntschaft zu 
schliessen und Aehnliches. Unter die Fehler gehört unrichtige 
Schreibung der Participia, Gebrauch der Einzahl des Verbs 
nach der Mehrzahl des Subjects, Schreibungen wie touts für 
tous, reuissir für reussir. 

Ucber den Adressaten wage ich keine Vermuthung, da 
weder Goethes Tagebuch, noch das Verzeichniss seiner Post- 
sendungen, noch die Briefe selbst irgendwelchen Anhalt ge- 
währen. 

Es bedarf wohl auch keiner weiteren Rechtfertigung, daß 
der Brief, obgleich im Namen Karl Augusts geschrieben, unter 
den Briefen Goethes erscheint. Denn diesem gehört sowohl der 
sprachliche Ausdruck als auch der geistige Inhalt; der ganze 
Brief ist ja nur ein Begleitschreiben und eine Erläuterung zu 
dem S. iioZ. 8 erwähnten, bisher nicht bekannten, von Goethe 
herrührenden Gutachten. Jede Andeutung über den Adres- 
saten unseres Briefes und die Folgen der hier berührten An- 
gelegenheit würde sehr erwünscht sein. 



d. An Klinger, 

Weimar 1824. 
Und sollt ich, theurer verehrter Freund, unsere innig 
geliebte Gräfin Carolina von Hier abreisen lassen ohne ihr 
ein Won des Andenkens aufzutragen, zumal da ich noch 
Dank schuldig bin für den öffentlichen edlen Ausdruck 
Ihres gerechten Unwillens. Es that mir freylich Leid daraus 
zu ersehen dass die Niederträchtigkeiten bis zu Ihnen durch- 
gedrungen sind, die, obschon in Deutschland an der Tages- 



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112 Neue Mittheilungen. 



Ordnung, den Bessern kaum berühren. Es ist noch ein so 
guter Kern und Stamm in der Nation, dass von den eigentlich 
grundschlechten nichts zu befürchten ist. 

Beykommendes Heft spricht Ihnen aus womit ich und 
wie ich mich beschäftige; ein schöner Kreis bewegt sich 
in denselben Richtungen, erregt löbliche Aufmerksamkeit 
und zieht gar manchen Jüngeren in das höhere Interesse. 
Auch wenn ich Weiteres mittheilen wollte würden Sie mich 
auf dem alten Wege immer finden und wieder erkennen. 
Den Sommer hab' ich diesmal zu Hausse in mancherlei 
Thätigkeiten zugebracht und sehe einem leidlichen Winter 
entgegen, wenn ich mich wie bisher im Gleichgewicht 
halten kann. Die Abwesenheit unserer jungen Herschaften 
und ihrer Höchstbedeutenden Umgebung wird freylich in 
unsern Zuständen eine grosse Lücke machen. 

Dass Sie mein in Liebe und Treue gedenken empfind 
ich immerfort; sagen Sie nur mit den Rückkehrenden eine 
Sylbe, oder sonst gelegentlich; ein solches unmittelbares 
Zeichen würde auch den trübsten Tag erheitern. 

Den nächsten 5. Novbr. tret ich ins fünfzigste Jahr 
meines Hierseyns; vor der Reihe einer dorther sich spinnen- 
den Erinnerung möchte einen fast grauen, wäre man nicht 
nach einem so weitem überschifFten Zeitraum doch noch 
bey sich selbst und bey seinen theuersten Freunden. Ich 
zähle noch gar viele Zeitgenossen die nur wenig jünger 
sind als ich, und so kann man sich gar manichfakige ge- 
meinsam ausgegangener guter und nachhaltiger Wirkungen 
gar wohl getrösten. Unser Verhältniss ist wohl das älteste, 
möge es in diesen Tagen fort und fort gesegnet seyn! 

* Mitgetheilt von M. Grunwald. — Nach einer Copie in der 
Hamburger Stadtbibliothek, also derselben Qjiclle entstammend, wie 
der G.-J. IV, 182 fg. mitgetheilte Brief. Carolina ist Gräfin Egloffstcin. 
Das beikommende Heft wohl »Kunst und Alterthum.« Der Anfang 
bezieht sich auf Klingers Ablehnung d^r ihm bestimmten Widmung in 
der 2. Auflage der von H. Köchy unter dem Namen F. Glover ge- 
richteten Schmähschrift. Vgl. Klingers Aeusserungen G.-J. III, 275 fg. 
und Redlichs Bemerkungen G.-J. VII, 309 fg. L. G. 



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MlTTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE I772— l8j2. IIJ 

2. MITTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER 
GOETHE 1772— 1832. 

Herausgegeben von 

L. Bob6, L. Geiger, M. Grunwald. * 
I. MlTTHEILUNGEN VERSCHIEDENER. 

I. 
Gotter an [Heyne], 

Wetzlar, d. i. Aug. 72. 
Das ist eine der vorzüglichsten Annehmlichkeiten Wetzlars, 
daß man unvermuthet mit Leuten zusammentrift, von denen 
man einen sehr zweifelhaften Abschied genommen hatte, u. 
andere, neue, artige Bekanntschaften macht. So mußte ich 
unsern liebenswürdigen Born erst hier kennen lernen, nach- 
dem ich ihn in Göttingen und Leipzig verfehlt hatte. So 
auch den Dr. Göthe von Frankfurt, einen jungen Mann, dessen 
Genie Ihnen gewiß GnUge leisten würde u. zu dessen Vor- 
theile ich nur dieses sagen will, daß er ein Liebling Herders 
ist. Beyde wohnen zusammen. Ich sehe sie oft, und der Ge- 
danke, gemeinschaftlich nach Göttingen zu reisen, ist unser 
wichtigster Communicationspunkt. 

2. 
Tiigebuchauf Zeichnungen des Bischofs F. Munter 1781 — ^7. 

a. 
178 1, September 2. Ich ging gleich zu Wieland, er war in 
seinem Gartenhause, fing gleich an von seinen Connexionen 
und der Lage mit Klopstock zu reden, sprach mit sehr vieler 
Achtung von ihm, und wünschte sich nähere Verbindung. 
Es freute ihn, daß Klopstock mit dem Oberon zufrieden ist. 
Er hat einen edlen Stolz, fühlt seinen Werth. Viel über die 
Stolbergs gesprochen. Wieland ist nicht schön aber sein Gesicht 
ist bedeutend. — Nachm. ging ich zu Herder, ein lieber Mann, 
sprach von meinem Vater und der Theologie in Dänemark, 
von Rhönheyder und Heninngs. 

' Von L. Bob6 sind 1 2 a, b, c, 6, von M. Grunwald 4 und 5 ; alle 
übrigen von mir mitgetheilt L. G. 

* Der Brief ist ohne Adresse, die Anrede »Hochzuverehrender 
Herr Hofrath«; in dem Briefe ist sehr viel von Göttingen und von 
dem Verkehr Gotters im Hause des Adressaten die Rede, so daß kein 
Zweifel sein kann, daß der Adressat der Göttinger Philologe Heyne 
ist. Das Original des Briefes befindet sich im Besitze des Herrn Rudolf 
Brockhaud in Leipzig. 

Got-rai-JABKivCH XVIII. 8 



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114 Neue Mittheilüngen. 



3. Zur Exposition der Gemälde gegangen, einige gute 
Stucke, das meiste sonst von Anfängern, viel Frauenzimmer 
arbeiten — einige Köpfe Göthe, Wieland, Herder gut gearbeitet, 
eine Landschaft von Göthe sehr gut. 

5. Früh bei Göthe. Er wohnt herrlich in seinem Garten- 
hause. Ein edles Gesicht, hat etwas zurückhaltendes. Wir 
sprechen von Stolbergs, von der Theologie, von Freimaurerei, 
gegen mich war er sehr hold. — Nachm. bei Herrn von 
Knebel, einem edlen offenen Mann. Dann bei Bode, ein 
dicker und plumper Mann. — 

b. 

1787, 27. Mai. Ich war zum Herzog bestellt. Ein simpler 
grader Mann, eben so wenig Etiquettenhaft als der Herzog 
von Gotha. Ich saß bey ihm am Camin, redete eine Stunde 
mit ihm. Lavater hatte ihm eine Indiskretion gemacht, 
einen seiner Briefe, in dem er Nicolai's Verfahren tadelt, ge- 
druckt, daher er ihm böse ist und daher ich fürchtete, er 
würde, da ich ihm nur ein Billet von Lavater bringe, mich 
nicht recht gnädig aufnehmen, das war aber nicht der Fall. 
Wir redeten viel über Lavaters itzige critische Lage, dann 
über Weishaupt und über das ganze Münchener Wesen. Zuletzt 
über Göthe, Italien etc. und ich hatte Gelegenheit ihm über 
den zweyten Punkt besonders, von Weishaupt u. München, 
vieles zu sagen, welches ihm zu wissen nötig und heilsam 
seyn könte. 

18. — Zu Herder, wo wir für Göthe meine besten grie- 
chischen Münzen abformten. Herder erzählte mir, Wieland 
sey so von Lavater hingerissen worden, daß er einen Seelen- 
bund mit ihm errichtet, sich zu seiner Religion bekannt habe, 
ihm in allem Recht gegeben, und ihm endlich, als er in den 
Wagen stieg, die Hand, angesichts des ganzen Volks geküsst, 
dafür hat auch L. Wielands Frau und das Kind, mit dem sie 
in Wochen lag, gesegnet. Itzt hat er schon wieder herab- 
gestimmt und sogar einen Aufsatz von Keinhold über L. auf- 
genommen, in dem R. vernünftig und frey seine Meinung sagt. 
Doch ist er Lavater sehr attachirt und sagt, er habe R. es 
nicht verweigern können, ihm seine Meinung sagen zu lassen, 
um sein weiches empfindliches Herz nicht zu sehr zu kränken. 

20. Mit Herder zu Frau v. Stein, seine, der Herdern und 
Göthens vertrauter Freundin, eine Frau von großem Verstände. 
Wir redeten viel von Göthe und Italien, und sahen einen Theil 
Kupfer von Unteritalien und Sicilien aus dem Voyage pittores- 
que de Tltalie et de la Sicile. — In dem englischen Garten 
vulgo der Stern genannt. Hier traf ich Frau v. Stein wieder, 
ging ein paar Stunden mit ihr spazieren. Ich habe es schon 
lange bemerkt, daß Eheleute, die sich lieben, oder vertraute 



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Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe 1772 -1852. 115 

Freunde selbst in ihren Gesichtsbildungen viel von einander 
annehmen und sah dies auch in Weimar. Frau von Stein hat 
nicht aUein in der Sprache, sondern auch in ihrer Physiog- 
nomie erstaunlich viel von Göthe. Ich machte Herder auch 
drauf aufmerksam, der mir recht gab. 

c. 

'79I* 5« Julius. Wieland war erfreut mich zu sehen und 
wirklich überaus freundschaftlich. Die Nouvelle du Jour, 
nemlich die Desertion des Königs der Franzosen gab den 
vornehmsten Stof zum Gespräche. Wieland ist in dieser Sache 
wie in jeder andern sich selbst nicht gleich und hängt von 
äußern Eindrtlcken ab. Erst war er gantz für die National- 
versammlung, nachher machte die es ihm zu bunt, oder er 
ließ sich von den Hofleuten, dem Herzog und der regierenden 
Herzogin, deren Bruder, der Landgraf von Darmstadt durch 
die Revolution leidet, umstimmen. Nun aber, da der Hof auf 
dem Landtag in Eisenach ist und die Herzogin Mutter, mit 
welcher er jetzt viel lebt, eifrig für die Nationalversammlung 
ist, hat er auch den Ton für sie gestimmt. Bey Göthe war ich 
auch und fand ihn sehr viel freundschaftlicher als sonst, ob- 
gleich immer noch kalt, wie er es gegen jeden ist. Er ist ein 
sehr unglücklicher Mensch. Muß beständig mit sich selbst in 
Unfrieden leben. Alles arbeitet in seinem Kopf und drängt 
ihn zur Thätigkeit und doch will er nicht sein Amt abwarten. 
Er hat alle Regierungsgeschäfte abgegeben, bezieht aber Doch 
für nichts seine 2000 Rthlr., hat Botanik, Anatomie, Kunst 
studirt, alles wieder liegen lassen und arbeitet nun über die 
Theorie der Farben. Ein osteologisches Buch, was er ge- 
schrieben hat, soll gut sein. 

Am lot. Abends besah ich mit Gottfried Herder die neuen 
Einrichtungen im Stern, die immer schöner werden, besonders 
die Hole, welche der Herzog durch den Felsen brechen lässt 
und die zum Stern hinein führen soll. Von meinen altern 
Weimarschen Freunden besuchte ich den Geheimehofrath Voigt. 
Bertuch mochte ich nicht sehen, sein sordider Geiz und das 
Journal des Luxus und der Moden hat ihn mir sehr zuwider 
gemacht. Bey der Gräfin Bernstorf, bey der ich einen Mittag 
aß, lernte ich Bodes Freund den Raht Ludecus kennen, ein 
offener und gerader Mann. 

Am iit früh fuhr ich mit Gottfried Herder, der noch 
nie in Erfurt gewesen war, hin und traf Göthe im Wirtshause, 
zugleich mit Lips. Ich ließ mich beym Coadiutor von Dalberg 
melden. Er hat eine sehr offene und edle Gesichtsbildung 
und ist in seinem Portrait in der Berliner Monatsschrift sehr 
getroffen, nur ist er weit höher, als ich ihn mir vorstellte. 
Er empfing mich sehr freundlich, es war mehr Gesellschaft 

8* 



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Il6 Neue Mittheilungen. 



da, der luthersche Senior, Bergrath Voigt und ein Erfurter 
Professor Dominicus, so dass das Gespräch bald allgemein 
ward und besonders über Naturgeschichte roulirte. Er ist höchst 
populär, ohne alle affectation und man vergißt es ganz, daß 
er Coadiutor und ktlnftiger Kurfürst von Mayntz ist. Allgemein 
wird er geliebt und geachtet und wird gewiß ein besserer Fürst 
werden als sein Vorgänger. Allein er ist schwach und seine 
Physiognomie verräth auch Schwäche. Er wird sich also leiten 
lassen von dem, der ihn zu fassen weiss und er hat zugleich 
die große Manie des Bücherschreibens und schreibt nichts 
Gescheides. * 

3. 
Fr, Jacobs an Böttiger, * 

Gotha d. I. Dez. 96. 
Wahrscheinlich sind die Gegengeschenke ^ an die Vf, der 
Xenien (den eigentlichen Titel her zu setzen kann ich mich 
nicht entschließen) auch in Ihren Händen. Ich weiß nicht, 
was ich dazu sagen soll. Zugegeben, dass es gut und nöthig 
war zu antworten, so weiß ich doch nicht, ob diese Art die 
beste und zuträglichste ist; nur so viel, daß sie weder mit 
meiner Denkungsart, noch mit meinen Wünschen zusammen- 
stimmt. Will man sagen, daß auf einen groben Klotz ein 
grober Keil gehöre, so wird man doch wenigstens zugestehn 
müssen, daß der Keil nicht stärker seyn müsse als der Klotz, 
den er spalten soll; außerdem fährt jeder Schlag zur Hälfte 
oder ganz in den Arm des Schlagenden zurück. Auch im 
Streite, dünkt mich, darf man die Gerechtigkeit nicht hint- 
ansetzen. Das Publicum, welches den Xenien, aus Humanität, 
nicht aus Partheigeist, seinen Beyfall versagt, wird ihn den 
Gegengeschenken noch weit weniger ertheilen können. Der 
Muthwillen gewinnt leichter Partisane als der Zorn, und mit 
Muthwillen hätte gestritten werden sollen. Daß G. u. S. 
keine Schufte, keine Kärner, keine Pfuscher sind, muß ihnen 
die Welt zugestehn, wenn sie auch ihre Thorheiten, ihren 
Dunkel und Despotismus im höchsten Grade misbilligt. Wer 



' Bischof Friedrich Munter, geb. 1761 zu Gotha, gest. 1830 zu 
Kopenhagen, Bischof von Seeland, Professor der Theologie au der 
Universität Kopenhagen, Sohn des als Beichtvater Siruensees bekannten 
Dr. Balthasar Munter (1735—93), Superintendent zu Tonna, zuletzt 
Pastor an der deutschen St. Fetri- Gemein de zu Kopenhagen, Bruder 
der Schrifistellerin Friederike Brun, geb. Munter (1765— 1835), war 
drei Mal in Weimar. Vgl. über seine Beziehungen zu Goethe, Briefe 
VIII, 90, 152. Strehlke, Goethes Briefe I, 404. Münters Tagebücher 
sind in der Manuscriptenabtheilung der kgl. Bibliothek zu Kopenhagen 
aufbewahrt. 

* Original in der Dresdner Bibliothek (Böttiger-Sammlung). 



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Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe 1772— 1832. 117 

ihnen alle Ehre, alles Verdienst abspricht, wer sie als die 
letzten in dem Volke der Dichter und Kritiker behandelt, 
zeigt einen blinden Zorn. Was kann es für den Angreifer 
für einen sUßern Triumph geben, als wenn er sieht, daß sein 
Angriff einen so tiefen und schmerzhaften Eindruck gemacht 
hat, bey welchem alle Billigkeit vergessen und nur dem Ge- 
fühle der Beleidigung Raum gegeben wird? Er kann dann 
sicher erwarten, daß die Pfeile der Vertheidigung, im Zorne 
abgeschossen, meistens neben dem Ziele vorbeigehen werden. 
Ein anderer Grund, warum mir diese Art zu antworten mis- 
iällt, ist der, daß sie die Wunde unheilbar macht. Sollte 
man nicht bey einem jeden Streite an das Ende desselben 
denken und soviel möglich alles vermeiden, wodurch die 
Annäherung für das ganze Leben unmöglich gemacht wird. 
Ich für meine Person würde mir es nicht verzeihen, irgend 
jemanden eine Beleidigung zuzufügen, die er niemals ver- 
geben könnte. Nur eines einzigen Muthwillens bin ich mir 
bewusst, und dieser war ein act de justice für einen Freund 
gegen einen Mann, den ich verachtete. Und doch hat es 
mich in der Folge oft gereut. — Warum können wir nicht 
alle in Friede und Eintracht leben? Warum müssen sich Leute 
von Talent auf eine so schreckliche Weise anfeinden? Das 
Leben ist so kurz ; der Quellen des Genusses so wenig ; warum 
ist doch jeder so bemüht, dem andern das reine Wasser seiner 
Freuden zu verbittern und zu trüben? Tausendmal drängen 
sich mir diese Betrachtungen zwischen die Geschäfte, die ich 
treiben muß, und die ich größtentheils wider meinen Willen 
treibe. Kömmt nicht der meiste Unfug aus dem kritischen 
Unwesen, den gelehrten Zeitungen und dem gegenseitigen 
Unwillen der Schriftsteller und Rezensenten? 



4- 
Reinhard an Villers, ' 

Carlsbad ce 30 Juin, 1807. 

M. de Goethe, mon eher et estimable ami, a re9u avec 
beaucoup de plaisir Texpression de vötre souvenir que Mad. 
Reimarus nous avait charg^s de lui transmettre. En retour 
j'ai ä vous faire une proposition dont je ne saurais vous dire 
si c'est M. G. ou si c'est moi qui ai eu la premi^re idde et 
qui est tout ä fait digne du saint Apostolat auquel vous vous 
dtes ddvou^. J'entre en mati^re. 

Apr^ son retour du voyage d'Italie M. Goethe fut conduit 
par r^tude des arts et surtout de celui de la peinture ä 
s'occuper de la th^orie des couleurs. Par une de ses inspirations 

' Original in der Hamburger Sudtbibliothek. 

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Il8 Neue Mittheilungen. 



d'oü jaillissent toujours les grandes d^couvertes, 11 pressentit 
que la th^orie Newtonienne, tr^s-st^rile d*ailleurs dans son 
application ä la pratique, devait 6tre fausse. II ne tarda pas 
ä s'en convaincre. Son gdnie le conduisit ä des aper9us nou- 
veaux dont il publia une partie il y a dix ou douze ans. Mais soit 
que r^poque d'alors ne fut pas mure encore pour s'approprier 
cette d^couverte, soit que sa doctrine manquät encore de 
cette ^tendue, de cette pr^cision et cette coh^rence qu'elles 
a re9ues depuis, le public parut rester dans Pindiff^rence 
et la superstition des savans pour les formules qu'un grand 
maitre leur avait transmises ne fut pas ^branl^e. 

La th^orie des couleurs va reparaitre aujourdhui en corps 
complet de doctrine. La simplicit^ et T^vidence des principes 
ou plutöt des phenomenes primitifs dont eile part, la justesse 
et Tenchainement des cons^quences qu'elle en tire, Tiinmensit^ 
des faits qui tous s'y classent dans leur ordre naturel, frap- 
pent Pesprit d*une lumifere irr^sistible et dans le spectre 
variable des couleurs prismatiques eile a sü fixer la v^rit^, 
cette partie de Pouvrage est d^jä imprim^e. Une autre partie 
contiendra des recherches historiques sur les variations que la 
doctrine des couleurs a subies, sur les id^es, qu'on s*en est 
faites avant Newton, et sur Popposition sourde mais continue 
par laquelle de tr^s-bons esprits, surtout parmi les Fran9ois, 
ont contest^ Pempire ä la th^orie de ce dernier. Enfin la 
partie pol^mique d^montrera que Newton, arrachant de Pordre 
des faits un phenomene particulier dont il a m^connu la 
nature, partant du compos^ pour ne jamais arriver au simple, 
postulant des propositions fausses et se mettant en contra- 
diction avec Pexperience, a port^ la confusion dans cette 
matifere et que les Newtoniens, au Heu de linge blanc, seront 
condamnds ä porter d^sormais du linge gris. 

Si le r^sultat de la nouvelle doctrine n'aboütissait qu'ä 
cette bonne plaisanterie eile pourrait encore avoir un grand 
int^r^t, puisqu'en redressant une branche aussi importante, 
dont la fausse direction embarrassait toute la physique, on 
aurait rendu un Service Eminent ä cette science; mais peut- 
^tre PApötre des r^formes de la mdtaphysique et du Christia- 
nisme, trouverait audessous de lui de devenir celui de la 
r^forme de la chromatologie. Et cependant dans cette hypo- 
th^e m^me, cet ouvrage modble de clart^, de coh^rence, 
de richesse et d'exactitude en observations et en expdriences, 
prouverait encore que le nom de Goethe n'est point d^plac^ 
k cöt^ de celui de Kant et de Luther. . (R. spendet im 
Folgenden Goethes Arbeit das höchste Lob, sie eröffne die 
weitesten Perspektiven.) Cependant pour voiis prouver au 
moins que j'ai ^t^ dcolier attentif et docile, je vous envoyc 
le r^sumd d'une s^ance dans laquelle M. de Goethe m'exposa 



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MlTTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE 1 772— 1 832. II9 

ses id^es avant que je n^eusse lä son ouvrage. Si c'^tait la 
voie vivant teile que je Tai entendue, vous seri^ ddjä con- 
verti, VOUS seri^ d^jä Ap6tre; mais hdlas c'est la lettre qui 
tue. . . 

C. 5. [Caroline Schelling] an? 

München i8 Apr. 1808 
Was sagen Sie denn zu Goethes Fragment Elpenor? 
Liegt nicht alle seine Anmuth und Erhabenheit darinn, und 
lebendiger noch wie in Iphigenien? Der schöne Knabe ist 
frisch wie Morgenthau. Wenn er das noch vollendete. 



/^ Z. Stolberg an Friedrich Perthes {Datum unbekannt) (1812)} 

Senden Sie mir doch den 2i!2 Theil von Goethes 

Leben, den ersten habe ich mit dem grössten Interesse in 
Carlsbad, wo ich ihn selbst fast täglich sah, gelesen. Er war 
gegen mich in hohem Grade freundschaftlich. Vom vorigen 
war, wie Sie denken können, nicht die Rede ; sowie es auch 
mich nicht störte, dass ich gerade dort die Xenien wieder las. 
Bey mir oder bey meiner Frau entfiel ihm nie ein irreligiöses 
Wort, vielmehr gab er manche Äußerungen, die man ihm nicht 
zutrauen sollte. Unter Anderm sprach er ganz vortrefflich 
über Jacobi's letzte Schrift. Er sah überaus wohl und kräftig 
aus, litt aber einige Tage an fürchterlichen Krämpfen im Unter- 
leibe, von denen man besorgt, daß sie ihn auf Einmal über- 
fallen und tödten können. Sie haben mich auf den 2ten Theil 
des Lebens sehr aufmerksam gemacht. 

7- 
Manso an Fr, Raumer ip, Aug, 4 Dez, 1821, 6 Dez, 1822. * 

Um mich von dieser lästigen Arbeit zu erholen, habe 
ich zwischenein Meisters Wanderjahre gelesen. Ein Kunst- 
urtheil vermag man freilich noch nicht zu fällen. Es ist alles 
bunt durch einander geworfen, angelegt, angedeutet, nicht 
gelöst. Aber das Buch ist höchst anziehend d. h. es ist, 
wenigstens im voltairischen Sinne ein vortreffliches Buch und 

' Original im Besitz des Herrn Gymnasiallehrers Prof. Dr. Perthes 
in Bielefeld: 

' Hier aufgenommen, obwohl schon (bei Lebzeiten Goethes!) 
gedruckt, Schles. Provinzialbl. 1829, Bd. 89, S. 355, J65, 552, weil die 
Aeußerun^en völlig unbeachtet geblieben sind. Anaere Bemerkungen 
Mansos smd von mir mitgetheifi in Ztschr. d. Ver. f. Gesch. u. Alt. 
Schlesiens 31 (1897), S. 48, 51, 73, vgl. S. 19. 



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I20 Neue Mittheilungen. 



dabei so reich, so reich an schönen Bemerkungen, daß man 
sie auf der Stelle auswendig lernen möchte. Eine dergleichen 
tlber Genie und dessen Unterwerfung unter die Regel S. 309 
kann ich wirklich recitiren. 

Nachher sind gelesen worden : Meisters Pseudo- 

Wanderjahre. Ich glaube gern, daß sich Goethe dieses Mit- 
arbeiters nicht freuen kann, aber sich dessen zu schämen hat 
er keine Ursache. Nur mit seinem Urtheile tlber Goethe 
selbst muß mir der Ungenannte vom Halse bleiben. Das 
ist keine Kunst, Jemanden zu tadeln, ja ihn zum Hunde zu 
machen, wenn man einen Maßstab anlegt, den der Getadelte 
weder anerkennt, noch anerkennen kann. Und läuft da nicht 
zuletzt das ganze Urtheil darauf hinaus, daß Goethe die Welt 
und die Menschen dargestellt hat, wie sie sind, nicht aber 
Ideale aus ihnen gemacht, wie der Anonymus will. Auch fehlt 
es nicht an künstlich versteckten Sophismen und Sophistereien, 
die aufzudecken keine große Mühe kostet. 

.... Ich unterschreibe, was hier (in Tiecks »Verlobung«) 
im Ganzen, wie im Einzelnen namentlich über die Mißhand- 
lungs Goethens gesagt wird. Diese allgemein einreißende 
Frömmelei ist wahrlich die traurigste Erscheinung der Zeit und 
der größte Schandfleck, daß Pustkuchen und, um das Maß der 
Schande voll zu machen , der junge Schütz ihr Publikum fanden. 



II. THERESE HUBER ÜBER GOETHE 1783—1824. 

Die nachfolgenden Briefstellen sind folgenden Quellen 
entlehnt: Die Briefe an Böttiger der Königl. öffentlichen 
Bibliothek in Dresden, die an Usteri dem Usterischen Familien- 
archiv in Zürich im Besitze des Herrn Oberst Meister daselbst, 
die von Cotta dem Cottaschen Archiv in Stuttgart; dem Vor- 
stande der ersten und den Besitzern der beiden letzteren 
Sammlungen sage ich auch an dieser Stelle meinen besten Dank. 
Die Briefe an Reinhold, holländischen Gesandten in Hamburg 
später Rom (vergl. Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 28 
S. 80—82) und alle übrigen befinden sich in meinem Besitz. 

Die bedeutende Frau, die hier zum Worte kommt, gehört 
zu den wenigen goethereifen Zeitgenossinnen. Gesehen und 
gesprochen hat Therese Goethe dreimal. Das erste Mal in 
Weimar als junges Mädchen am Anfang der Schweizer Reise, 
die sie mit ihrem Onkel Blumenbach und dessen Frau machte 
(vergl. die Mittheilung Leitzmanns im »Euphorion« Band I 
Seite 73 ff"., besonders Seite 74 fg.), dann September 1785, als 
sie mit Forster ihrem neuen Bestimmungsort Wilna zureiste. 
Forster schreibt an seinen Schwiegervater Heyne, Halle 19. Sep- 
tember 1785: (auch diese Stelle ist von Leitzmann gedruckt, sie 



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MlTTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE I772— 1832. 121 

mag hier aus dem Original, das in meinem ßesitz sich befindet, 
wiederholt werden) »Goethe gab uns des Abends ein griechi- 
sches Abendmal, wo außer uns beiden nur noch Herder und 
seine Frau nebst Wieland und Mamsell Amalie Seidler zugegen 
waren. Sie können denken, daß unter solchen Menschen der 
Abend früh hingieng und mich freute es sehr, diese 3 vorzüg- 
lichen Männer auf einen so freundschaftlichen Ton unter ein- 
ander gestimmt zu sehen, zu bemerken, daß sie sich aufs Wort 
sogleich verstanden, und daß die Verwandschaft ihrer Studien 
sie einander näher gebracht hatte, denn freylich ist Weisheit 
des Alterthums und griechische Eleganz ihnen allen geläufig, 
ihrer aller Muster.« Das dritte Mal begrüßte sie Goethe 1792 
in ihrem damaligen Wohnorte Mainz. Dagegen vermied sie es, 
als ihre Tochter Frau Louise von Herder im Jahre 1827 von 
Arnstadt aus Weimar betrat und Goethe besuchte, Goethe zu 
sehen, weil sie, wie sie schrieb, »an dem Anschauen der Trüm- 
mer keinen Gefallen fand.« 

Während Therese häufig das Bedürfniß fühlte, über Goethe 
zu reden, hat dieser sich, soviel ich sehen kann, über Therese 
weder in Briefen noch in Gesprächen ausgesprochen (vgl. 
dagegen unten 13. Mai 1821.) In letzteren wird sie gar nicht 
erwähnt, in den Briefen an Forster erhält sie zweimal 1789 
und 92 je einen kurzen Gruß (Weimarer Ausgabe Briefe IX 
313, XVIII 40). Bei der Schilderung seines Mainzer Aufent- 
haltes (Campagne in Frankreich) erwähnt Goethe bei einer 
Beschreibung der zwei wahrscheinlich in Sömmerings Hause 
zugebrachten Abende auch Forsters, aber der Hinweis auf 
die Vertrautheit der Betreffenden mit des Dichters Mutter 
kann sich grade auf Therese gewiß nicht beziehen. Düntzers 
Verrauthung (»Goethe und Karl August« S. 89), daß diese Stelle 
mit Benutzung von Hubers Brief an Körner 24. August 1792 
(Hubers Werke, Tübingen 1806, Band I, S. 441 ff.) geschrieben 
sei, hat viel für sich, von Huber aber wurde Therese begreif- 
licherweise nicht erwähnt. Sicher ist sodann, daß Goethe die 
von Therese geschriebene Biographie Hubers las, er sagte über 
sie ein kühles Wort (vergl. die Zusammenstellung in den 
Westermannschen Monatsheften 1897 Febr., S. 719). 

Therese las Goethes Werke während ihres ganzen Lebens 
und urtheilte in ihren zahlreichen Briefen über das Gelesene. 
Diese Urtheile machen den Eindruck, daß es sich nicht um 
eine flüchtige Leetüre, sondern um ein Mitleben mit dem Autor 
handelt. Die nachfolgenden Stellen über Faust dürften unter 
den damaligen brieflichen und Öffentlichen Urtheilen geradezu 
einzig dastehen, und gewiss ist es überaus selten, daß schon 
damals eine den eigentlichen Goethekreisen fernstehende Frau 
die Schönheiten der Achilleis entdeckt. Mit ihren persönlichen 
Verbältnissen und Empfindungen mag das Verständniß für die 



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122 Neue Mittheilüngen. 



Wahlverwandtschaften zusammenhängen; der Spott, den sie 
bei dieser Gelegenheit gegen die Schwestern F. H. Jacobis 
austheilt und der in ihren Briefen vielfach wiederkehrt, hängt 
nicht blos mit ihrer Erbitterung gegen das Altjüngferlich - 
zimperliche dieser Frauen zusammen, sondern wird zum llieil 
erklärt durch eine Kränkung, welche Therese durch jene 
Schwestern in Pempelfort (1790) erfahren hatte. Vor allen 
Dingen aber scheint mir in diesen Urtheilen Folgendes über- 
aus bemerkenswerth : der geschichtliche Standpunkt, von dem 
aus Therese eine dichterische Entwickelung Goethes sich 
construirt und in dieser Entwickelung das Kleinere neben das 
Größere stellend auch jenem Ersteren trotz aller Kritik seinen 
Platz anweist; sodann die jener Zeit durchaus voraneilende 
Forderung, das Studium der deutschen klassischen Literatur 
zum Gegenstand akademischer Vorlesungen zu machen. Wenn 
sie hierbei auch Schiller erwähnt, so ist freilich zu bemerken, 
daß sie sonst gegen Schillers Person eine durch sein Benehmen 
gegen Huber erklärliche entschiedene Abneigung und ftlr seine 
Werke, nicht blos seine dichterischen, sondern auch seine 
historischen (vgl. den Brief an Reinhold 1809, aus dem unten 
eine Probe mitgetheilt wird) nicht einmal das richtige Ver- 
ständniß zeigte. 

Diese Goethereife Theresens muss besonders merkwürdig 
genannt werden aus folgenden 4 Momenten: erstens weil sie 
eine Zeit wichtiger innerer Entwickelung in Frankreich bezw. 
der französischen Schweiz zugebracht und sich wie der deutschen 
Sprache so auch der deutschen Literatur entfremdet hatte, 
zweitens, weil sie seit den Xenien und zum Theil durch sie vor- 
eingenommen gegen Goethe sein konnte (vgl. dafür eine dem- 
nächst zu veröffentlichende Miscelle »Huber und die Xenien«), 
drittens, weil sie damals 1 808 ff. hauptsächlich in einem kleinen 
Dörfchen, fern von den Mittelpunkten der Literatur lebte, in 
denen sich die begeisterte Stimmung für die Schriftsteller leicht 
von Einem dem Anderen mittheilte, und viertens, weil sie durch 
ihre Hauptcorrespondenten in dieser Vorliebe für Goethe in 
keiner Weise unterstützt wurde, denn Böttiger war ein Nörgler, 
der, wenn überhaupt, nur unwillig Goethe anerkannte. Reinhold 
ein begeisterter Verehrer Schillers, der, wie aus einer der 
folgenden Aeußerungen hervorzugehen scheint, für Goethe 
nicht das rechte Verständniß besaß und Usteri war in fran- 
zösischer Bildung befangen und mochte, wenn überhaupt für 
deutsche Bildung empfänglich, doch wohl zu denen gehören, 
die mehr an der älteren als der neueren Literatur Freude fanden. 

Die nun folgenden Mittheilungen aus den mir vorliegenden 
Briefen der Therese mögen zugleich den Fachgenossen als 
Vorläufer für umfangreiche Veröffentlichungen aus diesen 
Briefen dienen. L. G. 



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Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe 1772— 1832. 123 

Therese Heyne an ihre Eltern, 

[Nürnberg Mai 1783.] 
Des Nachmittags besuchten wir einen Herrn v. Knebel 
und seine Frl. Schwester, ein liebenswürdig sanftes Mädchen ; 
er ist mit bei der Kreis Versamlung, sein Vater ein ehr- 
würdiger Greis, ist Gesander von Anspach. Wir dranken 
Thee bei ihnen, und gingen dann in einer größeren Gesell- 
schaft auf den Kirchhof, Albrecht Dürers Grab zu sehn. Ich 
habe Raute von seinen Grabstein mitgebracht. Der junge 
H. V. Knebel ist interesanter Mann, der aber den Professor 
Böhmer ähnlich sieht, Tante findet eben die häßliche Aehnlich- 
keit, da aber Blumenbach den Narren in ihm gefressen hatte 
sauf le respect que je lui dois, so wolten wir nicht mit 
unßrer Bemerkung heraus rücken, endlich da wifs thaten 
wurd er bitter böß .... Herr v. Knebel ist ein sonderbarer 
Mann, nun wohl 40 Jahr, was er bekleidet für ein Amt 
ist nicht heraus zu bringen, er war lang Preußischer Offizier, 
und ist nun Haubtmann in Anspachschen Dienst wo er auch 
wohnt aber jezt mit den Kreis gesanden hier ist. Er muß 
sonderbare Schicksale gehabt haben, aber recht mag ich ihn 
nicht, er hat so etwas schwermüthiges, unruhiges als hätt er 
ein böß Gewissen, dann scheint er mir zu geniemäßig, bald 
füllt sich sein Auge mit Trähnen und sieht sanft, bald sieht 
er streng und wild, denn steht er auf und geht einmahl hastig 
die Stube hinab, seufzt tief und gebrochen, sezt sich wieder 
und ist heiter. Seine Schwester ist auch sanft und Schwer- 
müthig, sie lieben sich zärtlich, die Eltern die sehr alt sind 
lassen die Beiden viehl allein. Gut muß er sein, er geht 
so sanft mit seinen Bedienten um, sie scheinen ihn so zu 
lieben. Es ist ein unzusammenhängender, sonderbarer Mann, 
ich möchte ihn näher kennen, doch gesteh ich daß mir sein 
so schnelles simpatisiren mit Blmbach macht mir die Sache 
verdächtig (sie). Er laß uns den Abend die Iphigenie vor, ein 
neues Trauerspiel von Göthe, daß nie gedruckt wird werden 
so lang Göthe lebt, n. b. er ist ein vertrauter Freund von 
Göthe. Es ist ein ganz außer orndlich schön Stück, aber 
nicht das Opfer der Iphigenie, sondern Iphigenie in Tauris, 
als Priesterin der Diana bei den Scythen. Wir brachten den 
Abend sehr angenehm, beinah empfindsam hin, Knebel liest 
sehr schön beinahe zu schön, und da er selbst eine Haubt- 
rolle in den Stück gespielt da es bei der ersten Niederkunft 
der Herzogin von Weimar ist vorgestellt worden, so könnt 
er es mit viehlen Ausdruck leßen. Wir aßen bei den jungen 
Leuten und schwazten recht vernünftig. 



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124 Neue Mittheilungen. 



Therese Huber an Usteri, 12. Juni 1808. 

Von der Messe weiss ich noch nichts Neues; von der 
vorigen las ich wenig und nichts Tröstliches in schöner 
Literatur. Ich las dem Hr. Klingemann seinen M. Luther 
und Heinrich den Löwen. Ein Narr wie Werner ist Klinge- 
mann nicht, aber das macht ihn dennoch zu keinem Dichter. 
Als sehr schlechten Spaß nennen wir ihn Klappmann, weil 
seine Dramen hölzern und klanglos sind. Den ganz närrischen 
Isidorus Orientalis seinen Guido las ich auch I Des erbarm 
sich Gott, und auch des Recensenten im Morgenblatt, der 
sich nicht getraut dem Knaben den Kopf zu waschen, son- 
dern dem Herrn Grafen (der Geck ist ein Graf Loben) die 
Pille verzuckert. Wo sind die Menschen, aus denen je ein 
Goethe, Herder, Schiller, Wieland sich bilden wird? Wie 
däucht Ihnen Goethes Faust, soweit er nun da ist? nicht als 
Drama, nicht als geregeltes Kunstwerk, aber als Frucht eines 
Geistes? ist da nicht Kunst und Natur erschöpft? ist nicht 
das Weh und das Glück des Menschen darin erschöpft? 
Eben so zeugt der Anfang der Achilleis von dem Reichthum 
dieses Mannes. Ich glaubte, sein Geist sei erschöpft, die 
Natürliche Tochter hatte mich hoffnungslos gelassen, ich 
dachte, er sei endlich in einer Manier zu Grunde gegangen, 
so nahm ich den Faust recht furchtsam in die Hand, die 
Achilleis mit Widerwillen und der Reichthum in beiden war 
mir eine neue Schöpfung, ja die Eugenie tritt nun als Glied 
in die Kette seiner Schöpfungen ein, als Blume im Kranz, 
sie beleidigt mich nicht mehr als letzter kraftloser Trieb 
oder ausgearteter Schoß. Da habe ich auch den Groß- 
kophta wieder gelesen, seit seiner Erscheinung zum ersten 
Mal. Der Mensch ist ein Gott in sich, er wirkt fort und 
verbreitet sich über alles, in sich macht ihn das reich, die 
Wirksamkeit von ihm abgerissen ist sich aber nicht stets 
gleich. So wollte ich, der Teufel hätte alle die Gelegenheits- 
gedichtchen geholt. 

An Emil v, Herder. 
18. Aug. 1808. Ich las gestern Faust — mir wirds immer 
wahrscheinlicher, daß in Goethe die Idee liegt, Faust aus 
Mephistopheles Banden frei zu machen. Es scheint mir in 
des Herrn Gespräch mit Meph. zu liegen. 

An Böttiger, Göttingen 18 Sept. 1808. 

Wie gütig war es von Ihnen bei einer der schönsten Er- 
scheinungen unsrer Litteratur an mich zu denken — Sie sprachen 
mir von Goethes neuem Faust. Alles was Sie sagen unter- 
schreibe ich mit vollem Herzen. Mir wars, indem ichs las, wie 



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MlTTHEILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE I772— 1832. IIJ 

es Noah sein mogte in seiner Arche da er den Regenbogen sah : 
So lebt der alte Gott noch! Der Geist, der den Faust schuf, 
kann also noch unter den Menschen wandeln. Mir däucht: 
die reichen Zusäze selbst, müssen aus ganz verschiedenen 
Zeiten sein, und ich kann das Gedicht noch nicht für beendigt 
halten. Lächeln Sie nicht I ich glaube aber Faust besiegt noch 
das Böse — es sind einige Winke in dem Gedicht selbst, be- 
sonders im Gespräch zwischen Mephistofles und dem Herrn, 
die mich das ahnden lassen. Allein wie darf ich mich daran 
wagen über ein solches Werk mehr wie meine Freude zu 
äußern ? Ich werde durch so eine Schöpfung im eigentlichen 
Verstände glücklicher. Es ist nicht nur das Gedicht; es ist 
des Menschen Geist der da gemahlt wird, es ist der welcher 
dichtet, und von dem Geist zum Urquell der Geister, hebt 
sich mein Gemüth so leicht — und welcher Weg kann leichter 
sein als dieser? — Und der erste Gesang der Achileide? 
freilich Sie Genosse des erhabensten Alterthums, Sie finden 
vielleicht da Schwächen wo ich meine alten Götter nur wieder 
erkenne, nicht in Homerischen, aber in göttlichen Glanz — 
wie wünsche ich daß Goethe diese Achileide vollende! ich 
hoffe es kaum — doch vielleicht vermag es Goethe über dieser 
Zeit und dieser Welt, ganz in seiner Heroen Welt zu leben. 

An Reinhold, 

25 Okt. 1808. 
Wenn Sie wünschten, daß bei Goethes Gedichten mehr 
Auswahl getroffen sein möchte, so stimme ich völlig darin ein. 
Die Scheidung war nur schwer zu machen, wenn man nicht die 
Frage stellte: ist eine solche Sammlung dazu bestimmt, den 
Dichter zu verewigen oder ist sie zugleich die Geschichte seines 
Dichtergeistes ? Im ersten Falle würde nach meinem Be- 
dünken, die Singspiele, die Gelegenheitsdramen und -Gedichte, 
ein Theil der kleinen Poesien, gar Vieles wegfallen, mit Erlaub- 
niß auch die natürliche Tochter und der Großkophta. Aber 
ist es das letzte, so hat Alles und Jedes einen Werth, so wie 
es der Fall ist, wenn ich die Handzeichnungen eines Malers 
sammle. Wirklich gleichen Goethes vernachlässigste und gleich- 
gültigste Dinge dann der Linie, die ... . wie hieß der Maler? 
in Apelles' Werkstatt zeichnete. Einen Vorzug haben doch 
Goethes schlechteste Geistesgeburten, — daß aber der arme 
Leser, der keine YMusigeschichte, sondern Kunst sucht, alle 
den Überfluß bezahlen muß, das ist treulos. 

An E, von Herder. 

15. Nov. 1808. 
Du hast Goethe mitgenommen, aber Schiller nicht? — 
ich lese den Kindern Wallenstein vor und möchte. Du wärest 



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126 Neue Mittheilungen. 



da und ich hätte ihn mit Dir gelesen. Wie ich über das 
Ganze als Tragödie denke, weißt Du leicht, aber Stellen 
ohne Zahl möchte ich mit Dir lesen. Findet sich in Deiner 
Gegend ein Schiller, so ließ ihn doch in den nächsten 
Abenden, um mich tiberall zu errathen. Du wirst dann ver- 
stehen, warum ich heute mit einer lebhaften Strenge selbst 
meine theuersten Wünsche richte, meine Gefühle prüfe, ob 
nichts in ihnen mir selbst zur Nemesis werde. 

An ihre Tochter Therese, 

Undatirt, jedenfalls 1809. 
Goethes Wahlverwandtschaften könnten gewissermaßen, 
als ein Nebenstück zu Goethes Werther angesehen werden, beide 
zeigen uns Menschen zu deren Leidenschaft sich das Schicksal 
gleichsam zugesellet, um sie ihrem bessern Wissen und Wollen 
zum Trotze, ins Verderben zu ziehen. Er deutet dabei auf 
eine sehr leichte sinnreiche Weise den chemischen Prozeß, nach 
welchem homogene Materien sich vermischen, heterogene nie 
verbunden werden, endlich aber sich unähnliche durch ihre 
Verbindung sich selbst zerstörend im Aether aufsteigen durch 
gewaltsame Auflösung als auf physischen Text seiner psycho- 
logischen Geschichte. Die Diction ist wieder so leicht, so 
einfach, die Gruppen so abgerundet, so lebendig, und die 
Farben von einer Lebendigkeit, daß man immer glaubt eine 
italienische Landschaft zu sehen, die kein Duft einhüllt. 
Lebensweisheit und . Lebenskraft, Ruhe und Herrschaft atmet 
in dem ganzen. Gegen das Machwerk, das Ausfüllen der 
einzelnen Theile wäre wohl noch manches zu sagen, allein die 
Schönheit der ganzen Erscheinung tiberwiegt diese einzelne 
Un Vollendung. Ein Paar junge Leute von Stande liebten sich, 
Umstände verhinderten ihre Verbindung, trieben den Mann 
in der Welt herum, verbanden das Mädchen mit einem alten, 
reichen Mann. Nach, wie es scheint 10 Jahren, finden sich 
beide frei wieder, Charlotte sehr reich, mit einer Tochter, 
Wittwe. Sie verbinden sich, glauben vollkommen glücklich 
zu sein, wollen nur sich genießen, die Tochter und ein geliebtes 
Pflegekind Charlottens Ottilie wird in eine Pension gethan. 
Das liebende Ehepaar lebt allein auf dem Lande. Nach einem 
Jahr vielleicht fühlen sie gegenseitig Leere. Nach mancher 
Diskussion, bei der Charlotte viel Sorglichkeit äußert, willigt 
sie ein, einen Jugendfreund Eduards als Hausgenoß aufzu- 
nehmen, Bald nachher dringt, Eduard, der seiner Frau eben das 
Glück wünscht, was ihm im Umgange mit seinem Freunde ward, 
darauf, daß Charlotte Ottilien wieder zu sich nehmen soll. 
Eduard und Charlotte sind nun heterogene Wesen die sich 
mißverstehend selbst durch den genauen Verein der Ehe nicht 
verbunden werden konnten (wie Essig und Oel nicht durch 



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MiTTHBILUNGEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE I772— 1832. 12/ 

Schütteln, sobald sie ruhen trennen sie sich) Charlotte und 
der Hauptmann vereinen sich innig ohne Streit, Eduard und 
Ottilie strömen ineinander, verzehren sich durch zu innige 

Vermischung und steigen zum Aether auf Eduards 

ungestüme Liebe zu Ottilie, Charlottens Mut ihrer Liebe für 
den Hauptmann zu widerstehen, Eduards Schritte zur Schei- 
dung, Charlottens edle Einwilligung, wie die Umstände sich 
ändern, ihre Beharrlichkeit sie zu vermeiden, ihre einfache 
Anerkennung in dem Hauptmann ihr Glück zu finden, Ottiliens 
Vergessen aller Pflichten bis sie ihre Verletzung erkennt und 
ihr langsamer freiwilliger Tod aus Schmerz und Hunger — 
alles ist zauberisch wahr, lebendig, sanft, furchtbar. In einer 
Nacht wo Charlotte auf das schmerzlichste an den Hauptmann 
denkt, Eduard im Begriff ist Ottilien aufzusuchen, führt der 
Zufall die Gatten zusammen, beide verirren sich und die Frucht 
dieser Nacht ist ein Sohn, welcher alle Züge des Hauptmanns, 
aber Ottiliens Augen in schreckenvoller Ähnlichkeit trägt und 
ein Hindernis der Scheidung für Charlottens Gefühl wird. 
Ottilie ist die liebende Pflegerin dieses Kindes, an einem Abend 
wo sie nach langer Trennung Eduard wiedersieht, kehrt sie mit 
dem Kinde auf dem Arm zitternd nach Hause. Gegen Char- 
lottens Verbot rudert sie sich über einen Teich, den sie häufig 
allein beschifft. Der Kahn schwankt, das Kind fällt ins Wasser, 
Ottilie ergreift es, fällt aber im Kahn um, kann sich nicht 
schnell aufrichten — das Kind ist todt — die Scene ist schauder- 
lich wie Ottilie, mit dem todten Kinde an der Brust mit der 
sie es erwärmen will, ohne Ruder auf dem einsamen Teich 
schwankt, wie sie es endlich aufs Schloß bringt und Charlottens 
Fassung bei der schrecklichen Begebenheit fast zu groß — 
ob ich es mir gleich denken kann da die traurige Ähnlichkeit 
das arme Geschöpf wunderbar brandmarkte. — Ich dächte 
nun Ihr ließet Euch diese Wahlverwandtschaften bald kommen.* 



' In demselben Brief kommt Folgendes, das wenigstens in einer An- 
merkung mitffetheilt werden soll, vor. (Die folgende Stelle ist französisch, 
ich gebe sie nier in deutscher Uebersetzung.) Therese hatte ihre Tochter 
nach Lindschoten in Holland gebracht und reiste mit Herrn von Stryck, in 
dessen Hause ihre Tochter lebte, zurück. Bei dieser Ruckreise kamen 
sie durch Cleve, mussten ihrer Pässe wegen warten und Therese erzählt 
nun das Folgende: »Herr von Keverberg begünstigt die Errichtung 
eines Denkmals zu Ehren der Johanna Sebus, einer Bäuerin aus der 
Nähe von Cleve, die in den Fluthen unterging, als Opfer ihres Eifers, 
mit dem sie das Leben einer Frau von B. und deren Kinder rettete. 

Johanna wohnte mit ihrer alten Mutter in einer Hütte, die von den 
luthen überschwemmt war. Die Mutter war durch Rheumatismus 
gelähmt, unfähig der Gefahr zu entfliehen. Johanna lud sie auf ihren 
Rücken und durchschritt mit ungeheurer Anstrengung die Wellen, die 
ihr bis zum Knie reichten. Sie vermochte sie 200 schritt auf einen 
Damm zu tragen, wo mehrere Unglückliche eine Zuflucht gefunden 
hatten, setzte sie auf die Erde, umarmte sie, drückte ihr einen Kuß 



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128 Neue Mittheilungen. 



An Reinhold, 

14. December 1809. 
Die Wahlverwandtschaften las ich auch. Nun? wem 
blickte denn der Mensch in's Herz, in dem es grad wie in 
meinem innersten Herzen aussah? — wie vieles ist da deutlich 
ausgesprochen das ich längst geahndet, ja gedacht hatte. 

An Böttiger. 

20. Dez. 1809. 
Und Goethes Wahlverwandschaften ? — Mir tönte bei 
dem Nachdenken über diesen Geist, Händeis: Bachus ever 
young and fair — aus dem Alexanderfest in das Ohr. Aber 
die sittsamen Leute — die schreien! Jakobis Schwestern 
meinen »ihr Bruder würde sich schämen so ein unanständiges 
unsittliches Buch geschrieben zu haben« — und so meint 
auch der sehr sittliche Verfasser von den Reisen im Südl. 
Frankreich, ThUmmel — Ja mein werther Herr! das sind 
Wächter Zions! — 

An üsteri, 

18. Februar 1810. 

Ich habe einen Trieb zum Besseren in mir, der mit 

meinen Fähigkeiten nicht im Gleichgewicht ist, indem ich 

schreibe, kann der Gegenstand mich so interessiren, daß 

mein Gefühl über meine Forderungen an Schönheit, Wahrheit, 



auf die Stirn und zeigte einen entfernten Hügel, auf den Frau v. B. 
mit ihren 3 Kindern sich zurückgezogen hatte. Alle Welt beeiferte sich 
Johanna zurückzuhalten, die Wellen tosten in dem Räume, der sie von 
dem verhingnißvoUen Hügel trennte, man sagte ihr ihren Untergang 
voraus. Sie entriß sich aber aus den Armen, die sie zurückhalten 
wollten, stürzte fort, kämpfte durch die Wogen und gelangte zu der ent- 
setzten Mutter ; die Rückkehr wurde ihr jedoch abgeschnitten, die Wellen 
vermehrten sich zusehends, das Wasser stieg bis zum Gipfel des Hügels, 
die Wellen umspülten die kleine Erhöhung. Frau v. B. sieht den un- 
vermeidlichen Tod, umhüllt den Kopf ihrer \ Kinder mit ihren Kleidern 
und stürzt sich mit ihnen in den Abgrund, der sie verschlingt. Johanna 
bleibt allein. Man sah sie von dem benachbarten Hügel, ruhig, mit 
gefalteten, aber nicht zu der himmlischen ihr bestimmten Wohnung, 
erhobenen Händen, wie sie das unentrinnbare Nahen des zerstörenden 
Elements beobachtete. Man sah sie wanken, als die erste Welle sie 
erreichte, sie erhob ihre Arme und die zweite umhüllte sie mit den 
Schatten des Todes. Keverberg hat eine Subscription eröffaet, durch 
die man ihr ein Denkmal auf dem Gipfel des Hügels, dem Schauplatz 
ihrer heroischen Ergebung, errichten will, es soll eine sehr einfache 
Inschrift erhalten: ihren Namen und etwa Folgendes: »ward das 
Opfer ihrer Menschenliebe, Menschen dankt ihr und folgt ihr nach«, 
und ein Basrelief, das einen Rosenbaum auf einem Hügel darstellt, den 
die Wellen zu bedecken im Begriff sind. Diese Idee ist poetisch schön, 
aber sie widerstrebt der Plastik, welche die Bewegung nicht darzustellen 
vermag. Goethe hat die That erfahren und hat sie durch Verse un- 
sterblich gemacht, die ich Euch schicken will, sobald ich sie erhalte.« 



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Aus Briefen der Therese Huber. 129 

Klarheit das Uebergewicht hat, nach der Hand sehe ich mich 
in meiner ganzen Blöße. Lese ich dann nun so einen Goethe, 
so bin ich so froh, so leicht, daß ich doch zu fühlen, wenn 
auch nicht zu leisten vermag, was ich als das Rechte erkenne. 



Ja noch über Goethes Wahlverwandtschaften. Der Mann 
hat Herz und Nieren erforscht und mit der schaudervollsten 
Wahrheit sie dargestellt. Die Materialien nahm er willkürlich, 
das Gebäu führte er auf, ohne nach Regeln zu fragen, und 
sein Publikum nichtachtend und auf die Deutungsgabe einer 
kleinen Zahl rechnend, gebrauchte er am Schluß Maschinerien, 
die nur symbolisch verstanden werden können. Die vielen 
Briefe darüber könnten es Einem verleiden. Die Jacobische 
Schwesterschaar schreit gegen Unsittlichkeit, da möge sie die 
Hand im Busen stecken, ich sage, das ist wahr und im 
Menschen lebt eine ewige Kraft, welche die Nothwendigkeit 
in sich aufnehmend sie entkräftet, — und welche Diction, 
welche Details. 

An Reinhold, 

19. Februar 1810. 
Mit den Wahlverwandtschaften ists mir dann gegangen 
wie mit der Bitterkeit gegen Lindschoten. Ich habe gegen 
Sie nur gelobt weil Ihnen so wie mir die Mängel nicht ent- 
gehen konnten. Ueber das vornehme Verruchtsein und ver- 
ruchte Vornehmsein' nicht Ihrer Meinung. Um diese Ver- 
kettimgen der Schicksale, diese Verirrungen der Einbildungs- 
kraft zu schildern, konnte er nicht below Stairs bleiben. Bei 
einem Logis über 3 Stiegen, wenn die Frau die Eyer selbst 
einkauft und der Mann erst in die Wirklichkeit versetzt wer- 
den soll, nimmt das Gute und Böse eine andere Gestalt an; 
diese Willkühr und diese Nothwendigkeit trägt sich above 
Stairs zu — Verruchtheit? — ist das Geschilderte innerhalb 
den Bedingungen der Wahrheit und der Schönheit, so ist 
keine Verruchtheit darin. Die völlige Rücksichtslosigkeit im 
Mechanischen ist wohl nicht der Eile schuldzugeben, sondern 
andern Ursachen — entweder gehts Göthen jetzt mit dem 
mechanischen wie mir mit manchem Detail weiblicher Arbeit — 
ich mache das Schwerste, aber überfahre das geschniegelte — 
gebe mich gern nur mit großen Massen ab — oder er macht 
sich einen Spaß mit dem Thier, Publikum — sobald man 
das nicht heilig hält wegen dessen was es sein sollte, ist kein 
Spott den es nicht verdient für das was es ist. Der Mensch 
Göthe? — was meinen Sie denn vor einen Menschen? den 
mit welchem Göthens Beichtvater zu thun hat ? Der Mensch 
der sich uns offenbarte von Götz von Berlichingen bis zu 



' 2—3 Worte unleserlich durch das aufgeklebte Siegel. 

Gobthi-Jahkbuch XVm. ^ 



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130 Neue Mittheilungen. 



den Sonetten die noch nicht gedruckt werden dürfen, ist ein 
Stral der Gottheit, vor deren Urquell ich meine Knie dankend 
beuge. Sonst weiß ich vom Geheimerath Goethe manches 
Gutes, und der Geheimrath Goethe weiß von den Menschen 
n.anches Schlechte. In Mephistofies hätte er sich wohl zur einen 
Hälfte recht deutlich geschildert, und solcher Mephistofies Stun- 
den ist sich wohl mancher wackre Mensch bewußt. Bewußt — 
denn unbewußt möchten sie den braven Menschen verunzieren. 

An Efnil von Herder (1810) und 14. Juli iSio, 

Lässt Du dich denn zuweilen zum Morgenblatt herab ? — 
Denkst Du nicht, nun hätte es das arme Publikum gerade 
satt mit Urtheilen über die Wahlverwandtschaften? Solche 
Platitüden haben für mich eine ganz eigne Wirkung, die ganz 
mit der des sei volatif auf die Nase zu vergleichen ist — 
Lustigkeit und Zorn über Schreiber, Drucker und Leser 
emoustilliren mich ganz kindisch. Wie Goethe lächeln mag, 
wenn er solches Zeug liest! — mir fällt immer die Allver- 
herrlichung des Dalailama ein — Kann man denn für das 
wirklich Große lebhaft empfinden, wenn man gar nicht zu 
sehen im Stande ist? 

Ich las etwas, in dem, bei dem muthwilligen Zusammen- 
reihn der ungeordnetsten Fantasie herrliche GeistesblUthen 
zerstreut sind. Ein toller Roman von Arnim [Gräfin Dolores]. 
Ich weiß nicht ob Goethes Wahlverwandtschaften ihn ver- 
anlaßten, als Persiflage oder Nachahmung? Der Schicksals- 
gang ist derselbe, aber eben so geregelt wie Goethes Stoff 
dem Meister stets unterthan ist, eben so meistert Arnims Stoff 
ewig seinen Geist, aber dieser ist so lebendig, daß ich oft 
irre werde, ob er hingerissen oder verderbt ist. Die Lebendig- 
keit der Darstellung ist glühend — aber es sind die Bilder 
einer Zauberlaterne und unter diesem Chaos sind Betrachtungen, 
deren Tiefe und Milde sonderbar ergreifen. Das alles nun 
mit einem Wust heilloser Reime in der Wunderhorns Manier 
verbrämt, die ich dann zum aller aller größten Theil nicht 
las, weil ich sie verachte. Gewiß sind schöne Gedanken drin, 
aber ich habe nicht Zeit, das Wasser abdampfen zu lassen. 

An ßöttiger, 

7. Dez. 1811. 
Der Brief geht nicht mit der Post; um Weihnachten haben 
Sie gewiß eine freie Viertelstunde mehr wie sonst — denken Sie 
diese Blätter wären einer der Clienten, der Ihnen Neujahr die 
Zeit stiehlt — ich schwaze eben fort. Sagen Sie mir woher 
kommts daß unter dem Publikum, sogar ein Theil der ehren- 
werthen Stimmen, Schillern gern über Göthe sezen? (NB. 
können Sie sich von der Stettinischen Buchhandl in Ulm einen 



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Aus Briefen der Therese Huber. 131 

Begriff machen wenn ich Ihnen sage daß sie mir noch die 
Pandora und Goethes leztes Werk nicht verschaffte. Zum 
kaufen nicht I) deutet das auf die Verkrüpplung unsers Zeit- 
alters? Was Goethe ganz nichtsbedeutendes schrieb, seine Ge- 
legenheits Stückchen und Hofparaden schließ ich ganz aus, 
was dann aber bleibt? ich gestehe Ihnen, daß ich über Schillers 
Werke immer trauriger werde wegen ihrer Unvollkommenheit 
im Wollen — mir däucht er suchte Lebelang was denn das 
höchste sei? vor acht Tagen las ich die Jungfrau wieder — 
ja alle seine Theaterstücke und Gedichte las ich fortgesezt, 
weil ich oft vorzulesen, geplagt werde. Ich bitte Sie, verfolgen 
Sie ihn von den Räubern bis zum lezten Schauspiel, das glaub 
ich Wilhelm Teil ist — finden Sie mehr Sicherheit, mehr 
Bewußtsein des Höchsten im lezten wie im Ersten ? ich nicht. 
Er ist als Dichter wie als Mensch ohne Karakter — das Leben 
bildet ihn, der exentrische Student wird zum höchst interessanten 
Manne, aber zählen darf man auf ihn nicht, — so bei Schiller 
als Dichter. Aber nun seine Lyrischen Schönheiten! Dafür 
lohn ihn Gott mit der Fülle der Harmonien ! und die Zartheit, 
Tiefe, der Scharfsinn, die Grazie, die Belebung durch Philo- 
sophischen Geist — der eine Vers in Hero und Leander 
doch das Glück hab ich genossen 
und der schönste Lohn war mein — 
er macht mir das Leben lieber. Gern hätte ich einmal die 
Künstler von einem Mann der Herz und Kenntniss hätte 
paraphrasiren hören — ich lese sie mit sonderbarer Wirkung — 
die Künstler, das Ideal und das Leben, sind meine Predigten, 
die Götter Griechenlands, meine Gemähide Gallerie, die Klage 
der Ceres, Hero und Leander, manches Lied über Troja Geister, 
die mir Kunde aus höhern Welten bringen mit denen ich 
heimlich rede wenn die Menschen mir verstummen. War es 
denn so toll wenn man auf Universitäten Schiller ein Collegium 
widmete und Goethe? Lessing — ja Bürger? sie als Dichter 
verstehen lehrte? — freilich mit der Critik mit der Voss, 
Heyne, Wolf die Unsterblichen der Vorwelt erklären, mit dem 
Geschmack, der unbegreiflichen Zusammenstellungsgabe mit 
der Sie uns das Leben dieser Vorwelt ins kleinste Detail be- 
leuchten — um Gottes willen nicht mit der ekelhaften Spannung 
der ausschließenden Bewundrung — würde der Geschmack 
unsrer männlichen Jugend nicht dadurch gebildet und ihr 
Karakter gestärkt werden ? kann wer Goethe verstehen und — 
wem denn? — nachlaufen? — 

An Emil von Herder, 

22 Jan. 1812. 
Goethes eignes Leben las ich auch. Das ist Er — da 
steht alles wie eine laterne magique, zieht vorüber in klaren 



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132 Neue Mittheilungen. 



Farben — erklärt vieles in seiner Bildung, ist Zeit und Er- 
ziehungsgeschichte zugleich mit der seines Werdens. . . . 

Aim^ und dem »Ausschuss« ' las Griepenkerl Goethes 
»Iphigenia auf Tauris«, seinen Ganymed und Prometheus vor. 
Aim^ meint, »das sei sehr schön« und mir ists ein Christ - 
geschenk, denn ich weiß, wie es diese Knaben auf- und ein- 
nehmen und wie Griep. den Prometheus und Ganymed mit 
dem poetischen Gefühl für den Dichter und tief archäologisch 
erklärt haben wird und ganz als Pädagog — also gerade in 
dem Umfang, der den Knaben gebührt! Die glücklichen 
Knaben ! Wenn Aim^ dieser Lektüre mit aufgeregter Phantasie 
gedächte, war sie am unrechten Platze, aber ich kenne den 
Gang der Bildung, das reiht sich wie Perle an Perle in Ansicht 
der Außenwelt und Anforderung an sich selbst und die Phantasie 
wird reich, indem sie ruhig bleibt. 

An Böttiger, 

23 Nov. 18 16. 
Goethes 4. Band (Ital. Reise i. Band) hat mir gedäucht 
wie eine belebende Fruhlingsluft in Eisthälem und Schnee- 
gestöber. Klarheit, Wärme, Leben — das ist seine Wirkung. 

An Cotta, 

23. Nov. 1816. 
Hier meine Anzeige. Ich habe sie mit vollem Herzen 
gemacht, denn Goethe ist einmal der Geist, dem — in einem 
erhöhten Dasein — näher zu rücken meine Ueberzeugung ist. 
Da bin ich sehr schüchtern mich zu äußern. Zum Lobe ehr 
ich diesen Geist viel zu sehr und in seinem Reichthum darstellen 
möchte ich ihn doch gern ! Benutzen Sies nun wenn Sie wollen. 

2. Dez. 1816. 

Sie haben mir nie gesagt, ob mein Wort über Goethe 

Ihrer Ansicht entspricht. Ich möchte doch wissen, ob Sie es 

brauchen wollen. Goethen selbst Hess ichs mit Vergnügen 

zukommen ; aber das Publikum hat nicht Goethe seinen Kopf. ' 

An K, PK Conz. 

17. Juni 1821. 
Stolbergs Poesieen kamen mir nicht in die Hände, da- 
gegen Wilhelm Meisters Wanderjahre. Das ist nun etwas 
breit wie eine gute Nudelsuppe, aber gediegen voll Menschen- 
verstand und auf der wahrhaften Breite funkeln einzelne herr- 



' Den Genossen des Sohnes bei Fellenberg in Hofwyl. 

^ Diese Stellen, wie die unten Mai 1821 bedürften der Erklärung, 
da sie aber während des Drucks des Jahrbuches (März 1897) erst ge- 
funden und eingeschoben wurden, so vermochte ich nicht zu unter- 
suchen, ob die Besprechung gedruckt ist und wo Goethes Lob über 
die Erzählung Theresens sich findet. 



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Aus Briefen der Therese Huber. 133 

liehe Sprüche wie Lichtfunken. Einiges las man schon im 
Damenkalender.' Das ist eine heilose Manier, dieses Frag- 
mente -Auftischen und sicher schadets dem Verkauf des Buchs, 
statt ihn zu befördern; denn der Laue oder wenig Kaufende 
denkt das beste habe ich ja doch schon im Damenkalender. 

An Usteri undatirt (1821) und 3. März. • 

Wilhelm M's [falsche] Wanderjahre sollen von Varnhagen 
sein; ich glaube es aber nicht, ehe ich sie gelesen habe. 
Varnh. müsste sich sehr verändert haben, wenn er unerkannt 
bleiben könnte. Michel und Peter freuen sich gewaltig, daß 
dem alten Löwen die Mähne gezaust wird, haben aber meist 
die Augen nicht hoch genug heben können, um zu unter- 
scheiden, was Mähne oder Schweif an ihm war 

Die Tageslekture sind die falschen Meisters Wander- 
jahre. Die Gegner Goethes jauchzen, dass ein Dritter ihrem 
formlosen Ärger an Goethe Worte gab. Dahin gehören die 
Romantiker und BierbrUder der Ästhetik und Poetik. Ich 
finde das Buch sehr mittelmäßig, den Gesichtspunkt für die 
abstrakte Frage über Goethe beschränkt gefasst, den Tadel 
unrein. Sonderbar ists, dass dessen Verf. unentdeckt bleibt. 
Ich errathe ihn nicht und überlasse es der Zeit ihn zu nennen. 
Hoffentlich zankt man sich ein bischen darum und das ist 
mir recht. Als alte Köchin weiß ich, dass Rühren nöthig 
ist, wenn der Teig gar werden soll. 

An Cotta, 

13. Mai. 1821. 
Ich hatte noch einen andern Roman quasi fertig, eine 
Art Fortsetzung von »Das Urtheil der Welt, eine Herrenhuter 
Geschichtea, welche noch jetzt mit Beifall gelesen wird und 
mir einst von Goethe sehr schmeichelhafte Worte erwarb. 

An Cotta undat. (1821?) 

Es sollte mir leid thun, wenn wir in unserm Blatt [Morgen- 
blatt] unsem hochverehrten Dichterfürsten durch platte Schwanke 
an Pustkuchen, dem Verfasser der falschen Lehrjahre (sie) 
rächen wollten. Herr Georg Döring reimt: Pusten, Prusten, 
Husten, um witzig zu sein, schimpft Pustrich alias Windbeutel ; 
ich glaube nicht, daß wir Goethe damit ehren. 



' Gemeint ist z. B. der erste Druck der Novelle »Der Mann von 
50 Jahren« im Taschenbuch für Damen auf das J. 181 8. In dem von 
ihr selbst herausgegebenen Morgenblatt hatte Frau Therese 1821, 
Nr. 142, 143, 146—148 Bruchstücke des Romans gebracht. 



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134 Neue Mittheilungen. 



An Karoline Pichler, 

Stuttgart 31. Juli 22. 
Wir haben indess ein paar belletristische Gaben erhalten, 
die wir dankbar annehmen können. Von dem sten Theil von 
Goethes Leben, sollte ich nicht so kalt sprechen. Er hat mir 
Erhebung und große, große Freude gewährt. Dieser klare, 
milde, reiche Mensch gewährt den schönsten Anblick. Wie 
eine gänzlich unter heiterstem Herbsthimmel gereifte, voll- 
kommen ausgebildete Frucht hat er jede Epoche seines Da- 
seins zweckgemäß durchschritten, hat jeden äußeren Einfiuss 
zu seinem Gedeihen benutzt, hat alle Keime in sich ent- 
wickelt, hat gespendet und gewirkt, und ist nun bereit bei 
dem ersten Lufthauch leise herabzusinken von dem Stamm, 
den er schmückte. Die Preußen werden seine Erzählung der 
Carapagne 1792, der er bey wohnte, nicht gern lesen, — die 
Wenigsten ihm für seine hellen Ansichten Dank wissen — 
ein Mann der nicht schmeichelt, nicht reklamirt, nicht durch 
unverständliche Phrasen die Fantasie in unnatürliche Ver- 
mischung mit der Vernunft, das Sinnliche in erniedrigende 
Gemeinschaft mit dem Überirdischen bringt, gefällt nicht mehr. 

An Usteri, 

6. Aug. 1822. 
Von Goethes 5. Theil [Campagne] habe ich lauter Freude 
gehabt — die Wahrheit und Klarheit, die Darstellung und 
kühne Rechenschaft, die er sich von sich selbst gibt, sind 
mir unendlich werth. 

An Usteri.^ 

Baireuth 5 Juni 1824. 
Haben wir nicht unsern Heros selbst verpfuscht, unsem 
geliebten Alten in Weimar? O, ich weiß wohl, ich fand 
ihn aus den albernen Flittern und Fetzen, mit dem sie ihn 
umhängen, wieder heraus — Ihn, den heiligen Quell, in dem 
ich meine Seele reinige, wenn sie durch den Schlamm der 
Zeit, durch die Thränen der Sorge entstellt ist. 



m. GARVE AN SCHILLER (1797). 

Meine Veröffentlichung von Mansos Briefen (Zeitschr. d. 
Ver. f. Gesch. u. Alt. Schles. XXXI, S. 16— -92) hat, wenn 
ich mich nicht irre, ihren Zweck erfüllt: mündlichen und 
schriftlichen Aeußerungen von Fachgenossen glaube ich ent- 

' Vorangeht eine sehr merkwürdige Stelle über Jean Paul und 
die Beweihräucherung, durch die er verdorben sei. 



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Garve an Schiller. 135 



nehmen zu dürfen, daß eine Revision des Unheils über den 
wackern schlesischen Schulmann, Dichter und Gelehrten sich 
vollziehen wird. Inskünftige wird man hoffentlich von ihm 
nicht mehr in der Weise reden, wie die Xeniendichter von 
ihm zu sprechen für gut gefunden hatten. 

Eine besondere Freude machte mir aber eine Gegen- 
gabe, der folgende fast ausschließlich tlber Manso handelnde 
Brief Garves an Schiller. Ich verdanke diesen Brief Herrn 
Rudolf Brockhaus in Leipzig, der seine kostbare Sammlung 
nicht als todten, sondern lebenden Schatz hegt und sie mit 
einer höchst nachahmenswerthen Liberalität in den Dienst 
der Wissenschaft und ihrer Jünger stellt. 

Der Brief, sechs Quartseiten groß, wird als ein Beitrag 
zur Charakteristik Garves und seines Verhältnisses zu Schiller, 
mittelbar auch zu Goethe, gewiß willkommen sein; ist doch 
seine Veröffentlichung von denen, die seine Existenz aus 
Autograph encatalogen kannten, mehrfach gewünscht worden. 

Garves Verhältniss zu Schiller ist von D. Jacoby (Arch. 
f. Lit.-Gesch. VII. 95 ff.) eingehend dargestellt worden. Nach 
dieser Darstellung soll nur das zum Verständniß des nach- 
folgenden Briefes Nothwendige erwähnt werden. (D. Jacoby 
hat auch mich bei der Veröffentlichung des nachfolgenden 
Briefes mit seinem Rathe gefördert.) 

Schiller lernte einzelne Schriften Garves früh kennen, 
lehnte sich an ihn sowohl in seinen philosophischen Erstlings- 
schriften, als in seinen Dramen an und bekannte diese Ab- 
hängigkeit z. B. in der Vorrede zu den »Räubern«. Auch für 
seine späteren ästhetischen Arbeiten empfing er durch Garve 
manche Anregung. Aber er vertiefte immer die durch Garve 
empfangenen Anregungen und entfernte sich um so weiter 
von ihm, je mehr er Kant kennen lernte und in seinen ästhe- 
tischen Ansichten zur Reife und Selbständigkeit gelangte. Garve 
seinerseits sprach seit 1788 mit Achtung von Schillers histo- 
rischen Schriften, die er über seine Dramen stellte und lobte, 
wenn auch nicht unbedingt, seine ästhetischen Abhandlungen; 
vielleicht äußerte er sich 1792 gegen Körner, durch dessen 
Vermittlung Schiller eine Art persönlicher Beziehung, übrigens 
die einzige, zu dem Philosophen erlangte, günstig über den 
Dichter. 

Doch bedurfte es solcher Einwirkung nicht. Vielmehr 
war Schillers Erinnerung an Jugendeindrücke mächtig genug, ' 
auch Garves zu gedenken, und ihn zur Mitarbeit an den 

' Charakteristisch für die Würdigung Garves ist, daß Schiller ihn 
(26. Mai 1794) in einem kürzlich zum ersten Mal vollständig; bekannt 
gewordenen Briefe (Jonas VII, 260) — die Garve betreffende Stelle war 
wenigstens ungedruckt — einem Nürnberger Künstler als ersten nennt, 
dessen Bild er zum Stechen empfiehlt. 



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136 Neue Mittheilungen. 

Hören aufzufordern. (Dieser Brief, in der ersten Hälfte Juni 
1794, ist nicht bekannt.) Garve antwortete (28. Juni, Jacoby 
S. 117 fg. Urlichs, Briefe an Schiller S. 188 — 190) voll Freude 
über die Einladung und mit einer bedingten Zusage der Mit- 
arbeit. Schiller theilte die günstige Erklärung Garves einigen 
Freunden mit und antwortete bald (i . Oct. 1 794, JacobyS. 119 fg., 
Jonas IV, S. 27 —29). Er sprach anerkennend von einigen seiner 
Schriften und deutete Materien an, über die Garve schreiben 
könnte. Garves Antwort darauf (17. October, nicht gedruckt, 
Jonas IV, S. 478, nur ein Stück mitgetheilt bei Hoffmeister, 
Schillers Leben IV, S. 218) befriedigte Schiller nicht, wie eine 
Aeußerung an Körner bezeugt (7. Nov. 1794). Trotzdem ließ 
er, um zu zeigen, wie viel ihm an der Fortführung des Ver- 
hältnisses gelegen war, nur wenige Monate bis zu seiner 
Antwort verstreichen, überschickte (25. Jan. 1795, Jonas IV, 
S. 107 fg.) das erste Heft der Hören und verbreitete sich aus- 
führlich über seine darin enthaltene Abhandlung. 

Die Hören fanden nicht die völlige Billigung Garves. 
Seinen Freunden erklärte er, daß er nicht mitarbeiten werde; 
sein in Briefen niedergelegtes Urtheil über Schillers Beiträge 
war nicht so derb, wie das Mansos (Geiger a. a. O. S. 22), 
aber doch auch abwehrend; er tadelte das Willkürliche und 
zu Tiefsinnige darin. Sein Schweigen war Schiller wohl ein 
Zeichen des nicht völligen Einverständnisses. Trotzdem wurde 
er durch die Xeniendichter verschont. Das einzige, auf ihn 
bezügliche Epigramm (Schmidt-Suphan Nr. 388, S. 34 vgl. 
S. 163) rühmt, mit Anspielung auf eine Schrift Garves, die 
Geduld des »edlen Leidenden«. 

Mit solcher Schonung war Garve nicht zufrieden, weil 
er seine Freunde beleidigt fand; er hätte das ihm günstige 
Epigramm herausgewünscht. Ebenso unzufrieden war er aber 
mit der Rache, die der schwergereizte Manso nahm: gegen 
diesen und gegen die Xenien schrieb er einige Epigramme 
(gedruckt : Briefe Garves an Weisse II, S. 242), wünschte aber 
dringend deren Geheimhaltung (das. S. 243 fg.) Aber seine 
Unzufriedenheit mit Mansos Grobheit drückte er auch sonst 
aus (außer den Stellen bei Jacoby S. 134 vgl. G.-J. VI, 102: 
Göschen an Böttiger 1796). 

An Schiller hatte er sich im Mai 1796 gewandt, zur Zeit 
als dieser sich mitten in der Xenienarbeit befand, was freilich 
für Garve sowie die übrigen damals ein Geheimniss war. Der 
Brief »nebst Büchern« kam am 20. Mai 1796 bei Schiller an. 
(Schillers Kalender ed. E. Müller S. 24.) Schiller antwortete 
darauf nichts und kam auch in den Briefen jener Wochen und 
Monate nicht auf die Sendung zu sprechen. 

Seitdem stockte, wie es scheint, der Verkehr zwischen 
beiden völlig ; erst gegen das Ende von Garves Leben wurde 



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Garvk an Schiller. 137 



er wieder reger. Das erste Zeugniß dieses neuen Verkehrs ist 
unser Brief. 

Der Brief wird buchstäblich genau nach dem Original 
abgedruckt. Bei einem Mann wie Garve lohnt es sich selbst 
auf die äussere Form hinzuweisen. Sie ist zudem besonders 
interessant, weil sie auf die Gesinnung des Schreibers Schlüsse 
erlaubt. So ist der spätere Zusatz in der Aufschrift »und 
Freund« bedeutsam genug: Garve, der gar manche bittere 
Wahrheiten zu äussern hatte, wollte offenbar den Adressaten 
durch diese Anrede günstig stimmen und zur milden Auf- 
nahme mancher herben Aeusserung geneigt machen. 

Ob die übrigen, ausserordentlich zahlreichen Correcturen 
den Schluss auf eine besondere Erregung des Briefschreibers 
zulassen, vermag ich, da ich sonstige Briefe Garves nicht 
gesehen habe, nicht anzugeben: daß der Brief, im Wesent- 
lichen eine Ehrenrettung Mansos, in grosser Gemüthsbewegung 
geschrieben ist, kann nicht verkannt werden. (Ueber Manso 
und Garve verweise ich der Kürze halber auf meine oben- 
genannte Veröffentlichung S. 25, A. 2.) 

Hochzuverehrender Herr und Freund* 

Ich habe es mit Befremden und Bedauern im Meß- 
Catalogus gesehen, daß weder von Ihnen, noch von Göthe 
die Werke erschienen sind, auf die ich gerechnet hatte u. 
die mir angekündigt worden waren." Dafür bringe ich eines 
dahin, das niemand erwartet — indem' ich selbst Ursache 
hatte, meiner Zerstörung als einer weit nähern Sache, als der 
Vollendung irgend einer von meinen Arbeiten entgegen zu 
sehn. — Und ich bringe eines, das* gewiss niemand so sehr 
wünscht als ich die Ihrigen:^ denn* in jenen herrscht ^ 
höchstens nur philosophischer Ernst und anstrengender Unter- 
suchungsgeist : ^ diese hingegen' verbinden die Lebhaftigkeit 
einer dichterischen Einbildungskraft und** die Anmuth des 
Witzes mit einem gleichen Scharfsinn." Wenigstens Ihrem 
Musenalmanach sähe ich mit Gewißheit entgegen, wenn auch 
Ihr Wallenstein und Göthes Hermann noch einen längern 
Verzug nothwendig machten. Vielleicht geben Sie uns, was 
Sie nicht versprechen, da viele andre Autoren " uns das nicht 
leisten, wozu sie sich anheischig machen. Diese kleinen Spiele 

" Die beiden letzten Worte später, mit anderer Tinte geschrieben. 
* übergeschr., »sind« ausgestr. ' überjg^.; »da« ausgestr. 
4 »Ich — das« überg. ' aus »das ihrige« gebessert. 
6 übergeschr.; »da« ausgestr. 7 übergeschr. 
> Das darauf folg;, »herrscht u.« ausgestr. 

' übergeschr.; das darauf folg. »durch« ausgestr., »verbinden« 
am Rand angefugt. '^ übergeschr. »mit dichter« ausgestr. 
" Das daraufFolg. »verbinden« ausgestr. *■ übergeschr. 



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138 Neue Mittheilukgen. 

des Witzes der Phantasie u. der Philosophie wie sie Ihr All- 
manach enthält/ haben gewiss ihren grossen Werth, be- 
sonders ' da sie unter uns, von je her, so selten gewesen sind, 
u. jetzt in der ganzen Welt selten werden. Wie viel wichtige 
Wahrheiten haben Sie nicht in manchem kurzen Epigramm 
gesagt, u. wie viele unentdeckte Seiten des menschlichen Lebens 
u. tief liegenden Empfindungen des menschlichen Herzens 
haben Sie und Göthe uns* nicht in Ihren am sorglosesten 
hingeworfenen Producten kennen gelehrt? Aber indem ich 
meinen Beyfall u. mein Vergnügen an den kleinsten Werken ' 
Ihrer Muse bezeuge, darf ich nicht an der Freundschaft auf 
eine doppelte Weise zum Verräther u. selbst der Sittlichkeit 
untreu werden.* Ich kann^ unmöglich laut u. gegen Sie 
billigen, was ich insgeheim u. gegen andre strenge getadelt 
habe. Und was könnte in der That mehr Tadel verdienen, 
als dieser Mißbrauch der schönsten Talente, diese Verbindung 
von Übermuth, Parteygeist u. unwürdiger Rache, mit Philo- 
sophie, angenehmer Darstellung, richtigem Geschmacke u. 
selbst mit Gerechtigkeit im Urtheilen u. mit* Tugendliebe. 
Menschen geflissentlich zu kränken, von denen man nie ist 
beleidigt worden, Verdienste herabzusetzen, die man wirklich 
innerlich hochachtet, ^ das Gute, welches in andrer Schriften 
u. Character vorhanden ist,® geflissentlich verkennen u. die 
Fehler über alle Wahrheit u. über die innere Ueberzeugung 
vergrössern: wie können dieß Männer bey sich selbst ent- 
schuldigen, die selbst in der öffentlichen Achtung stehn, u. 
deren höhere Geistes ^ kräfte sie über alle solche Beleidigungen 
oder Rivalitäten, durch welche Schriftsteller u. Gelehrten von 
geringerem Range zu*° Ausbrüchen einer unedlen Rachsucht 
bewogen werden, hinwegsetzen sollten. Sie haben insbesondere 
meinen Freund Manso auf eine Weise, die er nicht verdient, 
angegriffen. Ich kann hierüber dreister und sicherer urtheilen, 
da ich die Person u. den Charakter des Mannes in der Nähe 
kenne, u. seine Talente, seine Gelehrsamkeit u. seine bisher 
erworbenen litterarischen Verdienste mit den Bewegungs- 
gründen, die Sie haben konnten, gegen ihn mehrere Ihrer 
Pfeile, u. mehr schmerzende Pfeile, als gegen andere abzu- 
drücken ziemlich vollständig übersehn. Er kann ein kalter 
Dichter sein: aber er ist gewiß kein verächtlicher Dichter: 
u. wenn eine vollkomne Versificationein Verdienst ist; — 
(u. Pope ist hauptsächlich durch sie der grosse Dichter für 

' »wie -- enthält« »besonders« überg. * überg. 
3 vorher »Früchten« ausgestr. * übergeschr. 
$ danach nochmals »ich« ausgestr. ^ übergeschr. 
7 aus »hochachten muss« verbessert. ® aus »vorkommt« verb. 
9 übergeschr.; »Gemüths« ausgestr. 
'** nach »zu«: »solchen« ausgestr. 



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Garve an Schiller. 139 



welchen ihn seine Nation erkennt u. alle Generationen er- 
kennen werden) so hat Manso einen gerechten Anspruch auf 
poetischen Ruhm, da, besonders in seinen letzten Stücken, 
sein Periodenbau sehr vollendet, seine Verse sehr wohlklingend, 
seine Keime leicht' sind, u. doch ihr Inhalt auch für den 
Verstand unterrichtend,* u. für die Phantasie roahlerisch ist. 
Seine ausgebreiteten Sprach- u. Geschichtskenntnisse, sein 
tieferes Eindringen in die Quellen des Alterthums u. zugleich 
in die Philosophie über dasselbe, u. die Philosophie' über 
Menschen u. Staaten überhaupt, wodurch er sich über andere 
Philologen seines Alters so^ weit erhebt, werden ihn zu einem 
sehr lehrreichen Geschichtsforscher u.» einem auf die Nachwelt 
sich erhaltenden Schriftsteller machen. Und sein Charakter, 
seine Amtstreue, seine Fähigkeit zur Freundschaft machen ihn 
zu einem schätzbaren Menschen. Und wodurch hat er Ihren 
Unwillen verdient? Durch Recensionen in der Bibl. d. s. VV. — 
Wären auch seine ^ Urtheile ungerecht: so wäre die Strafe noch 
weit ungerechter. Aber sie sind es nicht. Sie erkennen sie* 
selbst jetzt nicht dafür, da Sie hintendrein mit kaltem Blute 
über Ihre Gedichte u. die Aeußerungen^ Ihrer Kunstrichter 
urtheilen. Ich appellire an Ihren so richtigen Geschmack u. 
an Ihre eigne Kenntniß der Kunst der Wohlredenheit u. der 
Poesie. Einige Ihrer* Verse sind wirklich dunkel: eine tief- 
sinnige Metaphysik ist oft am unrechten Orte in die Be- 
lehrungen einer populären Philosophie u. in die Scherze der 
poetischen Muse eingemischt. Man kann unmöglich die Un- 
sittlichkeit die in vielen Göthischen Epigrammen u. in' einer 
Menge seiner neuesten'** Gedichte herrscht, billigen; u. man 
kan unmöglich die Theorie, welche aus Principien beweisen 
soll, daß grade die Dichter, welche zu Ihrer Partey " gehören, 
ohne'* Tadel u. selbst mit Ehren wollüstig u. unsittlich seyn 
können, '^ u. dass nur diejenigen strafbar sind, welche sich 
ähnliche Freyheiten erlauben, u. mit Ihnen'* doch in Ver- 
hältnissen eines gewissen Widerspruchs stehn, oder ohne alle 
Verbindung mit '^ Ihnen, keinen besondern Anspruch an Ihre 
Schonung haben; — man kann, sage ich, diese Theorie nicht'* 



' vorher »sehr« ausgestr. * übergeschr.; »bedeutend« ausgestr. 

3 G. hat fluchtig Philosohie geschrieben. Dies Wort und »in die« 
übcrg. ■♦ später eingefugt. 5 Gebessert aus: »Und w. a. die«. 

^ G. schreibt fluchtig: »Sie«, was des Verständnisses halber ge- 
ändert werden musste. 

7 vorher »Urtheile« ausgestr. « umgekehrt wie in A. 6. 

9 übergeschr. '** vorher ein Wort unleserlich gemacht. 

" dass. Wort vorher ausgestr. " vorher »mit« ausgestr. 

*3 aus »konnten« verbessert. '* wie A. 8. 

'5 »doch« am Rande eingefügt; nachher vor »ohne« gestr. 

** vorher »sind« ausgestr. 



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140 Neue Mittheilüngen. 

für Sie selbst für Überzeugend halten. Auch ich, ich * gestehe 
es, habe in allen diesen Stücken so geur[theilt], wie Manso. 
Auch ich habe gefunden, daß die Hören, ihrer Absicht u. 
ihrer Ankündigung nicht entsprechen; daß viele Aufsätze 
darin unverständlich und' für die Schwierigkeit der Begriffe 
welche sie vortragen, oder die Neuheit der Entdeckungen, 
welche sie enthalten, viel zu schwer* im Vortrage sind* und 
ein zu geheimnißvolles Ansehn haben. Verkenne ich deßwegen 
Ihre übrigen Verdienste? Schätze ich Ihre ausgebreiteten 
Talente weniger u. genieße ich die Früchte Ihres Geistes mit 
geringerm Vergnügen?' Und thut dieß alles Manso weniger 
als ich? Lobt er Sie* nicht selbst mit Enthusiasmus, in den 
ich vielleicht nicht an allen Orten, in eben dem Grade ein- 
stimmen würde? Und hat er nicht zugleich durch seine Aus- 
züge u. Urtheile gezeigt, daß er Sie vollkommen versteht u. 
daß er sich die äusserste Mühe gegeben hat Sie zu verstehen, 
wo Sie eines Auslegers bedürfen? Vielleicht schien Ihnen 
sein Recensententon zu anmaßlich u. zu dreiste? Vielleicht 
wollten Sie 5 einer über seinen* wahren Werth wachsenden 
Eigenliebe eines jungen Kunstrichters u. Dichters einen Damm 
entgegensetzen. Aber konnten Sie dieß nicht mehr (sie) mit 
mehr Wahrheits-, mit mehr Menschenliebe und besonders 
mit mehr Würde thun ? Konnten Sie nicht das Publikum von 
neuem belehren, indem Sie ^ die falschen Urtheile Ihres Kunst- 
richters widerlegten, seine* Mißverständnisse hoben u. seine 
einseitigen Begriffe über die Kunst berichtigten. — Verzeyhen 
Sie mir meine eigne Dreistigkeit u. die wirklich vielleicht un- 
gebührende Anmaßung, die ich bey meiner jetzigen Frey- 
müthigkeit beweise.' Aber meine Freundschaft und Hoch- 
achtung gegen Sie, meine Verehrung gegen alles Gute u. 
Schöne, u. selbst meine Pflicht gegen die Litteratur u. gegen 
diejenigen Personen,*** welche ich gegen Sie in den Schutz 
nehme, " mögoin das Sonderbare u. Auffallende dieses Schritts 
entschuldigen. Mit Ihnen** verspreche ich mir, daß derselbe 
mich eher genauer verbinden, als entzweyen wird. Wenigstens 
übergebe ich meine Schrift Ihrem Urtheile desto dreister, je 
dreister ich selbst meine Urtheile geäußert habe. Die Krank- 
heit selbst, die Noth die ich ausgestanden, der Muth mit *' dem 
ich mich noch einigen nützlichen Arbeiten unter Schmerzen 
aller Art unterzogen habe: alles das scheint mir gleichsam 
das Ansehen eines Alten *^ Mannes zu geben; es wird mir 



' übergeschr. * vorher »abstract« ausgestr. 

3 Vorher »Manso« ausgestr. * übergeschr. 5 wie vor. S. A. 8. 

* übergeschr., »ihren« ausgestr. 7 wie Anm. 5. 

* vorher »Ihre« ausgestr. 9 aus »zu beweisen« verbessert. 
*** vorher »Man« ausgestr. " übergeschr. " wie A. 5. 

*J übergeschr. «4 nachher »erfahrnen« ausgestr. 



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Garve am Schiller. 14I 



gewiß einiges bei Ihnen geben, da Sie auch wissen was 
körperliche Leiden, ' u. noch besser was geistige Anstrengungen 
sind, u. was nur zu einem mittelmäßig guten Werke gehört. — 
Auch dieser Brief hat mich viel gekostet : aber ich verspreche 
mir dadurch die Befestigung Ihrer Freundschaft, u. selbst einen 
gewissen gltlcklichen Einfluß auf Ihre Gesinnungen u. auf Ihre 
folgende Werke. Wenn dieß einen thörichten Stolz verräth, 
so lassen Sie mich bald durch ein wichtiges Werk Ihres 
Geistes* sehen, wie wohl mir Bescheidenheit gegen Sie an- 
steht; oder lassen Sie mich wenigstens aus einem freund- 
schaftlichen Briefe erkennen, daß Sie mit mir einverstanden 
genug sind, um alles, was ich über diese Gegenstände gesagt 
habe, überflüssig zu machen. Leben Sie wohl. 

d. 23 Sept. Garve. 

1797. 

Wann kam Garves Brief bei Schiller an ? Schillers Kalen- 
der (2. Aufl., hgg. von E. Müller, Stuttg. 1893, S. 53) er- 
wähnt am 6. und 8. November (im October gar nicht) je 
einmal Garves Namen unter den Briefschreibem ; das zweite 
Mal mit dem Zusatz: Schrift über G. und E.; dies ist sb 
Gesellschaft und Einsamkeit, einzeln Breslau 1797 erschienen. 
Die beiden Briefe wurden von Schiller beantwortet : der erste 
am Tage des Empfangs 6. November, der zweite 27. No- 
vember (vgl. KaL); der erste Brief, in ganz besonders herz- 
lichem Ton gehalten, ist gedruckt bei Jacoby S. 135 fg. und 
Jonas VI, 284 fg. Der letztere ist bisher nicht gedruckt. 

Wann sind beide Briefe geschrieben ? Bei der im Ganzen 
spärlichen Correspondenz kann man kaum annehmen, daß 
Garve in einem Zwischenräume von wenigen Tagen zwei 
Briefe schrieb. Meine Vermuthung ist daher, daß der am 
6. November angekommene der unsrige vom 23. September, 
der am 8. November eingetroffene ein am 28. October ge- 
schriebener ist. 

Freilich müsste man dann annehmen, daß der Brief vom 
23. September nicht direct per Post geschickt, sondern einem 
unsichern Reisenden oder einer gar langsamen Buchhändler- 
gelegenheit anvertraut wurde. Zu dieser Annahme wird man 
fest genöthigt dadurch, daß Schiller, dessen Niederschriften 
gerade in jenen Monaten sehr genau sind, sonst von unserm 
Briefe gar nicht reden würde; die Bedeutung unseres Schrift- 
stücks ist aber zu groß, als daß Schillers Schweigen erklär- 
lich wäre. 

Auch daß Garve nach seinem Briefe vom 23. September 
(angekommen 6. November) noch einmal das Wort ergriff 



nachher »sind« ausgestr. ' aus »Ihrer Muse« verb. 

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142 Neue Mittheilungen. 



(28. October, angekommen 8. November) erklärt sich leicht. 
Damals hatte er von seinem demnächst erscheinenden Buche 
gemeldet, jetzt konnte er es schicken. Damals hatte er eine 
Ankündigung des Musenalmanachs unter den Meßneuigkeiten 
vermißt, nun besaß er ihn und konnte darüber schreiben. 
Denn das einzige bekannte Bruchstück dieses Briefes (Hoff- 
meister IV, 219) verbreitet sich über die Gedichte des Alma- 
nachs, lobt Schillers »Worte des Glaubens« und tadelt Goethes 
»Braut von Corinth«. Daß aber zwischen diesem Briefe und 
dem frühern eine längere Pause bestanden haben, daß Garve 
wegen der Aufnahme, die sein früherer Brief bei Schiller ge- 
funden, in einiger Erwartung gewesen sein muß, lehren die von 
Hoffmeister mitgetheilten Worte : »Ich erwarte mit Verlangen 
zwei Worte von Ihrer Hand. Schieben Sie es ja nicht lange auf«. 

Wenn indessen auch diese Vermuthung über die Datirung 
der bei Schiller angekommenen Briefe richtig ist, so bleiben 
Schwierigkeiten genug bestehn. Den Brief, auf den Schiller 
mit seinem Briefe vom 6. November erwidert, nennt er ein 
»herzliches, freundschaftsvolles Schreiben«, es überbringe »die 
Versicherung Ihrer Liebe«; er dankt für den »unerwarteten 
freiwilligen Ausdruck Ihres edlen Herzens«. Die letztere Be- 
zeichnung paßt gewiß auf unsern Brief; ob auch die beiden 
ersteren? Das Wort »Freundschaft« könnte man auf ihn an- 
wenden in jenem hohen Sinne, daß der Freund den Freund 
tadeln, eines Irrthums überführen kann; aber Herzlichkeit 
und gar Liebes Versicherung dürfte schwerlich in dieser ernsten, 
um nicht zu sagen herben Anklage gefunden werden. 

Aber auch sonst gibt das Datum von Garves Brief, das 
mit blasserer Tinte und (möglicherweise) von anderer Hand 
geschrieben ist, aber ganz deutlich: 23. September 1797 heißt,' 
zu mancherlei Bedenken Anlaß. Der Xenienalmanach erschien 
October 1796, sollte Garve fast ein volles Jahr gezögert 
haben, ehe er Schiller seine ungünstige Meinung darüber 
aussprach ? Und dann : Darf man bei Garves edlem Charakter 
annehmen, daß er, nachdem der von ihm Vertheidigte Selbst- 
rache geübt, die ihm, Garve, nicht gefiel, von dieser Ent- 
gegnung gar nicht gesprochen hätte? 

Möchte man nun, nach diesen Umständen, geneigt sein, 
den Brief in das Ende 1796 oder den Anfang 1797 zu ver- 



' Jonas' (Schillers Briefe V, 544) Vermuthung, unser Brief sei 
die Antwort auf den Schillerschen Brief vom 6. November gewesen, 
ist nicht zutreffend. Jonas, der von der Existenz des Briefes nur durch 
eine Catalognotiz wußte, meint nämlich, das Datum hätte 23. 9 er 

felautet, was man fälschlich = September gelesen. Unser Brief ist über- 
ies keine Antwort auf einen vorausgehenden Brief, sondern ein selbst- 
ständiges Schriftstück, ein »unerwarteter freiwilliger« Ausdruck, wie 
Schiller sagt. 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 143 

legen, — vorausgesetzt, daß das Datum nicht von Garves 
Hand herrührt — so spricht Anderes wieder durchaus für 
Ende September 1797. Damals hatte Garve eine Schrift auf 
die Messe gebracht, ähnliche Ausdrücke wie an Schiller braucht 
er auch an Weiße II, 248, 251. Damals, und eben nur im 
September konnte er einen Musenalmanach und Goethes 
Hermann und Dorothea erwarten — daß beide nicht im Meß- 
catalog verzeichnet sein sollten, ist merkwürdig genug — denn 
im October 1797 waren beide Werke erschienen (Schiller ver- 
schickte Exemplare des Almanachs Anfangs October, vgl. Kalen- 
der S. 50; über das Erscheinen von Hermann und Dorothea 
vgl. meine Studie] in der Ztschr. f. Bücherfreunde 1897, Heft 3.). 

Diese Schwierigkeiten, die das Datum des Briefes bietet, 
durften nicht verschwiegen werden. Der Brief selbst soll mit 
keinem Commentar beschwert werden. 

Schiller schickte die Garvischen Briefe, die er am 6. und 
8. November bekommen hatte, an Goethe (22. November 
Jonas V, 289); die Art, wie Goethe darauf erwidert (24. No- 
vember, W. A. Briefe XII, 359, vgl. auch 361 fg.), nicht blos 
die Stelle : »ich wünschte, der arme alte kranke Mann schölte 
noch viel ärger auf uns«, sondern die Bemerkungen über den 
Mangel an »ästhetischem Gefühl« , über den Ceremonien- 
meister, der auch den subordinirten Talenten ein Plätzchen an- 
weisen möchte, lassen darauf schließen, daß sich unser Schreiben 
unter den ihm übersandten »Garvischen Briefen« befunden 
hat. Denn gerade unser Brief, ein so beredtes Zeugniß der 
Offenheit und des Muths des »so guten und wackern Mannes« 
er auch ist, bekundet aufs Neue, daß Garve von Schillers 
und Goethes dichterischer Grösse nicht die richtige Vor- 
stellung hatte. 



IV. AUS DEM BRIEFWECHSEL 

ZWISCHEN 

C. A. BÖTTIGER UND FR. ROCHLITZ 1801— 1832. 

Vorbemerkung. 
Die folgende Auswahl ist dem reichen Schatz der Böttiger- 
Sammlung der k. öff. Bibliothek in Dresden entnommen, deren 
Direction ich auch an dieser Stelle für die mir gewährte Er- 
laubniss zur Benutzung meinen Dank ausspreche. Von Rochlitz 
an Böttiger sind 4 Bände Briefe und zwar von Rochlitz 236 
Nummern, vom 30. Mai 1797 bis 26. März 1832; von Böttiger 
an Rochlitz (seit dem J. 1886 Eigenthum der k. öff. Bibliothek), 
im Ganzen 170 Briefe vom i. Juli 1799 ^s zum 29. März 1832. 
Ausser den ersten nicht erhaltenen Briefen Böttigers liegt also 
fast die gesammte Correspondenz beider Männer vor. 



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144 ^EUB MlTTHEILUMGEN. 



Der Briefwechsel begann mit einer Bitte Rochlitzs, der 
sich durch seine »Blicke in das Gebiet der Künste« als Schrift- 
steller versucht hatte, ihn bei einer vacanten Stelle beim 
Weimarer Gymnasium zu berilcksichtigen. Rochlitz widmete 
dem gefürrhteten Critiker 1798 eine Schrift und empfahl sehr 
devot seine Arbeiten ; allmählich folgten litterarische Notizen 
aller Art, vermischt mit persönlichen Mittheilungen, bis sich 
aus dieser Verbindung eine herzliche Kameradschaft ent- 
wickelte. 

Böttiger hielt mit seiner, seit den Xenien, stark entwickelten 
Abneigung gegen die Dioskuren nicht zurück, Rochlitz secun- 
dirte. Oft wusste er zu loben, z. B. Schillers Wallenstein, 
wenn auch nicht unbedingt (30. Aug. 1799). Häufig ertheilte 
er kleine Nadelstiche, z. B. gegen Maria Stuart (Wahl des 
Stoffes) und Hermann und Dorothea (5. Oct. 1799), oder 
sprach im Allgemeinen von dem »allzu vornehmen« Goethe. 
Mit Goethe kam Rochlitz sicher 1800 in Leipzig zusammen 
und zwar zuerst mit dem Minister und Theaterdirector, aus 
dieser persönlichen entwickelte sich eine briefliche Verbindung, 
die bis zu Goethes Tode währte (Briefw. hgg. von W. v. 
Biedermann, Leipzig 1887). Auch durch diese wurde Rochlitz 
Böttiger durchaus nicht entfremdet, denn das nach Stern: 
Friedrich Rochlitz in den Beiträgen zur Littgesch. des 17. 
und 18. Jahrhunderts, Leipzig 1893 (S. 175-— 236) Ausgeführte 
(G.-J. XI, 261 fg) ist nicht ganz zutreffend. Nicht Böttiger 
war derjenige, der Unfrieden zu säen bemüht war; vielmehr 
war auch Rochlitz leicht empfindlich und suchte sich, nicht 
ohne kleinliches Selbstbewußtsein, das eigne Urtheil zu wahren. 
(Einzelne Briefe von Rochlitz sind G.-J. I, 323 ff., einige von 
Böttiger, deren Originale nicht in Dresden sind, G.-J. IV, 324 ff. 
gedruckt.) 

Die hier folgende * Auswahl musste das Gedruckte un- 
berücksichtigt lassen. Aber auch sonst strebte sie nicht nach 
unbedingter Vollständigkeit. Daher wurden alle kleinen Nach- 
richten ebenso ausgelassen. Ferner möglichst aller Klatsch. 
Hauptzweck war, die bedeutenderen Urtheile Beider über 
Goethes Werke und Wesen hervorzuheben, und an einem 
neuen Beispiel zu zeigen, wie Goethe auf zwei selbständige 
und kenntnissreiche Männer, einen enthusiastischen und einen 
zwar übelwollenden, aber nicht durchaus verblendeten, ge- 
wirkt hat. L. G. 

B, 7. Jan 1801. Herder ist seit mehreren Jahren Goethen 
fremder geworden und es scheint, als wenn es nie wieder zu 
einem ganz herzlichen Vernehmen zwischen beiden kommen 
könnte. Hier scheint mir Goethe ganz unschuldig und sein 
Benehmen hat mir stets Achtung eingeflößt. Ich weiß die 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochutz. 145 

ersten Veranlassungen des Mißvernehmens nicht und mag sie 
auch nicht wissen, aber soviel weiß ich, daß Goethe oft Herdem 
zuvorgekommen ist, ihn zu sich eingeladen und überhaupt alles 
gethan hat, um es zu keinem öffentlichen Bruch kommen zu 
lassen. 

Ä. 27. Jan. 1801. Hubers Recension des Wilh. Meister 
(in der Jen. Lit.-Ztg.) gefällt mir gar nicht, nicht nur weil 
sie nicht erschöpfend ist, sondern weil sie, meines BedUnkens, 
die Sache verkehrt angreift und nicht vom rechten Gesichts- 
punkte ausgeht. Ich halte das Buch für weit vorzüglicher als 
er es halten mag, obschon ers nicht grade genug heraussagt: 
aber ich hätte weit weit mehr gegen Einzelnes (gar nicht 
Unbedeutendes) darin einzuwenden. Daß Goethes Plan besser 
gewesen sein mag als er ihn findet, will ich Ihnen zugeben, 
aber dafür werden und müssen Sie mich die Ausführung desto 
mehr tadeln lassen. Auch die Sprache im Ganzen, und hin 
und wieder im Einzelnen, scheint mir bei weitem noch nicht 
so zu sein, wie sie sein müßte und wie Goethe sie überdies 
geben müßte. Beinahe scheint mirs überhaupt (nach seinen 
neuen Arbeiten insgesammt), er verachte die Menschen, wie 
sie nun sind, auch die lesenden. Was er gibt, gibt er nicht 
nur um sein selbst willen, sondern auch für sich selbst. Für 
sich selbst aber braucht man an eignen Werken die Vollen- 
dung der Einzelheiten nicht und macht nicht viel daraus, 
mag auch die Zeit und ausharrende Mühe nicht drauf ver- 
wenden, durch welche allein jene Art der Vollendung erzeugt 
werden kann, sondern eilt lieber vorwärts zu neuen Schöpfungen. 
Ueberhaupt weiß ich nicht, ob die besten deutschen Prosaisten 
nicht besser schreiben können oder es nicht mögen. Wie 
schreibt nämlich hin und wieder Goethe? wie noch öfters 
und weit schlimmer Wieland — selbst in seinem Agathon 
und Aristipp I Mir scheint es beinahe, als ob die vollkommne 
deutsche prosaische Sprache, wie die poetische, mit ihren 
Schöpfern verwelkt sei. Welcher Prosaist schreibt wie Lessing, 
vorzüglich auch in seinen kleinen theologischen Schriften? 
welcher Dichter wie Klopstock etwa in einem Dutzend seiner 
Oden? 

B. 13. März 1801. Goethe ist zwar völlig genesen und 
die kleinen Ueberreste einer Beule, die er noch über einem 
Auge hat, sind von gar keiner Bedeutung, indessen will man 
doch bemerken, daß er äußerst reizbar und wieder in andern 
Rücksichten weicher und menschlicher sei. Sein Tancred 
mißfiel hier das erstemal durchaus, wurde aber das zweitemal 
durch das Spiel der trefflichen Jagemann als Amenaide sehr 
gehoben. Man hat es den 11. d. M. zum Geburtstag der 
schönen und guten Königin in Berlin gegeben. Ich zweifle 

GOBTBI.JAURBVCB XVUI. lO 



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146 Neue Mittheilungen. 

aber, daß es auch dort grossen Eindruck machen werde. Wir 
sind nun einmal nicht für diese pathetische Sentimentsparade. 

B, 18. Okt. 1801. Ich habe nun die Jungfrau v. Orleans 
gelesen und mir scheint sie ohne Widerrede das gemüthlichste, 
gefühlvollste Stück, das Schiller seit 3 Jahren gegeben hat. 
Der 5. Akt muß außerordentliche Wirkung thun. Lächerlich 
ists, das Wundervolle hier durch Vernünfteleien in den Zwinger 
des gemeinen Lebens und Vorgangs bringen wollen. Räso- 
niren wir denn über Hamlets Geist und Macbeths Hexen? 
Schiller ist in der Catastrophe von der Geschichte abgegangen. 
Aber was er dadurch gewann, war etwas ganz Anderes, als 
daß er die Maria Stuart gegen alle bessere Geschichte des 
Mordes ihres Gemahls schuldig machte. Auch der schwarze 
Ritter hat gar nichts Anstößiges für mich in dieser einmal 
zugegebenen Wundermaschinerie. Wenn man nur auch einen 
Dämon von Schauspielerin wecken könnte, die dies Mädchen 
spielen wollte. Denn wohin ich meine Augen auch auf deut- 
schen Bühnen wende, ist nirgends ein erwähltes Gefäß für 
diese Gnade des Himmels. 

B, 26. Okt. 1801. Ich lege einen Komödienzettel über 
die Brüder (von Einsiedel nach Terenz) bei. Die Vorstellung 
hat alle meine Erwartungen übertrofFen. Wie schwindet die 
Gemeinheit des Alltagsgesichts unserer Histrionen hinter diesen 
bestimmten Charaktermasken. Auch ist Einsiedeis Ueber- 
setzung brav gemacht und vieles uns Ungenießbare brav ver- 
schmolzen. Ich hoffe, dieser Versuch soll bald zu mehreren 
führen. Wer weiß, sehen wir vielleicht noch in diesem Winter 
des Euripides Aiceste ganz im antiken Geist. 

B. 3. Dez. 1801. Schiller ist überall milder (als Goethe) 
und dienstfertiger. Er kommt jetzt Donnerstag zu Kotzebue, 
wo zweimal einzelne Scenen aus seiner Johanna von Frl. v. 
Imhoff herrlich gespielt wurden. Da sprach ich ihn auch und 
freue mich jedesmal seiner belehrenden und humanen Unter- 
redung. (Aufführung Nathan des Weisen in Schillers Be- 
arbeitung.) Sie hätten unsem GrafT den Nathan und unsern 
Voß den Tempelherrn schön spielen sehen. Wir scheinen 
jetzt erst reif für dieses Stück. 

B. Weimar 4. April 1803. Endlich ist der geheimniß- 
volle Schleier gelüftet und die natürliche Tochter von Goethe 
ist vorigen Sonnabend unter unglaublichen Erwartungen ge- 
geben worden. Ich selbst ging mit dem reinsten Willen zu 
bewundern und anzubeten was göttlich sei, ins Schauspiel. 
Freilich hatte mich schon der Comödienzettel halb irre ge- 
macht. Lauter Abstractionen, König, Herzog, Secretär u. s. w. 
ohne Kategorie von Zeit und Raum. Dies ließ mich freilich 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 147 

die Tendenz des Dichters nach der neuesten Schule erwarten 
und dieß, ich gestehe es unverholen, machte mir bange. 
Auf der andern Seite hieß es: erster TheiL Also ein drama- 
tischer Cyclus, wie ihn Schiller in seinem Wallenstein ver- 
sucht aber gänzlich verfehlt hatte, wie ihn aber schon der 
Vater der Tragödie Aeschylos aufs reinste vollendet hat. Dies 
erfüllte mich wieder mit hoher Erwartung. 

Nun die Aufführung I Herrliche Situationen, nichts von 
Geschlechtsliebe (also hierin ganz griechisch), ein Helden - 
raädchen voll zarter Weiblichkeit, Tochter- und Vaterverhält- 
niß mit Sophocleischem Pinsel und doch unserm Standpunkt 
der Humanität angemessen. Wie groß I Tief blick in die großen 
Verhältnisse des Lebens, über Regenten, bürgerliche, häusliche 
Verhältnisse, wie ergreifend! Welche crystall-helle Sprache, 
welche Keuschheit der Bilder, wie wenig Schillerschen Bom- 
basts 1 Dies alles ganz des großen Goethe würdig ! Aber nun 
das Schwebende, Flirrende, Unbestimmte der ganzen Hand- 
lung! Welche Crocodille von unwahrscheinlichen, unmotivirten, 
unsublunarischen zu verschlucken! Welch ungeheure An- 
muthungen an die Zuschauer, welche Sprünge, welche seines 
k tiroir! Nein, dies ist wieder nicht auszuhalten und gießt 
eiskaltes Wasser auf die Flamme der reinsten Bewunderung. 
Ein Mädchen, die den Fels herabstürzt und in der zweiten 
Minute kerngesund dasteht. Einen Vater, der wie Lear wüthet, 
als seiner Tochter Tod bestätigt wird und der doch bei erstem 
Anhören der Nachricht zahm wie ein Schöps gewesen sein 
muß! Eine Hofmeisterin, die aus lauter Liebe zu ihrer Pflege- 
tochter, sehend und hörend, die ärgste Spitzbübin unter der 
Sonne ist. Eine lettre de cachet, die wie ein Medusenkopf 
die Menschen versteint, und niemals weder in Frankreich, 
noch irgendwo so vorhanden gewesen ist, ein Heldenmädchen, 
die sich wie ein Gänsekopf von einer Grisette auf dem Theater 
selbst anputzen läßt und zuletzt vor allen ehrbaren Zuschauern 
sich ausbedingt, reine Jungfrau zu bleiben, wenn sie einem 
Manne die Hand geben soll. Nein, das ist zuviel der unver- 
daulichen Kost auf eine Mahlzeit. Und das TipOjTOv i|;eubo^ 
von allem diesen, die neue Aesthetik! Heiliger Aristoteles, 
bete vor unsern Verstand! Und gar der erste Theil bloßer 
Nothbehelf, um uns aufs Maul zu schlagen, wenn wir hier 
schon reine Auflösung erwarten, die erst im zweiten oder 
dritten Stück kommen soll. Nein so machte es Aeschylos 
nicht. Bei ihm schließt sich und rundet sich jedes der drei 
Stücke vollkommen in sich selbst. Hier wurde die Kanone 
in Weimar geladen und in Leipzig abgeschossen. 

Auch war die Aufnahme des Stücks äußerst kalt und 
bedenklich vor einem aus Jena gekommnen, im Voraus 
enthusiasmirten Publikum, das 14 Tage vorher Schillern wegen 

10* 



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148 Neue Mittheilungen. 

seiner Braut von Messina ein dreimaliges Vivat gerufen hatte. 
Dies freilich auch mit großem Unrecht. Denn auch Schillers un- 
begreifliche empörende Schicksalsfabel ist ein sublimer — Miß- 
griff. Aber hier fühlte sich doch jedermann ergriffen, tragisch 
bewegt ! 

Sie, mein Freund, haben, wie ich mit Gewißheit vermuthe, 
ttber dies alles mit dem Meister selbst correspondirt. Sie 
müssen nun wissen, wohin dies alles tendirt. Ihrer treuen 
Brust vertraue ich daher dies alles auch nur im engsten Ge- 
heimniß an, damit Sie mich belehren, zurechtweisen, er- 
leuchten. Das, was ich Ihnen schrieb, kommt weder mündlich 
noch schriftlich weiter aus dem Verschluß meines Innern. 
Denn schändlich und unwürdig wäre es, bei allem diesen 
nicht die hohe Absicht des Meisters unsre deutschen Tragödie 
über alles vorhandne zu stellen und ihr einen neuen tragischen 
Canon vorzuhalten, mit Dankbarkeit zu erkennen. Auch bin 
ich nach allen hier verstreuten Keimen sicher, daß in der 
Fortsetzung uns noch eine herrliche tragische Saat keimt. 
Nur diese Abstracta hasse ich. Wahrlich auch Sophocles 
Oedipus ist ein Ideal, spricht eine Gesammtheit einer Classe 
von Herrschern und Unglücklichen aus. Aber dies Allgemeine, 
dies aus Tausenden Erlesene, wird in Theben lokalisirt, heißt 
Oedipus und erhält dadurch festen Boden und dramatische 
Individualität. Auch werden wir und wolls Gott auch unsere 
Enkel und Urenkel noch zu keinem andern Glauben kommen. 

Vertilgen Sie dies mitten unter ganz andern Geschäften 
aber aus Drang meines Innern geschriebene Blatt. Nur meinem 
Rochlitz öffne ich so mein Herz. 

E. 6. April 1803. Zufällig zog ich den Comödienzettel 
zuerst aus dem Couvert und da ging es mir wie Ihnen : ich ' 
erschrak vor den Geschlechtern auf dem Blatte, ich fuhr mir 
hinters Ohr über den ersten Theil. Schon hier fiel mir wieder 
ein: möchte dies nicht das Werk sein, über welches der be- 
stellte Alarcos fußen (?) und die Welt vorbereiten sollte? Und 
nachdem ich Ihre Darlegung gelesen habe, bestätigt sich dies 

mir immer mehr Ich bin nun gar nicht begierig auf 

das Produkt. . . Das aufgeführte Goethesche Stück ist das 
nicht, wovon zwischen ihm und mir die Rede war. . .fl 

R, 16. Okt. 1803. Goethes Eugenie habe ich mit großer 
Freude gelesen. Besonders den 4. und 5. Akt halte ich für 
wunderschön. Und die Sprache ist wol noch nie von einem 
Deutschen so behandelt worden. Man muß sich jene Akte 
laut lesen. Aber als Theaterstück kömmt Eugenie mir vor, 
wie jene Venus, die man auf den hohen Berg stellete. 

Schillers Braut ist denn doch ein sehr interessantes — 
Unding und die Vorrede, so schön sie geschrieben ist, halte ich 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 149 

für das schwächste, was Sch.'s Kunstphilosophie hervorgebracht 
hat. Ich getraute mir aus seinen eigenen dort aufgestellten 
Principien über manche wichtige Dinge grade das Gegentheil 
abzuleiten und zu erweisen. Er soll mit einem ähnlichen 
Gedicht schon wieder bald fertig sein. Don Carlos und Johanna 
werden leben, wenn dies Fremde längst untergegangen ist. 

B, 27. Okt. 1803. Ich kann mir wol vorstellen, daß 
Goethe, der in dem ersten Feuer große Anstrengungen für 
die Jenaische Oppositionszeitung zu machen Lu^ hatte, Eich- 
städt versprach, Sie dafür anzuwerben. Allein dieser Eifer 
hat sich, wie es scheint, sehr abgekühlt und Schiller hat vor 
8 Tagen in Jena öffentlich gesagt, daß weder er noch Goethe 
entschieden Antheil daran nehmen würde ; daß nun der viel- 
gewandte und auf allen Sätteln gerechte Paulus nach Würz- 
burg geht, ist der coup de grace für die Zeitung, während 
sie noch Embryo ist. Es ist ein elendes Getratsch von Jena aus 
in der eleganten Zeitung, die da erzählen konnte, daß Herder, 
Wieland und meine Wenigkeit an dieser Zeitung theilnehmen 
würden. Meine Zeit gestattet mir schon so nicht thätigen 
Antheil an irgend einem Recensionsinstitut zu nehmen. Was 
ich aber im Fache der Archäologie zuweilen in die Allg. 
Lit.-Ztg. gab, das werde ich ihr auch in Halle nicht entziehn. 
Sowie die Sachen jetzt stehn, kann ich Ihnen doch nicht zur 
Theilnahme an Eichstädts Unternehmen rathen. Als man mich 
kürzlich hier bei einem Ministerialdiner fragte: mit welcher 
von beiden Literaturzeitungen ichs halten würde, antwortete 
ich kurz : mit der lebenden . . . Goethe errichtet jetzt eine 
eigne Schule für jüngere Schauspieler und Schauspielerinnen, 
welcher er täglich oft mehrere Stunden widmet. Neulich 
wurde bei verschlossenen Thüren von diesen Lehrlingen sein 
Mahomet über alle Erwartung gut gegeben. Er hatte mir 
auch Billets dazu geschickt. Ob der zweite Theil seiner Eugenie 
diesen Winter noch auf der Bühne erscheinen wird, ist sehr 
zweifelhaft. Da könnte er freilich die Memoires de la prin- 
cesse Stephanie Conti nicht zur Grundlage machen. 

B. 9. Nov. 1803. Goethe denkt, wie man versichert, 
sehr ernstlich an die Fortsetzung seiner Eugenie und ist daher 
beständig in Jena, wo er allein von der Muse besucht wird. 
Hier fürchtet sie den Geheimenrath. Gewiß hat er den poeti- 
schen Poetiken einer gewissen Schule einen fatalen Strich durch 
seinen Realismus im ersten Theil dieses Wunderkinds gemacht. 
Hubers Urtheil darüber im Freimüthigen hat mir sehr gefallen. 

R, 22. Juni 1808.' Goethes Faust ist allerdings eine 
wahre und köstliche Bereicherung der deutschen Literatur. 

* Antwort auf Böttigers Schreiben, G.-J. IV, 326. 

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IJO Neue Mittheilungen. 

Eine Welt bewegt sich hier im Spiegel einer echt poetischen 
Seele vor uns. Nur das Intermezzo gegen den Schluß des 
Ganzen scheint mir, aller hübschen Einfälle imgeachtet, Goethes 
oder wenigstens dieses Platzes unwerth, zu geschweigen, daß 
man die meisten Beziehungen desselben nach wenigen Jahren 
nicht einmal mehr verstehen wird. Auch zerreißt es die 
tragischen Scenen viel zu sehr und, bei seiner Länge, sogar 
widrig. Ob noch mehr zurückgeblieben ? Ich glaube ja ! theils 
aus einigen frühern Aeußerungen Gs gegen mich, die auf 
das jetzt Hinzugekommene nicht recht passen, theils weil 
Faust hier doch nur durch eine Stufe hinauf- oder vielmehr 
hinabgeführt wird; theils weil Gretchen doch nur im ganzen 
Werk als Episode erscheinen darf, wäre dies aber das Ganze, 
viel zu sehr herausgehoben wird. 

R. 15. Aug. 1809. Die Antigone des Sophokles, die ich, 
mit Aristoteles von jeher als Muster der Ausführung sowie 
den König Oedipus (wie es scheint) gegen Aristoteles, als 
Muster dem Plan nach angesehen habe, bearbeitete ich blos 
erst, um wieder griechisch zu treiben, als mich das Treiben 
der Zeit anzuekeln begann. Als ich die erste Hälfte, mit all 
den Abänderungen, welche das Stück für jetzigen Gebrauch 
mir nöthig zu haben schien, fertig hatte, schickte ich sie 
Goethen, der, äußerst eingenommen davon, nicht abließ, bis 
ichs vollendete und ihm zur Aufführung anvertraute. Für 
diese hat er denn die allergrößte Sorge getragen; das Werk 
fand vielen Beifall, die Herzogin — zu deren Geburtstag es 
zuerst gegeben ward — und der Herzog gaben mir die 
schmeichelhaftesten Beweise ihres Wohlgefallens und Goethe 
meinte, das Stück müßte sogleich auf alten Bühnen gesucht 
werden — wenn auch die gewöhnlichen Direktoren es nur 
von der Seite ansähen, daß es die herrlichste Schule für die 
Schauspieler abgäbe und ihnen, wenigstens durch Neugierde 
des Publikums, mehrmals eine volle Kasse schaffte. Er hat 
sich geirrt, denn noch hat Niemand es begehrt. 

R, 23. September 1809. Sie sind es doch wohl, der 
die anziehenden und lehrreichen Erklärungen der Kupfer zu 
Cottas Damenkalender geliefert hat ? Dann haben Sie gewiß 
auch schon das Fragment aus Meisters Wanderjahren gelesen? 
Sage man was man will : da hat der alte Herr doch wieder ein 
trefflich Stückchen Arbeit geliefert. Diese Einfalt und Anmuth, 
diese Originalität und schöne Beschränkung, diese köstliche 
Sprache durch das Ganze und nun so manche, wirklich ent- 
zückende Einzelheiten. Und wenn es nun wahr ist, daß er es 
gleich bei den ZMrjahien auf Wander- (Gesellen-) Jahre ab- 
gesehen hätte, was er wenigstens jetzt behauptet, dal^ darum der 
Held dort nur — keiner war, sondern blos ein hin- und her- 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 151 

gewehtes Rohr, nur angeregt, nicht einmal empfangend, außer 
mechanisch ; wenn darum (was auch die Schlegel, sich selbst 
lächerlich machend, dagegen behaupteten), jenes Buch nicht zu 
Ende, sondern nur aus sein konnte : so muß man ja doch schon 
vor solch einem Plane den Hut abziehn. Nähert er nun 
wirklich am Ende seinen Helden der Meisterschaft : so kriegen 
wir damit wohl gar eine versteckte und verklärende Selbst- 
biographie — worauf freilich schon viele Einzelnheiten in 
den Lehrjahren hinwiesen. 

B. 27. Sept. 1809. Allerdings hab ich das köstliche Bruch- 
stück aus Wilhelm Meisters Wanderschaft (!) gelesen und wie- 
der gelesen. Welch ein magischer Zauber in dieser Parodie 
der heiligen Familie. Die Lilie zwischen Joseph und Maria 
ist das sublimste, was ich kenne. Ich wage übrigens zu 
glauben, daß Goethe, als er seinen Meister vor 15 Jahren 
schloß, an diese Fortsetzung schwerlich dachte. Damals genoß 
ich sein ganzes Zutraun und weiß daher Geständnisse von 
ihm, die mich dies glauben lassen. Um so bewunderungs- 
würdiger ist seine noch nicht erschöpfte Schöpferkraft. Was 
soll ich aber von den Wahlverwandschaften denken, die uns 
als eben geboren angekündigt werden? Stehen sie mit dem 
Meister im Zusammenhang? 

^. 30. Sept. 1809. Von Goethes W^ahlverwandschaften 
weiß ich nicht das Geringste. Es steht dies Buch, wie es 
scheint, mit der Fortsetzung des Meister in gar keiner Ver- 
bindung. Es ist noch nicht zu kaufen; sobald ichs erhalten 
kann und gelesen habe, sage ich Ihnen ein Wort darüber. 

B, 13. Okt. 1809. In den Wahlverwandtschaften sollen 
herrliche Dinge über das Neigen vom Herzen zum Herzen 
vorkommen. So schreibt mir der Geh. Rath Voigt aus Weimar. 

R, 7. Nov. 1809. Sie fragen mich, ob ich die Goethe- 
schen Wahlverwandten (sie) gelesen habe? Ich habe sie 
gelesen, aber eben jetzt erst. Meiner Ansicht nach (Sie 
fragen auch nach dieser*) ist das Werk freilich so wenig als 
die Eugenie, aus dem Centralpunkt des Gemüths entsprungen, 
wie Werther, Tasso etc., sondern aus einem zufilllig veran- 
laßten glücklichen Einfall der Beschäftigungen mit dem Gegen- 
stande der Physik, woher es seinen Namen und Plan hat: 
aber dieser Gedanke ist nun mit einer Summe von Geist, 
Kenntnissen aller Art, Studium des Menschen und seiner Ver- 
hältnisse entfaltet und mit einer Vollendung in Absicht auf 
Durchführung und Sprache gearbeitet, daß alles nur mit Ehren 

* Beide Fragen sind in den vorliegenden Briefen Böttigers nicht 
enthalten. 



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152 Neue Mittheilungen. 



— wo nicht über den besten Erzeugnissen der neuesten deut- 
schen Scribenten aus diesem Fache, doch ganz gewiß neben 
denselben Stand halten kann. Wollte man das Werk nun 
streng und unfreundlich, ein Mach- und Fachwerk nennen, 
so würde man das wohl geschehen lassen müssen ; aber zuzu- 
gestehn wäre es dann auch, daß es unter diesen Produkten, 
im Ganzen achtungswerth, im Einzelnen vortrefflich sei. 

B, (undat. Nov. 1809.) Wie treffend ist Ihr Urtheil über 
Goethes Wahlverwandtschaften. Die ganze Composition hängt 
an einem losen Faden und entbehrt doch zuweilen der 
innern psychologischen Wahrscheinlichkeit (selbst die so be- 
wunderte Charakterentwickelung Ottiliens scheint mir zu 
kranken, doch muß ich alles noch einmal lesen.) Allein man 
kommt bei den Schönheiten des Details, bei der himmlischen 
Klarheit des Stils, bei den tiefgeschöpften Lebens- und Ktug- 
heitsreflexionen, bei dem Zauber leiser Geisteranklänge in 
Ahndungen u. s. w. gar nicht zur nüchternen, prüfenden Be- 
sonnenheit. Wie werden sich die Anempfinderinnen, wie Goethe 
sie wohl sonst nennt hinein^ heraus lesen. Schon habe ich einen 
Begeisterung sprechenden Brief der Dame Spazier darüber. 

B, 28. Jan. 1810. Was sagen Sie denn zu der bittern 
und einseitigen doch oft sehr treffenden Recension (über die 
Wahlv.), womit die Hallenserin diesmal begonnen hat ? Gewiß 
lesen Sie auch meine paar Worte darüber in der Zeitung für 
die elegante Welt. Fast werde ich irre an mir selbst. Denn 
man sagt mir hier laut und bitter, ich hätte Goethen zu sehr 
geschmeichelt. Das habe ich wahrlich nicht gewollt. 

R, 4. Okt. 18 10. Daß Sie Goethe nicht gesehn, thut 
mir leid; ich bin gewiß, Sie beide dürften sich nur einmal 
recht grade und aufrichtig sprechen und Sie wären für immer 
im besten Verhältniß. Ueber sein Farben-Werk mögen sich 
immer die Federn und die Worte spitzen: Schwächen, Irr- 
thünier im Einzelnen kann man vielleicht viele entdecken; 
die Hauptsache verletzt dies nicht und diese ist so, daß sie 
allein Goethen die Achtung und den Dank der ganzen unter- 
richteten Welt erwerben müßte, besäße er dieselben nicht 
längst. Das Spaßhafte dabei ist, daß, soviel ich weiß, vor 
allem die Physiker ex professo das Werk unter die Scheere 
nehmen zu müssen glauben. Das heißt es verstehen wie die 
Hamburger den Nathan — für die Apologie des Judenthums. 
Meisters Wanderjahre sind nur noch nicht fertig gedruckt. 

R, 15. Okt. 1811. Goethes Selbstbiographie ist noch 
nicht fertig, wird es aber in diesen Tagen. Er hat mir vor 
einigen Wochen (11. Sept. 181 1) darüber geschrieben und 
vortrefflich in jedem Betracht. Es wird greulich darüber her- 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 153 

gefallen werden, das läßt sich vermuthen: denn was die Leute 
hier am ehesten erwarten und was auch wol keineswegs übel 
war, wenn ers gegeben hätte, enthält das Werk nicht ; dagegen 
vieles, vielleicht gar zu vieles, was man gar nicht erwartet. 
Möge man nur durch Gehäßigkeit nicht dagegen verstimmen, 
wo er es dann, wie die Eugenie, aus gleicher Absicht liegen 
lassen würde. Denn es ist und bleibt bei allem seinen Sonder- 
baren eine der merkwürdigsten neueren Schriften. So spreche 
ich, ohne jedoch etwas vom ersten Bande gesehen zu haben, 
denn einiges vom zweiten, der weit bedeutender wird, ist mir 
nicht ganz unbekannt. Dieser muß schon jetzt bald ganz 
niedergeschrieben sein. 

B, I. Nov. 181 2. Natürlich liest auch hier jeder mit 
Heißhunger den zweiten Theil von Goethe über sich. Man 
findet ihn gehaltreicher, voll treffender Urtheile über Kunst 
und Kunstmenschen, eine köstliche, sich jedem Gegenstand wie 
ein Zaubermantel anschmiegende Sprache, voll krystall heller 
Klarheit und hinreißender Darstellung. Aber man wünscht 
doch noch dies und jenes weg. Besonders sind einige Stellen 
über den Katholicismus anstößig, die gewiß sehr gemißbraucht 
werden. Was sagen Sie zu diesem Theil von Goethe? 

M. 25. Jan. 181 3. Daß Goethe die sieben Sakramente, 
wie Sie sagen, so phantastisch gepriesen, wird freilich 
schwerlich Jemand rühmen können, und, diese Sache so einzeln 
an sich betrachtet, wüßte ichs zwar zu erklären, aber nicht zu 
entschuldigen, viel weniger zu rechtfertigen. Aber lassen Sie 
uns einmal diese wunderliche Einzelheit abrechnen, lassen Sie 
uns dann vergessen, daß wir Protestanten, ich meine : Parthei 
sind und uns nur unseres Christenthums, sowie der jetzigen Lage 
des Christenthums in den meisten gebildeten Staaten, ja vor- 
nemlich in Deutschland erinnern und nun ganz bestimmt, fest 
und hell uns vorhalten, was jene ganze Depression Allgemeines 
enthält oder wenigstens verräth, sucht, will — wie dann? 

B. 12. Mai 1813. Das Schriftchen zu Vater Wielands 
Andenken, ftlr dessen Mittheilung ich Ihnen den herzlichsten 
Dank sage, habe ich in der sorgenvollen Nacht vom 3. zum 
4. gelesen. Ich habe W. als Menschen nicht lange und genau 
genug gekannt, um urtheilen zu können, ob Goethe ihm in 
dieser Hinsicht ganz und überall sein Recht angethan, aber 
W., den Dichter, glaube ich mir nicht fremd und da muß 
ich denn gestehen, daß er, eben als Dichter und Schriftsteller 
überhaupt meiner Einsicht nach, in einer Weise aufgefaßt und 
mit einer Consequenz, Klarheit und Anschaulichkeit dargestellt 
ist, wie das wohl kein Andrer vermocht hätte, im Ganzen 
nämlich ! Gegen Einzelnes lassen sich vielleicht nicht grund- 
lose Einwendungen machen. Einzelnes mag man, mit noch 



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154 ^^^^ Mittheilungen. 



mehr Grund noch hinzugesetzt wünschen: eben zu jenem 
Behuf war es jedoch nur um das Ganze zu thun« und wie 
das nun ist, läßt sich gar Manches berichtigen und nachtragen. 
Die Rede aber als Kunstwerk, als Charakterbild an sich be- 
trachtet, muß ich sie als das Schönste rechnen, was G. in 
späterer Zeit geliefert hat, unter das Schönste, was Deutsch- 
land in dieser Gattung besitzt. 

R, 13. Jan. 18 14. Ad vocem Goethe. Habe ich Ihnen 
geschrieben, daß dieser mir sogar hieher mancherlei zum 
Geschenk, das an jene Stunden ' ganz bestimmt erinnern soll, 
nachgesandt hat, besonders verschiedene sehr hübsche Zeich- 
nungen von seiner Hand. . . . Goethes Leben III ist wie er 
sagte, nur darum nicht längst ausgegeben, weil Frommann 
den Druck nicht fördern konnte und Cotta, da er das Buch 
nur erst zu Ostern verrechnen kann, wahrscheinlich jenen 
nicht genug trieb. Nun ist der Band aber fast ausgedruckt. 
Zu lesen gab er mir ihn nicht, weil ich dazu zu Hause mehr 
Zeit habe und er auf den Totaleindruck rechne, aber was 
vornehmlich darin stehe, hat er mir gesagt ; und nach diesem 
möchte wol der 3. Band soweit über dem 2. stehen als dieser 
über dem i., an allgemeinem Interesse nämlich. 

R. 29. Nov. 1816. Schillers Demetrius — wer soll den 
ergänzen? Er wäre, däucht mich, eines der herrlichsten, wo 
nicht das herrlichste der Charakterstücke Schillers geworden. 
Goethe weiß, was damit werden sollte : er wirds aber schwer- 
lich sagen. Den 4. Band von G's Leben hab ich noch nicht 
gelesen; es werden noch zwei aus Italien folgen und bald 
wird auch das 2. Heft seiner Kunst etc. gedruckt werden. 
In diesem will er derb und entschieden gegen das aus- 
trocknende, Geist und Muse zersplitternde Thun der Alt- 
deutschen und Altitalienischen unserer Tage auftreten. Un- 
befangene werden es ihm danken und das um so mehr, je 
mehr ihnen bekannt ist, was aus Cornelius, Overbeck u. s. w. 
hätte werden können und nun sicher nicht wird. 

B. 14. Aug. 1821. Eben lese ich im Repertorium 1821, 
3. Band i. Stück Ihre Recension von den Wanderjahren und 
der Erdennacht. Es ist Alles wahr was Sie zum Lobe sagen 



» Ueber Rochlitz' Besuch in Weimar, Dec. 1815, vgl, Biedermann, 
Gespräche III, S. 120. — Für das Folgende den Brief Goethes 28. Dec 
181 3, Biedermann, Briefwechsel S. 144 fg. — Die im nächsten Briefe 
genannte »Kunst« ist naturlich die Zeitschrift »Kunst und Alterthum«. 
— Die großen Pausen zwischen einzelnen der folgenden Briefstücke 
bedeuten kein Erkalten der Freundschaft, wie aus dem Ton der Briefe 
klar hervorgeht, erklären sich vielmehr aus häufigen persönlichen Zu- 
sammenkünften und aus zunehmendem Alter. 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. IJJ 

und dennoch — hats auch eine Kehrseite, die Sie uns nicht 
zeigen. Schon recht, man muß auch kalt und warm zugleich 
aus dem Mund blasen. 

Lesen Sie denn die Pseudowanderjahre, die bei Basse in 
Quedlinburg herausgekommen sind. Das ist ein meisterhaftes 
Produkt auf der Kehrseite. Wenn Sie sie noch nicht haben, so 
kann ich sie Ihnen mittheilen. Ich habe sie mir gleich selbst 
gekauft und den echten Wanderjahren zur Seite gestellt. Ich 
wäre wohl ausserordentlich begierig, Ihr Urtheil darüber zu 
vernehmen . . Das Buch macht grosses Aufsehn. In Weimar 
deliberirte man darüber, wie mans Goethes Augen entziehen 
wollte. Goethe aber reist frischen Muths nach Marienbad. 

R, 27. Aug. 1821. Meine Anzeigen der »Erdennacht« 
und »Wanderjahre« im Repert. haben Sie gelesen ? Wer sagt 
Ihnen denn, daß sie meine sind? Daß die Kehrseite abgekehrt 
worden, scheint zu entschuldigen, da eine durchpreisende 
alles zur Sprache bringende Rec. nicht möglich war und da, 
wenn auch höflichst, dem Achtsamen zu verstehen gegeben 
worden, es sei eine dort nicht berührte Kehrseite vorhanden. 
Aber daß Sie mir die Pseudowanderjahre so lebendig und 
dringend empfehlen, verdient meinen besondern Dank. Denn 
eingenommen gegen jedes »Pseudo« hätte ich sie ganz gewiß 
nicht gelesen, statt daß sie nun sogar gekauft werden sollen. 
Wie ist es aber möglich, daß ein verborgner Quedlinburger 
so was liefern kann — oder vielmehr: wie kann man so 
was liefern und ein geborner Quedlinburger sein? Goethen 
wirds tief wurmen und sein Stolz ihm nur insoweit darüber 
hinweghelfen, daß dies ihm nicht abgemerkt werde. Seine 
Reizbarkeit für seinen Ruhm ist ungeheuer ; natürlich ! Da er 
fühlt, er könne ihn nicht mehren, ja denen, die ihn zu mindern 
versuchen würden, nichts sieghaft Niederschlagendes mehr 
entgegensetzen. Doch leugne ich gar nicht, daß ich mit 
liebender Aengstlichkeit an alles denke, was ihm, der nun 
nicht mehr anders werden kann und dem wir alle so unendlich 
viel verdanken, seine späten Lebensjahre trüben könnte. 
Frankfurter Abgötterei, wozu die reichen Herren, die den 
Ruhm davontragen wollen, das Geld zusammenbetteln, ver- 
achtet er; sie bietet ihm nicht den geringsten Ersatz für einen 
Landesstrich, den er erobert, zuerst urbar gemacht, bisher zu- 
gestandenermaßen besessen hat und den er nun her- oder gar 
einem Andern geben soll. 

B, 18. Dec. 1825. Die Leute ärgern sich an Goethes 
des Lebenden Apotheose.' Mich freut sie. Sollt sich nicht 

' Gemeint ist wohl: Goethes goldener Jubeltag 7. Nov. 1825, 
genauer Titel in Hirzels Verzeichniß 1884 S. 98. — Hat man ein Recht, 



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156 Neue Mittheilüngen. 

Jeder in diesem Sieg der Intelligenz über die Hof junkerschaft 
und den Kastendunkel mit begriffen ftlhlen? 

R, 18. Dec. 1828.' Daß man Ihnen bei jener Feier- 
lichkeit in Weimar endlich hat volle Gerechtigkeit wider- 
fahren lassen, ist mir so erfreulich, als wäre es mir selbst in 
solchem Falle geschehen. Halten Sie doch ja dies hoch und 
freuen sich dessen mehr als alles sonstigen Schmeichelhaften, 
das Ihnen öffentlich und privatim widerfährt, aber, wie das 
nicht anders sein kann, gemeiniglich mit der Stunde verklingt. 
Non omnis moriar ist ein ernstes Wort für den, der nicht 
mehr allzulange zu leben erwartet; und die bleibenden An- 
stalten zu sehn, daß dies Wort in Erfüllung gehe, macht es 
auch zu einem sehr wohlthuenden und so lassen Sie sich es 
wohlthun. 

B, 27. März 1830. Goethes 2. Aufenthalt in Rom liegt 
seit 14 Tagen auf dem Tischchen an meinem Bette. Das ist 
ein seltener Genuß. Wie müssen sich Pickelheringe in unserer 
Literatur, wie der sein Talent schändlich mißbrauchende Menzel 
bei solchen Erscheinungen geberden. 

R. 24. Nov. 1831. Von Goethes neuem Faust hätte ich 
Vieles zu melden: ich habe aber dem Dichter das Wort geben 
müssen, nichts im Voraus verlauten zu lassen. Soviel glaube 
ich indessen verantworten zu können: Wer zu dem Werke 
viel mitbringt und das Viele ihm zuwenden will, der wird 
nicht nur erstaunen, sondern auch sobald nicht fertig werden, 
es ganz durchzudenken und durchzuempfinden. Wer es liest, 
wie etwa ein Raupachsches Drama, der wird nur an Einzel- 
heiten in mäßiger Zahl seine Rechnung finden; und wer es 
liest, wie ein Drama von Hinz oder Kunz, der wird gar 
nichts daran haben und wohl selbst da lachen, dort Anstoß 
nehmen. 

B. 25. März 1832. 

Mein alter Freund 

Die Kunde von Goethes Tod hat mich aus dem Bette 
aufgeschreckt. 

Reinhard schreibt mir: Kommen Sie zu mir. Es ist 
meiner Frau Geburtstag. Wir wollen ein Geburts- und Todten- 
fest feiern. Letzterem sind wir beide die Nächsten. Als ich 



an der Aufrichtigkeit dieser und anderer lobender Aeußerungen zu zweifeln? 
Da B. seinem Freunde gegenüber auch den Tadel Goethes nicht zurück- 
hält, so darf man auch sein Lob keineswegs verdächtig finden. 

» Ordensauszeichnung Böttigers? Jedenfalls stand Söttiger, wie mit 
Karl August, so auch mit dessen Nachfolger, mit letzterem vor und 
nach seiner Thronbesteigung in brieflicher Verbindung. 



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Aus DEM Briefwechsel zwischen Böttiger und Rochlitz. 157 

ihn gestern sprach, trug er mir Grüsse an Sie auf und stimmt 
ganz in den Vorschlag, den ich Ihnen jetzt schreibe. 

Schreiben Sie Goethes Nekrolog in der Allg. Zeitg. Wer 
vermag es besser, im innigsten Einverständniß und Eindringen 
in das Heiligste dieses Menschen - Pantheon , als Sie mein 
Freund. Es wäre unwürdig, wenn in der ersten deutschen 
2^itung nicht etwas Würdiges über den Einzigen gesagt würde. 
Wohl bin ich oft da der sprechende Todtengräber gewesen. 
Aber diese Aufgabe ist mir zu schwer und eine innere Stimme 
sagt mir: Goethe mag dich nicht zum Todtenredner haben. 
Sie wissen, wie sehr ich ihm, bei Gott nicht durch meine 
Schuld, entfremdet wurde. Grade die allgemeine Zeitung 
hat durch eine unglückliche Verwechslung seine frühere Ab- 
neigung befestigt. Nach der Schlacht bei Jena schrieb mir 
Fernow manches zur Mittheilung. Darin stand, daß G. sich 
während des Kanonendonners der Schlacht bei Jena bereden 
ließ, die Vulpia sich antrauen zu lassen. Ich beging die Indis- 
cretion, jene Briefe auch an diese Stelle zum Abdruck ein- 
zusenden. Es mochte wohl ein geheimer Mißmuth in mir 
schlummern. Denn Goethe vertrieb mich aus Weimar. Das 
alles ist längst in mir verschmerzt. Wo ich es vermochte, 
habe ich seit Jahren dem Genius gehuldigt, dem ich selbst 
die höchsten Genüsse verdanke und den in einigen seiner 
Leistungen etwas ermessen zu können, ich für meinen Stolz 
achte. Sagen Sie mir nun selbst, ob ich Recht habe auszurufen : 
tibi lampada trado. 

Ich bin durch die Theilnahme, welche der Großherzog 
mir beim Tode meiner guten Frau bewies, mit ihm aufs 
Neue in Briefwechsel gekommen. Eben geht ein Brief von 
mir an ihn ab. Natürlich auch über Goethe. Da berühr ich 
mit Delicatesse versteht sich, den Umstand den ich oft be- 
sprechen hörte, daß auf Kosten des Staats Goethes Haus als 
die von ihm in allen seinen Theilen und köstlichem Inhalt 
tausendfaches Zeugniß geben, gekauft und zu einem bleiben- 
den Heiligthum geweiht, unter conservatorischer Beschränkung 
Einheimischen und Fremden, wie eine Kapelle, wo ein Gnaden- 
bild waltet, geöffnet sein möchte. Wissen Sie vielleicht etwas über 
Goethes eigne Gesinnung und Disposition darüber? Natürlich 
muß das Eigenthumsrecht der Hinterlassenen mit größtem Zart- 
gefühl berücksichtigt und geschont werden. Aber die geringste 
Zerstückelung wäre doch wahrlich die schmerzlichste Profanation. 

Und nun genug. Vielleicht sind Sie selbst sogleich nach 
Weimar gereist und haben die sterbliche Hülle in die Fürsten- 
gruft begleitet. Mit aller Treue Dir Böttiger.' 



' R. lehnte den Antrag ab. Dieser Theil seines Briefs ist gedruckt 
Ad. Stern S. 222 fg. Doch ist Sterns Bemerkung nicht zutreffend; denn 



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158 Neue Mittheilungen. 



R. 26. März 1832 Ihr Gedanke Goethes Haus 

betreffend, an den Herzog mitgetheilt, ist schön. Es hat aber 
der Entschlafene verwichenen Sommer, wenige Wochen vor 
meinem Besuche, nachdem er die furchtbare Menge seiner 
Papiere geordnet, sein Testament aufgesetzt und darin wie 
tlber diese, inwiefern einiges davon öffentlich werden soll, so 
tlber seine Kunstsachen und andere BesitzthUmer verfügt. Dies 
wtlrde die Ausführung jenes Gedankens zwar nicht verhindern, 
vielleicht aber erschweren. Ich bin über diese Dinge unter- 
richtet; sie werden auch bald genug bekannt werden: nur 
nicht durch mich, obgleich Goethe selbst für die Zeit, wenn 
er abgerufen, sich aller gewöhnlichen Erdenrücksichten gänz- 
lich entschlagen hat. Auch dies wird bald genug bekannt 
werden und Manchen sichtlich befremden. Mein Verfahren 
bleibt blos das meinige. Wer anders denkt und empfindet, 
der handle anders: er wird recht thun; ich aber auch, be- 
sonders dem jetzigen Lesepublikum gegenüber. 

Wenn Sie Goethes Leichenredner nicht werden wollen, 
so könnte vielleicht am besten der Geheimrath und Kanzler 
von Müller dies Ehrenamt übernehmen. Riemer hat seit 
langen Jahren über G. gesammelt und Vieles, was Wenigen 
bekannt, mit ihm durchlebt. Gebrauch wird er wahrschein- 
lich davon machen: ob auch — würde er aufgefordert einen 
solchen, kann ich nicht wissen. 

B. 29. März 1832. Ich danke Ihnen für Ihre schnelle 
Antwort zu einer Zeit, wo Sie durch die treueste Krankenpflege 
so wenig Zeit haben. Für gewisse Dinge hat eine so mit- 
theilsam-schreibselige Natur, wie die meinige ist, in sich selbst 
kein Maß . . . Kann ich also gleich Ihre Handlungsweise 
nicht recht fassen und würdigen, so erscheint sie mir doch, 
weil sie die Ihre ist, untadelhaft. Ich verehre sie, aber ich liebe 
sie nicht. — Es hat mir wohlgethan, daß auch ich von der 
Familie Goethe durch die Post eine Todtenanzeige erhielt. An 
den Kanzler Müller habe ich geschrieben, um ihn wegen eines 
von ihm ausgehenden Nekrologs in der AUg. Zeitg. Vor- 
stellung gethan. Aber ich bin schon auf ein Nein gefaßt. 
Und dann, — ja dann ists sehr schlimm. Es wäre die 
schwierigste Aufgabe für den gesündesten und frischesten 
Parentator. Und ich bin nur noch ein Schatten gegen sonst! 
Morgen wird zur Feier des grossen Todten nach der Iphigenia 
von Orest, Pylades und Iphigenia (worunter Emil Devrient als 
Orest die größte Bühnenvirtuosität entwickelt und viel mehr 
leistet als der stets kränkliche Wolf) ein Epilog von Tieck 

Rochlitz schrieb sehr bald darauf in den Wiener Jahrbüchern doch 
über Goethe. — Auch die Stelle des Rschen Briefs, die auf das hier 
mitgetheilte Stück folgt, ist bei Stern gedruckt. 



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Nachtrag: Goethe an Kirckhoff 1826. 159 

gesprochen, während hinter ihnen, um die herrliche Marmor- 
büste Goethes von Rauch, die unser Quandt besitzt, sich Faust 
sitzend und lesend, Götz und seine Frau, Egmont, die Prinzessin 
und Tasso in Kniehaltung das Buch darreichend so gruppiren, 
daß Clärchen oben in den Wolken die Palme senkt auf das 
Lorbeerhaupt. Es ist gut gedacht — den Epilog kenne ich 
nicht — und wird dem Kronprinzen von Preußen, der grade 
daher kömmt, gefallen. Wir wollen also hier wenigstens nicht 
ganz zurückbleiben. Die Idee mit der Dedikation des Hauses 
von Goethe ist also unausführbar . . . Reinhard, von dem ich 
eben komme, und der leider uns als ein neucreirter Pair von 
Frankreich bald verlassen wird, grüßt Sie als den, von welchem 
ihm Goethe sagte, es habe Niemand unter den jetzt Lebenden 
ihn besser verstanden. 

B, 30. Juli 1832. (Hat gehört, daß R. »zur Goethe- 
Schau« nach Weimar gehe.) Schön wäre es, wenn Sie sich 
entschließen könnten, mir nach Ihrer Heimkehr etwas Be- 
friedigendes über die verschiedenen Classen des Nachlasses 
zu sagen. Denn ich bin aufgefordert, mein : nach Goethes Tod 
in der Allg. Zeitg. fortzusetzen und ich habe da recht nach 
dem Vaterunser: remitte nobis schon manches geschrieben, 
was überall gelesen wurde. Nur das in dieser Zeitung gesagte 
dringt durch. 

V. NACHTRAG: GOETHE AN KIRCKHOFF 1826. 

Hochwohlgeborner 
insonders Hochzuehrender Herr! 

Die Academieen von Ma(jon und Neu-York haben mir 
den Vorzug gegönnt, mich zu ihrem auswärtigen (sie) Mit- 
gliede geneigt aufnehmen zu wollen. Indem ich nun hierin 
Ew. Hochwohlgeb. Vermittelung dankbar anerkenne, so 
ersuche dieselben, auch dorthin meinen schuldigen Dank 
gelegentlich abzutragen. Denn es wird mir bey so hohen 
Jahren und mannichfach obliegenden Verpflichtungen un- 
möglich, auswärtigen Verhältnissen, nach Wunsch, eine 
schuldige Folge zu geben. 

Nehmen Sie bey dieser Gelegenheit die dankbare An- 
erkennung des thätigen Wohlwollens welches Dieselben 
unserer mineralogischen Societät zu Jena, so wie deren un- 
ermüdlichen Director, Herrn Bergrath Lenz gewidmet 
haben. Erlauben Sie zugleich, die Fortsetzung desselben 
uns auch für die Zukunft zu erbitten. 



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i6o Neue Mittheilüngen. 



Der ich es mir zur Ehre rechne mich mit vorzüglichster 
Hochachtung zu unterzeichnen 
Weimar den 19 Juny 1826 

Ew. Hochwohlgeb. 

gehorsamster Diener 
JW V Goethe. 
Adresse: An S. des Herrn Doctor und Ritter von 
KirckhofF, Oberarzt des miUtairischen Hospitals zu Ant- 
werpen, der Großherzogl. mineralogischen Societät Präsi- 
dent etc. Hochwohlgeb. Antwerpen. 

Auch diesen Brief — Quartbogen, nur eine Seite be- 
schrieben — verdanke ich, wie so viele Schriftstücke dieser 
Abtheilung der nimmer rastenden Güte des Herrn Rudolf Brock- 
haus. Ich erhielt ihn am 9. April, konnte ihn daher, da Bogen 7, 
wohin er gehörte, längst ausgedruckt war, nicht an den ihm 
zukommenden Ort bringen. Da aber, wegen der, durch das erst 
im April beschlossene Ausfallen des Festvortrags, nöthig ge- 
wordenen Inhaltsvermehrung noch die Nummern III. IV dieser 
Abtheilung eingefügt werden mußten, so schien es mir rathsam, 
auch diesen Brief Goethes noch nachtragsweise zu liefern. Un- 
gedruckt durfte er sein — bei Strehlke und Diezel wird er nicht 
einmal unter den handschriftlich erhaltenen erwähnt. Ueber die 
Sache werden wohl das Goethe- und Schiller- Archiv mit seinen 
reichen Urkunden, vielleicht auch die Tagebücher (die Gespräche 
enthalten nichts darüber) Näheres bringen können. Ueber die 
Person des Adressaten (weder in der Nouvelle biographie, noch 
in Ersch und Grubers Realencyclopädie zu finden), der auch in 
Goethes naturwissenschaftlichen Schriften (vgl. VV. A. II. Abth. 
Register) nicht vorkommt, enthalten die Briefe des Bergraths 
J. G. Lenz (Naturw. Corr. ed. Bratranek Bd. II) einige Notizen. 
Danach wurde Chevalier Louis de K. (Lenz schreibt : Kirchhoff 
und nennt ihn seinen guten alten Gönnerund Freund) 1824 zum 
2. Vicepräsidenten der mineral. Gesellschaft ernannt und nahm 
diese Ehre freudig an (1824). Er hatte u. A. sein Werk Hygiene 
militaire ä Tusage des Arm^es de terre zum Geschenk geschickt. 
In dem Catalog der Berliner K. Bibl. wird er Rom. Jos. Louis 
Kerckhoffs genannt und zwei Schriften, beide in mehreren Aus- 
gaben verzeichnet: De Tair atmosphdrique 1811, über die 
Krankheiten der französichen Armee in Russland und Deutsch- 
land 181 2. Unser Brief wurde offenbar, wie Lenz am 9. Juni 1826 
erbat, und am 20. bestätigte, durch Lenz abgeschickt. Dieser 
schreibt übrigens nur von einem New -Yorker Diplom ftlr Goethe, 
meldet aber in demselben Briefe, daß ein Bericht der Gesellschaft 
d'agriculture, Sciences et Beiles Lettres in Ma9on eingelaufen sei. 

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n. Abhandlungen. 



Gornra-JAMBivai XYIIL II 

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Neues zur Entstehungsgeschichte 
VON Goethes Torquato Tasso. 

Von 

Eduard Scheidemantel. 




|achdem ich in meiner Programmarbeit vom vorigen 
Jahre' den bisherigen Annahmen widerstreitende 

Ansichten über die Entstehungsgeschichte des 

Tasso dargelegt und zu begründen versucht habe, würde 
ich jetzt nicht schon wieder auf denselben Gegenstand 
zurückkommen, wenn sich mir nicht seitdem unerwarteter 
Weise im Goethe- und Schillerarchiv neues Material ge- 
boten hätte, das für den grössten Theil meiner früheren 
Ergebnisse den urkundlichen Beleg bringt und zugleich 
noch mehr Licht über den Entwicklungsgang des Tasso 
verbreitet. Bevor ich jedoch davon sprechen kann, muss 
ich das Wichtigste aus der angeführten Abhandlung in alier 
Kürze noch einmal zusammenfassen, da sonst meine weitere 
Darlegung in der Luft schweben würde. 

Änächst galt es das Verhältniss der beiden Hand- 
schriften H^ und H* klarzustellen. Die jetzige Ordnung 
der Handschriften ist nicht die ursprüngliche. (Vergl. Progr. 
S. 6 f.) Vielmehr gehören H» Act L-III und H} Act IV 
und V zusammen, (Goethes Handexemplar, von mir mit 

* »Zur Entstehimfsgeschichte von Goethes Torquato Tasso«. 
Wissenschaftliche Beigabe zum Jahresbericht des Wilhelm-Emst-Gym- 
nasiums zu Weimar 1896. 



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164 Abhandlungen. 



H^ bezeichnet), ferner H^ Act I— III und H^ Act IV und V. 
(Die Druckvorlage, an den Signaturen leicht zu erkennen, 
= H".) Die beiden Handschriften sind bis auf den dritten 
Act der Druckvorlage (H") von Vogel geschrieben. 

Was die Entstehung des Werkes anbelangt, so wurde 
der Glaube, der Dichter habe die ersten Acte zunächst in 
Angriff genommen, um mit dem letzten seine Arbeit zu 
enden, als eine irrige Vorstellung erkannt. Auch beim Tasso 
schlug Goethe den Weg ein, den er sonst mehrfach be- 
treten hat', erdichtete, unbekümmert um die Reihenfolge 
des Stückes, dessen Plan ihm klar vor Augen stand, zuerst 
die Scenen, die seine Schaffenslust am meisten anregten 
oder seiner eignen Seelenstimmung den lautesten Wieder- 
hall gaben. 

Den Tasso begann er im Frühjahr 1788 bei seiner 
Rückreise von Rom mit den Abschiedsscenen des fünften 
Actes*. Das beweisen Goethes eigne bisher mit Unrecht 
auf ihre Glaubwürdigkeit angezweifelte Nachrichten und 
eine Reihe anderer Gründe und Erwägungen. (Vgl. meine 
ausführliche Darlegung Progr. S. 10 f.j Ausser dem fünften 
Act wurden IV, i — 3 zunächst ihrer Vollendung entgegen 
geführt. 

Dass wir in diesen Partieen den ältesten Bestand der 
Tassodichtung zu erblicken haben, wird durch W bewiesen; 
hier nimmt Battista Pigna, der alte Gegner Tassos, noch 
die Stelle des Antonio ein; diese Theile sind also ab- 
geschlossen gewesen, bevor sich Antonio dem Dichter als 
Contrastfigur zu Tasso darbot. (Vgl. Progr. S. 8.) Zu 
dem gleichen Schlüsse führten auch metrische Beobachtungen 
über drei- und viersilbige Messung des Namens Antonio. 

Endlich wurde eine Beant^vortung der Frage versucht, 
welches die drei Scenen gewesen sein mögen, die noch 
am 6. April 1789 Goethe wie lose Nymphen zum Besten 



« Z. B. bei Egmont (D. u. Wahrh. 19. B. Weim.-Ausg. XXIX, 
S. 162, i6j) beim Opera-Entwurf des Gross-Cophta (W.-A. XVft, S. 569) 
und bei cler Eugenie (Annalen 1802, W.-A. XXXV S. 144, «s f.). 

' Von den erfolglosen Ansätzen zu einer Vollendung des Tasso 
aus dem vorhergehenden Jahre (vgl. Progr. S. 10) sehe ich hier ab; 
erwähnen will ich nur, dass sich in den Fragmenten zur Gross-Cophu- 
Oper, die vermuthlich alle dem Jahre 1787 angehören, auf H? auch 
einige Verse aus Tasso aufgezeichnet finden. Es sind zwei Bruchstücke 
aus der 2. Scene des dritten Actes, Vers 1744—46 und Vers 1771, 72 
(W.-A. XVII, S. 371). Zu jener Zeit war Goethe also um eine directe 
Fortsetzung der zwei ersten noch umzuarbeitenden Acte bemüht. Weit 
ist er damit nicht gekommen ; denn mancherlei andere Interessen durch- 
kreuzten seine Neigung für das unvollendete Stück. Ob er von Versen 
damals überhaupt mehr als die erwähnten ausgeführt hat, erscheint mir 
sehr fraglich. 



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Neues zur Entstehungsgeschichte v. Goethes Torquato Tasso. 1 6$ 

hatten, dass er sie nicht zu fassen vermochte. Als wahr- 
scheinlich ergaben sich III, 2 und IV, 4 und 5. (Vergl. 
Progr. S. J7 f.) 

Diese hauptsächUchsten Resultate meiner Programm- 
arbeit haben nun neuerdings, wie schon im Eingang erwähnt 
wurde, der grossen Mehrzahl nach durch drei auf Tasso 
bezügliche Quittungen Vogels im Goethe- und Schiller- 
archiv eine geradezu urkundliche Bestätigung gefunden.' 

Zu ihrem Verständniss sei vorausgeschickt, oass Vogel, 
wie aus zahlreichen Belegen hervorgeht, für den Bogen einen 
Groschen erhielt (^24 Groschen = i Thaler) unadass als 
Bogen ein Doppelblatt mit vier Seiten gilt. Die Quittungen 
selbst haben folgenden Wortlaut*: 

I,) — /f. gr. ö. ,9j. J^ür 14, Bogen mund, als den 4ten 
und ^tcn Aufzug von dem theatralischen Stück T'asso 
des Herrn Geheimen» Rat hs von Goethe Hochwohlgeb, 
habe dato richtig erhalten; welches mit unter thänigsten 
Danck bescheinige, Weimar den 4^^ Nov: iy88, 

tC G, a Vogel, 

Hierbei ist das Papier (iV« Groschen) mit eingerechnet. 

2,) Vierzehn Groschen — pr. mundo 14. Bogen zum thea- 
tralischen Stück Alphonso für S* Excellenz den Herrn 
Geheimenden Rath von Goethe sind mir dato baar be- 
zahlt worden, welches mit unterthänigen Danck be- 
scheinige, Weimar den 27, Jan, 178g, 
{Zum 2ten u, jten Aufzug.) ' C G, C, Vogel. 

NatürUch kann mit dem theatralischen Stück Alphonso 
nur Tasso gemeint sein; war doch gerade im December 
und Januar während der Anwesenheit Moritzens Goethe 
nach dem Zeugniss der Frau Herder eifrig mit diesem 
Stücke beschäftigt. Gedankenlosigkeit des Schreibers oder 
das bedeutsame Hervortreten des Alphons am Ausgang 
des zweiten Actes mögen den Anlass zu der Titelver- 
wechselung gegeben haben. 

j.) Vier Rthlr — 6, ^, pro Mundo einiger theatralischen 
Stücke für Ihro des Herrn Geheimen Raths von Goethe 
Hochwohlgebr : inclus, Papier, nehmlich 

■ Herr Dr. A. Fresenius hatte die Güte, mich auf das Vorhanden- 
sein solcher unter Umständen bedeutungsvollen Quittungen und der 
von £. von der Hellen daraus gefertigten Auszüge aufmerksam zu 
machen. Siehe auch W.-A. XVII, 313. 

* Dem Director des Goethe- und Schillerarchivs, Herrn Prof. Dr. 
Suphan, bin ich für die Erlaubniss, dieses Material benutzen zu dürfen, 
zu lebhaftem Danke verbunden. 

' Die in Klammem beigefugte Bemerkung: Zum 2. und 3. Aufzug 
ist doppelt unterstrichen. 



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i66 Abhandlungen. 



44, Bogen, an Tasso vom 5. April bis im 

Monat fun i ^ 20. gr. 

21. Bogen, Lila, — 21, ,, 

21. Bogen, an Tasso im Monat JuL u. Augi — 21. „ 
jFür jV« BucÄ Papier ä 3 gr. , . — 10 „ 6 J^ 

ut supra 
sind mir dato haar bezahlt worden, welches mit unter- 
thänigsten Danck bekenne, 
Weimar den 25, Äug: 178g, 

CG C Vogel, 

Die drei Quittungen bieten eine willkommene Er- 
gänzung zu unseren übri^n Nachrichten, so dass wir das 
Werden und Wachsen des Tasso nicht nur in grossen Zügen 
ohne weiteres überblicken, sondern dass wir auch im Ein- 
zelnen Goethe noch intimer als bisher bei seinem Schaffen 
belauschen können. 

Vor allem entsteht die Frage: Beziehen sich Vogels 
Quittungen auf die Handschriften des Goethe- und Schiller- 
archivs? Hierauf antwortet ein einfaches Rechenexempel. 
Vogel quittirt über 93 Bogen «= 372 Seiten. Von den 
Handschriften hat er geschrieben ganz H' == 198 Seiten 
und H^ Act I, II, IV, V = 168 Seiten; rechnet man hierzu 
drei vor dem dritten Act in ff herausgeschnittene Blätter, 
die, nach Buchstabenresten, Verweisungszeichen und dergl. 
zu urtheilen, beschrieben waren, so ergiebt sich genau die 
Zahl 372*, eine so auffällige Uebereinstimmung, dass wir 
das volle Recht haben, Vogels Quittungen mit W und H" 
in directe Verbindung zu bringen. 

Für die Bejahung der oben aufgeworfenen Frage spricht 
auch noch ein zweiter Umstand. Die Daten der Quittungen 
treffen mit allem, was wir sonst über die Entstehung des 
Tasso wissen, merkwürdig genau zusammen; in ff besitzen 
wir aber offenbar — das lehren wenige Blicke in das Manu- 
script — die Niederschrift Vogels, die unmittelbar im Zu- 
sammenhang mit Goethes eigner Thätigkeit entstand und 
von ihm als Grundlage für spätere Verbesserungen be- 
nutzt wurde. Wir werden daher die Quittungen Vogels 
und Goethes Handexemplar, und natürlich auch die un- 
mittelbar daraus geflossene Druckvorlage, nicht von ein- 
ander trennen können. Wie merkwürdig der Zusammenklang 
von Quittungen, Handschriften und Nachrichten ist, das lehrt 
eine Ueberscnau über den Entwicklungsprocess des Dramas. 

Auf der Rückreise von Rom wandte sich Goethe der 
lange bei Seite geschobenen Dichtung zu und setzte in 



* Vgl. auch S. 169, Antn. 2. 

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Neues zur Entstehungsgeschichte v. Goethes Torquato Tasso. 167 

Weimar die Arbeit fort, während des Sommers in ziemlich 
gemässigtem Zeitmass,' im Herbst mit etwas mehr Lust,* 
bis er am 2/. October^ Knebel melden muss: y> Tasso hat 
einen Stillstand gemachte. Nicht lange danach, am 4. No- 
vember stellt Vogel seine Quittung über 14 Bogen (vierter 
und fünfter Aufzug^ aus. 

Nun nehmen aoer in H^ der vierte und fünfte Aufzug 
70 Seiten = 17V« Bogen ein : sie können demnach damals 
nicht schon vollständig von Vogel copirt worden sein. Das 
Räthsel löst sich in der einfachsten Weise. Vollendet waren 
offenbar nur die Battistapartieen, deren Umfang in der That der 
Quittung entsprechend m ff 55 Seiten* = i4Bogen5 ausmacht. 

Es fehlten der vierte und fünfte Auftritt des vierten 
Actes, die in ff deutlich ein späteres Einsetzen Vogels mit 
neuer kleinerer Schrift erkennen lassen und bereits den 
Antonio an Pignas Stelle gesetzt haben. * 

So hat sich, was ich m meiner Programmarbeit ander- 
weitig zu begründen versuchte, durch Vogels Quittung 
glänzend bewahrheitet: mit Act V und Act IV, i — } hat 
Goethes Tassodichtunß ihren Anfang genommen^ sie waren die 
Frucht seiner vielßich unterbrochenen und gehemmten 
Thätigkeit seit der schmerzlichen Abreise von Rom bis zum 
Herbst 1788. 

Es soll natürlich nicht behauptet werden, dass sich 
Goethe bis zum 4. November auf die eben erwähnten Theile 
ausschliesslich beschränkt habe. Gewiss mag er auch zu 
den übrigen Acten Bausteine beigetragen haben, indem er 
einzelne Gedanken in Verse fasste und an verschiedenen 
Scenen hie und da entwerfend dichtete, vollendet war 
dagegen kaum noch etwas, nur das Gerüst war schon lange 
bis in seine Verästelungen fertig aufgebaut. 

Einen neuen Ansporn, des vernachlässigten Werkes 
sich wieder anzunehmen, bekam Goethe durch Moritzens 



' Vgl. Briefe IX, iw f. 

» VgL Briefe DC, 35»?. 

3 VgL Briefe IX, 4414. 

* Act IV, 1—3 s= 21 Seiten, Act V = 34 Seiten. 

5 Vogel giebt bei keiner seiner Quittungen */« oder V« an, er rundet 
bald nach oben bald nach unten ausgleichend ab. 

< Auch das verwendete Papier zeigt eine Verschiedenheit dieser 
Scenen und der Battistapartieen. In V und IV, 1—3 sehen wir als 
Wasserzeichen auf dem einen Blatt ein Posthömchen, auf dem andern 
ein K in Sdiildfassung. Act IV beginnt mit einer Lage von 16 Seiten 
(Sc. I und 2 — Vers 2463). Darauf folgt eine Lage von 8 Seiten, 
die aber für die 3. Scene nicht ganz verbraucht wurde, weshalb Vogel, 
als er später die Fortsetzung IV, 4 schrieb, noch fast 4 Seiten davon 
verwenden konnte, ehe er neues Papier mit verschiedenen Wasser- 
zeichen (Wunnerlich -HOF, Posthömchen -ICK) anfugte. 



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l68 Abhandlungen. 



Besuch während des Decembers und Januars. An ihm 
besass er in allen metrischen Dingen einen zuverlässigen 
Rathgeber, den er nicht eher wieder ziehen lassen wollte, 
als bis er an den Tasso die letzte Hand gelegt hätte. 
So berichtet Frau Herder zweimal ihrem Gatten, am 
12. December 1788 und am 9. Januar 178^.* Goethes 
Vorhaben verwirklichte sich jedoch nicht. Sein Eifer er- 
lahmte, ehe die Dichtung zu Ende geführt war. »Goethe 
ist fleissig beim Tasso gewesen, wie mir gestern Moritz 
sagte ; er ist aber noch nicht damit fertig, und pausirt ün 
fvmig^ — schreibt Caroline am 19. Januar nach Rom.* 

Die Pause blieb nicht ganz ungenutzt. Wiederum 
copirte Vogel das Manuscript des Dichters, wie uns die 
zweite Quittung vom 2y. Januar 1789 lehrt. Es waren 
lA zum zweiten und dritten Aufzug gehörende Bogen seiner 
Abschrift ff. 

Damit waren freilich auch der zweite und dritte Aufzug, 
die in ff 81 Seiten zählen, nicht vollständig. Ein Drittel etwa 
muss in späterer Zeit von Vogel nachgetragen worden sein. 

Für die Bestimmung dieses am 27. Januar noch fehlenden 
Theiles leistet die Handschrift abermals unerwartete Hilfe. 
Bei einer eingehenden Prüfung von ff heben sich nämlich 
eine äkere und jüngere Schient der Niederschrift klar von 
einander ab, jene an den kräftigeren Zügen und der Personen- 
bezeichnung Prin:(ess kenntlich, die auch der früher ge- 
schriebene fünfte Act aufweist, diese durch feinere Schrift 
und die später überall durchgeführte Bezeichnung FrinTicssin 
von jener unterschieden. Selbst das Papier ist ungleich; 
das der älteren Partieen hat die gleichen Wasserzeichen 
wie Act V und IV, 1—3,' das der jüngeren zeigt das 
Schwarzburger Wappen mit dem Worte Schwarzburg auf dem 
einen Blatte, auf dem anderen am Rande heraldische Wolken 
querüber. "1 Die jüngere Schicht bilden also folgende Theile : 
Vom zweiten Acte die ganze erste Scene, ^ das Zwiegespräch 
Tassos und der Prinzessin, vom dritten Acte Seite 27—31, 
d. h. Vers 21 12: »Wir wünschten ihn zu bilden u. s. w.a 
bis zum Ende des Actes und ein in der zweiten Scene 



' Vgl. Herder in Italien S. 190 und S. 217. 
* Herder i. I. S. 228. 

3 Vgl. S. 167 A. 6. 

4 Vgl. W.-A. X, 428. 

5 Dass diese Scene den übrigen des zweiten Actes erst nachträglich 
vorangestellt wurde, scheint noch aus zwei anderen Anzeichen hervor- 
zugehen. Erstens bilden die 20 Seiten des Auftrittes eine Lage für sich, — 
sonst betragen die Lagen nur 16 Seiten — und zweitens stehen auf der 
letzten Seite nur 6 Zeilen, während doch bei fortlaufendem Schreiben 
Vogel die zweite Scene auf derselben Seite gar wohl hätte beginnen 
können. 



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Neues zur Entstehungsgeschichte v. Goethes Torq.uato Tasso. 1 69 

eingeschobener Bogen mit den Versen 1740: »Wer sich 
entschliessen kann, besiegt den Schmerz«, bis V. 1816: 
»Den einz'gen kleinen Trost sollt' ich entbehren«. 

Was der Grund für diese Einschaltung in III, 2 gewesen 
sein niag, bleibt dunkel. Waren die Verse schon einmal 
geschrieben, und wurde so viel an ihnen geändert, dass 
eine neue Abschrift sich nöthig machte? Oder war der 
Dichter, als er Vogel copiren Hess, gerade mit dieser Partie 
noch nicht ganz im Reinen, obwohl er genau wissen mochte, 
was er darin sagen wollte, und wie viel Raum sie einnehmen 
würde? Vielleicht war es eine von jenen Stellen im Tasso, 
mit denen er nicht enden, nicht fertig werden konnte. 
Beschäftigte ihn doch schon im lahre 1787 die Gestaltung 
einzelner Verse aus diesem Abschnitt.' Doch mag die Er- 
klärung lauten, wie sie will, die Thatsache selbst besteht, 
und wir zählen daher 29 später hinzugefügte Seiten im 
zweiten und dritten Act. So bleiben für die ältere Schicht 
mit Hinzurechnung der drei herausgeschnittenen Blätter 
58 Seiten = 14V« Bogen, von Vogel in seiner Quittung 
vom 27. Januar auf 14 Bogen abgerundet.* 

Vier Acte (II— -V) waren also der Hauptmasse nach bis 
Ende Januar gedichtet, das Werk rückte vom Schluss nach 
dem Anfang zu krebsgangartig vor. Die Rolle des Battista 
hatte nach dem 4. November mit dem zweiten und dritten 
Act Antonio übernommen. Anfang Februar verliess Moritz 
seinen Freund. Bald darauf kehrte Goethe zu seinem 
unterbrochenen Werke zurück, indem er nun endlich den 
ersten Act begann.' 

Am 18. Februar^ schickte er die erste Scene, die gleich 
einem Prologus seinem Drama vorangehen sollte, Frau 
Herder zu und bereits am 2. März konnte er in einem 
Briefe an Herder seiner Hoffnung auf baldige Vollendung 
des Stückes Ausdruck geben. (Progr. S. 15 f.) 

Am 20. März erhielt Frau Herder den Schluss der 
dritten Scene, ^ so dass vom ersten Acte nur noch die 
Antonioscene fehlte. Diese fehlte auch noch am 6. April, 

« Vgl. S. 164 A. 2. 

* Denkbar wäre auch folgende Berechnung: die drei heraus- 
geschnittenen Blätter blieben für Vogel ausser Betracht, da er selbst 
mre Vernichtung verschuldet hatte, dagegen hatte er die Verse 1740 
bis 1816 schon mitgeschrieben und konnte so über 52 + 4 Seiten = 
14 Bogen quittiren. Ist dies richtig, so würden sich für die oben ge- 
gebene Gesammtberechnung (S. 160) von Vogels Arbeit 370 Seiten er- 
geben, die ohne Bedenken als 93 Bogen gezählt werden dürfen. 

5 Vgl. dazu Br. VII, 230 "f.: »Der Triumph der Empfindsam- 
keit ist bis auf den ersten Ackt fertig, den ich zuiezt gelassen habe — «. 

4 Herder in Italien S. 252. 

5 Herder i. I. S. 297, siehe auch S. 296. 



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170 Abhandlungen. 



als Goethe Carl August über den Stand seiner Dichtung 
Bericht erstattete; ihre Vollendung war jedoch zweifellos 
die für die nächste Zeit gestellte Aufgabe , und am 9. Mai, 
wo noch drei Scenen fehlten, nach verlauf eines Monats, 
konnte sie sehr wohl zu Ende gediehen sein. (Vergl. Progr. 
S. 17.) 

Mit dem j. April hatte auch Vogels Abschreiberthätig- 
keit laut seiner dritten Quittung wieder begonnen; sie 
wurde bis in den Juni fortgesetzt, in dem Goetne der vor- 
läufige Abschluss des Tasso glückte.* Leider giebt Vogel 
nicht wie in den beiden vorhergehenden Quittungen genauen 
Aufschluss über die Acte, an denen er schrieb. Trotzdem 
können wir uns hierüber nach meinem Dafürhalten nicht 
im Irrthum bewegen. 

Goethe braucnte jetzt, wo er an die endgiltige Absol- 
virung seines mühseligen Jahrwerkes und nachgerade auch 
an den Druck dachte, die ersten Acte am nothwendigsten^ 
und zwar wurden Act I— III bis Mitte, spätestens Ende Juni 
fenig gestellt. ' Vogel hatte also vom April bis Juni folgen- 
des zu schreiben : tP Act 1 ganz, Act 11 Scene i und vom 
dritten Act die oben angeführten jüngeren Theile, so dass 
nun die drei ersten Acte zu einem vollständigen Ganzen 
zusammengefasst waren. Goethe sandte sie Anfang Juli, 
nachdem sie noch eine gründliche Durcharbeitung ertahren 
hatten, geheftet und mit Umschlag versehen, an Knebel, 
von dem sie später Herder erhielt.^ 

Selbstverständlich musste, ehe Goethe H' aus der Hand 
geben konnte, auch die Druckvorlage H^^ bis zum dritten Act 
vorgeschritten sein, denn der Druck hatte Ende Juni schon 
begonnen; am 29.^ ging bereits der Schluss des ersten 
Actes an Göschen ab. Von der Druckvorlage hat Vogel 
nur die ersten zwei Acte geschrieben, der dritte war, da 
vermuthlich die Zeit drängte, einem anderen, sehr unzuver- 
lässigen Schreiber anvertraut worden. 

' \g\. Brief an Carl August vom 6. April 89. IX, lo^ »6 f.: 

» Wenn ich vor den Fey erlagen die Tet\te Scene des ersten Achtes fertigen 

könnte^ wäre ich sehr glücklich. Fast zweifle ich dran. Sobald sie ge- 
schrieben ist, schicke ich sie. 

» Vgl. Br. IX, 128 14 f., 129 2j f. 

3 Vgl. Br. an J. F. Reichardt vom 15. Juni: (IX, 129 »?) »Tasso 
ist nun in der letzten Revision«. Br. an Knebel vom 4. Juli : (IX, 137 " f.) 
»Tasso steht nun auf dem Punckte fertig zu werden. Die drey ersten 
Akte schicke ich dir hoffentlich noch diese Woche — «. Br. an Carl 
August vom 5. Juli: (IX, I38*4f.^ »Von Tasso sind ^ Ackte ganz 
absolvirt, die beyden letzten noch in der Revision — «. 

4 Vgl. Br. an Herder vom 2. Aug. (IX, 146 »o f.). 

5 Br. IX, 135 »2. 



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Neues zur Entstehungsgeschichte v. Goethes Torq.uato Tasso. 17 1 

Vogel quittirt über 44 vom 8. April bis in den Juni 
geschrieoene Bogen ; was wir aber soeoen als seine Arbeit 
für diese Zeit annahmen, ergiebt folgende Seitenzahl: 

W Act I 47 Seiten 

„ „ II Sc. I 20 „ 

„ „ III Sc. 2 und 4 z. Th. ... 9 „ 

H^' >, I 47 » 

» „ n ■ 51 ;> 

174 Seiten, 
das sind 43VS Bogen, rund 44. 

Sollte ein solches Zusammentreffen nur ein Spiel des 
Zufalls sein, und sollte es auch nur ein Zufall sein, dass alle diese 
Panieen zwei gleichartige, sonst nicht ein einzigesmal weder 
in W noch in H" wieder verwendete Papiersorten auf- 
weisen?* Ihre Zusammengehörigkeit unter sich einerseits und 
andererseits mit Vogels Quittung scheint mir vielmehr über 
allen Zweifel erhaben. 

Und nun ist auch die Deutung des letzten Postens auf der 
dritten Quittung Vogels, 21 Bogen im Juli und August, von 
selbst gegeben. Es kann sich nur um die Schlussacte handeln, 
und zwar Act IV, Sc. 4 und j in H'= 15V« Seite (vgl. 
S. 167^^ und Act IV und V von H^ = 70 Seiten, im Ganzen 
85 Vs Seiten, den 21 Bogen Vogels entsprechend, wobei als 
höchst bemerkenswerth die Gleichheit der nur in diesen 
Abschnitten gebrauchten Papierarten mit den Wasser- 
zeichen : Wunnerlich — HOF und Posthörnchen — J C K 
wiederum hervortritt.* 

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Vogel im Juli t^u- 
nächst H^ vervollständigt^ indem er durch oen vierten und 
fünften Auftritt des vierten Actes die Lücke zwischen IV 
und V ausfüllte. Die beiden Scenen sind glatt und sauber 
geschrieben und enthalten ausser einem für »du« eingesetzten 
»und« in Vers 2676 keine einzige Correctur, zum deutlichen 
Zeichen, dass sie erst spät m ausgereifter Form Vogel 
zum Copiren übergeben wurden. 

' Weitaus die Mehrzahl, 144 Seiten sind auf das Papier mit dem 
Wasserzeichen »Schwarzburg« (Vgl. S. 168) geschrieben. Nur in H' ist 
für den ersten Act von der zweiten Scene an ein nach Farbe und Be- 
schaffenheit von jenem nicht zu unterscheidendes Papier mit den 
Wasserzeichen Doppeladler (Schwarzburg?) — B benutzt worden. Das 
letzte einzelne Blatt dagegen hat wieder das Wasserzeichen »Schwarz- 
burg«. 

• Man sieht, wie wichtig unter Umständen eine genaue Bezeich- 
nung des Papiers sein kann. Allgemeine Angaben dagegen, wie sie 
z. B. Weinhold in der Tassoausgabe bringt, wobei er irrtnümlich HOF 
für V O S und »Wunnerlich« für »Wunderlich« gelesen hat, haben nur 
geringen oder gar keinen Werth. 



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172 Abhandlungen. 



Anfang August wurde auch die Druckvorlage für die 
Schlussacie gefertigt, nachdem der Dichter H^ noch einer 
sorgfältigen Revision unterzogen hatte, wobei er vielfach 
einzelne Verse verbesserte, Vers 2975—2988 einschaltete, 
Battista in Antonio umwandelte, scenische Bemerkungen 
strich und dergl. mehr.* Aber auch an H" hatte Goethe 
noch mancherlei zu feilen, ehe sie am 27. August zum 
Druck nach Leipzig abgehen konnte. 

Dass der Druck selbst unter allerlei Hemmnissen zu 
leiden hatte, ist bekannt. So sehr Göschen selbst vom 
Tasso Goethes, dieser »reifen Frucht des Geistes«, wie er 
ihn nennt, begeistert war, gelang es ihm doch nicht, der 
Ausflüchte des Druckers Herr zu werden; das Jahr 1789 
ging zur Rüste, ehe der Dichter sein Werk gedruckt vor 
sich sah. Noch am 14. December klagte er der Herzogin 
sein Leid,* Tasso sei noch nicht einmal ganz abgedruckt. 
Doch müssen wohl fast um dieselbe Zeit die letzten Bogen 
in je zwei Exemplaren nach Weimar gelangt sein, da schon 
am 21. December der Buchbinder Zäncker Goethe eine 
Rechnung übersandte, in der unter anderem aufgeführt wird: 

Torquato Tasso in 8 — Pappe u. Verguld. — 4 gr. 

Torquato gehefft 2 » 

Hiermit können, wie schon Octav beweist, nur Drucke 
gemeint sein ; wo Handschriften verstanden werden sollen, 
bemerkt es Zäncker ausdrücklich. Danach ist von der Hellens 
Angabe (Br. IX, 354) und meine Bemerkung (Progr. S. 20), 
die Probebogen seien erst Anfang Januar in Goethes Hän- 
den gewesen, zu verbessern. 

Indessen ist die jgenauere Bestimmung der Beendigung 
des Druckes von germgem Belang und sollte nur nebenher 
gestreift werden. 

Wir kehren zu unserer eigentlichen Aufgabe zurück, 
indem wir dieselbe Frage, deren Lösung schon in der vor- 
jährigen Abhandlung versucht wurde, noch einmal stellen : 
Welches waren die am 6. April ij8^ noch fehlenden drei 
Scenen des Dramas? 

An den beiden let:(ten Auftritten des vierten Actes wird 
man festhalten müssen. Zu den aus dem Inhalt eeschöpften 
Gründen (Progr. S. 18 f.^ kommen äussere Kennzeichen 
ihrer späten Entstehung ninzu. (Vgl. S. 167.) 

■ Vgl. Br. an Herder vom 2. August aus Eisenach (IX, 146 7 f.) : 
»Seit zwey Tagen darf ich erst sagen er (Tasso) sev fertig, denn ich hde 
noch immer an den Id^ten 7;wey Achten :^u thun gehait. Lass dir die drey 
ersten von Knebeln geben Die beyden letzten siehst du schöfi ab- 
geschrieben sobald icn nach Weimar komme«. Herder erhielt diese 
Abschrift, womit nur H^^ gemeint sein kann, etwa am i8. August 
(Br. IX, 148 3 f.). • Br. IX, 168". 



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Neues zur Entstehungsgeschichte v. Goethes Torquato Tasso. 1 7 3 

Als dritte Scene hatte ich das grosse Zwiegespräch 
der Prinzessin und Leonorens im dritten Acte angenommen. 
Dazu bewog mich das häufige Vorkommen von viersilbigem 
Antonio; zugleich der Einklang, in dem die Scene mit dem 
Leben des sem Werk beendenden Dichters zu stehen schien. 
(Progr. S. 18). Die Annahme hat sich jedoch als irrig er- 
wiesen. Der weitaus grösste Theil von III, 2 verdankt seine 
Entstehung dem December 1788 oder Januar 1789. 

Es bleibt nur die Wahl zwischen der Schlussscene des 
ersten und der Anfangsscene des :(weiten Actes. Von jener 
möchte ich gern absehen (vgl. S. 170), wiewohl ich nicht 
läugnen will, dass man in Hinblick auf Goethes Brief an 
Carl August vom 6. April 1789 an sie denken könnte. 

II, I aber ist zweifellos von Vogel nach dem 5. April 
geschrieben und jünger als die übrigen Theile des zweiten 
Actes. Wenn sie sich freilich so spät dem Dichter zur 
Einheit zusammenschloss, so waren doch Vorarbeiten von 
früher sicher vorhanden. Sie war vermuthlich eine von 
den Scenen des alten Tassofragments; einen flüchtigen 
Entwurf zu einzelnen Versen daraus ^97 f. machte Goethe 
schon auf der Rückreise von Rom, m Mailand kaufte er 
sich laut einem Ausgabebüchlein seiner italienischen Reise 
am 24. Mai für 3 Lire den Aminta del Tasso, in dem er 
die herrliche, von ihm in diesem Auftritt verwerthete 
Schilderung des goldenen Zeitalters las. 

Ein Rest des Ungelösten ist somit bei der letzten Frage 
noch vorhanden ; im übrigen haben wir uns jedoch während 
unserer Untersuchung dank den durch einen glücklichen Zufall 
erhaltenen Quittungen Vogels auf sicherem Boden bewegt. 
Die Entstehungsgeschichte des Tasso erscheint nunmehr in 
einer Weise geldärt, dass die Forschung auf fester Grundlage 
sich um so freier ihren höheren Aufgaben zuwenden kann. 

Es steht jetzt, um zusammenzufassen, positiv fest, dass 
mit den Battistapartieen (Act V und IV, i — 3) das Werk be- 

fann. Sie waren Ende October oder Anfang November 1788 
is zur Abschrift fertig. An sie schlössen sich im Decemoer 
und Januar, nachdem Antonio den Battista verdrängt hatte, 
Act II, 2—5 und der grösste Theil des dritten Actes (vgl. 
S. 168 f.). Im Februar und März wurde der erste Act bis zum 
letzten Auftritt geführt. Im März wird der dritte Act noch 
ergänzt worden sein. Im April hat nach meiner Ansicht die 
Antonioscene Gestalt gewonnen, Ende Juni endlich erhielt 
das Werk durch die drei Scenen, die den Dichter so lange 
gequält hatten (IV, 4 und 5, II, i ?) seinen Abschluss. 



"^ii^ 



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176 Abhandlungen. 



Existenzen sind im Unendlichen, sind aber keine Theile 
des Unendlichen, sie nehmen vielmehr Theil an der Unend- 
lichkeit Jedes existirende Ding hat also sein Dasein 

in sich und so auch die Uebereinstimmung nach der es existirt«. 
Wie lapidar und prägnant erscheinen die Herderschen Ge- 
danken hier bei Goethe. Hätte dieser 84 — 85 den Aufsatz 
der Frau von Stein dictirt, so wäre bei den Beziehungen 
wie sie in gleicher Herzlichkeit niemals früher oder später 
zwischen Goethe und Herder bestanden, damals 84—85 eine 
Mittheilung dieser Goethischen Formulirungen so selbst- 
verständlich, dass ein Unterlassen derselben undenkbar er- 
scheint, dann würde aber Herders Ausdruck gerade an 
diesen Stellen bestimmter und klarer sein. 

Hätte Herder, wenn er Goethes Satz gekannt hätte: 
»Das Messen eines Dinges ist eine grobe Handlung, die 
auf lebendige Körper nicht anders als höchst unvollkommen 
angewendet werden kann« noch schreiben können: »Der 
erste Philosoph dachte den Gedanken Gottes nach und 
fand ihn im Wesen der Dinge selbst, deren Ver- 
hältnisse er maasSy wog und zählte?« Merkwürdig, gerade 
bei dieser Gelegenheit spricht Herder vom Zirkel und wir 
finden bei Goetne den ooen erwähnten Satz : »Schon beim 
Zirkel lässt sich das Maass des Diameters nicht auf die 
Peripherie anwenden«. Diese Abweichung aber ist gerade 
für unseren Aufsatz so interessant, sie bleibt nicht die 
einzige. Herder behandelt Seite 545 — J48 die Organe und 
sagt: »Denn auch das Organ selbst ist ein System von 
Kräften, die in inniger Verbindung einer herrschenden 
dienen«. Sehr nach Leibniz gedacht, aber gerade auf diesem 
entscheidenden Punkte abweichend von Goethe, der in 
Italien zu völlig neuen biologischen oder morphologischen 
Anschauungen gekommen war. 

»In jedem lebendigen Wesen sind das, was wir Theile 
nennen, dergestalt unzertrennlich vom Ganzen, dass sie 
nur in und mit demselben begriffen werden können, und 
es können weder die Theile zum Maass des Ganzen, noch 
das Ganze zum Maass der Theile angewendet werden«. 
»Sollte es ja geschehen, dass ein lebendiges Ding gemessen 
würde, so müsste es den Maasstab selbst dazu nergeben, 
dieser aber ist höchst geistig und kann durch die Sinne 
nicht gefunden werden«. Diese Sätze konnte Goethe erst 
in dieser Form hinschreiben, als ihm das Gesetz der Meta- 
morphose der Pflanzen klar geworden und die Anwendbar- 
keit desselben auf alles Lebendige von ihm geahnt war; 
denn der erste Satz enthält ja schon in allgemeinster Form 
die Ausdehnung des Gesetzes auf alles Lebendige, wonach 
jeder Organismus getrieben und gebildet erscheint von 



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Zu Goethes philosophischem Aufsatz. (G.-J, XII.) 177 

einer völlig einheitlichen geistigen Kraft im Innern, die im 
ersten Keim schon ganz vorhanden ist. 

^-iEinfach schlief in dem Samen die Kraft, ein beginnendes 
Vorbild 

Lag verschlossen in sich unter die Hülle gebeugt«. 

so formt sich dieser Gedanke in dem Gedichte »Die Meta- 
morphose der Pflanzen«. Deutlich lässt sich erkennen, wie 
die Ideen Goethes während des italienischen Aufenthaltes 
von dunkelem Vorahnen der hellen Deutlichkeit der Er- 
kenn tniss dieses Principes zustreben. Am 19. Februar 1787 
schreibt er: »Ich bin auf dem Wege, neue schöne Ver- 
hältnisse zu entdecken, wie die Natur solch ein Ungeheures, 
das wie nichts aussieht, aus dem Einfachen das Mannig- 
faltigste entwickelt«. Schon am 17. Mai kann er schreiben: 
»Sage Herdern, dass ich dem Geheimniss der Pflanzen- 
erzeugung und Organisation ganz nah bin, und dass es 
das emfachste ist, was nur gedacht werden kann. Die 
Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, 
über welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit 
diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann 
noch Pflanzen in das Unendliche erfinden, die consequent 
sein müssen, d. h. wenn sie auch nicht existiren, doch 
existiren könnten, eine innerliche Wahrheit und Noth- 
wendigkeit haben. Dasselbe Geset:^^ wird sich auf alles 
Lebendige anwenden lassen((. Am 25. August 1787 kann er 
der Freundin schreiben , dass er sein Frincip auf alles 
Lebendige ausgedehnt habe: »Ich habe ein Princip gefunden, 
das mich wie ein Ariadnescher Faden durch die Labyrinthe 
der Menschenbildung durchführen wird«. (W. A. Briefe 
Bd. 8, Nr. 2606.) Sehr interessant erläutert Goethe diese 
Briefstelle in der italienischen Reise unter dem 23. August, 
dass ihn sein Studium der Natur in den Stand gesetzt 
habe, »Manches in der Natur im GanT^en zu sehen«. »Mein 
Princip, die Kunstwerke zu erklären und das auf einmal 
aufzuschliessen, woran die Künstler und Kenner sich zer- 
suchen und zerstudiren, finde ich bei jeder Anwendung 
richtiger«. Diese Worte vom 6. September erläutern am 
besten das Wort, dass er Manches im GanT^en zu sehen 

felemt habe. In demselben Brief vom 23. August sagt er, 
ass er Lavaters Physiognomik wieder hervorgesucht habe 
und dass ihm die Lehre gut zu passe komme. Diese Lehre 
aber versucht doch, Gesetze darüber aufzustellen, wue ein- 
zelne Bildungen des Menschen z. B. des Gesichtes auf den 
gan:(en inneren Charakter einen Schluss erlauben. 

Desshalb fährt er fort: »Ich habe einen Herkuleskopf 
angefangen, worüber sie sich alle verwundem, weil sie 
denken, ich hab ihn durch einen Zufall so getroff'en, ich 

Goetue-Jahrbvcb XVni. 12 



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178 Abhandlungen. 



hab ihn aber nach meinem Grundsatz gemacht und wenn 
ich Zeit habe, mich zu üben, kann ich andere ebenso 
machen.« In dem Zusammenhange dieser Stelle ist aber 
die Erwähnung Spinozas und seiner Lehre, die Dinge sub 
specie aeternitatis betrachten zu lernen, so bemerkenswerth. 
Man sieht, Herders »Gott« musste auf Goethe, als er ihn 
am 28. August 1787 in Rom erhielt, deshalb einen so tiefen 
Eindruck machen, weil er selbst damals gerade mit denselben 
Ideen beschäftigt war, weil er »in die leere Schüssel etwas 
hineinzulegen hatte«. Er hatte die Urpflanze entdeckt, ein 
Modell gefunden, das in all die Mannigfaltigkeit der Pflanzen- 
bildungen Zusammenhang und Einheit brachte. Wenn er 
sich aber der Worte bedient »mit diesem Modell und den 
Schlüssel dazu kann ich noch in das Unendliche Pflanzen 
erfinden,« so zeigt er sich damit zum ersten Male bewusst, 
wie sehr gerade diese Art der Naturbetrachtung, welche 
sich gewöhnt, die Dinge sub specie aeternitatis zu betrachten, 
der höchsten kunstübung verwandt sei, die in der Gestaltung 
des Typischen in gleichem Masse die Wesenheit der Dinge 
erfasst. Desshalb konnte er im October des Jahres 1707 
(W. A. Bd. 8, pag. 268) an Knebel schreiben: »Glücklicher- 
weise habe ich auch eine Kombination der Kunst mit 
meiner Vorstellungsart der Natur gefunden und so werden 
mir beide doppelt lieb«. Der kleine Aufsatz über Nach- 
ahmung, Manier und Stil, den Goethe doch auch aus Italien 
der Frau von Stein geschickt hatte, zeigt, wie fruchtbar 
diese Kombination von Natur und Kunst tür ihn wurde. 

In der kurzen Zeit vom 23. August bis zum 27. October 
lassen sich aus den Briefen und Berichten der italienischen 
Reise alle Bestandtheile nachweisen, die zu unserem kleinen 
Aufsatze führen. Am i. September schreibt er: »Meine 
Kunststudien gehen sehr vorwärts, mein Princip passt über- 
all und schliesst mir alles auf«. Und immer erscheinen 
seine Gedanken in Beziehung gesetzt zu Herders »Gott«: 
»Der Gott leistet mir die beste Gesellschaft, er hat mich 
aufgemuntert in den natürlichen Dingen weiter vorzudringen 
wo ich denn besonders in der Botanik auf ein evKai nav 
gekommen bin, das mich in Erstaunen setzt; wie weit es 
um sich greift, kann ich selbst noch nicht sehen«. »Ohne 
zu sagen, dass ich einen solchen Kapitalschlüssel besitze (der 
ihm die Kunstwerke auf einmal erklärt und aufschliesst) 
spreche ich nun die Theile zweckmässig mit den Künstlern 
durch, und sehe was sie haben und wo es widerstösst«. 
Man beachte hier den Ausdruck »Kapitalschlüssel«. Im 
Bezug auf die Pflanzenmetamorphose natte er gleichfalls 

fesagt, mit »diesem Modell und dem Schlüssel dazu«. Auch 
aust erhält von Mephistopheles den Schlüssel »der ihn zu 



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Zu Goethes philosophischem Aufsatz. (G.-J. XII.) 179 

den Müttern führt« und ihm die Gründe aller »Gestaltung 
und Umgestaltung« erschliesst. Der menschlichen Figur nun 
vorzugsweise wendet er seine Aufmerksamkeit zu, um sich 
ȟber ihre Proportionen als Kanon wie als abweichender 
Charakter aufzuklären«. So am 22. September: »Ich bin 
immer fleissig und halte mich nur an die menschliche Natur. 
O, wie weit und wie lang ist die Kunst, und wie unendlich 
wird die Welt, wenn man sich nur einmal recht ans End- 
liche halten mag«. Vgl. dazu vom i. December des Jahres 
1787 : »Ich bin über die wichtigsten Punkte mehr als gewiss 
und habe vom Endlich-Unendlichen einen sicheren, klaren 
und untheilbaren Begriff«. Dabei ist darauf aufmerksam zu 
machen, dass der Ausdruck: » Endlich- Unendlich« y der eine 
so deutliche Beziehung zu unserem Aufsatz hat, nur in den 
Briefen und Berichten der italienischen Reise des Jahres 1787 
sich findet und nie vorher in Goethischen Briefen begegnet. 
Mit Moritz, auf den der Herdersche »Gott« einen so tiefen 
Eindruck gemacht hatte, fängt er an, seine Naturphilo- 
sophie zu besprechen und gleicn in dessen Gegenwart aufzu- 
schreiben, »wie fasslich aber das Abstracteste von dieser 
Vorstellungsart wird, wenn es mit der rechten Methode 
vorgetragen wird, und eine vorbereitete Seele findet, sehe 
ich an meinem neuen Schüler«, vgl. Brief vom 28. September 
1787 und namentlich September -Bericht der italienischen 
Reise. Im unmittelbaren Anschluss daran folgt der Brief 
vom y und 8. October, der die Stelle wörtlich enthält : 
^Neulich fand ich in einer leidig apostolisch kapuziner- 
mässigen Deklamation des Züricher Propheten die unsinnigen 
Worte: »Alles was Leben hat, lebt durch etwas ausser 
sich«, dem er in unserem Aufsatze die Worte entgegensetzt: 
»Wir können uns nicht denken, dass etwas Beschränktes 
durch sich selbst existire, und doch existirt alles wirklich 
durch sich selbst«. Auffallend! Sogar sprachliche Eigen- 
thümlichkeiten unseres Aufsatzes, auf die Suphan aufmerksam 
macht, wie »bescheiden trotzig« finden sich in diesem Briefe 
vom 5. October wieder: »Mit Vorsatz irrend«, »zweckmässig 
unklug«. An die Stelle unseres Aufsatzes: »Seelen, die 
eine mnere Kraft haben sich auszubreiten, fangen an zu 
ordnen, um sich die Erkenntniss zu erleichtern, langen an 
zu fügen und zu verbinden, um zum Genuss zu gelangen«, 
erinnert der Satz aus dem September-Berichte: »Lebhaft 
vordringende Geister begnügen sich nicht mit dem Genüsse, 
sie verlangen Kenntniss, diese treibt sie zur Selbstthätig- 
keit«. etc. 

Wilhelm Dilthey hat darauf aufmerksam gemacht, dass 
wohl Campers Proportionslehre Anlass gegeben habe könne 
zur Bemerkung unseres Aufsatzes, dass die Maler miss- 

12* 



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l8o Abhandlungen. 



bräuchlich den Kopf als Einbeitsmaass des menschlichen 
Körpers benutzt hätten. Gerade in dieser Zeit studirt ja 
aber Goethe Camper (siehe italienische Reise 12. October 
1787 an Herder) und hört bald darauf bei dem jüngeren 
Camper zusammenhängende Vorlesungen. (Siehe W. A. 
Briefe Bd. 8, pag. 312 und 316. Hier erwähnt er Camper, 
nachdem er unmittelbar vorher geschrieben hat, »jetzt bin 
ich am menschlichen Kopf«.) 

Unser Aufsatz, der gerade darin das eigenthümliche 
hat, dass er das Naturstudium in eine deutliche Beziehung 
zur Kunst setzt, zeigt zu den angeführten Stellen eine so 
unmittelbare Beziehung, dass man ihn wohl nach dieser 
Zeit aber nicht vorher geschrieben denken kann. Wie aber 
erklärt es sich dann, dass wir diesen Aufsatz gerade aus 
der Hand der Frau von Stein besitzen, und zwar mit jenen 
Schreibfehlern, welche Suphan darauf zurückführt, dass 
Goethe selbst den Aufsatz dictirt habe? Nun wissen wir 
aber, dass Goethe aus Italien schon von Anfang an der 
Freundin längere Aufsätze schickte. Am 14. October 1786 
(W. A. Briefe Bd. 8) schreibt er: »Wenn Du es nach und 
nach abschreibst in Quart oder gebrochenen Blättern , so 
finde ich wenn ich wiederkomme, gleich ein Exemplar, in 
das ich hineincorrigiren und das Ganze in Ordnung bringen 
könnte«. Ganz wolil könnte auch so unser Aufsatz in die 
Hände der Freundin gelangt sein, der auf gebrochenen 
Blättern geschrieben ist, wobei sie sich die Abschrift er- 
leichterte, indem sie sich das Ganze von irgend Jemanden 
dictiren Hess. Bald nach seiner Rückkehr fordert Goethe 
am 31. August 1788 der Freundin seine Reiseberichte wieder 
ab, weil er nach und nach etwas daraus zusammenschreiben 
v?ill »um es Wieland in den Merkur zu geben«. Auf diese 
Weise erhielt der Letztere den Aufsatz über »Stil, Manier 
und Nachahmung«. So entstand die mit unserem Aufsatz 
in mannigfacher Beziehung stehende kleine Arbeit: »Die 
Naturlehre« (Merkur 1789. i- Vierteljahr S. 126). Ganz 
offenbar hat dieser Abhandlung der Brief an Seidel zu 
Grunde gelegen, in welchem Goethe am 29. December 
rW. A. Briete Bd. 8, Nr. 2634^ die etw^as zu mechanische 
Art Seidels, Erscheinungen der Cristallisation und Vegetation 
zu verbinden, zurückwies. Die auf diese Weise entstandene 
»Naturlehre« zeigt an zwei Stellen eine merkwürdige Be- 
ziehung zu unserem Aufsatze. Auf S. 128 steht in ihr 
der Satz: »Das Leben, das in allen existirenden Dingen wirkt, 
können wir uns weder in seinem Umfange noch in allen 
seinen Arten und Weisen, durch welche es sich offenbart, 
auf einmal denken«. Damit stimmen die Anfangssätze 
unseres Aufsatzes überein. Bezeichnend aber ist der Schluss 



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Zu Goethes philosophischem Aufsatz. (G.-J. XII.) l8l 

dieser kleinen Arbeit: »Die Wissenschaft ist eigentlich das 
Vorrecht des Menschen; und wenn er durch sie immer 
wieder auf den grossen Begriff geleitet wird, dass das alle 
(sie!) nur ein harmonisches Eins, und er doch auch wieder 
ein harmonisches Eins sei: so wird dieser grosse Begriff 
weit reicher und voller in ihm stehen, als wenn er in 
einem bequemen Mysticismus ruhte, der seine Armuth gern 
in einer respectabfen Dunkelheit verbirgt«. Gerade die 
letzten Worte haben sowohl mit dem Schluss unseres Auf- 
satzes CG.-J. 1891) als mit dem Brief vom 8. October 1787 
der italienischen Keise eine auffallende Uebereinstimmung. 
In allen dreien wird der billige Mysticismus, den Goethe 
an einer anderen Stelle einmal eine unreine Poesie und 
eine unreine Philosophie nennt, abgefertigt und der Ernst 
und die Würde der eignen Lebensanschauung, welche den 
Kreis der Beobachtungen nicht so vorschnell schliesst, be- 
hauptet und vertheidigt. 

Unmöglich ist es übrigens doch keineswegs, dass Goethe 
unmittelber nach der italienischen Reise unseren Aufsatz 
Frau von Stein selbst dictirt habe. In dem Briefe vom 
I. Juni des Jahres 1789 an die Freundin schreibt er: »Es 
müsste durch ein Wunder geschehen, wenn ich allein zu 
Dir das beste innigste Verhältniss verloren haben sollte. 
Wie lebhaft habe ich empfunden, dass es noch da ist, 
wenn ich dich einmal gestimmt fand, mit mir über interessante 
Gegenstände :(u sprechen«. 

Wenn sich zu solchen Gesprächen in der Zeit vom 
Juni 1788 bis Juli 1783 noch Stimmung und Zeit fand, 
warum denn nicht zu einem so kleinen Dictate, wie dem 
unsrigen, dessen Materie, wie keine andere geeignet war, 
in der Erörterung von Anschauungen und Begriffen an alte 
Gespräche wieder anzuknüpfen und den Versuch zu machen, 
wieder wie ehemals das dazu gewonnene Neue zu fixiren, 
indem es mit der Freundin durchgesprochen und dann 
gleich dictirt wurde. 




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3- 

Goethes Gedicht : Flieh Täubchen 

FLIEH. 

Von 

Max Morris. 




as räthselhafte Gedicht (Werke, W. A. IV, 361) 
hat eine kleine Literatur hervorgerufen. Düntzer 

(Goethes lyrische Gedichte erläutert, III 406) findet 

die Veranlassung in den 1772 erschienenen Hirtenliedern von 
F. A. C. Werthes. Wieland sei als Beschützer dieser ganzen 
empfindsam wollüstigen Richtung erwähnt. Da aber Düntzer 
in dem Gedicht den ehrlichen Ausdruck der Empfindungen 
eines deutschen Mädchens sieht, so muss er den Schluss- 
worten schwere Gewalt anthun. »Der deutsche Glanz ist 
derjenige, den man den Deutschen statt edler kräftiger 
Natur aufdringen will. Freilich würde man gern statt deut- 
schen welschen lesen«, v. Loeper (Arch. f. Literaturgesch. 
I 500, Hempel V 249) findet in dem Gedicht das deutsche 
Männerideal, von einem deutschen Mädchen Wieland und 
seines Gleichen gegenübergestellt. Speciell sei es gerichtet 

rtartav\ XX/off-nöe* l-lit*»an Ito/ioi* XAJri/M* nr»n Q'in/Är i Qt-n/iion «viic 




vorgesc 

unter dem deutschen Jüngling zu verstehen ist. Brück 
(Gegenwart 1879 Nr. 26) sieht darin »den originellen 
specifischen Herzenston einer deutschen Jungfrau^ vielleicht 
aus dem 17. Jahrhundert« und nimmt an, dass Goethe ein 

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Goethes Gedicht: Flieh Täubchen Flieh. 183 

älteres Lied erneuert habe. Seuffert (Ztschr. f. deutsches 
Alterth. Bd. 26, S. 262) nennt die Verse anakreontisch und 
sieht darin eine doppelte Spitze gegen Werthes und gegen 
Wieland. Witkowski (Vierteljahfsschr. f. Literaturgesch. 3, 
509) findet die Veranlassung in der Pastor-Amor-Affaire 
von loh. Benjamin Michaehs. Pniower (Goethes Faust 
und das hohe Lied, G.-J. 1892, S. 181) lehnt die Beziehung 
auf Werthes und Michaelis ab, enthält sich einer bestimmten 
Deutung und stellt fest, dass die Schilderung des deutschen 
Jünglings undeutsch weichliche Züge enthält und somit 
satirisch gegen einen noch zu bestimmenden Vertreter 
einer tändelnden Poesie gerichtet ist. 

Alle diese Deutungen, so verschieden sie unter sich 
sind, kommen darin überein, dass es sich um ein deutsches 
Mädchen handelt, dessen Gefühle für einen deutschen Jüng- 
ling hier ihren Ausdruck finden. Und doch ist dieses 
Einzige, worin alle Erklärer übereinstimmen, unrichtig: 
Nicht ein Mädchen schwärmt, sondern ein 49jähriger Mann 
— Gleim — und der Gegenstand seiner zärtlichen Gefühle 
ist Georg Jakobi. 

Gleim hatte Jakobi 1766 im Bade Lauchstädt kennen 

felernt und nach seiner gewohnten Art bald ein zärtliches 
reundschaftsbündniss mit ihm geschlossen. Zwischen Halle, 
wohin Jakobi 1766 durch Klotzens Vermittlung als Professor 
der Philosophie und Beredsamkeit gekommen war, und 
Halberstadt, wo Gleim in seinem Musentempel eine selbst 
für einen Oberpriester auffällige Verschwendung von Weih- 
rauch trieb, begann nun ein Austausch süsser Gefühle, 
welche die beiaen Briefsteller in den »Briefen der Herrn 
Gleim und Jakobi. Berlin 1768, 367 S. 8®« unter Vorschiebung 
eines fingirten anonymen Herausgebers dem Publikum 
preisgaben. 

Ich gebe zunächst einige Proben der Temperatur, die 
in diesen Briefen herrscht (ich citire nach der Ausgabe 
von 1778). 

Jakobi an Gleim : S. 5. Glauben Sie nur, liebster Freund^ 
ich empfand dabey so viel, als eine zärtliche Ninon bei 
dem feurigsten Liebesbriefe empfinden konnte. Der Ge- 
danke, von Ihnen geliebt zu weraen O mein Freund, 

denken Sie nur an unsere letzte Umarmung in Lauchstädt 
zurück: ich kann Ihnen nichts stärkeres sagen. 

S. 9. Ja, mein liebster Freund, Freundschaft ist nicht 
weit von Liebe. Alles hab' ich bey Ihrem Abschiede 

empfunden, was ein Liebhaber empfinden kann O mein 

liebster, mein bester Freund, nie sind Sie stärker geliebt 
worden. Was ich bey dem Anblick meines Zimmers 
empfand, kann ich Ihnen gar nicht ausdrücken. 



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184 Abhandlungen-. 



So steht die junge Braut 

Wenn, nach den ersten Küssen, 

Ihr Schäfer sich von ihr entfernen müssen, 

Vor einer Hütte still, die sie mit ihm erbaut. 

S. 25. Vier Briefe! Vier zärtliche, liebenswürdige Briefe, 
so wie sie noch kein Dichter, kein Freund, keine Geliebte 
schrieb .... Umarmen wollt' ich Sie, tausendmahl um- 
armen, und ein Blick, zärtlich, wie der, den einst Kleist 
auf seinen Gleim warf, sollte Ihnen alle Empfindungen 
dieses Herzens entdecken. Ebenso S. 31, 44, 130, 135, 164. 
(Küsse, Umarmungen, zärtliche Liebe.) 

S. i6j. Ich kann kein Liedchen mehr dichten, bis ich 
meinen Gleim, meinen liebsten, besten Gleim geküsst 
habe .... Wenige Tage noch, dann sage ich es Ihnen 
selbst, unter tausend Küssen sag ich Ihnen, ich sey ewig . . . 

Gleim bleibt hinter dieser Gluth nicht zurück, die 
erotisch zu nennen wäre, wenn es sich nicht um ein blosses 
auf Convenienz beruhendes, missverständlich für poetisch 
gehaltenes Spiel bandelte. Gleim an Takobi: O welch ein 
süsser Anblick! eine Zeile von der Hand meines Jakobi, 
zehn Zeilen, zwanzig, dreissig, wer kann sie zählen? 
Gelesen, empfunden, gepriesen wurden sie; und dann ge- 
küsset, wie ein Liebnaber in der süssesten Entzückung 
seiner Liebe sein Mädchen küsset (ähnlich S. 37,41,60,71.; 

Es war eine empfindsame, rührselige Zeit; dieser Ueber- 
schwang erschien aber auch den Zeitgenossen ungehörig. 
Klopstock schrieb an Caecilie Ambrosius: Und die Briefe 
von Gleim und Jakobi haben Ihnen so sehr gefallen? Diese 
vielen Tändeleyen gefallen Ihnen doch nicht m allem Ernste? 
(Briefe von und an Klopstock, herausgeg. von J. M. Lappen- 
berg S. 209.) Ähnlich Lessing an Mendelssohn (Redlich, 
Lessings Briefe S. 400), Herder in den kritischen Wäldern 
. (I, 4), die Karschin in einem Briefe an Gleim. 

Auch Goethe erzählt in D. u. W. (W. A. 28, 281), 
wie man sich in seinem Kreise über die Briefe belustigte: 

»Schon in Ems hatte ich mich gefreut^ als ich vernahm, 
dass wir in Cöln die Gebrüder Jakobi treffen sollten, welche 
mit anderen vorzüglichen und aufmerksamen Männern sich 
jenen beiden merkwürdigen Reisenden entgegen bewegten. 
Ich an meinem Theile hoffte von ihnen Vergebung wegen 
kleiner Unarten zu erhalten, die aus unserer grossen durch 
Herders scharfen Humor veranlassten Unart entsprungen 
waren. Jene Briefe und Gedichte, worin Gleim und Georg 
Jakobi sich öffentlich an einander erfreuten, hatten uns zu 
mancherlei Scherzen Gelegenheit gegeben, und wir be- 
dachten nicht, dass eben so viel Selbstgefälligkeit dazu 
gehöre, anderen die sich behaglich fühlen, wehe zu thun, 



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Goethes Gedicht: Flieh Täuschen flieh. 185 

als sich selbst oder seinen Freunden überflüssiges Gute zu 
erzeigen«. 

Einen dieser verloren geglaubten Scherze besitzen wir 
in unserem Gedicht. Es ist eine glühende Schilderung des 
Geliebten durch den Liebenden. Ob Gleim oder Jakobi 
als der Schwärmende gedacht wird, ist kaum zu entscheiden. 
Jeder von Beiden ist eben Liebender und Geliebter. Die 
Worte »Schutz und Stärke wohnt in weichen Armen« sind 
aus Jakobis Seele heraus gedichtet, denn Gleim war der 
Protektor; dagegen spricht sich in »Singt, Schäfer singt, 
wies auch gehngt« Gleims Art aus, sich und seine Freunde 
zu kritiklosem rroduciren anzustacheln. 

Die voranstehende Stelle aus D. u. W. zeigt, dass die 
von mir gegebene Deutung des Gedichts zutreffen kann; 
dass sie aber zwingend ist, sollen die folgenden Beläge 
der Einzelheiten des Gedichts aus dem Briefwechsel be- 
weisen. 

Die ersten drei Zeilen beziehen sich nicht auf den 
Briefwechsel, sondern verbinden einige Töne aus Jakobis 
Dichtung zu einem Accord. 

»Flieh Täubchen flieh«. 

Jakobi (Werke 1, 82) »Komm, Täubchen, komm«. Die 
Winterreise I, i/io, »O flieht, ihr Täubchen«. Täubchen sind 
für Jakobi übernaupt ein Wort und Begriff, dem er starke 
poetische Wirkung zutraut; sie flattern in Schwärmen durch 
seine Gedichte. In den 24 kurzen Verszeilen des Gedichts 
»Die Täubchen«, Briefe S. 87, ist achtmal von Täubchen 
und zweimal von Tauben die Rede. 

»Fand im Wäldchen, wo Du Dich verborgen«. 

In Jakobis »Charmides und Theone« findet Charmides 
die Gehebte in einem »Wäldchen« — es wird wiederholt 
so genannt — in dem sie sich vor den Jünglingen ver- 
borgen hat. 

»Böser I^aurer Fttsse rasten nie«. 

»Vorgelesen ist er allen, die es wissen dürfen, wie ich 
ihn liebe, meinen Jakobi! Unheilige dürfen es nicht wissen«. 
(Briefe S. 28). 

»Horch! Flötenklang, Liebesgesang 

Wallt auf Lüftchen hin zu Liebchens Ohre«. 

Ich verzichte darauf, aus Jakobis Gedichten die über- 
aus zahlreichen Belagstellen für Flötenklan^ und Liebes- 
gesang zusammenzustellen. Durch reichUcnen Gebrauch 
von Diminutivis erstreben sowohl Gleim als Jakobi den Ein- 
druck der Zierlichkeit und Niedlichkeit. Gleim (Briefe S. 266): 



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l86 Abhandlungen. 



Ob Ihre Psyche mir gefällt 
Mein liebes Jakobitchen 
Wie sehr, wie sehr sie mir gefällt, 
Sag Ihnen dieses Liedchen. 
Jakobi (Briefe S. 270) : 

Täubchen, die sich zärtlich küssen 
Bäche, die geschwätzig fliessen, 
Blümchen, die am Ufer stehn 
Und sich in der Fluth besehn. 
Aus diesen Jakobi-Gleimschen Motiven baut sich eine 
köstliche Gesammtcharakteristik des Briefwechsels auf. Der 
Liebesgesang wallt auf Lüftchen hin zu Liebchens Ohre 
und findet im zarten Herzen offne Thore. 

»Auf den Wangen ewger Frühling lebet«. 
Gleim an Jakobi S. 194: 

Sie selbst, auf dessen Wangen noch 
Mit williger Gefälligkeit 
Juventas ihre Rosen streut! 
Sie, die Jugend selbst, sollten ihn singen. 

»Edler Deutschen FUsse gleiten nit«. 
Jakobi S. 166: Unheilige sehen nicht den Glanz, der 
den patriotischen Tyrtäus und den Sänger der Liebe um- 
gibt; ich sehe ihn, und zitternd umarme ich den ehr- 
würdigen Dichter als meinen Freund! 

»Wonn* ist die Brust, keusch seine Lust« I 

Gleim S. 35: Unter vier Grazien .... alle liederwürdig, 
vergass ich ihn nicht, den Freund, der so zärtlich mich liebt. 
Jakobi (von Gleim) S. 43: 

Mein Tyrsis nur ist meinem Herzen mehr, 
Mehr ist er mir als alle Schönen, 
Denn keine liebt mich so wie er. 
Gleim an Jakobi S. 136: Ein anderer eben so kleiner 
(Beweis) ist, das sich lieber meinem Jakobi, als den schönsten 
Mädchen singe. 

Gleim an seinen Jakobi S. 171: 

Allen seinen Mädchen ungetreu 
Meister seiner Triebe 
Liebt er Wahrheit mehr als Schmeichelei 
Freundschaft mehr als Liebe. 
»Roth ist sein Mund, der mich verwundt«. 
Es ist wohl unnöthig, hier alle papiernen Küsse des 
Briefwechsels zusammenzustellen. In den oben gegebenen 
Proben zur Gesammtcharakteristik der Briefe fincfen sich 
reichliche Beläge. 



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Goethes Gedicht: Flieh Täubchen flieh. 187 

»Auf den Lippen träufeln Morgendufte 
Auf den Lippen säuseln kühle Lüfte«. 

Die Verse sind veranlasst durch eine Uebersetzung 
Gleims nach dem Italienischen des RoUi (Briefe S. 138). 
Purpurrother, schöner, lieber, süsser Mund 
Anmuthsvoller als die Rose, welche rund 
Um sich her Gerüche duftet. 

»Nur ein Blick von ihm macht mich gesund«. 

S. 58. Ohne Ihre liebenswürdigen Briefgespräche, mein 
lieber Jakobi, wäre ich schon wieder im Krankenbette. 

S. 59. Der Bediente brachte mir Ihr Briefchen, welche 
Freude, liebster Freund! Vorgelesen ward es, Ihr armer, 
kranker Gleim fühlte sich gestärkt, ward munter. 

»Selig wer in seinen Armen ruht«. 

Die Umarmungen aus diesem Briefwechsel zu sammeln 
ist ein langwieriges Geschäft. Ich begnüge mich mit einer 
Probe. 

Jakobi S. i$6: . . . nichts denken kann ich als den 
Augenblick, da ich in Ihren Armen fühlen werde, wie sehr 
ich Sie liebe. (Ganz ähnlich S. 156, 224.) 

»Rasches Blut in meinen Adern röthen«. 

Gleim an Jakobi S. 29: Diesen Morgen, liebster Freund, 
liess ich zur Ader. Dickes, schwarzes Blut, wie das Blut 
eines Schwermüthigen .... Solch dickes schwarzes Blut 
sah ich mehr herausquillen, als herausfliessen. Wie geht 
es immer zu, dass nach den glückUchen drey Wochen in 
Lauchstädt, und nach den acht seeligen Tagen, die mein 
Jakobi mir schenkte, noch solch Geblüt in meinen Adern 
rinnt? 

»Ich vertausch' ihn nicht um eine Welt«. 

Jakobi an Gleim S. 57: Ohne ihn ist mir die Welt 
nicht schön. 

Jakobi an Gleim S. 67: Was war' eine Welt ohne 
meinen Freund? (Aehnlich S. 130, 210.") 

Die Beläge für die einzelnen Stellen liessen sich leicht 
vermehren, es ist aber wohl überflüssig, den Beweis noch 
verstärken zu wollen. 

Auf die wiederholte Bedeutung des Deutschen und die 
damit im Widerspruch stehende undeutsch-weichliche Zeich- 
nung des Männerideals in unserem Gedicht hat Pniower 
hingewiesen und daraus die satirische Tendenz des Ganzen 
festgestellt. In Jakobis Dichtung findet sich derselbe Zwie- 
spalt zwischen erotisch-weichlichen und patriotisch-kräftigen 
Tönen. 



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l88 Abhandlungen. 



»Nie freut' ich mich mehr, ein Deutscher zu sein«. 
(Die Winterreise.) 

»Dass Deine Sprache selbst, in welcher Du geliebt, 

Ein deutsches Mädchen hassen wUrdea. 
(Ebenda.) 

»Grosse Namen 

Die aus dem Himmel der Liebe kamen 

Ein Himmel dem der sie empfand: 

Friedrich und Vaterland«. 

(Zweite Cantate auf das Geburtsfest des Königs 
von Preussen.) 
Solch schwächliches Prunken mit grossen Worten 
schien Goethe undeutsch und so nimmt er mit dem Schluss- 
verse : »Bis ihr deutschen Glanz zu Grabe bringt« den Süss- 
lingen, denen er bisher ihre Falsetsprache geliehen hat, 
das Wort aus dem Munde und spricht im eigenen Brustton. 
Die Wirkung ist gewaltig. 

Der Gesammtaufbau des Gedichts ist nun durchsichtig. 
Strophe i enthält das Präludium — Jakobische Motive m 
einen nur formalen Zusammenhang gebracht. Strophe 2: 
Gesammtcharakteristik des Briefwechsels in Jakobi-Gleim- 
schen Motiven. In Strophe 3—7 folgt, nun der mono- 
logische Liebesgesang. Die letzte Strophe lenkt unter Auf- 
rechterhaltung der formalen Continuität mit dem Liebes- 
gesang ins ausgesprochen Literarisch-Satirische ein und 
giebt den Schlüssel des Gedichts. Im letzten Vers spricht 
(joethe. 

Das Gedicht ist in seinem Haupttheil ein Monolog, 
also ein rudimentäres Drama. In D. u. W. schildert Goethe, 
wie in der Zeit, der unser Gedicht entstammt, er und sein 
Kreis von der Neigung beherrscht waren, »alles, was im 
Leben Bedeutendes vorging, zu dramatisiren Ein ein- 
zelner einfacher Vorfall, ein glückliches, naives, ja ein 
albernes Wort, ein Missverstand, eine Paradoxie, eine geist- 
reiche Bemerkung, persönliche Eigenheiten oder Angewohn- 
heiten .... alles ward in Form des Dialogs, der Katechi- 
sation. einer bewegten Handlung, eines Schauspiels dar- 

{[estellt, manchmal in Prosa, öfters in Versen .... Man 
iess nämUch Gegenstände, Begebenheiten, Personen an 
und für sich, sowie in allen Verhältnissen bestehen, man 

suchte sie nur deutlich zu fassen und lebhaft abzubilden 

Die kleinsten TStücke dieser Art) finden sich unter den 

{gemischten Geaichten. Sehr viele sind zerstoben und yer- 
oren j^egangen^ manche noch übrige lassen sich nicht 
mittheilen«. (W. A. 28, 235.) 

Zu diesen letzteren gehört unser Gedicht und die vor- 
anstehenden Sätze enthalten seine innere Genesis. 



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Goethes Gedicht: Flieh Täubchen flieh. 189 

Die vielbesprochene Stelle 

Wieland soll nicht mehr mit seines Gleichen 
Edlen Muth aus unsrer Brust verscheuchen 
habe ich zurückbehalten, weil sie eine längere Erörterung 
erfordert. Seuffert und Witkowski deuten sie überein- 
stimmend auf Wielands Gegnerschaft gegen die Anakreon- 
tiker, wie sie in seiner in der Erfurtischen gelehrten Zeitung 
von 1771, Stück 37, erschienenen Recension von Michaehs 
»An den Herrn Canonikus Gleim. Inliegend einige satyrische 
Versuche von unseres Takobi Amorn« zum Ausdruck ge- 
kommen sein soll. Witkowski findet in den beiden Versen 
Goethes volle Zustimmung zu Wielands Vorgehen aus- 
gedrückt, während Seuffert meint, Goethe wende sich hier 
nach zwei Seiten, einmal gegen die Anakreontiker, gleich- 
zeitig aber auch gegen Wieland, der erst den Anakreontikern 
Fehde erklärt und dann doch wieder seinen verklagten 
Amor zusammen mit Werthes' Hirtenliedern habe erschemen 
lassen. Das letztere Argument fällt fort mit dem Aus- 
scheiden der Hirtenlieder aus der Frage; ich glaube aber 
überhaupt nicht, dass der Pastor-Amor-Streit in irgend 
einem Zusammenhang mit unserem Gedicht steht. Die 
Worte »mit seines Gleichen« müsste man dann entweder 
für sinnlose Flickworte halten oder sie mit Seuffert auf 
Jakobi beziehen, der in dieser Angelegenheit auch ein 
öffentliches Schreiben an Michaelis erlassen hat, worin er 
sich gegen jeden Antheil am Pastor- Amor verwahrt. Aber 
wie Konnte Jakobi, selbst ein echter Schäfer, den edlen 
Muth zur schäferlichen Dichtung aus irgend Jemandes Brust 
verscheuchen? Dazu kommt, dass es sich beim Pastor- 
Amor nicht um eine Controverse über die anakreontische 
Dichtung, sondern um ein Gewebe persönlicher Empfind- 
lichkeiten handelt. Spalding fühlt sich durch die Publi- 
kation seines Briefwechsels mit Gleim gekränkt, Michaelis 
verspottet Spalding, Wieland eifert gegen Michaelis, Jakobi 
protestirt ^egen jede Betheiligung an dieser Sache, Gleim 
und Jakobi zürnen auf Wieland — sie tanzen alle, aber an 
die Braut hat keiner gedacht. Goethe kann deshalb auch 
nicht sagen wollen, dass durch eine Erklärung Wielands in 
einer gelehrten Zeitung über einen persönlichen Streit der 
edle Muth zum Singen aus der Brust aer Schäfer verscheucht 
w^erde. Endlich kann das Gedicht, wie weiterhin gezeigt 
wird, nicht vor Februar 177^ entstanden sein, und es liegt 
nicht in der Art des schnelllebenden jungen Goethe, auf 
einen ephemeren, beigelegten und vergessenen Streit nach 
zwei Jahren zurückzukommen. 

Ich finde die Erklärung unserer Verse vielmehr in 
einer Recension Wielands im Teutschen Merkur (Bd. 2, 



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190 Abhandlungen. 



3. Stück, Juni 177 j, S. 231) über Nicolais Sebaldus Noth- 
anker. Der erste Band dieses Romans erschien 1773. Ein 
Abentheuerroman voll von Entführungen, Menschenraub 
durch Werber und Seelenverkäufer, Raub eines Mädchens 
durch einen Lüstling, Ueberfällen auf Landstrassen, über- 
raschendem Wiederjanden u. s. ^\ Am Schluss wird die 
Verbindung der beiden Liebenden durch einen unverhofften 
Lotteriegewinn ermöglicht. Dieser lockere Rahmen dient 
dem Verfasser zu bequemem Ausdruck vielfacher Tendenzen 
gegen die Unduldsamkeit der Geistlichen, die in einer 
ganzen Musterkarte vorgeführt werden, den Hochmuth des 
Adels, die französische Erziehung deutscher Kinder, die 
Schäden der deutschen Bücherproduction und des Buch- 
handels, endlich auch zu literarischer Satire. Der jugendliche 
Held und Liebhaber, Herr von Säugling, ist ein tändelnder 
Poet. »Seine. Studien waren lachena und reizend und 
bestanden in CoUegien über die schönen Wissenschaften 
und in fleissigem Lesen aller deutschen Poeten, sonderlich 
derjenigen, die Freude, Wein und Liebe besungen haben. 
Er hatte überdies Französisch, Engländisch und Italiänisch 

felernt, und hatte in diesen Sprachen alle Poeten und die 
esten Kritiker gelesen. Er hatte sehr viele Gedichte an 
Phillis und Doris gemacht und dies blieb noch beständig, 
nebst der Sorge tür seinen Anzug, seine vornehmste Be- 
schäftigung .... Er gefiel sich selbst sehr wohl, nächst 
diesem aber war sein hauptsächlichstes Augenmerk, dem 
Frauenzimmer zu gefallen .... Er sagte ihr mit sanft lispeln- 
der Stimme, er sehe die kleinen Amore und Amoretten 
auf ihrem Postillion aufsteigen und niedersteigen«. Ein 
gar nicht sehr karrikirtes Portrait Georg Jakobis, das die 
Zeitgenossen sofort als solches erkannten. Voss schreibt 
an Ernestine Boie (Briefe von J. H. Voss, Halberstadt 1825, 
Bd. I, S. 211): »war ich ein dichterischer Stutzer, mit 
anderen Worten, ein empfindsamer Dichter, auf deutsch, ein 
Jakobi oder nach Erklärung des theuren Herrn Magister 
Sebaldus, ein Säugling: so würden Sie schwerlich ohne 
ein: Holde Grazie, oder Meine Göttin, davon gekommen 
sein«. 

Diesen Roman nun zeigte Wieland im Teutschen 
Merkur lobend an. Er findet, dass Nicolai dadurch seine 
Verdienste um das deutsche Publikum beträchtlich vermehrt 
hat, nennt es ein angenehmes, lehrreiches, in einem simplen 
Stil, aber in dem besten Ton, mit mehr Verstand als Witz 
und mit mehr Geschmack als Laune geschriebenes, in seiner 
Art ganz neues und reizendes Buch, »für welches ich als 
eine Erscheinung, auf die man in diesen Zeiten der fühl- 
baren Abnahme unserer Literatur gar nicht hoffen durfte. 



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Goethes Gedicht: Flieh Täübchbn flibh. 191 

dem Genius des Geschmacks und des Menschenverstands, 
der unsern Parnass noch nicht ganz verlassen will, herzlich 

danke« Zuletzt empfiehlt er die einzelnen Personen 

des Romans, »den zärtlichen Herrn von Säugling mit ein- 
geschlossen« allen Lesern des Merkurs. 

Nach dem Druck, aber vor Versendung des betreffenden 
Stücks erhielt Wieland von Fritz Jakobi, dem Mitbegründer 
des Merkurs, die Nachricht, mit Herrn von Säugling sei 
sein Bruder gemeint, der Passus dürfe nicht gedruckt werden. 
Mit wohl nur gut gespieltem Erstaunen antwortet Wieland 
am 16. Juli (F. H. Jakobis auserlesener Briefwechsel, 
Leipzig 1825, Bd. I, S. 117): »Mit schamvollem Angesicht, 
in weissem Hemde, und mit der Ruthe in der einen, und 
mit einer langen gelben Kerze in der anderen Hand, trete 
ich, wohlberühmter Schöpfer der Musarion und Danae, 
Stifter der Republik des Diogenes u. s. f. vor Sie hin, mein 
besterjakobi, und bekenne, dass ich — nur ein dummer Teufel 
bin. Dass ich dieser dumme T seyn muss, hat nun- 
mehr seine Richtigkeit. Denn seitdem Sie mir sagen, dass 
Säugling im M. Sebaldus unser guter Bruder Georg seyn 
soll, seitdem finde ich, dass Sie Recht haben. Aber, bei 
den Grazien des Charmides! ehe Sie mirs sagten, fiel mir 

far nicht ein, dass ein vernünftiger Mensch dies finden 
önne und ich hätte mir eben so leicht träumen lassen, 
dass ich Doctor Stauzius, als dass Geore Säugling seyn 
solle. Nun, mein liebster Fritz, ist das Übel geschehen; 
Sebaldus ist im Merkur gelobt; die Exemplare werden in 
künftiger Woche abgehen, müssen abgehen; und was ich 
geschrieben habe, habe ich geschrieben«. Es folgt nun 
über diese Angelegenheit ein von beiden Seiten erregt ge- 
führter Briefwechsel, in dem Wieland (Brief vom 14. August) 
Fritz Jakobi die Freundschaft aufkündigt, was er in einer 
Nachschrift allerdings zurücknimmt. Aber es blieb eine 
Verstimmune; zurück. Noch am 11. März 1774 schrieb 
Wieland : »Nur wenigstens keinen Enthusiasmus von Freund- 
schaft mehr! Gehen wir in Gottes Namen jeder seinen 
Weg, so nah beisammen, als möglich, nur nie wieder so 
nah, dass wir uns die Köpfe an einander zerschellen. 
Vielleicht ist dies das wahre Mittel, um mit der Zeit un- 
zertrennliche Freunde zu werden«. 

Nicht nur Georg Jakobi, auch Gleim konnte sich durch 
das Nicolai im Merkur gespendete Lob verletzt fühlen. 
»Wie abscheulich ist nicht der ehrwürdige Gleim behandelt! 
Und den Herausgeber nennt Wieland öffentlich einen Mann 
von Verdienst!« schreibt Fritz Jakobi am 8. August an 
Wieland. Das bezieht sich auf eine Recension in der Allg. 
d. Bibliothek 1773, Bd. 20, Stück 2, S. 576, über »Die beste 



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192 Abhandlungen. 



Welt, von Gleim und Jakobi«, wo von den »vielen matten 
und leeren Versen« in Gleims Antheil die Rede ist. Auch 
Georg Jakobi war ausser an der eben angeführten Stelle 
auch noch Bd. 18, Stück i, S. 209 mit überlegenem Witz 
abgeführt worden: »An das Publikum von Job. Georg Jakobi. 
Halberstadt 1771. Der Dichter äussert in diesen Versen 
seinen Unwillen gegen Deutschland, dass es still schweigt, 
wenn man die Dicnter der Zärtlichkeit, namentlich Herrn 
Wieland und Gleim tadelt und schildert die heutige Kritik 
in einer nicht sehr reizenden Gestalt. Wir enthalten uns 
allen Urtheils über die Billigkeit oder Unbilligkeit dieser 
Klagen, um des Verfassers Unwillen nicht von neuem auf- 
zubringen, wenn etwa Deutschland abermals dazu stille 
schwiege«. 

Von diesem Zwiespalt zwischen Wieland und den 
Jakobis wusste Goethe. Im März 1774, also gleichzeitig 
mit Wielands oben angeführter Verwanrung gegen Freuna- 
schaftsenthusiasmus schreibt er an Kestner: »Der Jakobi 
(Georg) hat Lotten insofern Gerechtigkeit wiederfahren 
lassen .... Die Iris ist eine kindische Entreprise und soll 
ihm verziehen werden, wenn er Geld dabey zu schneiden 
denkt. Eigentlich wollen die Jackerls den Merkur minieren, 
seitdem sie sich mit Wieland überworfen haben. Was die 
Kerls von mir denken, ist mir einerley. Ehdessen haben 
sie auf mich geschimpft wie auf einen Hundejungen, und 
nun müssen sie fühlen, dass man ein braver Kerl seyn 
kann, ohne sie just leiden zu können«. 

Nicolai also ist »Wielands Gleichen« und das Wechsel- 
spiel der literarischen Beziehungen gestaltet sich so, dass 
Nicolai hier einmal als Goethes Bundesgenosse erscheint. 

Die Chronologie unseres Gedichts macht nun wenig 
Schwierigkeiten, ßas »Wäldchen« in Charmides und Theone, 
auf das in der ersten Strophe angespielt wird, findet sich 
im Februarheft des Merkur von 1773. Das Stück mit der 
Nikolai-Recension hat Wieland Enae Juli verschickt, es ist 
also Anfang August zu Goethes Kenntniss gekommen. 
Die Verstimmung gegen die Jackerls — dieses verächtliche 
Diminutiv von Jakob ist wohl das früheste Beispiel von 
Goethes Neigung, die Namen seiner Gegner zu zerzausen 
rPustkuchen, Merkel, Nicolai) — erscheint schon während 
aes Jahres 1772 in den Frankf. eel. Anzeigen, wachsend 
bis zu der furchtbaren Explosion (Neudruck S. 670), weiter 
in einem Briefe an Sophie la Roche von Ende August 
1773 und in dem eben angeführten Briefe an Kestner von 
März 1774. Die Existenz von Satiren gegen Jakobi ist 
bezeugt in dem Briefe Schönborns an Gerstenberg (Redlich, 
zum 29./1. 1878, S. VI), vom 13./10./73: Er (Goethe) ist 



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Goethes Gedicht: Flieh TXubchen flieh. 193 



ein fürchterlicher Feind von Wieland et Consorten. Er 
lass mir ein paar Farcen, die er auf ihn und lakobi ge- 
macht, wo beyde ihre volle Ladung von lächerlichem be- 
kommen. Das will er aber nicht drukken lassen«. Und 
Voss schreibt an Brückner (6/3/74, Briefe von loh. Heinrich 
Voss); »G. hat noch welche für Wieland und Jakobi liegen, 
die er auch bei Gelegenheit drucken lassen will«. Mit 
Jakobi ist in Voss' Briefen aus dieser Zeit immer Georg 
gemeint. Zum Druck unseres Gedichts kam es nicht, wen 
im Juli 1774 die Versöhnung mit den Jakobis stattfand. 

Unser Gedicht stammt also aus dem Ende 1773 ^^^^ 
Anfang 1774, 'während das verlorene Seitenstück dazu, die 
Farce: das Unglück der Jakobis, Ende 1772 entstand, gleich- 
zeitig mit der grausamen Recension Jakobis in denFranM.gel. 
Anzeigen. Das Unglück der Jakobis, der Zeit höchster Er- 
bitterung entstammend, war sicherlich weit schärfer, als 
»Flieh, Täubchen«, dessen Grundton Belustigung ist und 
worin Goethe sich der von der Karschin prophezeiten und 
von ihm selbst in dem bösen Gedankenstriche jener Recen- 
sion geübten Verdächtigung vollkommen enthält, so nahe 
auch die Versuchung dazu durch den Stoff gelegt wurde. 
Es ist nun leicht zu verstehen, weshalb unser Gedicht 
erst 1816 aus seiner 43 jährigen Verschollenheit auftaucht. 
(Tagebuch Goethes vom 1/9/1816: Emendation des älteren 
Liedes »Flieh Täubchen ffieh«; Brief Zelters an Goethe 
B. II, S. 366.) Bei Jakobis Lebzeiten konnte keine Rede 
davon sein, ihn durch Veröffentlichung des Gedichts zu 
kränken. Denn auch bei Verschweigung der näheren Be- 
ziehungen hätte der Angegriffene das Gedicht erkannt, von 
dessen Existenz er seiner Zeit ja Kunde gehabt hatte, wie 
aus jener Stelle in D. u. W. hervorgeht, ja, das er damals 
vermuthlich handschriftlich kennen gelernt hatte. Hand- 
schriften des Gedichts coursirten — es haben sich solche 
im Nachlass von Sophie la Roche und von Schlosser vor- 
gefunden — und in solchem Falle finden sich ja immer 
f;ute Freunde, die dafür sorgen, dass man ganz genau in- 
brmirt ist. Nach Jakobis Tode (4^ Januar 18 14) traten für 
Goethe zwei Gesichtspunkte in toncurrenz: die Pflicht, 
von seiner geistigen Existenz nichts untergehen zu lassen, 
und die Abneigung, lang verschollenen Streit wieder aufzu- 
rühren. Auch lebte 18 16 Fritz Jakobi noch und stand mit 
Goethe in freundlichen Beziehungen. So wählte er den- 
selben Ausweg wie in dem verwandten Falle des Satyros : 
Er gab das Gedicht aus der Hand (veröffentlicht wurde es 
erst 1827: Sechs deutsche Lieder für die Altstimme mit 
Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt von C. Fr. Zelter. 
Berlin 1827, Trautwein), verschwieg aber die Beziehungen, 

GoiTBB-jAHKBuai xvui 13 

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1 94 Abhandlungen. 



die denn auch für den Satyros wie für unser Gedicht zwei 
Menschenaker lang unbekannt geblieben sind. Zwischen 
diesen beiden Dichtungen spinnt sich ausser ihrer Zusammen- 
gehörigkeit in Goethes Geistesleben und der AehnUchkeit 
inrer literarischen Schicksale vielleicht noch ein dritter 
Faden. Am 11/1/1808 dankt Goethe Fritz Jakobi für Ueber- 
sendung des Satyros. »Mit dem Satyros hast Du mir viel 
Freude gemacht. Dieses Document der göttlichen Frech- 
heit unserer Jugendjahre hielt ich für ganz verloren. Ich 
wollte es einmal aus dem Gedächtniss herstellen; aber ich 
brachte es nicht mehr zusammen«. Die Erinnerung der 

föttlichen Jugendfrechheit unter gleichzeitigem Erkfingen 
es Namens jakobi mussten seine Gedanken auf unser Ge- 
dicht lenken — es war dasselbe Jahr, in welchem der Plan 
zu D. u. W. gefasst wurde — und es ist nicht unmöglich, 
dass wir diesem Anlass das Hervorholen des Gedichts und 
die Andeutung in D. u. W. verdanken, welche das Ver- 
ständniss ermöglicht. In ähnlicher Weise macht uns Goethe 
durch einen Hinweis in D. u. W. möglich, in dem Märchen 
von der neuen Melusine eine poetische Gestaltung dessen zu 
erkennen, was ihn an Friderike band und dessen, was ihn von 
ihr trennte. Und so mögen in D. u. W. noch manche Stellen 
sein, wo Schätze unter dem Boden liegen, und es käme 
darauf an, die Wünschelruthe mit fühlender Hand zu halten. 
Es gewährt grosses Vergnügen, zu beobachten, wie 
Goethe Zelters Verwunderung über das Gedicht ruhig mit 
ansieht. Zelter : »Ueber das Flieh Täubchen muss ich mich 
selber wundern. Nur der eine Vers »Und so soll mein deut- 
sches Herz weich flöten« — das ist ein harter Hund und will 
sich nicht fügen; ich habe mir selber schon die Zunge daran 
wund gerieben«. Man meint Goethe schmunzeln zu sehn. 
1827 spielt der letzte Act in der merkwürdigen Ge- 
schichte unseres Gedichts. Goethe erinnert sich seiner Autor- 
schaft nicht mehr — stellt sie aber auch nicht geradezu in 
Abrede — während sie ihm doch in jener Tagebuchnotiz von 
1816 noch vollkommen gegenwärtig gewesen war. fBrief an 
Kanzler Müller vom 22/6/1827, G.-J. 1892, S. iqi.) Pniower 
weist mit Recht darauf hin, dass m der Goetne 1827 vor- 
liegenden Form die zum Verständniss nothwendige Strophe 
fehlte, in der Wieland vind die Schäfer genannt sind. Auch 
mochte die — wie es scheint, von Zelter herstammende — 
irreführende Ueberschrift »Mädchens Held« ' dazu beitragen, 
dass Goethe die Deutung auf Jakobi nicht einfiel. 

' Ueber die Herkunft der Ueberschrift wird sich erst nach dem 
Erscheinen des philologischen Apparats zu unserm Gedicht in der W. A. 
urtheilen lassen. Die in der W. Ausgabe zweifelhaft gelassene Echtheit 
des Gedichts ergiebt sich aus der Taffebüchernotiz Goethes von 1/9/ 181 6 
und aus der gegenwärtigen Abhanalung. 



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Goethes Gedicht: Fueh Täubchen flieh. 195 

Goethe wendet sich gegen Georg Jakobi mit der Härte, 
mit der man Andere in semen eben überwundenen Bildungs- 
stufen verharren sieht. Auch er hatte im weichUch tän- 
delnden Schäferwesen gesteckt. Mit derselben Empfindung 
sah er 10 Jahre später auf Schillers Jugenddramen. Wie 
er aber aus Allem Nahrung sog, so auch aus der Dichtung 
des so viel schwächeren Jueendgenossen. Er stand Jakobi 
nicht nur abwehrend, sondern auch — in bescheidenem 
Maasse — empfangend gegenüber. Zu der Stelle in Char- 
mides und Theone: 

Hört vom dunklen Ufer hallten 
Schon die Chöre. Seht! Gestalten 
Schöner als die Sterblichkeit! 
O mit eurem ganzen Segen 
Schwestern! bringt es mir entgegen 
Jenes leichte Frtlhlingskleid. 
hat Scherer in dem Handexemplar seines Aufsatzes über 
Goethe und Adelaide am Rande notirt »cf. Mignon« wegen 
des Anklanges an das Lied: 

So lasst mich scheinen, bis ich werde. 
Zieht mir das weisse Kleid nicht aus! 

(Scherer, Aufsätze über Goethe, S. 105.) 
Auf den Zusammenhang von Jakobis Gedicht »An 
Belindens Bett« mit den herrlichen Versen Fausts in 
Grethchens Kammer hat Daniel Jakobi (G.-J. I, 191) hin- 
gewiesen. Ich möchte noch auf die Strophe: 
Bald erwacht aus einer kurzen Ruh 
Gleich den Schmetterlingen 
Eil ich schön wie du 
Neben dir, auf goldnen Schwingen, 
Deinem Vaterlande zu. 
(Werke II, S. 8. Der Schmetterling.) 
aufmerksam machen. Der erste Vers klingt deutlich in 
Goethes »Der Gott und die Bajadere« wieder (Früh er- 
wacht nach kurzer Rast). Die letzten Zeilen scheinen auf 
den Schluss der Braut von Korinth eingewirkt zu haben. 
Es ist Psyche, die bei Jakobi zu Amor von ihrem Ver- 
gehen und Auferstehen, ihrem Sterben und Werden spricht, 
und die Aehnlichkeit der Vorstellung kann wohl die 
schlummernde Erinnerung an die Worte erweckt haben. 
Beide Gedichte sind in derselben Woche entstanden und für 
beide ist eine weit zurückliegende, in die Jugendzeit hinein- 
reichende Conception bezeugt, wodurch unsere Vermuthung 
verstärkt wird. 



Jakobis Elysium (1770) soielt in der Unterwelt wie 
Götter Helden und Wieland (^1774). Der Eingang lautet 

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13' 

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1^6 Abhandlungen. 



bei Jakobi: »In der Ferne der Styx. Elise. Sie kömmt in 
dem Nachen des Charon an. Vier bekränzte Schatten 
empfangen sie.« 

Bei Goethe : »Mercurius am Ufer des Cocytus mit zwey 
Schatten. Mercurius: Charon he Charon!« 

Der Ausdruck »eine schöne Seele« in seiner prägnanten 
Form scheint von Jakobi auf Goethe übergegangen zu sein. 
Zwar hatte Wieland schon 17^5 die Frage aufgeworfen: 
Was ist eine schöne Seele? und sie mit Beispielen aus der 
Cyropädie beantwortet und das wird auch die Quelle für 
Jakobi gewesen sein, bei dem sich das Wort wiederholt findet : 
»Aber unsterblicher Lohn 
Und der Unschuld reine Süssigkeiten 
Werden schöne Seelen begleiten, 
Schöne Seelen, die der Thron 
Nicht an seine goldenen Stufen 
Unter die Freunde des Fürsten gerufen«. 
(Cantate 1771, Werke II, 21.) 

»Den Ausdruck im Gesicht des Geliebten, seine Rede, 
was sie vor und nach derselben empfunden, hatte sie auf 
mancherlev Art zusammen und wieder zusammengesetzt, 
bis endlich ein Ganzes daraus entstanden, und sie selbst 
zur schönen Seele geworden war«. (Charmides und Theone, 
Mercur 1775, Stück 3, S. 204.) »Charmides und Theone 
sollten das Chor schöner Seelen nicht vergrössern wollen ?« 
(Ebenda S. 206.) 

Goethe schöpfte also dieses nun unsterblich gewordene 
Wort an derselben Stelle, an der er das »Wäldchen« unseres 
Gedichts entnahm und Jakobi dient hier als Mittelsmann 
zwischen Wieland und Goethe. 

An unserem Gedicht besassen wir bisher ein räthsel- 
haftes Product, von dem es wie von den Müttern heissen 
konnte : Von ihm sprechen ist Verlegenheit. Wir tauschen 
dafür ein Glied in der Reihe jener köstlichen Satiren ein, 
in welchen der junge Goethe seinem Unmuth über Ver- 
kehrtheiten literariscner Dinge und Menschen Luft macht. 
Es ist ein hoher Genuss, nach gewonnenem Verständniss 
das Gedicht auf sich wirken zu lassen und mit Lust zu 
hören, wie über fünfviertel Jahrhunderte hinweg das goldene 
Geläcnter des jungen Genius zu uns herüberklingt. 




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Goethe und G£rard de Nerval. 

EINE VERGLEICHENDE STUDIE .AUS DER FRAN- 
ZÖSISCHEN ROMANTIK 

VON 

Louis P. Betz. 




lei dem Interesse, das Goethe besonders am Anfang 
und am Ende seines Lebens für französische 

Literatur und Kultur bekundete, in Anbetracht der 

vielen und mannigfachen geistigen Bande, die sein poetisches 
Schaffen mit französischem Dienten und Denken verknüpfen 
und endlich angesichts des allbekannten Einflusses, den 
Goethe auf das Werden und die Fortentwicklung der fran- 
zösischen Romantik ausgeübt, darf man sich wohl wundern, 
dass das weite, interessante und dankbare Forschungsgebiet: 
die literarischen Wechselbeziehungen zwischen Goethe und 
Frankreich — so gut wie brach liegt. Hier und da eine 
kleine Einzelstudie^ aus der flüchtigen Feder eines unter- 

* Ich habe hier besonders Ferd. Gross' anziehende aber oberfläch- 
liche Schriften im Auge [»Goethes Werther in Frankreich«, Leipzig, s. a.; 
»Goethes Faust in Frankreich« in »Was die Bücherei erzählt«, Leipzifi^ 



(89)]. Ungleich wcrthvoller ist die Studie des Frankfurter Gymnasial- 
professors Armand Caumont »Goethe et la litt^rature fran^aise« (Pro«-, 
d. Stadt. Gymnasiums 1885), in der aber mehr die äussern Momente der 



literarischen Beziehungen Goethes zu Frankreich, d. h. seine Urtheile 
über die französische Literatur etc. hervorgehoben werden. 



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198 Abhandlungen. 



haltenden Feuilletonisten oder dem schwerfälligen Kiele 
eines Bibliographen, der sich damit begnügt, Büchertitel 
aneinanderzureinen'; in grösseren Werken emige nützliche 
Fingerzeige, scharfsinnige Apergus, ein oder zwei geistvolle 
Seiten — und das ist Alles. — 

Aus diesem ungeschriebenen Buche der Goetheforschung 
will ich hier ein kleines, aber nicht unbedeutendes Capitel 
herausgreifen und versuchen die Beziehungen Girara de 
Nervals zu Goethe und zur deutschen Literatur zu schildern, 
ein Bild zu entwerfen von dem sympathischsten, am tiefsten 
von deutscher Dichtkunst durchdrungenen und deutsch- 
freundlichsten Poeten der französischen Romantik. 

Der Ort und der Zweck dieser Studie gebieten mir 
die biographischen Mittheilungen auf wenige Daten zu 
beschränken.* Girard wurde am 22. Mai 1808 als erster 
und einziger Sohn des in napoleonischen Diensten stehenden 
Militärarztes Labrunie geboren. Seine Mutter, die dem 
Gatten in den russischen Feldzug gefolgt war, — ihr ^Kind 
hatte sie bei einem Oheim in dem Städchen ErmenojjlVille 
zurückgelassen — starb am hitzigen Fieber in Gross-Glogau. 
Nach dem Sturze des Kaisers liess sich der weitgereiste und 

febildete Offizier in Paris nieder und widmete sich ganz 
er Erziehung seines reichbegabten Sohnes, der sich be- 
sonders eifrig mit dem Studium fremder Sprachen, und vor 
Allem mit dem Deutschen beschäftigte. Schon auf der 
Schulbank zeigte er ein vielversprechendes Dichtcrtalent. 
Als sechszehnjähriger Gymnasiast trat er mit seinen ersten 
Liedern vor die ÖefFentlichkeit und er war noch keine 
zwanzig Jahre alt, als er sich durch seine Uebersetzung des 
»Faust« einen wohlverdienten literarischen Ruf erwarb. Er 
wurde einer der Vertrauten Victor Hugos, Kopf und Leiter 
einer talentvollen Schaar junger Dichter und Künstler, des 
sogenannten »petit cinacle«, zu dem u. A. Theophile Gautier, 
Arsine Houssaye, Alphonse Karr und die Maler Corot, 
Rousseau und Nanteuil und der Musiker Hector Berlioz 
gehörten. Der junge Labrunie, der den Schriftstellemamen 
Cj6rard de Nerval annahm, den er in der Literaturgeschichte 
behalten hat, wurde ein gesuchter Mitarbeiter einer grossen 

* Dem Autor der zweibändigen »Geschichte des deutschen Kultur- 
einfiusses auf Frankreich« etc., dem jüngst verstorbenen Professor 
Th. Süpfle, dessen grosse Verdienste und schönen Saramelfleiss wir 
gerne annerkennen, fehlten literarischer Sinn und kritischer Geschmack. 
Das genannte Werk ist eine grundlegende, sehr nützliche, aber geistlose 
Compilation. 

* Diese Studie wird literarisch und biographisch durch einen in- 
zwischen wohl in der Beilage der Allgemeinen Zeitung erschienenen 
Aufsatz : »G. d. N., ein Dichterbild aus Frankreichs deutschfreundlichen 



Tagen« ergänzt. 



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Goethe und G6rard de Nerval. 199 

Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften, führte ein aben- 
teuerhches, unstätes Wanderleben ; verliebte sich in eine 
Pariser Schönheit, die Sängerin Jenny Colon, welche die 
böse Fee seines Träumerdaseins v^urde. Unglückliche Liebe, 
die Aufregungen und Strapazen seiner Bohfeme-Existenz und 
wohl auch ererbtes Gemütnsleiden führten den unglücklichen 
Poeren schon im besten Mannesalter in die berühmte Nerven- 
Heilanstalt des Dr. Blanche. Er war stets nur ein mystischer 
Wahnbefangener, niemals wirklich geistumnachtet. Und 
daher gibt es heute noch Leute, die nicht glauben, dass 
Nerval, den man beim Morgengrauen eines kalten Januar- 
tages des Jahres 1855 in einer der schmutzigsten und ver- 
rufensten Gassen des alten Paris erhängt fand, selbst Hand 
an sein Leben gelegt. — 

Es wäre zu wünschen, dass diese liebenswürdigste 
Dichtererscheinung der französischen Romantik einmal emen 
deutschen Biographen fände ; * nicht nur weil Nerval Deutsch- 
land und seine Dichter geliebt, nicht blos, weil er einer der 
einflussreichsten Vermittler und begabtesten Dolmetscher 
der deutschen Literatur gewesen, sondern auch weil ihn 
eigentlich nur ein Deutscher so recht verstehen, ihm nach- 
fühlen kann und dann vor Allem, weil Nerval seine Lauf- 
bahn mit einer gelungenen Faustübertragung begonnen, die 
dem greisen Altmeister eine wirkliche Freude bereitete. 
Denn am ersten Sonntag des Wintermonats 1830 berichtet 

Eckermann folgendes: Er selbst hatte derweil die 

neuste französische Uebersetzung seines »Faust« von G^rard 
zur Hand genommen, worin er blätterte und mitunter zu 
lesen schien. — »Es gehen mir wunderliche Gedanken durch 
den Kopf«, sagte er, »wenn ich bedenke, dass dieses Buch 
noch jetzt in einer Sprache gilt, in der vor fünfzig Jahren 

Voltaire geherrscht hat« Diese Uebersetzung 

von Girard, obgleich erösstentheils in Prosa, lobte Goethe 
als sehr gelungen, »fm Deutschen«, sagte er, »mag ich 
den »Faust« nicht mehr lesen, aber in dieser französischen 



' In Frankreich schrieben über Nerval kürzere und längere Artikel : 
Th. Gautier, Arsfene Houssaye, Paul de Saint -Victor, Champfleury, 
Audebrand und andere Zeitgenossen; ausführlichere biographische 
Studien: Georges Bell (»G^rard de Nerval«, Paris 1855), Alfred Delvau 
(G. d. N. Sa vie et ses oeuvres, Paris 1865). Diese letztere Schrift 
liegt einer hübschen, sympatisch gehaltenen Skizze Paul Lindaus zu 
Grunde (»Aus dem litteranschen Frankreich«, II. Aufl. Breslau 1882). 
Ein treffliches literarisches Essay lieferte endlich Maurice Tourneux 
(L'äge du Romantisme, 1887.') Endlich: Louis de Bare (Rev. Inter- 
nationale 1894; Nr. 8, 9) und L. Der6me, Les Editions originales des 
Romantiques, Paris 1887, ^ Bde. (Les oeuvres d'Henri Heine, deG^rard 
de Nerval et de Bohtoe, Bd. I.) Eine zusammenfassende, gründliche 
Biographie Nervals gibt es auch in Frankreich nicht. 



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200 Abhandlungen. 



Uebersetzung wirkt alles wieder durchaus frisch, neu, geist- 
reich«. — Eine weitere Aeusserung Goethes über Nerval ist 
uns nicht überliefert. In seinen Werken selbst und in seinen 
Briefen ist sonst nirgends von diesem jungen Romantiker 
die Rede. Den Freunden Nervals genügte aber das kurze 
Lob des deutschen Dichters nicht und so ersannen sie 
noch einen eigenhändigen Brief Goethes, nebst einem langen 
dialogisirten Dithyrambus. Diese merkwürdige Goethe- 
Nerval-Legende, die in Frankreich allgemein verbreitet ist 
und auch ihren Weg nach Deutschland gefunden hat,' war 
seltsamer Weise noch niemandem aufgefallen. Die Erfin- 
dung des Briefes geht wahrscheinlich auf J. Janin zurück, 
der m einem seiner zahllosen Feuilletons, wo es natürlich 
nicht auf historische Genauigkeit ankam, erzählt, es habe 
Goethe dem Faustübersetzer eigenhändig geschrieben : » Vous 
seul m'avez compris et traduit sans me trahir«. Von einer 
geradezu irreführenden Deutlichkeit ist folgende Stelle des 
schönen Nachrufs, den Gautier seinem lieben Jugendfreunde 
und langjährigen Mitarbeiter — also eine eminent glaub- 
würdige Quelle — in der Zeitung »La Presse« am 27. Januar 
1855 widmet: Le grand Woltgang Goethe, qui trönait 
encore avec Timmobiliti d'un Dieu sur son olympe de 
Weimar, s'imut pourtant et daigna lui icrire de sa main 
de marbre cette phrase dontG^rard, si modeste d'ailleurs, 
s'enorgueillissait ä bon droit et qu'il gardait comme un 
titre de noblesse: »Je ne me suis jamais si bien compris 
qu'en vous lisant«. Nicht minder bestimmt drückt sich der 
bejahrte Pariser Journalist Philibert Audebrand, der Nerval 
auch persönlich gekannt, in seinen 1892 erschienenen »Petits 

Mimoires du XIX"* sifecle« (p. 187) aus: » Goethe, 

encore vivant, lui avait envoyi, sous forme de bouquet, 
un trfes joli billet de fdicitation«. Es ist begreiflich, dass 
man angesichts solch entschiedener Aussagen die genauesten 
Erkundigungen einzieht, bevor man es wagt, die drei Zeit- 

Senossen Nervals Lügen zu strafen. Anfangs vermuthete ich, 
ass in dem bekannten sinnigen Gedichte »Ein Gleichniss« 

»' So war mir*s, als ich wundersam 

Mein Lied in fremder Sprache vernahm«. — 
das Ende der zwanziger Jahre entstand und sich sogar 
wahrscheinlich auf die Faustübertragung Nervals bezieht, 
jenes »bouquet« (Geburtstagsgedicht) zu suchen sei. Allein 
gestützt aut die genauesten Nachforschungen in Frankreich 

' »Sollte indessen Goethe in der That die Leistung G^rard de 
Nervals für so udellos gehalten haben, wie aus seinem an den Uebcr- 
setzer gerichteten Briefe hervorzugehen scheint«? (F. Gross, Goethes 
Faust in Frankreich 1. c. p. 13.) 



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Goethe und Gärard de Nerval. 201 

und in Deutschland erkläre ich auf das Bestimmteste : Goethe 
hat niemals an Nerval geschrieben.' Dafür spricht schon 
die Thatsache, dass Nerval selbst sich nirgends darüber 
äusserte, während er doch nicht verfehlt, die oben citirte 
Stelle aus Eckermanns Gesprächen, die ihm ein Freund in 
Deutschland in etwas ungeschickter französischer Ueber- 
setzung mittheilte, in der Vorrede zur vierten Ausgabe seines 
»Faust« (1853) wiederzugeben. Bemerkenswerth ist ferner, 
dass Nerval m dieser Vorrede ausdrücklich erklärt, Goethe 
niemals geschrieben zu haben. Ein so anerkennendes und 
liebenswürdiges Schreiben, wie dies, von dem Gautier und 
Andere erzählen, hätte Nerval doch sicherlich nicht unbeant- 
wortet gelassen. — Dies ist indessen nur das eine Kapitel der 
Legende, das andere, für das Eckermann herhalten muss, ist 
das verbreitetere und — amüsantere. Was Delvau, einer der 
Nervalbiographen, Goethe sagen lässt — »Goethe le procla- 
mait (nämlich Nervals Faust^ un prodigue de style« — ist 
harmlos. Erfindungsreicher ist schon der anonyme Ver- 
fasser des Nervalartikels in dem »Grand Dictionnaire Uni- 
versel du XIX '^ Sifecle« von Pierre Larousse. Dort heisst es 
nämlich : »Eines Abends, als sich der deutsche Dichter mit 
Eckermann unterhielt, kam die Sprache auf Nervals Faust- 
übersetzung. »Sie ist ausgezeichnet«, sagte Goethe. — 
»Oh !« erwiederte Eckermann gerinjgschätzig lächelnd, »aus- 
gezeichnet ist etwas viel gesagt; der welcher sie gemacht, 
ist erst 18 Jahre alt«. — »Achtzehn Jahre«! riet Goethe 
erstaunt. »So wisset denn, dass sein Buch ein Wunder- 
werk des Stils ! Dieser junge Mann wird einer der edelsten 
(plus purs) Schriftsteller Frankreichs werden«. Das ist aber 
noch gar nichts gegen das Phantasieproduct, das sich der 
berüchtigte Pamphletist, Verleumdungs- und Biographien- 
Fabrikant Eugene de Mirecourt (Charles-Jean-B. Jacquot) 
in einem der zahlreichen Bändchen seiner »Contemporains« 
(Paris 1854 — 58) leistet. Wir übersetzen hier die betreffen- 
aen Seiten seiner Nervalbiographie als Goethe-Curiosum 
und köstliches Beispiel literarischer Freibeuterei (p. 88-20): 
»Goethe selbst lobte Nen'als Faust zu wiederholten Malen. 
Eines Abends, um die Mitte des Jahres 1827 (Nervals Faust 
erschien erst 1828!), während Goethe mit Eckermann 
speiste, blätterte er in einem Buche, das offen zu seiner 
Kechten lag, durchlas hier und dort einige Stellen, indem 
er Zeichen lebhaftesten Beifalls gab«. »Was lesen Sie denn 
da, Meister« ? frug der Gast (sc. Eckermann) — »Eine fran- 



' Auch die Concepthefte Goethes aus den Jahren 1828—32 ent- 
halten, wie mir die Direcrion des Goethe- uncf Schiller -Archivs in 
Weimar in dankenswerther Weise mittheilt, keinen Brief an Nerval. 



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1 



202 Abhandlungen. 



zösische Uebersetzung meines Faust, von Girard de Nerval«, 
erwiederte Goethe (von einem »de Nerval« konnte Goethe 
nichts wissen, denn auf dem Titelblatt stand nur der Name 
»G^rard«!). — »Ah! richtig, ich weiss«, sagte da Ecker- 
mann in leicht verächtlichem Tone, »ein achtzehnjähriger 
Jüngling. Das muss nach Gymnasiastenarbeit schmecken« ! 

— »Achtzehn Jahre«, rief Goethe, »Sie sagten doch acht- 
zehn Jahre«! ^Gewiss, Meister, es ist Thatsache, ich habe 
Erkundigungen eingezogen«. — »Nun denn, so beachten 

g'^'e wohl, was ich Ihnen jetzt sagen werde«, fuhr der 
ichter fort, »diese Uebersetzung ist ein wahres Wunder- 
werk des Stils. Ihr Autor wird einer der edelsten (purs) 
und elegantesten Schriftsteller Frankreichs werden«. — 
»Glauben Sie«? sagte Eckermann beschämt. »Und ob ich 
es glaube! Haben Sie denn das Buch nicht gelesen.^« 

— »Ich gestehe, Meister, dass mich das Alter des Ueber- 
setzers misstrauisch gemacht hat«. — »Nua^ so hatten Sie 
eben Unrecht« etc. (hier folgt nun das, was Goethe wirklich 
gesagt; der Dialog schliesst dann mit den Worten:) »Ich 
wiederhole, dieser junge Mann wird es weit bringen«.* — 

Diese Notiz wurde die Quelle aller mehr oder weniger 
phantastischen französischen Variationen der wenigen Sätze 
bei Eckermann. Eine andere Stelle, in der von Nerval die 
Rede ist, findet sich weder in den von W. v. Biedermann 
gesammelten Gesprächen, noch sonst wo in Goethes Werken 
(»Ausländische Literatur«) und Briefen. Von der regen 
und talentvollen Schaar der jungen Romantiker im All- 
gemeinen sprach Goethe oft und gerne, und herzlich freute 
er sich über das Interesse und das Verständniss, welches 
besonders sein »Faust« bei ihr genoss. Die huldigende 
Verehrung der Stapfer, Ampfere, Girard u. A. verschönerte 
die letzten Jahre seines Lebens. — »Die jungen Dichter 
beschäftigen mich nun schon die ganze Wocne und ge- 
währen mir durch die frischen Eindrücke, die ich von ihnen 
empfange, ein neues Leben«, so Goethe im Frühjahr 1830. 

Bevor wir uns den Nerval'schen Faust näher betrachten, 
einige Worte über die deutschen Sprachkenntnisse des 
jungen Uebersetzers, der als einziger unter den Romantikern 
(der Jüngern Blaze de Bury ausgenommen) den Ruf eines 



' Allerdinffs wurde dem jungen G^rard mit denselben Worten 
eine grosse Zukunft prophezeit — aber nicht von Goethe. Er war 
noch Gymnasiast als er, verstimmt über den Misserfolg einer Preis- 
schrift, die er der französischen Akademie eingereicht, auf die 40 Un- 
sterblichen eine gepfefferte Satyre reimte. Er selbst hielt später keine 
grosse Stücke davon. Sein Verleger Torauet dagegen habe inm damals 
gesagt »Jeune homme vous irez loin«. Witzig bemerkte Nerval d$zu; 
»Le destin lui a donn^ raison en me donnant la passion des longs voyages«. 



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Goethe und G^rard de Nerval. 203 

trefflichen Linguisten genoss. Sein Lehrmeister war, wie 
gesagt, der weitgereiste und sprachkundige Vater gewesen. 
Dieser soll seinen Sohn nicht nur mit der deutscnen und 
italienischen Sprache, sondern auch mit orientalischen 
Idiomen vertraut gemacht haben. So völkerverwüstend die 
napoleonische Herrschaft auch gewesen sein mag, hohe, 
directe und indirecte völkervermittelnde Bedeutung ist ihr 
nicht abzusprechen. Der »corsische Abenteurer« ist der 
erste grosse französische Vermittler Deutschlands gewesen 
— seine Kriegszüge, seine Politik, sein Bannstrahl waren 
es, welche die beiden, im erbittersten Kampfe ringenden 
Nachbarländer geistig näherten. Ohne den Buonaparte 
kein »de 1 AUemagne« der exilirten Frau v. Stael; ohne 
seine deutsche Gauen verheerenden Kriegszüge, seine Gar- 
nisonen in deutschen Städten, nicht das aufklärende, folgen- 
reiche Vertraut werden seiner Offiziere und Beamten mit 
deutscher Sitte und Literatur. So hat das schwärzeste 
Unglück, vom welthistorischen Standpunkt aus betrachtet, 
eine lichte Seite. Die beiden ersten Faustinterpreten, Frau 
v. Stael und Sainte-Aulaire, verdanken dem verhassten Im- 

Serator ihre deutschen Kenntnisse, und so auch Nerval, 
er vielleicht Germanophile wurde, weil die Mutter in 
deutscher Erde ruhte. Derselbe Völkerkrieg, der den 
Düsseldorfer Knaben Harry Heine zu einem franzosen- 
freundlichen Dichter erzog, bewirkte, dass aus dem Sohn 
eines Offiziers der »Alten Garde« ein deutschfreundlicher 
Poet wurde. — Allein ein gründlicher Kenner der deutschen 
Sprache war Nerval deswegen noch nicht. »11 n'avait Ja- 
mals bien su Tallemand«, berichtet Ars. Houssaye in seinen 
Souvenirs d'antan (»Li vre« 1883). Dort erzänlt er auch 
von einem Zwiegespräch zwischen Heine, der schon lange 
seine Matratzenexistenz angetreten hatte, und Nerval, in dem 
der deutsche Dichter seinem Uebersetzer u. A. sagt : »Tenez, 
mon eher Girard, il faut faire comme moi: j'ai 6pous6 
une fran^aise qui m'a appris le fran^ais; ^pousez une AUe- 

mande qui vous apprendra Tallemand « Von Wien 

aus schreibt Nerval seinem Vater, viele Jahre nach seiner 
Faustübersetzung : » . . . Depuis que je suis en AUemagne, 
je sais dijä une foule de mots de plus ..... je parle de 
maniire ä me faire bien comprendre, mais je comprends 
peu, a moins que l'on n'ait soin de bien ditacher les mots«.' 
Als er in der Kaiserstadt in Geldnoth geräth, ist er ge- 
zwungen, für deutsche Zeitungen zu schreiben; er muss 
aber den Verdienst mit einem Uebersetzer theilen. Damit 



* Vgl. Louis de Bare, Gdrard de Nerval intime, »Revue inter- 
nationale« 1894, No. II. 



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204 Abhandlungen. 



soll aber durchaus nicht gesagt sein, dass >Jerval nicht be- 
fähigt war. den Faust zu übersetzen. Goethe und Heine, 
die Lord Byrons Dichtungen mit Erfolg übertrugen, waren 
auch keine vollkommenen englischen Linguisten. Wer 
einen Dichter übersetzen will, muss vor Allem selbst einer 
sein und das war Nerval, deswegen hatte sein Faust so 

f rossen Erfolg und deswegen hatte auch Goethe seine 
reude daran. — Die deutsche Kritik ist neuerdings mit 
Nervals Faust streng zu Gerichte gegangen, und gao sich 
Mühe plausibel zu machen, wie Goethe auf den Gedanken 
kommen konnte, diesen »zwitterhaften Absüd« zu loben. 
Goethe, der doch wohl auch etwas von französischer Prosa 
verstand und der in der Beurtheilung einer Uebersetzung 
seines eigenen Werkes nicht ganz incompetent sein dürfte, 
stellt sich eben auf einen andern, meiner Ansicht nach, auf 
den höheren und einzig richtigen Standpunkt. Er sah über 
Nervals Schnitzer und Missverständnisse hinweg, suchte 
nicht nach dieser oder jener bekannten Stelle, wo das 
deutsche Wort einen ganz besonderen deutschen Klang und 
ureigene Tonfarbe hat, um dann entweder mit einer Art 
befriedijgtem nationalen Sprachstolze die Ohnmacht des 
französischen Idioms zu belächeln, oder in teutonischer 
Entrüstung auszurufen: Was, das soll unser herrliches 
deutsche Dichterwort sein! — Wir urtheilen entweder als 
Gewohnheitsmenschen, oder als Philologen; unser Ohr fühlt 
sich beleidigt, wir erkennen Goethes Verse und geflügelte 
Worte nicht mehr, wir vermissen den trauten, intimen 
Klang, die Physiognomie des Details der uns zum völligen 
Eigenthum gewordenen Goethischen Poesie. Goethe selDst 
bereitete die klare, in tadelloser Sprache dahinfliessende 
Wiedergabe seines grossen Lebenswerkes einen ästhetischen 
Genuss. Er las den »Faust« Nervals als Franzose, nicht 
als Deutscher — und dass er dies vermochte, zeigt so recht 
welch grossartiger über alles Kleinliche erhabene Geist er 
war. »Ist nun jenes Gedicht seiner Natur nach in einem 
düstern Element empfangen, spielt es auf einem zwar 
mannigfachen, jedoch bänglichen Schauplatz, so nimmt es 
sich in der französischen, Alles erheiternden, der Betrach- 
tung, dem Verstände entgegenkommenden Sprache schon um 
Vieles klarer und absichtlicher aus«. (»Auswärtige Literatur« 
pag. 60.) So dachte Goethe schon von der Faustüber- 
setzung Stapfer's. Wenig einsichtsvoll ist ferner der Vor- 
wurf, es habe Nerval den in grossartiger Freiheit dahin- 
gleitenden Vers Goethes in die »Schnürbrust der Prosa« 
(daher wohl der Ausdruck »ungebundene Rede« !) gesteckt. 
Denn gerade dadurch, dass er auf eine Nachahmung der 
Strophenarchitektonik verzichtete und den Versen nicht die 



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Goethe und G^rard de Nerval. 205 

Ketten und Fesseln des französischen Alexandriners anlegte, 
war es ihm möglich etwas von dem musikalischen Schmelz, 
der Freiheit und ungezierten Frische des Originals in seine 
niusterhafte Prosa hmüberzuretten. Nerval, der die Grösse, 
die Originalität und den freien Schwung des Goethischen 
Dramas fühlte, erkannte mit seinem feinen poetischen 
Sinn, dass eine getreue Rhythmus- und Reimwiedergabe das 
Original doch nicht erreichen würde. Er weiss sehr wohl, 
dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, ein französisches 
Aequivalent des »Faust« zu schaffen. »Je regarde comme 
impossible une traduction satisfaisante de cet ^tönnant 
ouvrage«. Und in den seinem einstigen Reisegefährten 
Alexandre Dumas gewidmeten »Souvenirs de Thuringe«, 
schreibt er: »Nous avions si souvent discut^ ensemble sur la 
possibilit^ de faire un Faust dans le goüt frangais. sans imiter 
Goethe Finimiiablea .... Dem Achtzehnjährigen führten aber 
jugendlicher Enthusiasmus und eine tiefe Seelengemeinschaft 
die Feder und deswegen wurde aus semer Oebersetzung 
weder eine »Schülerarbeit«, wie sie dieser bescheidene Poet 
einmal selbst nannte, noch ein farbloser Abklatsch, ein todtes 
Werk. »(La traduction) se trouve empreinte aussi, dans 
quelques parties, de cette yerve de la jeunesse et de Tad- 
miration qui pouvait correspondre k Tinspiration mfime 
de Tauteur, lequel termina cette oeuvre Strange (nämlich 
den II. Theil) ä Tage de 23 ans. Cest sans doute, ce qui 
m'a valu la haute approbation de Goethe lui-m6me« (Pr^face 
de la 4*"« Edition 1053). ^u welch edler Einfachheit und 
innigem Wohllaute er die Sprache Corneilles und Victor 
Hugos zwingen konnte, mag die Uebertragung von Gret- 
chens ergreifendem Liede oarthun: »Le repos m'a fuie! 
hdas la paix de mon cceur, de mon cceur malade, je ne la 
trouve plus, et plus jamais! Partout oü je ne le vois pas 
c'est la tombe! Le monde entier se volle de deuil! Ma 
pauvre tfite se brise, mon pauvre esprit s'aniantit! Le 
repos m'a fuie! hdas la paix de mon cceur malade, je ne 
la trouve plus, et plus jamais«. — In gebundener Rede 
sind nur die »Zueignung« und das »Vorspiel auf dem 
Theater« (Alexandriner") und dann einige lyrische Partien 
des I. und IL Theils und zwar zuweilen ziemlich frei nach- 
gedichtet (Lied der Bettler, Chor der Soldaten, Hexen etc. 
und der ganze Walpurgisnachtstraum). Während der er- 
wähnte Samte- Aulaire, der erste Faustübersetzer, allzu will- 
kürlich mit dem Original umgegangen war — was ihm 
nicht gefiel und was er nicht verstand Hess er einfach 
weg — hielt sich Stapfer, der auch Unverstandenes über- 
setzte, möglichst genau an den deutschen Text. Auf 
gleiche Weise verfährt Nerval, d. h. auch er überträgt zu- 



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2o6 Abhandlungen. 



weilen Worte und Sätze, deren Sinn ihm nicht klar sind. 
Bei einem solchen Verfahren kann sich das Wort Rivarols: 
»Une traduction frangaise est toujours une explication« 
natürlich nicht bewahrheiten. Nerval entschuWigt seine 
stellenweise etwas verschleierte Prosa damit, dass selbst 
den Deutschen im Faust noch manches dunkel sei. Von 
dem II. Theil übersetzt er nur diejenigen Scenen, die ihm 
als die gelungensten erscheinen und in denen er eine Fort- 
setzung des 1. Theiles sieht. Von den übrigen gibt er eine 
kurz gefasste, meist zutreffende Inhaltsangabe (Examen 
analytique). Sinngetreu ist der ganze Act »Helena« über- 
tragen — »oü se retrouve encore un beau reflet de ce puis- 
sant g^nie, dont la facult^ criatrice s'^tait Steinte depuis 
bien des ann^es, lorscju'il essaya de lutter avec lui-meme 
en publiant son dernier ouvrage« (Priface). — Bei den 
Uebersetzungsschnitzern halte ich mich nicht auf; sie sind 
nicht zahlreich, auch nicht interessant. Lächerliche Zerr- 
bilder des Originals, — etwa im Stile jener englischen 
Uebertragung der Strophe »Und als er kam zu sterben« etc.: 

He calied for his confessor 

Left all to his successor 
über die Goethe so »herzlich lachte« und witzig scherzte, 
hat Nerval keine verbrochen. Kurz, wir dürfen getrost in 
das Lob Goethes einstimmen und Nervals Faust nicht nur 
Alles in Allem als eine gelungene Uebersetzung, sondern 
auch als eine für seine Zeit — der französische Classicismus 
war noch lange nicht besiegt, die Hernanischlacht noch nicht 

feschlagen — hervorragende und bedeutungsvolle literarische 
'hat bezeichnen. Dass das Verdienst, der dichterische Werth 
derselben von seinen Freunden Gautier, Janin, Houssaye etc. 
in überschwänglicher Weise gepriesen wurden, soll dem 
wirklichen Werthe keinen Abbruch thun. Mit Recht hat 
sich die deutsche Kritik über die kindischen, wohl richtiger 
kindlichen Lobhudeleien Gautiers lustig gemacht, der aen 
Stil Nervals eine Lampe nennt, die Licht verbreitete über 
das Dunkel von Goethes Gedanken und Werken und dann 
strahlend ausruft . . . . les AUemands, cjui ont la riputation 
d'^tre inintelHgibles, durent cette fois s'avouer vaincus: 
le sphinx germain avait iii devini par TOedipe francais! 
(Histoire du Romantisme, p. 135! 

Was Nervals Urtheil über die Faustdichtung betrifft, 
seine erläuternden Vorreden und Anmerkungen, so sind 
diese weder von Irrthümem und mangelhafter Erkenntniss 
frei, noch auf der Höhe der heutigen Faustexegese, niemals 
aber geistlos oder banal. »Tete de philosophe et coeur 
de poete« wurde er einmal genannt, und als Interpret 
und Popularisator des Faust rechtfertigt er diese schöne 



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Goethe und G6rard de Nerval. 207 

Charakteristik seiner schriftstellerischen Thätigkeit voll und 
ganz. Was der »Globe«, über den Goethe sich äusserte: 
»Ich werde nie aufhören, von diesen Blättern Gutes zu sagen ; 
sie sind das Liebste, was mir jetzt zu Händen kommt! . . . .« 
was diese einflussreiche Zeitschrift für einen engeren Kreis 
begonnen, was Stapfer mit seiner kostspieligen, nur reichen 
literarischen Feinschmeckern zugänglichen Faustübersetzung 
fortgesetzt, hat Nerval vollendet: me verständnissvolle Ver- 
mittelung der gewaltigsten Dichtung, die auf deutschem 
Boden entstanden. Ich möchte hier wenigstens eine der 
anziehendsten Stellen aus Nervals Faustbetrachtungen an- 
führen: In einer geistvollen Parallele zwischen Goethes 
Faust und Byrons Don Juan, widmet er dem Gretchen, 
nachdem er die allumfassende, durchgeistigte Gestalt des 
Faust hoch über den Helden des Britten gestellt, folgende 

fefühlsvoUe und feinsinnige Zeilen: »En lisant les seines 
e la seconde partie, oü sa grace et son innocence brillent 
d'un iclat si doux, qui ne se sentira touch^ iusqu'aux 
larmes? qui ne plaindra de toute son 4me cette malheureuse 
sur laquelle s'est acharni Tesprit du mal? qui n'admirera 
cette fermeti d'une 4me pure, que Tenfer fait tous ses 
efforts pour igarer, mais qu'il ne peut siduire; qui, sous 
le couteau fatal, s'arrache aux bras de celui qu'eUe ch^rit 
plus gue la vie, i l'amour, i la libert^, pour s'abandonner 
ä la justice de Dieu, et i celle des hommes, plus s^vfere 

encore? Marguerite n'est pas une hiroine de melo- 

drame, ce n'est vraiment qu'une femme, une femme comme 
il en existe beaucoup, et eile n'en touche aue davantage. 
Trouverait-on sur la seine quelque chose de comparaole 
i ses entretiens na'ifs avec Faust, et surtout au dialogue 
si dichirant de la prison, qui termine la pifece« ? 

Dass Nerval den I. Theil für den bei weitem be- 
deutenderen hielt, dass er die genialere Inspiration, den 
gewaltigeren Geistesschwung und Gedankengehalt des IL 
Theiles zwar anerkannte, dafür aber manches im Aufbau 
bemängelte und sichere dramatische Formen vermisste, wird 
man dem Franzosen, der keinen Grund hatte mit seiner 
redlichen Meinung hinter dem Berge zu halten, in nach- 
sichtiger Milde verzeihen. Ich kann auch denen nicht bei- 
stimmen, die in der Bemerkung Nervals, es verdanke Goethe 
die Klarheit seines Stils — »cette belle clarti, ce mou- 
vement pur de style et cette m^thode de progression, 
si rares parmi ses compatriotes , et dont les principes 
remontent surtout i nos grands poetes du XVII. si^cle« — 
dem Aufenthalte in Strassburg und der dauernden Be- 
schäftigung mit dem französischen Schriftthum, nur einen 
chauvinistischen Ausfall sehen wollen. Einmal war nationaler 



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2o8 Abhandlungen. 



Dünkel dem Wesen Nervals fremd, und dann bin ich ge- 
neigt zu glauben, dass Goethe selbst in dieser Aeusserung 
mehr wie literarischen Chauvinismus erblickt hätte. Ohne 
mich näher auf diese Frage einzulassen, deren Erörterung 
auch nicht hierher gehört, möchte ich auf folgendes, erst 
kürzlich bekannt gewordenes Bekenntniss Goethes (ähn- 
liche finden sich in seinen Werken genug) hinweisen : »Die 
Aufführung fder Meisterwerke der französischen Bühne) 
hat mich selbst in jüngeren Jahren, als ich in Frankfurt 
verweilte, derart ergriffen, dass ich eben damals den ersten 
Gedanken fasste, mich dem dramatischen Berufe zu widmen«. 
(Besuch bei Goethe, Feuilleton der Frankfurter Zeitung 
13. Februar 1896.) 

Doch wie viel auch Goethe der französischen Cultur 
verdankte, er gab es ihr mit Zins und Zinseszins zurück. 
Seine Meisterwerke drangen in ihrer ganzen Universalität 
und reinen Harmonie befruchtend und fördernd in das 
geistige Leben des französischen Volkes ein. um da mitzu- 
helfen an der Neugestaltung und Neubeleoung der fran- 
zösischen Dichtkunst. Am unmittelbarsten wirlcte Goethe 
auf Nerval. Er lenkte Dichten und Denken desselben in 
neue Bahnen; sein »Faust« gewann ihn für die deutsche 
Poesie. Durch den literarischen Einfluss Goethes wurde 
Nerval Germanophile. Aus seinem Dichten, das der Faust- 
übersetzung vorausging, aus den »£l£gies nationales«, den 
Oden an Beranger etc., spricht noch ein specifisch fran- 
zösischer Geist. Er zeigt sich hier als formgewandter 
»Ronsardiste«. »Chose curieuse, il dut la viritable rivilation 
de son originaliti i des traductions«. (Maurice Toumeux,l. c.) 
Deutsche Dichterwerke bilden nun eine Zeitlang seine aus- 
schliessliche Leetüre und in den »Faust«, in die grosse 
Menschheitstragödie taucht er mit seinem ganzen Sem und 
Denken unter — zu seinem Verderben, wie alle seine 
Freunde und Biographen behaupten — und zwar nicht ganz 
mit Unrecht. Der deutschen Phantastik und Philosophie, 
Deutschland »ce pays des hallucinations de rintelligence« 
für Nervals Seelenkrankheit und tragischen Tod alle Schuld 
zuzuschieben, wie dies Champfleury u. A. gethan, ist natür- 
lich unverständiges Geschwätz. Aber, dass sich gerade die 
Faustdichtung des blutjungen, schon früh zu mystischen 
Träumen und phantastischen Grübeleien neigenden, übrigens 
auch psychopathisch belasteten Poeten bemächtigte, war 
zweifellos vom Bösen. Eine gefährlichere Geisteskost für 
einen exaltirten Sonderling — dem die Prosa der Cervantes 
und Swift hätte verschrieben werden sollen, — lässt sich 
nicht leicht denken. Mir fällt da ein Wort ein, dessen 
Wahrheit sich oft bewährt hat, u. A. auch bei der, welche 



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Goethe und G^rard de Nerval. 209 

es niedergeschrieben: »Naitre Franjaise, avec un caractfere 
itranger, avec le goüt et les habitudes frangaises et les 
idies et les sentiments du Nord, c'est un contraste q^ui abime 
la vie«. So die Autorin von »Corinne« an Friederike ßrun. 
— Für einen französischen Dichterkopf, der nicht stark und 
sicher auf zwei gesunden Schultern sitzt, ist das Vertiefen 
in das anglo-germanische Geistesgewebe — auf Nerval 
wirkten in dieser Richtung neben Faust noch ganz 
besonders E. T. A. HofFmann und der Amerikaner Edgar 
Poe — ein Wagniss. Bei Nerval kam noch ein angeborener 
Sinn für das Irrationelle hinzu; der Keim seiner späteren 
seltsam sanften Gemüthskrankheit lag in ihm und fand 
auch schon in seinen Knabenjahren, wie er selbst erzählt, 
Nahrung: »Da ich in meiner frühsten Kindheit auf den 
Verkehr mit Dienstboten und Bauern angewiesen war, 
füllte sich mein Geist mit wunderlichem Aberglauben, mit 
alten Sagen und alten Liedern«. — Und ein ander Mal 
schreibt er: »Man hat mir so oft die Briefe meiner Mutter, 
die diese an den Ufern der Ostsee, der Spree und der 
Donau geschrieben, vorgelesen. Der mir eigenthümliche 
Hang zum Wunderbaren und der Trieb zu weiten Reisen 
ist ohne Zweifel aus diesen Eindrücken hervorgegangen«. 
Um des Sohnes Wandertrieb, der vor Allem Deutschland 
galt, zu befriedigen, verschafite ihm der alte Dr. Labruinie 
eine Stelle bei der Gesandtschaft in Wien. Natürlich hielt 
es diese ehrliche Dichterhaut nicht lange bei der Diplomatie 
aus. Aber von der alten Kaiserstadt, von dem heiteren, 
lebenslustigen Wiener Leben und seinen schönen, munteren 
Frauen war er entzückt. Sein junger Dichterruhm war ihm 
voraus geeilt. Der Uebersetzer des Faust wurde überall 
mit offenen Armen empfangen. Auch bei Metternich, der 
ihn, wie Jules Janin zu berichten weiss, zu einer Abend- 

fesellschaft einlud. Nerval will aber gerade an jenem Abend 
em Strauss'schen Orchester einen Besuch abstatten, und 
säet daher ab. Am folgenden Tag hindert ihn eine ähn- 
licne Abhaltung seine Aufwartung zu machen. Es dauert 
einen ganzen Monat, bis er sich in dem fürstlichen Hause 
einfindet, um dort in discreter Zurückhaltung dem gesell- 
schaftlichen Getreibe zuzuschauen. Er lauscht den Ge- 
S rächen, ohne sich daran zu betheiligen. Schliesslich wird 
ettemich auf den bescheidenen blonden jungen Mann auf- 
merksam und erfährt zu seinem Erstaunen, dass dieser stille 
Gast ein französischer Literat sei. »M. de Metternich« — 
bemerkt J. Janin boshaft — , »ne pouvait pas assez s'itonner 
qu*un icrivain frangais eüt si bien su se taire et se cacher!« 
Nur schade, dass auch diese Geschichte von A bis Z er- 
funden ist! Unser Dichter erklärt nämlich in der Vorrede 

Goithe-Jabrbuch XVIII. I4 

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210 Abhandlungen. 



zu seiner »Lorely, Souvenir d'Allemagne« TParis i8j2) : 
»J'ai rencontri bien des fois ce diplomate cfelebre, mais je 
ne me suis jamais rendu chez lui«. — Nerval hat seine 
Wiener Eindrücke und Erlebnisse in den an Heines Art 
erinnernden Reiseberichten »Les amours de Vienne« frisch 
und lebendig geschildert. Aber nicht nur in Oesterreich, 
sondern aucn in München, am Rhein, im Thüringer Lande, 
in Frankfurt und in Nürnberg, für das er ganz besonders 
schwärmt, treffen wir den wanderlustigen Poeten. Aus 
allen Theilen Deutschlands, von Dorf und Stadt laufen an 
seine Pariser Freunde Briefe ein, aus denen er später seine 
poesie- und humorvollen Reisefeuilletons zusammenstellt, 
die ihrer Originalität halber allgemein beliebt waren. Wie 
oft und wann er Deutschland durchstreifte, ist nicht leicht 
zu bestimmen, — ich glaube er wusste es selber nicht 
recht — wir begegnen ihm aber in jedem Lebensalter in 
der Heimath Goethes. »Mehr denn ein Mal umschwebte 
der Schatten der alten teutonischen Eiche mit vertrautem 
Geflüster seine Stirn; er wandelte unter Deutschlands 
Linden bäumen; er grüsste am Ufer die Elfen in langem 
weissen Gewände; er sah die Raben um den KyfFhäuser 
kreisen, die Kobolde aus den Felsblöcken des Harzes her- 
yorlugen und die Hexen des Brocken tanzten um den 
jungen französischen Poeten die Reigen der Walpurgisnacht. 
Er sah den goldfunkelnden Rheinwein im smaragdgrünen 
Römer perlen« . . . (nach Th. Gautier, Histoire du Roman- 
tisme p. 1^7). — Die Rhein- und Deutschlandschwärmerei 
des Faustüoersetzers tritt aber nirgends so deutlich und so 
schön zu Tage wie in seinem Buche »Lorely«, einem duften- 
den Strausse voll echter deutscher Romantik. Diese Reise- 
erinnerungen — ein Gemisch von Sterne, Goethe und Heine, 
schalkhaften Humors, sentimentaler Schwermuth, tiefer Ge- 
dankenarbeit und leichtgeschürzter Moral, idealen Schwungs 
und anschaulicher Realistik — stehen in ihrer Art in der fran- 
zösischen Literatur einzig da. Nerval wandert, wie Poeten 
einst wanderten, nicht auf der breiten Heerstrasse und ab- 
getretenen Wegen, nicht mit dem planmässig reisenden 
teschäftigen Haufen. Er lässt sich vom Zufall lenken, die 
ichterisctie Laune ist sein Fahrtenplan. »Je fais ici une 
toumie de fläneur et non des descnptions riguliferes«. — 
Ueberall sieht er Legenden. Sagen; er schaut alles mit 
dem Auge des Poeten und Künstlers. In den Händen 
dieses Pariser Troubadours verwandelt sich sogar der erz- 
prosaische Münchener Maasskrug in den Pokal des Königs 
von Thule. Wirklichkeit und Phantasie, Geträumtes und 
Gesehenes, Wahrheit und Dichtung wechseln ab in male- 
rischen Potpourris. »H6 bien, mon ami« — so wendet 



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Goethe und G6rard de Nerval. 21 1 

er sich in der Einleitung seiner »Lorely« an J. Janin — 
»cette fte radieuse des brouillards, cette ondine fatale 
comme toutes les nixes du Nord qu'a chanteis Henri 
Heine, eile me fait signe toujours: eile m'attire encore 
une fois!« — In seinen Träumen uragaukeln ihn alle Sagen- 
gestalten der deutschen Volkspoesie — »ces petits gnomes 
oienfaisants . . . . ces ^tres panthiistes, eclos sur le sol 

fermain«. In einem hübschen Bilde hat der genannte Janin 
en Deutschschwärmer gezeichnet: »Souvent il s'arrfitait 
en pleine campagne, prStant Toreille, et dans ces lointains 
lumineux aue, lui seul, il pouvait dicouvrir, vous eussiez 
dit, qu'il aliait dominer tous les bruits, tous les murmures, 
toutes les imprications, toutes les priferes, venus ä travers 
les bouillonnements du fleuve, de l'autre cöt6 du Rhin«. ' — 
Nerval begrüsst es freudig, dass die französische Romantik 
die frische und würzige deutsche Poesie auf sich einwirken 
lässt und begeistert ruft er in einem seiner dramatischen 
Feuilletons aus : * .... »ne sentez-vous pas deji le souffle 
pur et vivifiant de TAUemagne nous arrivant tout parfum^ 
de senteurs sauvages a travers les Vosges ou les Ardennes? 
Lä-bas, lä-bas, au-delä du Rhin, plus loin encore, au-delä 
du Taunus, oü rfegne une verdure sombre, mais 6ternelle, 

au bord de TElbe aux eaux tranquilles« 

Man wird sich somit nicht wundern, Nerval unter den 
Goetheverehrern zu finden, die in Weimar die hundertste 
Wiederkehr von Goethes Geburtstag feierten. Ein Freund 
aus den Tagen des »petit cinacle«, Eug. von Stadler, der 
es bis zum Generalinspector der Pariser Archive gebracht, 
verschaffte ihm das Reisegeld. Es scheint, dass dem üeber- 
setzer des Faust ein ehrenvoller Empfang zu Theil wurde, 
wie ein Brief des damaligen Erbgrossherzogs bezeugt 
Oo- October 1850), der von einem Autograph Goethes 
(Gedicht s. W. Ä. 4, S. 7) begleitet war. Die Weimarer 
Festtage — es fiel bekanntlich die Säcularfeier Goethes 
mit der Enthüllung des Herderdenkmals zusammen — hat 
Nerval in den Zeitungen »La Presse« und »Artiste« ein- 

Sehend geschildert, am ausführlichsten die erste, von Liszt ' 
irigine Aufführung des Lohengrin ^28. August), der er mit 
Gutzkow und Dingelstedt beigewonnt. Wie ein Gedicht 
liest sich die Beschreibung seines Besuches im Goethehaus, 
das ihn der Zufall zugleich mit der Prinzessin Marie von 
Preussen durchwandern liess. »Je m'applaudissais du hasard 
qui amenait lä cette apparition auguste et gracieuse, comme 

' Portraits et caract^res contemporains. 
* Le Th^ätre contemporain. 

3 Ueber einen Besucti G^rard de Nervals bei Liszt in Weimar 
1850 vgl. Hans von Bülow, Briefe I, 237. 

14* 

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212 Abhandlukgen. 



f 



une addition inattendue aux Souvenirs d'un pareil lieu. 
Distrait un instant de Texamen des chefs-dceuvre, je voyais 

avec intirfet cette fiUe du passi ! Cette figure con- 

venait bien ä cet iniirieur vide, — comme l'image divine 
de Psyche repr^sentant la vie sur la pierre d'un tomoeau.« — 
Diese Reiseerinnerungen sind als »Souvenirs de Thuringe« 
in dem Bande »Lorely« aufgenommen worden. Dort ist 
auch der Brief des damalij^en Erbprinzen abgedruckt. Das 
erwähnte Autograph besteht aus einer vierzeiligen Strophe 
aus Goethes an die genannte Prinzessin gerichteten Ge- 
dichte »Sanftes Bild dem sanften Bilde«. 

Im Sommer 1854, wenige Monate vor seinem Tode, 
zieht er zum letzten Male über den Rhein. Kaum hatte 
ihn der Dr. Blanche wieder einmal aus seiner Anstalt ent- 
lassen, da war er auch gleich auf dem Wege nach seinem 
»eliebten Deutschland, »wo man ihn nicnt für verrückt 
Sielt«. »J'ai fait de bonnes itudes surtout i Munich et ä 
Nuremberg et je rapporte de curieux ditails sur Leipzig« . . . 
so schreibt er am 15. Juli von Frankfurt a. M. aus, wo er 
schon früher mit Dumas im Rothschildschen Hause verkehrt 
hatte. Und in einem Briefe an seinen Freund Georges Bell 
fesen wir: ». . . . Je me suis clarifii Tesprit et j'ai repris la 
forte santi des jeunes annees .... J'ai recueilli beaucoup de 
choses ä faire sur Nuremberg; c'est dicidiment la plus jolie 
ville de l'Allemagne«. Der Arme sollte nicht mehr dazu kom- 
men, seine letzte deutsche Reise literarisch zu verwerthen. 
Warum fand er da den Weg nicht zum deutschen Strome, 
den er besungen: warum warf ihn nicht eine Geistes- 
hallucination m die Arme seiner geliebten Rheintöchter, 
denen er so gefühlsinnig zu lauschen wusste — statt ihn 
einige Monde später in kalter Winternacht im Schmutze 
und Lasterdunkel einer Pariser Spelunkengasse in einen 
hässlichen Tod zu treiben! — 

Wie frühzeitig sich Nerval zielbewusst an deutsche 
Dichtkunst anschloss und seine Kenntnisse über deutsche 
Poetik und Aesthetik verwerthete, ersehen wir u. \ aus 
folgenden Betrachtungen, die sich auf seine Jugendarbeit 
über die französische Poesie im XVL Jahrhundert oeziehen : 
»Für uns junge Leute handelte es sich darum, die alte 
französische Reimkunst zu heben, die im XVIIL Jahrhundert 
ermattet und durch die Brutalität allzu eifriger Neurer ge- 
trübt worden war; aber es war auch nothwendig in Bezug 
auf Erfindung und allgemeine Formen die fi-üheren Rechte 
der nationalen Literatur aufrecht zu erhalten. »Cette 
disiinction, que je devais ä Titude de Schlegel, parut obscure 
alors m6me 4 beaucoup de nos amis, qui voyaient dans 
Ronsard le pricurseur du »romantisme. — Que de peine 



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Goethe und G^rard de Nerval. 213 



on a en France pour se dibattre contre les mots !« — Ueberall 
in seinen Werken begegnen wir unverkennbaren Spuren, 
die seinen intimen geistigen Verkehr mit Goethe, Schiller, 
Heine, Uhland, Bürger, Tieck etc. bekunden. Ja, seine Prosa, 
mit der so echt deutschen, romantisch-traumhaften Färbung 
und dem germanischen Humor, muthet uns wie gut ge- 
lungene französische Uebertragung aus dem Deutschen an. 
Wie oft fällt ihm eine deutscne Ballade ein, die er dann 
aus dem Gedächtniss und daher nicht immer ganz genau 
citin. Er schwärmt für Schiller, den er als edlen Sänger 
seiner Nationalheldin preist, ȟn tableau plein de couleur 
et de sentiment frangais« nennt er Schillers Jungfrau von 
Orleans, deren Andenken Frankreich nur mit einer Parodie 
zu besudeln gewusst habe. Als er einer Probe im Mann- 
heimer Theater beiwohnt, erfüllt ihn der Gedanke, dass in 
diesen Räumen die ersten Dramen Schillers aufgeführt 
wurden, mit »heiliger Ehrfurcht«. Wiederholt macht er seine 
Landsleute auf die geheimnissvolle Macht der volksthüm- 
lichen deutschen Lyrik aufmerksam, auf die ungezierte, 
naivsinnige Sprache des deutschen Liedes »Pourquoi aussi 
notre poisie n'est-elle pas ponulaire comme celle des 
AUemands? C'est, je crois, qu'ii faut distinguer toujours 
ces deux styles et ces deux genres — chevaleresque et 
gaulois dans Torigine, qui, en perdant leurs noms, ont 
conservi leur division ginirale«. Sich auf die deutsche 
Poetik stützend, befehdet er die »rimes riches«, die ganze 
monotone classische Reimkunst, in der er »le grand ob- 
stade i la popularit^ des poSmes« erkennt. Nach dem 
Beispiel der deutschen Romantiker schöpft er seine Lieder 
und Erzählungen aus dem reichen Schatze der volksthüm- 
lichen Dichtung des alten Frankreich, und deutet auf die 
naiven poetischen Inspirationen des Volkes hin, auf die 
Balladen und Sagen vergangener Jahrhunderte. Sein merk- 
würdiges Drama »Leo Burekart«, das er von seiner ersten 
Reise aus Wien mitgebracht, entstand einerseits unter dem 
directen Einfluss Schillers und Körners, andrerseits unter dem 
der Lehren des Illuminaten Adam Weishaupt. Dem Drama 
geht eine Abhandlung über »die geheimen deutschen Ge- 
sellschaften« voraus. Auch sein Cultus für den Orient — 
seine Reiseberichte »Voyage en Orient« (8. und neueste 
Auflage, mit Einleitung von Th. Gautier, 2 Bde., bei 
Charpentier, 1889) gehören zu dem vollendetsten, was er 
geschrieben und bilden noch heute eine genuss- und lehr- 
reiche Leetüre — ist ein gut Theil deutschen Ursprungs. 
Von Pückler-Muskau sagt er: »C'est ce prince fantasque . . . 
gui m'avait donni Tidie de parcourir 1 Afrique et TAsie«. 
Seine Orientschwärmerei geht aber auch auf Goethes west- 



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214 Abhandlungen. 



östlichen Divan, Schlegels gelehrte Abhandlungen und die 
orientalischen Dichtungen Kückerts und Platens zurück. 

Interessant und wichtig sind Nervals persönliche und 
literarische Beziehungen zu seinem berühmten deutschen 
Freunde Heinrich Herne, die wir hier nur streifen können." 
Seltsam, dass die beiden intimsten Pariser Freunde Heines, 
Nerval und Gautier, die sympathischsten Dichter der franzö- 
sischen Romantik waren, seltsam meine ich, weil uns so 
viel von seiner Unfähigkeit sich Freunde zu wahren, er- 
zählt wird. Was Goethe dem jungen Nerval war, das 
wurde Heine dem Manne. Der Einfluss des Autors der 
»Reisebilder« und des »lyrischen Intermezzo« auf den ge- 
reiften Nerval war allmächtig. Zwischen dem besseren 
Ich des unglücklichen deutschen Dichters, dem herrlichen 
Lyriker und grossen Kynstler des deutschen Wortes und 
dem zartsinnigsten Poeten der französischen Romantik, 
herrschte die mnerste Congenialität. Dem deutschen Lite- 
raten Schmidt-Weissenfels vertraute Nerval im Jahre 1850: 
»Wir litten Beide an einer und derselben Krankheit: wir 
sangen Beide die Hoffnungslosigkeit einer Jugendliebe todt. 
Wir singen noch immer und sie stirbt doch nicht!* . . . . « 
Nerval übersetzte nicht nur Heines »Nordseebilder« und 
das »lyrische Intermezzo« (Revue des deux Mondes 1848), 
sondern er ist auch der Verfasser einer der besten franzö- 
sischen Heinestudien.' Wie sehr er mit Heineschen Liedern 
imprägnirt war, wie sich seine Gefühle von selbst in Nach- 
bildungen des deutschen Dichters äusserten, habe ich an 
einem anderen Orte nachgewiesen. Auch Heines sprung- 
hafte Prosa, das bunte Potpourri von Scherz und Ernst, 
Lyrik und Satire der »Reisebilder« — die ja überhaupt in 
Frankreich Schule machten, scheint sich Nerval zum Vor- 
bild genommen zu haben. Von seinen »Sensations d'un 
vovageur enthousiaste« sagt der genannte Delvau geradezu : 
»elles ont Tair d'avoir M revues et corrigies par H. Heine«. * 

' Es sei mir gestattet, hier auf die betreffenden Stellen in meinem 
Buche, »Heine in Frankreich«, Zürich 1895 (S. 1 15— 1 19 u. 196—202 etc.) 
hinzuweisen. * »Ueber H. Heine«, 1850, p. 14. 

3 Vgl. die Einleitungen im Bande »Poteies et Legendes (oeuvres 
compl. de H. Heine), Paris, L^vy 1855 und »H. Heine« in Nervals »Lc 
R6ve et la vie«, Paris, Lecon 185 j. 

♦ Ich möchte hier noch an eine merkwürdige und wenig beachtete 
Notiz in Schmidt-Weissenfels' 1856 erschienenem Buche »Frankreichs 
moderne Literatur« erinnern: »Im Jahre 1851 entsinne ich mich in 
G^rards Händen ein von Heine in französischen Versen geschriebenes 
Gedicht »EUoa« oder »Alloa« gesehen zu haben, um es zu corrigiren. 
Pieses zwei Druckbogen starke Gedicht ist spurlos verschwunden«. 
Es ist mir trotz eifrigen Nachforschens nicht gelungen, diesem Unicum —- 
denn von Heine, &r ein viertel Jahrhundert in Paris lebte, ist kein 
französisdier Vers bekannt — auf die Spur zu kommen. 



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Goethe und G^rard de Nerval. 215 

Es erübrigt uns noch von dem Erfolg und dem Einfluss 
der Nervalschen Faustübersetzung zu sprechen und dann 
ein abschliessendes Wort von der einflussreichen vermitteln- 
den Stellung Nervals in der französischen Literatur des 
XIX. Jahrhundens zu sagen. 

Der Faust Nervals ist heute noch in Frankreich von 
den einigen zwanzig Faustbearbeitungen der bedeutendste 
und gescnätzteste. Er ist vor allem der literarhistorisch 
interessanteste. Er erlebte bis zum Jahre 1853 vier Auflagen 
und wurde seither wiederholt neu herausgegeben. (Neueste 
und sehr billige Ausgabe bei Garnier frferes.) Dem Erfolg 
seiner Uebersetzung verdankte Nerval seinen jungen Ruhmj 
sie hat ihm die Gönnerschaft Victor Hugos eingetragen, bei 
dem er von nun an ein- und ausging. Nerval war es, der 
alle die rührigen und empfänglichen Geister des unter seiner 
Führung stehenden »petit cinacle« mit der deutschen Poesie 
bekannt machte. Zwanzig Jahre später erzählt noch 
Thiophile Gautier, wie ihnen allen das reiche Wissen und 
besonders die sprachlichen Kenntnisse ihres Klubhauptes 
imponirten. Und Arsfene Houssaye berichtet: »Toute ia 
boneme littiraire, qui est nie d'un de ses r^ves et de ses 
distractions, n'avait pas d'autre bibliothfeque que son esprit«. 
Nerval, der sich in die dramatischen Abhandlungen Aug. 
W. Schlegels vertieft und die Dramen Schillers una Goethes 
in sich aufgenommen hatte, war es, der die junge Künstler- 
und Literatenschaar des Atelier Rioult in die »wilde Ber^- 
schlucht des Romanticimus« führte und für die »Hernani- 
schlacht« einexercirte. — Mit Nervals schlichter »Faust«- 
und »IntermezzOÄ-Uebersetzung betritt — und dies scheint 
mir einer der wichtigsten Momente seiner literarischen 
Bedeutung zu sein — die französische Uebersetzungsliteratur 
neue Bahnen. Statt das Original nach französischem Muster 
zuzustutzen, zu verballhornen, sucht sie nun ohne Con- 
cession an die Tradition und den französischen Geschmack 
und ohne selbstsüchtige Motive allmählich Geist, Ton und 
Farbe wiederzugeben. Dadurch fördert sie indirect die natür- 
lichere Gestaltung der französischen Sprache und Poetik. 
Der sogenannte »goüt chätii« der classischen Diction wird 
geläutert, aufgefrischt. Der Uebersetzer schnallt das fremde 
Dichterwerk nicht mehr auf das Prokrustesbett des classi- 
schen Stils und der französischen Eleganz, sondern mehr* 
und mehr strebt er darnach die fremde Blume auf den 
einheimischen Boden zu verpflanzeu, ohne dass allzuviel 
von ihrem Dufte und ihrer Farbe verloren geht. 

»Ich darf den Inhalt des Faust als bekannt voraus- 
setzen, denn das Buch ist in der letzten Zeit auch in Frank- 
reich berühmt geworden«, schreibt Heine in der »Roman- 



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2l6 Abhandlungen. 



tischen Schule« (1836). Goethe ist nun nicht mehr blos 
»l'auteur de Werther« — - bald wird er überhaupt nur noch 
»l'auteur de Faust« genannt werden. Mag auch der Faust 
nicht so durchschlagend und auffallend auf die französische 
Literatur eingewirkt haben wie Werthers Leiden, so beruht 
die vielfach aufgestellte Behauptung, es sei die Bewunderung 
für den Faust unfruchtbar gewesen, »es sei diese mächtige 
Gestalt, der ganz Europa sich beugte, den Franzosen völlig 
fremd und von ihnen nie dem Wesen nach aufeefasst 
worden« (Brandes), theils auf Irrthum, theils auf Ueber- 
treibung. Ich möchte sogar behaupten, dass der »Faust« 
in Frankreich tiefere und deutlichere Spuren hinterlassen 
als in Deutschland selbst, wo er nicht auf solche Gegen- 
sätze im Bestehenden stiess. Die holde Gestalt des Gretchen 
hat dort eerade, des Contrastes mit den so ganz anders 
gearteten Heldinnen der französischen Tragödie wegen, so 
schwärmerische Bewunderung erregt. Gewiss gibt es in 
Frankreich eine Faustrichtung und zwar nicht nur auf dem 
Gebiete der Literatur, sondern auch auf dem der Musik 
und Kunst. Von der phantastischen, aber gedankentiefen 
dramatischen Dichtung Ashasverus (1833) von Edgar 
Quinet, wie Ampfere, Stapfer und Nerval ein trefflicher 
Kenner und Bewunderer deutscher Dichtung, von H. Blaze 
de Bury, dem vierten Faustübersetzer, gegen dessen Goethe- 
schwärmerei die eines Carlyle sich wie kühle Anerkennung 
ausnimmt, von Alfred de Mussets tollleidenschaftlichen 
epischen Dichtungen bis zu Flauberts »Tentation de Saint- 
Antoine« und dem Goethomanen A. Serre, der sich aus 
dem Faust eine eigene und einzigseligmachende Religion 
zurechtlegte, lassen sich vom Ende der zwanziger Jahre an 
bis auf den heutigen Tag im philosophischen, künstlerischen 
und Uterarischen Frankreich die Spuren von Goethes Faust 
verfolgen. Ich brauche auf dem Gebiete der Kunst nur Dela- 
croix zu nennen, den Goethe so hoch schätzte, und dann den 
unerreichten Gretchenmaler Ary Scheffer; auf dem Gebiete 
der Musik nur den Namen Berlioz'. Am 10. April 1829 über- 
sendet der geniale Componist dem greisen Dichterfürsten 
zwei Partiturexemplare cfer »Huit seines de Faust, tragtdie 
de Goethe, traduites par Girard« (vgl. G.-J. XII, S.99 fg.) und 
in seinen Memoiren (Paris 1870, Cap. 26) schreiot er: »Je 
dois encore signaler comme un des mcidents remarquables 
de ma vie, l'impression Strange et profonde que je re^us 
en lisant pour la premifere fois le Faust de Goethe traduit 
en fran?ais par Gerard de Nerval. Le merveilleux livre me 
fascina de prime-abord: je ne le quittai plus; je le lisais 
Sans cesse, ä table, au tnidtre, dans les rues, partout. Cette 
traduction en prose contenait quelques fragments versifiÄs, 



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Goethe und G^rard de Nerval. 



217 



chansons, hymnes, etc. Je cidai ä la tentation de les mettre 
en musique etc.« 

Dadurch, dass Nerval 



seine meisten Uebertragungen 
deutscher Lieder, Balladen und Oden (von Goethe, Schiller, 
Klopstock, Bürger, Schubert etc.) nicht in theueren Werken 
oder Monatsheften, sondern in den viel gelesenen Zeitungen 
und billigen Büchern veröffentlichte, dadurch, dass seine 
Faustübersetzung Jedem zugänglich war, wurde er einer 
der ersten populären Vermittler deutscher Dichtkunst. 




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5- 

Das Stadtbild Roms zur Zeit 
Goethes. 

Von 

Emil Sulger-Gebing. ' 




Das seltsamste nnd schwerste in der Betrechtimg i«: 
wie Rom auf Rom folgt nnd nicht allein das neoe anfs 
alte, sondern die verschiedenen Epochen des alten seihn 
anfeinander. Man mflsste Jahre hier bleiben nm den Begriff 
recht lebendig zn haben, ich fthle nur die verborgenen 
nnd halbsicbtbaren Pnnckte. 

Goethe an Herders, lo. Not. 178^. 

I. Die Quellen. 

|enn im Folgenden versucht werden soll, das Stadt- 
bild Roms so, wie es Goethe sah, zu reconstruiren, 

so sind die dafür zu Gebote stehenden Quellen 

naturgemäss doppelter Art : sie zerfallen in literarische und 
künstlerische. Wir haben einerseits gedruckte Beschrei- 
bungen aus jener Zeit und darunter eine besonders wichtige, 
närmich die vom Dichter selbst benutzte Volkmanns, 
andrerseits bildliche Darstellungen römischer Ansichten und 
darunter, alle andern weit überragend, das Vedutenwerk 
Piranesis. Ueber diese verschiedenen Hilfsmittel zunächst 
einige Worte. 

Johann Jakob Volkmann (1732 — 1803). Sein für uns 
wichtiges Werk ist wenig mehr als eine Compilation aus 

' Da der Aufisatz für das G.-J. zu umfangreich war, so musste 
er von mir erheblich gekürzt werden. L. G. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 219 

fremden Vorlagen: »Historisch-kritische Nachrichten von 
Italien, welche eine genaue Beschreibung dieses Landes, 
der Sitten und Gebräuche, der Regierungsform, Handlung, 
Oekonomie, des Zustandes der Wissenschaften, und insonder- 
heit der Werke der Kunst, nebst einer Beurtheilung derselben 
enthalten« Leipzig 1770/71 in drei dicken Bänden, 1777/78 
2. Auflage. Trotzdem benutzte Goethe auf seiner Reise 
noch die erste, wie aus seinen gelegentlichen Angaben von 
Seitenzahlen bei Verweisen hervorgeht, die nur mit der 
ersten stimmen. Der Verfasser selbst bezeichnet sein Werk 
als »Aus den neuesten französischen und englischen Reise- 
beschreibungen und aus eigenen Anmerkungen zusammen- 
fetragen«j die wichtigsten dieser fremden Vorlagen sind: 
ie Descnption historique et critique de Tltalie von Abbi 
Richard (1766, 6 Bde.), an die schon der Titel Volkmanns 
anklingt, aann die Voyage d'un Fran^ais en Italie (1769, 
8 Bde.) von dem Astronomen la Lande; unter den englischen 
sind John Brevals remarks on several parts of Europe (1738, 
2 Bde.) hervorzuheben und endlich Jonathan Ricnardsons 
französisch erschienener Traite de la peinturc et sculpture 
(4 Bde., Amsterdam 1728). Die Beurtheilung von Kunst- 
werken fusst vielfach auf diesem letztgenannten, öfters auch 
auf des Kupferstechers Charles Nicolas Cochin Voyage 
d'Italie (j Bde., zuerst Paris 1751, die besten Ausgaben: 
Paris 1750, die von Volkmann benützte, und Lausanne 1773). 
Goethe selber schreibt einmal': »Unser guter Volkmann, 
sonst so aufmerksam und als Führer nützlich genug scheint 
sich durchaus an jene fremden Urteiler gehalten zu haben; 
desswegen denn seine eigenen Schätzungen gar wunderlich 
hervortreten« und giebt dann als Beispiel das allerdings 
unglaublich oberflächliche Geschreibsel über die Kunstwerke 
im Innern von Sta. Maria della pace zu Rom, indem er 
beifügt: »Dergleichen unzulängliche schwankende Urteile 
verwirren durchaus den Beschauer, der ein solches Buch 
zum Leitfaden erwählt«.* Ein anderes Mal nennt er ihn 
den »guten trockenen Volkmann«' und diese Bezeichnung 
ist so treffend als möglich. Das Buch ist eine furchtbar 
trockene und nüchterne, dabei in der Hauptsache überall 
auf den fremden Vorbildern beruhende Arbeit, das für seine 

' Im Bericht vom December 1787 der Druckredaction seiner ItaL 
Reise. Ich citire im Folgenden durchweg nach Düntzers Ausgabe in 
Kürschners D. N. L. Bd. 161, 1 u. 2 (Goethes Werke, Bd. XXXI i 
u. 2) und bezeichne dieselbe mit D. I u. II. 

* D. IL i$8. 

3 Im Briefe an Fr. v. Stein vom i.— 3. Februar 1787. Ich citire 
im Folgenden den in Betracht kommenden VIII. Band der Briefe in 
der Weimarer Ausgabe stets mit B. VIII. Die obige Stelle B. VIII. 161. 



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220 Abhandlungen. 



Zeit nützlich ja in gewissem Sinne unentbehrlich, doch schon 
damals höheren Ansprüchen nicht genügen konnte. Für 
unsern Zweck kommt der zweite Band, der Rom behandelt, 
allein in Betracht'. 

WerthvoU sind uns sodann zeitgenössische italienische 
Schilderungen, voran die des Abbate Ridolfino Venuti aus 
Cortona (I705— 1763): »Accurata e succinta descrizione 
topografica delle Antichitä di Roma«,* 2 Bände, und die 
aus dem Kachlasse herausgegebene »Accurata e succinta 
descrizione topografica e istorica di Roma modema«, eben- 
falls in 2 Bänden ; beide sind mit einer beträchtlichen Anzahl 
kleiner Veduten, die zum Theil von Piranesi gestochen 
sind, ausgestattet. Zu nennen ist noch Karl PhiL MoritT^ 

J1757— 17Q3): »Reisen eines Deutschen in Italien in den 
anren 1786—88. In Briefen« 1792. Sie enthalten in den 
vielen der ewigen Stadt gewidmeten Abschnitten manche 
für unsern Zweck werthvoUe Bemerkungen.' 

Wichtiger, weil unmittelbarer und überzeugender als 
alle blossen Worte, sind die bildlichen Darstellungen, und 
hier ist zuerst zu nennen der Sicilianer Giuseppe l^usi (1710 
bis 1782), dessen »Magnificenze di Roma antica e modema« 
1747—61 in 10 Büchern zu je 20 Blättern erschienen.* 
Den ziemlich ausführlichen Text dazu verfasste Giuseppe 
Bianchini (1704 bis nach 1759). Vasi war königUcner 
Kupferstecher; seine Ansichten sind sehr sorgfältig und 
fleissig ausgeführte, schöne Vedutenstiche, die den Eindruck 
unbedinjgter Zuverlässigkeit machen. Aber noch fehlt jener 

Prosse Äg, der monumentale Charakter, den erst sein Scnüler 
iranesi seinen »Vedute di Roma« zu verleihen wusste: 
erst durch diesen wurden sie zu einem weltberühmten eigenen 
Gebiet echt künstlerischer Thätigkeit erhoben. Vasi hat 
auch einen kleineren Führer durch Rom, etwa nach Art 
unserer Baedeker, • geschrieben, das »Itinerario istruttivo di 
Roma«, das zuerst 1777 daselbst gedruckt wurde. Das 
handliche und für die damalige Zeit senr brauchbare Büchlein 
erlebte rasch mehrere Auflagen und wurde nach des Ver- 
fassers Tod von seinem Sohne Mariano fortgesetzt; ich 

' Im Folgenden stets als V. II dtirt, womit immer die Ausgabe 
von 1770 gemeint ist 

* Ich bezeichne in den Verweisen die Ausgabe von 1763 mit Ven. 
Die z. Th. von Piranesi gestochenen Abbildungen sind durchgezählt ; 
die dem Citat beigefügte Ziffer bezeichnet also jeweilen die (meist in 
der oberen rechten £ckd des Bildes angebrachte) Nummer der Tafel. 

' WerthvoU ist ausserdem Magnan la ville de Rome, 2. Aufl. 1778. 
4 Bde. in Fol. mit 425 Kupfertafeln. 

•» Im Folgenden mit »Vasi« dtirt: die beigesetzten Nummern be- 
zeichnen die in den 10 Bänden durchgezählten Blätter. — Die »Magni- 
ficenze« wurden 1786 und 1803 neu aufgelegt. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 221 

benutze eine als fünfte bezeichnete französische Ausgabe 
(»corrigie, augment^e et enrichie de Planches par Manano 
Vasia) aus dem Jahre von Goethes erstem Aufenthalt 1786. 
Die zahlreichen Illustrationen sind sehr klein (6^lt auf 4 ctm.) 
und ganz unbedeutend. — Hier sei auch der kleinen Veduten 
von Domenico Pronti gedacht, deren er I70 an der Zahl in 
zwei Bänden vereinigt 1795 herausgab, und die uns manchen 
schätzbaren Anhaltspunkt geben für das Rom jener Zeit. 
Ohne Anspruch auf grossen Kunstwerth vermögen sie uns 
zu fesseln als diejenigen kleinen Erinnerungszeichen, die der 
Reisende damals, wie der heutige Photographien, nach Hause 
mitnahm. Genannt sei endlich noch die künstlerisch ganz un- 
genügende, aber sachlich für einzelne Punkte aufschlussreiche 
»Nuova raccolta delle migliori vedute antiche e moderne 
di Roma dissegnate ed incise da Giov. Cassini. 1775«.* 

Giovanni Battista Piranesi ('1707 — 1778) geht weit über 
Vasi hinaus und zieht vor Allem die antiken Reste, die 

t'ener gar nicht beachtet hatte, in den Bereich seiner Thätig- 
Leit. Der malerische Zauber des alten und neueren Roms 
hatte es ihm ganz besonders angethan und so sind seine 
»Vedute di Roma« nicht nur sein bekanntestes, sondern auch 
mit Recht berühmtestes weil bestes Werk geworden. Es 
sind in der vollständigsten Ausgabe 138 Tafeln in 2 Bänden.* 
Als Künstler steht Piranesi in seinem bescheidenen Gebiete 
gross und bedeutend da. Er versteht es das. was er selbst 
vor dem Bauwerke, der Ansicht, die er testhalten will, 
empfunden hat, hineinzubannen in seine Wiedergabe. Und 
das ist es, was seinen Blättern den eigenartigen Charakter, 
die ganz persönliche Wirkung verleint, welche sie neben 
dem grossen Zuge, dem Monumentalen der Auffassung so 
auszeichnen. Sie halten nicht, wie die Photographie, dIoss 
das thatsächlich Vorhandene fest, sondern zugleich seine 
Wirkung auf den Beschauer. Und so leicht es oft ist, im 
Einzelnen Verstösse gegen die genaue, thatsächliche Richtig- 
keit des Dargestellten nachzuweisen, Verstösse wie sie z. B. 
Vasi in seiner peinlichen Genauigkeit niemals aufweist, so 
sicher bricht sich zuletzt immer wieder die Ueberzeugung 
Bahn : im höchsten Sinne wahrer als jede strengrealistische, 
jede mechanische Wiedergabe sind diese Darstellungen, und 
das sichert ihnen die tiefgehende Wirkung und den bleibenden 
Werth. Was da vor uns steht, es ist auf dem Wege vom 
Auge zur Hand hindurchgegangen durch die Empfindung 

' Gelegentlich angeführt mit Cassini und der Nummer der Tafel. 

* Im Folgenden dtirt mit Pir. und der sich aus durchgehender 
Zählung der 130 Blätter ergebenden Ziffer. Ueber ihn vgl. JusH, Winckel- 
mann IT i. S. 362 flf., über den archaeologischen Werth seiner Blätter 
Jordan, Topographie der Stadt Rom I. i. S. 94 f. 



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222 Abhandlungen. 



eines echten Künstlers, der von seinem Vorbild mächtig 
gepackt war, und diese ganze künstlerische Empfindung 
spricht laut aus den Licht- und SchatteneflFecten, aus der 
monumentalen Grösse, [aus den gesteigerten Contrasten 
seiner Blätter. 

2. Der Stadtplan. 

Wollen wir eine Stadt genau kennen lernen, so werden 
wir vor Allem ihren Plan eingehend studiren müssen, und 
so wird uns auch, wenn wir die Unterschiede zwischen 
dem Stadtbilde Roms von heute und dem von 1786 er- 
kennen wollen, eine Vergleichung zweier Pläne die beste 
Grundlage geben. Ich lege einen solchen von 1890 neben 
den von Piranesi gestochenen,* der zwar keine Jahreszahl 
trägt, wohl aber eine Widmung an Papst Clemens XIV.: 
unter diesem Namen regierte Giovanni Antonio Ganganelli 
aus Rimini von 1769 — 177S, in diese Jahre muss also die 
Herausgabe des Planes fallen. Zu Goethes Zeit sass sein 
Nachfolger Pius VI. (Giov. Angelo Braschi) auf dem Stuhle 
Petri, den er bis 1800 inne hatte. 

Die Mauer, welche den links vom Tiber gelegenen, 
grössern Theil der Stadt umschliesst, ist immer noch die 
271 n. Chr. von Kaiser Aurelian begonnene und 276 von 
Kaiser Probus vollendete, während auf dem andern Ufer 
das Quartier vom Vatikan bis zum Flusse, die leoninische 
Stadt, erst 852 von Leo IV. ummauert wurde, und die heutige, 
alles rechts dem Tiber Gelegene umfassende Mauer 1560 
durch Pius IV. begonnen und 1640 durch Urban VIII. beenaigt 
wurde. Über diese Mauern hat die Stadt in der Haupt- 
sache und von einigen Ausnahmen allerneusten Datums 
abgesehen nicht hinausgegrifFen, ja sie füllt dieselben auch 
heute noch nicht aus, und hat somit den Umfang des 
antiken Roms zur späteren Kaiserzeit linksufrig nicht wieder 
erreicht, besonders sind die einst dichtbevölkerten Hügel 
Celius und Aventin heute nur spärlich bewohnt, zu Goethes 
Zeit standen sie fast völlig verlassen. 

Linksufrig wurde der wirklich bewohnte Raum der Stadt 
zu Goethes 2eit von folgenden Linien umschlossen: von 
Piazza del Popolo dem Fusse des Pincio entlang, dann zur 
Trinitä de' Monti, von hier dem geraden Strassenzuge der 
Via Sistina, Quattro Fontane u. s. w. folgend bis etwas über 
Sta. Maria Maggiore hinaus, weiter in gerader Linie nach Süd- 
westen über das Forum hinüber, dem Abhänge des Palatin 
entlang und am Fusse des Aventin zum Tiber. Was ausserhalb 

' Eine kleine Reproduction dieses Planes von Piranesi auf dem bei- 
gegebenen Blatte. Er ist so orientirt, dass Norden unten, Süden oben liegt ! 



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Da5 Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 223 

derselben lag, waren Vignen und Villen, Ruinen und unbe- 
bautes Land ois an die Mauern, und einige allerdings wichtige 
Kirchen, wie Sta. Maria degli Angeli, S.Giovanni inLaterano. 
Sta. Croce in Gerusalemme, sowie die auf dem Celius und 
auf dem Aventin. Im modernen Rom finden wir zunächst 
ein grosses neues Quartier auf dem äusseren Viminal und 
Esquilin angesiedelt, und der erste Blick belehrt uns über 
den Grund dieser Entwicklung : hier liegt der Bahnhof und 
um ihn herum hat sich Neu-Rom nach allen Seiten mächtig 
ausgedehnt. Ueberhaupt erwies sich der Osten und Nord- 
osten als besonders anziehend : überall rücken hier die neuen 
Quartiere bis an die antike Stadtmauer heran, ja darüber 
hinaus, wie die Neubauten vor Porta Salara, Porta Pia und 
Porta S. Lorenzo zeigen. Dieser Vergrösserung ist auch 
die hochberühmte Villa Ludovisi zum Opfer gefallen. — 
Im Südosten sind weit ausgedehnte Quartiere tneils schon 
entstanden, theils geplant, und ebenso im Südwesten in 
der Nachbarschaft des zu Goethes Zeit ganz einsam ge- 
legenen Monte Testaccio, während der eigentliche Süden 
uns heute noch in seiner Öde und Verlassenheit einen 
Begriff geben kann, wie es ehemals überall ausserhalb der 
oben genannten Linie aussah. Die gewaltigen Trümmer 
der Caracallatherraen ruhen auch heute noch, eine Stadt 
für sich, in heiliger Einsamkeit. 

Wichtige Veränderungen im Innern der Stadt reihen 
sich an, auch sie grossentheils durch die Bahn bedingt. Zu 
Goethes Zeit war der Corso, jene endlos lange schmale 
Gasse, die sich von der Piazza del Popolo direct nach 
Süden bis zum Fusse des Capitolshügels erstreckt, fraglos 
die einzige Hauptader Roms. Heute hat er eine gefährliche 
Rivalin erhalten in dem noch längeren breiten Strassenzuge, 
der vom Bahnhofsplatz als Via Nazionale hinunterführt zur 
Piazza Venezia und sich als Corso Vittorio Emanuele in 
breitester Entfaltung weiter fortsetzt bis zum Tiber. Bedeut- 
sam für die Neugestaltung eines grossen Stadttheils ist 
sodann die Anlage der breiten von Sta. Maria Maggiore zum 
Forum hinabführenden Via Cavour und ihres Nebenarms, 
der Via dello Statuto geworden, und eine weitere, ein- 
schneidende Veränderung des Stadtinnern wurde bedingt 
durch die in sanitärer Beziehung so heilsame Tiberregulirung, 
die eine völlige Neugestaltung der Ufer zur Folge hatte. 

Nur vier Brücken verbanden zu Goethes Zeit die Tiber- 
ufer, nämlich von Nord nach Süd Ponte S. Angelo, Ponte 
Sisto, die Doppelbrücke über die Tiberinsel und endlich 
Ponte Rotto (seit 1598 nicht benutzbar). Jetzt gibt es, 
abgesehen vom sog. provisorischen Ponte neben der Engels- 
brücke bereits deren neun, nämlich von Norden nach Süden: 



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224 Abhandlungen. 



Ponte Margherita, Ponte della Ripetta, Ponte Umbeno L, 
Ponte S. Angelo, der blos für Fuss^änger benutzbare 
Ponte di ferro, Ponte Sisto, Ponte Garibaldi nördlich der 
Tiberinsel, die Doppelbrücke über dieselbe und endlich der 
neue Ponte Rotto, der südlich von dem noch «tehenden 
Reste des alten den Fluss überschreitet. 

Das jenseitige Roni zerfällt in zwei Theile: den süd- 
lichen, Trastevere, und die eigentliche Priesterstadt, den 
Bor^o zwischen Vatican und Eneelsburg, im Norden. Beide 
verbindet die lange, geradlinige Strasse der Lungara. So war 
es schon zu Goethes Zeit, aber heute hat sich Trastevere 
ganz bedeutend erweitert, hauptsächlich nach Süden, wo es 
vor Porta Portese eine eigene Bahnstation erhahen hat, und 
auf der Höhe des Janiculus, wo es damals nur Privatgänen 
gab, ist durch die von der Aqua Paola nach S. Onofrio hin- 
überführende Passeggiata Margherita eine an den schönsten 
Aussichten überreiche Strasse mit prächtigen Anlagen ge- 
schaffen worden, die alle andern Spaziergänge und Aus- 
sichtspunkte der gerade damit so reich gesegneten Stadt, 
selbst die mit Recht weltberühmte Terrasse des Monte 
Pincio an Schönheit und Umfang der Ausblicke übertriflFt. — 
Der eigentliche Borgo hat sich, eingeengt durch die alte 
Stadtmauer, wie er war und ist, nicht ausdehnen können, 
dagegen hat sich ausserhalb dieser Mauer, von ihr im Süden, 
vom Tiber im Osten begrenzt, ein riesiges modernes 
Quartier angebaut, dessen Entwicklung erst in die letzten 
zehn Jahre fällt und das sich auch jenseits des Flusses 
nördlich von Porta del Popolo fortsetzt. 

3. Goethes Ankunft, seine Wohnung und der 
zunächst gelegene Stadttheil. 

Goethe traf in Rom am 29. October 1786 ein. Sein 
erster Aufenthalt dauerte bis zum 22. Februar des folgen- 
den Jahres, dann ging er nach Neapel und Sicilien; am 
6. Juni 1^87 kehrte er nach der ewigen Stadt zurück und 
verliess sie am 22. April 1788 für immer. Goethe kam 
mit dem Vetturino von Citti Castellana, dem letzten Nacht- 
quanier, herangefahren, in Primaporta wurde zum letzten 
Male Halt gemacht, und nicht allzulange nachher rollte 
er den Abhang hinunter, die Peterskuppel vor Augen, fuhr 
auf dem altberühmten Ponte Molle, dem antiken Pons 
Milvius, wo einst die Constantinsschlacht geschlagen worden, 
über den »gelben« Tiber und schnurgerade auf die Porta 
del Popolo zu, die ihm gastlich entgegenwinkte. Die Porta 
del Popolo, ein prächtiger Bau VignoTas von 1561, dessen 
Innenseite 1655 von Bernini ausgeführt wurde, ist heute 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 225 

in ihrer äusseren Erscheinung stark verändert.' Nur das 
Mittelthor ist das alte geblieben, die einst festungsartig 
vorspringenden Flügel bauten sind rasirt und dafür 1878 die 
zwei übrigens ganz geschickt angefügten kleineren Neben- 
thore errichtet worden, sodass auch in der neuen Gestalt 
der Bau einen einheitlichen und künstlerisch befriedigenden 
Eindruck macht. Innerhalb desselben öflFnet sich die Pia^:(a 
gleichen Namens, zu Goethes Zeit ein längliches ungleich- 
seitiges Viereck, heute zum grösseren Theil ein elliptischer 
mit doppeltem Halbrund geschlossener Platz.* In seiner 
Mitte stand damals wie jetzt der von Sixtus V. 1589 hier 
aufgestellte Obelisk, einer der beiden, die einst Augustus 
aus Heliopolis hatte bringen und im Circus Maximus auf- 
richten lassen, um ihn gruppiren sich heute die vier erst 
unter Leo XII. (1823—29) hierher gesetzten wasserspeien- 
den Löwen. Die halbkreisförmige Abschlussmauer der west- 
lichen Seite, deren früher so dichte Baumgruppen vor 
kurzem durch eine breite zur neuen Tiberbrücke rührende 
Strasse bedenklich gelichtet wurden, sowie die Anlagen, 
die an der östlichen zur Terrasse des Monte Pincio empor- 
fuhren, stammen aus neuerer Zeit und sind, wie die Um- 
wandlung des Pincio selber zum beliebtesten Spaziergang 
Roms, ein Werk der napoleonischen Herrschaft. Auf den 
Platz mündet zwischen den beiden nach Plänen Rainaldis 
in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts ausgeführten 
Kuppelkirchen Sta. Maria de' Miracoli und Sta. Maria in 
Monte Santo der Corso^ der sich in gerader Linie nach 
Süden erstreckt bis auf die Piazza Venezia am Fusse des 
capitolinischen Hügels, und neben den genannten Kirchen 
fünren zwei weitere Dtrassen rechts dem Tiber zu, links 
auf den spanischen Platz. 

Nur wenige Schritte von Piazza del Popolo entfernt, 
lag Tischbeins Wohnung, die auch Goethe bezog. Das 1833 
umgebaute Haus' trägt heute Nr. 18 und wird bezeichnet 
durch eine 1872 gestiftete Marmonafel mit einer pomphaft 
gehaltenen Inschrift. Die von ihm bewohnte Strasse hat 
der Dichter später im »römischen Carneval« in einem 
kleinen Capitel »der Cor so« geschildert.* Auch heute noch 



* Vasi I. 

* Pir. 23; Vasi 21. Unter den von Goethe in Dichtung und 
Wahrheit (W.A.XXVL 17^ erwähnten römischen Prospecten, die »ge- 
stochen von einigen gescnickten Vorgängern des Piranese« im väter- 
lichen Hause hingen, befand sich (laut ^eundlicher Mittheilung von 
Prof. Veit Valentin in Frankfurt) auch ein solcher der Piazza del Popolo, 
gestochen von G. Wonters 1603. 

' Vgl. Gnoli, das Goethenaus in Rom (Im neuen Reich 1872. II. 
S. 143). ^ D. II. 196. 

Goetbb-Jahrevch XVUI. I5 



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226 Abhandlungbn. 



ist ihre »Breite gegen ihre Länge und gegen die Höhe der 
Gebäude nicht vernältnissmässig«, doch ist sie in neuester 
Zeit mehrfach verbreitert worden. Während dies eigen- 
artige Strassenbild in seinem nördlichen Theile wenig ver- 
ändert ist und im Ganzen dieselben Kirchen- und Palast- 
fassaden auf uns, wie einst auf Goethe niederschauen, tritt 
die erste bedeutende Erweiterung kurz vor Piazza Colonna 
ein : ganze Häuserquadrate sind gefallen, die Zufahrtstrassen 
verbreitert worden, und insbesondere hat die von Piazza 
Barberini in gerader Linie herunterfiihrende , neuerdings 
bis zum Corso durchgebrochene Via del Tritone dieses ganze, 
ehemals nur von engen Gassen durchzogene Quartier 
umgestaltet. Neue grosse Kaufhäuser, neue Palastbauten 
haben hier Fuss gefasst, und der Pal. Piombino, den Goethe 
am 25. Juli 1787 um der Gemmensammlung seines Besitzers 
willen besuchte,' ist verschwunden. Er stand der Pia:(;(a 
Colonna gerade gegenüber und durch seinen Abbruch hat 
der einst so geschlossene Platz nicht wenig von seiner 
Wirkung eingeoüsst.* Diesen schmückt heute wie damals die 
Mark-Aurels-Säule, zu des Dichters Zeit noch vielfach irr- 
thümlich als Antonins-Säule (d. h. als dem Antoninus Pius 
geweiht) gefasst, da auch Mark Aurel gelegentlich den Bei- 
namen Divus Antoninus führt. Goethe erwähnt unterm 
24. Juli 1787 ' den hier gelegenen Palast Chigi.* Der hübsche, 
den Platz heute im Westen abschliessende Palast ist ein Neu- 
bau, dessen antike Säulen aus Veji stammen. Gleich dahinter 
liegt die kleinere Pia:(;(a di Monte Citorio,^ beherrscht von der 

fewaltigen i6jo von Bernini begonnenen, 1697 von Carlo 
ontana beendeten Curia Innocenziana, zu Goethes Zeit die 
Heimstätte der päpstlichen Tribunale, heute die des Parla- 
ments des geeinigten Königreichs Italien. Auf diesem Platze 
stand zu des Dichters Zeit die grosse Basis der Antonins-Säule, 
die sich jetzt in einem Hofe des Vaticans befindet, und in 
der Nähe lag die 1704 entdeckte und aus dem Grund ge- 
hobene dazu gehörige Säule, die aber später, weil allzu- 
stark beschädigt, zersägt werden musste. Erst .1798 wurde 
dann der andere der beiden einst von Augustus nach Rom 
gebrachten Obelisken (vgl. oben S. 225) hier aufgestellt. 
Goethe sah denselben noch auf der Erde liegen und erzählt 
darüber in der Italienischen Reise sowohl unterm 3. Sep- 
tember 1787 als im Bericht vom gleichen Monat^; er hat 
mehrere Hieroglyphen davon abgiessen lassen. Wenige 

« D. IL 62. » Pir. J3. — Vasi 22. 3 D. IL 62. 

♦ Dieser prächtige von Giacomo della Porta und Maderaa er- 
richtete Bau bildet auch heute noch eine Hauptzierde des Platzes und 
des Corsos, an denen er als mächtieres Eckgebiude steht. 

5 Fir. 40; Vasi 25. < D. II. 89 u. loi. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 227 

Schritte nach Süden führen von Piazza Colonna zu einem 
kleinen Platze mit einer prächtigen, antiken Colonnade, 
deren Säulen ehemals einem vonHadrian errichteten Neptun- 
tempel angehörten. Der Palast, in den sie ein^baut sind, 
beherbergte zu Goethes Zeit die Dogana di Terra, * wo 
auch der Dichter bei seiner Ankunft sein Gepäck revidiren 
lassen musste. Heute dient der Bau als Börsenlokal. Nicht 
weit vor Piazza Venezia, dem Palazzo Doria, mit seiner 
schönen Gemäldesammlung, die Goethe am 2|. November 
1786 besuchte,* gegenüber, steht am Corso der stattliche 
rala^zo Salviaii,^ damals der Sitz der französischen Akademie, 
ein schöner Bau Rainaldis, den 1725 Ludwig XV. erworben 
hatte. Der Dichter besuchte ihn am 28. August 1787 und 
kurz vor seiner Abreise am 11. April 1788, das erste Mal um 
die Ausstellung der ihn höchlich interessirenden Schüler- 
arbeiten, das zweite Mal um die reiche Sammlung von 
Gipsabgüssen nach Antiken zu sehen.* Das noch heute 
blühende Institut, eine Stiftung Ludwigs XIV., hat im ersten 
Jahre unseres Jahrhunderts seinen Sitz in die viel schöner 
gelegene, von Annibale Lippi 1540 erbaute Villa Medici^ 
auf dem Pincio verlegt. In dieser, die damals dem Gross- 
herzoge von Toscana gehörte und allgemein zugänglich 
war, hat Goethe am 19. Februar 1787 den Mond beobacntet. 
Der Corso endet auf der PiaTiT^a Veru^^ia,^ wo sich der 
durch seine gewaltigen Massen wirkende, im Florentiner 
Stil 1455 begonnene Palast gleichen Namens erhebt, das 
bedeutendste architectonische Werk jener Zeit in Rom; ihm 
gegenüber liegt Pal. Torlonia Tvon 1650), damals Pal. 
BoTognetti genannt. Der Platz, den Goethe in seiner Be- 
schreibung des Carnevals mehrfach erwähnt, ist heute noch 
ähnlich, wie zu seiner Zeit, wenn er auch an Geschlossenheit 
schon viel verloren hat durch die breit nach beiden Seiten 
hin sich öffnende ViaNazionale: damals mündete von Osten 
her nur eine schmale Gasse, von Westen allerdings eine 
breitere Strasse darauf. 

Schlug Goethe, wenn er, aus seiner Wohnung kommend, 
auf die Piazza del Popolo trat, von hier aus die linke 
Hauptstrasse ein, so kam er in wenigen Minuten zur Pia:{^a 
di Spagna^ die damals wie heute ein Centrum des Fremden- 



■ Pir. 27. — Vasi 24. 

* Vgl. Schriften der Goethe-Gesellschaft IL S.403 u. D. 1. 178 Anm. 

3 Pir. 41 ; Vasi 170. ♦ D. IL 80 u. 85 ; D. IL 262. 

$ Vasi 188. — K. Ph. Moritz gibt in seinen »Reisen eines Deut- 
schen in Italien« (1. 142 ff.) eine ausfuhdiche für den damaligen Zustand 
der Villa interessante Beschreibung. < Vasi 39 u. 65. 

^ Pir. 24; Vasi 40. Vgl. auch die Beschreibung des Platzes bei 
Moritz L c. L 137 ff. 

15* 



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228 Abhandlungen. 



Verkehrs war.' Ihre Mitte ziert Berninis eigenartige Brunnen- 
anlage, la Barcaccia, zu der ihm ein bei einer Tiberüber- 
schwemmung gescheiterter Kahn das recht geschmacklose 
Motiv gegeben nahen soll. Die überaus malerische, 1721 — 25 
erbaute spanische Treppe führt — ein unvergessliches Bild — 
hinauf zur Kirche Trinitä de' Monti. Aber die Umgebung hat 
sich verändert: zwei der ersten Hotels Roms flankiren sie 
heute und auch die übrigen Häuser des Platzes sind vielfach 
modern umgebaut. Seine südliche Fortsetzung, welche durch 
Berninis Riesenbau der Missionsschule de Propaganda fide* 
beherrscht wird, hat durch Aufstellung der immacolatasäule, 
die zur Erinnerung des von Pius IX, im Jahre 1854 ausge- 
sprochenen Dogmas von der unbefleckten Empfängniss er- 
folgte, ein anderes Aussehen gewonnen. In der Propaganda 
fide machte Goethe am Dreikönigstage 1787 das Sprachenfest 
mit, dessen humorvolle Schilderung in dem Briefe an die 
Weimarer Freunde vom 13. Januar des Jahres jedem Leser 
unvergesslich bleiben wird^ — Den Abschluss des prächtigen 
Prospectes der spanischen Treppe bildet die zweithürmige 
Barockfassade der schon genannten Kirche. Der davor be- 
findliche Obelisk, der dem ganzen Bilde die letzte charak- 
teristische Note einfügt, wurde erst 1788 aufgestellt^. Bei 
der Ausgrabung für die Fundamente hatte des Dichters 
Perrückenmacher, der zufällig vorüberging, ein Stück antiker 
Terrakota mit zwei Greifen gefunden, das so Goethe hoch- 
erfreut (er schreibt sofort am 13. Februar 1787 darüber an 
Frau V. Stein ^]) seiner Sammlung einverleiben konnte. 

Und wne sich hier eine Goethische Erzählung zwanglos 
einfügt, und erst durch die Kenntniss des damaligen ^u- 
standes des Locales recht lebendig wird, so wird eine andere 
erst verständlich, wenn wir uns den Platz am Hafen der 
Ripetta^y zu welchem die rechte Seitenstrasse von Piazza 
del Popolo hinführt, vergegenwärtigen, wie er damals war. 
Die Druckredaction der Italienischen Reise bringt im Bericht 
vom November 1787^ jenes lustige Geschichtchen von 
einigen Künstlern, die aus dem Vatikan heimkehrend »an 
den Weinbergen her bis an die Tiber« gingen und bei der 
Ripetta Abends übersetzen wollten mit der Fähre. Im 
hitzigen Disput Hessen sie sich nun, um die Unterbrechung 
zu vermeiden, immer hin und herfahren, zur grossen Freude 
des dabei über alles Erwarten verdienenden Schiffmanns. 
Goethe hatte die Erzählung von Meyer, der sie, falls Ecker- 
manns Bericht hier ganz zuverlässig ist, den 14. April 1829 

' V. IL S34. 

* Abb. ohne Nr. bei Vasi, Buch IX zwischen Tafel 104 u. 165. 
3 B. VIII. 131 f. 4 B. Vm. 154. An Herder, 2$. Januar 1787. 
5 B. VIII. 184— und D. I. 223. « Pir. 51; Vasi 85. 7 D. II. 146. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 229 

an des Dichters Tisch erzählte, mit Angabe der einzelnen 
Namen und des Themas des Streites, ob nämlich Rafael 
oder Michelangelo grösser sei, was alles Goethe bei Seite 
liess. Dieser ganze Hergang nun wäre heute unmöglich. 
Nicht nur würde der Weg von der Porta Angelica bis zum 
Tiber jetzt statt durch Vignen durch die allerödesten Neu- 
bauten Roms führen, auch die Fähre ist eingegangen und 
eine eiserne Brücke von ausgesuchter Hässlichkeit verbindet 
statt ihrer die Ufer. Aber nicht genug: ruinirte schon 
diese Brücke eines der reizvollsten architectonischen Bilder 
der ewigen Stadt, den von Clemens XL 1707 erbauten 
famosen Hafen der Ripetta mit seiner halbrunden Mittel- 
terrasse und den breiten zum Wasser niederführenden 
Treppen*, einst mit der dahinterliegenden kleinen aber 
flotten Fassade von S. Girolamo de' Schiavi und der pitto- 
resken Rückseite des Palazzo Borghese ein überaus maleri- 
sches Ganzes, in schmählicher Weise, so ist heute die ganze 
Anlage überhaupt verschwunden. Der neue Tiberquai mit 
seinen hohen Travertinmauern ist auch hier durchgeführt 
und dabei die ganze Anlage zugeschüttet worden. 

4. Die Stadt links dem Tiber. 

Die ewige Stadt ist bekanntlich die wasser- und brunnen- 
reichste der Welt, und auf jedem kleinen Platze, ja fast an 
jeder Strassenkreuzung erfreut uns das hellsprudelnde Ele- 
ment, das Roms Kunstgeist in stets neuer Form zu fassen 
und zu verwerthen gewusst hat. Vielleicht die bekannteste, 
jedenfalls die effectvollste Brunnenanlage ist die 1763 nach 
dem Entwürfe des NiccoloSalvi vollendete Fantana Trevi*y 
die seit Goethes Zeit dieselbe geblieben, auch ihre ganze 
Umgebung kaum nennenswerth verändert hat. Wesentlich 
verändert dagegen hat sich durch die neuen Strassenzüge 
die Piazza S. Bernardino und damit auch der Eindruck der 
Fontana ddV Acaua Felice^ (1583)» ^^^ schon durch die 
schlechte Mosesotatue der Mitte, eine gänzlich verunglückte 
Nachahmung Michelangelos, empfindlich geschädigt wird. 
Auch die Umgebung des reizenden TritonenarunnensD^rmms 
auf Piazza Barberini* ist durch Hotel- und andere Neubauten 
eine ganz andere geworden. 

Von der Fontana Trevi steigt man in wenigen Minuten 
hinan zum Quirinalplatz, zu uoethes Zeit noch ofEciell 
nach den beiden dort aufgestellten Colossen der Pferde- 

* Volkmann (II. 357) spricht in seiner kurzen Beschreibung von 
dem »artigen Ansenen« des Hafens. 

* Pir. 34 u. 35; Vasi 104. 3 Pir. 36 — Cassini 29, ^ Vasi 36. 



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2^0 Abhandlungen. 



bändiger Monte Cavallo^ genannt. Hier hat sich nicht nur 
innerlich gar Vieles geändert (der päpstliche oft vom Kirchen- 
haupt selbst bewohnte Palast, wo die Wahlen des Conclaves 
stattfanden, ist zur Residenz des Königs von Italien, die 
gegenüberliegende Sacra Consulta zum Ministerium des 
Aeusseren geworden und auch die ehemalige päpstliche 
Hauptwache dient heute profanen Zwecken), auch die 
äussere Gestaltung ist eine andere geworden. Goethe, der 
den Platz auch unterm 23. luli 1787 als einen »merk- 
würdigen Gegenstand« bezeicnnet,* schreibt in einem der 
Druckredaction neu zugefügten und mit dem 3. November 
1786 datirten Briefe:' »Ich eilte mit Tischbein auf den 
Monte Cavallo. Der Platz vor dem Palaste hat was ganz 
Eigenes, Individuelles, so unreigelmässig als grandios und 
lieblich. Die beiden Colossen erblickt ich nun. weder Auge 
noch Geist sind hinreichend sie zu fassen«. — Zwischen 
den beiden Riesenstatuen, hinter dem, in seiner jetzigen 
Gestalt übrigens auch erst aus dem Jahre 1818 herrühren- 
den Brunnen wurde 1787 noch während des Dichters An- 
wesenheit von Pius Vi. ein früher vor dem Mausoleum 
des Augustus befindlicher Obelisk aufgestellt und damit 
die Wirkung der ganzen Gruppe beträchtlich gesteigen. 
Aber auch der Zugang von Westen her ist verschönen 
und zugleich bequemer geworden: während damals Mensch 
und Tnier den ziemlich steilen Abhang hinaufklettern 
mussten, so gut es eben ging, ist nun eine oequeme Treppe 
für die Fussgänger und eine breite im Bogen geführte 
Strasse für die Wagen geschaflPen worden, sodass auch von 
dieser Seite der Zutritt zu dem Platze, der zum Mittel- 

{>unkt des modernen Roms als der Hauptstadt des geeinten 
taliens geworden, ein würdiger ist. Gleichgeblieben ist 
sich die prächtige Aussicht über die Stadt Rom und zu 
St. Peter hinüber: hier stehen sich die architectonischen 
Vertreter der beiden feindlichen Mächte stumm und drohend 
Aug in Auge gegenüber. — Nicht weit von hier liegt der 
von Maderna begonnene, von Bernini vollendete P(üai:^o 
Barberini.^ Goethe besuchte ihn am 22. Juli 1787 mit 
Angelika Kaufmann,^ um die heute kleine, damals noch 
reichhaltigere Gemäldesammlung zu sehen, aus der er zwei 
Bilder, Rafaels sinnlich-dämonisches Fornarinabildniss und 
einen heute nicht mehr vorhandenen Leonardo, laut Volk- 
mann ^ eine Madonna, besonders hervorhebt. Der Palast 
stand damals in ziemlich verwahrloster Umgebung, während 
ihn heute ein wohlgepflegter Garten mit dem Standbild 

' Pir. 25 u. 26; Vasi 61. » D. IL 62. 5 D. I. 160. 4 Pir. 43. 
s D. II. 61. «V. n. 265. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 231 

Thorwaldsens ^dessen Atelier ganz in der Nähe lag) um- 
gibt, und ein kräftiges Gitter gegen die Strasse zu sein 
Gebiet abschliesst. 

Von hier aus gine es zu Goethes Zeit vielfach zwischen 
Vignen und Gärten hinüber zu Sta. Maria Maggiore,^ ein 
Weg, den man heute durch modern zugebaute Strassen 
nehmen muss, und die Kirche selber, eine der fünf Patriarchal- 
kirchen und als die älteste in Rom, vielleicht als die älteste 
der ganzen Christenheit, der Gottesmutter geweiht, stand 
nur auf einer Seite von Häusern umgeben, während heute 
rings Alles verbaut ist. * Goethe erwähnt den Bau, dessen 
bei der letzten Restauration nach Fugas Entwurf von 1743 
ausgefühne kleinliche Fassade weit übertrofFen wird durch 
die erossartige Rückseite mit der gewaltigen Freitreppe 
aus dem XVil. Jahrhundert und den mächtigen Eindruck 
des Innern, nur gelegentlich seiner Aufzählung der sieben 
Hauptkirchen am Anfang des Märzberichtes 1788.' Nur 
wenige Schritte nach Südosten liegt das kleine Kirchlein 
S. Antonio Abbate, wo alljährlich am Tage des Heiligen 
die Weihe der Hausthiere stattfindet. Goethe wohnte ihr 
am 17. Januar 1787 bei und beschreibt sie im Briefe vom 
folgenden Tage an Frau von Stein* mit zwei Sätzen, die 
dann in der Druckredaction der Italienischen Reise ^ zu 
einer ausführlichen^ sehr lebendigen und von leisem Humor 
durchwürzten Schilderung ausgeweitet werden. Wieder 
führt eine lanee gerade Strasse zum LateransplatTi^ Kaum 
ein Haus stand zu Goethes Zeit daran, heute wandert man 
auch hier die ganze Strecke zwischen hohen Neubauten 
und der Platz selbst hat sich nicht zu seinem Vortheile 
verändert. Wo ihn heute vielstöckige Miethshäuser ab- 
schliessen, da standen damals niedrige Baracken, hinter denen 
die Trümmer des Neronianischen Aquaeductes malerisch 
emporragten, und diese Trümmer, heute nur in wenigen 
pittoresk im Garten der Villa Wolkonsky stehenden Resten 
erhalten, zogen sich weithin, ein herrUcher Anblick, in 
dessen Darstellung Piranesi auf einem seiner schönsten 
Blätter den ganzen Zauber seiner Radirnadel zu entfalten 
weiss. ^ Die prächtige architectonische Gruppe des päpst- 
lichen Palastes und der Kirche mit dem etwas zur Seite 
liegenden Rundbau des Baptisteriums und dem Obelisken 
aus rothem Granit wirkt auch heute wie damals, obschon 



' Pir. 16, 17 u. 18; Vasi 48 u. 122. 

* Als öde und melancholisch beschreibt die Gegend von Sta Maria 
Maggiore auch Moritz 1. c. III. 211. 

3 D. II. 249. -♦ B. VIII. 142. s D. I. 211 f. 

^ Pir. II, 12, 14 u. 15; Vasi 34, 46 u. loi. ^ Pir. 49. 



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232 Abhandlungen. 



die Umgebung an Stimmungsgehalt so viel eingebüsst hat, 
mit zwmjgender Gewalt. Goetne erwähnt des Laterans nur 

felegenthch. Zu seiner Zeit hatte man von dem äusseren 
latze vor der imposanten Fassade Galileis von 1734/ 
welche die beste des ganzen XVIII. Jahrhunderts in Rom 
ist, noch in ungetrübter Reinheit jene herrliche Campagna- 
Aussicht, deren Eindruck heute durch die hässlichen Neu- 
bauten des Vordergrundes (vor Porta S. Giovanni) so 
empfindlich geschädigt wird. 

Auch bei mancher anderen dieser abgelegeneren Kirchen, 
wie Sta. Croce in Gerusalemme,' S. Stefano rotondo' u.s.w. 
ergibt sich ein ähnliches Resultat: zu Goethes Zeit ein fast 
einsames Dastehen in grünender, blühender Umgebung, die 
man ruhig als Wildniss bezeichnen darf und dadurcli ein 
Stimmungseindruck allerersten Ranges auch da, wo das Bau- 
werk an sich kein allzubedeutendes ist, heute von allen Seiten 
ein Anrücken moderner Bauten hässlichster Gestalt, und 
damit die Zerstörung der ehemaligen einzigartigen und 
grossen Eindrücke. Wenige nur dieser Kirchen wie S. 
Gregorio Magno, ♦ S. Giovanni e Paolo ^ u. A. stehen auch 
heute noch einsam in ihrer grünen Umgebung wie einst; 
sie müssen uns schadlos halten für die ehemals so vielen. 
Kehren wir ins Innere der Stadt und zu weltlicheren 
Bildern zurück, so mag zunächst nebenbei erwähnt werden, 
dass die dem alten Circus des Domitian entsprechende 
Pm;f;ffl Navona,^ heute wie damals mit ihren drei Brunnen 
einer der charakteristischsten Plätze Roms, in ihrem Ge- 
sammteindruck wesentlich gleichgeblieben ist, wenn sie 
auch inzwischen nivellirt und ihre einstige Geschlossenheit 
durch Verbreiterung einmündender Strassen gelockert wurde; 
Völlig intact erhalten ist auch der kleine Platz vor S. 
Igna:itoJ eine Barockanlage von seltener Einheitlichkeit: 
sämmtliche das Plätzchen begrenzende Fassaden (der Wohn- 
häuser wohlverstanden!) winden und drehen sich convul- 
sivisch in wechselndem Vor- und Zurückdrängen; es ist 
die in monumentalen Stein übersetzte Phantasie eines der 
schlimmsten Barock- Architecten (wahrscheinlich des Padre 
Grassi, nach dessen Plan die Kirche gebaut ist), die aber 
durch die rücksichtslos einheitliche Durchführung ihres Ein- 
drucks sicher ist. Jene glänzenden Paläste dagegen, die 
heute in stolzer Reihe am Corso Vittorio Emanuele stehen, 
befanden sich zu Goethes Zeit an kleinen Plätzen oder in 



* Pir. 15. * Pir. 19; Vasi47- ' Cassini 66. ♦ Vasi 125. 5 Vasisj. 

* Pir. 29 u. 30; Vasi 26. — Ein von G. Wonters 1693 gestochener 
Prospcct derselben hing in Goethes Vaterhaus. (Vgl. S. 225. Anm. 2.) 

7 Vasi 163. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 233 

engen Strassen und machten so einen wesentlich andern 
Eindruck. Von Ost nach West fortschreitend sind die 
wichtigsten: der gewaltige Pal. Altieri von 1670,* heute 
der Sitz der Accademia degli Arcadi,* in welche Goethe 
bekanntlich am 4. Januar 1787 ' aufgenommen wurde ; dann 
der nach Rafaels Entwurt gebaute Pal. Vidoni-CafFarelli ^ ; 
weiter Baldassare Peruzzis herrlicher Renaissancebau des 
Pal. Massimi alle Colonne ^ der an Wirkung durch die neue 
breite Strasse davor sehr verloren hat; endlich der edelste 
Profanbau des neueren Roms, Bramantes unvergesslich 
schöne Cancelleria.^ Sie alle wirkten einst in den engen 
Gassen und kleinen Plätzen viel besser, grösser und intimer 
zugleich, als heute an dem überbreiten Corso! Dasselbe 
gilt von den Kirchen in gleicher Lage: vom Gesü^, dem 
prächtigen Barockbau Vignolas und Giacomo della Portas 
fi j86— I57j), von dem von Madema vollendeten S. Andrea 
aella Valle,* das Goethe am 17. November 1786 besuchte,' 
und von der Chiesa Nuova " (Sta Maria in Vallicella), die 
seit 1550 Filippo Neri für den von ihm gestifteten Orden 
der Oratorianer erbauen liess. Die merkwürdige Escheinung 
dieses Heiligen zog bekanntlich Goethe besonders an: er 
hat dem »humoristischen Heiligen« 18 10 einen Aufsatz ge- 
widmet, der aber erst 1829 gedruckt erschien, indem er ihn 
bei der Redaaion des »zweiten römischen Aufenthalts« ans 
Ende des Jahres 1787 einschob, " wohin er allerdings nicht 
sonderlich passt. Darin gedenkt Goethe auch mehrfach 
dieser Kirche. 

Der grossartigste aller römischen Paläste, Pal, Farnese^\ 
von den erössten Architecten der Hochrenaissance Antonio 
Sangallo a. J., Michelangelo und Giacomo della Porta erbaut 
und 1582 beendigt, beherrschte damals wie heute den da vor- 
liegenden Platz mit den zwei Brunnen, die über antiken 
Wannen aus den Caracallathermen sich aufbauend das 
Zeichen des Familienwappens, die Lilie, als Wasserspeier 
benutzen. Goethe besuchte ihn am 17. November 1786 '^ 

■ Vasi 79. 

* Zu Goethes Zeit wurden die Sitzungen im Winter im Archiv 
der Gesellschaft in Via Arcione nahe bei Pontana Trevi abgehalten 
([vgl. D. II. 190 Anm. und Vasi, itindraire instructif 1786. S. 254 f.), 
in der schönen Jahreszeit fanden sie im Freien statt und zwar in dem 
am Abhänge des Janiculus gelegenen Bosco Parrasio (Venuti, Descrizione 
topografica di Roma modema 1766. S. 416^ das noch heute erhalten bt und 
an £ssen Gitterthor vorbei man zu S. Pietro in Montorio emporsteigt. 

5 Brief an Fritz v. Stein, B. VIII. 115; ausfuhrliche Beschreibunfl; 
im Bericht vom Januar 1788, also ein Jahr verspätet, D. II. 187 n. 
4 Pir. 42. 5 Vasi 76. < Vasi 74. ^ Vasi 135. » Vasi 1 34. > B. VIII. 54, 
"• Vasi 137. " D. U. 166 ff. » Pir. 38; Vasi 73. «3 B. VIII. 54 
u. D. I. 173. 



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234 Abhandlungen. 



Fast intact ist auch die nahe Via Giulia* mit ihrer Reihe 
ernster Paläste geblieben. 

Der wichtigste Platz des antiken Roms, der auch heute 
noch den Mittelpunkt aller städtischen Angelegenheiten 
bildet, das Capitol*^ als Platz und Architecturbild eine 
Schöpfung Michelangelos (von ihm rühren die schöne 
Treppenanlajge des mittleren Palastes, die Fassadengestal- 
tung der beiden seitlichen und die Aufstellung der Reiterstatue 
Marc Aureis in der Mitte her) ist in seinem obem Theil 
auch heute noch völlig so wie zu Goethes Zeit. Dagegen 
sind zu beiden Seiten der breiten von Piazza Araceli hin- 
aufführenden Treppe, wo damals wüstes Geröll sich breit 
machte, reiche CJartenanlagen entstanden, und die Fahr- 
strasse ist in weiter bequemer Windung zur Höhe geführt 
worden. Wir stehen hier vor einem der wenigen Punkte 
im Stadtbilde Roms, die in ihrem heutigen Zustand erfreu- 
licher und ästhetisch befriedigender sina, als zur Zeit, da 
unser grösster Dichter das Bud der einzigen Stadt in sich 
aufnahm zu bleibendem Gewinn.' Aehnliches darf von der 
kleinen Pia^:(a 5. Marco^ gesagt werden hinter dem Pal. 
Venezia : die reizende in den Palast eingebaute Renaissance- 
fassade der kleinen gleichnamigen Kirche von Giuliano da 
Majano (145 J) schaute zu Goethes Zeit auf eine öd und 
wüst liegende Piazzetta, während heute prächtige Ganen- 
anlagen dieselbe schmücken, und dadurch das liebliche 
Plätzchen mit seiner träumerischen Stille so ganz nahe dem 
lauten Verkehrscentrum der Stadt einen Stimmungsgehalt 
von eigenartigem Zauber gewonnen hat. Ganz anders stellt 
sich dagegen die Sache am nördlichen Abhang des capito- 
linischen Hügels selbst. Hier, wo zu Goethes Zeit und bis 
vor kurzem em malerisches Gewirr von Bauten und Baracken 
aller Art sich zusammendrängte^ wurde Alles niedergerissen, 
um Platz zu schaffen für em Riesendenkmal Vittorio 
Emanueles, das, eine Reiterstatue vor ausgedehnter Säulen- 
halle mit mächtigen Treppenanlagen, sich auf diesem alt- 
geheiUgten Platz erheben soll, um die neueste Entwicklungs-- 
phase der Stadt künstlerisch zu verewigen, die Epoche, da 
Rom unter dem so Geehrten zur Hauptstadt des neuen 
Königreichs Italien geworden ist. 

' Vasi 71. 

* Pir. 76, 77 u. 78; Vasi 8a Auch in Goethes Vaterhaus hing 
ein Prospect derselben, auf dem jedoch kein Stecher, sondern nur der 
Drucker Dom. de Rossi angegeben. (Vgl. S. 225. Anm. 2.) 

^ Goethe liebte den natürlich oft besuchten Platz besonders bei 
Mondbeleuchtung. B. VIII. 161 u. D. I. 222. 

* Vasi 115. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 235 

5. Die Tiberufer und die Stadt rechts dem 

Tiber. 

Den Tiberufern* haben die letzten zwanzig Jahre um- 
wälzende Veränderungen gebracht : einst boten die unregel- 
mässigen Gestade des klassischen Stromes mit den bald 
zurück, bald bis dicht ans Wasser vortretenden Gebäuden 
aller Art eine Fülle der reizendsten Bilder in reicher 
Abwechslung; sie sind alle der Tiberregulirung zum Opfer 
gefallen. Nun da diese bis auf Weniges vollendet* ist, 
ziehen sich hohe Travertinmauern den ganzen Fluss entlang 
und dahinter sind breite Quaistrassen theils schon ausgeführt, 
theils im Entstehen begriffen. Der zu Goethes Zeit noch 
stark belebte Hafen ganz im Süden, die Ripa grande,^ wo 
die grösseren von Ostia heraufkommenden Waarenschiffe 
landeten und ausluden, wie es Piranesi in einem reich- 
bewegten Blatte festgehalten hat, ist heute meist nur noch 
mit wenigen Barken besetzt, doch ist die architectonische 
Gestaltung auch heute noch dieselbe, wie sie unter Inno- 
cenz Xn. 1692 geschaffen wurde, das daran gelegene aus- 
gedehnte Ospizio S. Michele beherbergt eine Armen- und 
Abeitsanstalt grössten Stiles. An der Ripa grande hat 
Goethe, wie er im Bericht vom April 1788 erzählt*, in 
einem Schiffe jene ihm schon aus dem Pal. CaraflFa zu 
Neapel bekannte antike Statue einer Tänzerin wiederge- 
sehen, die ihm zum Kauf angeboten, aber nicht gekauft 
wurde und in den Vatican kam, wo sie, wie Goethe noch 
in der Druckredaction der Italienischen Reise ^ berichtet, 
im Gabinetto delle Maschere aufgestellt ward und sich noch 
heute befindet. — Gehen wir dem Strom entgegen nach 
Norden, so liegt rechts, einst in ernster fast düsterer Um- 
gebung, die heute durch die Alles gleichmachende Regu- 
firung zerstört ist, die Einmündung der antiken Cloaca 
Maxima,^ die von Goethe erst gegen Ende seines Aufent- 
haltes im April 1788 besucht, »den colossalen Begriff, wozu 
uns Piranesi vorbereitet hatte, wohl noch erhöhte«.^ Die 
ganze Gegend ist völlig verändert, besonders auch durch 
die neue Brücke, welche den einst etwas weiter strom- 

' Wl. zu diesem ganzen Abschnitt das $. Buch Vasis: Iponti 
e gli edinci sul Tevere, das die Tafeln 81—100 enthält; ich führe die 
einzelnen im folgenden nicht mehr besonders an. 

* Ende October 1895 ^^^^^ ""r noch das Stück zwischen Ponte 
S. Angelo und Ponte di ferro. 5 Pir. 52. 4 D. II. 270 ff. 

> D. II. 275. Von den don als im gleichen (Jabinet befindlich 
erwähnten Statuen befinden sich heute nur noch i) die kauernde 
Venus und 4) der Faun aus Rosso antico an gleicher Stelle. 

« Pir. 58. 7 D. IL 269. 



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236 Abhandlungen. 



aufwärts gelegenen Porte Rotto' ersetzt hat. Dieser, der 



1598 durch Hochwasser die beiden äusseren Bogen der 
linlcen üferseite verloren hatte und seitdem nicht mehr 
hergestellt worden war, bildete bis auf unsere Zeit eine 
malerische Ruine, als deren letzter Rest ein einzelner Bogen 
mitten im Flusse noch erhalten ist. 

Die ganze Gestalt der Isola Tiberina ist, durch die 
Regulirung verändert worden : Flussauf- wie flussabwärts ist 
sie völlig versandet und dadurch sehr in die Länge gezogen 
worden, ja auch der nordöstlich sie umfassende Flussarm 
liegt meist trocken, so dass nur bei ausnahmsweise hohem 
Wasserstande die Insel sich noch wirklich als solche zeigt! 
Im antiken Rom dem Aeskulap heilig, der auch an Stelle 
der jetzigen Kirche S. Bartolomeo seinen Tempel darauf 
hatte, war ihre Gestalt einem Schiffe nicht unähnlich und 
die antike Travertinummauerung, von der nur wenige Reste 
im Garten des Minoritenklosters erhalten sind, verstärkte 
infolge einer alten Sage diese Form aufs nachdrücklichste, 
während ein Obelisk den Mast vertrat. Zu Goethes Zeit 
war die ganze Anlage noch klar erkennbar, am besten vom 
Ponte Rotto aus, und Piranesi hat die Ansicht von dieser 
Seite in einem seiner wirkungsvollsten Blätter festgehalten.* 
Zwischen der Insel und dem nördlichsten auf der Höhe 
der Piazza del Popolo gelegenen Ponte Margherita ist heute 
auch nicht ein einziger Punkt mehr zu finden, der so aus- 
sähe, wie zu Goethes Zeit. Den breiten Quaistrassen, die 
heute den in ein regelmässiges Bett geleiteten Strom ein- 
fassen, mussten, um nur zwei Punkte hervorzuheben, auf 
dem linken Ufer das altberühmte, malerische und in so 
mancher Dichtung effectvoU verwerthete, allerdings höchst 
ungesunde Judenviertel, der Ghetto^ auf dem rechten der 
grösste Theil des Famesinagartens weichen. Goethe hat, 
als er am 18. November 1786' und mit Angelica Kaufmann 
am 15. Juli 1787* die Villa mit Rafaels Galathea und den 
Psychefresken aufsuchte, auch im Garten verweilt. 

Auf dem rechten Ufer des Flusses wenden wir uns 
zunächst nach Trastevere. Schon bei der blossen Plan- 
vergleichung sehen wir, wie gross gerade hier infolge der 
Anlage neuer Verkehrsadern, der Strassendurchbrüche u.s. w. 
die Veränderungen sind. Dadurch hat z. B. der Platz von 
5. Crisogono,^ seine einstige Geschlossenheit verloren, 
während diese glücklicherweise dem auch heute noch so 
reizvollen von Sta, Maria in Trastevere^ in der Hauptsache 
erhalten ist. Auch Sta. CeciUay"^ über deren Besuch am 



' Vgl. ausser Vasi auch Ven. 76 u. Cassini 3S u. }6. * Pir. S7- 
5B.VIIL55U.D.I.173. 4 D.H. 58. 5 Vasi 119. «Vasi 60. 7 Vasi 14$. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 237 

Tage der Heiligen Goethe den 22. November 1786 an die 
Freunde in Weimar berichtet, ' ist mit seinem grossen stillen 
Vorhof von den Veränderungen unberührt geblieben, und 
Gleiches gilt von 5. Pietro in Montorio auf der Höhe des 

{aniculus mit seinem prächtigen Ausblick über Stadt und 
-and. Die Umgebung freilich ist durch neue gärtnerische 
Anlagen bereichert worden, aber das architectonische Bild 
trägt noch dieselben Züge wie ehedem. Goethe besuchte 
die Kirche und die damals noch auf dem Hochaltar 
befindliche Transfiguration Rafaels * am gleichen Tage wie 
die Farnesina, am 18. November 1786.' Beim Eingange der 
Passegiata Margherita ^ hinter der Kirche, steht eine der 
grossanigsten Brunnenanlagen Roms, die unter Paul V. 
von Fontana und Maderna 161 1 erbaute und mit präch- 
tigen antiken Säulen vom Minervatempel am Nerva- 
forum geschmückte Acqua PaolaJ Goethe irrt sich in 
seinem Bericht vom December 1787:* der Brunnen, dessen 
mächtige Wirkung er ganz meisterhaft schildert, liegt nicht, 
wie er schreibt vor, sondern ein gutes Stück hinter S. Pietro. 
— Wandern wir nun auf der neuen Passeggiata hinüber, so 
erhebt sich dort, wo sie sich in langen Windungen niedersenkt, 
San Onofrio, der herrlicligelegene Kloster- und Kirchenbau 
der Hieronymianer, wo Tasso starb. Am 2. Februar 1787 
weilte Goethe an des Dichters Grabe und sah die wächserne 
Todtenmaske des italischen Epikers, aus deren nicht ganz 
scharfen Zügen er die Charakteristik herausliest: »ein 
trefflicher, zaner, feiner Mensch«. So im Briefe an Frau 
v. Stein. 7 In der Druckredaction heisst es: »die Maske 
deute auf einen talentvollen, zarten, feinen, in sich ge- 
schlossenen Mann«.® Ein Beispiel dafür, wie er in der 
Druckredaction mit scheinbar unbedeutenden Aenderungen 
Neues, in der ursprünglichen unter dem directen Eindruck 
entstandenen Niederschrift nicht Vorhandenes in die Auf- 
fassung hineinträgt. 

Der Borgo und die Umgebungen St. Peters bieten wenig 
Anlass zu Bemerkungen. Der überwältigende Eindruck der 
Pia:(:(a di S, Pietro^ mit den gewaltigen Colonnaden, Berninis 
bester und geradezu genialer Leistung, mit dem Obelisken, 



' B. vm. 64 f. D. I. 177 f. 

* Das 1797 von den Franzosen nach Paris geschleppte Gemälde 
wurde nach der Rückerstattung 1815 in der inzwischen von Pius VII. 
(1800— 1823) gegründeten Pinacothek des Vaticans aufgesteUt. 

3 B. vm. 55 u. D. I. 173. 4 Vgl. oben S. 224. 

5 Pir. 37. < D. IL 1.5 s t. 7 B. vm. i$8. « D. I. 228. 

9 Pir. 3, 4 u. 5. In Goethes Vaterhause hingen Prosnecte der 
Peterskirche und der Engelsburg von Giov. Batt. Falda, der 1069— 169 1 
in Rom lebte. (Vgl. S. 225. Anm. 2.) 



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238 Abhandlungen. 



den beiden Springbrunnen, und der an sich wenig be- 
deutenden, aber als grandioses Decorationsstück immerhin 
wirksamen Fassade von Maderna ist heute derselbe, wie 
zu Goethes Zeit, wenn auch die davor liegende Piazza 
Rusticucci nivellirt, das malerische grosse Brunnenbecken 
daraui" entfernt worden ist, und die umliegenden Häuser 
entweder modernisirt wurden oder Neubauten gewichen 
sind. Auch die Kirche selber * trotz ihrer überreichen 
Innendecoration durch die herrlichen Verhältnisse und vor 
Allem durch Michelangelos Kuppelbau — vielleicht der er- 
habenste Raumeindruck, den die Erde kennt ! — immer aufs 
Neue zu staunender Bewunderung zwingend, hat sich nicht 
verändert. »In St. Peter habe ich begreifen lernen, wie die 
Kunst sowohl als die Natur alle Massvergleichung aufheben 
kann«, schreibt Goethe,* und wie oft noch kommt er auf 
den Bau, der eine Welt für sich darstellt, zu sprechen. 
Besonders muss an die wichtigen Sätze aus dem December- 
bericht 1787 erinnert werden.' Stark vergrössert und da- 
durch auch baulich und äusserlich verändert haben sich die 
Vatikanischen Museen seit Goethes Zeit. Er kannte nur das 
Museo Pio-Clementino, d. h. die von Clemens XIV. {176Q 
bis 177s) und Pius VI. ('1775— 1800) angelegte, desshalb 
vom Dichter als »neues Museum« bezeichnete* Sammlung, 
zu der allerdings schon früher vorhandene Hauptstücke wie 
der Apoll vom Belvedere, der Laokoon, die Kleopatra 
u. A. gehörten. Die späteren Erweiterungen ^ berühren uns 
hier nicht mehr: das römische Stadtbild wird durch diese 
internen Veränderungen des Vaticanischen Palastes nicht 
geändert. 

6. Villen und Spaziergänge. 

Die beliebtesten Spazierfahrten der Römer (denn den 
Spaziergang in unserm Sinne kennt der Italiener nicht) 
baden heute einige Villen. Zu Goethes Zeit scheinen andere 
Sitten geherrscht zu haben, wenigstens weiss Volkmann* 
zu berichten, dass die Vornehmen nur durch den Corso 
und bis zum Ponte Molle fuhren. Diese Fahrt durch den Corso 
ist allerdings auch heute noch Sitte, daran aber schliessen 
sich vorher oder nachher Fahrten durch die prächtigen 
Anlagen des Pincio, durch die Villen Borghese oder Doria- 
Pamphili. Auch Goethe besuchte eine Anzahl solcher 



' Pir. 6, 7 u. 8. * D. I. 169. 3 D. U. 155. * B. VUI. 46. 

s Pius VII. (1800— 1823) fu^t das nach ihm benannte Museo 
Chiaramonti und (1822) den Braccio nuovo, Gregor XIV. (185 1— 1846) 
die ägyptische und etruskische Sammlung hinzu. < V. II. 721 f. 

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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 239 



adeligen Privatvillen, die damals den Fremden gegen ein 
Trinkgeld jederzeit offen standen, heute an bestimmten 
Tacen in liberalster Weise geöffnet sind. Er verweilte 
aucn noch in den jetzt verschwundenen herrlichen Gärten 
der Villa Ltulovist/ in deren noch heute vorhandenen, 
kleinen aber auserlesenen Antikensammlung er seine »erste 
Liebschaft in Rom«, wie er am 6. Januar 1787 Frau v. Stein 
schreibt,* fand, den colossalen Junokopf, deren Eindruck er 
ebenda in den unvergänglichen Satz gefasst hat: »Keine 
Worte geben eine Ahnung davon; er ist wie ein Gesang 
Homersa. — Der kleine Garten der ebenfalls auf dem Pincio 
gelegenen Villa Malta, die dann 178Q von der Herzogin 
Mutter und Herder bewohnt wurde,' diente ebenso wie 
derjenige Angelica Kaufmanns, die bei Triniti de' Monti 
wohnte, zu DOtanischen Versuchen.^ — Auch die Villa 
Borghese^ gehörte zu den am frühesten von ihm besuchten 
Sehenswürdigkeiten und wird schon im Brief vom i. No- 
vember 1780 als gesehen erwähnt.* In ihrem prächtigen 
Garten hat er nach dem Bericht vom December 1787, der 
jedoch nur auf der Erinnerung zu beruhen scheint,^ die 
Modificationen des Egmont durchgedacht; in ihrem Garten 
hat er auch laut einer Mittheilung an Eckermann, die dieser 
unterm 10. April 1829 aufzeichnet, die Hexenküche des 
ersten Faust geschrieben. Leider ist das Gebiet der Villa 
heute grossentheils zu einer Art Tivoli mit Schaubuden, 
Schiessständen u. s. w. umgewandelt und dadurch der alte 
fürstliche Charakter der herrlichen Anlagen aufs Empfind- 
lichste geschädigt worden. Nahe bei Villa Borghese lag 
die kleine Villa Rafaels, von der Goethe mehrfach mit 
solcher Begeisterung spricht. • In älteren Quellen auch Villa 
Olgiati oder Nelli nach den verschiedenen Besitzern ge- 
nannt, wurde sie, 1830 von den Borghese erworben und 
zum Gebiete ihres grossen Besitzthums gezogen, in den 
Unruhen des Jahres 1849 zerstört; dabei ist auch die 
vom Dichter gepriesene Ausmalung der Zimmer zu Grunde 
gegangen. Nur drei grössere Fresken, die zu Goethes Zeit 
Für eigenhändige Werke Rafaels gehalten wurden, heute 
als Arbeiten seiner Schüler nach seinen und Michelangelos 



» Vasi 189. » B. VIU. 117 u. D. I. 200. 

5 1802 bewohnte sie W. v. Humboldt als preussischer Gesandter, 
sie wurde immer mehr der Mittelpunkt des römisch-deutschen Kunst- 
lebens und diente z. B. auch Overbeck als erstes Absteigequartier. 1827 
kam sie in den Besitz König Ludwigs I. und ging nach dessen Tod 
erst 1873 wieder in Privathände über. (Vgl. den schönen Aufsatz von 
Gregorovius »die Villa Malta in Rom und ihre deutschen Erinnerungen« 
in kleine Schriften z. Gesch. u. Cultur IIL 1—42.) 

4 D. n. 68 u. 268. $ Vasi 187. * B. VIII. 39. 7 D. U. 161. 

• D. II. 245, 299. Moritz beschreibt sie kurz 1. c. III. 201 f. 



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240 Abhandlungen. 



HandzeichnuDgen erkannt sind/ wurden dadurch erhalten, 
dass sie der Fürst schon früher wegen der Baufälligkeit 
des Häuschens hatte abnehmen und in seine Gemälde- 
sammlung versetzen lassen. 

Die Villa Patnbhilj^ vor Porta S. Pancrazio auf dem 
Janiculus besuchte (joethe am 2. December 1786, und die 
Schilderung der einen Gartenpartie gleich hinter dem 
Casino: »eine grosse mit immergrünen Eichen und hohen 
Pinien eingefasste, viereckte, flache Wiese«' stimmt auch 
heute noch. Botanische Speculationen, die den Dichter dort 
gefangen nahmen, setzte er, so berichtet er am gleichen 
Orte weiter, den andern Tag fort »auf einem Spaziergange 
nach dem Monte Mario, der Villa Mellini und Villa Madama.« 
Sind sowohl Villa Borghese, als Villa Pamphilj in ihren 
Gebäuden und Gartenanlagen in der Hauptsache gleich 
geblieben, so hat sich dagegen die zuletzt genannte Gegend 
bedeutend verändert. Der Monte Mario bildet aussernalb 
der Stadt die nördliche Fortsetzung des Janiculus und ist 
nach modernen Kriegsbegriffen ein strategisch sehr wichtiger 
Punkt. Grosse Befestigungswerke umgeben desshalb beute 
das Gebiet der einst vielbesuchten und ihrer prächtigen 
Aussicht willen hochberühmten Villa Mellini,^ sodass sie 
schwer zugänglich geworden ist. Unberührt ist dagegen 
Villa Mflrfflmfl* geblieben, ein herrlicher, leider unvollendeter 
und zerbröckelnder Bau, deren Architect kein Geringerer 
als Rafael selber* ist, wenn auch die allerdings nur tneil- 
weise Ausführunig nach seinen Plänen von Giulio Romano 
herrührt. Die Villa steht halbverfallen, fast melancholisch 
zwischen blühenden ganz verwilderten Gartenanlagen und 
verwitternden Terrassen mit nur spärlich noch befeuchteten 
Wassergrotten, gerade in diesem Zerfalle von berückendem 
Stimmungszauoer. Und treten wir hinein in die weite, 
dreischimge Halle, deren Fresken nach und nach verlöschen, 
deren Stuccaturen, reine, lebensvolle Nachklänge der Antike, 
nach und nach abblättern, so umfängt uns der Schauer der 
Schönheit und wir fühlen uns im Banne jener unvergleichlich 

' Die »Hochzeit Alexanders mit Roxane«, nach einer Handzeich- 
nung in der Albertina, die Rafaels Namen trägt, die man aber heute 
Sodoma zuzuschreiben geneigt ist; das »Wettschiessen der Götter«, 
nach einer Zeichnung in der Brera, die durch Rafaels eigene Hand als 
Werk Michelangelos bezeichnet ist; »Vertumnus und Pomona« ist 
unbedeutend. 

» Pir. 46; Vasi 20a 3 B. VIIL 71 u. D. I. 185. 4 Auch von 
Moritz n. c. II. 196 f.) nach Gebühr ^priesen. $ Vasi i^. 185. 

6 Die Pläne und Skizzen Rafaels smd erst durch Baron Geymüllers 
prächtiges Werk »Rafaello studiato come architetto« (Milano 1884) 
wieder bekannt und dadurch Rafaels Autorschaft überzeugend nach- 
gewiesen worden. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 24 1 

herrlichen Zeit höchster Kunstblüthe, im Banne der Renais- 
sance und eines ihrer grössten Meister. — Ebenfalls im 
Norden, aber auf dem andern Tiberufer liegt ein von 
Goethe oft besuchter Punkt; er erzählt in der Druck- 
redaction der Italienischen Reise unterm 5. Juli 1787:* 
»Morgens mit Sonnenaufgang steh' ich auf und gehe nach 
der Äcqua acetosay* einem Sauerbrunnen^ ungefähr eine 
halbe Stunde vor dem Thor, an dem ich wohne«. Der 
Weg dahin führte ihn an dem interessanten Renaissancebau 
Vignolas für Julius HL, der Viena di Papa Giulio' (1550) 
vorbei, die nach langer Verödung und Verwendung zu 
Militärzwecken heute als Museum dient. Goethe würde 
aber seinen Liebliujgsgang weiter draussen kaum mehr er- 
kennen: neue breite Strassen ziehen sich in Schlangen- 
windungen über die Abhänge der Monti Parioli und ver- 
binden die neuen Quartiere vor Porta Salara mit der Via 
Flaminia und Ponte Molle als schöne, aussichtsreiche, aber 
emstweilen noch kaum benutzte Promenade. 

»Nach der Filla Patri:(^i^ um die Sonne untergehen zu 
sehen, der frischen Luft zu geniessen, meinen Geist recht 
mit aem Bilde der grossen Stadt anzufallen, durch die 
langen Linien meinen Gesichtskreis auszuweiten und zu 
vereinfachen, durch die vielen schönen und mannigfaltigen 
Gegenstände zu bereichern«,^ so lesen wir unterm Dienstag 
24. Juli 1787 in der Druckredaction. Heutige Romfahrer 
werden die Villa kaum dem Namen nach kennen: vor Porta 
Pia, dem merkwürdigen capriciösen Thorbau Michelangelos 
(156^) gelegen, ist ihr Gebiet der Bauwuth zum Opfer 
gefallen, und die hohen Baumgruppen des Gartens haben 
schon grösstentheils unerfreulichen Neubauten Platz machen 
müssen. Nahe dabei, vor der wenige Minuten westlicher 
gelegenen Porta Salara liegt Winckelmanns Eldorado, die 
yilla Albaniy^ die Goethe am 8. November 1786, am 4. 
Februar 1787 und am 15. März 1788 besuchte. ^ Winckel- 
mann, unter dessen Augen sie entstand, hatte bekanntlich 
nur Wone des höchsten Lobes für dies »Wunder der 
Kunst in aller Menschen Augen« das ihm ausser St. Peter 
»über Alles, was in neueren Zeiten gemacht ist« ging. * Auch 
heute ist sie bei jedem Kunstfreund eines grossen und 
bleibenden Eindrucks gewiss. Aber einer ihrer grössten 
Reize ist unwiederbringlich verloren: durch die allerseits 
anrückenden Neubauten ist die einst unbeschränkte, herrliche 



' D. IL 54. * Vasi gibt Buch V, S. 12 eine Abbildung (ohne Nr.). 

5 Vasi 186. 4 Vasi 191. 5 D. IL 62. 

^ Pir. 43; Vasi 190. ^ D. IL 245 u. Anm. ib. 

* Justi, Winckelmann IL i. Abth. S. 306. 

GoiTBfjAHHfVCH XVIH. l6 



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242 Abhandlungen. 



Aussicht auf die Campagna, die Sabiner- und Albanerberge 
theils ganz verbaut, theils aufs empfindlichste gestört — 
Noch fast unverändert ist dagegen die schöne, auf dem 
Monte Celio einsam und abseits gelegene l^illa Matiei^ 
geblieben, die Goethe am 6. December 1786 und wieder 
im März 1788 besucht hat.* Ihre Terrassenanlagen mit 
den schattigen Laubgängen und stets wechselnden über- 
raschenden Ausblicken auf die gegenüberliegenden Ruinen- 
massen des Palatins. in die Campagna und auf die Berge, 
entzücken uns noch heute in gleicher Weise. Goetne 
war die Villa noch besonders interessant durch ein an 
einem der schönsten Punkte befindliches Oratorium Filippo 
Neris, jenes von ihm später mit solch behaglicher Aus- 
führlichkeit geschilderten »humoristischen Heiligen«. 

Goethe nennt im Bericht vom December 1787' zwei 
ausserhalb der Mauern gelegene Kirchen, die er zusammen 
besuchte, die »zu den drei Brünnlein« und St. Paul. Die 
Abtei delle Ire Fontaney^ welche drei Quellen der Legende 
nach da entsprungen sind, wo das Haupt des Apostels Paulus, 
nachdem der Streich gefallen war, noch dreimal am Boden 
aufschlug, zeigt heute einen wesentlich anderen Charakter. 
In sumpfiger, der Malaria besonders ausgesetzter Gegend 
gelegen und desshalb fast verlassen, machte sie einst emen 
traurigen, öden, nach Goethes Ausdruck »moderhaftena 
Eindruck. Der Dichter spricht, nach langen Jahren von der 
Erinnerung getäuscht, nur von einer Kirche, während doch 
deren drei, von einer Mauer umschlossen, ganz nahe bei 
einander stehen, und die von ihm geschilderten Fresken 
der zwölf Apostel, nach den nach Zeichnungen Rafaels 
gestochenen Blättern Marc Antons roh ausgefünrt, an den 
Pfeilern von S. Vincenzo ed Anastasio, nicht in S. Paob 
alle tre Fontane selber sich befinden, wohin Goethe sie 
versetzt. 1868 wurden die Kirchen und die ganz verfallen- 
den Klostergebäude französischen Trappisten übergeben, 
und diese haben die gesundheitlichen Verhältnisse durch 
massenhafte Anpflanzungen des luftreinigenden, rasch empor- 
schiessenden Eucalyptusbaumes in kurzer Zeit derart ge- 
bessert, dass heute schöne Gartenanlagen im Haine dieser 
mit eigenthümlicher Eleganz geformten, hohen Bäume 
eine wahre Oase in der ernsten, öden Campagna bilden, 
und unserer Erinnerung das liebliche Bild einer gottgeweihten 
Abgeschiedenheit in reicher Natur hinterlassen. — Zwischen 
diesem Punkte und dem Stadtthor ungefähr in der Mitte 
liegt die eine der sieben Hauptkirchen Koms, das mächtige 

* Vasi 196. * D. IL 250. 5 D. IL 153 f. 

4 Vasi 43; Magnan, la Ville de Rome, 1778. Bd. IV. Abb. 28. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 243 

S. Paolo Fuori/ Goethes Beschreibung des Innern* stimmt 
noch heute in der Hauptsache^ und doch ist es ein neuer 
Bau, den wir betreten. In der Nacht vom 15. zum 16. Juli 
1823 wurde die alte ehrwürdige Basilica durch Feuer fast 
völlig zerstört,' aber der neue, von Leo XII. begonnene 
und von Pius IX. auf dem grossen Conzil von 1054 8^" 
weihte, übrigens noch heute nicht ganz vollendete Bau ist 
in allen Hauptzügen dem alten gleicngestaltet worden, nur 
noch verschwenaerischer mit fast unglaublichem Material- 
reichthum ausgestattet. Die stärkste Abweichunjg von der 
alten Gestalt liegt in der Cassettendecke, welche die einstige, 
offene auch von Goethe erwähnte Sparrendecke ersetzt 
hat. Die Raumwirkung des Innern ist auch im neuen Bau 
eine der grossanigsten in dem gerade an solchen so reichen 
Rom, und noch neute gilt Goethes Wort: »Der Eintritt 
in die Kirche verleiht emen erhabenen Eindruck«. 

7. Das antike Rom. 

»Ein saures und trauriges Geschäfte ist es, das alte 
Rom aus dem neuen heraus zu suchen (Druckred. : »heraus- 
zuklauben«! und doch muss man es und es giebt die beste 
Freude. Nlan trifft Spuren emer Herrlichkeit und einer 
Zerstörung die beyde über unsre Becriffe gehn^ Was die 
Barbaren stehen hessen, haben die Baumeister des neuen 
Roms verwüstet«.'» Diese Worte Goethes an die Weimarer 
Freunde (vom 7. November 1786) wird der Nichtarchäo- 
loge auch heute noch unterschreiben, und doch sind nirgends 
die Veränderungen im Stadtbilde Roms so augenfällig und 
tiefgreifend, als überall da, wo es sich um antike Reste handelt. 

Ich beginne mit den Thermen. Die einzigen, deren 
Gesammtanlage erhalten ist und in ihrem ungeheuren 
Trümmer com plex immer wieder das bewundernde Staunen 
der Nachwelt erregt, sind die 212 von CaracalUiy^ dessen 
Namen sie tragen, begonnenen, von Elagabal erweitenen 
und unter Alexander Severus vollendeten, an der Via Appia, 
jedoch noch innerhalb der Stadtmauer gelegen. Der Dichter 
gedenkt ihrer flüchtig im Bericht vom Uecember 1787:* 

' Pir. QU. 10; Vasi 100 u. Buch V, S. 46 (ohne Nr.); Cassini 6; 
Magnan IV. Abb. 26. » D. II. 154. 

3 Wie sehr zeigen mehrere von Rossini im selben Jahre ge- 
stochene grosse Blatter. ^ B. VIII. 46 u. D. I. 163 f. 

5 Pir. 104 u. 105; Ven. 68—71. 

6 D. IL 15 j. Düntzer schreibt zu dieser Stelle die Anm.: »Die 
Prospecte des Giovanni Battista Piranesi hatte Goethe schon als Knabe 
im väterlichen Hause vor Augen gehabt«, während doch Goethe selber 
von den römischen Prospectetl sagt: »gestochen von einigen geschickten 
Vorgängern des Piranese« (Dichtung und Wahrheit I, i. W. A.äXVI, 17). 

16* 



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244 Abhandlungen. 



»die Trümmer der Antoninischen oder Caracallischen Bäder, 
von denen uns Piranesi so manches EfFectreiche vorgefabelt, 
konnten auch dem malerisch gewöhnten Auge in der Gegen- 
wart kaum einige Zufriedenheit geben«. Die Bemerkung 
über Piranesi scheint mir hier auf einer Verwechselung zu 
beruhen: die zwei Blätter der Vedute di Roma, welche 
dieCaracallathermen darstellen, geben nur auch dem heutigen 
Stande derselben Entsprechendes,' das eine allerdings in 
stark malerischer Auffassung. Wahrscheinlich hatte Goethe 
bei seiner Notiz die Blätter aus den Titusthermen im Sinne. — 
Viel stärker veränden hat sich die einst grösste, von 
Maximian und Diocletian Anfangs des IV. Jahrhunderts 
geweihte Bäderanlage, die Diocletiansthermen.* Goethe 
nennt sie in einem seiner ersten Briefe an die Weimarer 
Freunde (7. November 1786J neben dem Colosseum als 
»Gegenstände der stillen und ernstesten Bewunderung«.' 
Heute fast völlig verbaut, waren sie zu seiner Zeit noch 
grossentheils erhalten. In ihren Räumen war schon im 
XIV. Jahrhundert ein Karthäuserkloster gegründet worden, 
und aus dem Hauptsaale hatte Michelangelo im Auftrage 
Pius IV. die herrliche, 1561 geweihte Kirche Sta. Mana 
degli Angeli geschaffen, die leider durch Vanvitellis Umbau 
1747 ganz widersinnig entstellt wurde. Der einstige, eben- 
falls nach Michelangelos Plan erbaute und als »Hunden* 
säulenhof« bekannte Kreuzgang ist neuerdings zu einem 
weiteren städtischen Antikenmuseum eingerichtet und da- 
durch nach langjähriger klösterlicher Abgeschiedenheit 
wieder aligemein zugänglich geworden. Auch die kleine 
in emiger Entfernung gelegene Rund-Kirche S. Bemardo* 
ist ein alter Thermensaal, während aber zu Goethes Zeit, 
auch abgesehen von diesen zwei Innenräumen noch die 
Gesammtanlage der riesigen Gebäulichkeiten sich dem Auge 
klar darstellte, und einzelne Theile zwar als Ruinen und ohne 
den einst üppig reichen Schmuck ihrer Mamorbekleidung, 
aber auch onne moderne Zuthaten und Anbauten, sicht- 
bar waren, ist heute Alles verbaut, und nur die Anlage der 
Piazza delle Terme und des Bahnhofsplatzes (Piazza dei 
Cinquecento) giebt dem Wissenden nocn schwache Kunde 
von Grösse, Gestalt und Pracht der einst hier befindlichen 
Bauten. — Andere grosse Thermenanlagen sind ganz ver- 
schwunden oder nur m spärlichen Resten erkennbar, wie die 
des Constantin auf dem Qp^rinal oder die des Agrippa beim 

' Auch nach der kurzen Beschreibung bei Volkmann (II, 568) 
und der ausführlichen bei Venuti (II, 11 ff.) waren sie damals zienüich 
im gleichen Zustand wie heute. 

* Pir. 106, 107 u. 108. Ven. 51 u. 32. Moritz beschreibt sie 1. c 
m, 96 ff. 3 B. VIII, 46. 4 Vasi, Buch VII, Abb. (ohne Nr.) bei S. 30. 

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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 245 



Pantheon, deren wenige heute sichtbare Ruinen erst 1881/82 
blossgelegt wurden. Grössere Trümmercomplexe sind da- 
gegen erhalten von den 80 n. Chr. in aller Eile über Neros 
goldenem Haus auf dem Esquilin erbauten Bädern des Titus. * 
Goethe erwähnt sie in seinem Aufsatze »von Arabesken«.* 
Was wir heute als Theile derselben besuchen, was aber 
wahrscheinlich dem altern Neronianischen Bau angehörte, 
kannte er noch nicht, da erst 18 13 diese Partien ausge- 
graben wurden ; dagegen standen zu seiner Zeit noch über 
dem Boden grössere Fragmente in den umliegenden Vignen, 
die heute unzugänglich, zum Theil auch zerstört sind. 
Einen guten Ueberbfick über das noch Vorhandene gewährt 
der oberste Umgang des Colosseums. 

Zwischen Palatm und Aventin lag in der Thalsenkung 
der Circus Maximus, der einst Raum bot für 385,000 Zu- 
schauer; schon in Goethes Tagen wie heute bis auf ganz 
geringe Reste verschwunden, Hess und lässt sich sein UmTang 
noch deutlich erkennen. Nicht weit davon war zwischen 
Palatin und Tiber der antike Rindermarkt. Seinen Ab- 
schluss bildete einst der noch heute wohlerhaltene, vier- 
thorige Bogen des Janus Quadrifrons^ aus der späteren 
Kaiserzeit, und gleich daneben steht dicht angelehnt an die 
kleine Basilica von S. Giorgio in Velabro der zierliche 
Ehrenbogen, den die Wechsler und Kaufleute dieser Gegend 
dem Septimius Severus und seiner Familie errichteten.^ 
Zu Goethes Zeit standen die merkwürdigen Monumente 
noch freier und mehr im Grünen, als heute, wo sie ziemlich 
eng umbaut sind, doch liegt ein Hauptunterschied auf 
anderm Gebiete: die Reste des Aufbaus eines oberen Stock- 
werks auf dem Janusbogen, wie ihn Piranesi und andere 
alte Abbildungen zeigen, sind verschwunden. Gehen wir 
weiter dem Tiber zu, so treffen wir gegenüber der wohl- 
erhaltenen, hochinteressanten Basilika von Sta. Maria in 
Cosmedin Jenes heute weltbekannte, in seiner Zierlichkeit so 
reizvolle Rundtempelcheriy das ohne jede Gewähr den Namen 
der Festa trägt. ^ Die korinthischen Säulen, deren antikes 
Gebälk und Dach leider fehlen, waren zu Goethes Zeit 
eingemauert, sind aber heute wieder freigelegt, so dass jetzt 
nur noch die winzige alte Cella als Kirchlein dient. Wieder 
wenige Schritte weiter steht ein vortrefflich erhaltener, 
kleiner jonischer Tempel, gewöhnlich ebenfalls völlig grund- 
los der Fortuna virilis^ zugeschrieben, aus den letzten weiten 

* Pir. 109 u. 110; Ven. 36—40. * D. II. 299. 
3 Pir. 93; Ven. 2; Vasi 55; Cassini 62. ^ Yen. j. 
S Pir. 59; Ven. 74. Heute gilt die auf eine Liviusstelle (X. 23) 
gegründete Bezeichnung als Heraklestempel für die wahrscheinlichste. 
^ Pir. 60; Ven. 75. 



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246 Abhandlukgen. 



der Republik. Auch ihn sehen wir heute in viel reinerer 
Form, als ihn Goethe sah. Seine Rückwand ist freigelegt, 
und der Bau an zwei Seiten auf sein altes Niveau abgegraben 
worden, während er in des Dichters Tagen eingebaut und 
bis über die Basen der Halbsäulen hinauf verschüttet war. 
Das christliche Glockenthürmchen auf dem Dache hat wie 
beim Vestatempelchen weichen müssen, und die damals 
vermauerten Säulen der vorderen Front sind wenigstens halb 
aus ihrer Verhüllung gelöst worden; allerdings standen einst 
diese vier Säulen völlig frei: der Bau war ein Pseudo- 
peripteros mit Halbsäulen ringsum und Rundsäulen in der 
Vorhalle. Zu Goethes Zeit liessen eigentlich nur die im 
Boden steckenden sieben Halbsäulen der einen Längswand 
seine Gestalt ahnen, während sie uns heute fast völug rein 
vor Augen steht. Das einst überaus reizvolle Gesammtbild 
dieser nahe beisammen stehenden Monumente ist durch die 
neue dazwischen zum Ponte Rotto emporführende Strasse 
gänzlich zerstört worden. 

Setzen wir unsem Weg nach Norden fort, so kommen 
wir bald zu den Resten des von Caesar begonnenen und 
13 V. Chr. von Augustus beendeten Theater aes Marcellus,^ 
dessen Umfang und Gestalt noch deutlich erkennbar, 
von dessen Architectur aber nur ein Stück der dreige- 
schossigen, wie am Colosseum mit Halbsäulen der drei 
Ordnungen geschmückten äussern Umfassungsmauer erhalten 
ist, heute noch wie in Goethes Tagen völlig eingebaut, 
sodass, mag sich auch Platz und Umgebung nicht unbe- 
deutend verändert haben, der Eindruck des Monumentes 
derselbe geblieben ist. In den untersten Bogen an der 
immer belebten Piazza Montanara hausen allerlei Gewerbe. 
Ganz nahe dabei, einst in Via di monte Savello, jetzt an der 
erweiterten Piazza Montanara, lag die heute nicht jnehr be- 
stehende Osteria,* in der eine alte Tradition eine von Goethe 
oft besuchte Weinschenke sah, dieselbe, die er in Versen 
seiner XV. römischen Elegie verherrlicht haben soll.' 

Nordwestlich schloss sich ans Marcellustheater der heute 
niedergelegte Ghetto. An seinem Beginn stand das natür- 
lich erhaltene Kirchlein S. Angelo in reschiera, in welchem 
die Juden seit 1584 bis aufPius IX. an bestimmten Tagen 
Bekehrungspredigten anhören musten. Es ist eingebaut in 

* Pir. 102; Ven. 78. * Aeltere Hausnummer 78, neuere 42. 

) Goethes Werke. W. A. 1. 253. Vgl. die Notiz »Die Goethe-Kneipe 
in Rom« in der Chronik des Wiener Goethe-Vereins, Jahrg. 3 (Band II) 
Nr. 3 (S. 12), sowie »Goethe-Gedenkstätten in lulien«, ebd. Jahrg. 6 
(Band V), Nr. 2 (S. 9). ' Noch jetzt befindet sich die von König Ludwig I. 
errichtete Gedenktafel an Ort und Stelle, obgleich der Raum längst 
andern Zwecken dient. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 247 

den antiken Porticus der Oktavia,^ jene prächtige Halle, die 
Augustus an Stelle eines älteren Baues im Namen seiner 
Schwester weihte und die nach einem Brande von Septinjius 
Severus und Caracalla hergestellt wurde. Auch hier sind, 
so sehr sich die ganze Umgebung verändert hat, die wenigen 
Reste des alten Prachtbaus noch heute dieselben, wie sie 
Goethe sah. 

Von diesen halb-, dreiviertel- und noch mehr zerstörten 
Bauten aus der Glanzzeit Alt-Roms wenden wir uns zu dem 
besterhaltenen Bau derselben, :(um Pantheon^ »Das grösste 
Werk der innern Grossheit nach«' nennt es Goethe kurz 
nach der Ankunft, im Gegensatze zum grössten dem Maasse 
nach, der Peterskirche, und in der Ital. Reise ^ redigirt er 
die Stelle um in den Satz: »Hier hat mich die Rotonda, so 
die äussere wie die innere, zu einer freudigen Verehrung 
ihrer Grossheit bewogen«. In einem Briefe an Herder vom 
2. December 1786 ^ rechnet er es zu den wenigen Werken, 
die »so mein Cemüth eingenommen, dass ich daneben fast 
nichts mehr sehe«, und am 2. Februar 1787 nennt er Frau 
v. Stein,* der er von der Schönheit Roms im Vollmond 
spricht, das Pantheon ausdrücklich: man müsse es so be- 
leuchtet sehen. An Stelle des älteren durch einen Brand 
zerstörten Baues des Agrippa, dem wahrscheinlich die Vor- 
halle noch zugehört, errichtete Hadrian zwischen 120 und 
ijo die noch heute dastehende Rotunde, deren Bestimmung 
nicht völlig klargelegt ist, und die in des Dichters Tagen 
als Tempel des Zeus Ultor und aller Götter ^ galt; heute 
dürfte die Auffassung, dass sie denjenigen Göttern, die 
als besondere Stützen der Augusteischen Monarchie be- 
trachtet wurden, geweiht war,* am meisten Wahrschein- 
lichkeit für sich haben. Sie wirkt noch heute auf jeden 
Empfänglichen wie eine Offenbarung. Aber selbst diese 
Offenbarung vollendeten Maasses und in sich selbst be- 
friedigter Harmonie erhalten wir reiner als Goethe zu seiner 
Zeit. Nicht nur ist das alte Niveau des Bodens rings 
um den Bau wieder aufgedeckt worden, es ist auch, was 
viel wichtiger, 1883 jene lästerliche Verunstaltung, welche 
Bernini unter Urban VIII. (Barberini) durch die in der 
Kunstgeschichte mit dem wohlverdienten Spottnamen der 
»Eselsohren des Bemini« fortlebenden zwei Ölockenthürme 



» Pir. 68 u. 69; Ven. 91. 

2 Pir. 28, 71-74; Ven. 86. 3 B. VIII. 45. 4 D. I. 169. 

5 B. VIII. 75 vgl. D. I. 186. 6 B. VIII. 161 u. D. I. 222. 

7 V. II. 317. 

^ Dass man es nicht mit einem Prachtsaal der anstossenden 
Agrippathermen zu thun hat, ist durch die neueren Ausgrabungen fest- 
gestellt, da nach diesen keine Verbindung zwischen beiden bestand. 



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248 Abhandlungen. 



verübt hatte, entfernt und so die alte ernste Hoheit des 
Baues wiederhergestellt worden. 

Wir setzen unsere Wanderung fort zu den Kaiser- 
foreriy zunächst zu dem des Trajan.^ Auch heute ist nur 
ein kleiner Theil davon ausgegraoen, immerhin genug, um 
die Lage der fünfschifEgen Basilica Ulpia und die einstige 
Pracht ihrer Ausführung zu erkennen. Vor der Mitte ihrer 
nordwestlichen Langseite steht die 113 dem Kaiser errichtete 
Säule, deren Postament sein Grabmal bildete. Goethe hat 
sie am 23. Juli 1787* bestiegen; schon auf der Reise hatte 
er am 6. September 1786 in der Gemäldegallerie zu München 
»das vornehme Spielwerk, die Colonna Trajana im Modell« 
in seinem Reisetagebuch angemerkt. ' In Rom war zu 
seiner Zeit nur die allernächste Umgebung der Säule frei- 

felegt, und die Häuser rückten im Westen ganz nahe an 
ieselbe heran, sodass auch die beiden Kirchen, welche 
den Platz heute beherrschen, die grössere barocke del Nome 
di Maria (1683) ^^^ der anmuthige kleine 1507 von Am. 
da Sangallo d. J. begonnene, leider durch die viel zu grosse 
barocke Laterne verunstaltete Renaissancebau der Sta. Maria 
di Loreto, m der theilweise engen Strasse nicht recht zur 
Geltung kamen, jedenfalls der heutige malerische Eindruck 
des ganzen Platzes, zu dem sich die beiden Kuppelkirchen 
mit der schlanken Säule so reizvoll zusammenordnen, völlig 
wegfiel. — Imposanter sind die Reste des Augusttisforums/ 
zunächst jene drei 18 Meter hohen Säulen aus carrarischem 
Marmor, die der Langseite des Mars-Ultor-Tempels an- 
gehören, und in ihrer prächtigen und doch maassvollen 
Ausführung als die schönsten erhaltenen Säulen des antiken 
Roms gelten dürfen. Dahinter erhebt sich noch ein grosses 
Stück der aus gewaltigen Peperinauadem gefügten, riesigen 
Grenzmauer des Forums, in welche das Nonnenkloster der 
Anunziata verbaut ist. Auch eine gewaltige Rundnische 
rechts von den Säulen ist in neuerer Zeit bis auf den antiken 
Marmorfussboden freigelegt worden. Die Aufschüttung des 
Bodens über dem alten Niveau beträgt hier bis zu beinahe 
7 Metern; auch die Basen der Säulen sind erst neuerdings 
ausgegraben, so dass sie nun in ihrer ganzen Schönheit 
wirlcen; zu Goethes Zeit steckte etwa ein Viertheil des 
Schaftes in der Erde. Venuti und Piranesi betrachten sie 
als zu dem Forum des Nerva gehörig, das in Wahrheit 
südöstlich davon, aber allerdings direct anstossend gelegen 
war. Wirklich zu diesem und zwar zu seiner Umfassungs- 
mauer gehören dagegen die sog. Colonnacce, ^ jene zwei 

' Pir. u u. 52; Ven. 25. 

» D. II. 61. 3 Tagebücher W. A. I. 153 u. D. I. 7. 

^ Pir. 96; Ven. 23. s Pir. 97; Ven. 22. 

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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 249 

eleganten, wohl bis zur Hälfte des Schaftes verschütteten, 
korinthischen Säulen, mit dem fast überreich durch Reliefs 
geschmückten Gebälke. Ist auch in der Umgebung vieles 
verändert (ganz nahe dabei bricht die neue breite Via Cavour 
durch), die direct anstossenden Häuser sind noch heute die 
alten, und das kleine durch den Reichthum seines Schmuckes 
zu längerm Verweilen einladende Bauwerk zeigt sich uns 
noch genau so, wie es Goethe geschaut hat. 

Goethe erzählt im Februarbericht 1788 von einer Ein- 
ladung zu einem Concert beim Fürsten Rezzonico, dem 
damaligen Senatore di Roma, in dessen Wohnung, dem 
capitohnischen Palaste, und beschreibt da die Aussicht nach 
dem Campo Vaccino.' Dieser Gegend wenden auch wir 
uns nun zu, das genannte Campo Vaccino* ist das antike 
Forum Romanum. Blicken wir heute von der gleichen Stelle 
hinunter, so schauen wir ein ganz verändertes Bild. Statt 
des grünen mit Bäumen besetzten Planes, auf dem neben 
veremzelten antiken Ruinen und kleinen mittelalterlichen 
Bauten ein Brunnen rauschte und friedliche Rinderheerden 
weideten, ein weites, schwer zu enträthselndes Trümmer- 
feld. Wir sind da angelangt, wo der Unterschied zwischen 
dem, was Goethe sah und dem, was wir heute an gleicher 
Stelle sehen, am grössten und augenfälligsten ist. Denn erst 
in unserm Jahrhundert erfolgten hier eigentlich archäo- 
logische Grabungen: 1803 wurde der Severusbogen, 1813 
die Phocas*Säule, 1816—1819 die Tempel am Fusse des 
Capitols, endlich 1835 ^^^ ^^4^ ^i^ Theil der Basilica Julia 
blossgelegt. Seit 1071 werden die Arbeiten durch die ita- 
liänische Regierung nach einheitlichem Plan und consequent 
betrieben, und heute ist der weitaus grösste Theil des 
Forums aufgedeckt. Das einstige Niveau des Campo Vac- 
cino lag bis zu 13 Meter über dem antiken Pflaster. Wir 
wenden uns den einzelnen Monumenten zu, die schon zu 
Goethes Zeit sichtbar waren. Am Fusse des Capitols stehen 
zunächst drei, die Ecke eines Tempels bezeichnende Säulen ; 
sie stammen vom Tempel des Fespasiariy^ der mit seiner 
Rückseite an das in den Fundamenten des Senatorenpalastes 
grossentheils erhaltene antike Staatsarchiv, das Tabularium, 
stiess. Zu Goethes Zeit staken sie fast zu drei Vier- 
theilen in der Erde und galten als dem Tempel des Jupiter 
tonans angehörig. Heute stehen sie nicht nur vöUig frei, 
sondern auch der ziemlich hohe Unterbau ist blossgelegt. 
Wichtiger ist, was vom Saturnstempel erhalten ist, der unter 
Augustus an Stelle eines älteren von Munatius Plancus 



« D. U. 236 f. « Pir. 79. 83 u. 84. 
3 Pir. 80; Ven. iq. 



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250 Abhandlungen. 



errichtet wurde. Die acht stattlichen Säulen der Vorhalle 
stehen noch aufrecht, die Ausgrabungen haben auch den 
5 Meter hohen Unterbau und Reste der einst hinaufführenden 
Freitreppe zu Tage gefördert. Zu Goethes Zeit boten diese 
8 Säulen, die damals als Ueberreste des Hn Wirklichkeit 
nördlich davon gelegenen) Concordiatempels* galten, einen 
höchst .maleriscnen Anblick; dicht an die zum Theil bis 
hoch über ihre Basen verschütteten rückte eine Häusergruppe 
heran, in die sie sogar zum Theil eingebaut waren, und 
zwischen den Colossen hatte sichs ein kleines Gänchen 
bequem gemacht. Das Bild, wie es Piranesi u. A. fest- 
gehalten nahen, ist so voll malerischen Reizes, dass man 
seinen Verlust wohl bedauern darf. 

Wir gehen weiter zu dem 203 n. Chr. errichteten 
Bogen des Septimius Severus^* der heute bis auf das antike 
Pfkster der unter ihm hindurchführenden Via sacra ausge- 
graben, zu Goethes Zeit tief im Boden steckte, so dass nur 
das grosse Mittelthor passirbar war, während die beiden 
kleinen seitlichen gegen das Campo Vaccino hin, wo die 
Erde bis über die Basen der 4 Säulen hinaufreichte, mit 
Bretterverschlägen geschlossen waren. So sah ihn Goethe, 
als er vom Senatorenpalast herunterblickte, so, als er an 
einem der letzten Abende seines römischen Aufenthaltes 
noch einmal im Mondschein die heilige Stadt durchwanderte: 
»Ganz finster, finstern Schatten werfend, stand mir der 
Triumphbogen des Septimius Severus entgegen ; in der Ein- 
samkeit der Via Sacra erschienen die sonst so bekannten 
Gegenstände fremdartig und geisterhaft«.' — Nur wenige 
Schritte entfernt erhebt sich, damals noch mit der Basis 
direkt auf der Erde, heute auf dem hohen zugehörigen 
Unterbau ruhend, das letzte Denkmal, das im ausgehenden 
Altenhum an dieser denkwürdigen Stätte gesetzt wurde, 
die 608 errichtete Phocas-Säule.^ Die grossanige Basilica 

iulia, deren Grundriss wir in den Resten heute so klar er- 
ennen, schlummerte damals noch in der Erde einer späteren 
Erweckung entgegen, das nächste Monument waren jene 
einsamen drei Säulen des Dioskurentempels,^ der, einer der 
berühmtesten der Republik, schon 496 v. Chr. geweiht 
wurde. Die erhaltenen Säulen von prächtigem parischen 
Marmor rühren vom Neubau des Tiberius her. Auch sie 
steckten zu Goethes Zeit so tief im Boden, dass nicht einmal 
die Basen freilagen, heute heben sie sich mächtig heraus 

* Pir. 81 u. 82 ; Ven. 18. Man vgl. auch die anmuthige kleine, von 
Bcrger gestochene Ansicht auf dem Titelkupfer des I. Bandes von Moritz, 
Reisen eines Deutschen in Italien, sowie dessen Beschreibung bes. 1. 224. 

* Pir. 85 u. 90; Ven. 16; Cassini 59. 3 D. IL 276. 

4 Pir. 85; Ven. 18. S Pir. 83 u. 84; Ven. 15; Vasi 54. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. ' 251 



auf hohem Unterbau, zu dem einst eine Freitreppe von 
18 Stufen hinaufführte. Und ähnliches gilt von den zehn 
Säulen, die einst die Vorhalle des Tempels des Anioninus 
und der Faustina* bildeten, in dessen Cella die Kirche 
S. Lorenzo in Miranda eingebaut ist ; »sie sind ungefähr bis 
auf ein Drittel verschüttet«, sagt Volkmann;* 1807 und 1810 
wurden sie völlig freigelegt, — Weithin beherrscht den 
Platz die mächtige Constanttnsbasilika, ' neben Pantheon und 
Colosseum der imposanteste erhaltene Bau des alten Roms. 
Goethe kannte sie unter dem Namen des Friedenstempels 
und nennt sie in jener Schilderung der Aussicht vom CapitoL* 
Die drei noch stehenden Gewölbe bildeten nur das eine 
Seitenschiff, das mit einem Tonnengewölbe überspannte 
Mittel- und das jenseitige Seitenschiff sind bis auf dürftige 
Reste verschwunden. Diese durch die Schönheit der riesigen 
Verhältnisse, wie die Kühnheit der Construction packende 
Anlage des Ganzen war zu Goethes Zeit noch unKlar, und 
die damals herrschende Auffassung als Tempel oder, wie 
Andere wollten, als Thermensaal völlig irreführend. Von den 
gewaltigen 8 Marmorsäulen, die das Innere schmückten, ist 
nur jene einzige erhalten, die Paul V. 1614 durch Carlo Maderna 
vor Sta. Maria Maggiore,wo sie heute noch steht,errichten Hess. 
Legen wir eine moderne Photographie des Tilusbogens 
neben ältere Abbildungen,/ etwa die zwei Blätter Piranesis, 
so ist im ersten Augenblick der Zweifel, ob wirklich da 
dasselbe Monument dargestellt sei, wohlberechtigt. Stand 
doch zu Goethes Zeit nur der innere Thorbau noch auf- 
recht, eingehüllt in mittelalterliches Mauerwerk (er hatte 
den Frangipani als Festung dienen müssen) und einerseits 
angebaut. Als diese Zuthaten 1822 unter Pius VII. ent- 
fernt wurden, drohte der Einsturz und machte eine völlige 
Restauration nöthig, so dass an dem heute dastehenden 
Monumente nur der kleinste mittlere Theil alt ist. Auch 
von dem gut erhaltenen Constantinsbogen^ sei gleich bemerkt, 
dass er, aer ebenfalls lange von den Frangipani als Burg 
benutzt worden war, zwar zu Goethes Zeit schon von den 
mittelalterlichen Zuthaten gereinigt war, aber noch bis etwa 
in die Mitte der unter den vortretenden Säulen befindlichen 
Postamente in der Erde steckte und erst 1804 völlig frei- 
gelegt wurde. — Hatte Goethe schon gleich nach seiner 
Ankunft im Brief vom 7. November 1786^ das Colosseum^ 

« Pir. 86; Ven. 14. 

* V. IL 525. 3 Pir. 87 u. 88; Ven. 12 ; Cassini 7$. ♦ S. oben S. 249. 
5 Pir. 91 u. 92 ; Ven. 7; Cassini 60. ^ pir. 94; Ven. 13 ; Cassini 61. 
7 B. VIII. 46. 

* Pir. 98, 99, 100 u. loi; Ven. 10; Cassini 6? u. 64; unter den 
römischen Irospecten in Goethes Vaterhaus befana sich auch der des 



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252 Abhandlungen. 



oder wie er in französischer Form schreibt »das Colisee« 
mit den Diokletiansthermen als »Gegenstände der stillen 
und ernstesten Bewunderung« genannt, so spricht er sich 
schon am ii. des gleichen Monats in eigentlich Alles er- 
schöpfenden Worten an Herder' über den Bau aus. Die Ver- 
änderungen des Monumentes, von dem eine alte Prophezeiung 
sagt, dass an sein Bestehen das Bestehen Roms, an dieses 
aber das Bestehen der Welt geknüpft sei, sind beträchtlich 
genug seit jener Zeit, und doch sprechen sie in dem ge- 
waltigen Gesammtbilde kaum mit. Seit 1741 war es durch 
ein Breve Papst Benedikts XIV. vor weiterer Zerstörung 
geschützt, nachdem es Jahrhunderte lang als Steinbruch ge- 
dient und z. B. für Gebäude von der Ausdehnung eines 
Palazzo Venezia, eines Palazzo Famese, einer Cancelleria 
mit seinen Traveninquadern einen großen Theil des 
Materials hatte liefern müssen, aber erst die Päpste unseres 

iahrhunderts, besonders Pius VII., Leo XII. und Pius IX. 
aben viel für seine Erhaltung gethan. So sind erst nach 
Goethes Zeit jene schrägen Stützmauern, die weiterm Ein- 
sturz wehren, aufgeführt und schon zerfallene Theile, be- 
sonders gegen den Monte GeÜo hin, wieder aufgebaut 
worden; überhaupt wurde das Ganze einer sorgfältigen 
Restauration unterzogen und ringsum auf das alte Niveau 
abgegraben, so dass dies gewaltigste Ueberbleibsel der 
römischen Weltherrschaft in seinem jetzigen Bestände ge- 
sichert sein dürfte. Augenfälligere Veränderungen noch smd 
mit dem Innern vorgegangen. Eine kleine der Madonna della 
pietä gewidmete Kirche war am süd-östlichen Ende der 
Hauptachse eingebaut (»ein Eremite wohnt an einem 
Kircnelchen drinne, und Bettler nisten sich in die zerfallenen 
Gewölbe« schreibt Goethe am 2. Februar 1787 Frau von 
Stein*); vierzehn kleine Altäre, »elende Kapellen«, wie 
Volkmann sagt,' waren rings in der Runde, ein grosses 
Crucifix in der Mitte errichtet worden, da die Arena durch 
das darin vergossene Märtvrerblut geheiligt, von Bene- 
dikt XIV. geweiht war. Alle diese Zuthaten wurden 1874 
erst entfernt, und seitdem ist auch ein grosser Theil der 
Arena aufgegraben worden, wodurch ausgedehnte, höchst 
interessante oubstructionen und Räumlichkeiten aufgedeckt 
wurden, die theils als Behälter der wilden Thiere, theils 
aber zur Vorbereitung und zum Emporsteigenlassen des 
scenischen Beiwerks der Spiele gedient haben mögen. Der 
Gesammteindruck des Innern war jedenfalls vor diesen Auf- 

Colosseums, gestochen von Alessandro Specchi (f 17 10), dem Erbauer 
des Hafens der Ripetta (S. oben S. 228 f.). Vgl. S. 225, Anm. 2. 

» B. VIII. 53 u. D. I. 171. 

* B. VIII. 161 ; vgl. D. I. 222. 3 V. IL 168. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 253 



Grabungen, die nie für den Anblick berechnete Theile ans 
Licht zogen und das Bild der geschlossenen Arena als 
solches zerstörten, einheitlicher und reiner. 

Kurz fassen darf ich mich über den Palatin^ und die 
Ruinen der Kaiserpaläste, deren Anblick von den ver- 
schiedenen Punkten der Umgebung aus zu Goethes Zeit 
ziemlich dem jetzigen entsprochen haben mag. Anders 
allerdings verhält es sich, sobald wir den klassischen Hügel 
selbst besteigen und ins Einzelne gehen. Zwar sind schon 
1726 unter Bianchinis^ Leitung bedeutende Ausgrabungen 
gemacht worden, aber die planmässige Aufdeckung datirt 
erst seit 186 1, wo Napoleon III. die den weitaus grössten 
Theil des Areals bedeckenden famesianischen Gärten ankaufte 
und durch Pietro Rosa (1810 — 189 1) die Ausgrabungen leiten 
liess; im December 1870 erwarb die italienische Regierung 
den Besitz und hat seitdem die Nachforschungen in con- 
sequenter Weise fongefühn bis zu seinem Tode ebenfalls 
unter Rosas Direction, wobei eine UeberfüUe von Einzel- 
heiten zu Tage gefördert wurde, deren sichere Bestimmung 
noch vielfach zweifelhaft ist. Die einst prachtvollen in ihren 
architectonischen Theilen von Vignola erbauten Orti farne- 
siani,' die Paul III. aus dem Hause Famese 1534— 1540 
hatte anlegen lassen, sind dabei immer mehr zerstört 
worden, und nur ein kleiner Theil des gegen das Forum 
gelegenen Terassenbaues und einige wenige noch unbe- 
rührte Gartenpartien erzählen noch von ihrer einstigen 
Herrlichkeit. Unvergleichlich schön sind heute wie damals 
die Aussichten, die man von den verschiedenen Punkten 
des Palatins aus hat, auf kleinem Räume von grösster Ab- 
wechslung. Goethe nennt im Briefe an Herder vom 10. No- 
vember 1786* die Ruinen der Kaiserpaläste »wie Felsen 
dastehend« und gibt im Septemberbericht 1787^ eine an- 
muthige Schilderung des Ganzen. 

»Heut hab ich die Nymphe Egerie besucht, dann die 
Rennbahn des Caracalla, die zerstörten Grabstätten längst 
der Via Appia und das Grab der Metella, das einem erst 
einen Begriff von solidem Mauerwerk giebt. Diese Menschen 
arbeiteten für die Ewigkeit, es war auf alles calculirt, nur 
auf den Unsinn der Verwüster nicht, dem alles weichen 
mnsste«. So schrieb Goethe am 11. November 1786 an 



* Ven. 4, 5 u. 8; Moritz 1. c. III. 119 ff. 160 f. 247. 

* Francesco Bianchini (1662— 1729) aus Verona, berühmt als 
Astronom und Alterthumsforscher; erst 1738 erschien zu Verona sein 
{[Fosses Foliowerk »Del palazzo de' Cesari«, herausgegeben von seinem 
Neffen Giuseppe Bianchini, den ich früher als Verfasser des Textes 
zu Vasis »Magnificenze di Roma« erwähnte (vgl. S. 219). 

J Vasi 197. 4 B. VIII. 51 u. D. I. 169. s D. II. 100. 



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254 Abhakdlungen. 



Herder* und auch auf diesem Spaziergang wollen wir den 
Dichter noch begleiten. Die sog. Grotte der Egeria,* ein 
antikes Nymphacum vor Porta S. Sebastiano ließt noch 
heute wie damals in einem lieblich grünen und stillen 
Thälchen der Campagna verborgen, und war noch vor 
wenigen Jahren ein Ort von so eigenthümüchem Zauber, 
dass das Missverständniss einer Juvenalstelle (III, ii), wo- 
durch er zu seinem falschen Namen gekommen war, gern 
entschuldigt wurde. Das nischengeschmückte Gewölbe, die 
einsame Gegend, das klare aus der Rückwand hervor- 
quellende Bächlein und der heimliche Duft, den Feuchtig- 
keit, Wasserpflanzen und moderndes Gestein verbreiteten, 
all das stimmte gar wohl zu jener mystischen Göttin, der 
König Numa seine weisen Gesetze verdankte. In neuster 
Zeit ist leider der kleine Bau »gereinigt«, d. h. von allem 
Grün entblösst und damit seines grössten Reizes beraubt 
worden. Gleich darüber liegt ein kleiner Hain immergrüner 
Eichen, das bosco sacro, das die deutschen Künstler vor 
Jahren durch Ankauf der drohenden Abholzung entzogen 
und der deutschen Regierung geschenkt haben, und ganz 
in der Nähe ein reizender kleiner, wahrscheinlich als Mau- 
soleum zu erklärender antiker Bau, der seit dem XL Jahr- 
hundert als christliches Kirchlein S. Urhano] heisst. Von 
hier aus querfeldein ist bald der grosse Circus^ erreicht, 
der damals meist als der des Caracalla erklärt wurde, unter 
welchem Namen ihn auch Goethe kennt. Er gibt im De- 
cemberbericht 1787 ^ eine längere, auch heute noch durch- 
aus zutreffende Scnilderung, hier hat sich nichts verändert 
als der Name; 1825 wurde die Rennbahn als die des 
Maxentius festgestellt, der sie 311 n. Chr. errichtete. Nabe 
dabei erhebt sich ein massiger Rundbau nCaecilia MeteUa^ 
dein trutzig Todtenmal«, wie Scheffels Trompeter singt, zu 
Goethes Zeit noch mehr als heute umgeben von jenen 
Bauten des XIII. Jahrhunderts, womit die Gaetani sich hier 
eine feste Bui^ geschaffen, und von denen auch jetzt noch 
ansehnliche Rumen, darunter die einer Kirche aufrecht 
stehen. Von dieser Festungsanlage rührt auch der Zinnen- 
kranz auf dem Grabmal her, das noch heute im Volks- 
munde nach seinem Reliefschmuck, den Stierscbädeln 
zwischen Blumenkränzen, »Capo di bove« heisst. Die welt- 



« B. VIII. 53 u. D. I. 170. 

* Pir. 64 ; Yen. 64. Eine hübsche kleine Vedute der Egeriagrotte 
und des Grabmals der Caecilia Metella gibt das von D. Berger ge- 
stochene Titelkupfer zum III. Bd. von Moritz, Reisen eines Deutschen 
in Italien } die Beschreibung dazu III. 186 ff. 

3 Pir. 61 u. 62; Ven. 63. 4 Ven. 65. s D. II. 154 f. 

« Pir. 113; Ven. 67. 



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Das Stadtbild Roms zur Zeit Goethes. 255 

berühmte Via Appia geht nicht mehr wie in des Dichters 
Tagen unter einem Bogen des mittelalterlichen Gemäuers 
hindurch; dieser ist niedergelegt, und frei und breit führt 
sie neben dem antiken Bau vorüber. Er ist nur eines, aller- 
dings das grösste und besterhaltene der vielen antiken 
Gräber, welche die Via Appia meilenweit geleiten *. Manche 
davon waren zur Zeit Goethes noch in besserem Zustande 
als heute, andere wieder, damals ganz zerfallen, sind seit- 
dem wieder aufgerichtet und die erhaltenen Fragmente 
der Bekleidung und des Reliefschmucks wieder eingemauert 
worden. Der Blick, nach allen Seiten frei, schweift hier 
von der ewigen Staat im Rücken über die weite trümmer- 
besäte Ebene mit den Aquaedukten hin zu den prächtigen 
Formen und Farben der Sabiner- und Albanerberge, und 
ein Gang hier hinaus, je weiter desto besser, gehört zum 
Erhabensten, was der Mensch erleben kann. 

Ernst stimmt diese Natuir, die nichts Kleinliches kennt, 
ernst diese jeden Schritt begleitenden Zeugen des Todes 
und der Vergänglichkeit alles Menschlichen, und mit einem 
ernsten Bilde möchte ich schliessen, wenn ich noch einmal 
zurückführe bis zu einem Thore der Stadt. Dicht bei 
Porta S. Paolo liegt die Cestiuspyramide,* das Grab des 
12 V. Chr. verstorbenen Cajus Cestius. Goethe hat sie mehr- 
fach besucht. Er schrieb am 16. Februar 1788 an Fritz von 
Stein:' »Du schriebst neulich von einem Grab der Miss 
Gore bei Rom, Vor einigen Abenden, da ich traurige 
Gedanken hatte, zeichnete ich meines bei der P3rramiae 
des Cestius«. An ihrem Fusse wurde im Anfang unseres 
Jahrhunderts ein kleiner protestantischer Friedhof angelegt, 
1825 erweiten. Heute trägt eines seiner Gräber »bei der 
Pyramide des Cestius« den Namen des Dichters: 18^0 
wurde hier sein Sohn August von Goethe zur letzten Rune 
bestattet. Als der greise Vater die Nachricht erhielt, sagte 
er tief erschüttert zum Kanzler von Müller: »non ignoravi 
me monalem genuisse«. Uns aber wird der grösste Name 
der deutschen Poesie hier, wo er einfach und schmucklos 
auf einem Grabstein steht, vielleicht tiefer ergreifen, als 
in jener pomphaften Inschrift, die wie oben erwähnt, das 
vom Dichter einst bewohnte Haus im Corso bezeichnet. 



* Einige davon Pir. 114; Ven. 46. Andere bei Piranesi, le Antichitd 
Romaöe II, Tafel 47 und III, Taf. 15. 

* Pir. III u. 112; Ven. 72. ' B. VIII, 352. Vergl. auch Goethes 
Gespräche, ed. W, von Biedermann. Bd. X, 17. 




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6. 

Goethes Tod und Wien. * 

Von 

Robert F. Arnold. 




jie im Folgenden erörterten culturellen Thatsachen 
stehen zu Goethe zwar nur in secundären und 
mittelbaren Beziehungen; um ihn selbst wird es 
sich indessen insofern handeln, als die Art und Weise, wie 
Wien auf seinen Tod reagirte, nicht nur für die Oester- 
reicher des Vormärz, sondern auch für die Intensität der 
von dem Dichter bei seinen Lebzeiten ausgeübten Fem- 
wirkung charakteristisch sein muss. Jede auf solchen Ge- 
bieten neu gewonnene Erkenntniss ergänzt das Bild des 
Dichters ebenso wie die Geschichte des Publikums. 

Zweimal kurz vor dem Hinscheiden Goethes erschüttert 
der Tod eines Mannes von allseitig anerkannter Genialität 
dieCulturwelt: 1821 stirbt Napoleon, 1824 Byron. Wir können 
hier, so verlockend es wäre, nicht ausführen, welcherlei 
psychologische Erscheinungen solche Geschehnisse bei ihren 
Zeitgenossen auslösen: es genüge zu bemerken, dass die 
Trauer des Welttheils in diesen beiden Fällen einen politisch 
oppositionellen und wesentlich literarischen Charakter auf- 
wies. Leichenfeierlichkeiten, Denkmäler, öffentliche Actionen 
irgendwelcher Art verboten sich von selbst; aber um 



' Vortrag, gehalten im Wiener Goethe- Verein 30. Octobcr 1896. 

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Goethes Tod und Wien. 257 

Napoleon klagen Beranger und Manzoni, um Byron, auf 
den sich dann der ganze nero-worship überträgt, Lamartine 
und Goethe. Unzählig sind die Gelegenheitsgedichte und 
Zeitungsartikel.' Die neue Erfindung des Steindrucks trägt 
die Bilder der Todten in jedes Haus. Eine eigene, von 
heutiger Mache sehr abweichende, weil vorwiegend lyrisch- 
elegische schriftstellerische Technik entwickelt sich für den 
Verkehr lebender Zwerge mit den todten Riesen. Man 
macht die alte Form des Todtengesprächs wieder mobil;* 
Freunde und Gegner beeifern sich, persönliche Beziehungen, 
Gespräche, Briefe zu veröffentlichen ; die slavischen Völker 
betheiligen sich zum erstenmale literarisch an inter- 
europäischen Culturereignissen. Als Goethe, Napoleon und 
Byron überlebend, stirbt, findet all dies, den Verhältnissen 
entsprechend modificirt, auch auf ihn Anwendung, und 
als besonders, charakteristisches Moment treten die Theater- 
feierlichkeiten hinzu, deren Tradition tief in das 18. Jahr- 
hundert zurückreicht: das Parterre ist das Parlament jener 
ly-perliterarischen Zeit und fast überall Brennpunkt der 
Gesellschaft. So insbesondere in Weimar, wo am Tage 
nach Goethes Beerdigung (27. März) eine Bühnenkund- 
gebung als erste in einer langen Reihe stattfand. Man 
spielte den Tasso; nach den Schlussworten erschien das 
ganze Theaterpersonal »in altitalienischem Trauercostüm« 
auf der Bühne, und der Darsteller des Helden sprach, an 
jene Worte vom zerbrochenen Steuer anknüpfend, einen 
weniger schönen als tief und treu empfundenen Stanzen- 
Epilog des Kanzlers von Müller, in welchem auch Schiller 
gebührend erwähnt wurde: damit war der Ton für alle 
ähnlichen Schöpfungen angegeben.' Schon 2 Tage später, 
also eine Woche nach dem Tode Goethes, folgte Dresden : 
an eine Iphigenien-Aufführung schloss sich Beethovens 
Egmont-Sympnonie, an diese eme schöne Dichtung Tiecks, 
den Menschen, den Forscher, den Dichter und natürlich 
besonders den Bühnendichter feiernd; Carl und Emil 
Devrient sprachen die mächtigsten Stellen,* Goethische 
Gestalten umgaben die Büste des Dichters. (Die klugen 
Dresdner suchten den Namen Schillers vergeblich in dem 
Epilog, und einer legte ein poetisches Veto gegen die 
Unterlassungssünde em.) Am 10. April folgte das König- 
städtische Tneater in Berlin unter wenig erfreulichem Zu- 
sammenwirken Holteis und Spontinis,^ oald darauf Nürn- 

' Vgl. Euphorion, 2. Ergänzungsheft S. 89. » Ebda. S. 83. 

5 Augsburger Allg. Ztg. Nr. 94; Wiener Zeitschrift für Kunst, 
Literatur, Theater und Mode, 12. April; Theaterzeitung, 14. April. 

4 Tieck, Gedichte (1841), S. 586 ff.; W. Ztschr. 5. Mai, 7. Juni; 
Theaterztg. 14. Apr. 5 Holtei, Theater (1867) 3, i. Augsburg schon 5. Apr, 

Gobtmi-Jahrbvcr XVni. 17 



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258 Abhandlungen. 



berg mit einer »Akademie«, Leipzig, Dusseldorf (24. Apr., 
Immermann), München (21. Juni, E. v. Schenk) u. v. a. 
Städte.' »Wüssten wir doch nicht zu klagen«, klang es 
überall durch, »neidend singen wir dein Loos«. — Dann 
horchte man auf die Stimme des Auslandes; die geist- 
reichen Nekrologe des »Temps«, der »Dibats«, des »Athe- 
naeum« machten die Runde durch alle Blätter- manche 

f rosse und schier alle kleinen Schriftsteller huldigten am 
arge, und den erhabensten und würdigsten Ausdruck der 
Nationaltrauer fand, wie zu erwarten, die Wissenschaft: 
Wilhelm von Humboldt (im Verein der preussischen Kunst- 
freunde)* und Schelling in der bayrischen Akademie,' 
unmittelbar nach dem Eintreffen der Todesbotschaft. »Es 
gibt Zeiten«, sprach Schelling, »in welchen Männer von 
grossartiger Erfahrung, unerschütterlich gesunder Vernunft 
und einer über aUen Zweifel erhabenen Reinheit der Ge- 
sinnung, schon durch ihr blosses Dasein erhaltend und be- 
kräftigend wirken. In einer solchen Zeit erleidet — nicht 
die deutsche Literatur bloss, Deutschland selbst, den 
schmerzlichsten Verlust, den es erleiden konnte. Der Mann 
entzieht sich ihm, der in allen innem und äussern Ver- 
irrungen wie eine mächtige Säule stand, an der Viele sich 
aufricnteten, wie ein Pharus, der alle Wege des Geistes be- 
leuchtete; der, aller Anarchie und Gesetzlosigkeit durch 
seine Natur feind, die Herrschaft, welche er über die 
Geister ausübte, stets nur der Wahrheit und dem in sich 
selbst gefundenen Mass verdanken wollte; in dessen Geist 
und in dessen Herzen Deutschland für alles, wovon es in 
Kunst oder Wissenschaft, in der Poesie oder im Leben be- 
wegt wurde, das Urtheil väterlicher Weisheit, eine letzte 
versöhnende Entscheidung zu finden sicher war. Deutsch- 
land war nicht verwaist, nicht verarmt, es war in aller 
Schwäche und innerer Zerrüttung gross, reich und mächtig 
von Geist, so lange Goethe lebte«. 

Zahlreiche Fäden schlingen sich von Goethe herüber 
zu Unserer Heimat, deren Boden er in Tirol, Galizien und 
wiederholt in Böhmen betreten hatte. Seine Jugend werke 
hatten in Wien nur auf kleine Kreise gewirkt; die herrschen- 
den WielandSchen und Klopstockscnen Parteien waren zu 
mächtig. Nach diesen aber kam ziemlich unverniittelt die 
ältere Romantik zur Regierung; schon vor dem Congresse, 
während desselben und später verkündeten ihre Gründer 

* Wanderer 18. u. 28. April; Theaterztg. 15. Mai. Imitiermann 
19, 203. Schenk, Schauspiele 3, 147. 

' »Verhandlungen der am i. May 1832 gehaltenen Versammlung 
des Vereins der Kunstfreunde des preussisdien Staates«. 

' Werke 9, 451. Vgl. Wr. Jb. 60, 222 f. 



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Goethes Tod und Wien. 259 

in den Salons und Vortragssälen den Ruhm und die Kunst- 
lehre Goethes. In jener Zeit erschien eine rechtmässige 
Gesammtausgabe Goethischer Werke hier in Wien, drängten 
sich intelligente Aristokraten in den böhmischen Bädern, 
die wandernden Literaten in Weimar um den schönen 
alten Mann, dem es eben damals eine liebliche Linzerin 
angethan, schufen Beethoven und Schubert dem Goethischen 
Gedanken gleichwerthige Töne, begann die mächtige, 
erst in jüngster Zeit voll gewürdigte Einwirkung des 
Dichters aut die Czechen.' Die »Pandora« erschien 1808 
in der Wiener Zeitschrift bleichen Namens; und viele 
Jahre später brachten die »Wiener Jahrbücher« einen Auf- 
satz des 81jährigen über pompejanische Wandgemälde. 
Das Hof bürgt heat er hatte sich, mit »Erwin und Elmire« 
(1776) beginnend, die meisten Goethischen Dramen zu 
eigen gemacht: erst Clavigo (1786), dann nach längerer 
Pause m rascher Folge Iphigenie ri8oo), Tancred (1803), 
Egmont (1810), Tasso (1816), 1030 endlich auch Götz.* 
Und wenn die Romantik und die bühne uns den Dichter 
Goethe vermittelte, so fand der Denker, zumal der Natur- 
forscher, einen berufenen Interpreten in Ernst von Feuchters- 
ieben,' einem der bedeutendsten Oesterreicher jener Zeit. 
Wenn heutzutage ein Mann von Weltruf etwa um 
10 Uhr Abends stirbt, so liest man Taes darauf in den 
Morgenblättern von San Francisco und Kairo die Meldung 
seines Todes. Vor 65 Jahren, in der Werdezeit des 
Telegraphen, drei Jahre vor der ersten deutschen Eisen- 
bahn, gmg es um ein Beträchtliches langsamer. Oester- 
reich speciell besass damals nur eine Regierungspresse und 
zahlreiche Theater- und Literaturblätter: die erstere hatte 
Correspondenten an einigen politisch beaeutsamen Punkten, 
die letztere in den hervorragendsten Theaterstädten. Sehr 
wichtige Nachrichten wurden durch Curiere oder den 
optischen Telegraphen, wo ein solcher existirte, be- 
schleunigt: die Kunde von Goethes Tod nahm indess den- 
selben Weg, wie die Anzeige irgend einer Premifere. Am 
29. März 1832, also eine volle Woche nach dem Trauer- 
falle, brachte Bäuerles Theaterzeitung, das meist gelesene 
und älteste Blatt dieser Art, eine Notiz »aus der literari- 
schen Welt« des Wortlauts: »Goethe erfreut sich seit 
feraumer Zeit der besten Gesundheit und geniesst, mit 
er Erziehung seiner drei Enkel und mit dem Ordnen und 



* Arnoät Kraus »Goethe a Cechy.« Prag 1896. 

* Wlassak, Chronik d. Hof-Burgtheaters, S. 40, 97, 299, 301, 306, 

VI. Necker). 

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309, 322 

J Vgl. Werke 5, 81—241. Grillparzer-Jahrbuch 3, 66 (M. Necker) 

17* 



26o Abhandlukgen. 



der Musterung seiner Schriften und seiner sehr mannich- 
faltigen und reichen Sammlungen beschäftigt, öfters um- 
geben von einem kleinen Kreise würdiger Freunde, eines 
ausgezeichnet glücklichen Alters« ! Erst zwei Tage später, 
am 31. März, las das Wiener Publikum in der »Oester- 
reichisch- Kaiserlichen privilegirten Wiener Zeitung«, im 
»Oesterreichischen Beobachter«, dem OfEciosus Metternichs, 
im halbofEciellen »Wanderer« und in der gut redigirten 
»Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und 
Mode«, die überall fast wörtlich gleichlautende Botschaft von 
Goethes Tode. Die betreffenden Berichte waren am 22. und 
23. März in Weimar abgegangen. Der »Wanderer« bringt 
die Notiz unter der anmuthigen Rubrik »Kurier der Theater 
und Spectakel« in kleinem Druck ganz am Ende des Blattes, 
im ganzen elf Zeilen; im »Beobachter« steht sie würdiger 
unter den politischen Nachrichten ; am 2. April erst findet 
sich auch die »Theaterzeitung« ein, deren Gewährsmann, 
Kapellmeister J. N. Hummel, am 24. aus Weimar geschrieben 
hatte. Wenn wir in den alten Zeitungsbänden w^eiterblättern, 
so suchen wir vergebens, heutiger journalistischer Praxis 
eingedenk, nach einem ausführhchen Nekrologe in Essay- 
form, nach einer ernsten Formulirung des ungeheueren 
Verlusts. Nur Anecdotenkram, geschöpft aus Augsburger, 
Leipziger, Hannoverischen Organen erfüllt für die zwei 
nächsten Monate die Spalten der Wiener Blätter: allerlei 
Vermuthungen über den Nachlass, Aufzählung der Orden 
und Titel, Näheres über die letzten Tage und den »schmerz- 
losen und schönen« Tod; mit besonderem Interesse druckt 
ein Journal dem anderen lotteriewissenschaftliche Bemer- 
kungen über das Todesdatum nach.' Die Volkspresse kqt* 
^Eoxriv nimmt gar keine Notiz von dem Tode aes Mannes 
draussen im »Reich« : die dummen »Briefe des Hans-Jörgel 
von Gumpoldskirchen an seinen Schwager Maxel«, welche 
doch jede »Hetz« der eben erst von der Cholera erlösten 
Hauptstadt sorgfältig registriren, berichten nichts über die 
Thatsache selbst, nichts über die (gleich zu besprechende) 
Trauerfeier, geschweige denn etwas, was einer Antheil- 
nahme des eigentlichen Volkes ähnlich gesehen hätte. Die 
vornehmere Literatur verkehrte damals, da es noch keine 
billigen Volksausgaben und Freibibliotheken gab, natur- 

* Wanderer 20., Theaterztff. 23., Wr. Ztschr. 24. April. — Schon 
1823 war Goethe in Wien loatgesagt worden. Costenoble, Aus d. 
Burgtheaier i, 247. — Das einzige wirklich vornehme Wiener Or^an, 
die »Jahrbücher«, huldigte 1832 den Manen seines grossen Mitarbeiters 
durch eine genaue Recension (60, 222) mehrerer Goetheschriften, ge- 
zeichnet »V. jL.« (Verfasser offenbar Fouqu^V Der Aufsatz gehört nicht 
in den Rahmen dieser Untersuchung. — Ebersoergs »Feierstunden« 6. ApriL 



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Goethes Tod und Wien. 26 r 

gemäss nur durch die Bühne mit den breiten Bevölkerungs- 
schichten^ und für diese hatte Goethe von den Brettern 
herab weit weniger verständlich gesprochen als z. B. Schiller 
und Grill parzer. Fehlte es so allerorten an besonnener 
Würdigung des Verlustes, so war dafür an Gelegenheits- 

fedichten kein Mangel. Wenn wir bedenken, dass in jener 
eit — es ist unglaublich, aber wahr — relativ noch viel 
mehr gedichtet wurde als heute, so haben wir eigentlich 
Ursache, die Ernte dürftig zu finden. Nicht als ob des 
Gereimten etwa noch mehr hätte sein sollen; bewahre! 
Was ich zusammengetragen habe, ist meist in den Literatur- 
zeitungen verstreut und minderes Mittelgut. Nur ein be- 
geisterter junger Mann, Namens Moriz Rappaport, lieferte 
mit ziemlicher Geschwindigkeit ein grösseres, sehr be- 
denkliches Opus in Buchform: »Goethe. Seinen Manen 
geweiht« ' in Canzonen, einer durch Zedlitz in Oesterreich 
eingebürgerten Versform, und setzte die so begonnene 
Thätigkeit des Gelegenheitsdichters durch ein langes, sonst 
verdienstvolles Leben fort. Für die Theaterzeitung hatte 
Franz Carl Weidmann, berufsmässiger Nekrologist und 
journalistisches Mädchen für Alles, schon vor dem 3. April 
ein Carmen beisammen: für ihn und viele ihm Nachstreben- 
den war das oben erwähnte Gedicht des Kanzlers von 
Müller mit seinen wohlredenden Stanzen Muster. Dann 
folgen die andern lieben Kleinen alle. Ein jeder besteuert 
sicn nach Vermögen. Manchem muss heute erst die 
Maske des Pseudonyms gelüftet werden : da ist ein Eduard 
Silesius, recte Eduard Th. von Badenfeld, der übrigens 
Goethes Geburtstag abwartet, um dann in Bäuerles Theater- 
zeitung, wie er sagt, an einem Grabe vom Leben zu 
singen. Die »Wiener Zeitschrift« folgt ihrer Concurrentin, 
der Theaterzeitung, die am 3. mit Weidmann in die 
Schranken getreten war, zwei Tage später mit einem 
kläglichen Sonette eines JEduard Habel; noch kürzer fasst 
sich der Sohn eines berühmten Geschlechtes, der hoch- 
angesehene Joseph Sonnleithner , in derselben Zeitung 
(29. Mai) mit wohlgezählt einem Distichon. Adolf 
von Tschabuschnigg versieht sein dem Lebenden ge- 
widmetes Gedicht »Lehr-, Wander- und Meisterjahre« 
mit einem Epilog und schafft so eine »Todtenfeyer«,* 
u. d^l. m. Das Beste hat auch wieder die »Wiener Zeit- 
schrift« in einer eigenen Goethe-Nummer vom 12. April 
vereinigt : Bauemfeld und Feuchtersieben. Der erstere hat 
nach dem Eintreffen der Todesnachricht in sein Tagebuch 



' Recension Sammler 2. Juni (Gustav Pabst). 
* Wr. Zeitschr. 19. April. 



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262 Abhandlungen. 



feschrieben : »Goethe todt ! Es lässt sich nicht ausdenken« !* 
lie hatte er den Meister von Angesicht zu Angesicht ge- 
sehen, eine projectirte Weimarwailfahrt war immer wieder 
verschoben worden, und nun beklagt er den Hintritt des 
»letzten Grossen«. Die Stanzenform, die majestätische 
und doch wieder vertrauliche, wählt auch er, um eine 
klare Uebersicht über das weltweite Schaffen^ zugleich 
eine höchst anmuthige Zeichnung der Persönlichkeit zu 
geben ; dabei ist der Ton Goethes in dem reizenden, nur 
ein wenig langen Gedichte zum Erstaunen getroffen. Aber 
das richtige Wort, wie wir es von einer Bauernfeldschen 
Intelligenz an Goethes Sarge erwarten, dieses Wort bleibt 
ungesprochen. Ungesprochen auch in dem sich an- 
schliessenden Gediente Feuchterslebens, das sich ebenfalls 
der Stanze bedient und sinnig an Goethes wundervolle 
Pandora anknüpft. Da ist nun jede Zeile ganz Feuchters- 
ieben ; die tiefgründigen Gedanken, unter einander ringend 
und mit der bprache, der ethische Ernst, die bei aller 
Huldigung aufrechte Männlichkeit, jene Tüchtigkeit und 
Solidität, die auf österreichischem Boden nicht allzu selten 
gleichsam als Negativerscheinung gedeiht. Aber, wenn 
uns bei Bauernfeld das Gedankenniveau nicht hoch genug 
schien, hier reicht wieder der Poet nicht aus. — Auen 
Auersperg-Grün und Zedlitz haben Goethes Heimgang 
in der innen eigenen liebenswürdigen Weise ziemlich 
gleichmässig besungen.* 

Und cßnn — aber freilich auch wieder spät nach 
heutigen Begriffen — folgt die Trauerkundgebung der 
öffentlichen Meinung in ihrer einzigen Freistatt, dem Theater. 
Man hätte sich Weimar und Dresden zum Muster nehmen 
sollen, erstlich in der Schnelligkeit des Arrangements, 
ferner aber auch in der Art und Anlage einer solchen 
Feier. In beiden Orten hatte die Bühnenleitung ein Drama 
Goethes unverkürzt zu würdiger Darstellung gebracht und 
epilogisch die Grösse des Moments feierlich gekennzeichnet. 
Nicht so in Wien. Die Todtenfeier im Burgtheater hinkt 
zwar nicht, wie ehedem die Schillers, um ganze drei Jahre 
nach,' aber immerhin um zwei Monate; kein Tieck plant 
sie, sondern ein Deinhardstein, und dem genialen Leiter 
des Institutes, Josef Schreyvogel, der sich eben damals in 
ohnmächtigem Kampfe mit dem Intendanten Grafen Czemin 
erschöpft hatte, blieb nur die wenig beneidenswerthe Auf- 



' Grillparzer- Jahrbuch 3, 60. 

' Grün, Werke i, loo. — Zedlitz, Gedichte 1852, S. 217. — Lenau, 
»König und Dichter« (iö}2)? — Castelli, Werke 3, 21 = 14, 141. 
5 Laube, Das Burgtheater. S. 88 f. 



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Goethes Tod und Wien. 263 

gäbe, Deinhardsteins Plattheiten zu insceniren und eine 
jener glänzendsten Periode der ersten deutschen Bühne 
würdige Feierlichkeit zu schaffen. Deinhardstein selbst 
war als Chef-Redacteur der »Wiener Jahrbücher« mit 
Goethe in Verbindung gestanden; seinen lendenlahmen 
»Hans Sachs« hatte der Dichter der »poetischen Sendung« 
für die Berliner Aufführung mit einem prächtigen Prolog 
versehen, nun wollte der dichtende Censor offenbar sein 
Bestes thun; aber wie unbeholfen und geschmacklos gab 
er, was eine schwächliche Phantasie zu geben hatte. Als 
sich am 24. Mai, beiläufig bemerkt dem Tage des Ham- 
bacher Festes, der Vorhang hob,' standen die Musen der 
Tragödie und Komödie mit der in Trauerflor gehüllten 
Büste Goethes vor dem Eingange des Tempels der Un- 
sterblichkeit (man denke an die Walhalla Ludwigs von 
Bayern !) und begehrten Aufnahme des Dichterbildes. Der 
Priester des Tempels trat auf und verlangte sozusagen 
den Befähigungsnachweis des Todten. »Zu dem Ende«, 
wie es in einer (übrigens drei Wochen später erschienenen) 
Wiener Recension heisst, zu dem Ende liessen Melpomene 
und Thalia unverzüglich vor dem Priester eine Anthologie 
Goethischer Dramen aufführen; der »summarische Auszug« 
bestand aus Scenen des Egmont, der Iphigenie, des Tasso 
(mindestens dem Projecte nach) und des Faust. Gebt ihr 
ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Der Priester er- 
klärte sich für befriedigt, die Büste wurde im Innern des 
Tempels zwischen Scniller und Shakespeare aufgestellt 
und durch den Genius der Unsterblichkeit mit dem Kranze 
des ewigen Lebens geschmückt. So etw^as nannten die 
Zeitgenossen Grillparzers Poesie ; und wenn uns nicht zu- 
fällig nichtbilligende Privaturtheile Bauernfelds und Coste- 
nobles überliefert wären, müsste uns das einhellige Entzücken 
sämmtlicher Theaterkritiker über die frostigen Allegorien 
und das geschmacklose Ganze sehr nachdenklieh stimmen. 
Was nun den eigentlichen Goethischen Theil des Abends 
anbelangt, so vermochte Dank der Regie und Darstellung 
das alberne Quodlibet nicht, die Macht der einzelnen Frag- 
mente zu schwächen. Die Tasso-Scenen mussten zwar 
wegfallen, da Max Korn, Träger der Titelrolle, unpässlich 
wurde; im Egmont glänzten aer grosse Sprecher Anschütz 
als Oranien und Ficntner, ein denkender »und arbeitender 

* Wr. Ztschr. 12. Juni; Theaterztg. 29. Mai; Sammler 23. Juni 
(MaxLetteris), 3. Juli (Ermin, Pseudonym für Franz Pietznigg, 1802— 
1856); Wlassak a. a. 0. S. 184, 30^ ; Costenoble a. a. O. 2, loi, 107, 
100 ff. — In der Bibliothek des Hofburgtheaters fehlt (nach freundlicher 
Mittheüung Alexanders v. Weilen) das Deinhardsteinsche Manuscript. 
Donebauer, A. d. Musik- u. Theaterwelt 1894. S. 23. 



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264 Abhandlungen. 



Künstler, als Brackenburg; Iphigenie kam nur mit drei 
Fragmenten • zum Worte, aber ihre Darstellerin, Julie Gley, 
rief hier und als Gretchen der Faust-Scenen lauten Beifall 
hervor. Der grosse Faust-Monolog, die Erscheinung des 
Erdgeists, ein T heil der Wagnerscene, das erste Auftreten 
des Mephistopheles, die Gartenscene, »Wald und Höhle«, 
die Valentinscene, »Trüber Tag« und der Kerker waren 
mit ängstlicher Austilgung alles irgend Bedenklichen relativ 

feschickt zusammengefügt worden, um den Doctor aller 
acultäten zum erstenmale auf die Bretter der Hofbühne 
zu stellen. Ludwig Löwe, der berühmte Heldenspieler 
mit den grossen Traditionen, dem noch eine nächste 
Generation huldigen sollte, gab den Faust, Carl Fichtner 
den Valentin und Costenoole, ein Meister trockener 
Komik, den Mephisto (zu wenig lebendig, versichern die 
Theatergelehrten); aber alle übertraf an diesem Abende 

iulie Gley, nachmals gefeiert unter ihrem Frauennamen 
lettich. "^Sie kam von Dresden her, wo sie schon 1830, 
ebenfalls bei festlichem Anlasse, das Gretchen gespielt 
hatte, kein Geringerer als Tieck war ihr Lehrer gewesen, 
kein Geringerer als Wilibald Alexis warb dann in Wien 
um ihre Hand.' Gewiss fehlte der tiefsinnige Preusse, 
über dessen Wiener Aufenthalt ich anderwärts gesprochen 
habe,* an jenem Maiabende, da die Geliebte sich mit Ruhm 
bedeckte, nicht im Theater; und wir streben, uns das 
Bild, welches ihn hier fesseln musste, zu reconstruiren :' 
das kleine, aber dicht gefüllte Haus; im sogenannten Nobel- 

Earterre vorne Staats- und Hofbeamte, die schwarze Hals- 
inde bis zum Kinn hinaufreichend, das correcte Gesicht 
vom Backenbart eingerahmt; vielleicht lächelt dort der 
grösste Journalist seiner Zeit, Hofrath von Gentz. Hinter 
diesen die Grosswürdenträger der Kritik, unter denen Gott- 
lob der gräuliche Saphir fehlt; der v/ohlgenährte Bäuerle 
neben dem ernsten Witthauer, Weidmann, Letteris und 
Consorten, oder Habitues, wie Ferdinand v. Seyfried, 
der ein Halbjahrhundert hindurch keinen Abend im Theater 
fehlte;* hier wird jedes Wort, jede Miene der Agirenden 
mit tiefem Ernste gezählt, gewogen und gerichtet. Aus 
dem Stehparterre, gerade unter dem Oel-Lüster, leuchten die 
weissen WafFenröcke der Officiere, von denen nicht wenige 
täglich vom Dienstgaul auf den Pegasus klettern. In den 
Logen rundumher unten der Geburts-, höher oben der 
Amts- und Finanz-Adel, behagliche, wohlgenährte Männer 



' Costenoble a. a. O. 2, 109, 307. * Alt-Wien 1896, 4. Heft. 
' Vgl. R. V. Muth, Skizzen zur Gesch. d. dtsch. Dichtung in 
Oesterreich, S. 1 3 f. ♦ Rückschau über d. Theaterleben Wiens 1864, S. IX. 



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Goethes Tod und Wien. 265 

und schlanke Mädchen und Frauen, die Haare gescheitelt 
und hoch frisirt, durch ungeheure Aermel und glocken- 
förmige Roben den Raum beeinträchtigend, aber versöhnend 
durch jene unendliche Alt-Wiener Anmuth, die sich längst 
vor der rauhen Gegenwart hinauf in die Gemälde Moriz 
von Schwinds und Amerlings geflüchtet hat. Und wer 
sollte unsere Phantasie hindern, die letzten Parkettreihen 
und die Galleriesperrsitze mit jenen Oesterrei ehern zu be- 
völkern, deren Namen das Jahrhundert überdauert haben? 
Heute sehen wir zwar nicht den düsteren Niembsch 
V. Strehlenau, der gerade in Schwaben weilt; ^vohl aber 
Bauemfeld, Littrow, Feuchtersieben, Hammer- PurgstalL 
Arneth den Aelteren mit seiner lieblichen Gattin, Ferdinand 
Wolf, Karajan, Ettingshausen, vielleicht gar Grillparzer. 
Und im sogenannten zweiten Parterre und nun vollends 
oben auf den Gallerien, wo man nach heissem Kampfe 
um 20 Kreuzer Conventionsmünze glücklich sein darf, 
Kopf an Kopf die Enthusiasten der ächule, des Bürger- 
hauses, der Universität. Jetzt, da ihnen zum erstenmal 
die grösste Schöpfung der deutschen Sprache sichtbar vor 
Augen tritt, in einer vielleicht nie wieder erreichten schau- 
spielerischen Vollendung, ist keiner, der nicht voll die 
Grösse des Verlustes, noch mehr aber die Grösse des 
durch jenen Todten Geschaffenen empfände, und in dem 
stürmischen Beifall, der sich nach dem Faust entlädt, sucht 
und findet die Trauer unseres sanguinischen Volkes den 
ihr gemässesten Ausdruck. 

Die Todtenfeier wurde am folgenden Tage nochmals 
in der Burg und am 9. August vom kgl. städtiscnen Theater 
in Brunn, diesmal mit Weglassung der Iphigenie-Scenen, 
wiederholt: hier spielte La Roche, der an Goethes Sarg 
gestanden war, den Mephistopheles, seine Braut, Auguste 
Kladzig' das Gretchen, den kritischen Provinzlern nicht 
eben zu grossem Danke.' Die Faustscenen erhielten sich 
dann bis 1837 auf der Wiener Bühne, um zwei Jahre später 
von der ganzen Tragödie, freilich wieder in Deinhardstein- 
scher Bearbeitung, abgelöst zu werden. Schreyvogels letzte 
dramaturgische Leistung war jene Goethefeier gewesen; 
zwei Tage später wurde er m den Ruhestand versetzt 
TDecret schon vom 13. Mai), und an die Stelle des Mannes, 
der in achtzehnjähriger, ebenso angestrengter als anspruchs- 
loser Thätigkeit das Burgtheater auf den Zenith seines 



■ Vgl. Neues Wiener Journal 30. Juli 1896 (Rudolf Beer). 

* Wr.Ztsch. $. JunL Sammler 30. August (Anton Kasper). Noch 
im selben Jahre spielte La Roche diese Rolle auch in Wien. Wr. 
Ztschr. 8. Sept. Costenoble a. a. O. 2, 165. 



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266 Abhandlukgen. 



Ruhmes gebracht hatte, trat Deinhairdstein. Zwei Monate 
nach jenem Theaterabende folgte Schreyvogel Goethen;' 
und wir lesen mit tiefer Rührung den schönen Nachruf 
seines grossen Schülers und Freundes Grillparzer.* 

Für Schreyvogel also, der ihm einst die Kenntniss 
Goethes vermittelt,' hätte Grillparzer Worte der Klage 
gefunden und für Goethe nicht? Es ist unwahrscheinlich, 
aber, so viel wir heute wissen, nicht anders. Sechs Jahre 
vorher war Grillparzer, schon selbst ein berühmter Mann, 
klopfenden Herzens in das gelbe Haus am Frauenplan ge- 
treten und von Goethe mit Auszeichnung empfangen wor- 
den ; als der Altmeister, der dem jungen Oesterreicher »in 
der Entfernung und dem unermesslichen Abstände, beinahe 
zu einer mythischen Person geworden war«, ihm liebens- 
würdig-väterlich entgegenkam, hatten Grillparzer dieThränen 
übermannt, wie zwanzig Jahre später auf der Akropolis; 
tiefste Ehrfurcht — das ist das Gfefühl, das seinen kurzen 
Aufenthalt in Weimar beherrscht. Aber schon damals 
rechnete er sich längst nicht mehr zu den »Unterthanen 
des alten Dichterkönigs«;* ehe noch das Schlagwort vom 
»jungen« und »ahen« Goethe literarhistorisch gang und 

fäbe wurde, stand er ebenso entschieden auf Seiten des 
ungen als sein Freund Feuchtersieben auf Seiten des Alten :^ 
eine Erscheinung, deren tiefere Ursachen sehr wohl, aber 
nicht an diesem Orte zu ergründen sind. Doch nicht aus 
solchen principiellen Differenzen, von welchen seine Be- 
wunderung der Jugendwerke Goethes unberührt blieb, ist 
es zu erklären, wenn sich weder in den Tagebüchern und 
Briefen Grillparzers, soweit sie uns erschlossen sind, noch 
unter den zahllosen Notizen und Epigrammen irgend eine 
Bezugnahme auf den 22. März 1832 findet. Er selbst eibt 
die Lösung; in einem Tagebucheintrag vom 13. Octooer 
heisst es: »Diese letzten neun Monate« (also gerade die 
in Rede stehende Zeit) »gehören unter die furchtbarsten 
meines Lebens«. Er marterte sich in jenem Jahre mit dem 
Schreckbild eines völligen Versiegens seiner poetischen 
Gabe, geängstigt durch den Misserfolg des Hero-Dramas; 
die Last einer neuen amtlichen Stellung machte sich aufs 
Drückendste fühlbar; alte Liebesqualen zitterten nach, und 
der von jeher vorhandene Gegensatz zum Milieu nahm den 
Charakter einer acuten Krise an. Und darum schweigen 
Tagebücher und Notizen an Goethes Leiche. Mit der 

« Wlassak a. a. O. S. 303, 185 f. 

» Werke 18, 126. 

3 Sehr beachtenswerthe Stelle im Grillparzer- Jahrbuch 3, 127. 

^ ebda, i, 186. Werke 20, 29. 

5 Werke 18, 140 f.; vgl. aber 18, 51. Hebbel 11, 59. 



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Goethes Tod und Wien. 267 . 

Oeffentlichkeit hätte er ohnehin, selbst in glücklicherer 
Stimmung, bei diesem Anlasse kaum verkehrt: aber auch 
vor seinem eigenen Forum fühlte er sich nicht frei, rein 
und heiter genug, um, s^bst ein Grosser; gross von dem 
Grossen zu reden. Erst nach einer Reihe von Jahren (1847) 
spricht er gelegentlich einmal in einem Stammbuchgedichte 
von Goethes Tode, um denselben, verbittert durch das 
zeitgenössische Literaturunwesen, zugleich als Tod der 
deutschen Dichtung zu bezeichnen.* Damit war es ihm 
nicht Ernst und konnte es ihm nicht Ernst sein. Und er 
hat sich im Laufe der Jahre zur vollen Würdigung auch 
des alten Goethe durchgearbeitet, und zahlreiche, aus seinem 
Nachlasse hervorgeholte Bemerkungen und Sprüche geben 
heute Zeugniss von der liebevollsten Verehrung und einem 
feinen, nur selten irrenden Verständniss.* 

Wir stehen am Schlüsse. Aus den wichtigeren Sym- 
ptomen eines culturellen Ereignisses, welche ich in mög- 
lichster Vollständigkeit zu sammeln gestrebt habe, lässt 
sich nun unschwer das Ereigniss selbst, die Reaction der 
österreichischen Hauptstadt auf Goethes Tod, construiren. 
Die flachen Zeitungsartikel, die Poetaster der Literatur- 
blätter, Deinhardstems hilflose Allegorien haben ihr Publicum 
gehabt so f[ut wie Feuchtersieben und Bauernfeld, und natur- 
gemäss em grösseres als diese. Die überaus redseligen 
Memoiren der Caroline Pichler thun des Ereignisses keine 
Erwägune: die Familienschriftstellerei empfing ihr Licht 
eben nicnt von der Sonne, sondern von den Planeten; 
und wenn der Hans Jörgel schweigt, so heisst das einfach, 
dass sich der SpiessDürger von Wien um den Tod des 
weimarischen Ministers überhaupt nicht kümmerte, und 
man kann ihm das endlich nicnt übelnehmen. Die ge- 
bildeten Stände hingegen zeigen sich um nichts weniger 
»goethereif«, als in anderen deutschen Städten, etwa Berlin 
allein angenommen- wenn selbst angesehene Delletristische 
Zeitungen neben Würdigem und Gediegenem allerhand 
hohles Zeug zu Markte bringen, so kann man sich aus der 
Dresdener »Abendzeitung« oder dem Berliner »Gesell- 
schafter« die Gewissheit nolen, dass es anderwärts auch 
nicht besser zuging. Zu einer Trauerkundgebung grösseren 
Stils bot sich nicht, wie z. B. in München, eine Akademie 
der Wissenschaften, sondern nur die Bühne; das Theater 
sprach im Namen der Theaterstadt. Aber neben Presse 
und Theater und über dieselbe hinweg ging still und un- 
auffällig die Thätigkeit ernster und tiefer Männer, eines 

' Werke. 3, 59. * Vgl. ebda. 19, 145. 

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268 



Abhandlukgen. 



Feuchtersieben und Grillparzer, weiterbauend auf dem von 
Goethe gewonnenen unermesslichen Terrain und zugleich 
bestrebt, den damals vielfach und heiss, von rechts und 
von links umstrittenen Werth der Goethischen Lebens- 
arbeit als jenen Schatz darzustellen, den wir heute in der 
dritten Generation ruhig und freudig besitzen. 



Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener Zeitung 
Nr. 76. Samstag, den 31. März 1832. S. 305: TnDeutschland, 
Nacnrichten aus Weimar vom 22. März melden: Weimar, 
Deutschland, ja, man kann sagen, die ganze civilisirte Welt, 
haben einen grossen, höchst schmerzlichen Verlust erlitten ; 
Goethe ist nicht mehr! Nach kurzem Krankenlager an 
einem Seitenstech-Fieber ist er, der Letzte jener literarischen 
Heroen, die ein glückliches Geschick in unserer Stadt ver- 
einte, heute Vormittag um 11 Uhr, im 83. Jahre seines 
reichen Lebens, dahin geschieden. — Hat Goethe auch 
ein Alter erreicht, wie es wenigen zu Theil wird, so schien 
doch seine kräftige Natur noch eine längere Lebensdauer 
zu versprechen, und die Nachricht von seinem Ableben 
war daher noch immer überraschend und erschütternd; 
allgemein ist die Trauer«. 




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m. MiscELLEN, Chronik, 
Bibliographie. 



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MiSCELLEN. 



A. . Einzelnes zu Goethes Leben und Wirken. 

I. Bauho in der Walpurgisnacht, 

Die alte Baubo kommt allein; 

Sie reitet auf einem Mutterschwein 
ruft eine Stimme in der Walpurgisnacht, worauf der Chor er- 
widert: 

So Ehre denn, wem Ehr' gebührt! 

Frau Baubo vor! Und angeführt! 

Ein tüchtig Schwein und Mutter drauf, 

Da folgt der ganze Hexenhauf. 

Soweit ich die Legion der Arbeiten über Goethes Faust 
übersehen kann, ist für die Erklärung dieser Stelle bisher wenig 
geschehen. Ja, das Problem, das sie mir aufzugeben scheint, 
ist bisher noch nicht einmal aufgestellt worden. Denn mit 
deutschem Volksglauben, den man zur Vergleichung heran- 
gezogen hat, hat Baubo nicht das. mindeste zu thun, und es 
kann kein Zweifel sein, — was auch die Mehrzahl der Erklärer 
annimmt — daß Goethe die aus der griechischen Demeter- 
religion bekannte Baubo im Sinne hat. 

Ueber diese hat uns in den letzten Jahren ein neuer 
Papyrusfund Wichtiges gelehrt. Aus dem sechsten Mimiambus 
des Herondas haben wir gelernt, daß Baubo ursprünglich keine 
Variante der nächtlichen Göttin Hekate ist, als die sie oft 
aufgefaßt wird, sondern, daß sie, wie ihr Name deutlich be- 
sagt und wie uns eben Herondas belehrt hat, die Personifi- 
cation einer Art weiblicher Unzucht ist, von der die Freundinnen 
des Herondas mit aller Offenheit und Ungenirtheit sprechen. 
Es stimmt diese Deutung der Baubo zu der Rolle, die sie in 



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T]2 MiSCELLEN. 



einem spätorphischen Machwerk spielt, aus dem uns einige 
Verse bei den Kirchenvätern erhalten sind, und die Goethen, 
der sich auf den entlegensten Gebieten der griechischen Mjrtho- 
logie so bewandert zeigt, sicherlich nicht unbekannt geblieben 
sind. Denn sonst hätte er bei der Beschreibung des römischen 
Carnevals nicht die Worte geschrieben: »Wenn uns während 
des Laufs dieser Thorheiten der rohe Pulzinell ungebührlich 
an die Freuden der Liebe erinnert, denen wir unser Dasein 
zu danken haben, wenn eine Baubo auf öffentlichem Platze 
die Geheimnisse der Gebärerin entweiht, wenn so viele nächt- 
lich angezündete Kerzen uns an die letzte Feierlichkeit er- 
innern, so werden wir mitten unter dem Unsinne auf die 
wichtigsten Scenen unseres Lebens aufmerksam gemacht«. Das 
spätorphische Gedicht schilderte die Einkehr der ihr geraubtes 
Kind suchenden Demeter in Eleusis in burlesker Ausführung 
der durch den homerischen Hymnus bekannten Version. Statt 
der Magd Jambe, die in dem Hymnus die trauernde Göttin 
durch ihre Scherze und Spässe erheitert, läßt der orphische 
Dichter Baubo handeln : durch unzüchtige Geberden will sie 
den tiefen Schmerz der Demeter lindern und vertreiben. 

Hierauf weisen nun wohl auch Goethes Erklärer hin. 
Aber damit ist die Erklärung jener Verse nicht gegeben. Wir 
müssen vielmehr fragen : woher hat Goethe die Kenntniß von 
dem auf einem Schweine reitenden nächtlichen Dämon Baubo 
entnommen ? Die literarische Tradition des Alterthums versagt 
dafür vollständig. Nur die nächtliche Spukgestalt der Baubo 
können wir bei Michael Psellus nachweisen, der sich nach 
Leo Allatius De Graecorum hodie quorundam opinationibus 
Coloniae Agrippinae 1645 P» ^39 dafür auf den Neuplatoniker 
Porphyrios berufen hat. Doch sollte Goethe auch von dieser 
Stelle Kenntniß gehabt haben, die Hauptfrage bleibt immer 
noch unerledigt. Wie kommt Goethe zu der Vorstellung von 
der auf einem Schweine reitenden Baubo? Hat er sich der 
Rolle erinnert, welche das Schwein als heiliges Thier der 
Demeter im griechischen Kult spielt, oder ist er der modernen 
Empfindung gefolgt, die in dem Schwein ein unanständiges 
Thier sieht? 

Mich dünkt es wahrscheinlicher, daß Goethe hier viel- 
mehr an ein kleines Kunstwerk anknüpft, das sich selber (oder 
in einer Doublette) im Antiquarium der königlichen Museen 
zu Berlin befindet und das J. Millingen in den Annali deir 
Istituto archeologico germanico schon im Jahre 1843 heraus- 
gegeben hat. Es ist eine aus einer unteritalischen Fabrik 
stammende Terracottafigur, die ein auf einem Schweine sitzendes 
nacktes Weib darstellt, dessen unanständige Geberden zu dem 
Namen der Baubo vortrefflich passen. Sie hält in der linken 
Hand einen Gegenstand, dessen Deutung schwierig ist. Am 



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MiSCELLEN. 273 

meisten erinnert er an eine Tafel. Schon der erste Heraus- 
geber nannte diese Figur Baubo, wie ich glauben möchte, 
allein durch Goethes Verse veranlaßt. Denn die antiken 
Schriftstellerzeugnisse konnten zu dieser Erklärung einem Ge- 
lehrten keinen Grund geben. Aber die Frage scheint mir 
doch der Erwägung werth zu sein, ob Goethe diese Terra- 
cottafigur in Italien gesehen haben kann und vielleicht durch 
sie zu jenen Versen veranlaßt worden ist. O. K£RN. 



2, Zu Goethes Lied »An den Mond«, 

Ueber Entstehungszeit und Beziehung dieses Gedichtes 
ist neuerdings W. Büchner in den Preußischen Jahrbüchern 
Bd. 83, S. 181 fg. mit einer Ansicht hervorgetreten, die m. E. 
nicht unwidersprochen bleiben darf. 

Das 1778 entstandene ursprüngliche Lied machte wegen 
Dunkelheit des mittleren Strophenpaares und wegen mangeln- 
der »Stetigkeit seines Empfindungsganges« eine Umarbeitung 
nöthig. Daß der Dichter sie bereits vor seiner Abreise nach 
Italien vollzogen habe, hat man aus einem von Düntzer 
(Charl. V. Stein I, S. 266) veröffentlichten Documente schließen 
zu dürfen geglaubt. Frau v. Stein, von dem geheimnißvollen 
Entweichen Goethes auf das Schmerzlichste berührt, ver- 
zweifelte anfänglich an seiner Rückkehr und schrieb noch 
am 31. August 1787 an Herder: »Könnte ich nur die 
Empfindung von einem Nimmerwiedersehen vergessen, die 
mir mit ihm geblieben ist und die sich mir heute schrecklich 
erneuert«. Dieser Empfindung gab sie in zwei auf demselben 
Blatt enthaltenen Gedichten Ausdruck, die der genannte 
Goetheforscher zuerst mitgetheilt hat. Das erste, worin sie 
klagt, daß sie nun so allein sei und ewig einsam sein werde, 
ist überschrieben: »In Kochberg 1786« u. s. w. ; das zweite 
trägt die Aufschrift »An den Mond in meiner Manier« und 
ist eine Umbildung des Goethischen Liedes in seiner neuen 
Fassung. Die für die obige Zeitbestimmung derselben Aus- 
schlag gebende Stelle dieses Gedichtes lautet: »Breitest über 
mein Gefild Lindernd deinen Blick, Da des Freundes Auge 
mild Nie mehr kehrt zurück. Lösch das Bild aus meinem 
Herz Vom geschiednen Freund«, Büchner, der die Klage 
um eine verlorene Liebe in dem Liede, das der 1789 aus- 
gegebene 8. Band der Goethischen Schriften brachte, auf die 
nach der Rückkehr des Dichters eingetretene Lösung seines 
Verhältnisses zu Frau v. Stein bezieht, ist genöthigt diese 
Verse, die seiner Annahme entgegenstehen, umzudeuten. Er 
gibt dem »geschieden« eine seiner Verbindung mit »Freund« 
völlig fremde Bedeutung (im Sinne von »geschiedene Frau«, 

GOBTHB-JAHllBVCH XVIII. l8 



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274 MiSCELLEK. 



»geschiedene Leute«), unbekümmert im Uebrigen um des 
Freundes »nie mehr zurückkehrendes Auge« des voraufgehen- 
den Verses. Und wenn er sodann die Beziehung auf die 
schließliche Trennung von der Freundin durch die letzten 
beiden Strophen ihres Gedichtes sogar für »unwiderleglich« 
erwiesen hält, in denen es heißt : »Selig, wer — Seine Seele 
rein erhält«, weil Goethe die sittliche Reinheit, zu der sie 
ihn erziehen wollte, nicht bewahrt habe, so ist man zu der 
Frage berechtigt, ob nicht etwa die durch das Verschwinden 
des Freundes tief gekränkte Frau darin einen Treubruch 
und damit eine Verletzung der Reinheit der Seele habe er- 
kennen dürfen. Aber es sind nicht bloß äußere, sondern 
in höherem Grade innere Gründe, die gegen die Annahme 
Büchners sprechen. Es ist undenkbar, daß Goethe in einer 
Zeit, wo der Bund der beiden Liebenden sich erst zu lockern 
begann — denn die Abschriften der Gedichte für den 8. Band 
seiner Schriften waren bereits am 24. August 1788 in Wielands 
Händen, um, wenn dieser sie durchgesehen, der Freundin 
selbst geschickt zu werden (G. an Fr. v. St. 24.78. 88) — es 
ist undenkbar, daß Goethe schon während der ersten beiden 
Monate nach seiner Rückkehr um ein ehemals besessenes, 
in qualvoller Erinnerung unaufhörlich fortlebendes Glück ge- 
klagt, und mehr noch, daß er ein Verhältniß von solcher 
Dauer und Tiefe der Wirkung auf sein ganzes Seelenleben 
durch »Scherz und Kuß« charakterisirt haben sollte. Für 
ihn war, nachdem der Bruch sich endlich, aber erst im 
Juni 1789, vollzogen hatte, der Rest in Wirklichkeit Schweigen. 
»Eine Liebe hatt' ich«, heißt es im siebenten der Venezianisdien 
Epigramme, »sie war mir lieber als alles! Aber ich hab* sie 
nicht mehr! Schweig' und ertrag* den Verlust!« 

Soll nun aber für die neu eingelegten Strophen eine be- 
stimmte individuelle Beziehung angenommen werden, so könnte 
nur Friederike Brion oder Lili Schönemann (für die sich W. 
Scherer entscheidet, (G.-J. IV, S. 60) in Frage kommen. 
Aber durch den Besuch, den Goethe 1779 ^^^ seiner Reise 
nach der Schweiz beiden gemacht, hatte sein Verhältniß zu 
ihnen einen so versöhnenden und reinen Abschluß erhalten, 
daß der Ausdruck gegenwärtiger persönlicher Stimmung in 
den klagenden Weisen des Liedes unmöglich gefunden werden 
kann. Es ist ein künstlerischer Gesichtspunkt, der ihn be- 
stimmt hat, das unvermittelte Motiv der dämonisch fesselnden 
Gewalt des Wassers in der ursprünglichen Fassung des Ge- 
dichtes aufzugeben und der lösenden Wirkung des Mondes 
auf die gepreßte Seele einen Herzenserguß folgen zu lassen, 
in den der Fluß mit der Unstete und Euphonie seiner be- 
wegten Wasser auf das Glücklichste hereingezogen wird, den 
melodischen Sang von verrauschter Liebe und Treue, für den 



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MiSCELLEN. 275 



er Saiten auf seiner Leier hatte, denen er die echtesten, 
seelenvollsten Töne zu entlocken vermochte. 

Natürlich war die »Liebste« der Eingangsstrophen des 
ursprünglichen Liedes durch die Aenderung unmöglich ge- 
worden. Sie wurde durch den »Freund« ersetzt, dessen be- 
glückenden Besitz die Schlußstropheh preisen (ähnlich wie 
das Gedicht »An Lottchen« dem sich vor der Welt ver- 
schließenden Herzen den Segen des Himmels in der Freundin 
gegeben sieht, mit der es zwiefach neu alles Leid und Freude 
der Natur genießen kann). So rundet sich das Lied, indem 
der Anfang zu dem Ende in Beziehung gezetzt wird. 

Hermann Henkel. 



3, Zur früheren Sonettendichtung Goethes, 

Zwei Stellen in Briefen Schillers und Goethes haben Irr- 
thümer über die Sonettendichtung veranlaßt, die einer Berichti- 
gung bedürfen. Der erstere schreibt am 7. December 1799 an 
den Freund : »Das bekannte Sonett hat hier eine böse Sensation 
gemacht und selbst unser Freund Meyer hat die Damenwelt 
verführt es in Horreur zu nehmen. Ich habe mich vor einigen 
Tagen sehr lebhaft dafUr wehren müssen«! Und Goethe am 
2. April 1800 an A. W. "ScRTegel: »In dankbarer Erinnerung 
Ihrer Sendung lege ich hier das erste der famosen Sonette 
bei. Über dem Portal steht das gegenwärtige wahrlich nicht 
unbedeutend«. 

In beiden Briefen soll nach Düntzer in seinen Erläuterungen 
der lyrischen Gedichte Goethes (I, S. 266, 269, III, S. 244) 
und anfänglich auch nach Loeper (Goethes Gedichte II, S. 290) 
von (verlorenen, oder nicht an's Licht getretenen) Sonetten 
Goethes (gegen den Kunstdilettantismos) die Rede sein. Später 
hat der letztere (Goethes Gedichte III, S. 223) und nach ihm 
Schipper (G.-J. 17, S. i6i ') im ersten der beiden geschwänzten 
Sonette der Invectiven das »bekannte«, im anderen das erste 
der »famosen« zu entdecken geglaubt. 

Weder jenes, noch diese haben Goethe zum Urheber. 
Die letzteren gehören Aretino an, wie Schlegels Antwort zeigt 
(Goethes Briefe Weim. A. 15 S. 314). Das andere, gegen 
das der vertraute Freund Meyer, wenn es Goethisch wäre, 
in der Weimarischen Gesellschaft unmöglich Stimmung zu 
machen gesucht hätte, ist, wie mir scheint, unzweifelhaft das 
von A. W. Schlegel und Tieck gemeinschaftlich fabrizirte 

* Die Uebersetzung der beiden Sonette B. Cellinis (II, 5 u. 13) 
übrigens rühren nicht, wie Schipper a. a. O. sagt, von Goethe, sondern 
nach dessen eigner Erklärung (Weim. A. 44, S. 374) von einem Kunst- 
freunde (doch wohl A. W. Schlegel) her. 

i8* 



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276 MiSCELLEN. 



Spottsonett ä la burchiellesca auf Merkel : »Ein Knecht hast 
für die Knechte du geschrieben, Ein Samojede für die Same- 
jeden« u. s. w., von dem die Verfasser eine kleine Auflage 
von 120 Exemplaren zur Vertheilung an interessirte Kreise 
(natürlich auch den Weimarischen) veranstaltet hatten (A. W. 
Schlegel an Schleiermacher i. Nov. 1799). Auf die Charak- 
teristik des verhöhnten Mitarbeiters an Hennings' »Genius 
der Zeit« in diesem Gedichte: »Genie, in Hennings' Genius 
dich zu betten«, geht wohl die Bezeichnung Merkels als 
»Genius der Zeit« im zweiten der satirischen Sonette Goethes 
zurück, während das erste in Reimen und Ausdrücken wie 
»Schlegel, Segel, Flegel, zerstücken« an das vierte Sonett der 
A. W. Schlegelschen Kotzebuade »Ehrenpforte und Triumph- 
bogen für den Theaterpräsidenten K., gedruckt zu Anfang 
des neuen Jahrhunderts«, erinnert. Der ingrimmige Humor, 
der in diesen Invectiven herrscht, lässt übrigens vermuthen, 
daß ihre Entstehung der Zeit angehört, wo die Erbitterung 
Goethes über die gegnerische Partei am stärksten war, d. h. 
dem Jahre 1802, in das der unterdrückte Angriff Böttigers 
auf die Theaterleitung unseres Dichters und das unterbrochene, 
Schiller zugedachte Opferfest Kotzebues fiel (Tageb. und 
Jahresh. 1802). Hermann Henkel. 



4. Zu Goethes Tagebüchern V, p2. 

Am 15. Januar 181 4 verzeichnet Goethe »v. Knebel 
Freie ültvo((\ der Apparat V, 345 giebt dazu die Erklärung 
»ülivo: Uli, d. i. Caroline Ulrich, später Riemers Frau, die 
Goethe damals Secretärdienste leistete«. — Das Richtige Jiat 
bereits Reinhold Köhler in seinem letzten Goetheaufsatze 
»Goethe und der italienische Dichter Domenico Batacchi« 
in den Berichten der Kgl. Sächsischen Gesellschaft der 
Wissenschaften 1890 Bd. 42, S. 74—78 nachgewiesen. Ge- 
meint ist nämlich, wie Goethes Briefwechsel mit Knebel II, 
124—127 andeutet, die Novelle »La vita e la morte di prete 
Ulivo« aus den Novelle galanti des Padre Atanasio da Ver- 
rocchio, einem Pseudonym für Domenico Batacchi, die Goethe 
in den Tag- und Jahres-Heften unter dem Jahre 181 1 (W. 
A. Z^^ 73) erwähnt. Goethe hatte dies Werk, dessen ersten 
Theil er später selbst seiner Bibliothek einverleibte, vom 
Prinzen Friedrich von Gotha erhalten, der am 31. Januar 
an ihn schreibt : »Erlauben Sie mir, mein geliebter Geheime- 
rath, den beygeftJgten italienischen Odiosen einige unbefangene 
Zeilen anzuschließen. Was des guten Maestro Bibliotheck Ihnen 
darbietet, kenne ich nicht, möchte auch nicht geradezu die 
Verantwortlichkeit für den Inhalt übernehmen. Doch selbst 



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MiSCELLEN. 277 



die dttrre Heide ist ein den Olympiern annehmliches Opfer; 
und so empfangen Sie Bücher und Zeilen!!«, wofür Goethe 
am 6. März (Briefe XXII, 57) dankt. Der »Maestro« wird 
der Musikdirektor Decesaris sein, der am 9. Nov. 181 1 und 
am 22. Juni 181 2 mit dem musikalisch ungemein veranlagten 
Prinzen in Weimar und Karlsbad erscheint (Tageb. IV, 406 
und 419). Goethes eben erwähnte Aeußerung in den Tag- 
und Jahres-Heften, er habe die Bändchen mit Vergnügen 
und Eile gelesen, da sie ihm nicht lange vergönnt waren, 
und auf Erinnerung eines Freundes die Novelle del Bandello 
unmittelbar angeschlossen, bedarf der Einschränkung, denn 
die Novelle galanti sind im Tagebuch erwähnt am 18., 20., 
25., 27., 28. Februar, 2., 5., 9., 24. und 29. März 181 1 
(Tageb. IV, 186 — 94), die Novelle del Bandello am 14. bis 
23. und 25. October (Tageb. IV, 238 f.). Weiter treten die 
Novellen des Verrocchio auf am 17. und 18. September 181 1 
und in Karlsbad am 25. Juni 181 2 (IV, 234, 297), das letzte 
Mal wieder im Anschluß an Besuche beim Prinzen Friedrich. 
Ueber eine nochmalige Erwähnung im Goethe-Knebelschen 
Briefwechsel von 181 6 (II, 199) vgl. R. Köhler S. 76. 

Carl ScHt)DDEKOPF. 

5. Zu den Invectiven, 

Am Schluß des Pandaemonium Germanicum läßt Lenz 
Goethe eine Fabel erzählen. Der Teufel will auch einmal 
wie Gott Menschen bilden, nimmt Lehm, knetet eifrig, bläst 
sich den Odem aus — »aber geskizzen wor nit gemolen«. 
Nun hat auch der wirkliche Goethe dreissig Jahre später 
diese Fabel von zwei bösen Gottheiten in Versen erzählt. 

(Werke V, 174.) 
»Sie lachten gräßlich, fingen an zu formen 
Schlecht schlechten Teig, und kneteten beflissen. 

Figuren waren's; aber wie 

Das sind nun Bött'ger, Kotz'bue, die Enormen« I 
Die frappante Uebereinstimmung kann nicht zufällig sein. 
Vermuthlich hat der junge Goethe das lustige Bild einmal 
mtlndlich im Freundeskreise ausgemalt und Lenz hat ihm nur 
sein Eigenthum in den Mund gelegt. Daß Goethe Motive 
oft Jahrzehnte mit sich herumtrug, ist bekannt. 

Max Morris. 

6. Zum Divan. 

Das am 26. Juli 181 4 entstandene Divangedicht »Zwie- 
spalt« (Werke 6, 19) schildert die Verwirrung der Seele, wenn 
Cupido und Mars gleichzeitig auf sie wirken. 



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278 MiSCELLEN. 



»Wenn links an Baches Rand 

Cupido flötet, 

Im Felde rechter Hand 

Mavors drommetet 

Fort wächst der Flötenton 
Schall der Posaunen 
Ich irre, rase schon; 
Ist das zu staunen?« 
Loeper citirt dazu Hafis: 

»Wenn dort Sohre Lauten schlaget, 
Und Merik die Waffen traget«. 
(Soreh = Venus, Merik ^ Mars). Dasselbe Motiv findet 
sich auch in Calderons Tochter der Luft und der Anklang 
an unser Gedicht ist dort noch deutlicher. 

»Dorther Trommeln und Trommeten, 
Mavors kriegerisches Drohn, 
Dorther Lieder und Schalmeien, 
Amors holden Schmeichelton, 

Hör ich 

Zweifelnd steh ich und besorgt«. 
(Tochter der Luft, erster Theil I, i, Griessche Uebersetzung.) 
In der ersten Scene des zweiten Theils der Tochter der 
Luft kehrt dasselbe Motiv wieder: 

»Giebt den Trommeln und Trommeten 
Antwort mit Gesangestone; 
Und wie sie streitend durcheinander wogen 
Anmuthig dieser, jene kriegrisch tobend, 
Erklingt in raschem Wechsel 
Die Cither Amors und des Mars Trommete«. 
Wie der größte Dramatiker der Spanier auf dieses, so 
hat der größte französische Dramatiker auf ein anderes Divan- 
gedieht eingewirkt. (VI, 158): 

»Hätt ich irgend wohl Bedenken 
Balch Bochära, Samarkand, 
Süßes Liebchen, dir zu schenken, 
Dieser Städte Rausch und Tand? 
Aber frag' einmal den Kaiser, 
Ob er dir die Städte giebt? 
Moli^re, le Misanthrope I, 2 : 

Si le roi m'avait donn^ 
Paris, sa grand' ville, 
Et qu'il me fallüt quitter 
L'amour de ma mie, 
Je dirais au roi Henri: 
Reprenez votre Paris 



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MlSCELLEN. 279 



Auch hierzu citirt Loeper eine Hafisstelle, die gewiß die 
unmittelbare Anregung gegeben hat. Aber die Formgebung 
ist — wenn auch vielleicht . nur im Wege der unbewußten 
Reminiscenz — auch durch Moli^re beeinflußt worden. Der 
Gedanke ist ja bei ihm anders gewendet, aber die Com- 
bination des Kaisers, des liebenden Dichters und der herr- 
lichen Stadt, die ihm nicht so viel werth ist, wie sein Mädchen, 
ist doch beiden Stellen in einer den Zufall ausschließenden 
Weise gemein. Ob von Hafis zu dem französischen Volkslied 
eine Brücke führt? Max Morris. 



7. Alks in der Welt lässt sich ertragen. Nur nicht eine Reihe 
von schönen Tagen, 

Zu diesem schon mehrfach (G.-J. XV, 268 fg. XVI, 189 fg.) 
behandelten Goethischen Spruch kann Folgendes nachgetragen 
werden. Die Universitätsbibliothek zu Gent besitzt eine kleine 
Handschrift, betitelt »Adagia ofte spreeckwoorden ghecopieert 
van Reyer ghinetz tamsterdam«, welche mir seit einiger Zeit 
in liebenswürdiger Weise überlassen worden ist, und in dieser 
Handschrift findet sich die Zeile : »De mensch kan alle dinck 
verdraeghen || behalven guede daeghen«. Die Handschrift 
ist angebunden an das früher von Harrebom^e, Suringar und 
Latendorf eingehend behandelte Werkchen »Gemeene duytsche 
Spreckwoorden : Adagia ofte Prouerbia ghenoemt« 1550. — 
Gheprent toe Campen, und ist offenbar gleichzeitigen Ur- 
sprunges wie dies selbst, wenn nicht etwas älteren, denn beim 
Einbinden hat der Buchbinder leider stellenweise den Text 
der Handschrift verschnitten, um dem Rande des Druckes die 
rechte Breite zu geben. Weder in Harrebom^e, Spreekwoor- 
denboek, noch in Suringar, Erasmus over nederlandsche Spreek- 
woorden scheint der obige Vers vorzukommen. 

Paul Emil Richter. 



<P. Goethes Plan einer illustrirten Ausgabe der Italienischen 

Reise, 

Der kürzlich (Münchener Neueste Nachrichten 14. Jan. 1897 
Vorabendblatt) veröffentlichte Brief Goethes an den Maler 
Jak. Wilh. Roux gibt Nachricht von einem merkwürdigen, 
in weiteren Kreisen bisher wenig bekannten Plane. Der Brief 
(Weimar 29. Januar 181 5, erwähnt Tagebücher V S. 149) 
der erst in einiger Zeit in der Weimarer Ausgabe mit- 
getheilt werden kann und den meisten unserer Leser ent- 
gangen sein wird, lautet: 



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280 MiSCELLEN. 



Ew : Wohlgebomen 

danke zum schönsten, daß sie mich so freundlich an 
das in Jena besprochene erinnern; ich gebe hierüber folgende 
vorläufige Auskunft : So eben bin ich beschäftiget, die Papiere, 
welche sich auf meine italiänische Reise beziehen, zu sichten 
und zu redigiren. Hierbey sah ich nun freylich, daß dieser 
wörtlichen Darstellung sehr zum Vortheil gereichen mUsste, 
wenn, aus meinen eignen Skizzen sowohl, als denen der 
Freunde und Kunstgenossen, was bedeutend ist und erläutern 
könnte, in Kupfer gestochen, dem Werklein beygeftlgt würde. 
Es sollte mir angenehm seyn wenn Ew:Wohlgeb: diese 
Arbeit übernehmen wollten, da alle die dazu erforderlichen 
Eigenschaften, sich bey Ihnen gar glücklich verbinden. 

In gedachter Rücksicht aber, will es nöthig seyn, daß 
man eine strenge Auswahl treffe damit ein Unternehmen, 
welches ohnehin, weitaussehend ist, innerhalb seiner Grenzen 
bleibe. 

Ich gestehe, daß ich darüber schon seit einiger Zeit, 
mit meinem vieljährigen Freunde und damaligen Kunstge- 
fährten, zu Rathe gegangen, wie die Sache anzustellen sey, 
damit vergebliche Mühe und Kosten entfernt werden. Vor 
allen Dingen wäre ein Format festzusetzen, daß alle Platten 
von einer Größe würden. Klein Folio wäre hierzu das 
Schicklichste; man könnte alsdann, wenn der Gegenstand 
Reich thum und W^erth genug hat. Ein Bild, es sey nun 
stehend oder liegend darauf bringen, oder den Raum in die 
Länge und Quere, nach Belieben eintheilen. Brächte man 
mehr Bilder auf Eine Platte, so müßte man solche Gegen- 
stände wählen, welche der Zeit, der Nachbarschaft oder dem 
Interesse nach zusammen gehören. Sodann würde man nach 
Masgabe des darzustellenden Gegenstandes, bald bloße Um- 
risse, bald mehr und weniger ausgeführte Blätter, vielleicht 
auch, wie es sich schicken will. Aqua tinta anbringen, und 
so dem Charakter dieser Sammlung am nächsten kommen 
und den Zweck auch am schnellsten erreichen. Geht man 
nun so zu Werke, daß diese Abbildungen sich aufs Buch, 
das Buch sich auf sie bezieht, so ist höchstwahrscheinlich, daß 
der Verleger des Werkes auch den Verlag der Kupferplatten 
übernähme, die man ihm für einen billigen Preiß überlassen 
könnte, und dabey der Mühe und Gefahr, eines selbst Ver- 
schleißes überhoben wäre. Da aber die Einleitung sowohl 
als die Ausführung dieser Sache, auf das planmäßigste zu 
ordnen ist, und meine öftere Abwesenheiten von Weimar, 
Irrungen oder Stockungen erzeugen könnten, so wird Herr 
Hofrath Meyer so lange ich gegenwärtig bin mitwirken, und 
wenn ich mich entfernen sollte meine Stelle mit Rath und 
That versehen. 



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MiSCELLEN. 281 



Sobald es mit Vorarbeit und Ueberlegung weiter ge- 
diehen, so hoffe das Vergnügen zu haben, in Weimar oder 
Jena, mich mündlich mit Ew: Wohlgeb: davon zu unterhalten. 

Der ich recht wohl zu leben wünsche mich geneigten 
Andenken empfehle. Ergebenst Goethe. 

Der in diesem Briefe angeredete Künstler, Maler und 
Radirer, 1775 — 1S31» stand auch sonst mit Goethe in Be- 
ziehung. Ein am gleichen Ort, wie der vorstehende mitge- 
theilte Brief vom 13. März 1819 (vgl. Tageb. VII, S. 25) gibt 
dem Bedauern Goethes darüber Ausdruck, daß der Künstler 
Jena mit Heidelberg vertausche (danach dürfte die Angabe, 
A. D. B. XXIX, 409, daß Roux durch Goethe nach Heidel- 
berg empfohlen worden, zu berichtigen sein), da grade jetzt 
die Absicht bestanden hätte, mit Roux eine Kunstschule in 
Jena zu besprechen. 

Goethes Beziehungen zu Roux waren 181 7 besonders 
lebhaft. Damals (vgl. Tages- u. Jahresh., Weim. Ausg. XXXVI, 
S. 125) lieferte Roux für Goethe »genaue Nachbildungen der 
entoptischen Farbenbilder«. Für diese Unterstützung dankte 
Goethe in der Einleitung zu der Abhandlung: »Entoptische 
Farben« (1820). Eine kurze günstige Besprechung von 
2 Heften der Roux'schen Arbeiten über Farben im technischen 
Sinne gab Goethe Kunst u. Alterth. VI, 2. S., 402 fg. 

Daß Roux aber als Illustrator der »Italienischen Reise« 
thätig sein sollte, war bisher unbekannt. In den handschrift- 
lichen Briefen an H. Meyer ist davon nicht die Rede, auch die 
von Düntzer, Kürschner'sche Ausgabe XXI, i, S. VIII fg. ge- 
gebene Zusammenstellung bringt nichts darüber. In den Tage- 
büchern des Jahres 181 4 wird zwar die Arbeit an der 
italienischen Reise sehr häufig erwähnt, nicht minder häufig 
werden Gespräche mit Meyer angeführt, aber nirgends wird 
ausdrücklich eine mit diesem wegen Blustrirung der Reise- 
beschreibung geführte Unterhaltung hervorgehoben. Denn 
Notizen wie »Italienische Zeichnungen« (8. März) oder: »Kupfer 
nach Zeichnungen. Italiänisch« bedeuten nichts. Dagegen 
kann man nach Kenntniß unseres Briefes eine Andeutung 
des erwähnten Plans in folgenden Aufzeichnungen erkennen: 
»Skizzen Italienische. Roux« (13. Dez.) und: »Zeichnungen 
Roux«. Wie weit der Plan gedieh, ob etwa mit Cotta schon 
Verhandlungen gepflogen waren, muß der Briefband des Jahres 
1814 lehren; ob sich im Goethe-Schiller-Archiv Roux'sche 
Zeichnungen und sonstiges Illustrations-Material findet, wird 
die erwartete Edition der »Italienischen Reise« in der Weimarer 
Ausgabe berichten. L. G. 



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282 MiSCELLEN. 



p. Zu einem kleinen Goethischen Kunst aufs atze, 

A. G. Meyer und G. Witkowski haben in ihre schöne 
Ausgabe von Goethes »Aufsätze über bildende Kunst und 
Theater« (Werke, Kürschnersche Ausgabe XXX, S. 216 fg.) 
ein Stück aus einem Auüsatze H. Meyers »über Polygnots 
Gemälde« aufgenommen. Dass diese Stelle Goethe angehört, 
hatte M. Bernays aus dem Briefe an F. A. Wolf, 22. Juli 1805 
erwiesen. Eine Bestätigung dafür findet sich in Fernows Brief 
an Böttiger (20. September 1805); »Wie hat Ihnen neulich 
in dem Mey ersehen Programm über den Riepenhausenschen 
Polygnot die kleine Aeusserung Goethes über das StembaN 
disirende und Klosterbruderisirende Unwesen gefallen«? In 
dem Abdruck des Briefes hat Böttiger Goethes Namen ge- 
strichen, ebenso in der vorhergehenden Stelle über Gall statt 
Goethe gesetzt »einer unserer grössten Männer« und die nach 
den vorhin mitgetheilten Worten unmittelbar folgende Stelle 
entfernt : »Es ist gut, daß der so lange von jenen Heuchlern 
und Schmeichlern zu ihren Zwecken gemißbrauchte Halbgott, 
unter dessen Schutz jene neuen Heiligen ihr Wesen treiben 
wollten, endlich auch einmal vor Ungeduld die Keule aufhebt 
und dazwischen schlägt«. L. G. 



10, Zu »Goethe und die plastische AnatomieAi * 

In neuerer Zeit kommt im medicinischen Unterricht ein 
Hülfsmittel mehr und mehr zur Verwendung, das in besonders 
trefflicher Weise geeignet erscheint, eine objective und klare 
Anschauung von normalen und krankhaften Zuständen des 
thierischen, besonders des menschlichen Organismus zu er- 
möglichen. Es ist das die sogenannte farbige Moulage (von 
frz. mouler SS formen), eine Reproductionsmethode, die in sinn- 
reichem Verfahren von dem darzustellenden Gegenstand einen 
Wachsabdruck gewinnt und durch sorgfältige Bemalung ein 
völlig naturgetreues Abbild verfertigt. Schon Goethe hatte 
nun den hohen pädagogischen Werth dieser — zuerst von 
den Italienern ausgebildeten — Methode, von ihm »plastische 
Anatomie« genannt, erkannt. In einem an den Geheimrath 
Beuth in Berlin am 4. Februar 1832 (ca. 7 Wochen vor 
seinem Tode) gerichteten Brief trat er für deren Einführung in 
Deutschland ein. Goethe weist am Schlüsse seines Briefes 
darauf hin, daß schon vor 20 Jahren und darüber in Jena 
ein junger Docent gelebt habe, der »pathologische Kuriosa« 



' Mit Benutzung des gleichnamigen Aufsatzes dess. Verf. in der 
Deutschen mediziniscnen Wochenschrift 1896, Nr. 47. 



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MiSCELLEN. 283 



in gefärbtem Wachs mit größter Genauigkeit darzustellen 
sich bemühte. — Es ist nun historisch interessant, daß es 
dem Jenenser Professor der Medicin von Bardeleben gelungen 
ist, in Franz Heinrich Martern jenen Docenten festzustellen 
und seine Präparate im anatomischen Museum und in der 
medicinischen Klinik zu Jena aufzufinden. Einen kurzen 
Abriß des Lebenslaufs von Martens giebt von Bardeleben 
im Anschluß an J. Schwalbes Aufsatz. J. Schwalbe. 



II. Huber über die Xenien. 

L. F. Huber war auch nach seinem Bruche mit Körner 
mehr durch sein als durch Schillers Verdienst mit diesem in 
Verbindung geblieben. Er hatte immer wieder den Faden, 
der mehrfach zu zerreißen drohte, anzuknüpfen gewußt.' 
Am 26. März 1796 hatte er zuletzt an Schiller geschrieben, 
sein Unrecht gegen Körner zugleich mit seiner Liebe zu ihm 
eingestehend und hatte der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß 
auch mit Jenem noch ein neues Verhältniß sich gestalten 
könnte. In diesem seinem letzten Briefe an Schiller hatte 
er einige Gedichte des als Mensch und als Dichter von ihm 
gleich Geliebten sehr gelobt; seine neuen Werke erwartete 
er mit Spannung. »Auf den Meister« schrieb er an seinen 
Freund Usteri* in Zürich 28. September 1796 »freue ich mich 
sehr. Vergessen Sie doch auch nicht, Schillers Musenalmanach, 
nach dem ich schon im heutigen Packet guckte«. Usteri 
schickte den Almanach.' Huber ging auf die in dem Almanach 
abgedruckten Xenien in folgender Weise ein. (18. Jan. 1797.) 

' Vgl. den vollständig zuerst von mir herausgegebenen Brief- 
wechsel zwischen Schiller und Huber im 272. Band der Cottaschen 
Bibliothek der Weltliteratur; Schiller-Kömerscher Briefwechsel Band IV 
Anhang. Nach dem letzten persönlichen Zusammentreffen im März 17^3, 




1795 .. , 

seine Anfragen regelmässige Antworten zu erhalten. 

* Die im Folgenden citirten Bruckstücke sind aus Briefen Hubers 
an Paulus Usteri, den bekannten Schweizer Politiker und Schriftsteller, 
entnommen. Diese Briefe befinden sich im Usterischen Familienvarchiv 
in Zürich und sind mir von dessen zeitigem Besitzer, Herrn Oberst 
Meister, freundlich zur Benutzung überlassen. Nebenbei mag bemerkt 
werden, daß die in Hubers »Kleinen Schriften« 1810, Band II, Seite 
12—66 ohne Namen des Adressaten abgedruckten Briefe an den eben- 
genannten Usteri gerichtet sind. Vgl. auch unten. 

3 Auch die Usterischen Briefe an Huber liegen mir vor, doch 
scheinen sie nicht ganz vollständig zu sein, wenigstens finde ich in 
ihnen weder etwas über diese Sendung noch über die gleich berührten 
Xenien. 



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284 MiSCELLEN. 



»Und nun die Xenien ! Was mich darin persönlich interessiren 
konnte, hat mir wahren Schmerz gemacht. Dem Bubenmuth- 
willen dieser Menschen ist nichts heilig: Schiller ist mein 
Freund, Goethe war Forsters Freund. — Ich hoffe so gltlck- 
lich zu sein, meiner Frau diese Infamie verborgen zu halten, 
die ihrer Ruhe, ihrer Gesundheit gefährlich sein kOnnte. Aber 
von diesem Xenienwesen überhaupt — fände ich nur den 
leeren Augenblick der Muße dazu — ich glaube gewiß, ich 
könnte manches Gute und Nützliche davon sagen. Ich werde 
Ihnen im nächsten Packet übrigens diesen Kalender wieder- 
schicken, den ich aus jener Ursache gar nicht gern zu Hause 
behalte«. 

Gemeint ist natürlich das auf Forster gemünzte Xenion: 
»O ich Thor! ich rasender Thor! und rasend ein Jeder 
Der auf des Weibes Rath horchend den Freiheitsbaum pflanzta. 

wobei Huber offenbar Therese gemeint glaubte, während 
nach der Meinung der Dichter unter dem Weibe doch wahr- 
scheinlich Caroline Böhmer, Tamie Forsters getroffen sein sollte/ 
Beides, was Huber in diesem Brief in Aussicht stellte, 
führte er aus. Er schrieb wirklich über die Xenien und wußte sie 
seiner Frau zu verheimlichen. Was das Letztere betrifft, so ist 
dafür Zeuge eine Aeußerung Hubers in seinem letzten Brief an 
Böttiger (ungedruckt) 31. März 1804 und einzelne Aeußerungen 
Theresens nach Hubers Tode an Böttiger und Usteri, in 
denen sie bekennt, daß dies das einzige Geheimniß gewesen 
sei, das Huber vor ihr gehabt hätte. In dem von mir be- 
nutzten Original ist die Stelle über die Xenien angestrichen, 
ein Zeichen, daß sie von Therese nebst anderen oben er- 
wähnten Stellen aus den an Usteri gerichteten Briefen auch 
zur Veröffentlichung bestimmt war. Die Schuld an der Zu- 
rücklassung trug Cotta. Dies meldete Therese in einer so 
überaus charakteristischen Stelle an Usteri, daß sie hier nicht 
fehlen darf. Am 18. Februar 1810 schrieb sie ihm Folgendes: 
»Cotta schreibt mir, daß jetzt am zweiten Theil von Hubers 
Nachlaß wirklich gedruckt wird ; zugleich daß er einige Dinge 
Schiller und die Xenien betreffend unterdrückt habe, um die 
Wittwe, die Gönner, die Freunde, die Bewunderer und welchen 
Troß all — des großen Mannes nicht zu betrüben. Ich habe 
ihm gesagt, er könne unterdrücken was er wolle, denn sobald 
ich nicht die Wahrheit sagen will, ist keine Grenze für das 



* Vgl. E. Schmidts und B. Suphans Ausgabe Nr. 845, dazu die 
Anmerkungen. Die von Boas auf Huber gedeuteten Distichen: alte 
Zählung 356 und 357 werden im neuen Commentar im Allgemeinen 
auf die Frauen- und Kinder-Literatur, nicht aber auf specielle Veröffent- 
lichungen Hubers gedeutet. Daß Huber sie bei unserer Stelle nicht 
im Sinn gehabt haben kann, ist klar. 



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MiSCELLEN. 285 



dienlich erachtete Portiönchen, und die Leichenrede eines 
Pastors in Aalen bei dem Begräbniß des dreijährigen 
Töchterchens des Herrn Bürgermeisters, die ich einmal während 
des Pferdewechsels mit anhörte, die Norm oder das Muster 
der Stimme über Todte, — Ich habe Pr^vost's alte Romane 
den Doyen de Cillerine, Cleveland, Manon Lescaut und der- 
gleichen — immer mit viel Interesse gelesen, mir die Geistes- 
entwickelung ihres Verfassers im Jesuitenkollegium, in der 
vornehmen Welt unter den Religionsstreiten, im Streite der 
Soutane mit einem zärtlichen Herzen gedacht und mir nie 
recht erklären können, woher die seiner Nation ungewöhnliche 
Schattirung inniger Schwermuth kommt. — Da enthält einmal 
ein französisches Journal eine Anecdote, Pr^vost habe durch 
unselige sehr natürliche Umstände den Tod seines Vaters ver- 
ursacht, ja ihn eigentlich ermordet. — Prdvost's Verleger 
hätte das auch nicht sollen drucken lassen, wenn er noch 
lebte, oder noch Basen von dem melancholischen Abb^. Aber 
ich hätte dann nie begriffen, warum der Franzos Pr^vost 
innig schmerzvoll wie ein Deutscher wäre. Tritt ein Todter 
vor das Zeitalter, so ist er ein geheiligtes Wesen, kein Herr 
Professor, Herr Gevatter mehr, er ist eine geweihte Sache, 
an der der Mensch den Menschen erkennt, seine Tugenden 
allein leben und seine Fehler werden durch sie geheiligt, 
denn wir lernen den Werth jener neben diesen kennen und 
war der Todte Allfehler, so würde er durch diese Offenbarung 
all seiner Fehler heilig, ein Opfer des Schicksals in seinem 
Zusammenhange erkannt. Schlegels Kritik über Bürger hat 
mir immer so gefallen, Bürger ist da nicht beschönigt aber 
milde gezeigt, so mußten ihn die Umstände vernichten, weil 
das Göttliche in ihm nicht das Ueberge wicht errang«. 

Huber führte aber auch seinen zweiten Plan aus und 
schrieb über die Xenien einen Aufsatz, der, soweit ich sehen 
kann, den Forschern bisher entgangen ist. Er findet sich in 
der Zeitschrift »Humaniora«, die ohne Namen eines Heraus- 
gebers und ohne Angabe des Druckorts im Jahre 1797 in 
8 Heften erschien und zu den mannigfachen Revolutions- 
journalen gehört, welche Usteri selbst als Verleger veröffent- 
lichte, sich dabei einer Leipziger Firma: Peter Wolff bedienend. 
Bei dieser Zeitschrift war ebenso wie bei einer anderen »Clio« 
Huber als Redacteur und vornehmster Mitarbeiter beschäftigt. 
Seinen Aufsatz über die Xenien schickte Huber dem Freunde 
am 8. Februar 1797 mit folgenden Worten zu: »Hier haben 
Sie denn auch etwas über die Xenien. Ich habe geglaubt, 
in der Kürze lasse sich grade das Meiste und Beste davon 
sagen«. Dieser Aufsatz : »Auch über die Xenien an den Heraus- 
geber« steht in den »Humaniora« 1797, zweiter Band, 6. Heft, 
Seite 477—486. Nach einem stark ironischen Anfange, einer 



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286 MiSCELLEN. 



Anrede an den Freund, daß auch er, den die Sache ja gar 
nichts anginge, an den Xenien Anstoß genommen, fährt er 
fort : »Sie haben die Trockenheiten und Dunkelheiten der 
Kantischen Philosophie, die für redliche Herzen und Frei- 
geister mehr Reizendes als Abschreckendes haben, allererst 
in dem zierlich pedantischen Jargon der Neukantianer wirk- 
lich ganz unverständlich und unausstehlich gefunden, vielleicht 
sind Sie gar wie mancher Andere auf den Verdacht gerathen, 
als hegten diese Herren gewisse Besorgnisse, die der derbe 
freie Sinn verschiedener Lehren dieser Philosophie bei gewissen 
Leuten erregen könnte, ftlr Gewisse unter diesen Gewissen 
aus dem Wege zu räumen; es schien Ihnen vielleicht, als 
wollten unsere deutschen Encyclopädisten grade da anfangen, 
wo die französischen jetzt gern aufhören möchten, und viel- 
leicht verglichen Sie die vor unseren Augen sich entspinnenden 
Schicksale der Kantischen Lehre mit der Geschichte des 
Christenthums, als diese Religion durch die Doctores sub- 
tilissimos des vierten Jahrhunderts von ihrem Freiheits- und 
Gleichheitsgeist gesäubert den weltlichen Thron heranstieg. 
Aber jetzt wenigstens sollte Ihnen doch Alles klar sein. Alles, 
was Sie bis jetzt im poetischen oder prosaischen Vortrag 
dieses obersten Aufklärungsausschusses und seiner Kanzel- 
listen nicht begriffen haben, das hieß eben nichts anders 
als: wir sind berechtigt, Xenien zu schreiben. Manchmal 
schon, wenn mir über dem Sachtrieb, dem Formtrieb und 
hauptsächlich dem Spieltrieb die Gedanken vergingen, wenn 
ich grade, indem ich recht klug werden wollte, gewahr 
wurde, daß mich alle diese artigen Sächelchen noch etwas 
dümmer machten, als ich von Natur bin, hatte mir ein solcher 
Sinn dunkel vorgeschwebt; manchmal schon, wenn ich dem 
Doctor am aufmerksamsten zuhörte, war es mir, als sähe ich 
den Hanswurst hinter ihm ein Gesicht schneiden. Glück- 
seliges Germanien I Vor Dir verkriecht sich das alte Griechen- 
land, denn Du gebärst Deinen Socrates und Deinen Aristo- 
phanes, Deinen Weisen und Deinen Lustigmacher in einen 
und derselben Personen«. 

Nachdem H. dann als die Stärke der Xenienschreiber 
Genie und Muth'willen, als ihre Schwäche Eitelkeit bezeichnet 
und einen großen Theil ihres Unwillens aus verletzter Eitelkeit 
hergeleitet, fährt er fort: »Sie stiegen hernieder als muth- 
willige Buben, die rechts und links mit Koth um sich warfen, 
hier einetn Narren eine komische Fratze schnitten, dort recht- 
lichen Leuten Hasenschwänzchen anhingen und sich über 
alle die Rücksichten hinwegsetzten, welche stets als sittliche 
Grenzen des Witzes galten. Da ging es über einen Jeden 
her, der sich je mit Worten, Werken oder Thaten an den 
Hören oder an ihren Vortänzern versündigt hatte; ja man 



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MiSCELLEN. 287 



mochte sich vielleicht auch nur mit Privaturtheilen nicht 
recht vorsichtig benommen haben, so sollte man jetzt seine 
Portion Aerger zu verschlucken bekommen«. 

»Es war im Grunde possierlich, weil man in den Hören 
das Publikum zuweilen ennuyirt hatte, sich dafür rächen zu 
wollen, indem man auf einmal so überamüsant wurde und 
ich traute Goethen wohl zu, daß er sich den ganzen An- 
schlag sammt all den kleinen Rückständen von Autorsrache, 
die sein Waffenbruder bei der Gelegenheit abtragen wollte, 
mit von dieser lustigen Seite gedacht hätte. Ueberhaupt 
weiß ich nicht, warum mich das Schutz- und Trutzbündnis 
zwischen diesen beiden Leuten manchmal an Mephistopheles 
und Faust erinnert. Goethe fluhlt auf seinem Haupt einen 
unvergänglichen Dichterkranz, indeß Schiller bei allen seinen 
VortrefRichkeiten das Schicksal nun wohl dahin hat, in seiner 
Poesie von Gedanken und in seiner Prosa von Bildern und 
Blumen zu strotzen«. 

Im Folgenden spricht dann Huber von dem Unterschied 
der französischen und deutschen Kampfesweise und schließt 
seine übrigens nicht mit seinem Namen gezeichnete Abhand- 
lung mit folgenden Sätzen: 

»Nicolai soll, fordern sie, Lessings Namen nicht nennen. 
Aber wahrlich ihnen ziemt es noch weniger, den Namen 
dieses immer thätigen, mit seinen Gedanken immer voran- 
schreitenden und seinen Zeitgenossen immer voranhelfenden 
Kopfes auszusprechen, der die Grenzen der Menschheit in 
seinem eigenen Geiste nicht hinter vornehmer Trägheit und 
ttbermüthiger Geringschätzung seines Publikums zu verbergen 
suchte, der sicherlich mit der Weisheit seines Jahrzehnts 
nie so geziert, steif, phantastisch oder orakelmäßig und 
priesterartig umgegangen wäre, der sich nie zu literarischen 
Fehden rüstete, nie gegen Heuchelei, Dummheit und Wahn 
die Geißel schwang, um blos seine beleidigte Suprematie zu 
rächen oder sich den Kitzel eines frevelhaften Muthwillens zu 
vertreiben, den man vielmehr gern gereizt, gern herausge- 
fordert sah, weil jeder Streich, den er seinen Gegnern bei- 
brachte, mit irgend einem Triumph der Wissenschaft, der 
Wahrheit, der Aufklärung verbunden war. 

»Es ist zu befürchten, daß mit der Erscheinung dieser 
Xenien sich die Pforte zu dauernden und großen Scandalen 
unserer Literatur öffnen wird. So manche mittelmäßige oder 
elende Scribenten werden es den Männern, die sich nie auf 
diese Weise mit ihnen hätten abgeben sollen, an sanscn- 
lottischer Frechheit wettzumachen suchen. Diese aber werden 
den Wein austrinken müssen, den sie gezapft haben, sie 
werden ihn bis auf die letzte Hefe des schaalen oder un- 
ziemlichen Witzes, des bübischen Muthwillens, des rücksichts- 



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288 MiSCELLEN. 



losen Uebermuths austrinken müssen, und es scheint fast, ab 
sollte ein unerbittliches Schicksal auch noch mit diesen TrOb- 
salen die Zerrüttung des Zeitalters vollenden, das von der 
in Deutschland emporkommenden ernsten männlichen, gründ- 
lichen, vorsichtig kühnen Philosophie Rettung und Heil zu 
erwarten berechtigt war, das aber aus pedantischen oder 
phantastischen Spielereien, die mit dieser Philosophie getrieben 
wurden, freilich schon längst eine Robespierresche Wortherr- 
schaft sich entspinnen sah, zu welcher das tolle Xenienwesen 
mächtigen Fortschritt machen kann. Di meliora piis«. 

Durch Usteri erhielt Huber auch Nicolais bekannte Ant- 
wort und schrieb darüber am i6. April 1797 : (auch diese Stelle 
war, wie aus einem Bleistiftstrich ersichtlich, zum Abdruck 
bestimmt) »Ich danke Ihnen für Nicolais Xenienwerk, das 
allerdings bis auf einige aestethische Urtheile jedem ehrlichen 
und vernünftigen Menschen wie aus der Seele geschrieben 
ist. Es freut mich besonders, daß N. von seiner alten 
Grobheit und Bissigkeit nachgelassen und sich so gegen die 
Buben in Jena in den Vortheil eines mäßigeren und wirklich 
überlegenen Tones gesetzt hat. Die Leipziger sind ihrer Vor- 
gänger ziemlich würdig ; doch sind ihre Xenien nicht schlecht 
genug, um von Dyk zu sein. Ich rathe auf einige meiner 
alten Bekannten, besonders auf einen gewissen Schreiter, der 
viel mit der Bibliothek der schönen Wissenschaften zu thun 
hat und von altersher Schillers Poesie nicht leiden mochte, 
worüber wir sogar öfters Streit hatten«. 

Das lebendige Interesse, das Huber trotz allen Ingrimms 
für die weimarischen Verhältnisse hatte, geht aus einem Briefe 
an Usteri 28. August 1797 hervor, an dessen Schluß es heißt: 
»Noch schreibt mir die Schlegeln erstens, der nächste Musen- 
almanach werde ganz rein von Xenien oder dergleichen sein, 
zweitens, Goethe müsse nächstens in der Gegend von Zürich 
eintreffen, wo er mit einem Maler Meyer, der in Italien war, 
eine Zusammenkunft haben will«. 

Einige Jahre später, kurz vor seinem Tode kam Huber mit 
den Weimaranern wieder in Beziehung.* Auf Goethes Betreiben 
wurde ihm für die Jenaer Literatur-Zeitimg die Recension über 
»Mahomet« und »Tancred« übertragen. Die von ihm abge- 
lieferte, gegen die Schiller manches Bedenken hatte, wurde von 
Goethe als eine nicht zu scheltende bezeichnet; ein anderes 
Mal hieß es von ihm, »seine wiederholten Bemühungen seien 
alles Dankes werth«. Ueber seinen Tod drückte Goethe am 
1 5. Januar 1805 Cotta in ziemlich frostiger Weise sein Beileid aus. 
L.G. 

* Das Folgende aus Goethes Briefen, W. A. Band 16, 17. Vgl. 
Register Band 18, Seite 155. 



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MiSCELLEN. 289 



12^ Ein Vetter Goethes als Frankfurter Lokaldichter. 
Durch meinen Freund Alfred Stern erlangte ich Kenntniß 
von dem Lustspiel: »Der Prorectorcc, das ich dann durch die 
Gute der Züricher Stadtbibliothek benutzen durfte. »Ein Lust- 
spiel in zwey Aufzügen. Die Geschichte fiel an einem 
Mittwoch Morgen im Jahre 1793 vor. Der Schauplatz ist 
in Sekunda des Frankfurter Gymnasiums. Frankfurt 1794 
kl. i6^ 32 Bl.« Das Stück ist auch erwähnt, freilich mit 
ungenauem Titel bei Goedeke HI (alte Ausgabe) Seite 211. 
Meine Hoffnung, hier Hinweisungen auf Goethe zu finden oder 
eine unbekannte Schilderung Frankfurter Lokalverhältnisse 
zu erlangen, wurde freilich durch eine Belehrung der Frank- 
furter Stadtbibliothek bald zerstört. Das Stück ist nämlich 
dm-ch H. Grotefend neu gedruckt und ausführlich commentirt 
worden in dem Aufsatz : »Der Prorector und das Frankfurter 
Gymnasium am Ende des vorigen Jahrhunderts« (Archiv für 
Frankfurts Geschichte und Kunst. 3. Folge, 4. Band, Frkf. 1893 
S. 1—63.) Dort ist bereits gezeigt, daß das Stück, das trotz 
der ausdrücklichen Angabe auf dem Titel, nicht 1794 er- 
schienen, erst mehrere Jahre später entstanden und vielleicht 
Jahrzehnte später gedruckt worden ist, an Goethe nur deß- 
halb erinnert, weil es der durch ihn so anschaulich geschilderten 
Belagerung von Mainz gedenkt. Ferner ist dort erwiesen, 
daß das Lustspiel, dem eine literaturgeschichtliche Bedeutung 
dadm-ch zukommt, daß es das erste in Frankfurter Dialect 
veröffentlichte Stück ist, von Friedr. K. L. Textor herrührt. 
Dieser, geboren am 13. Nov. 1775, gestorben am 31. Dez. 1351 
war Goethes richtiger Vetter, der Sohn des Bruders seiner 
Mutter, Jos. Jost Textor. (Vgl. auch Düntzer, Grenzboten 1888, 
n, S. 278 ff.) Er führte ein sehr Wechsel volles Leben und 
gerieth, nicht ohne eigene Schuld, in schwere Bedrängniß, 
als Docent und Professor in Tübingen, als Advokat und 
später als Privatlehrer in Frankfurt. Mit Goethe scheint er 
in keinem engem Verkehr gestanden zu haben. Die schon 
von Grotefend hervorgehobene Stelle Goethes an Rath 
Schlosser: »Des Herrn Professor Textor werde ich nicht er- 
mangeln, gehörigen Orts zu gedenken« (181 1) hat keine 
weitere Folge gehabt. Von Textors dichterischer Thätigkeit 
ist außer dem heitern Stückchen, das voll Anspielungen auf 
Zeitereignisse und Lokalverhältnisse, besonders ausgezeichnet 
durch die satirische Characterzeichnung des Prorectors Jos. 
Jac. Gottl. Scherbius (1728 — 1804) ist, eines von den Schülern 
schwer geärgerten Pädagogen, weiter nichts bekannt. Grade 
wegen dieser Characterzeichnung verdient die Comödie auch 
in Goethekreisen erneute Aufmerksamkeit. Denn Scherbius 
war Goethes Privatlehrer, wie aus Goethes Labores juveniles 
— über ihren Neudruck vgl. unten S. 304 — hervorgeht. Dort 

Gosths-Jahrbvcb XVni. lO 



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290 MiSCELLEN. 



heißt es auf dem Titel des liber exercitiorum Germanico- 
Graeconim atque Latinorum, daß sie dem Knaben a Domino 
Scherbio praeceptore meo aestimatissimo dictata sunt. (Vgl. 
Loeper, Dichtung und Wahrheit I, 279, diese wichtigste Stelle 
fehlt im Index.) Goethe nannte in seiner Selbstbiographie den 
Namen des Lehrers nicht. L. G. 



7j. Heun (Clauren) als Förderer der Jenaer A, L, Z. 

Weder in Goethes Briefen an Eichstädt (ed. Biedermann, 
Berlin 1872), noch in seiner Geschichte der Jenaer Literatur- 
Zeitung (Annalen 1803 und 1804) wird von dem später so 
bekannten Romandichter Clauren (Commissionsrath Heun) viel 
gesprochen. In der letztern wie überhaupt in dem ganzen 
Werke wird Heun gar nicht erwähnt ; in den Anmerkungen zum 
erstem (im Text kommt er nicht vor) nur einmal S. 248 : dort 
wird er als Beförderer der Zeitung in Russland genannt, wo- 
hin er den Geheimen Rath von Wolzogen begleitete. 

Doch hat er in Wirklichkeit eine viel bedeutendere Rolle 
gespielt. In einem erst kürzlich gedruckten Briefe (W. A., 
Briefe 16, 306) wird er und Eichstädt als die »eigentlichen 
beiden Unternehmer« der Zeitung genannt; und in einem 
ihm für Klinger bei jener Petersburger Reise mitgegebenen 
Briefe (das. 16, 380) als »ein thätiger und anständiger Mann« 
bezeichnet, »der als Unternehmer der Jenaischen A. L. Z. uns 
interessant geworden«. Während Heun nun aber (vgl. An- 
merkungen das. S. 475) nur als der Capitalist erscheint, war 
er jedenfalls in der ersten Zeit mehr oder wollte mehr sein. 
Beweis dafür ist folgender Brief, den ich jüngst erworben 
habe (Jena, 29. Sept. 1803): 

Mein sehr werther Freund! 
Ihre geschätzte Zuschrift vom 21. d. ist uns zu erfreulich 
gewesen, als daß ich mit deren Beantwortung bis zur Ueber- 
sendung des in einigen Tagen erfolgenden Contracts, Anstand 
nehmen sollte. Von Ihrer Umsicht, von Ihrer Landes- Ver- 
fassungs-Kunde, von Ihrem Fleiße und Ihrem Eindringen in 
den Geist der Kritik, darf unser Institut etwas ganz Vorzüg- 
liches erwarten; Sie sind uns daher herzlich willkommen, 
und Sie stehen in der Reihe auserwählter Männer, von denen 
ich dreust behaupten darf, daß Sie sich auch keines einzigen 
schämen dürfen. Die Conjuncturen der Zeit und Umstände 
haben uns genöthiget, nicht jeden Freiwilligen, sondern nur 
den Geübteren aus den Reihen zu rufen. Wir haben Männer 
gegen uns, und das Publikum, der große Zuschauer unsres 
Wettkampfs wird mit der Zeit entscheiden, wem der Preis 



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MiSCELLEK. 291 



zugetheilt werden soll. In Ihnen, mein werther Freund, hoffen 
wir, einen richtigen Krieger vor die Fronte gestellt zu sehen, 
und da die Lärmkanone bald den Signalschuß geben wird, 
so ergehet hiermit und Kraft dieses, unser ernstlicher Wille 
an Sie, als unsern getreuen Vasallen und Lehnsmann, Sich 
in Zeiten mit einigen recht kräftigen Recensionen einzufinden, 
tim gleich bei Eröffnung des Feldzugs, dieselben in die Welt 
detaschiren zu können. 

Strenge und Unpartheilichkeit sind unsere Loosung, und 
ich freue mich, daß Sie hierunter mit uns gleichen Sinnes 
sind. Wir sind nicht Kant, nicht Schelling — nicht Schlegel, 
nicht Merkel, — nicht Brown, nicht Frank. Unser regenerirtes 
Institut hat kein eigenes System. Wir beleuchten eines jeden 
Meinung mit Ruhe, ohne leidenschaftliche Einseitigkeit, und 
überlassen dem Publikum, sich seinen Gang zu wählen, ohne 
dasselbe durch unwürdige Explosionen hämischer Bitterkeit 
zu induciren. Uns gilt nur die Sache, nie die Person. 

Dieß sind die Grundlinien unseres Redactions-Systems, 
welche die hiesige Gedanken- und Censur-Freiheit, zu allen 
Zeiten und in allen Fällen sanctioniren wird. 

Hoffentlich haben Sie Sich bereits einige wichtige Werke 
Ihres Fachs, welche bisher noch nicht in der A. L. Z. recensirt 
sind, ausgezeichnet, und wir würden Ihnen sehr verbunden 
sein, wenn Sie uns solche baldigst nahmhaft machten, um 
Ihnen dann zu sagen, welche wir vorzüglich recensirt zu 
sehen wünschten. Zugleich haben Sie die Gewogenheit, da- 
bei zu bemerken, ob wir Ihnen diese Bücher senden sollen, 
oder ob Sie solche aus dasigen Buchhandlungen geliehen be- 
kommen können. Noch sind wegen Kürze der Zeit, wenige 
Recensenda von den Buchhandlungen eingeschickt worden: 
vor der Hand sende ich Ihnen daher nur 

I. Amina. 

I. Auswahl aus den vorzüglichen franz. Schauspielen. 

I. Hans von Krikkrak, 

I. Ernestine, 

I. Die seidenen Schuh, u. 

I. Roderich 
mit der Bitte, deren Beurtheilung — möglichst kurz — je 
«her je lieber zuzuschicken, weil mit dem Druck bald der 
Anfang gemacht werden soll, und wir gern etwas von Ihrer 
gelehrten Feder im Januarhefte aufzuführen wünschten. 

Vor allen Dingen würden Sie uns und das Publikum aber 
verbinden, wenn Sie eine Revision der sämtlichen, über die 
neu adquirirten Preußischen Länder, erschienenen Schriften, 
vorangehen ließen, unter denen sich auch einige bereits 
recensirte befinden könnten, so daß der Leser mit einem 
Ueberblicke von allem dem unterrichtet würde, was über 

19^ 



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292 MiSCELLEN. 



diesen Gegenstand gesagt ist. Nur Sie, als Eingeweihter, 
können hierunter etwas Vollständiges liefern, und wir würden 
eins der ersten Blätter unserer A. L. Z. zur Aufnahme dieser 
Revision bestimmen, weil dieselbe« von Ihnen bearbeitet, ein 
gewiß allgemeines Interesse für den beiweitem größern Theil 
unserer Leser haben müßte. Von den dahin einschlagenden 
Werken habe ich nur die kleine Schrift über die preußische 
Okkupation bei der Hand, die ich Ihnen zu diesem Behufe 
beilege. Die übrigen werden Sie dort leicht bekommen 
können. Ich bitte recht dringend darum, die Ausarbeitung 
dieser Revision Ihr erstes Geschäft ftlr uns sein zu lassen, 
weil Preuße und Nicht -Preuße in ihr eine pragmatische 
Geschichte, und eine sachkundige Zusammenstellung der guten 
und bösen Folgen, der Vorzüge und Mängel, dieser Besitz- 
nahme, zu finden hoffen können. 

Grüßen Sie Ihren alten würdigen Herrn Vater mit 
kindlicher Herzlichkeit. Herr Hofrat v. Eichstädt läßt sich 
Ihnen bestens empfehlen. Hoff'entlich komme ich diesen 
December selbst nach Berlin , und dann sage ich Ihnen 
mündlich, mit welcher innigen Hochschätzung 
ich bin 

Ihr 

Freund 

Heun. 

Wer ist der Adressat des Briefes? Die 6 von Goethe in 
Aussicht genommenen Berliner Recensenten (Briefe 16, 30 fg.) 
sind es nicht; sollte es Fr. J. P. Harl aus Berlin sein, dessen 
Brief Goethe 13. October 1803 zurücksandte? (das. 327 und 
Anm. 480). Es wäre möglich, da er i8o4(vgl. Meusel 14, 34) 
ein Werk über die eingetretenen Staats- und Kirchenver- 
änderungen schrieb, nach den Allg. D. Biogr. X, 601 wieder- 
gegebenen Urtheilen wäre freilich seine Gewinnung kein Vor- 
theil für die neue Zeitung gewesen. 

Von den durch Heun gewünschten Recensionen ist grade 
die letzte, wenigstens im ersten Halbjahr 1804 nicht erschienen. 
Dagegen wurden folgende erbetene Recensionen wirklich ge- 
liefert: Nr. 58, 8. März: Amina, die schöne Circassierin von 
Gottl. Bertrand, Verfasser des Mazarino, Leipzig 1803; Nr. 71, 
25. März: Auswahl aus den vorzüglichsten französischen Schau- 
spielen von G. L. P. Sievers, und: Hans von Krickkrack oder: 
Eine Lüge ist der andern werth. Posse aus dem Franz. von dems., 
beide Leipzig 1803; Nr. 75: 28. März. Roderich oder der Zauber- 
thurm. Ein allegorisches Gemälde. Lorenzo und Antonio, eine 
italienische Novelle. Leipz. 1803. Alle diese Recensionen sind 
O. O. unterzeichnet. Leider giebt es kein Chiffern-Lexikon für 
die Jenaer Literatur -Zeitung. Auch aus dem Goethe-Eichstädti- 
schen Briefwechsel lässt sich über O. O. nichts eruiren. L. G. 



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MiSCELLEN. 293 



14, Eine Goethe-Anecdote. 

Die in der 19. Nummer der »Halle« stehende Schiller- 
Anecdote erinnert mich an eine Goethe -Anecdote, welche 
ich doch aufzeichnen will, da sie, wenn auch an sich un- 
bedeutend, eine hübsche Illustration bietet zu dem bekannten: 
»Vom Vater hab' ich die Statur, 
Des Lebens ernstes Fuhren . . . . « 

Auf der rechten Seite der untern Hälfte des Zürich - 
sees liegen nebeneinander zwei Landshäuser: »Mariahalde«, 
wo Graf Benzel-Stemau sein Leben beendigte, und die »Schipf«, 
welche Jakob Escher, ein genialer Maschinenfabrikant, besaß. 
Diesen kannte ich noch in seinen letzten Lebensjahren — 
er überschritt die Achtziger. Als mich der greise Escher einst 
durch den Schipfsaal führte, erzählte er mir, Goethe habe — 
zu Ende des vorigen Jahrhunderts — auf einem Besuche in 
der Schipf, von seinem Freunde Meyer, dem »Kunschtmeyer«, 
wie ihn später die Weimarer hießen, gebracht, diesen Saal, 
in dessen Hintergrund er eine Orgel erblickte, mit den lustigen 
Worten: »Hier muß man tanzen« betreten und dann den 
ganzen großen Raum im Tanzschritte durchmessen. 

Natürlich wollte ich nun mehr von Eschers Beziehungen 
zu Goethe wissen. Der alte Herr hatte aber — den Eindruck 
der imponirenden Erscheinung seines Gastes ausgenommen — 
nicht viel zu erzählen; nur ein Geschichtchen hatte sich un- 
auslöschlich in sein Gedächtniß gegraben. Ich lasse ihn selbst 
reden in der vagen Form, deren sich der Greis bediente, 
die ich aber, Wort um Wort, verbürgen kann. 

Wir machten, berichtete er, einen Ausflug von Zürich 
nach der gute zwei Stunden entfernten Albishöhe. Vor dem 
Thore der Stadt — damals war Zürich noch befestigt — 
betraute Goethe einen jungen Mann, der ihn begleitete, mit 
einem Fernrohre. »Tragen Sie dazu Sorge« 1 schärfte er ihm 
ein. Als wir auf dem Rückwege wieder vor dem Thore an- 
langten, fragte Goethe den jungen Herrn: »Wo haben Sie 
das Perspectiv« ? Dieser befühlte seine Taschen, nirgends war 
es zu finden. »Es liegt auf dem Tischchen vor dem Spiegel 
im Eßsaale des Albishauses.« »Gehen Sie gleich zurück und 
bringen Sie es« ! Der junge Mann ging. 

Das fand ich etwas hart, schloß Escher sein Geschichtchen, 
aber Goethe wollte seinem jungen Begleiter eben eine tüchtige 
Lehre geben. Conrad Ferdinand Meyer. ' 



' Vor Jahren von C. F. Meyer seinem Verlier H. Haessel mit- 
getbeilt, von diesem nach ausdrücklicher Autorisation Meyers (26. Oct. 
1896) mir übersendet. L. G. 



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294 Nachträge und Berichtigungen. 

IS. Zu dem Aufsatz /. F. Eckermann. (GrJ. XVII y 105 ff,) 

Bei meinem Versuch, nachzuweisen, daß Goethe von 
vornherein Eckermann wie Schubarth und Zauper als Her- 
ausgeber seines Nachlasses in Aussicht genommen hatte, habe 
ich leider eine wichtige Stelle übersehen: den Brief an Staats - 
rath Schultz, in dem Goethe selbst Eckermann mit jenen 
beiden zusammenstellt : »Er hat sich gleichfalls an mir heran- 
gebildet und möchte zwischen Schubarth und Zauper in die 
Mitte zu stehen kommen ; nicht so kräftig und resolut wie 
jener, nähert er sich diesem in Klarheit und Zartheit«. Dann 
auch weiter: »Da er keine weitere Bestimmung hat, so will 
ich ihn nach Jena einladen und ihm dort einige Packete ab- 
zudruckender Schriften zum Redigiren und Corrigiren geben. 
Nach dem Werke, das er mir geschickt hat, scheint er hiezu 
völlig geeignet. Da er sich an meinen Sachen heranbildete, 
so wird es keine Schwierigkeit haben, sich mit ihm zu ver- 
ständigen«. Die Stellen sind von Düntzer zu Eckermanns Ge- 
sprächen I, 266 angezogen. R. M. Meyer. 



B. Nachträge und Berichtigungen zu Band AVIL 

S. 223. Die Strophe erschien zuerst in der (von Bischof 
Percy besorgten) Ausgabe von i8oi : Goldsmith's Miscellaneous 
Works in 4 vols 8*°- — In der Ausgabe der Works of Oliver 

Goldsmith by J. W. M. Gibbs (London, George Bell 

and Sons, 1885) 2, 28 lese ich: This stanza was added by 
Bishop Percy, and first printed in his edition of the Works, 
i8oi. Percy states that he had the MS. from Mr. Richard 
Archdal, an Irish MP., to whom it had been given by Gold- 
smith. — Vgl. damit die Note zum Vicar in der genannten 
Ausgabe i, 236 : The Archdal stanza in the Ballad. 

M. Bernays. 

In dem Festvortrag von K. Burdach über Goethes West- 
östlichen Divan sind folgende Druckfehler zu verbessern: 

S. II* Z. 12, lies historisch-genetisches (statt historisch- 
poetisches). 

S. 35* Z. 3, lies indem (statt in dem). Z. 26, lies Correctur- 
bogen (statt Correcturbögen). 

S. 38* Z. 4, lies Berührung (statt Bemühung). 

Burdach. 




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Chronik. 



NEKROLOGE. 

Otto Roquette (geb. 19. April 1824, gest. 18. März 1896). 

Auch an dieser Stelle muß des liebenswürdigen Dichters 
und Literarhistorikers und des trefflichen Menschen gedacht 
werden, der uns im vorigen Jahre entrissen wurde. Was ich 
über sein Wesen und Wirken zu sagen hatte, habe ich ausführ- 
lich in Westermanns Monatsheften (August 1896, S. 604 — 619) 
dargelegt und darf wohl den Leser darauf verweisen. 

Hier nur, theilweise mit Anlehnung an das dort Ausge- 
führte, einige Worte über den Literarhistoriker und Goethe - 
freund. Er war ein treues Mitglied der Goethe-Gesellschaft und 
ein Freund der Goethe-Studien. Mit Weimar stand er in enger 
Verbindung; hatte er doch einige Zeit dort gelebt und nament- 
lich als Dramatiker daselbst Erfolge errungen. Nur einmal jedoch 
(1894) erschien er auf einer Versammlung der Goethe-Gesell- 
schaft : der kleine, lebhafte, frische Mann, der ungebeugt seine 
70 Jahre trug und, trotz manches Leidens sich jugendlich 
gab, war ein geschätztes, achtungsvoll begrüßtes Mitglied 
der Gemeinschaft. Auf Weimar bezieht sich auch eines der 
größeren dem literar -historischen Gebiete angehörigen Werke, 
das Roquette hinterlassen: »Friedrich Preller. Ein Lebensbild«. 
Frankfurt a. M. 1883. Das erste Capitel: »Der Schützling 
Goethes und Karl Augusts« und das vierte und fünfte, in dem 
von Goethes Tod und den Folgen dieses Ereignisses für die 
Weimarer Gesellschaft gehandelt wird, liest man noch heute 
mit Interesse. Mit Weimar beschäftigt sich aber auch ein 
Novellenband: »Grosse und kleine Leute in Alt-Weimar«, 
Breslau 1887, in dem Goethe selbst und die Seinen, Freunde 
und Feinde, Hoch und Niedrig in unterhaltender Weise, in 
welcher der Culturhistoriker den Erzähler selten stört, vorge- 
führt wird. 



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296 Chronik. 

Eigentlich forschend hat sich Roquette der Goethe-Literatur 
nicht zugewandt. Ein kleiner Aufsatz : »Goethe und die Garten- 
kunst« (vgl. G.-J. VIII, S. 315) bezeugt fleißige Lectüre. 
Auch wurde er kein Mitarbeiter des Goethe-Jahrbuches, ob- 
wohl er gelegentlich eine Arbeit über die »falschen Wander- 
jahre, ihren Verfasser und ihre Bedeutung« in Aussicht stellte.' 
Aber wie er von Goethe erfüllt war, zeigte er durch die 
vielfältig erkennbare Abhängigkeit seines Prosastils von Goethe 
und durch die in Lehrvorträgen Goethe zugewandte Aufmerk- 
samkeit. Seit 1869 lehrte er an der technischen Hochschule 
in Darmstadt ; nachdem er vorher schon fast anderthalb Jahr- 
zehnte in Dresden und Berlin an Schulen und höheren Unter- 
richtsanstalten Geschichte und Literatur gelehrt und vorge- 
tragen hatte. Wie er bei diesen Vorlesungen während seiner 
letzten Lebensperiode die neuere Zeit und speziell Goethe 
bevorzugte, lehren die Vorlesungsverzeichnisse des Goethe- 
Jahrbuches. Aus dieser seiner Lehrthätigkeit waren einige 
Werke entstanden, von denen sich einzelne Theile auch auf 
die classische Zeit bezogen. Dies war sein »Deutsches Lese- 
buch«, Berlin 1877, und der Text zu einer »Gallerie deutscher 
Dichter« 1878. Beiden Büchern war kein sonderlicher Er- 
folg beschieden ; ein größerer, aber auch nicht durchschlagen- 
der, seiner »Geschichte der deutschen Dichtung von den 
ältesten Denkmälern bis auf die Neuzeit« (zwei Bände, Stutt- 
gart 1862 bis 1863), von der 1872 eine umgearbeitete, 1879 
eine dritte durchgesehene Auflage erschien (1882 nur eine 
Titelauflage der letzten). Das Buch war geplant als eine 
Wendung gegen Vilmar, es sollte dessen vielverbreitetes, ge- 
lehrtes und gutgeschriebenes Buch, das wegen seiner pietistisch- 
reactionären Richtung manchen Schaden stiftete, verdrängen. 
Dieser Erfolg ward ihm nicht zu theil. Das Vilmarsche Buch 
blieb in seiner Bedeutung und Verbreitung bestehen; erst 
neuere Werke vermochten es aus seiner herrschenden Stellung 
zu entfernen. Roquettes Buch ist fleißig und geschmack- 
voll, aber weder geistreich noch gelehrt. Es zeigt weder 
blendende Charakteristiken, noch neue Gesichtspunkte, dafür 
ist es aber auch frei von Vorurtheilen und bestimmten 
Tendenzen. Das Hauptgewicht liegt in dem Werke auf der 
Schilderung der classischen Periode. Mit besonderer Aus- 
führlichkeit werden nach Klopstock und Wieland auch Lessing, 
Schiller und Goethe behandelt. Man merkt diesen Abschnitten 
die Vorliebe des Autors an: sein Ton wird wärmer, ohne jemals 
in übergroßes Pathos zu gerathen. Nirgends zeigt sich nörgelnde 
Kritik, sondern überall liebevolles Versenken in das Schafien 
Anderer, feines Verständniß für ihr Wollen und Wirken. 



Vgl. ferner unten S. 316. 



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Chronik. 297 

Dieses verständnißvolle Würdigen speziell von Goethes 
Schriftstellerei zeigt sich z. B. in folgender Stelle aus Roquettes 
Roman: Heinrich Falk. Dort (II, S. 37) wird geschildert, wie 
ein bildungsempfänglicher, nicht hochgebildeter Landmann 
Goethes Gedichte erhält. Der Eindruck, den er durch diese 
LectUre empfing, wird folgendermaßen geschildert: »Er be- 
gann zu lesen. Er blätterte vorwärts und rückwärts, die Stunden 
entflohen, sein Gesicht glühte. Er starrte ins Licht, er las 
immer wieder, was er schon gelesen hatte. Es war, als sänge 
ein ganzer Chor von Liederseelen laut aus den Blättern her- 
vor. Das klang und rauschte, bald jauchzend aus voller Jugend- 
brust, bald sanfteste Klage und tiefstes Weh, bald stürmende, 
titanische Leidenschaft, bald Melodie beruhigter Schmerzen 
und Trostgesang in Thränen. Ja, eine neue Welt wars, die 
ihm plötzlich aufging. Was je ein Menschenherz in Freud und 
Schmerz empfunden, das Alles klang ihm aus diesem kleinen 
Buche entgegen«. L. G. 

Michael Bernays (geb. 27. Nov. 1834, gest. 25. Febr. 1897). 

Die bedeutsame Stellung des Hingeschieden gebietet, ob- 
wohl die Notizen dieser Rubrik sonst nur den Ereignissen des 
vergangenen Jahres gewidmet zu sein pflegen, schon jetzt von 
seinem erst vor wenigen Wochen zu beklagenden Verluste 
zu berichten. Grade deshalb kann keine ausführliche Bio- 
graphie oder Würdigung gegeben, sondern nur ein kurzes 
Wort der Erinnerung gesagt werden. 

Michael Bernays wurde in Hamburg geboren, wurde dort 
gebildet, studirte in Bonn, wo er schwere Zeiten und Ent- 
behrungen durchzumachen hatte, lehrte seit 1872 in Leipzig, 
seit 1873 in München und lebte, nachdem er seinem Lehramte 
freiwillig entsagt hatte, von 1890 an in Carlsruhe. Er war einer 
der Ersten, der, von den Griechen ausgehend, der neuen Literatur 
seine Studien zuwandte: Homer auf der einen, Dante, Shake- 
speare, Goethe auf der andern Seite unaufhörlich studirte, in 
ihr Verständniß eindrang und zu ihrer Würdigung bei Anderen 
beitrug. Als Thema seiner Abschiedsrede vom Gymnasium 
wählte er das Verhältniß des Dichters zu seinem Werke in 
Goethes Tasso; schon 1855, wohl in den Universitätsferien, 
hielt er zu Hamburg vor einem kleinen Kreise jugendlicher 
Genossen Vorlesungen über Shakespare, für die eine Dank- 
adresse seiner begeisterten Zuhören noch erhalten ist. Den 
homerischen Studien blieb er sein Leben lang treu; als sein 
Hauptwerk schwebte ihm »Homer in der Weltliteratur« vor, 
ein Stoff, von dem er im Kreise seiner Vertrauten oft sprach, 
an dessen Vollendung er sich aber nicht gern mahnen ließ; 
nur eine Probe seines reichen Wissens, eine Andeutung von 



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298 Chronik. 



der Gestaltung des Werkes veröffentlichte er in der Ein- 
leitung zur Jahrhundertausgabe des Vossischen Homer (1882). 
Shakespeare widmete er die verschiedensten Arbeiten : er be- 
theiligte sich an den neuen Ausgaben der Schlegel -Tieckschen 
Uebersetzung, erschloß die «Entstehungsgeschichte des Schlegel- 
schen Shakespeare« und gab in seinen Vorlesungen und Re- 
citationen durch seine vergleichenden Betrachtungen und sein 
tiefes Eindringen in die Werke ein so gewaltiges Material, daß 
viele neuere Forschungen und Darstellungen auf seine An- 
regung zurückzufahren sind. 

Das Gebiet jedoch, auf dem er als Schriftsteller und Lehrer 
am nachhaltigsten gewirkt hat, war das der Goethe-Philologie. 
In der kleinen Schrift »Ueber Kritik und Geschichte des 
Goetheschen Textes« (1866) lehrte er den seitdem allgemein an- 
erkannten und von allen Herausgebern befolgten Satz, daß die 
Werke Goethes durch die Benutzung des Himburgischen Nach- 
drucks durch Goethe selbst schwere Verderbnisse aufwiesen und 
suchte die Methode der Textverderbnisse zu beseitigen. In den 
»Briefen Goethes an F. A. Wolf« (1868) gab er die Muster- 
edition eines Textes und schilderte in der Einleitung und in 
den begleitenden Bemerkungen in trefüicher Art das eigenartige 
persönliche Verhältniß beider Männer, ihre gemeinsamen und 
doch so verschiedenen homerischen Studien. In der großen 
Einleitung zu S. Hirzels mühe- und verdienstvoller Sammlung 
»Der junge Goethe« (1875) versuchte er ein trefüiches Bild von 
Goethes Jugendentwicklung zu geben. Viel kürzer, als es hier ge- 
schehen konnte, entwarf Bernays eine Lebensskizze des ganzen 
Goethe (Allg. Deutsche Biographie Bd. IX und S. A. 1880), 
die geistvoll und kenntnißreich die Resultate jahrzehntelanger 
Studien zusammenfaßte und vielseitige Andeutungen und An- 
regungen gewährte. Die reifste Frucht seiner Studien legte 
er in dem ersten Bande seiner »Schriften zur Kritik und 
Literaturgeschichte« mit dem besonderen Titel : »Zur neueren 
Literaturgeschichte«, Stuttgart 1895, vor, der im wesentlichen 
ungedruckt war. (Leider wird sich die Hoffnung nicht erfüllen, 
im 2. Bande und in den folgenden Bänden viel Ungedrucktes 
zu erhalten; von der Hauptabhandlung des 2. Bandes sind 
8 Bogen gedruckt und nur noch zu etwa einem Bogen Manu- 
script vorhanden). Er enthielt die erste und leider letzte Frucht 
seiner freiwilligen Muße, ein Buch voll Gelehrsamkeit und 
Anregung, voll feiner Hinweise auf die Weltliteratur und 
geistreicher Bemerkungen zur Würdigung einzelner Goethischer 
Schriften. Außer einer schon früher gedruckten kleineren 
Arbeit: »Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe« im 
Jahre 1881, enthielten sie auf 360 Seiten zwei große völlig 
ungedruckte auf Goethe bezügliche Studien : i. Bemerkungen 
zu einigen jüngst bekannt gemachten Briefen an Goethe, in 



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Chronik. 299 



denen das Verhältniß Goethes zu W. Scott ausführlich klar- 
gelegt wurde, 2. Der französische und deutsche Mahomet, in 
dem es sich eigentlich um Beziehungen Voltaires zu Goethe 
handelt, aber ein großes Stück vergleichender Literaturge- 
schichte mit Scharfsinn und Gelehrsamkeit, zugleich mit an- 
muthender Darstellung abgehandelt wird. Der Autor, der auch 
als Schriftsteller seiner stark ausgeprägten Eigenart treu blieb, 
scheute sich nicht, wo es ihm gut dünkte, Arabesken anzu- 
fügen und scheinbar fernliegende Einzelheiten mit behaglicher 
Breite auszuführen.' 

»Seine Veröffentlichungen jedoch können keinen Begriff von 
dem Umfang seines Wissens und Forschens geben. Er war kein 
productiver Schriftsteller, die Neigung führte ihn zum unauf- 
hörlichen Aufnehmen und innerlichen Verarbeiten des Gelesenen, 
die Begabung zur mündlichen Mittheilung, zur Bethätigung 
als Lehrer. Nur wer Bernays auf den beiden Gebieten seiner 
glänzendsten Leistungen, als Vortragenden im CoUeg, oder 
noch besser im persönlichen Verkehr in seinem Seminar und 
im Privatgespräch kennen lernte, dem enthüllte sich das Beste, 
was in ihm war«. 

»Stets betrat er zu derselben Stunde, um vier Uhr Nach- 
mittags, das Auditorium, ernst schritt er an den Reihen der 
Zuhörer, die sich aus allen Fakultäten und zahlreichen älteren 
Männern zusammensetzten, vorüber, hochaufgerichtet, den 
Kopf sinnend zur Erde gesenkt. Auf dem Katheder eine 
längere Pause der Sammlung, dann heftete er das Auge auf 
die Anwesenden, und in gewaltigem Pathos ergoß sich die 
frei dahinströmende, bis ins feinste Detail durchciselirte Rede. 
Man fühlte es: der Mann da oben war von der Würde und 
der Bedeutung seines Gegenstandes und — seiner Person ganz 
erfüllt, jede Unterbrechung erschien ihm als Entweihung und 
Beleidigung, die er sofort durch Verstummen rügte. Es lag 
über ihm, während er sprach, wie die Weihe eines Priester- 
thums; das bezeugte das Gewicht, mit dem er auch das schein- 
bar Nebensächliche vortrug, der predigtartige getragene Ton 
und die Lebhaftigkeit der Gestikulation, die über das sonst 
auf deutschen Kathedern übliche Maaß weit hinausging. Mit 
diesen Mitteln senkte er seinen Zuhörern eine Menge von 
tiefen und großen Gedanken in die Seele, entzündete er jene 
Begeisterung in ihnen, von der er selbst erfüllt war, und 
führte ihnen die Bilder der Geisteshelden vor, wie sie riesen- 
groß vor seinem Auge standen, nicht nur in beschreibender 



' Die folgenden mit Anfuhrungszeichen versehenen Abschnitte 
sind, im Einverständnisse mit dem Autor, aus G. Witkowskis Nachruf 
(Mag. f. Lit. Nr. 10, 11. März 1897) entnommen, da über Bernays als 
Redner und Lehrer nur eben ein Schüler zu sprechen vermag. 



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300 Chronik. 

Darstellung, vor allem durch die reichlich eingeflochtenen 
Proben ihrer Werke, die er in untlbertrefflicher Weise wieder- 
gab, a 

»Aber seine ganze Bedeutung als akademischer Lehrer 
zeigte sich erst im Verkehr mit denen, die unter seiner Führung 
das Studium der neueren Literaturen zum Lebensberuf er- 
wählten. Mit warmer Herzlichkeit, die sich öfters zu inniger 
Freundschaft steigerte, trat er seinen Schülern gegenüber; 
unbeschränkt widmete er ihnen Zeit und thätige Theilnahme, 
und seine Bibliothek, wohl die kostbarste Privatsammlung 
dieser Art in Deutschland, stand ihnen jederzeit zur Ver- 
fügung. Wer in seiner Gegenwart ein Buch aus den langen, 
wohlgeordneten Reihen hervorzog, der konnte sicher sein, 
daß Bernays daran eine Reihe belehrender Sätze knüpfte; 
die eigene Arbeit trat neben dem Streben, den vertrauenden 
Jüngeren zu nützen, gänzlich zurück. Dabei ließ er die 
geistige Freiheit eines jeden unangetastet; er suchte nicht 
eine Partei, eine Schule zu bilden, und nur in der Gemeinsam- 
keit gewisser großer Gesichtspunkte, vor Allem der An- 
schauung von der engen Verbindung der modernen Litera- 
turen unter sich und mit den antiken, besteht das Band, das 
die zahlreichen Männer umschlingt, die schon jetzt auf deut- 
schen und ausländischen Lehrstühlen sich als Schüler von 
Michael Bernays bekennen«. 

Im Goethe -Jahrbuch ist Bernays' Name durch keinen 
großen Aufsatz vertreten. An beständigen Forderungen und 
Mahnungen hatte ich es nicht fehlen lassen, aber er wider- 
stand ihnen. Denn zu seinen schriftstellerischen Eigenheiten 
gehörte, daß er für sich allein stand, daß ei<sich durch 
räumliche und zeitliche Rücksichten nicht beengen ließ. 
Nur wenige Miscellen bot er dar: »Zu den zahmen Xenien« 
Bd. V, S. 342 — 344, »Zu den Sprüchen in Prosa« Bd. VI, 
S. 336 — 338; ferner eine Anzahl Berichtigungen Bd. VI, 
S. 362, XVn, S. 263 fg. und die, welche diesen Gedächtniß- 
worten fast unmittelbar voransteht. Leider blieb er auch hier 
einem Grundsatze treu, den er in einem Briefe vom 4. Aug. 1881 
aussprach : »In Bezug auf meine literarischen Arbeiten pflege 
ich mir das volle Maaß persönlicher Unabhängigkeit zu 
wahren. Grundsätzlich ertheile ich keine bindende Zusage«. 
Daher konnte ich auch trotz wiederholten Drängens den Fest- 
vortrag in der General-Versammlung der Goethe-Gesellschaft 
13. Juni 1889 »Ueber Goethes Geschichte der Farbenlehre« 
nicht erlangen. Die mannigfachen Belehrungen, die auch 
fernabliegende Aufsätze Bernays' dem Goethe-Forscher boten, 
wurden sorgsam gebucht (vgl. G.-J. XIII, 362, XIV, 326). 

In einem regelmäßigen Briefwechsel stand ich mit Bernays 
nicht. Aber seit 1881 bis zum November 1896 erhielt ich, 



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Chronik. 30 1 

theils nach dem Erscheinen der einzelnen Bände des Goethe- 
Jahrbuches, theils zur Erwiderung auf literarische Zusendungen 
freundliche eingehende Briefe. Nur ein Wort daraus sei hier 
mitgetheilt. Bemays hatte mich (1884) gedrängt, die »Scham- 
losigkeiten«, mit denen ein Veteran der Goethe-Wissenschaft 
die »Allgemeine Zeitung« »beschmutzt« habe, mit einem »ein- 
schneidenden« Worte zurückzuweisen; ich lehnte es ab, weil 
ich schon damals den Grundsatz hatte, durchaus nicht auf 
literarische Anzapfungen zu erwidern. 1886 mußte ich eine 
Ansicht Bernays* bekämpfen und erhielt darauf von ihm 
(13. März 1887) ein Schreiben, in dem es hieß: »Auch be* 
freundete Forscher, die sich eines gemeinsamen Strebens be- 
wußt sind, können unmöglich überall zusammenstimmen. 
fVoAi aber können sie abweichende Meinungen in der würdigen 
und sie selbst ehrenden Weise zum Ausdruck bringen, welche 
Sie in diesem Falle gewählt haben«. Leider ist auch ihm 
gegenüber nicht immer in dieser allein würdigen Weise ver- 
fahren worden. 

Am 20. October 1896 besuchte ich Bernays in seinem 
gastlichen Hause. Ich war der letzte der auswärtigen Freunde, 
die bei ihm einsprachen. Bald darauf nahm das Uebel, das 
ihn schon längere Zeit quälte, einen bedrohlichen Charakter 
an, mehrmonatliches schmerzensvollesSiechthum folgte. Damals 
merkte man ihm nichts von seinem Leiden an. In unge- 
schwächter Kraft trat seine Lust hervor, den Fragenden aus 
dem reichen Schatz seiner Büchersammlung und aus dem 
reicheren seines Wissens zu belehren, die Hingebung, Anderen 
2u dienen, die Begeisterung für die Schätze der Literatur, 
die er in unvergleichlicher Weise zu deuten und wiederzugeben 
verstand. Sein Auge leuchtete, als er von seinen Goethe- 
Abenden am Badischen Hofe erzählte. Mit einer Stimme, 
die mir noch heute im Ohre tönt, mit einem Ausdruck, der 
Unverständliches klar und einfach erscheinen ließ, trug er 
Goethes »Urworte. Orphisch« vor. Ich schied von ihm, mich 
eines längeren Zusammenseins im März getröstend. Als ich 
am 24. März sein Haus wieder betrat, war es mir nur ver- 
gönnt, durch die Gunst seiner Wittwe, seiner hingebungsvollen 
Pflegerin, einen Blick in die Hefte und Blätter zu werfen, die 
er hinterlassen. Seine kostbare Bibliothek bleibt, wie ich von 
zuständigster Seite erfuhr, Eigenthum der Familie ; als schönes 
Vermächtniß des freudig Spendenden soll sie, wie bisher, den 
Forschern zugänglich erhalten werden. 

So dient das von ihm liebevoll Aufgespeicherte und treu 
Gehegte auch femer dem Heile der Wissenschaft. Wenn aber 
auch sonst aus dem schriftlich von ihm Hinterlassenen, weniger 
zur Veröffentlichung geeignet sein mag, als seine Getreuen 
hofften — auch jener Goethe -Vortrag ist nicht vorhanden — sein 



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302 Chronik. 



Name bleibt durch die Anregung, die er gewährt, durch die 
Erhebung, die er verschafft, durch die Begeisterung, die er 
eingeflößt, unvergessen. L. G 

J, IV, Appell, der Verfasser des mehrfach aufgelegten 
Buches »Werther und seine Zeit« starb in London am 8. Januar 
1896. Er war am 17. April 1829 in Offenbach geboren und 
lebte seit 1860 in London, wo er von 1864 — 1893 Bibliothekar 
am South -Kensing ton -Museum war. Unter seinen Schriften 
beziehen sich einige auf deutsche Literatur des 18. und 19. 
Jahrhunderts. Das Buch über »Werther« erschien zuerst 1855. 
Die von ihm zusammengekaufte Werthersammlung kam an 
die Stadtbibliothek in Bremen. Einen liebevollen Nekrolog des 
Verstorbenen lieferte J. Baechtold im »Euphorion« (Bd. IV, 
S. 437—439)- L. G. 

Nachträgliches zu Seite i^ä, Anm, i: Es ist keine 
Ordensauszeichnung Böttigers, sondern eine Ehrung gemeint, 
die ihm in Weimar am 20. October 1828 zu Theil ge- 
worden war. An jenem Tage wurde in dem großen Hörsaal 
des Gymnasiums sein Bildniß aufgestellt; bei dieser Gelegen- 
heit von Fr. Peucer eine Rede »Zu Ehren Böttigers« ge- 
halten. (Gedruckt: Fr. P., Weimarische Blätter, Leipzig 1834, 
S. 584 ff.) In dieser hieß es über Böttiger: »Denn unser ist 
er, ob er auch schon seit geraumen Jahren von uns ge- 
schieden ist. Er ist unser, durch eine fast dreyzehnjährige 
ruhmvolle Amtsführung als Direetor dieses Gymnasiums ; unser, 
durch eine Menge gelehrter Arbeiten, die er hier begann 
oder vollendete; unser, durch so viele tüchtige Schüler, die 
er hier bildete und zum Nutzen des In- und Auslandes, zur 
Ehre des Staats- und Kirchendienstes, wie der Literatur her- 
anzog; unser, durch seine noch fortwährend seinem ehemaligen 
Weimar und uns Allen gewidmete treue Gesinnung und An- 
hänglichkeit«. Die Verehrung der Schüler wird mit den Worten 
bezeugt: »die einst mit mir unter seinem Lehrstuhl saßen, 
einst jahrelang, mit mir, an seinem Munde hingen, an dem 
reichen Gastmahl seiner Gelehrsamkeit sich sättigten, seines 
tief eingehenden, weit umfassenden, kräftig aufregenden, und 
dabey immer heitern, immer blühenden Unterrichts ebenso 
freudig als dank voll genossen«. 




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Bibliographie. 



I. Schriften. 

A. WEIMARER GOETHE-AUSGABE. 

Goethes Werke. Herausgegeben im Auftrage der Grossherzogin 
Sophie von Sachsen. Weimar, H. Böhlaus Nachfolger. 

Siehe G.-J. XIII, 259 Anmerkung. Erschienen sind im 
Jahre 1896 folgende Bände: I. Abtheilung, Band 37: Jugend- 
schriften aus Frankfurt, Leipzig, Strassburg, Frankfurt (Redactor 
Erich Schmidt, Herausgeber y". Wähle, B, Suphan, E. Martin, 
E. Schmidt, G. Witkawski, O, Harnack, A. Leitzmann,) 
lieber die Lostrennung der Lesarten zu diesem Bande, die 
dem 38. Bande beigegeben sind, sowie über die Aufnahme 
einiger Stücke, ftlr die im Texte keine Stelle war, vgl. unten 
E. Schmidts Bericht. Band 47: Schriften zur Kunst 1788— 1800. 
(Redactor B. Suphan, Herausgeber O. Harnack^ 2. Abthei- 
lung, Band 1 2 : Meteorologisches und Nachträge, sowie 
Register über Band 6—12 dieser Abtheilung. (Redactor B, 
Suphan, Herausgeber R, Steiner,) Den Bericht über diesen 
Band brachte bereits das vorige Jahrbuch (XVII, 283 f.). 3. Ab- 
theilung Band 8: Tagebuch 182 1, 1822. {R.ed2iCtOT B. Suphan, 
Herausgeber F, Heitmüller, unter gelegentlicher Theilnahme 
von y. Wähle ^ 4. Abtheilung Band 19: Briefe von Mai 1805 
bis Ende 1807. Band 20: Januar 1808 bis Juni 1809. Band 21 : 
Juli 1 809 bis December 1 8 1 o. (Redactor B, Suphan, Herausgeber 
A. Leitzmann,) Dem Bericht über Band 37 der i. Abtheilung 
ist hier bereits der über die Bände 38 und 39 angefügt, die 
mit 37 ein Ganzes ausmachen; diese beiden Bände sind zur 
Zeit im Druck vollendet und werden demnächst ausgegeben 
werden. 



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304 BiBUOGRAPHIE. 



BERICHT DER REDACTOREN UND HERAUSGEBER. 

ERSTE ABTHEILUNG. 

Die Bände 37 — 39, für die eine von der vorläufigen ab- 
weichende Anordnung getroffen worden ist, enthalten — außer 
den älteren »Iphigenien« und einem kleinen Weimarischen 
Aufruf zu Gunsten Bürgers — poetische und prosaische Jugend* 
Schriften, die mit den nicht unverdächtigen Glückwunsch- 
gedichten des Knaben anheben und unter den Gebilden oder 
Bruchstücken der Leipziger Zeit zum ersten Mal das Buch 
»Annette« vollständig darbringen. Goethes Handschriften 
werden getreu, nur mit leisen Eingriffen in die Interpunction, 
wiedergegeben, die Drucke — ohne Rücksicht auf die Will- 
kür der Verwalter des Nachlasses — nach den auf der Aus- 
gabe letzter Hand C fußenden Grundsätzen normirt, worüber 
theils im Einzelnen, theils zusammenfassend berichtet wird. 
Unzugänglich blieb leider was aus dem Nachlaß Charlottens von 
Stein noch in Kochberg ruht. Verlorenes wird vom Redactor 
in den Vorberichten aufgezählt und in einigen Fällen erörtert 
(so im 38. Bande »Das Unglück der Jacobis« mit allen Be- 
legen und an Suphans Hand vorgreifend die »Literatur« gegen 
Friedrich den Großen). Auch von der Theilnahme an fremden 
Arbeiten ist kurz die Rede. 

Band 37 bringt nach Frankfurter und Leipziger Dichtungen« 
soweit die Lyrik nicht schon früheren Complexen einverleibt 
ist, Frankfurter und Straßburger Entwürfe (Romanfragmente), 
Uebersetzungen (Ossians Selma) und Notizen (Ephemerides, 
zu denen Martin unentbehrliche Sacherklärungen nachträgt); 
dann die kleinere Prosa der Frankfurter Zeit von 1771—1775. 
Die Schwierigkeit für die »Frankfurter gelehrten Anzeigen« 
wurde von Witkowski dergestalt gelöst, daß alles von Goethe 
in C Aufgenommene, auch was er und seine Gehilfen aus dem 
Jahrgang 1773 herbeigezogen haben, beisammen blieb, aber 
das ihm zweifellos Fremde in Fetitdruck, und im Text nur 
ein paar weitere urkundlich gesicherte Beiträge angeschlossen 
wurden, während alle übrigen Paralipomena mit den nöthigen 
allgemeineren und specielleren Erläutererungen erst in den 
Lesarten Platz fanden. Die Behandlung des Antheils an Lavaters 
»Physiognomischen Fragmenten« war durch v. d. Hellen vor- 
gezeichnet. Die Lesarten mußten der Oekonomie wegen in 
den 38. Band verschoben werden und hier Einiges in sich 
aufnehmen, was nicht wohl den eigentlichen »Werken« zu- 
getheilt werden konnte : Labores juveniles mit Heraushebung 
charakteristischer Colloquia, elsässische Volkslieder, menschlich 
und formal bedeutende Acten des Rechtsanwalts. Die Bearbeiter 
sind Julius Wähle (Kleineres aus Frankfurt und Leipzig), Veit 
Valentin (Colloquia mit einem Bericht über die gesammten 



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Bibliographie. 305 



Handschriften aus der Schulerzeit), Bernhard Suphan (Annette), 
Ernst Martin (Romanbriefe« Selma, Ephemerides und — mit 
A. Fresenius — elsässische Volkslieder), Erich Schmidt (Cäsar, 
Fositiones juris und juristische Acten, Shakespeare, Bürger), 
Witkowski (Von deutscher Baukunst, Brief des Pastors, Zwo 
biblische Fragen, Frankfurter gel. Anzeigen nebst einem 
kritischen Ausblick auf den Wandsbecker Boten, Aus Goethes 
Brieftasche: Falconet, Dritte Wallfahrt), Otto Harnack (Parabeln, 
Hobeslied; nach denHandschriften), Albert Leitzmann (La vater; 
die Lesarten mit E. Schmidt). 

Band 38 enthält Satirisches und Dramatisches: Cancer to 
dramatico (E. Schmidt), Götter, Helden und Wieland (Max 
Rieger, auf Grund der zum ersten Mal völlig ausgebeuteten 
Urschrift), Anecdote zu Werthers Leiden (Julius Wähle), Hans- 
wursts Hochzeit (E. Schmidt, mit allen Paralipomenis, auch 
bisher ganz unbekannten; allerdings keine LectUre für das 
»ohrenzarte Frauenzimmer«), Der ewige Jude (Jacob Minor, mit 
neuer Ordnung des Textes und manchen Nachträgen im Apparat, 
sammt den auf die Fortsetzungen bezüglichen Stellen), Künstlers 
Vergötterung (E. Schmidt, nach dem Original), Erwin und 
Elmire I (Richard Maria Werner, der ausgiebig besonders 
die Bühnenmanuscripte verwerthet), Claudine von Villa Bella I 
(Oscar Walzel, nach dem i. Druck). Im Anhang stellt E. Schmidt 
massenhafte »Späne«, d. h. ernste und burleske, ungebundene 
und gebundene kleine Niederschriften auf losen Blättern oder 
Zetteln, in zwei Massen (Frankfurt, Weimar) zusammen und 
schliesst noch zwei dictirte Volkslieder an. 

Band 39 bietet an erster Stelle die von August Sauer mit 
vielen Verbesserungen gegen die Herausgeber des Nachlasses 
und einem auch die gestrichenen Stellen mittheilenden Apparat 
bearbeitete »Geschichte Gottfrieds von Berlichingen« ; dann 
bringt Rudolf Henning, z. Th. auf mittelbare Benutzung der 
Handschriften angewiesen, die Bruchstücke des »Mahomet« und 
des »Prometheus« (Cmehrfach verbessernd); Erich Schmidt, die 
Göchhausensche Copie in Goethes Jugendschrift transscribirend 
und reichlich interpungirend, den vorweimarischen »Faust«, 
der nicht bloß in die Lesarten des 14. Bandes aufgelöst 
erscheinen sollte; Victor Michels endlich die erste »Iphigenie«, 
im Apparat aber nach eingehender Kritik der ganzen hand- 
schriftlichen Ueberlieferung die Varianten der verschiedenen 
Gruppen und die — vielleicht gar nicht von Goethe her- 
rührende — mittlere Fassung in freier Versabtheilung, sowie 
Herders Text des Parzenliedes. 

Eine ganze Reihe kleinerer und großer Werke erscheint 
so auf neuen, festen Grundlagen. Der Redactor war überall 
bestrebt, im Einverständniß mit den Herausgebern die Lesarten 
thunlichst zu vereinfachen. Einzelheiten sollen und können 

Goethb-Jahrbuch XVIII. 20 



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3o6 Bibliographie. 



hier nicht hervorgehoben werden; auch schreibe ich diesen 
kurzen Bericht unterwegs, nach der Bestattung unserer Hohen 
Herrin. Erich Schmidt. 



Band 47. Der 47. Band ist der erste einer Reihe von 
drei Bänden, welche die Schriften Goethes zur Kunst (seit 
der italienischen Reise) vereinigen soll. Es war ein Ge- 
danke, in welchem sich der Director des Goethe - Archivs 
und der mit Studien über Goethes Kunstbestrebungen be- 
schäftigte Herausgeber bei gemeinsamem Gedankenaustausch 
begegneten: daß für die Schriften zur Kunst etwas dem Ana- 
loges zu leisten sei, was innerhalb der zweiten Abtheilung für 
die Schriften zur Morphologie u. s. w. durch R. Steiner voll- 
bracht war: ein einheitlich-übersichtlicher Aufbau. War doch 
Goethe selber nicht dazu gelangt, die ihm werthvoll gewordenen 
und consequent von ihm verfolgten Gedanken ebenmäßig 
abschließend darzustellen! War doch hier, ähnlich wie bei 
den naturwissenschaftlichen Arbeiten, mit einem umfangreichen 
ungedruckten Material von Vorarbeiten und Bruchstücken zu 
rechnen, durch welches die Absichten und Ziele Goethes 
auch für die von ihm zu Ende geführten und veröffentlichten 
Arbeiten erst vollkommen erkennbar werden! 

Auf Suphans Befürworten ertheilte denn auch dasCollegium 
der Redactoren die Zustimmung zu einem Verfahren, bei 
welchem zu einem höheren Zwecke von dem sonst geltenden 
Grundsatz genauen Anschlusses an die Ausgabe letzter Hand 
abgewichen werden durfte. Auch konnte man um so mehr 
überzeugt sein, damit Goethes Absichten gemäß zu verfahren, 
als sich aus der Correspondenz, die er wegen der Ausgabe 
letzter Hand geführt, unzweideutig ergibt, daß gerade die 
Anordnung der entsprechenden Bände nicht nach einem vor- 
bestimmten Plan erfolgt ist, sondern sich mehr nach dem 
Drang der äußern Umstände richtete. 



Schon als Goethe aus Italien zurückkehrte, hegte er den 
Gedanken, den Ertrag seiner Reise nicht nur in seinen 
Dichtungen, sondern auch in lehrhafter Form dem deutschen 
Publikum darzubringen. Zuerst veröffentlichte er in Wielands 
Merkur »Fragmente« eines Reisetagebuchs, in welchen er in 
buntem Wechsel bald einzelne charakteristische Bilder italie- 
nischen Lebens zeichnete, bald gewichtige kunstwissenschaft- 
liche Erörterungen aufbaute. Die Ausführung eines größeren 
Werkes verschob er bis zum Eintreffen seines trefflichen Be- 
rathers Heinrich Meyer. Dann aber traten die Kriegsjahre 



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Bibliographie. 307 



1792 und 1793 dazwischen, eine Stimmung tiefen Unmuths 
zog Goethe von allem Künstlerischen ab, und erst seit der 
Verbindung mit Schiller empfand er von Neuem den lebendigen 
Antrieb, sein in Italien gewonnenes Kunstideal kräftig vor 
der Welt zu verfechten. Das Jahr 1795 bringt verschiedene 
ZurUstungen zu solchem Kampf; der Plan einer neuen italie- 
nischen Reise steht damit im Zusammenhang, ebenso Meyers 
zweijähriger Aufenthalt in Rom und Florenz. Nach dessen 
Ruckkehr entwarf dann Goethe, der ihm in die Schweiz ent- 
gegenging, mit ihm den Plan der »Propyläen«, eines periodisch 
erscheinenden Sammelwerkes zur Aufnahme ihrer Kunstfor- 
schungen und ihrer Kunsttheorie. Aber wie wenig ist von 
diesem Plan in Ausführung gekommen! Als die Propyläen 
nach dreijährigem Erscheinen (1798 — 1800) an der Theilnahm- 
losigkeit des Publikums scheiterten, war eine grosse Masse 
gesammelten imd vorbereiteten Stoffs noch unverwendet. Für 
die Weimarer Ausgabe bot sich die Möglichkeit dar, in schöner 
und würdiger Art jene unrühmliche Theilnahmlosigkeit wieder 
gut zu machen, und wenigstens als Entwurf und in Bruch- 
stücken zu zeigen, was nicht vollendet worden war. 

Wenn der vorliegende 47. Band hauptsächlich dieser Auf- 
gabe zu widmen war, so mußte ein fernerer, der 49., für die 
Aufsätze aus der zweiten Kunstzeitschrift Goethes »Ueber 
Kunst und Alterthum« vorbehalten werden. Was dazwischen 
liegt, und hauptsächlich in den »Programmen« der Jenaer 
Literaturzeitung erschienen ist, wird einen eigenen, schmaleren 
Band füllen.' 

In der Ausgabe letzter Hand ist diese Eintheilung in- 
soweit vorgebildet, als Goethe dort den Stoff des 38. Bandes 
größtentheils den Propyläen, den des 39. hauptsächlich »Kunst 
und Alterthum« entnommen hat, während der Inhalt der »Pro- 
gramme« überhaupt nur zum geringsten Theil Aufnahme ge- 
funden hat. 

Es galt nun zunächst bei dem 38. Band letzter Hand 
noch entschiedener und einheitlicher den Charakter, der ihm 
schon aufgeprägt war, herauszuarbeiten, einiges Heterogene 
auszuscheiden, viel Neues hinzuzufügen und sachgemäß anzu- 
ordnen. 

Da die »Propyläen« thatsächlich nur den Abschluß be- 
stimmter, seit der Italienischen Reise von Goethe gehegter 
Pläne darstellen, so wurde alles was seit 1788 bis zum Ein- 
gehen der Zeitschrift (1800) an vollendeten Aufsätzen und 



' Die Kunstaufsätze aus der Jugendzeit sind dieser Sammlung 
nicht eingefugt worden, sondern haben im Zusammenhang mit den 
übrigen Strassburger und Frankfurter Prosaschriften ihren Platz in 
Bd. 37 gefunden. 

20* 



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308 BiBUOGRAPHIE. 

an Entwürfen auf dem Kunstgebiet vorhanden war, einheit- 
lich zusammengestellt. Es kamen besonders die zahlreichen 
Vorarbeiten in Betracht, welche durch eine hochwichtige, von 
Goethe entworfene »Uebersicht der zu behandelnden Materiea 
zu den Propyläen in Beziehung gesetzt werden, sowie die 
nur spärlichen Aufsätze, welche in anderen Zeitschriften schon 
vor Erscheinen der Propyläen abgedruckt waren.' Unter die 
letzteren wurden auch die im »Deutschen Merkur« erschienenen 
Kunstaufeätze aufgenommen, welche der Serie »Italien. Frag- 
mente aus einem Reisetagebuch« angehören, während der 
übrige Theil dieser Fragmente sich der »Italienischen Reisea 
anschließt. Goethe selbst hat diese nur äußerlich unter einem 
Titel vereinigten Aufsätze nicht als Einheit betrachtet, hat 
manches ausgeschieden, manches nur irrthümlicherweise (wie 
die Correspondenz ergibt) im 38. Bande belassen, obgleich 
es zugleich schon in den »Zweiten römischen Aufenthalt« auf- 
genommen war. Diesem hatte der Haupttheil der Fragmente 
in der Ausgabe letzter Hand ursprünglich als Anhang zuge- 
fügt werden sollen, war aber dort wegen Raummangels fort 
geblieben und wurde dann dem 38. Band zugewiesen. Unter 
diesen Umständen erschien für die Weimarer Ausgabe eine 
sachliche Scheidung und Vertheilung der Fragmente auf die 
beiden in Betracht kommenden Bände als das Angemessenste.* 

So weit es thunlich war, ist für den 47. Band die An- 
ordnung des 38. Bandes maaßgebend geblieben. So ergab 
sich das Skelett des Organismus, welchen der Band bilden 
sollte. Die Einleitung in die Propyläen, der Laokoon-Aufisatz, 
die Briefnovelle »Der Sammler und die Seinigen«, der Dialog 
über »Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke« 
waren die festen Theile, welchen sich alle andern ausgeführten 
Aufsätze sachgemäß anschließen und unterordnen mußten. 
Indem der Herausgeber nun alle »Vorarbeiten und Bruch- 
stücke« in den »Paralipomena« in entsprechender Folge der 
Gegenstände aneinanderzureihen suchte, zerfiel der Band 
gleichsam in zwei concentrische Kreise, wo an jedem Punkt 
des zweiten auf den entsprechenden des ersten hingewiesen 
wurde. 

Im Text folgt auf die den Band eröffnende »Einleitung 
in die Propyläen« die Selbstanzeige Goethes als des Heraus- 



' Hier ist ein Druckversehen zu berichtigen, welches in der Ein- 
leitung der Paralipomena S. 277, Z. 17 sich eingeschlichen hat Nach 
den Worten »Stücke, welche etwas frühern Ursprungs sind«, muss es 
sutt (1795) heissen: (— 1795). 

* üie im 3. Bande der Propyläen erschienene Ankündigung der 
Weimarer Preisaufeaben und der ersten Preisvertheilung sind in den 
47. Band nicht aufgenommen, weil alles auf die Preisaufgaben Bezüg- 
liche im 48. Band einheitlich zusammengestellt werden soll. 



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Bibliographie. 309 



gebers der Zeitschrift mit der zugehörigen kurzen Ausführung 
»Ueber strenge Urtheilecr; dem entsprechend beginnen die 
Paralipomena mit allgemeinen Entwürfen des Unternehmens 
und Vorarbeiten zu jener Selbstanzeige und andern ähnlichen 
Anzeigen ; hier ist auch jene oben erwähnte »Uebersicht der 
zu behandelnden Materie« abgedruckt. Im Text schließen 
sich alsdann Aufsätze an, welche Goethes allgemeine An- 
schauungen über bildende Kunst darlegen, womit untrennbar 
seine Betrachtung der Baukunst verbunden ist. Ebenso bringen 
die Paralipomena zahlreiche Schemata und Entwürfe, die sich 
auf Wesen und Ausübung der Kunst beziehen, besonders das 
ausführliche Schema »Ueber den Dilettantismus«, Goethes 
und Schillers gemeinsame Arbeit. Während es bisher nur 
aus der willkürlich zusammengeworfenen und zugestutzten 
Redaction der »Nachgelassenen Werke« bekannt war, er- 
scheint es hier in streng historischer Wiedergabe seines bei 
regelmäßigen Zusammenkünften beider Dichter geforderten 
Entstehens und in möglichst treuer typographischer Nach- 
bildung der einzelnen tabellarischen Aufzeichnungen. Die 
Tagebücher Goethes, sowie der Schiller- Goethische Brief- 
wechsel konnten zur Aufhellung mancher Schwierigkeiten 
dienen. Für den Herausgeber war es eine besondere Freude, 
daß Bernhard Suphan, der als Redactor dem Bande sein warmes 
Interesse zuwandte, an dieser Stelle auch der grundlegenden 
Arbeit der Quellenforschung seine fruchtbare und scharf- 
sinnige Mitwirkung schenkte, so daß sich die Ergebnisse der 
beiderseitigen Arbeit wechselsweise förderten und ergänzten. 
— Diesen Entwürfen und Bruchstücken reihen sich einige 
Einzelheiten an, welche Goethe zu den von ihm angeregten 
Aufsätzen Heinrich Meyers beisteuerte, und die aus dem Rahmen 
blos formeller Berichtigung heraustretend für die Erkenntniß 
von Goethes Anschauungen werthvoll sind. Im Text folgen, 
gemäß der Anordnung der Ausgabe letzter Hand, die Aufsätze 
über »Laokoon« und »Der Sammler und die Seinigen« ; diesem 
letzteren, welcher die verschiedenen Richtungen der Malerei 
charakterisirt, schließen sich dann die kleineren Aufsätze an, 
die der malenden und zeichnenden Kunst gewidmet sind ; diese 
sind theilweise bisher ungedruckt; aus den italienischen »Frag- 
menten« ist der Aufsatz »Von Arabesken« hierher übernommen 
worden. Zahlreich sind die entsprechenden Stücke unter den 
Paralipomena; neben Beisteuern zu Meyers Abhandlungen 
finden sich hier Notizen über verschiedene Kunstsammlungen, 
welche auf Goethes Urtheilsweise und ihre orientirenden 
Gesichtspunkte Licht werfen. Von ähnlicher Art sind die kurzen 
kritischen Bemerkungen zu den in Tiecks »Sternbald« aus- 
gesprochenen Kunstanschauungen. Auch diese Bemerkungen 
waren zur Verwerthung in den »Propyläen« bestimmt. Nicht 



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310 Bibliographie. 



ist dies der Fall gewesen bei den Bemerkungen zum Katalog 
der Dresdner Gemäldegallerie, ftlr welche C. Ruland inzwischen 
eine Vorlage Heinrich Meyers nachgewiesen hat (vgl. S. 104 f.). 
Den Abschluß des Textes macht endlich das Gespräch »Ueber 
Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke«, dem der 
Aufsatz über »Frauenrollen auf dem römischen Theater durch 
Männer gespielt« angereiht worden ist, weil er derselben 
künstlerischen Frage, der Illusion auf der Bühne, gewidmet ist 

Die umfangreichen »Lesarten« lassen erkennen, mit welcher 
Sorgfalt und Hingebung Goethe an diesen Kunstaufsätzen 
gearbeitet hat und wie angestrengt er bemüht gewesen ist, darin 
sein Bestes zu geben. Besonders die »Einleitung« und der 
»Sammler« zeigen diese unermüdliche Arbeit. Ein vom Text 
sehr abweichender Abschnitt aus dem »Sammler« ist nicht 
in die Lesarten aufgelöst, sondern unter die Paralipomena 
gestellt worden, weil man andernfalls kein übersichtliches Bild 
von ihm erhalten hätte. 

Die Arbeit an diesem Bande war sowohl hinsichtlich 
der Sammlung und kritischen Sichtung des Materials als auch 
hinsichtlich der Drucklegung weitschichtig und schwierig. 
Bei einem verhältnißmäßig nur kurzen Aufenthalt in Weimar 
konnte ich sie nur in großen Zügen erledigen, und blieb in 
vielen Einzelheiten auf die abschließende Mitwirkung der 
Arbeitsgenossen am Goethe-Archiv angewiesen; diese Mit- 
wirkung wurde von Herrn Dr. Wähle besonders für die Para- 
lipomena, von Herrn Dr. Fresenius für die Lesarten mit zu- 
vorkommendem Eifer geleistet. O. Harnack. 



DRITTE ABTHEILUNG. 

Der die Jahre 1821 und 1822 umfassende achte Band 
der Tagebücher, dessen Bearbeitung auch diesmal wieder 
Julius Wähle seine dankenswerthe, besonders der Sicherung 
des Textes geltende Beihülfe angedeihen ließ, hat vor seinen 
Vorgängern eine bemerkenswerthe Zuthat voraus : die S. 309 ff. 
abgedruckte Bücherliste oder, wie Goethe sie präciser be- 
zeichnet hat, »Bücher- Vermehrungsliste« (S. 59, 17). Goethe 
hat die Gewohnheit, die vielen ihm zukommenden literarischen 
Geschenke von seinen beiden Schreibern in der mitgetheilten 
Art registriren zu lassen, nur wenige Jahre (bis 1826) beibehalten, 
später aber wieder aufgegeben ; wenigstens sind Listen dieser 
Art aus den letzten Jahren seines Lebens bei seinem Nachlaß 
nicht mehr vorgefunden worden. Soweit solche vorhanden 
waren, sind sie den betreffenden Jahrgängen der Tagebücher 
beigebunden worden, mit denen sie nun auch im Druck er- 
scheinen. Die zahlreichen Versehen und Ungenauigkeiten der 



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Bibliographie. 3 1 1 



Handschrift in Bezug auf correcte Wiedergabe der Büchertitel 
und Namen der »Verehrer« sind stillschweigend vor der 
Drucklegung verbessert, da an ihrer Conservirung auch der 
philologische Leser kein Interesse haben konnte, dagegen 
die vielen nicht mißzu verstehenden Abkürzungen fast durch- 
gehends erhalten worden. 

Außer den in diesen Jahren wieder stärker auftretenden 
Agenden konnte dem vorliegenden Bande auch noch das aus 
V. Loepers Besitz erworbene Folio-Heft von 23 Seiten: »Notirtes 
und Gesammeltes auf der Reise vom 16. Juni bis zum 29. August 
1822« als Text-Anhang (S. 279 fF.) beigefügt werden. Die 
Blätter stellen sich (nach v. Biedermann) als »Theile eines 
Reisetagebuchs, das Goethe schon während der Reise stück- 
weise dem Grossherzog zukommen ließ,« dar und sind hier 
als breitere Ausführung der Tagebuch notizen vom i. — 8. und 
13.— 18. August 1822 am richtigen Platz, obwohl auch allerlei 
Geologica mit unterlaufen. Zum ersten Mal gedruckt sind sie 
von W. Freiherm v. Biedermann unter den »Biographischen 
Einzelheiten« bei Hempel, Band 27, S. 340 — 351. Als von 
Goethe »eigentlich ins Tagebuch gehörig« bezeichnet, sind 
ferner auch ein paar Briefconcepte in den »Lesarten« (S. 377 
und 378 f.) mit abgedruckt worden, wozu auch der in 
demselben Fascikel als Concept vorhandene Brief in Tage- 
buchform an den Grafen Sternberg (Eger, den 26. August 1822), 
der im »Briefwechsel zwischen Goethe und Caspar Graf von 
Sternberg. Herausgegeben von F. Th. Bratranek. Wien 1866« 
als Nr. 7 (S. 75 ff.) gedruckt erschien, gehört. 

Was nun den Text selbst anlangt, über dessen Behandlung 
das G.-J. XVII (1896), S. 284 f. Gesagte hier nur wiederholt 
werden könnte, so erwecken wohl jene beiden die Reisen in die 
böhmischen Bäder festlegenden Partien besonderes Interesse: 
die erstere wegen der behaglichen Wärme in der Schilderung 
frisch empfangener Eindrücke von Land und Leuten, die letztere 
des Umstandes wegen, dass Goethe sich hier — entgegen lang- 
jähriger Gewohnheit — nicht der Hand eines Schreibers, sondern 
seiner eignen bei der über zwei Monate umfassenden Nieder- 
schrift bedient hat, offenbar weil die in früheren Jahren mit 
seinem Kutscher Stadelmann, den er auch jetzt zur Hand 
hatte, angestellten Schreibversuche nicht zu seiner Zufrieden- 
heit ausgefallen waren und durch die im Uebermaaß erforder- 
lichen Correcturen nur unnöthige Mühe und W^eitläufigkeit ver- 
ursacht hatten (vgl. Tagebuch, Band 7 , S. 3 1 3 und Band 8, S. 348). 

Abgesehen endlich von den mancherlei zur Illustration 
und Erklärung des Textes herangezogenen Stellen aus den 
Quartalheften und Oberaufsichtsacten des Grossherzoglichen 
Staatsministeriums, sind auch diesmal die »Lesarten« durch 
den Abdruck interessanter größerer Stücke aus dem Bestände 



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312 Bibliographie. 



des Goethe- und Schiller-Archivs bereichert worden, so z. B. 
durch das Schema des vom Dichter selbst entworfenen »Vor- 
schlags zu einer vollständigen Ausgabe zu Goethes Nachlaß« 
(S. 369 ff.), durch das Goethische »Schlusswort zur Carlsbader 
Relation« (S. 356 f.), durch die S. 337 mitgetheilte »Aus- 
legung« u, a. m. Ferdinand Heitmüller. 



VIERTE ABTHEILUNG. 

Band ip enthält Goethes Briefe von Schillers Tod (9. Mai 
1805) bis Ende 1807; er bietet 126 bisher ungedruckte 
Nummern. Es beginnen in dieser Zeit die längeren regel- 
mäßigen Berichte Goethes an Christiane während seiner all- 
jährlichen Badereisen oder sonstiger längerer Abwesenheiten, 
z. B. in Jena: freundlich theilnehmendes Eingehen auf das 
Kleinleben des Tages, gesundheitliche Bemerkungen, warme 
Fürsorge für das Ergehen der Zurückgebliebenen, der herz- 
liche Ton unbedingtesten Vertrauens und liebevoller Hingabe 
sind ihre hauptsächlichsten Charakteristika; das höhere und 
höchste geistige Leben des Dichters kommt hier natürlich 
seltener zu Worte, wo es auftritt, mit einer meisterhaften 
stilistischen Schlichtheit und Einfachheit; zur Beurtheilung 
des Verhältnisses zwischen Goethe und seiner Frau ist der 
Ton und Inhalt dieser Berichte von Jahr zu Jahr eine un- 
schätzbare Quelle. Der vorliegende Band enthält über ein 
Viertel hundert Briefe an Christiane : zwei von der Reise mit 
Wolf 1805, fünf aus Carlsbad 1806, zwei während Christianens 
Frankfurter Aufenthalt 1807, vierzehn von der Carlsbader 
Reise 1807 (5373 mit einer interessanten Aeusserung über 
Bettina, 5396 über den Grafen Reinhard und Frau); ein paar 
weniger inhaltvolle Schreiben, sowie ein Briefchen an August 
schließen sich an. Ein Brieif an Lili gedenkt dankbar der 
Tage von 1775, »die ich unter die glücklichsten meines Lebens 
zähle«. An Carl August ergehen Berichte aus Lauchstädt 
und Halle über den Verkehr mit Wolf, Gall, Reil und Zelter 
1805, über die Helmstädter Reise mit Wolf; weitere Briefe 
betreffen den definitiven Besitz des Hauses am Frauenplan, 
die Hinterlassenschaft des Malers Kraus; in schwerer 2^it 
(1806) gewinnt Goethes Verhältniß zu seinem Fürsten einfach- 
rührenden Ausdruck. Die Stimmungen der unsichern October- 
tage nach der Schlacht bei Jena spiegeln ein Billet an Heinrich 
Meyer und Briefe an Carl August, Cotta, Blumenbach wieder. 
Künstlerisch - technische Dinge und Angelegenheiten der 
Zeichenschule behandeln die Briefe an Heinrich Meyer (5390 
über musikalischen und malerischen Unterricht, 5462 über 
den Maler Runge, 5465 über Zacharias Werner). Mit Persön- 



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Bibliographie. 3 1 3 



lichkeiten und Einrichtungen der Universität Jena und ihrer 
wissenschaftlichen Anstalten beschäftigen sich Schreiben an 
Voigt, Lenz, Fuchs, Hendrich. Die Briefe an Blumenbach be- 
treffen Osteologisches, Mineralogisches, Persönliches, Goethes 
Autographensammlung. Wichtig ist ein längeres Dankschreiben 
an Alexander von Humboldt. Den hauptsächlichen Inhalt der 
Briefe an Cotta bilden neben literarischen Urtheilen natur- 
gemäß Goethes damals in Druck gehende Schriften, besonders 
Plan und Ausführung der Ausgabe A; einen durch theils 
falsche, theils beleidigende Artikel der Allgemeinen Zeitung 
heraufbeschworenen Conflict zwischen dem Dichter und seinem 
Verleger schildern ein schon im letzten Goethe- Jahrbuch ge- 
drucktes, nicht abgesandtes Schreiben, wie vier weitere 
Nummern (5429 über Weimars Bedeutung auf idealem Ge- 
biete); auch empfiehlt Goethe Cotta seine Autographensamm- 
lung. Den Adressaten eines höchst interessanten französischen 
Concepts, Verfasser eines wertherisirenden Romans Sidner, 
gelang mir nicht festzustellen. Goethes Ansichten von Dis- 
ciplin des Gesindes beleuchten die Eingaben an die Jenaer 
und Weimarer Polizeidirection. Reiche Ergänzungen aus den 
von Alex. Meyer Cohn freundlich dargeliehenen Originalen 
und den im Archiv erhaltenen Concepten erfahren die Briefe 
an den Grafen Reinhard. 

Band 20 enthält die Briefe von Anfang 1808 bis Juni 1809, 
darunter 95 bisher un gedruckte Nummern. An Christiane sind 
von der Carlsbader Reise 1808 sechzehn Nummern gerichtet 
(5S53 über Weimarischen Klatsch Christiane betreffend, 5572 
mit einem Gutachten Kapps über Christianens Gesundheits- 
zustand, 5586 mit einer prächtigen Aeußerung über die Miß- 
gunst der Menschen und wie man sich zu ihr zu stellen habe) ; 
sechs Nummern gehören in die Zeit, während der Christiane 
zur Regelung der Erbschaft der Frau Rath im Herbst 1808 
in Frankfurt war (5605 über die Begegnung mit Napoleon, 
5620 über Nicolaus Meyer, 5627 über die Theaterkrisis) ; 
dreizehn Briefe entstammen dem Frühjahrsaufenthalt Goethes 
in Jena 1809, der ihm statt einer Badereise dienen mußte. 
Die Briefe an Bettina erscheinen. Dank dem gütigen Ent- 
gegenkommen der Besitzer, Herren Barone von Arnim, jetzt 
zum ersten Mal in ihrer authentischen Gestalt, so daß die 
an sie sich anknüpfenden Streitfragen nun einer endgültigen 
Lösung entgegengehen; der vorliegende Band bringt zwei 
Nummern. Der Gedankenkreis der Schreiben an Heinrich 
Meyer bleibt derselbe (5584 über Kaaz und Bury). Siebzehn 
Briefe und Billete an Silvie von Ziegesar sind meist ephemeren 
Inhalts, mit Ausnahme nur einiger Carlsbader Berichte (5573 
über die Carlsbader Gesellschaft, 5619 fälschlich schon 15,269 
gedruckt). Bedeutend ist ein langer Brief an Jacobi über 



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3 14 ßlBLIOGRAPHIk 



Friedrich Schlegel, Schelling, Zacharias Werner mit Betrach- 
tungen über antiken und modernen Kunstcharakter sowie ein 
eine Einladung nach Dresden ablehnendes Schreiben an Frau 
von Stael mit bewundernden Worten über Corinna und das 
Buch über Deutschland. Die Briefe an Cotta werden von nun 
an nur nach den im Archiv vorhandenen Concepten mit- 
getheilt : in dem einen bespricht Goethe von Cotta ihm über- 
sandte Schauspiele, in dem andern seine Auszeichnung beim 
Erfurter Congress und die Anwesenheit des Faustubersetzcrs 
Lemarquand in Weimar. Für die Verleihung des Ordens der 
Ehrenlegion danken Briefe an Maret und Lac^pMe, für den 
der Frau Rath in ihrer letzten Krankheit geleisteten Beistand 
solche an Schlosser und Melber. Mineralogisches behandeln 
kurze Briefe an Lenz und ein Dankschreiben an Karsten in 
Berlin. Auf Goethes Auffassung der Disciplinarverhältnisse 
beim Theater werfen neues Licht die Briefe an die Hoftheater- 
commission und an Carl August. Mit der neuen Entdeckung 
des Münchener Steindrucks beschäftigen sich Schreiben an 
Aretin in München und an Carl August. Interessant sind femer 
Briefe an Zacharias Werner, an den Arzt Kapp und an 
Hirt in Berlin. 

Band 21 enthält die Briefe von Juli 1809 bis Ende i8io, 
darunter 173 bisher ungedruckte Nummern. An Christiane 
sind aus dem Jenaer Sommer- und Herbstaufenthalt 1809, der 
im wesentlichen der Drucklegung der Wahlverwandtschaften 
gewidmet war, 19 Nummern gerichtet (5815 und 5820 über 
August); aus dem Jenaer Frühjahrsaufenthalt 1810 stammen 
18 Nummern (5945 über August); von der unmittelbar sich 
anschließenden Badereise nach Carlsbad und Teplitz erhält 
die Hausfrau 15 ausführliche und von allen Einzelheiten des 
Badelebens erzählende Berichte. Mit Augusts Ernennung zum 
Kammerassessor haben es zwei Schreiben an Carl August zu 
thun. Seit dem Tode der Frau Rath knüpfen sich geschäftliche 
und auch erneuerte persönliche Bande mit den Frankfurter 
Verwandten, von denen Johann Friedrich Heinrich Schlosser 
vor allem mit brieflichen Nachrichten zuweilen bedacht wird. 
Die Briefe an Bettina bringt dieser Band fast zum Abschluß: 
unter den acht Nummern sind drei ungedruckte. Ein freund- 
schaftlicher Brief an Charlotte Schiller vermittelt Christianens 
Bekanntschaft mit Caroline Humboldt. Die 1 5 Billets an Sil vie 
von Ziegesar sind wiederum meist ephemeren Charakters ; nur 
ein Brief aus Carlsbad ist bedeutender. Carlsbader Bekannt- 
schaften setzen die Briefe an Fürst Lichnowsky und Graf Althann 
fort. Mit Philipp Hacker ts Nachlaß und den Vorbereitungen 
zu seiner Biographie beschäftigen sich Briefe an Carl August, 
Frommann und Behrends. Wichtig ist ein Schreiben an Zacharias 
Werner, in dem Goethe ihr beiderseitiges Verhältniß charak- 



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Bibliographie. 



315 



terisirt. An Carl August sind nur zwei kurze Briefe neu. Kunst- 
correspondent ist wiederum in erster Linie Heinrich Meyer 
(5964 über die Neigung der Maler zum Ammen- und Madonnen- 
haften); auf die Einrichtung der Zeichenschule bezieht sich 
ein Brief an Voigt; Zeichnungen zum Faust besprechen 
Schreiben an Stieglitz und Nauwerck. Eine Reihe Erlasse an 
die Theatercommission behandeln Rollen- und Repertoire- 
fragen, disciplinarische und sonstige Verwaltungsangelegen- 
heiten. Von der Correspondenz mit wissenschaftlichen Freunden 
sind zwei Briefe an Alexander von Humboldt und ein aus- 
führlicher an Sartorius hervorzuheben; Mineralogisches be- 
handelt ein Schreiben an Voigt, Optisches Briefe an Steffens 
und Graf Böse, Köstritzer Antiquitäten ein Brief an Professor 
Sturm in Jena. Mit buchhändlerischen Fragen, Nachdruck 
und Privilegien, beschäftigen sich Briefe an Cotta und Graf 
Portalis. Die Briefe weniger erheblichen Inhalts sind in vor- 
stehenden Bericht nicht mit einbezogen. 

^ Albert Leitzmann. 



B. UNGEDRUCKTES.' 
BRIEFE. LITERATUR. NEUE AUSGABEN. GESPRÄCHE. 



Zwölf ungedruckte Briefe 
Beethovens, 2 1 ungedruckte 
Briefe Goethes, Antonia Bren- 
tanos Stammbuch von Goethe 
gewidmet . . . Briefe (Verschie- 
dener), Briefe und Urkunden 
der Familie Brentano- v.Birken- 
stock. Frankf. a.M., Jos. Baer & 
Comp. 47 SS. 

(Sond)heim : Die Papiere der 
Familie Brentano-v. Birken- 
stock(Fftr.Ztg.Nr.7 6, Abendbl). 

Goethes Briefwechsel mit 
Antonia Brentano 1814 — 1821, 
hgg. V. Rudolf Jung. Mit 2 
Lichtdrucken. Weimar, H. 
BöhlausNachf. 66 SS. M.2.40. 

Brief Goethes an Maler 
Moritz Oppenheim, 9. Dec. 
1826. 2 Billete an dens. 4., 
8. Mai 1827. (Ber. d. Fr. D. H., 
Bd. 13, S. 69 fg.) 



Ungedrucktes a. d. Goethe- 
Kreise. Von G. A. Mttller. 
Mün<::hen, Seitz u. Schauer. 
M. 8.—. 

• Verzeichniss der von W. 
Kunzel hinterlassenen Auto- 
graphen-Sammlung. Leipzig, 
List & Franke (Verz. 4 Briefe 
an Eichstädt.) 

Leo Liepmannssohn: Cata- 
log einer schönen Autogra- 
phensammlung (XVII. Auto- 
graphenversteigerung 14. Oc- 
tober fr.)9i SS. [S. 18—64; 475 
Nummern: Goethes Leben in 
Autographen u. Illustrationen]. 

In Liepmannssohns Auctions- 
catalog werden (ausser Widmungen, 
Inschriften) als ungedruckte Briefe 
verzeichnet: an Amalie v. Helvig 
(Imhoft) 15. Juli 1820; an Hot- 
gärtner Baumann 13. Juni 1828; 
an denselben ^o. Mai 1830. — 
Ferner Briefe der Verr^'andten. 



' Im Allg. vgl. die Vorbemerkung Bd. Wl, 274. 



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3i6 



Bibliographie. 



Zur Geschichte des Johannis- 
festes in Leipzig. [Goethes Brief 
30. Dec. 1768] (Leipz. Tagebl. 
24. Juni 2. Beil.) 

Die Amtsgeschäfte d. Staats- 
ministers V. Goethe (aus der 
Frkf. Ztg. abgedruckt z. B. 
Reichenb. Ztg. Nr. 234, Beil.) 

[Schreiben derLandesdir. 12 Jan. 
18 10 wegen Abbruch eines Thores 
in Jena]. 

R. Wustmann: Wiemansich 
verschreibt. [Goethes Leipzig. 
Briefe]. (Bl. f. lit. Unterh. Nr. 2.) 

Der Brief der Frau Rath vom 
1 7. Nov. 1 786 [an Goethe, Fac- 



simile]. (Chr. d. W. G.-Ver. 
Bd. X, S. 10 u. II.) 

Ludwig Geiger: Zu Goethes 
Tagebüchern undBriefen(Allg. 
Ztg. Beil. 228. 229. 2.u.3.0ct.) 

Goethes Gespräche, hgg. v. 
W. v.Biederraann. Bd.X. Leipz., 
F. W. v. Biedermann. XVUI, 
267 SS. M. 5.—. 

Gespräche m. Goethe in d. 
letzten Jahren seines Lebens. 
Von J. P. Eckermann. Mit ein- 
leit. Abhandig. u. Anmerk. v. O. 
Roquette. 3. Bd. (Bibliothek, 
Cotta*sche, der Weltliteratur. 
267. Bd.) 239 S.Leinw. M. i. — . 



NEUE AUSGABEN DER WERKE. 
Weimar. Ausg. s. oben S. 305 fg. 



Goethes sämmtliche Werke 
in 36 Bdn. Mit Einleitgn. v. K. 
Goedeke. 36. Bd. gr. 8^ Stuttg., 
Cotta Nachf. VI,37 2 SS. M. i . i o. 

Goethes Werke. Hrsg. v. L. 
Geiger. Neue Ausg., bearb. v. 
M. Ehrlich U.L.Geiger. 10 Bde. 
7. Aufl. 8^ Berlin, G. Grote. 
(CXVII, 565; XXX, 634; 
XXXII, 486; LXXIII, 545 ; 



LXX, 603; XXXI, 583; XL, 
577; XVI, 618; XXXVIII, 
463 u. XIII, 510 SS.) Leinw. 
M. 20. — ; Hfz. M. 25. — . 
[Unveränderter stereotypirter 
Abdruck der Ausg. v. 18780*.] 
Goethes sämmtliche Werke 
(in 22 Bdn.) i. Bd. 2. Bd. 8®. 
Leipz., Knaur. VIII, 439 SS. 
VI, 441 SS. Hfz. ä M. 2.25. 



D. EINZELSCHRIFTEN UND ERLÄUTERUNGEN. 

I, ALLGEMEINES. BIBLIOGRAPHISCHES. SPRACHLICHES. 
METRISCHES. CATALOGE. 



Goetheschriften von Friedr. 
Zarncke. (Kleine Schriften hgg. 
von Ed. Zarncke 1 . Bd.) 480 SS. 
M. 10.—. 

(Allgemeines über Goethe. — 
Auf Goethes Leben bezügliche 
Schriften (darunter die Aufsätze 
zur Kritik der Goethebildnisse und 
die Ausgabe von dem Notizbuche 
zurschlesischen Reise). — Schriften 
zu Goethes Werken (darunter die 
Abhandlungen über Elpenor und 
über den funffüssigen Jambus bei 



Schiller, Lessing und Goethe. — 
Schriften und Aufsätze zu Goethes 
Faust und zur übrigen Faustdich- 
tung — etc.) 

Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. Nr. I— 12 ä4SS. Red. 
Rud. Payer v. Thurn. Verl. d. 
Wiener Goethe-Vereins. 4®. 

Mittheilungen a. d. Goethe- 
verein zu Zwickau. Red. Prof. 
H. C. Kellner, 13. Oct. Nr. 8, 
8 SS. 4^ 



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Bibliographie. 



317 



C.A.H.Burkhardt: Z.Kennt- 
niss der Goethe-Handschriften. 
Nach den Quellen bearbeitet. 
Mit Facsimilien von Hand- 
schriften Goethischer Hilfsar- 
beiter. (Chr. d. W. Goethever. 
10 Bd. Nr. 8 — 9, S. 32 — 34, 
Nr. 10, S. 37.) 

Heinrich Düntzer: Ueber 
Goethes Gebrauch abgeboge- 
ner, vorangehender oder nach- 
tretender Participien. (Eupho- 
rion IV, 55—61.) 

Ebrard: Zur Alliteration bei 
Goethe. Alliteration in Götz 
von Berlichingen. (Z. f. dtsche. 
Spr., Jahrg. 10, H. 5.) 

Herman Grimm : Erinne- 
rungen u. Ausblicke. (H. Gr. 
Beiträge zur deutschen Cultur- 
gesch. 1897. S. 185-213.) Ber- 
lin, W. Hertz. 

Tagebuchblätter eines Sonn- 
tagsphilosophen. Gesammelte 
Grenzbotenaufsätze v.R.Hilde- 
brand. Lpzff.Grunow. M.4.— . 

Wiederabdruck älterer Goethe- 
aufsätze 188$, 1887. 

Ein Interview Goethes im 
J. 1896. Authentische Bruch- 
stücke einer Spiritisten-Unter- 
haltung von E. C. Kermann. 
Erlangen, Fr. Junge. 75 SS. 
M. I.-. 

K. Landmann: Goethe im 
Lichte d. Gegenwart. I — IV. 
(Pädag. Archiv, Jahrg. 38 Nr. 
7, 8, 10, 11). 

W. Kirchbach: Goethebe- 
trachtungen. (Deutsche Dra- 
maturgie, Jahrg. n, Nr. 4, 5.) 

Richard M. Meyer : Studien 
zu Goethes Wortgebrauch. (Ar- 
chiv f. d. Stud. n. Spr. Bd. 96, 
S. 1—42.) 

R, M. Meyer: Literarhisto- 
rische Bemerkungen I. Zu 



Goethe i. Der sokratische 
Schuster. 2. »Angeraucht Pa- 
pier«. 3. Das verfluchte Bimm- 
Bamm-Bimmel. 4. »Es waren 
die den Vater auch gekannt.« 
5. Die »Erfahrung« in der Dis- 
putationsscene. 6. Blumenwin- 
derinnen u. Holzhauer. 7. Herr 
und Diener. 8. Gegen An- 
näherungsbrillen. (Eupho- 
rion in, S, loi — 108.) 

Richard M. Meyer: Der 
Engländer in der deutschen 
Literatur. (Die Nation, Nr. 27, 
S. 419 fg.) [Goethe.] 

Ed.Rod : Essai sur Goethe IV. 
Le poete de cour. (R. des deux 
mondes, Bd. i37iP-327— 361.) 

Geschichte d. dtsch. Litera- 
tur von Leibniz bis auf unsere 
Zeit. Von Julian Schmidt. 5. Bd. 
18 14— 1866. Berlin, W. Hertz, 
Vm, 604 SS. M. 8.—. 

S. 68 ff— 77. Westöstlicher Divan 
S. 158—175. Faust und letzte 
Lebensanschauungen. 

Christian Semler: Die dich- 
terische Aufgabe Goethes und 
ihre Behandlung in d. höhern 
Unterricht. (Z. f. d. d. Unterr. 
10. Jahrg. S. 95 — 123.) 

Goethe - Abende in Wien. 
(Chr. d. W. Goethe- Ver. Nr. 

3—5.) 

O.Doering : Ein neuerBeitrag 
zur Goethe-Literatur. (Dtsch. 
Wochenbl. Jahrg. 9, Nr. i.) 

Hans Gerh. Graf: Weimar. 
Nachtgespräch im Park. (Wart- 
burg-Herold, 15. Decbr.) 

»Fort mit Goethe«. [Ab- 
schaffung Goethes in bajrr. 
Schulen.] (Frkfter Ztg. Nr. 189 
Abendbl.) 

J. O. Hobbes: The case 
against Goethe. (Cosmopolis, 
Juni.) 



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3i8 



Bibliographie. 



Die Sturm- u. Drangperiode 
und der moderne deutsche 
Realismus. Ein Vortrag von 
Carl Gustav Vollmöller. Berlin 
H. Walthers Verlag. 52 SS. 
M. I.—. 

[Viel über Goethe], 

Etwas über Goethe. (Grenz- 
boten, Nr. I. S. 53—55-) 

C. Vollbrecht: Auf classi- 
schem Boden. (Bohemia, Nr. 
252. 253.) 

Jahresberichte für neuere 
deutsche Literaturgeschichte. 
Unter Mitwirkung von [folgen 
38 Namen]. Mit besonderer 
Unterstützg. v. Erich Schmidt 
herausgegeben v. Julius Elias 
und Max Osborn. 3. Band (J. 
1892), 4. Band (J. 1893.) Leip- 
zig, G. J. Göschensche Ver- 
lagsbuchhandlung 1895 U.1896, 
ausgegeben Febr. 1895 u. März 
1896. Bd. V für 1894 ist erst 
Febr. 1897 ausgegeben« Bd. III 
war voriges Mal leider über- 
sehn. Bd. 3, IV. Abth. 8a— e 
5oSS.:i2i4-43+38-f224-io5 
Nummern, bearbeitet von V. 
Valentin, L. Geiger (2 Theile), 
O. Pniower, G. Witkowski. 
Bd. 4, IV. Abtheilg. 8a— e, 
52SS. 172+52-f 29+35-f 109 
Nummern, bearb. von V. Valen- 
tin, K. Heinemann, O. Pniower, 
G. Witkowski. (2 Theile.) 

f Karl Heinemann: Neue 
Goetheschriften. (Bl. f. lit. 
Unterh. 1895, Nr. 46.) 



Karl Heinemann: Neue 
Goethe-Schriften. (Bl. f. lit. 
Unterh. Nr. 39, S. 612— 616.) 
[auch Goethe- Jahrb. Bd. 16.] 

A. L. Jellinek: Neuere 
Goethe-Literatur. (Nachr. a. d 
Buchhandel, Lpz. Nr. 69, 70, 
73. 74, 76. S. 579flf., s86ff., 
612fr. 635 ff.) 

A. L. Jellinek: Neuere 
Goethe-Literatur IL (Nachr. a. 
d. Buchhandel Nr. 112, 113, 
114, 115). 

Max Koch: Neue Goethe- 
und Schiller - Literatur XII. 
(Ber. d. Fr. D. Höchst. N. F. 
XII, 157—188.) 

Georg Witkowski: Neuere 
Goetheliteratur I. (Euphorion 
III, S. 140—156.) 

Lagercatalog v. J. Baer & Co. 
360. Lessing. Schiller. Goethe 
[Nr. 129 -697]. Hervorragende 
Sammlung von ersten Drucken 
in vorzüglichen Exemplaren u. 
von Werken z. Geschichte der 
classischen Periode der deut- 
schen Literatur. 58 SS. 

Cataloge: J. St. Goar, Frkfl 
a. M. 85 : Goethe und sein Zeit- 
alter. 30 SS. 

J. M. Heberle, Köln Nr. 100: 
Goethe S. 87—96. 

K. Hiersemann, Leipzig Nr. 
1 74, »mit einer umfangreichen 
Goethesammlung« S. 37 — 50, 
524 Nummern. 

Ad. Weigel, Leipzig Nr. 24, 
Goethe, Schiller und ihre Zeit- 
genossen. 



2. DRAMEN. 



Goethe : Clavigo. Ein Trauer- 
spiel. F. d. Schulgebrauch hgg. 
von G. Bötticher. Leipzig, 
G. Freytag. 64 SS. M. —.50. 

Goethes Egmont. Trauer- 



spiel. Mit ausführl. Erläuterung, 
f. den Schulgebrauch u. d. Pri- 
vatstudium V. L. Zürn. 3. Aufl. 
Paderb., F. Schöningh. 144 SS. 
M. 1.20. 



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Bibliographie. 



319 



Hans Löschhorn: Zum £g- 
mont. (Z. f. d. Schul-Unterr. 
II. Jahrg., I. H. S. 81.) 

[Gespr. Egmonts m. Sekr. bietet 
Parallelen mit Diderots P&re de 
famille A. 2, Sc. i]. 

Woldemar Frhr. v. Bieder- 
mann: Das Entsteh. V.Goethes 
Elpenordichtung. (Ztschr. f. vgl. 
Litgesch. N. F. Bd.X, S. 287— 
292.) 

Paul Lindau : Aus Weimar. 
Eine Festvorstellung. [Epime- 
nides Erwachen.] (N. Fr. Pr. 
11447, 7. Juli.) 

Heinr.DUntzer: Der Schluss- 
chor zu Goethes »Epimenides«. 
(Z. f. d. d. Unterr. 10. J. 11. H. 
S. 769 ff.) 

Goethe: Faust. Eine Tragö- 
die. 2 Theile. Leipzig, G. Fock. 
(128 u. 205 SS.) geb. M. 2.—. 

Goethes Faust. L Theil. 
Illustr. V. E. Brüning. gr. 4** 
Leipzig, Minerva, geb. in Da- 
mast, 168 SS. M. 8.—, gr. 8^ 
Leinw. 160 SS. M. 3. — . 

Goethe : Faust. Premiere 
partie. Texte allemand, publik 
avec un avantpropos et des 
notes en fran9ais par A. 
Büchner. Nouvelle Edition. 
Paris, Hachette et Cie., XV, 
19s p. fr. 2. — . 

Faust. Mit Einleitung und 
fortlaufenden Erklärungen hgg. 
V. K. J. Schröer. 2. Th. 3. Aufl. 
Leipzig, Reisland. M. 5.60. 

Richard Schröder: Thomas 
Carlyles Abhandlung über den 
Goethischen Faust. (Arch. f. 
d.Stud.n.Spr.96.S. 241—268.) 

Thomas Carlyles Abhand- 
lung über Goethes Faust aus 
dem Jahre 1821. Ein Supple- 
ment zu den bisherigen Carly le- 



Ausgaben. Herausgegeben und 
mit einer Einleitg. versehen v. 
13r. Richard Schröder, Biblio- 
thekar. Braunschweig , G. 
Westermann. 32 SS. M. — .75. 

Goethes Faust in seiner 
ältesten Gestalt. Untersuchg. 
von J. Collin, Frkf. a. M., Lit. 
Anstalt Rütten & Loening. 
X, 275 SS. M. s.— . 

C. Blumlein: Faust -Ana- 
lekten. (Ber. d. Fr. d. Höchst. 
N. F. XII, 188—192.) 

Cutting : Fausts first mono- 
logue and the earth-spirit-scene 
in the light of recent criticism. 
(Modern Language notes X, 8.) 

V. Valentin: Die Scenerie 
des Prologs im Himmel in 
Goethes Faust. (Deutsche Dra- 
maturgie, Jahrg. II, Nr. 6.) 

Heinr. Düntzer : Zu Goethes 
Faust I. Vers 1705 fg. »Die Uhr 
mag stehn«. (Z. f. d. dtsche. 
U. 10. Jahrg. 3.H.S.216— 218.) 

Franz Jostes: Die Einführung 
des Mephistopheles in Goethes 
Faust. (Euphorion III, S. 390— 
408, 739— 758O 

P. Friedrich Mayer: Ein 
Rezept Fausts für einen Feld- 
herrn. [Aus »Neuntägige An- 
dacht zur hl. Corona«.] (Chr. d. 
W. G.-V. Nr. 4—5, S. 17.) 

Payer u.Minor : Homunculus. 
(Chr. d. W. G.-V. Bd. X, S. 12.) 

Anton Reichl : Zu d. Furien 
in Goethes Faust IL Theil. 
I. Act. (Euphorion III, S. 477.) 

Friedrich Schaper: Ueber 
eine Stelle in Goethes Faust. 
(»Ich bin ein Theil d. Theils«.) 
(Ztschr. f. d. d. Unt. 10. Jahrg. 
3. H. S. 210 — 216.) 

R. Sprenger: Zur Erklärung 
von Goethes Faust. (Ztschr. f. 
dtsche. Phil. Bd. 28, H. 3.) 



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320 



Bibliographie. 



Veit Valentin: Angeraucht 
Papier. (Faust V. 405.) (Eupho- 
rien ni, 47 6 fg.) 

Roderich Warkentin: Ge- 
meinsamkeit der Quellen für 
Goethes Paralipomena zur 
Walpurgisnacht und Heines 
Faust. (Ztschr. f. vgl. Litgesch. 
N. F. Bd. XI, S. 30-350 

Wilhelm Creizenach: Das 
alte Faustmanuscript. (Eupho- 
rien III, S. 475 fgO 

Der geniale Mensch v. Her- 
mann TUrck. Jena u. Leipzig, 
O. Rassmann. 1897. VIU, 
263 SS. (S. 135—158: Goethes 
Selbstdarstellung im Faust.) 
M. 2.40. 

Faust und Parcival. Eine 
Nacht- und eine Lichtgestalt. 
Von Dr. Alb. Freybe. Güters- 
loh, C. Bertelsmann. XXVni, 
366 SS. M. 4.80. 

Die Behandlung von Goethes 
Faust in den oberen Klassen 
höherer Schulen v. K. Haehnel. 
2. verbesserte und vermehrte 
Auflage. Gera, Th. HofTmann. 
48 SS. M. —.75. 

A. Freybe : Wie können wir 
auf eine höhere Stufe der natio- 
nalen Aneignung der Goethe- 
schen Faust-Tragöd. gelangen? 
(Ztschr. f. d. d. Unterr. 10, 

S. 529--559.) 

Baumgartner: Goethes Faust 
im Lichte des Christenthums. 
(Kath. Schulztg. 12, Nr. 51.) 

Goethes Faust — ein poli- 
tisches Gedicht? Literarisch- 
historischer Versuch von Child 
Wemi. Erster u. zweiter Theil. 
Leipzig, Robolsky. 90 SS. 
M. 2.—. 

Chiffre u.Kabbalah i.Goethes 
Faust. Neue Beiträge zu neuen 
Faust-Forschungen von Ferd. 



Aug. Louvier.Dresd., H. Henk- 
let Vn, 147SS.M.3.— . 

Heinrich DUntzer: Die aller- 
neueste Goethe-Deutung. (Die 
Gegenwart. Bd. 2, Nr. 45. 
S. 298—300.) 

Phrontisterium Faustinum. 
Das goldene Buch der Faust- 
erklärer. Ein aristophan. Lite- 
raturscherz V. ZoYlothersito- 
mastix. 2. Aufl., nebst e. Vor- 
wort u. Ergänzg. Bistritz, C. 
Binder. 4^ 32 SS. M. 2.25. 

Erich Schmidt: Faust und 
Luther. (Sitzungsber. der Ak. 
d. Wiss. zu Berlin bist. phil. 
Classe 7. Mai. Bd. XXV, S. 
567— 591O Sep.Dr. 25 SS. 

Briefwechsel des Ministers 
und Burggrafen von Marien- 
burg Theodor von Schön mit 
G. H. Pertz und J. G. Droysen. 
Mit Anlagen. Hgg. von Franz 
Ruhl. Leipzig, Duncker und 
Humblot. XXVII, 252 SS. 
[S. III : Stein und Goethes 
Faust.] Mk. 5.40. 

F. Kluge: Vom geschicht- 
lichen Dr. Faust. (Beil. zur 
AUg. Zeitung. Nr. 9. 13. Jan. 
S. 1-6.) 

F. Kluge: Fausts Zauber- 
ross. (Ztschr. f. vgl. Litgesch. 
X, S. 349%-) 

J. W. Bniinier : Untersuchgn. 
zur Entwicklungsgeschichte d. 
Volksschauspiels v. Dr. Faust. 
(Ztschr. f. dtsche Phil. Bd. 29. 
H. 2.) 

Wilh. Creizenach: Zur Ge- 
schichte des Volksschauspiels 
von Doctor Faust. (Eupho- 
rion III, S. 710—722.) 

Ewald Flügel: The irreve- 
rent Doctor Faustus. [F. als 
Hazardspieler.] (AngliaBd. 18. 

s. 332—334.) 



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BiBUOGRAPHIE. 



321 



Geschichte der Hexenpro- 
cesse in Bayern, im Lichte d. 
allgemeinen Entwicklung dar- 
gestellt von Siegmund Riezler, 
Stuttgart, J. G. Cotta Nachf. 
X, 340 SS.(S. 160—163 Faust.) 
M. 6.—. 

Doctor Johann Weyer, ein 
rheinischer Arzt, der erste Be- 
kämpfer des Hexenwahns. Ein 
Beitrag zur Geschichte der 
Aufklärung und der Heilkunde. 
Von Karl Binz. Zweite um- 
gearbeite und vermehrte AufL 
Mit d Bildniss Johann Weyers. 
Berlin , August Hirschwald. 
Vm, 189 S. M. 3.60. 

Ueb. Vortragsweise u. Zweck 
des Evangelienbuches Otfrieds 
V. Weissenburg. Einladungs- 
schrift zur Antritts -Vorlesg. 
üb. Lessing u. das Faustpro- 
blem, Von F. Saran. Halle, 
M. Niemeyer, gr. 8®. 32 SS. 
M. I.—. 

Nachklänge der Sturm- und 
Drangperiode in Faustdich- 
tungen des 18. u. 19. Jahr- 
hunderts von Roderich War- 
kenthin. (Forschgen. z. neueren 
Litgesch. von Fr. Munker L) 
München, Francke & Haus- 
halter, vm, loi SS. M. 2.40. 

Götz von Berlichingen m. 
d. eisernen Hand. Ein Schau- 
spiel. Hgg. V. R, Beer. Biele- 
feld, Velhagen & Klasing. XU, 
127 SS. M. —.60. 

Nestle : Nachtrag zu der Ab- 
handlimg: Goethes Götz und 
die Fremdwörter. (Südd. Bl. 
f. höh. Unterranst. J. 3, Nr. 18.) 

Josef CoUin: Gedanken üb. 
Goeth. Götz u. Faust. (Eupho- 
rion m, S. 33—53) 

Goethe: Iphigenie auf Tauris, 
being Vol. V of Buchheims 

GosTn-j4iuiBucu XVm. 



»GermanClassics«. Edited with 
Introduction and Notes. Fourth 
Edition, revised. S\ XXXVI, 
169 pp. M. 3. — . 

Der zweite und dritte Auf- 
zug von Goethes Iphigenie. 
Von A. Althaus. Programm. 4®. 
Berlin, R. Gärtner. 26 SS. 
M. i.~. 

Eine Studie über Goethes 
»Iphigenie auf Tauris«. Von 
Wilhelm Bittmann. Neue Aus- 
gabe. Wien, C. Gerold. VI, 
274 SS. M. 2.—. 

Georg Tauber: Ueber die 
grundverschiedene dramati- 
sche Verwerthung des Iphi- 
genienstoffs durch Euripides 
und Goethe. Qahresber. des 
deutschen Staats-Ober- Gym- 
nasiums in Prag.) 26 SS. 

Woldemar Frhr. v. Bieder- 
mann : Theaterzettel f. Goethes 
Natürliche Tochter. (Wiss.Beil. 
der Leipz. Ztg. Nr. 97. S. 387 fg.) 

£. Schmidt: Das Mädchen 
v. Oberkirch, ein dramatischer 
Entwurf Goethes. (Cosmopolis. 
I. Heft. Berlin, Rosenbaum & 
Hart.) M. 2.50. 

A. Sauer: Ueb. Goethes Ent- 
würfe zu der von ihm für den 
10.N0v.1805 geplantenTodten- 
feier Schillers. (3. Jahresber. 
d. dtschen. Ges. f. Alterthums- 
kunde in Prag.) 

Zur Entstehungsgeschichte 
von Goethes Torquato Tasso 
von Eduard Scheidemantel. 
(Wissensch. Beil. z. Progr. des 
Gymn. in Weimar.) 26 SS. 4''. 

Joseph Texte: Le th^ätre 
de Goethe et Schiller en France 
au 18. si^cle. (Revue des cours 
et Conferences. 4.ann^e2.s^rie. 
Paris, L^c^ne, Oudin et Cie. 

P- 504—510-) 

21 



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322 



Bibliographie. 



Fr. Isolani : Goethe alsLehrer 
der Schauspielkunst. (Deutsche 
Dramaturgie, J. II, Nr. 12.) 

Zum Gedächtniss der Jubi- 
läumsvorstellung im Theater 



zuLauchstädt am 2. Juli 1896. 
Für die Theilnehmer des Co- 
stümfestes gedruckt. (Von K. 
Burdach.) Halle, Gebauer- 
Schwetschkesche Druckerei. 



3. GEDICHTE. 



Goethes Gedichte. Min.- 
Volksausg. Leipzig, G. Fock. 
1 2^ XVI, 37 5 SS. Lwd. M. I .— . 

Goethes Gedichte. G.Fock, 
Leipzig. 12^ XVI, 375 SS. 
Leinwd. M. 2.—. 

Goethes Gedichte. Ausgew. 
V. Karl Heinemann. Mit Bil- 
dern und Zeichnungen von 
Frank Kirchbach. Erste grosse 
Prachtausgabe, enthaltend 327 
Gedichte mit nahezu 200 Zeich- 
nungen im Text und 1 2 ganz- 
seitigen Bildern in Photogra- 
vure. Leipzig, Rudolf Titze. 
Fol. Vollst, in 1 2 Lieferungen 
ä M. 3.~. 

Goethes lyrische Dichtungen 
d. ersten Weimarischen Jahre. 
In ursprUngl. Fassg. mit einer 
Einleitung, hrsg. v. R. Koegel. 
Basel, B. Schwabe. 8^ 71 SS. 
M. 1.20. 

Gedichte des 18. Jahrhund. 
Ausgewählt und erläutert von 
K. Kinzel. Halle, Waisenhaus. 
X, 166 SS. [119 SS. umfassen 
die Gedichte Schillers und 
Goethes.] geb. M. 1.20. 

Lyrische Dichtung u. neuere 
deutsche Lyriker. Von Alfred 
Biese. Berlin, W. Hertz. VII, 
2 70 SS. (Vielf. Goethe.) M. 3.60. 

Gedichtsammlung z. dtsch. 
Lesebuch für höhere Mädchen- 
schulen auf Grund des deut- 
schen Lesebuchs für höhere 
Töchterschulen von G. Wirth 
nach den preussischen »Be- 



stimmungen« V. 31. Mai 1894 
von E. Schmid u. Fr. Speyer. 
Vierter Theil, i. Abtheilung 
d. Lesebuchs. Lpzg., Teubner. 
[Enthält 20 Gedichte Goethes.] 
M. 2.—. 

Dichter - Humor. Humorist. 
Dichtgn. V. Goethe u. Schiller, 
Geliert u. A., zusammengest. 

V. F. Reuther. Dresden, V. 
W.Esche. XI, 180 SS. M.3.— . 

Otto Pniower : Ein Goethe- 
Brevier. (Sonntagsbeil. 4 zur 
Voss. Ztg. 26. Jan.) 

H. DUntzer: Erläuterungen 
zu den deutschen Klassikern. 
Heft 64—67. 64. Goethes 
Ijrrische Gedichte. 3. Aufl. I. 
Lieder, VI, 224 S. — 65. 66. 
Dasselbe. IL. III. Gesellige 
Lieder. Aus Wilhelm Meister. 
Balladen. 3. Aufl. (II, 409 S.) 
— 67. Dasselb. Antiker Form 
sich nähernd. Elegien. 3. Aufl. 

VI, 208 SS. Leipzig, E. Wartig. 
ä M. I.—. 

Max Koch : Goethe als reli- 
giöser Epiker. (Ber. d. Fr. d. 
H. N. F. XIII, S. I*— 31*0 

Wilh. Büchner: Goethes Ge- 
dicht an den Mond. (Preuss. 
Jahrb., Jan.) 

Constant. Rössler: Goethes 
Gedicht an den Mond. (Pr. 
Jahrb., Febr.) 

Flugblätter, volksthUmliche 
Lieder mit Zeichnungn. dtsch. 
Künstler. Blattgr. 27x34 cm. 
auf imitirtem Büttenpapier 27. 



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Bibliographie. 



323 



Der König in Thule, Zeich- 
nung von Frz. Hein. Leipzig, 
Breitkopf & Härtel. M. —.10. 

K. W(einhold): Der Tod 
der ist ein grober Mann. 
(Goethes Gedicht 14. Februar 
181 4.) (Ztsch. d. Ver. f. Volks- 
kunde. Bd. 6, H. 2.) 

H. Düntzer: Goethes Bruch- 
stück »Die Geheimnisse«. (Zt. 
f. dtsche Phil. Bd. 28. H. 4.) 

Goethe : Hermann u. Doro- 
thea. Schulausg. mit Einleitg. 
u. Anmerkgn. v. L. W. Straub. 
Stuttg., Cotta. 1 16 SS.M.— .60. 

Goethes Hermann u. Doro- 
thea. Mit ausfuhrl. Erläutergn. 
f. den Schulgebrauch u. das 
Privatstudium v. A. Funke. 
8. Aufl. Schöninghs Ausgaben 
dtscher Klassiker m. ausführ- 
lichen Erläutergn. 8*. 146 SS. 
M. I.—. 

Hermann u. Dorothea. Von 
Goethe. Hgg. v. J. Wychgram. 
Velhagen & Klasings Samm- 
lung deutscher Schulausgaben. 
I. Lfg. 12®. cart. M. — .50. 

Goethe: Hermann et Doro- 
th^e. Texte allemand, publik 
avec un avant-propos , des 
sommaires et des notes ex- 
plicatives par B. L^vy. Nou- 
velle Edition. Paris, Hachette 
et Co. IV-iis p. fr. I.—. 

Die innere Composition in 
Goethes epischer Dichtung 
Hermann und Dorothea zur 
ersten Centenarfeier ihrer Ent- 
stehung von Dr. Georg Neu- 
decker, Prof. am kgl. Real- 
gymnasium und Privatdocent. 
Würzburg, Stahels Verlag. 
40 SS. M. —.80. 

Heinze und Schröder, Auf- 
gaben aus Deutschen Dramen 
u. Epen. 6. Bdchen : Aufg. aus 



»Hermann u. Dorothea«. Leip- 
zig, W. Engelmann. M. —.80. 

A. L. Stiefel: Zu Goethes 
Eintragung in Hess' Stamm- 
buch. (Z.f vgl. Litgesch. Bd. 9. 
H. 4, 5) 

Holzhausen P. : Goethe und 
seine Uebersetzung des Hohen- 
liedes. Einige ungedruckte Be- 
merkungen G. Stickeis über 
die Goethische Uebersetzung. 
Mit Benützung eines nach- 
gelassenen Manuscripts des 
verewigt. Forschers. (Deutsche 
Revue, März.) 

Erich Schmidt u. Max Fried - 
länder : Kleine Blumen, kleine 
Blätter. ( Arch. f. d. Stud. neuer. 
Spr. Bd.XCVn, H. i, 2.)Son. 
derabdruck, 16 SS. 

Heinr. Düntzer : Zu Goethes 
Paria. (Z. f. d. d. Unterr. 10 J. 
10. H. S. 708 fg.) 

A. Paudler, Hollen aus Höl- 
len. Zur Erklärung Goethes. 
[»Räthsel« Hempel III, 205]. 
(Mittheilungen d. nordböhm. 
Excursionsclubs Jahrg. 1 9 H. 3.) 

t W. V. Biedermann : Goethes 
Sonette. (Wiss. Beil. d. Leipz. 
Ztg. 1895, Nr. 139.) 

Heinrich Düntzer : Goethes 
Jenaer Sonette v. Dec. 1807. 
(Ztschr. f. dtsche. Phil. XXIX, 
S. 98—109.) 

]. Kohler: Schlagworte und 
Gemeinplätze. Ein Mahnwort. 
[»In der Beschränkung zeigt 
sich erst der Meister«.] (Mag. 
f. Lit. Nr. 23. Sp. 721 ff.) 

t Goethe-Schillers Xenien. 
AusdemSchillerschen »Musen- 
Almanach für das Jahr 1797« 
und den Xenien-Manuscripten. 
Mit Einleitung und erläutern- 
den Anmerkungen herausge- 
geben von Adolf Stern, Zweite 

2I* 



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324 



Bibliographie. 



vervollständigte und durchge- 
sehene Auflage. Leipzig o. J. 
(1895), Philipp Reclam jun. 
[Univers.-Biblioth. Nr. 402/3-) 
i6^ 200 SS. M. —.40. 

Hermann Henkel : Zur Fest- 
stellung des Goethischen An- 
theils an den Xenien des Musen- 
almanachs für 1 7 97 , (Arch. f. d. 
Stud. u. Spr. 96, 187 — 191.) 

H. Henkel : Ueber Goethes 



Zueignung. Zur Einführung in 
die classicistische Periode des 
Dichters. (Zeitschr. f. d. d. 
Unterr. 10, S. 560 — 572.) 

Das Volkslied und sein Ein- 
fluss a. Goethes Lyrik. OefFent- 
licher Vortr. von J. Suter, Rect. 
des aargauischen Lehrerinnen- 
seminars. Aarau, H. R. Sauer- 
länder 1897. 52 SS. M. — .50. 



4. PROSASCHRIFTEN. 



Goethe: Aus meinem Leben. 
Dichtung und Wahrheit. Aus- 
gewählt u. erläut. V. J. Kamann. 
I .Bdch. Bamberg, C.CBuchner. 
V, 248 SS. M. I.--. 

Goethe: Aus meinem Leben. 
Dichtung u. Wahrheit. Hrgg. 
V. W. Nöldeke. i. u. 2. Bdch. 
Bielefeld, Velhagen & Klasing. 
151 u. 140 SS. m. je I Bildn. 
ä M. -.75. 

mmn : Zu Goethes Dichtung 
u. Wahrh. (N. Jahrb. f. Phil, 
u. Päd. Bd. 153/154, S. S19, 
A. 19.) 

Albert Jansen : Leonardos 
Abendmahl in Mailand. (Allg. 
Ztg., Beil. 188.) 

Hellmuth Ranegg : Goethes 
Märchen. (Allg. Ztg., Beil. 27 1.) 

Frau von Staals Essai sur 
les fictions (1795) mit Goethes 
Uebersetzung (i 796), hrgg. v. 
J. Imelmann. Berlin, G. Reimer. 
VII, IX, 89 SS. [Von S. 77 
Anmerkungen.] M. 2. — . 

Eugen Wolflf: Ein Urbild zu 
Goethes Wahlverwandschaften 
[Creuzer u. C. v. GUnderrode]. 
(Nord und Süd. Bd. 77, H. 231, 
S. 346—362.) 

Friedrich Spielhagen: Die 
Wahlverwandtschaften und Effi 



Briest. Eine literar-ästhetische 
Studie. (Mag. f. Lit. Nr. 13. 
Sp. 409—426.) 

Fr. Spielhagen: Effi Briest 
und die Wahlverwandschaften 
(Referat über seinen Vortrag) 
Ottiliens Kahn ; Antwort Spiel- 
hagens. Replik des Referenten. 
(Berl. Tageblatt 12., 13., 15., 
16. März.) 

J. W. Appel: Werther und 
seine Zeit. Zur Goethe -Lite- 
ratur. Vierte verbesserte und 
vermehrte Auflage. Olden- 
burg, Schulze. Vni, 368 S. 
M. 4.-. 

W. Quanter: Ueber die Auf- 
nahme des Goetheschen Ro- 
mans: Die Leiden des jungen 
Werther in Berlin. (Mitthei- 
lungen d. Ver. f. Gesch. Berlins 
1897, Nr. I, S. 3-6.) 

Joseph Texte: Werther en 
France an 18. si^le. (Revue des 
cours et Conferences. 4. ann^e 
2. s^r. p. 808—815. Paris, 
L^c^ne et Oudin.) 

Die philosophischen Grund- 
lagen in Goethes Wilhelm 
Meister v. J. Schubert. Leipzig, 
C.G.Naumann. 1 55 SS. M. 2.50. 

W. Dilthey: Beiträge z. Stu- 
dium d.invidualität. (Sitzungsb. 



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Bibliographie. 



325 



d. k. preuss. Acad. d. Wiss. XIII, 
S. 295—339-) Sepdr. 41 SS. 
[S. 34 »Wilhelm Meister«.^ 
H. Dechent: Die autobio- 



graphische Quelle der Bekennt- 
nisse einer schönen Seele. (Ber. 
d. Fr. D. H., Bd. 13, H. i, 
S. IO-S9-) 



E. UEBERSETZUNGEN. 



Goethe , Campagne de 
France. Avec notices et notes 
par L. Schmitt. Classe de 
troisi^me. 6e Edition. Paris, 
Delagrave. VIII-64 p. 

Goethe, Egmont: A Tra- 
gedy. With Notes by O. von 
Wegern. London, Malborough. 
140 pp. I sh. 6 d. 

Goethe, Extraits des Oeuvres 
en prose de Goethe. Pr^c^d^s 
de notices et annotds par L. 
Schmitt. Classe de rh^torique. 
4e Edition. Paris, Delagrave. 
VI-121 p. 

Goethe , Faust , trag^die. 
Paris, Pfluger. 187 p. 25 c. 

Goethe, Fausto : tragedia. 
Firenze, Salani. i6*. 135 p. 

Goethe, J.W., Faust,tragedya 
przelozyl Josef Czermak. 8**. 
Lemberg, Ksiegarnia polska. 
242 SS. 

FcTe. ^aycTTb. Tpare^ia. 
üepeB. n. TpyHHHa. 3. Aufl. 
i6* Petersburg, E. Herbek. 
288 SS. R. I.— 

t Maclintock: Faust trans- 
lations, a very small point. (The 
Academy 1895 Nr. 1234.) 



Goethe, Hermann et Doro- 
th^e,idylle ^pique. Avec noti- 
ces et notes par L. Schmitt. 
4e Edition. Paris, Delagrave. 
IX-58 p. 

Goethe, Iphigdnie en Tau- 
ride. Nouvelle Edition, publice 
avec une notice et des notes 
en fran9ais par L. Schmitt. 
5« Edition. Paris, Delagrave. 
rV-104 p. 

Goethe, Iphig^nie en Tau- 
ride. Traduction fran9aise par 
M. B, L^vy, avec le texte alle- 
mand et des notes. Paris, Ha- 
chette et Cie. 147 p. fr. 2. — . 

Goethe, II mendico: dalla 
ballata. Herein o du Guter I 
du Alter, herein! Traduzione 
di E. Sanfelice. Parma, Ferrari 
e Pellegrine. 11 p. 

Goethe, Po^sies lyriques de 
Goethe. Avec notices et notes 
par L. Schmitt. Classe de rh^- 
torique. 7« Edition. Paris, De- 
lagrave. VIlI-52 p. 

Goethe and Schillers Xeni- 
ons. Selected and Transl. by 
P. Carus. London, Watts and 
Co. VI- 162 p. 5 sh. 



IL BIOGRAPHISCHES. 
A. ALLGEMEINES. 



G. H. Le wes : Goethes Leben 
und Werke. Uebers. v. J. Frese. 
1 7. Aufl. 2Th. Stuttg., C.Krabbe. 
XXIV, 288; XII, 380. M-s.-. 

Max Osborn: Goethe-Bio- 
graphen. (Voss. Ztg. Samstags- 
beil. Nr. 13.) 



S. M. Prem : Ein Wort über 
neue Goethebiographieen. In 
eigner Sache. Weilen, A. v. 
Erwiderung. (Ztschr. f. österr. 
Gymn. Bd. 47 ^ H. i.) 



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326 



Bibliographie. 



B. BIOGRAPHISCHE EINZELHEITEN. 



Goethe in Strassburg. Eine 
Nachlese zur Goethe- und 
Friederikenforschung aus der 
Strassburger Zeit. Mit vielen 
neuen Abbildungen von Gust. 
A. Müller. Leipzig, G. Heyne. 
VI, 71 SS. M. 2.—. 

Karl Tomaschek : Goethe 
unter Herders Einfluss in Strass- 
burg. (Chr. d. W. G.-V., 10. 
Bd. 8—9 N. S. 28-32.) 

Goethes Licentiaten - Pro- 
motion. [Vor 125 Jahren.] (Das 
kleine Journal, Berlin 6. Aug.) 

Das Haideröslein v. Sesen- 
heim. Von Otto Franz Gen- 
sichen. Berlin, Gebr. Paetel. 
318 SS. M. 4.50. 

t S. Schott: Goethe in s. 
Beziehgn. zu Frankfurt. (Wiener 
Fremdenbl. 15. Aug.) 

P. Besson: La jeunesse de 
Goethe. (Revue bleue, 15. Fbr.) 

B. Erdmannsdörffer : Kleine 
Beiträge z. Goethe-Biographie. 

1. Goethe in Heidelberg und 
die Familie Delph. 2. Goethe 
und Gagern 1794 [zu G.-J. 
XVI, 12 ff.] Neue Heidelb. 
Jahrb. Sep. Dr. 24 SS. 

Hr.: Goethes Beziehungen 
zu Heidelberg. (Frk. Ztg. 257 

2. Morgenbl.) 

W. Büchner: Goethes Be- 



ziehungen zu Eisenach. (Bei- 
träge zur Gsch. Eisenachs. IL) 

Hugo Schröder : Goethe in 
Berlin und Potsdam. (Wester- 
manns Monatshefte 40. Jahr- 
gang, Juli. S. 465—479-) 

Auf GoethesSpuren inItalien. 
Von Julius R. Haarhaus. i. Bd. 
Oberitalien. I. (Band i von 
»Kennst du das Land?« Eine 
Büchersammlung f. d. Freunde 
Italiens.) Leipzig, C. G. Nau- 
mann. X, 207 SS. M. 2.50. 

Herman Grimm : Goethe 
im Anfange dieses Jahrhund. 
(Dtsche. Rundschau, 23. Jahrg. 
H. 4., Jan. 1897. S. 32—39.) 

K. Knortz : Episode in Goe- 
thes career. He was offended 
by newspaper comment on bis 
marriage. [G.-J. XVI.] (New 
York Sun, abgedruckt in St. 
Louis Daily Globe Democrate 
14. März.) 

M. Urban : Goethes Besuch 
des Gymnasiums zu Eger und 
Prämiant Schmid. (Erzgebirgs- 
Zeitung, Jahrg. 12, H. 12.) 

A. Sauer: Goethe in Böhmen. 
Skizze eines Vortrags. (Teplitz- 
Schönauer Anz. Nr. 89, 4. Nov.) 

A. Sauer : Goethe in Teplitz. 
Nach einem Vortrage. (Teplitz- 
Schönauer Anz. Nr. 90, 7. Nov.) 



C. GOETHES 
F. Hermann: Goethes Mutter 
in ihrem alttestamentlichen 
Gottvertrauen. (Pädag. Arch., 
Jahrg. 38, Nr. 8.) 

Dichter u. Frauen. Vorträge 
und Abhandlungen v. Ludwig 
Geiger. Berlin, Paetel. IV, 
384 SS. [S. 69-93 u. 377: 
Goethes Schwester.] M. 7. — . 
Ph. Stein : Goeth. Schwieger- 



VERWANDTE. 
tochter. Ein Gedenkblatt zum 
31. October. (Frankfurt. Nach- 
richten 255.) 

Erinnerungen ein. Künstlers. 
Von Rudolf Lehmann. Mit 
15 Portraitzeichnung. in Licht- 
druck und einem Titelbilde. 
Berlin, F. Hofmann und Comp. 
VIII, 318 SS. Darin: Goethes 
Nachkommen. M. 6.—. 



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Bibliographie. 



327 



D. GOETHES VERHÄLTNISS ZU SEINEN FREUNDEN 
UND NACHFOLGERN. 



Herman Grimm : Bettinas 
letzter Besuch bei Goethe. 
(Grimm : Beiträge z. deutschen 
Culturgesch. S. 136 — 184.) Ber- 
lin, W. Hertz 1897. 

F. Walther : Von Goethe zu 
Bismarck. (Bismarck-Jahrb. IV, 
H. 3. 4.) 

L. Kellner: Goethe und 
Carlyle. (Die Nation. Nr. 25, 

s. 380—383, 26, s. 399-403.) 

An — Dante. Divina com- 
media als Quelle für Shake- 
speare u. Goethe. Drei Plaude- 
rien v. B. Graefe, Pastor. Leip- 
zig, G. Fock. 44 SS. M. —.80. 

O. Fr. Walzel : Goethe, Heine 
und die Antike. (Die Zeit. 
Nr. 70, 71.) 

Goethes Beziehungen zu J. 
und VV.Grimm. (Ztschr. f. dtsch. 
Spr. Jahrg. 9, H. 11.) 

Frauenbilder aus der deut- 
schen Literaturgeschichte. Von 
OttoBerdrow. Stuttg., Greiner 
& Pfeiffer. Vm, 280 SS. gb.M. 6. 
[Enth. u. A. Minna Herzlieb, Karo- 
line von Günderode.] 

Hassenkamp: Beiträge zur 
Geschichte der Brüder Jacobi. 
C. Das Zerwürfniss zwischen 
Goethe und J.H. Jacobi. (Beitr. 
zur Gesch. d. Niederrheins. 
Jahrb. des Düsseldorfer Ge- 
schichtsver. Bd. 10.) 

H. Dechent: Noch einmal 
Goethes Schöne Seele. (Mit 
Nachschrift von R. Ehlers.) 
(Protest. Kirchenz. Nr. 24.) 

Lose Blätter zur Goethe- 
Forschung, n. Auf den Spuren 
der »schönen Seele Goethes«. 
Von E. W. Schimmelbusch. 



Neustadt a. H., Rhöner Ver- 
lagsanstalt. 45 SS. 

Heinrich Funck : Ein Condo- 
lenzbrief einer Jugendfreundin 
Goethes. [Frl. v. Klettenberg 
bei d.Tode e. Kindes Lavaters.] 
(Neue Christoter pe 1897.) 

t Richard Löbell: Mephi- 
stopheles Merck. Darmstadt, 
Wittichsche Druckerei. 11 SS. 
(Sep. Dr. aus d. Quartalbl. d. 
hist. Ver. f. d. Grossherzgth. 
Hessen. N. F. L Nr. 15.) 

t O. Przekladach Mickie- 
wicza y Goethego. V. Alb. 
Hipper. Lwöw 1895. 

August Fournier : Goethe u. 
Napoleon. (Chr. d. W. Goethe- 
Vereins. Nr. 6 — 7. S. 19—25.) 

Gust. Karpeles: Goethe u. 
der Maler Moritz Oppenheim. 
(Ber. d. Fr. d. Höchst. Bd. 13. 
H. I. S. 61-73.) 

GoethesMailänder Freundin. 
(Frkftr. Ztg. 208, 2. Mrgbl.) 

GoethesMailänder Freundin. 
(Hamburg. Correspondent u. 
Frkfrt. Ztg. 225, 2. Mgbl.) 

Thoranc nicht Thorane. Zu- 
schrift von R. Prölss. Entgeg- 
nung von M. Schubart. (Dresd. 
Anzeiger Nr. 151, 163.) 

Alexander Härlin: Schiller 
und Goethe auf dem Kriegs- 
pfade. Eine Hundertjahrs-Er- 
innerung.(Prager Tgbl.Nr. 234.) 

Käthchen Schönkopf als 
Kellnerin. (Die Grenzboten. 
Nr. 52, 24.December S. 640 ff.) 

Schopenhauer. Geschichte 
seines Lebens. Von Eduard 
Grisebach. Berlin, A.Hofraann 
& Co. (Geisteshelden Bd. 25, 
26.) XI, 332 SS. M. 4.80. 



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328 



BiBUOGRAPHIE. 



(Goethe u. Schopenhauer bes. 
77-87, 104— 112.) 

Ein alter Egeraner. [Lorenz 
Schuster.] (Bohemia 272. Beil.) 
(Beziehunjg^en Goethes zu s. Vater, 
dem Magistratsrath Schuster.) 

Martin Schubart: Wie ich 
dieThoranc-Bilder fand. (Frkf. 
Ztg. Nr. 1 1 6, 1 1 7 .) [Feuilleton- 
Abdruck aus dem folg. Werk.] 

Francois de Th^as Comte 
de Thoranc, Goethes Königs- 
lieutnant. Dichtung und Wahr- 
heit. Drittes Buch. Mittheilung. 



und Beiträge v. Mart. Schubart. 
Vn, 183 SS. m. 14 Vollbild. 
Münch.,F.Bruckmann. M. 1 5 . — 

H. C. Kellner: Ein Beitrag 
zur Goetheforschung. (Zwick. 
Mitth. S. 6.) [Ernst v. Stein, 
Charlottens Sohn, gest.Wilden- 
thal 18. Juni 1787.] 

Alfr. Szczepanski: Besuche 
bei Goethe. (Vortr. im Wiener 
Goethe-Verein, Ref. in Wiener 
Ztgen,Frftr. Ztg. 13. Febr.) vgl. 
schon G.-J. VII, 223-— 227 und 
Biedermann VII, 224—230. 



E. STELLUNG ZU WISSENSCHAFf UND KUNST. 



J. Schwalbe : Zur Geschichte 
d. plastischen Anatomie(Dtsche 
medic. Wochenschrift Nr. 47.) 
(Wanderjahre und Brief an 
Beuth, 4. Febr. 1832.) 

K. von Bardeleben: Karl 
Heinr. Martens. In memoriam. 
(Deutsche medic. Wochenschr. 
Nr. 47.) 1778— 1805. 

[Von ihm rühren die durch G. 
s. V. Nr. gerühmten Wachspräpa- 
rate her. Vgl. auch oben S. 283 .] 

Goethe als Erzieher. Ein 
Wort an emancipirte Frauen. 
Von einer Frau. München, 
Aug. Schupp. 3 2 SS. M. — .50. 

Goethe und Schiller und die 
Frauenfrage. Von Natalie von 
Milde. [Weimar.] Hamburg, 
H. Seyppel. 48 SS. M. —.60. 

A. Levy : La philosophie de 
Goethe. (Revue de Tuniversit^ 
de Bruxelles I, 3.) 

C. del Lungo: Goethe scien- 
ziato. (Nuova Antologia, Anno 
XXXI.) 

K.Vorländer: Goethes Ver- 
hältniss zu Kant in seiner 
historischen Entwicklung I. 



(H. Vaihinger, Kantstudien I, 
S. 60—99.) 

Richard Muther: Goethe u. 
die bildende Kunst. (Tägliche 
Rundschau. Berlin 20. — 2 2. Fe- 
bruar.) 

Ein Originalaufsatz Dr. Rieh. 
Muthers. Besprochen von Dr. 
Theodor Vollbehr, Director 
des städtischen Museums in 
Magdeburg. Leipzig, E. A. 
Seemann. 23 SS. 

Karl V. LUtzow: Goethes 
Beziehungen zur Kunst der 
Renaissance. (N. Fr. Presse 
Nr. 11339—40.) 

Karl V. Ltttzow: Goethe- 
Commentare z. Kunst u. Kunst- 
geschichte. (Kunstchronik N. 
F., Bd. 7, Nr. 12—14.) 

Deutsches Kunstleben inRom 
im Zeitalter der Klassiker. Ein 
Beitrag zur Culturgesch. v. Otto 
Harnack. Weimar, Emil Felber. 
XX, 208 SS. [4.-6. Gap., S. 53- 
114: Goethe in Rom. Nach- 
wirkungen Goethes.] M. 3.50. 

Gurt Dewischeit : Goethes 
Beziehungen zuden tironischen 



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Bibliographie. 



329 



Noten der Geschwindschrift 
des Mittelalters u. d. modernen 
Stenographie. (Archiv f. Steno- 
graphie, 48. Jahrg., Nr. 607, 
S. 82—84.) 



O. Doering : Goethe als Zeich- 
ner. (Velhagen & Klasings 
Monatshefte. März.) 



F. NOTIZEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. 



Goethe u. Schiller in Briefen 
V. H. Voss dem Jüngern. Mit 
Erläut. hgg. von H. G. Graf. 
Mit H. Voss Bildn. Leipzig, 
Reklam. 191 SS. geb. M. —.80. 

F. Hassencamp: Briefe von 
Lenz an Sophie La Roche. 
(1775%- einzelnes üb. Goethe.) 
(Euphorion III, S. 529 — 540.) 

Briefwechsel zwischen Karo- 
line von Humboldt, Rahel u. 



Varnhagen hgg. von Albert 
Leitzmann. Weimar, H. Böh- 
laus Nachf. IX, 22 1 SS. M. 4.50. 
O. Harnack : Briefe von und 
an Wilhelm von Humboldt. 
(A. Bettelheims Biogr. Blätter 
Bd. II. H. I. Sep. Dr. 27 SS.) 
[Schilderung Goethes durch Card. 
V. Wolzogen, S. 14. A. W. Schlegel 
über Wahlvcrwandschaften und 
Rousseaus Neue Heloise S. 23.] 



III. VERSCHIEDENES. 
BILDER UND STATUEN; GEDENKPLÄTZE; 
SAMMLUNGEN. 



O.Heuer: Ein unbekanntes 
Originalbildniss Goethes. (Ber. 
d. Fr. d. Höchst. Bd. 13, H.L 

s. 73—76.) 

Bild Goethes, wahrschein- 
lich 1779, vermuthlich von 
Lips, mit Beischrift Lavaters, 
vervielfältigt in Ber. d. Fr. d. 
Höchst. Bd. 13, H. i. 

Der junge Goethe auf dem 
Mühlberg bei Frankf. a. M. 
Nach dem Gemälde v. Frank 
Kirchbach. (Mit Text.) (Gar- 
tenlaube. Nr. 14.) 

Die Stadtbibliothek inFrank- 
furt a. M. Im Auftrag der 
städtischen Behörden hrsgg. 
von Dr. Friedr. Clem. Ebrard. 
Frkf. a. M., Gebrüder Knauer. 
Mit igTafeln, [darum. Goethe- 
Statue vonPompeo Marchesi] 
und 22 Textabbildungen. V, 
179 SS. in 4^ M. 20.—. 



Kaulbach, W. v.: Goethe- 
Galler ie. Nach Orig. -Kartons v. 
K. Mit erläut. Text v. F. Spiel- 
hagen, gr. 4®. München, Ver- 
lagsanstalt f. Kunst u. Wissen- 
schaft. 84 SS. m. 2 1 Heliograv. 
Leinw.m. Goldschnitt M.20. — . 

F. Quilling: Frankfurt zu 
Goethes Zeiten. [Ausstellung d. 
Aquarelle u. Zeichnungen, an- 
gefertigt von J. Chr. Gerning 
im Fftr. städt. hist. Mus.] (Fftr. 
Ztg. 22. Sept. Abendbl.) 

Frankfurt a. M. Die freie 
Stadt in Bauwerken u. Strassen- 
bildem v. Carl Theod. ReifFen- 
stein. Nach des Künstlers Aqua- 
rellen u. Zeichnungen aus dem 
städtischen historisch. Museum 
und aus Privatbesitz. Frkf. a.M., 
C. Jügers Nachf. 4^ i. Heft M. 
16.—. 2. Heft M. 12.—. (Voll- 
ständig in 5 Heften.) 



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330 



Bibliographie. 



Ludwig Blume : Das Frank- 
furter Dachstubchen. (Chr. d. 
W.G.-V.Nr. 4, 5»S. 96fg.) 

Das Goethe -Haus in Weimar. 
Von Paul Heyse. Der Ertrag 
ist zu gleichen Hälften der 
Unterhalt, d. Goethe-Hauses 
und der Schiller-Stiftung ge- 
widmet. Berlin, W. Hertz.'(Ge- 
dicht s. G.-J. VIII.) mit Illustr. 
24 SS. M. I.—. 

R. V. Payer: Zum Goethe- 
sehen Wappen. (Chr. d. Wien. 
G.-V. Nr. 4» 5. S. 17 fg.) 

Eine Goethefeier in Buda- 
pest. (Allg. Ztg. Beil. 131.) 

Bernh. Suphan: Ansprache 
bei der Einweihung d. Goethe- 
und Schiller- Archivs. Weimar. 
Sep.-Dr. 

Das neue Goethe- u. Schiller- 
Archiv. Separat -Abdruck aus 



der Weimarischen Zeitung v. 
30. Juni. 

* Unmittelbar nach d. Weim. 
Tagen 22. Juni bis 2. Juli er- 
schienen zahlreiche Berichte 
in der Weimarer Ztg., Voss. 
Ztg. (P. Schienther), Berliner 
Tageblatt (O. Neumann-Hofer) 
u. V. a. 

G. Gar ick: Das Märchenfest 
in Um- Athen. Ein Erinnerungs- 
blatt V. fin de sifecle. Weimar, 
L. Thelemann. VII, 43 SS. m. 
3 Abbildungen, geb. M. 1.50. 

Goethe- Kalender für 1897. 
12 chromolithogr. Taf. mit 
Gedichten von W. v. Goethe. 
Nürnberg, Stroefer. M. 2. — . 

Goethe -Gedenkbuch, hgg. v. 
Alice Liebieg. M. 70 Illustr. 
Wien, R. Lechner. 736 SS. 
geb. M. 10. — . 



B. DICHTUNGEN ÜBER GOETHE, COMPOSITIONEN, 
PARODIEEN, ILLUSTRATIONEN, NACHDICH- 
TUNGEN GOETHISCHER WERKE. 



Gedichte von Goethe in Com- 
positionen seiner Zeitgenossen. 
Hgg. von Max Friedländer. 
(Schriften der Goethe-Gesell- 
schaft, hgg. von B. Suphan. 
Bd. XI.) Weimar, Verlag der 
Goethe-Gesellschaft. X,i5i SS. 
[davon 129, die Compositionen 
enthaltend]. Fol. 

F.Bayer: Op. lo. Das Veil- 
chen, für Männerchor. Partitur 
und Stimmen. Mainz, Kittlitz- 
Schott & Bieger. M. 1.20. 

(H.) G. Behn : Op. 2. Fünf 
Gesänge für eine mittl. Stimme 
m. Pfte. Nr. i: Der König 
in Thule. Nr. 4: Wanderers 
Nachtlied. Leipzig, F. Kistner. 
ä M. I.-. 



Joh.Feyhl: Op. 139. Heiden- 
röslein, f. Männerchor. Part. 
u. Stimmen. Ebd. M. 1.20. 

Robert Kahn: Op. 23. Fünf 
Gesänge für eine Singstimme 
m. Pfte. Leipzig, F. E. C, 
Leuckart. Nr. 2. Im Sommer, 
von Goethe. M. — .80. Nr. 4. 
Frühling übers Jahr, v. Goethe. 
M. 1.20. 

Robert Kahn : Mahomets 
Gesang, von Goethe, für ge- 
mischten Chor und Orchester 
componirt. Op. 24. Leipzig, 
F. E. C. Leuckart. Part.M. 15.—, 
Klavierauszug M. 3. — , Chor- 
stimmen M. 2.40. 

Reisenauer,Alfr.: Gesänge a. 
»Wilh. Meister« f. eine Singst. 



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Bibliographie. 



331 



m. Pfte. : Heft I. Gesänge des 
Harfners (Wer nie sein Brod 
mit Thränen ass. Wer sich der 
Einsamkeit ergiebt. An die 
ThUren will ich schleichen). 
M. 1.20. Heft IL Mignons Lie- 
der. (Nur wer die Sehnsucht 
kennt. Heiss' mich nicht reden. 
So lasst mich scheinen.) Berlin, 
C. A. Challier & Co. M.1.50. 

F. Schubert: Sämmtl. ein- 
stimmige Lieder und Gesänge. 
Einzelausgabe: No. 489. Lied 
der Mignon : Heiss* mich nicht 
reden. No. 490 dto. : So lasst 
mich scheinen. Leipzig, Breit- 
kopf & Härtel ä M. —.20. 

Aus Weimars BlUthezeit : 
Geschichtl. Erzähl, v. R. Siege- 
mund, lllustr. V. E. H. Walther. 
Dresden, A. Köhler. 153 SS. 
M. I.—. 

E. Mentzel: Frankfurter No- 
vellen. Frkf. a.M., Literarische 
Anstalt,Rutten & Loening. VllI, 
256 SS. eleg. geb. M. 4.50. 

Enth. u. A.: 2 Novellen aus 
Goethes Kinder- und Jugendzeit: 
»Hexenmeister« und »Spinnen- 
fädchen«. 



Das Grab Schwerdtleins auf- 
gefunden. (Frkftr. Ztg. 210, 
Abendblatt.) 

Ottiliens Kahn oder wie 
Goethe die Episode in den 
»Wahlverwandschaften« hätte 
behandeln müssen, wenn er 
Derjenige gewesen wäre, fUr 
den man ihn voreilig so lange 
gehalten hat. (Ulk. Nr. 12, 
20. März.) 

Heinrich v. Selbitz : Goethe 
d. neue Metzgerbursche. Mili- 
tär-Humoreske a. vergangener 
Zeit. (Reichenberger Ztg. 304, 
25. Dez.) 

Humoresken und Phanta- 
sieen. Von M. Kalbeck. Wien, 
Verlag d. Lit. Gsllsch. fl. 2.50. 
(Wiederabdruck von »Goethes 
Wäscherin«.) 

Marchese Gonzaloni, der 
italien. deutsche Deklamator. 
Humoristische Vorträge. Hrsg. 
von Karl Fedenschuss. L Ser. 
Graz, Hans Wagner. M. —.80 

Enth. u. A. : Der Erlkönig. Ein 
uu*eimlicker Gedickten von Senjora 
Gatte. 




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Register zu Band xviii. 



L Personen-Register. 

Die hinter den cursiv gedruckten Namen stehenden Zahlen geben die 

Seiten an, auf denen Abhandlungen oder Mittheilungen des Betreffenden 

gedruckt sind. 



Abeken, B. R. 75. 

Agrippa, Kaiser 244. 247. 

Alexander Severus, Kaiser 243. 

Alexis, Wilibald 264. 

Allatius, Leo 272. 

Alten, Fr. K. von 66, 

Althann, Graf 23 fg. 314. 

Althaus, A. 321. 

Ambrosius, Cäcilie 184. 

Amerling 265. 

Ampfere 202. 216. 

Anakreon 18^. 185;. 

Anschütz, Scnauspieler 263. 

Antius Restio 106. 

Antoninus Pius, Kaiser 226.244.25 1. 

Apelles 125. 

Appell, J. W. 60. 324. Nekrolog 

auf 302. 
Archdal, Richard 294. 
Archenholz 97. 
Aretin 314. 
Aretino 275. 
Ariost 98. 

Aristoteles 147. 150. 
Arndt, Wilhelm 24. 29. 
Ameth 265. 

Arneth, Frau d. vor. 265. 
Arnim, Achim von 130. 
Arnim, Bettina s. Brentano, Bettina. 
Arnim, Barone von 313. 
Arnold, Robert J. 256—268. 
Aeschylus 147. 



Audebrand, Ph. 199 fg. 
Auersperg s. Grün. 
Augustus, Kaiser 225 f. 230. 246 ff. 
Aurelian, Kaiser 222. 



Bächtold, J. 302. 
Badenfeld, Ed. Ph. 261. 
Bandello 277. 
Baer & Co. 318. 
Bardeleben, von 283. 328. 
Bare, Louis de 199. 203. 
Basedow 184. 
Basse 155. 

Bassenheim, Graf 50. $ß ff. 61. 
Batacchi, Domenico 276 fg. 
Bäuerle 259. 261. 264. 
Bauernfeld 261 ff. 265. 267. 
Baumann, Hofgärtner, Brief an 

(Bibl.) 315. 
Baumgarten, F. G. 76. 
Baumgartner 320. 
Bayer, F. 330, 
Bayern, König Ludwig L, von 239. 

246 
Bayern, Könie; Ludwig IL, von 263. 
Beer, Rud. 265. 321. 
Beethoven, L. van 257. 259. 315. 
Behn, H. G. 330. 
Benedikt XIV., Papst 252. 
Beguelin 39. 



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Personen-Register. 



33? 



Behrends 314. 

Bell, Georges 199. 217. 

Benda 89. 

Benzel-Sternau, Graf 293. 

Beranger 208. 257. 

Berdrow, O. 327. 

Berg, Kar. Fried, von, geb. von 

Haeseler 87. 99. 
Berger 250. 254. 
Bergks, J. A. 76. 
Berlioz, Hector 198. 216. 
Bernays, M. 294. 
Bemays, M. 98. 282. — Nekrolog 

auf 297—302. 
Bemays, Frau d. v. 301. 
Bemhardi 94. 

Beraini 224. 226. 228 ff. 237. 247. 
Bernstorf, Gräfin 115. 
Bertrand, Gottl. 291 fg. 
Bertuch 73. 115. 
Besson, P. 326. 
Bettelheim, A. 329. 
Beil, Louis P. 197—217. 
Beutli, Gehdmrath 282. 
Bianchini, Francesco 253. 
Bianchini, Giuseppe 220. 253. 
Biedermann, W. v. 16. 18. 22. 30. 

144. 154. 202. 255. 290. 311. 

316. 319. 321. 323. 328. 
Biese, A. 322. 
Binz, K. 321. 
Bismarck 327. 
Bittmann, W. 321. 
Blanche, Dr. 199, 212. 
Blaze de Bury 202. 216. 
Blume, L. 330. 

Blumenbach 17. 120. 123. 312 fg. 
Blumenbach, Frau d. vor. 120. 123. 
BlQmlein, C. ^ij. 
Blümmer, Hemnch 66. 
Boas, £. 66. 284. 
Boh^, L,, 1 13 ff. 1 19. 
Bob6, L. 113. 
Böcking, 94 fg. 
Bode ii4%> 
Böhmer, Caroline, s. Schlegel, 

Caroline. 
Böhmer, Prof. 123 
Boie, Ernestine 190. 
Boisser^e 14. 20. 20. 31. 
Bonaparte, s. Napoleon. 
Borgnese, Fürst 240. 
Born 113. 
Böse, Graf 315. 
Bostel, Frau von 59. 
Bötticher, G. 318. 



Böttiger 96. 120. 122. 136. 276%. 

282. 284. |02. Jacobs an— 116 fg. 

Therese Huber an — 124 fg. 128. 

130 fg. Aus dem Briefwechsel 

zwischen — und Fr. Rochlitz 1801 

bis 1832 143—159. Nachtrag302. 
Böttiger, Frau d. vor. 157. 
Bramante 233. 
Brandes, G. 216. 
Brass, Fr, 174— 181. 
Bratranek 160. 311. 
Braunschweig, Herzog Karl von 60. 
Breitenbach, Lieutenant von 58. 
Brentano, Bettina 29. 312 fg. 327. 
Brentano-Birkenstock, Antonia 31$. 
Brentano-Birkenstock, Familie 315. 
Breval, John 219. 
Brinkmann 84. 98. 
ßrion, Friederike 194. 274. 326. 
Brisson 34. 
Brockhaus, Rudolf 109. 11 1. 135. 

160. 
Brown 291. 
Brück 182. 

Brückner, F. T. J. 70. 76. 193. 
Brühl, Graf Montz 22. 95. 
Bruinier, J. W. 320. 
Brun, Friederike geb. Munter 116. 

209. 
Brüning, E. 319. 
Buchheim, C. 321. 
Büchner, A. 319. 
Büchner, W. 273 fg. 322. 326. 
Buff, Amtmann 49 ff. 56 fg. 
Buff, Charlotte 50. 53. 56 ff. 192. 
Buffon 39. 

Bülow, Hans von 211. 
Burdach, K. 294. 
Burdach, K. 322. 
Bürger, G.A. 79.97. 131. 213. 217. 

28J. 304 fjg. 
Burkhardt, C. A. H. 317. 
Bursian 76. 
Bury 313. 
Byron 204. 207. 256 fg. 



Calderon 68. 94. 278. 

Camper 179 fg. 

Caracalla, Kaiser 243 fg. 247. 2$ 3 fg. 

Carlyle 216. 319. 

Carus, P. 32$. 

Caesar, Julius 246. 

Cassini, Giov. 221. 229. 236. 243. 

245., 250 fg. 
Castelli 262. 



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334 



Personen-Register. 



Cato io6. 

Caumont, Armand 197. 
Cellini, Benvenuto 44. 47. 275. 
Cervantes 65. 208. 
Champfleury 199. 208. 
Clauren s. neun. 
Clemens XI., Papst 229. 
Clemens XIV., Papst 222. 238. 
Coburg, Herzog Ernst von 6. 21. 
Cochin, Ch. N. 219. 
Cohn, Albert 20. 
Cohn, Alex. Meyer 313. 



CoUin, J. 319. 321. 
n, Jenny 199. 



8. 3 1 2 fe. 3 1 5 . Briefe von Goethe 

— 8 fg. 12 ff. Erläuterungen 

zu 24 ff. 28 ff. Therese Huber 



Colon, ^ ,^ 

Constantin, Kaiser 244. 251, 

Conti, Stephanie 149. 

Conz, K. Ph., Therese Huber an — 

Corneille 205. 

Cornelius, Peter 154, 

Corot 108. 

Costenoole 260. 263 ff. 

Cotta 17. 120. 150. 154. 281. 284. 

288. 3 1 2 fg. 3 1 5 . Briefe von Goethe 

an ^ - -- .- 

dazu 

an — 132 fg. 
Creizenach, W. 320. 
Creuzer, Fr. 324. 
Cutting 310. 
Czermak, Jos. 325. 
Czernin, Graf 262. 



Dalberg, Coadjutor von 1 1 5 fg. 
Dante 297. 327. 

Darmstadt, Landgraf von s. Hessen- 
Darmstadt, Grossherzog von. 
Decesaris 277. 
Dechent, H. 325. 327. 329. 
Deinhardstein 262 fg. 265 fg. 
Delacroix 216. 
Delph, Familie 326. 
Delvau, Alfred 199. 201. 214. 
Der6me, L. 109. 
Devrient, Carl 257. 
Devrient, Emil 158. 
Dewischeit, C. 328. 
Diezel 15. 160. 

Dilthey, Wilhelm 174. 179. 324. 
Dingelstedt 211. 
Diodetian, Kaiser 244. 252. 
Ditfurth, Ph. D. von 56. 60 fg. 
Dominicus, Prof. 116. 
Donebauer 263. 
Döring, Georg 133. 



Döring, O. 317. 329. 
Dornedden, Karl Fr. 70. 76. 
Droysen, J. G. 320. 
Dumas, Alex. 205. 212. 
Düntzer, Heinrich 16. 28. 121. 182. 

219. 245. 273. 275. 281. 289. 294. 

301. 317. 319. 320. 322. 323. 
Dürer, Albrecht 123. 
Dyk 116. 288. 



Ebersberg 260. 
Ebrard 317. 
Ebrard, F. C. 329. 
Eckermann 93. 199. 201 fg. 228. 
239. 316. Zudem Aufsatz J.P. — 

r<^./. XVII, 105 fgo 29^ 

Egloffstem, Gräfin Carobna von 

III fg. 
Ehrlich, M. 316. 
Eichstädt 17. 22. 26 fg. 31. 69 ff. 

7$. 149. 290. 292. 
Einem, Lotte von 59. 
Einsiedel 146. 
Elagabal, Kaiser 243. 
Elias, J. 318. 
Erasmus 279. 
Erdmannsdörffer, B. 326. 
Ermin s. Pietznig:g. 
Ernst, Hofsecretair 88. 
Erxleben 46 fg. 
Eschenburg 98. 
Escher, Jakob 293. 
Ettin^hausen 265. 
Euripides 146. 321. 
Eybcnberg, Frau von, s. Meyer, 

Marianne. 



Falda, Giov. Batt. 237. 

Faustina 251. 

Fedenschuss, K. 331. 

Fellenberg 132. 

Femow, Prof. 6 fg^ 20. 73. 157. 282. 

Feuchtersieben, Ernst von 259. 

261 fg. 265 ff. 
Feyhl, F. 3 30. 

Ficntner, Schauspieler 263 fg. 
Fiorillo 82. 88. 97. 99. 
Fischer 82. 
Fischer, Frau d. vor., vcrwittwetc 

Gräfin von Reichenbach 82. 
Flachsland, Caroline s. Herder 

Caroline. 



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Personen-Register. 



335 



Flaubert 216. 

Flügel, Ew. J20. 

Fomana, Carlo 226. 237, 

Forster, G. 120 fg. 284. 

Forster, Therese s. Huber Therese. 

Forster, Therese, Tochter d. vor. 

Therese Huber an — 126 fg. 
Fouqu^ 260. 
Foumier, A. 327. 
Fran^pani, die 251. 
Franiecki, Johanna 17. 
Frank 201. 

Frankenberg, Geh. R. 8$. 
Frankreich, Ludwig XIV. König 

von 227. 
Frankreich, Ludwig XV. König von 

227. 
Frankreich, Ludwig XVL König 

von iij. 
Frauenholz (Nürnberger Künstler) 

135- 
Frege & Co. 25. 
Fresenius, August 3 — 31. 
Fresenius, August 165. 305. 310. 
Freybe, A. 320. 
Friederike s. Brion. 
Friedländer, Max 323. 330. 
Fritsch, Geh. R. 85. 
Frommann 154. 314. 
Fuchs 313. 
Fuga 231. 
Funck, Heinr. 32^. 
Funck, K. W. F. von 81. 97. 
Funke, A. 322. 



Gaetani, die 254. 
Gagern 326. 
Galllei 232. 
Gall 282. 312. 
Gambart 13. 
Gareis, Franz 91. 100 
Garick, G. 330. 
Garofolo 107. 



Garve an Schiller, 134—143. 
Gautier, Th. 198 ff. 206. 210. 2 
Gehler, Dr. 34. 39. 



Gager, L. 109 ff. 113. 116 fg. 119 
— 160. 279 ff. 28311 29s— 502. 

^5.15-331. 

Geiger, L. 95. 99. 108. 113. 316. 

326. 
Geist 48. 
Geistinger 30. 
Geliert 322. 
Genast 67. 



Gensichen, O. F. 326. 

Gentz, V. 264. 

G^rard 216. 

Gerning, J. Chr. 329. 

Gerstenberg 192. 

Gessler, Graf 96. 

Gessner 96. 

Geymüller, Baron 240. 

Gibbs, J. W. M. 294. 

Giordano Luca, s. Luca. 

Giulio Romano 107. 

Gleira, Goethes Gedicht: Flieh 

Täubchen flieh, eine Satire 182— 

196. 

Gley, Julie 264. 

Glover, F. s. Köchy, H. 

Gnoli 225. 

Goechhausen, Luise von 09. 305. 

Goedeke, K. 61. 289. 316. 

Goldsmith, O. 294. 

Gore, Miss 255. 

Göschen 82. 136. 170. 172. 

Gotha, Herzog von 114. 

Gotha, Prinz Friedrich von 276 fg. 

Goethe, Alma von 259. 

Goethe, August von 71. 255. 312. 

314. 
Goethe, Christiane 15. 21. 24 fg. 

28. 109. 157. 312 ff. 
Goethe, Cornelia 326. 
Goethe, Ottilie 326. 
Goethe, Katharina Elisabeth ^Frau 

Rath) 289. 313 fg. 316. 326. 
Goethe, Walter von 259. 326. 
Goethe, Wolfgang von 259. 326. 
Gotter 22. 84. 98 —an Heyne 113. 
Gotter, Frau und Tochter d. vor. 84 
Gotthardi 68. 
Gottsched 98. 
Götze 46. 

Goui, Aug. Siegf. von 61. 
Gozzi, 96. 

Graf, Hans Gerhard 67—76. 
Graf, H. G. 74. 317. 329. 
Gräfe, B. 327. 
Graff, Schauspieler 146. 
Grassi, Padre 232. 
Gregor XIV., Papst 238. 
Gregorovius 239. 
Griepenkerl 132. 
Gries 278. 

Grillparzer 261. 263. 265 ff. 
Grimm, H. 317. 326. 327. 
Grimm, Jakob 327. 
Grimm, Wilhelm 327. 
Grisebach, E. 327%. 



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336 



Personen-Register. 



Gross, Ferd. 197. 2CX). 

Grotefend, H. 289. 

Grün, Anastasius 262. 

Grümuald, M. 1 1 1 fg. 1 1 7 ff. 

Grünwald, M. 108. 113. 

Gübch, Frl. 51. 

Gün derode, Carol. von 324. 327. 

Günther, Joh. Arn., Briefe aus der 
Wertherstadt 1778—79. 48—57, 
Erläuterungen dazu 57—61. 

Gutzkow 2 II. 



Haarhaus, J. R. 326. 

Habel, Eduard 261. 

Hackert, Philipp 314. 

Hadrian, Kaiser 227. 247. 

Hafis 278 fg. 

Haefnel, K. 320. 

Hammer-Purgstall 265. 

Hämmerstein 50 fg. 

Handel 128. 

Hardenberg, Fr. von (Novalis) 81. 

92. 97 fg. ICD. 
Harl, Fr. J. P. 292. 
Härlin, A. 327. 
Harnach, Otto 306—310. 
Harnack, O. 303. 305. 328. 329. 
Harrebom^e 279. 
Hartwig, Schauspielerin 65. 
Hassenkamp, F. 327. 329. 
Haessel, H. 293. 
Haydn, Jos. 13, 38. 
Haym 98. 
Hebbel 266. 
Hebel 13. 30. 
Hebcrle, J. M. 318. 
Heine, H. 199. 203fg, 2iofg. 213 ff. 

320. 327. 
Heinemann, K. 318. 322. 
Heinze 323. 
Hdtmüller, F. 3 10 ff. 
Heitmüller, F. 303. 
Hekatäus von Milct 76. 
Held, Kammermedicus 59. 
Held, Lotte 59. 
Hellen, E. v. d. 19. 28. 46 fg. 165. 

172. 304. 
Helvig, Amalia v., Brief an — (Bibl.) 

315. 
Hendrich, von 15. 313. 
Henkel, Hermann 273 ff. 
Henkel, H. 324. 
Henning, Rud. 30J. 
Hennings 113. 276. 
Herbst $9. 



Herder, August von 18. 

Herder, Caroline von 114. 121. 

165. 168 fg. 182. 
Herder, Emu von, Thercse Huber 

an — 124 ff. 130 ff. 
Herder, Gottfried von 115. 
Herder, J. G. von 46%. 102 fg. 

iij ff. 121. 124. 144 fg. 140. 

168 ff. 172. 182. 184. 211. 218. 

220. 239. 247. 252 ff. 27J. 305. 

326. Beziehung von Goethes 

philosophischem Aufsatz. Zu — s. 

Gott 174— 181. 

Herder, Louise von, geb. Huber 121. 

Hermann, F. 326. 

Herondas 221. 

Hert, Sekretär 50. 54. 57. 

Hert, Elisabeth, Frau d. vor. 50. 

5 3 fg. 61. 
Herzlieb, Minna 327. 
Hesiod 74. 76. 
Hess 323. 

Hessen-Cassel, Landgraf von 4. 16. 
Hessen - Darmstadt, Grossherzog 

von 103. 115. 
Heuer, O. 329. 
Heun (Clauren) als Förderer der 

J. L.-Z. 290 ff. 
Heyn, Franz 323. 
Heyne, Prof. 70. 76. 120. 131. 

Gotter an— 113. Therese Huber 

an — und seine Frau 123 fg. 
Heyne, Therese s. Huber. 
Heyse, P. 320. 
Hiersemann, K. 318. 
Hildebrand, R. 317. 
Himburg 298. 
Hirt, A. 91. 98. 100. 314. 
Hirzel, S. 155. 298. 
Hlawacek-Russ 22. 
Hobbes, J. O. 317. 
Hoffmann, E. T. A. 209. 
Hoffmann von Fallersieben 95. 
Hoffmeister 136. 142. 
Hoefler, Joh. Jak. von 60. 
Hogarth 41 fg. 44. 47. 
Holtei 257. 
Hölty 70. 76. 
Holzhausen, P. 323. 
Homer. 71. 76. 125. 259. 272. 

297 ^g. 
Houssaye, Arstoe 198 fg. 203. 206. 

215. 
Huber, Aimi 132. 
Huber, F. L. 121 fg. 145. 149 — über 

die Xenien 283 ff. 



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Personen-Register. 



337 



Huber, Therese 284 —über Goethe 

120 ff. 
HufelaxKl, Prof. 43. 
Hugo, Viaor 198. 205 fg. 215. 
Humboldt, Alex, von 315. 
Humboldt, Caroline von 314. 329. 
Humboldt, W. von 76. 9(3. 239. 

258. 529. 
Hummel, J. N. 260. 

Jacobi, F. H. 109. 119. 191 ff. 313. 

327. 
Jacobi, Schwestern d. vor. 122. 

128 fg. 
Jacobi, Georg 183 ff. Goethes Ge- 
dicht Flieh, Täubchen flieh, eine 
Satire auf — 182^196. 
Jacobs, Chr. Fr.W. 6^. 75. —an 
Böttiger 116 fg. 

acoby, Daniel 135 fß. 195. 
/agemann, Schauspielerin 14$. 
, ahn, O. 21 fg, 
'anin, J. 200. 206. 209. 211. 
/ansen, A. ^24. 
' ean Paul (Richter) 134. 

ellinek, A. L. 318. 
"erusalem d. j. 50. 52 ff. 57 ff. 
IfHand 87 ff. 92. 95. 100. 
Imelmann, J. 324. 
Imhoff, Amaiie von 146. 
Immermann 2j8. 
Ingverson 44 4;. 48. 
Innocenz XIL, Papst 235. 
Tohn 18. 

bnas 94« 136. 142. 

ordan 221. 

ostes. Fr. J19. 

sidorus Onentalis s. Loben Graf. 
Isolani, Fr. 322. 

Italien, Vinorio Emanuele, König 
von 234. 

ulius III., Papst 247. 
"ulius, Schauspieler 68. 

;:un^, R. 315- 

, usti 221. 241. 
Juvenal 254. 



Kaaz, 2j. 313. 

Kahn, R. 330. 

Kalbeck, M. 331. 

Kamann, J. 324. 

Kant 09. 118. 135. 286. 291. 328. 

Kapp(e), Chr. E. 7. 21. 313 fg. 

Karajan 265. 

Karpeles, G. 315. 327. 

Goithe-Jahkivch XVIII. 



Karr, Alph. 198. 

Karsch, Anna Luise 184. 193. 

Karsten 314. 

Kasper, Anton 265. 

Kaufmann, Angelica 230. 236. 239. 

Kaulbach, W. v. 329. 

Keil 23. 

KeUner, H. C. 316. 328. 

Kellner, L. 327. 

Kermann, E. C. 317. 

Kern, O. 271 ff. 

Kesmer, J. Ch. 37. 53. 56 fg. 192. 

Keverberg, von 127 fg. 

Kilian, E. 67. 

Kinzel, K. ?22. 

Kirchbach, Frank 322. 329. 

Kirchbach, W, 317. 

Kirckhoff, Brief von Goethe an — 
und Erläuterungen dazu 159 fg. 

Kistner s. Kesmer. 

Kladzig, Auguste 26$, 

Kleist, E. von 184. 

Klette 08. 

Klettenoerg, Susanne v. 325. 327. 

Klingemann 124. 

Klinger 103. 290. Brief von Goethe 

an — iiofg. 
Klopstock 83. 98. loi. 113. 145. 

104. 217. 258. 296. 
Klotz 183. 
Kluffe, Fr. 320. 

Knehel 25. 27. 47. 76. 114. 123. 
127. 167. 170. 172. 178 f. 276 fg. 
Knebels Eltern 123. 
Knebel, Henriette v. 123. 
Knortz, K. 326. 
Koberstein 99. 
Koch, M. 318. 322. 
Köchy, H. 122. 
Kögel, R. 322. 
Konler, J. 323. 
Köhler, Remh. 276 ff. 
Koldewey, F. 60. 
Korn, Max 263. 
Kömer, Ch. G. 97. 121. 135 fg. 

213. 283. 
Kotzebue 146. 276 ff. 
Kraus, Arnoftt 259. 
Kraus, Maler 312. 
Kühn, Sophie von 81. 97. 
Küntzel, W. 315. 
Kürschner, J. 219. 

Labrunie d. ä. 198. 203. 209. 
Labrunie, Frau 108. 20?. 20Q. 
Labrunie d.j., s. G^rara de Nerval. 
22 



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338 



Personen-Register. 



Lac^p&de 314. 

Lamartine 257. 

Lande, La 219. 

Landmann, K. 317. 

Lappenberg, J. M. 184. 

La Roche, Sophie v. 192 fg. 329. 

La Roche, Schauspieler 65. 

Larousse, Pierre 201. 

Latendorf 279. 

Laube 262. 

Lavater 103. 106. 114. 177. 179. 

184. 304- 327- 329- 
Lehmann, R. 326. 
Lehninger, Jean Auguste 105. 
Leibnitz 174. 176. 
Leisewitz 51. 

Lätimann, Albert 32 —48. 312—315. 
Leitzmann, Albert 15. 28. 120. 303. 

305. 329. 
Lemarquand 314. 
Lenau 262. 265. 
Lenhart 28. 
Lenz, J. G. (Bergrath) 17. 159 fg. 

Lenz, J. M. R. 103. 329. 

Lenz, Karl Gotthold 71. 75 fg. 277. 

Leo IV., Papst 222. 

Leo XII., Papst 225. 243. 252. 

Leonardo (da Vinci) 82. 230. 324. 

Leonhard 22. 

Lepel (Löpel) 4. 16. 

Lessing, G. E. 50. 131. 145 fg. 

152. 184. 287. 296. 316. 318. 321. 
Letteris« Max, 263 fg. 
Lcvin, Rahel 329. 
Levy, A. 328. 
Levy, B. 32J. 325. 
Lewes, G. H. 32$. 
Lichnowsky, Fürst 314. Brief von 

Goethe an — 8, Erläuterungen 

dazu 23 fg. 
Lichtenberg, Briefwechsel zwischen 

Goethe und 32-45, Erläuterungen 

dazu 45—48. 
Liebieg, Alice 330. 
Liepmannssohn, L. 315. 
Lier 96. 

Lili s. Schönemann. 
Lindau, Paul 109. 318. 
Lindschoten s. Stryck-Lindschoten. 
Lionarda s. Leonardo. 
Uppi, Annibale 227. 
Lips 115. 329. 
Liszt 211. 
Littrow 265. 
Livius 245. 



Löbell, Rieh. 327. 

Loben, Graf (Isidorus OrientaÜs) 

124. 
Loeper, G. von 182. 275. 278 fg. 

290. 311. 
Löschhorn, H. 319. 
Lotte s. Buff, Charlotte. 
Louvier, F. A. 320. 
Löwe, Ludwig, Schauspieler 264. 
Luca Giordano 107. 
Ludecus 115. 
Lungo, C. 328. 
Luther, Martin 118. 320. 
Lützow, K. von 328. 



M. Graf 49. 

Maclintock ^25. 

Maderna 220. 230. 233. 237 fg. 251. 

Ma^an 242 fg. 

Maiano, Giuliano da 234. 

Maluahn, W. von 95. 

Mannl 28. 

Manso 116. 134 ff. an Raumer 

119 fg. 
Manzoni 257. 
Marc Anton 242. 
Marc Aurel 226. 234. 
Marchesi, Pompeo 329. 
Maret 314. 
Marschall, Graf 65. 
Martens, Franz Heinrich 283. 328. 
Martersteig 67. 
Martin, E. 303 fg. 
Maxentius 254. 
Maximilian, Kaiser 244. 
Mayer, Franz 10. 28. 
Mayer, P. Friedr. 319, 
Meckeln, von 52. 
Mecklenburg -Schwerin, Erbprinz 

von 2y 
Mecklenburg-Schwerin, Frau d. vor. 

s. Weimar, Caroline, Prinzessin 

von. 
Meien, E. von 102. 
Meister, Oberst 120. 283. 
Melber 314. 
Mendelssohn, M. 184. 
Mentzel, Elis. 331. 
Menzel 156. 
Merck, J. H. 327. 
Merkel, G. 192. 276. 291. 
Mettemich 209. 260. 
Meusebach 95. 
Meusel 292. 
Meyer, A. G. 282. 



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Personen-Register. 



?39 



Mey^t Conrad Ferdinand 293. 
Meyer, Franz, s. Maver. 
Meyer, Friedr. Joh. Lorenz 58. 
Meyer, Heinrich 88. 90. 03. 96. 



99. 228. 275. 280 ff. 288. 203. 
306 fg. 309. 312 fg. 315. Ab- 
schritt d. Notizen zum Dresdener 



Gemälde-Katalofi; 104 ff. 
Meyer, Marianne 87 ff. 93. 99 fg* 
Meyer, Nicolaus 313. 
Meyer, R, M. 294. 
Meyer, R. M. 317. 
Michaelis, Joh. Benj. 183. 189. 
Michelangelo 82. 98. 229. 233 fg. 

2^8 ff. 244. 
Michels, Victor 305. 
Mickiewicz 327. 
Milde, Natalie von 328. 
Miller $9. 
Millingen, J. 272. 
Minor, J. 94. 182. 305. 319. 
Mirecourt, Eughie de (Charles- 

Jean-B. Jacquot) 201. 
Moli^e 278 fg. 
Moritz, K. Ph. 165. 167 ff. 174. 179. 

220. 227. 239 fg. 244. 250. 2; 3 fg. 
Morris, Max 182—196. 277 ff. 
Müller, E. i}6. 141. 
Müller, Friedrich von, Kanzler 21. 

27. 158. 104. 255. 257. 261. 
Müller, G. Ä. 315. 326. 
Müller, Johann Georg 26 fg. 
Müller, Johannes von 26 fg. 
Müller, Jos., Steinschneider und 

Mineralienhändler 4. 7. 10. 16 ff. 

22. 27. 
Munatius Plancus 149. 
Muncker, Fr. 321. 
Munter, F.Tagebuchaufzeichnungen 

des Bischofs 113 ff. 
Munter, Balthasar, Vater d. vor. 

113. 
Musculus 18. 
Musset, A. de 216. 
Muth, R. von 264. 
Muther, R, 328. 



Nanteuil, Maler 198. 

Napoleon I. 20 fg. 97. 198. 203. 

225. 25655. 313. 327. 
Napoleon III. 253. 
Nariskin, Fürstin 4. 16. 
Nauwerck 14. 25. 31. 315. 
Nauwerk s. Nauwerck 
Necker, M. 259. 



Necker, Minister 26. 

Neri, Filippo 233. 242. 

Nero, Kaiser 245. 

Nerval, Gerard de 197 — 217. 

Nestle }2i. 

Neubeck 82 fg. 98. 

Neudecker, G. 323. 

Neumann- Hofer, O. 330. 

Newton 20. 46. 118. 

Nicolai, Fr. 87. 99. 114. 190 ff. 

287 fff. 
Nimbsch von Strehlenau s. Lenau. 
Nissen, Wühelm 58. 
Nöldeke, W. 324. 
Novalis s. Hardenberg. 



O. O. 292. 

O'Hara 2?. 

Olafsen, Olaf Christian 40 ff. 47. 

Olarsen s. Olufsen. 

Olufsen s. Olafsen. 

Opoix 3^. 

Oppenheim, Moritz 327, Briefe 
Uoethes an — (Bibl.) 315. 

Osborn, M. 318. J2?. 

Oeser, Adam Friedrich 16, Brief 
von Goethe an — nebst Erläu- 
terungen 108. 

Ossian 304. 

Oesterreich, Maria Ludovica, Kai- 
serin von 8 fg. 12. 15. 23 ff. 

Otfried von Weissenburg 321. 

O verbeck 154. 239. 



Pabst, Gustav 261. 

Paudler, A. 323. 

Paul m., Papst 253. 

Paul V., Papst 237. 251. 

Paulus, Prot. 149. 

Payer von Thurn, R. 316. 319. 330. 

Pelori 74. 

Percy, Bischof 294. 

Perthes, Fr., F. L. Stolberg an — 

119. 
Perthes, Prof. Dr. 119. 
Pertz, G. H. 320. 
Peruzzi, Baldassare 233. 
Petrarca 98. 
Peucer, Fr. 302. 
Pfaff, C. H. 19. 
Philostrat 76. 

Pichler, Karoline 134. 267. 
Pietznigg, Franz 263. 

22* 



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340 



Personen-Register. 



Pigna, Battista 164. 167. 

Piranesi, G. B. 218. 220 ff. 

Pius IV., Papst 222. 244. 

Pius VI., Papst 222. 230. 238. 

Pius VII., Papst 237 fg. 251 fo. 

Pius IX., Papst 228. 243. 240. 

Pius XI., Papst 252. 

Platen 214. 

Pniower, O. 183. 187. 194. 518. 
322. 

Poe, Edgar 209. 

Polygnot 282. 

Pope 138. 

Porphyrius 272. 

Porta, Giacomo della 226. 233. 

Portalis, Graf 315. 

Poussin 4. 16. 

PrcUer, Friedrich 295. 

Prcm, S. M. 325. 

Preussen, König Friedrich IL von 
188. 304« 

Preussen, König Friedrich Wilhelm 
III. von 159. 

Preussen, Königin Luise von 99. 
145. 

Preussen, Prinzessin Marie von s. 
Wein^ar. 

Pr^vost 285, Sein Vater 285. 

Probus, Kaiser 222. 

Prölss, R. 327. 

Pronti, Domenico 221. 

Psellus, Michael 2j2. 

Pückler-Muskau, Fürst von 213. 

Puff s. Buff. 

Pustkuchen 120. n 3. 155. 192. 296. 

Putbus, Moritz Ulrich, Graf und 
Herr zu. Ein Urtheil über Wei- 
mar und Goethe aus dem Jahre 
1776. IUI— 104. 



Qpandt 150. 
Qpanter, W. 324. 
Qjiilling, F. 329. 
Q^inet, Edgar 216. 



Racknitz, von 18. 

Rafael 229 fg. 233. 236 fg. 239 fg. 

242. 
Rainaldi 225. 227. 
Ramberg, G. 67. 
Ranegg, Helmuth 324. 
Rappaport, Moritz 261. 
Rauch 159. 



Raumer 68, Manso an — 119 fg« 

Raupach 154 ff. 

Razoumowsky 10, Graf und Gräfin 

10. 27 fg. 
Redlich 112. 184. 192. 
Reichard, H. A. O. 22. 
Reichardt, J. F. 170. 
Reichel, Eugen 48. 
Reichenbach, Gräfin, s. Fischer.R. 
Reichl, A, 310. 
Reiffenstdn, C. Th. 329. 
Reil 312. 

Reimarus, Frau 117. 
Reinhard, Graf 31. 156 fg. 159. 

3 12 fg. Seine Frau 156. 312, an 

Villers 117 ff. 
Reinhold, loh. Gotth. 120. 122. 

Therese Huber an — 125. 128 fL 
Reinhold, K. L. 114. 
Reisenauer, Alfr. 330. 
Rembrandt 4. 
Retsch 14. 31. 
Rettich, Julie, s. Gley Julie. 
Reuther, F. 322. 
Reyer 279. 
Rezzonico, Fürst 249. 
Rhönheider 113. 
Richard, Abb^ 210. 
Richardson, Jonathan 219. 
Richardson, S. 58. 
Richter s. Jean Paul. 
Richter, Paul Emil 279. 
Riedesel, von 61. 
Rieger, Max 30$. 
Riemer 3. 5 fg. 8 fg. 12. 14%. 20. 

29 fg. 66. 71. 73. 76. 158. 276. 
Riemer, Frau d. vor. 276. 
Riepenhausen, F. und J. 30 fg. 282. 
Riezler, S. J2i. 
Riggi, Maddalena 327. 
Rioult 215. 
Rivarol 206. 
Robespierre 288. 
Rochliu, Fr. Aus dem Briefwechsel 

zwischen C. A. Böttiger und — 

1801-1832. i43-i$9. Nachtrag. 

302. 
Rod, E. 317. 
Röderer, P. L. 80. 97. 
Rolli 187. 

Romano, Guilio 248. 
Ronsard 208. 212. 
Roquette, Otto 316. Nekrolog aut 

Rosa, Pietro 253. 
Rossi, Dom. de 234. 



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Personen-Register. 



341 



Rossini, Stecher 243. 
Rössler, Const. 322. 
Rothc, Carl 57. 
Rothschüdsches Haus 212. 
Rousseau, T. J. 58. 329. 
Rousseau, Maler 198. 
'Roux, Maler 279 ü. 
Rücken 214. 
Röhle von Lilienstein, Brief Pius 

Alexander Wulffs an— 61—66. 

Erläuterungen dazu 66-68. Seine 

Frau 66. 
Ruiand, Carl 1 01— 107. 
Runge, Maler 312. 

Saint-Aulaire 203. 205. 

Saint-Victor, Paul de 199. 

Salvi, Niccolo 229. 

Sanfelice, F. 325. 

Sangallo, Antonio d. j. 233. 248. 

Sapnir 264. 

Saran, F. 321. 

Sartorius, 26. 315. 

Sauer, A. 182. 305. 321. 326. 

Schaarschmidt, Geh. Reg.-Rath 95. 

Schaper, Fr. 319. 

Scheffel, V. 254. 

Scheffer, Ary 216. 

Scheidemantel, Eduard 163—173. 

Scheidemantel, E. 321. 

Schelling 258. 201. 314. 

Schellin^, Caroline s. Schlegel, 
Caroline. 

Schenk, E. von 258. 

Scherbius, Tac. Gottl. 289 fg. 

Scherer, Wilhehn 195. 274. 

Schiller, Charlotte von 30. 284. 3 14. 

Schiller, Ernst von 30. 

Schiller, Fr. von 47. 7$. 94 ff. 98 ff. 
109. 116. 144. 146 ff. IJ4. 19$. 
213.215.217.2^7.261«. 275 fg. 
283 ff. 293. 296. 298. 307. 309. 
312. 318. 322. 323. 328. A. W. 
Schlegel, über sein Verhältniss 
zu - 81 fg. 86. 92. Therese 
Huber über — 122. 124 ff. 131 ig. 
Garve an — 134—143. 

Schimmelbusch, E. W. 327. 

Schimmelmann, Gräfin 94. 

Schipper 275. 

Schirmer, Schauspieler 65. 

Schirmer, Schauspielerin 68. 

Schlegel, A. W. 67. 148. 151. 212. 
214%. 275 fg. 28$. 291. 298. 3M. 
Briete an Goethe 76—93. Er- 
läuterungen dazu 93—100. 



Schlegel, Caroline 77 fg. 83. 92. 

06. 284. 288, an ? 119. 
Schlegel, Friedr. 81 fg. 85 ff. 92 fg. 

06 ff. 148. 151. 314. 
Scnleiermacher 94. 98. 276. 
Schleinitz, v. 50. 60. 
Schienther, P. 330. 
Schlosser, loh. ueorg 193. 
Schlosser, Kath 289. 314. 
Schlosser, R. 60. 98. 
Schmid, E. 322. 
Schmid, Geor^ 28. 
Schmid, Prämiant 326. 
Schmidt, Erich 58 fg. 136. 284. 

303. 305. 318. 320. 321. 323. 
Schmidt, Erich I*-Vr-304ff. 
Schmidt, Julian 317. 
Schmidt, K. 30. 
Schmidt -Weissenfeis 2 1 4. 
Schmitt, L. 325. 
Schnorr v. Carolsfeld 96. 
Schönaich 98. 
Schönbom 192. 
Schönemann, Elisabeth (Lili) 274. 

J12. 
Schönkopf, Katharina 327. 
Schopennauer, A. 327 fg. 
Schott, S. 326. 
Schreiter 288. 
Schrempf 174. 

Schreyvogel, Jos. 262. 265 fg. 
Schröder, Hu^o 326. 
Schröder, Rieh. 319. 323. 
Schröer, K. J. 319. 
Schubart, M. 327. 328. 
Schubarth, K. £. 294. 
Schubert, Fr. 217. 259. 330. 
Schubert, J. 324. 
Schüddekopf, Äar/48— 61. 76— lOO. 

108. 276 fg. 
Schüddekopf, K. 108. 
Schultz, Staatsrath 294. 
Schulze, Joh. 66. 68. 
Schuster, Lorenz 328. 
Schuster, Magistratsrath 328. 
Schütz 7j, 
Schütz, d. J. 120. 
Schwalbe, /. 282 fg. 
Schwalbe, J. ^28. 
Schwind, Moritz v. 26$. 
Scott, W. 299. 
Sebus, Johanna 127 fg. 
Seidel 180. 
Seidler, Amalie 121. 
Selbiu, H. von 331. 
Semler, Chr. 317. 



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342 



Personen-Register. 



Septimius Severus, Kaiser 245. 247. 

2^0. 

Serrc, A. 216. 

Seuffcrt, B. 183. 189. 

Seydelmann, T. Chr. 91. 100. 

Seyfried, Ferd. von 264. 

Shaftesbury 174. 

Shakespeare 53. 61 ff. 82. 84. 88. 

92. 94 fg. 146 fg. 263. 297 fg. 

305. 327. 

Siegemund, R. 331. 

Sievers, G. L. r. 291 fg. 

Silesius, Ed. s. Badenfeld. 

Sixtus V., Papst 225. 

Sodoma 240. 

Solms, Fürstin 4. 16. 

Söramerring 121. Seine Mutter 121. 

Sondheim 315. 

Sonnleithner, Jos. 261. 

Sophocles 147 fg. 150. 

Spalding 189. 

Spazier, Frau 152. 

Specchi, Alessandro 252. 

Speyer, Fr. 322. 

Spielhagen, F. 324. 329. 

Spinoza 174. 178. 

Spontini 257. 

Sprenger, R. 319. 

Spnckmann 55. 60. 

Stadelmann 311. 

Sudler, Eug. von 211. 

Stael, Frau von 203. 209. 314. 324. 

Stapfer 202. 204 fg. 207. 216. 

Sfark(e), Joh. Chr. d. a. 11. 28. 

Steffens ij. 94 315. Brief von 

Goethe an — 5 fg. Erläuterungen 

dazu 18 ff. 
Stein, Charlotte von 16. 114. 176 ff. 

180 fg. 219. 228. 231. 237. 239. 

247. 252. 273 fg. 304. 323. 
Stein, Ernst von 328. 
Stein, Fritz von 233. 25$. 
Stein, Philipp 326. 
Stein, Reichsfreiherr von 320. 
Steiner, Kilian 29. 
Steiner, Rudolf 19. 503. 306. 
Stern, Adolf 144. 157. 158. 323. 
Stern, .\lfred 289. 
Stemberg, Caspar Graf von 311. 
Stettinsche Buchhandlung 130. 
St. Goar, J. 318. 
Stickel, G. 323. 
Stiefel, A. L. 329. 
Stieglitz 315. 
Stolberg, Chr. 132. 
Stolberg,F.L. 132— an Perthes 1 19. 



Stolberg, Frau d. vor. 119. 

Stolbergs, die 113 f. 

Straub, L. W. 325. 

Strauss, Anton 29 fg. 

Strauss, Joh. 209. 

Strehlke 15. 27. 116. 160. 

Struensee 116. 

Struve, H. Chr. G. von 4 fg. 18. 

Struve, Bruder d. vor. 4. 

Stryck Lindschoten, von 127. 129. 

Sturm, Prof. 315. 

Sulger-Gehing, Emil 218—25$. 

Suker 7. 22. 

Süpfle, Th. 198. 

Suphan, Bernhard $7. 

Suphan, Bernhard 27. 30. 109. 136. 

i6s. 174- 179 %• 284. 303 ff- 

309. 330. 
Sunngar 279. 
Suter, J. 324. 
Swift 208. 
Szczepanski, A. 328. 

T. H. F. 34 fg. 40flf. 46. 

Tartesso 74. 

Tasso, Torquato 164. 173. 237. 

Tauber, G. 321. 

Teichmann 99 fg. 

Terenz 146. 

Texte, J. 321. 324. 

Textor, Jos. Jost 289. 

Textor, K. L. 289. 

Thiele, A, E. 16. 

Thoranc (Thorane) 327. 328. 

Thorwal dsen 231. 

Thümmel 128. 

Tiberius, Kaiser 250. 

Tieck, L. 67 fg. 86. 88. 09. 120. 

i$8. 213. 2 $7. 262. 204. 275. 

282. 298. J09. 
Tischbein 66. 225. 230. 
Titius 7. 22. 

Titus, Kaiser 244 fg. 251. 
Tomaschek, K. 320. 
Torquet 202. 

Toscana, Grossherzog von 227. 
Toumeux, M. 199. 208. 
Trajan, Kaiser 248. 
Trebra, von 29. 
Tschabuschnigg 261. 
Türck, H. 320. 



Uhde 22. 
Uhland 213. 



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Personek-Register. 



343 



Ulrich, Caroline s. Riemer. 
Unger 83. 88. ^. $j7fg. icx). 
Unzelmann, Friederike 89. 100. 
Urban VII., Papst 222. 247. 
Urban, M. 326. 
Urlichs, L. 05. 100. 136. 
Usteri, Paulus 120. 122. 283 ff. 
Therese Huber an — 124. 128 fg. 

Uwarow, Graf 27 fg. 



Vaihinger ^28. 

Valentin, Veit 225. 304. 318. 319. 

320. 
Vanvitelli 244. 
Varnhagen von Ense 133. 329. 

— Frau s. Levin. 
Varrentrapp 68. 
Vasi, Giuseppe 220. 225 ff. 
Vasi, Mariano 220 f. 
Venuti, Rudolfino 220. 233. 244 fg. 

248 ff. 
Verlohren 6. 
Veronese, Paolo 107. 
Verrochio, Athanasio da s. Batac- 

chi Dom. 
Vespasian, Kaiser 249. 
Vieweg 108. 

Vignola 224. 23^. 241. 253. 
Villers, Rdnharci an — 117 ff. 
Vilmar 296. 

(St.) Vincent, Baron 24. 
Virgil 76. 
Vogel, Geheim-Secretär 6. 2 1 . 1 64ff. 

173- 
Voght ^amburg) 3. 16. 



Voigt, C. G. von 15. 96. 99. 115. 

J13. 315. Briefe von Goethe 

an ~ öfg. 9 ff. Erläuterungen da- 



zu 20 ff. 27 fg. 
Voigt, Bergrath 10. 21. 27. 116. 
Voigt, Frau und Sohn d. vor. 22. 
VolKmann, J. J. 218 fg. 229 fg. 

2j8. 244. 251 fjj. 
Vollbehr, Th. 328. 
Vollbrecht, C. 318. 
Vollmöller, C. G. 318. 
Voltaire 26. 119. 199. 299. 
Vorländer, K. 328. 
Voss, Johann Heinrich d. ä. 6^ ff. 

131. i^. 193. 298. Seine Frau 

und sein Sohn 23. 
Voss, Johann Heinrich d. J. 329. 

Drei Briefe an Goethe von 69 — 7 3 . 

Erläutenmgen dazu 73—76. 



Voss, Schauspieler 146. 
Vulpius, Chnstiane s. Goethe, 



Wagner, Richard 211. 
IVMe, Julius 61-68. 
Wähle, Julius 303 ff. 3 10. 
Waitz 96. 99 fg. 
Walther, F. 3I7. 
Walzel 98. 100. 305. 327. 
Warken thin, R. 320. 321. 
Wartensleben, Graf 102. 
Wassiltschikow, A. 28. 
Weidmann, Fr. C. 261. 264. 
Weigel, A. 318. 
Weilen, AI. von 263. 525. 
Weimar, Antia Amalia, Herzogin 
von loi ff. iij. 239. 

— Bernhard, Prinz von 68. 

— Carl Alexander, Grossherzog 
von 211 fg. 

— Carl August, Grossherzog von 
6. IG ff. 20 fg. 24. 27 fg. 08. 90. 
96. 99. 103 Tg. 109. 114 fg. i$o. 
156. 170. 173. 205. 311 fg. 314%. 
Brief von Goethe an - 3 ff. Er- 
läuterungen dazu 15—18. Brief 
an? von Goethe geschrieben 
109 fg. Erläuterungen dazu in. 

— Carl Friedrich, Grossherzog von 
112. 156 ff. 

— Caroline, Prinzessin von 9. 12. 

— Constantm, Pnnz von 104. 

— Luise, Grossherzogin von 96. 
lojfg. 115. 123. 150. 172. 

— Mane, Prinzessin von 12. 28. 
211 fg. 

— Maria Paulowna, Grossherzogin 
von 112. 

— Sophie, Grossherzogin von 306. 
Nekrolog I*— VI*. 

Weinhold, K. 60. 171. 323. 
Weishaupt, Adam 114. 213. 
Weisse 136. 143. 
Weizsäcker, P. 99. 
Welcker, F. G. 04. 
Werner, Bergratn 5. 10. 
Werner, Richard Maria 305. 
Werner, Z. 124. 312. 314. 
Wemi, Child 320. 
Werthes, F. A. C. 182 fg. 189. 
Weyer, J. 321. 



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344 



Goethe-Register. 



Wieland ioj/i03fg. 113 ff. 121.' 
124.^145/ 149. 113/190.^82 fg. ^ 
189 ff/194. '{96r2jSr 274/2^,^ 
300. 'Brief von Goethe an — 
nebst Erläuterungen 109^ 

Wieland, Frau und Kind 114. 

Wiese, B. q8. 

Willemer, Marianne von 259. 

Winckelmann 221. 241. 

Wirth, G. 322. 

Witgenstein, Gräfin 48 ff. 57 fg. 

Witgenstein, Vater d. vor. $7. 

Witkowski, G. 183. 189. 282. 299. 
50J ff. 318. 

Wittnauer 264. 

Wlassak 259. 263. 266. 

Wolf, Schauspieler 158. 

Wolf, F. A. 19. 20, 131. 298. 282. 
312. 

Wolf, Ferdinand 265. 

Wolff. Amalia 65 fg. 

Wolff, Chr. 99. 



Wolff, Eugen 324. 

Wolff, Peter, Buchhändler 285. 

Wolff, Pius Alex. Briefe an Rühle 
v. Lilienstem 61—66. Erläute- 
rungen dazu 66—68. 

Wolzogen, Caroline von 67 fg. 329. 

Wolzogen, von iia 290. 

Wonters, G. 225. 232. 

Wychgram, J. 323. 



Zarncke, E. 316. 

Zarncke, Fr. 316. 

Zäncker, Buchbinder 172. 

Zauper 204. 

Zedlitz 201 fg. 

Zelter, C. Fr. 24. 29. 31. 87. 94. 

^.99. i93/g-.3"- 

Ziegesar, Silvie von 25. 313 fg. 

Ziese, Arnold 57. 

Zürn, L. 318. 



IL Register über Goethes Werke und Leben. 



I. Biographische Schriften. 
Annalen 15 ff. 19 fg. 27. 31.66. 

164. 276 fg. 281. 290. 
Belagerung von Mainz 289. 
Biographische Einzelheiten. Letzte 

Kunstausstellung 1805. 76. 
Campagne in Franlcreich 121. 134. 

Uebersetzunjj fßibl.) 325. 
Cameval, römiscner 225. 227. 272. 
Dichtung und Wahrheit 12 fg. 25 fe. 

28 fg. 119. 131. 164. i84tg. 188. 

193 fg. 225 fg. 243. 290. Böttiger 

und Rochlitz über — 1 5 2 ff. Neue 

Ausgaben, Abhandlungen über 

(Bibl) ?2^ 
Italienische Fragmente aus einem 

Reisetagebuch 308 fg. 
Italienische Reise 132. IJ4. 1^6. 

177 ff. 219 ff. 308. Goethes Plan 

einer illustrirten Ausgabe der — 

279 ff. 
Schema zur Biographie 12 fg. 29. 
Tagebücher 15«: 25 ff. 75. 96 ff. 

III. 160. 193 fg. 248. 276. 279. 

281. 309. Zu V, 92. 276 fg. 

Weimarer Ausgabe 303. jioff. 
Tag- und Jahreshefte s.Aimalen. 
Zweiter römischer Aufenthalt 308. 



2. Briefe ah: 

Baumann, Hofgärmer TBibl.) 315. 

Brentano, Antonie (Bibl.) 31$. 

Cotu 8 fg. 12 ff. Erläuterungen 
dazu 24 ff. 28 ff. 

Helvig, Amalie v. (Bibl.) 315. 

Kirckhoff und Erläuterungen i $9 fg. 

Klinger iiifg. 

Lichnowsky, JFürst 8. Erläuterungen 
dazu 23 fg. 

Lichtenberg, Briefwechsel zwischen 
Goethe und 32-^5. Erläute- 
rungen dazu 45—48. 

Oeser, Adam Friedrich und Er- 
läuterungen 108. 

Steffens 5 fg. Erläuterungen dazu 
18 ff. 

Voigt, C. G. V. 6 fg. 9. Er- 
läuterungen dazu 20 ff. 27 fg. 

Weimar, Herzog Carl August von 
}ff. Erläuterungen dazu 15^18. 

Wieland und Erläuterungen 109. 

? (Für Carl August) 109 fg. Er- 
läuterungen dazu III. 

Sieben Bnefe Goethes aus den 
Jahren 1806, 1807, 1810. 3—14- 
Erläuterungen dazu 14—31. 

Literatur über Briefe, (Bibl.) 315. 



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Goethe-Register. 



34S 



3, Briefe an Goethe von: 
Lichtenberg, Briefwechsel zwischen 
Goethe und 32—45. Erläute- 
rungen dazu 45—48. 
Schlegel, A. W. 76-93. Erläute- 
rungen dazu 03 — ICO. 
Voss, Johann Heinrich d. j. Drei 
Briete 69—73. Erläuterungen 
dazu 73—96. 

4. Dramen. 

Claudine von Villa Bella I. Wei- 
marer Ausgabe 305. 

Clavigo 259.Neue Ausg. (Bibl.) 318. 

Egmont 159. 164. 239. 2^7. 259. 
263. Neue Ausgaben, Aohand- 
lungen über (Bibl.) 318 fg. 

Elpenor 119. Abhandlungen über 
(Bibl.) 316. 3 IQ. 

Epimenides, Abhandlungen über 
(Bibl.) yo. 

Erwin und Elmire 259. 1. Weimarer 
Ausgabe 305. 

Faust 14. 31- 104. 121. 149 fg. 156. 
159. 178. i8j. 195 fF. 239. 263ff. 
315. Therese Huber über — 1 24ig. 
130. Gerard de Nervals Ueber- 
setzung I98flf. Baubo in der 
Walpurgisnacht 271 ff. Weimarer 
Ausgabe des vorweimarischen — 
^05. Neue Ausgaben und Ab- 
nandlunffen über (Bibl.) 3 17 fg. 
3 19 fg. Uebersetzungen in fremde 
Sprachen TBibl.) 324. Volksschau- 
spiel (Bibl.) 320. 

Götter, Helden und Wieland 103. 
195. Wcim. Ausgrabe 305. 

Götz, von Berlichmffen 22. 120. 
159. 259. Geschichte Gottfrieds 
von Berlichingen, Weimarer Aus- 
gabe 305. Neue Ausgaben, Ab- 
handlungen über (Bibl.) 317. 321. 

Grosskophta 124 fg. 164. 

Hanswursts Hochzeit, Weimarer 
Ausgabe 305. 

Iphigenie auf Tauris 119. iix. 132. 
158. 257. 259. 263 ff. Weimarer 
Ausgabe 305. Neue Ausgaben, 
Abhandlungen über (Bibl.) 321. 
Uebersetzungen (Bibl.) J25. 

Künstlers Vergötterung, Weimarer 
Ausgabe 305. 

Laune des Verliebten, die 30. 

Mädchen von Oberkirch, Abhand- 
lung über (Bibl.) 321. 



Mahomet 149. 288. Weimarer Aus- 
gabe 505. 

Natürliche Tochter, die 30. I24fjg:. 
1 51. 1 53. 164. Böttiger und Rocn- 
litz über — 146 ff. Abhandlung 
über (Bibl.) 321. 

Pandora 131. 25^. 262. 

Prometheus, Weimarer Ausg. 305. 

Satyros i93fg. 

Tancred 145. 259. 288. 



Tasso 151. 159. 257. 259. 263. 
297. 2^. Neues zur Entstehuiiffs- 
geschicnte von Goethes— 163 ois 



173. Abhandlung über (Bibl.) 
321. 

Todtenfeier für Schiller. Abhand- 
lung über rBibl.) 321. 

Triumph der Empfindsamkeit 169. 

Jacobis, das Unglück der 193. 
Weimarer Ausgabe 304. 

Romeo und Julia, Bearbeitung von 
61 ff. 

Prolog zur Eröffnung des Berliner 
Schauspielhauses 263. 

5. Episches. 

Achilleis 121. 124 fg. 

Hermann und Dorothea 83. 137. 
143 fg. Neue Ausgaben, Erläu- 
terungen, Abhandlungen über, 
Uebersetzungen (Bibl.) 323. 325. 

Reinecke Fuchs 42. 

Epiker, religiöser, Goethe als (Bibl.) 
322. 

6. Erzählendes. 

Märchen, das (Bibl.) 324. 

Melusine, die neue 194. 

Wahlverwandschaften 15. 122 314. 
Therese Huber über — 126 ff. 
Böttiger und Rochlitz über — 
1 5 1 fg. Abhandlungen über (Bibh) 
324. A. W. Schlegel über — 
(Bibl.) J2J. Parodien (Bibl.) 331. 

Werthers Leiden 126. 151. 197.216. 
302.305. Briefe aus der Werther- 
stadt 48 — 57. Erläuterungen dazu 
57-61. Abhandlungen über (Bibl.) 

524. 
Wilhelm Meister 43. 47. 90. 100. 
145. 196. 283. Wanderjahre 9. 
12. 15. 26. 29. 119. 132 fg. 
Böttiger und Rochlitz über I50tt. 
I54fg. Abhandlungen über (Bibl.) 
324%. 



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346 



Goethe-Regbtbil 



7. Gedichte. 

? Abschied im Namen der Engel- 
häuser Bäuerinnen 18. 

Alexis und Dora 77. 

Alles in der Welt etc s. Sprich- 
wörtlich. 

An den Mond. Zu Goethes Lied — 
273 ff. Erläuterungen (Bibl.) 323. 

An Lottchen 275. 

Annette. Weimarer Ausgabe J04 fg. 

Antiker Form sich nänerncf. Er- 
läuterung (Bibl.) 322. 

Bettler, der. Uebers. (Bibl.) 325. 

Braut, die, von Korinth 78. 97. 
90. 142. 195. 

Carlsbader Gedichte 8. 23 ff. 

Der Kaiserin Abschied 23. 

Der Tod, der ist ein grober Mann. 
Erläuterung (Bibl.) 323. 

Elegieen, römische X V . 246. 

Epigramme 139. 

Epi^amme, venetianische 274. 

Ewige Jude, Weimarer Ausgabe 
305. 

Flieh, Täubchen flieh 182—196. 

Frühling über's Jahr. Composi- 
tionen (Bibl.) 330. 

Ganymed 132. 

Geheimnisse, Abhandlung über 

Gleichniss, em 200. 

Glückwunschgedichte 304. 

Gott, der, und die Bajadere 78. 80. 

97. 195- 

Hans Sachsens poetische Sendung 
263. 

Heideröslein. Composition (Bibl.) 
330. 

Herrn Staatsminister von Voigt 22. 

Hohelied, Uebersetzunp des. Be- 
merkungen über (Bibl.) 323. 

Idyllen 78. 

Ini Sommer. Composition (Bibl.) 
530. 

Invectiven 275 fg. Zu den — 277. 

Johanna Sebus 128. 
Lleine Blumen, kleine Blätter, 

Abhandlung über (BibU 323. 
Könifl:vonThule2o6. Zeicnnungen 

(Bibl. 323), Composition (Bibl.) 

3}0. 
Mndchens Held, s. Flieh, Täubchen, 

flieh. 
Metamorphose,die,der Pflanzen 177. 
Mignon 195. 
Paria, zu dem (Bibl.) 323. 



Parzenlied 305. 

Pausias,der neue, und sein Blumen- 
mädchen 77 fg. 97. 

Prometheus 132. 

»Räthsel« über (Bibl.) 323. 

Sanftes Bild dem sannen Bilde etc. 
211 fg. 

Sonette 1 30. Zur früheren Sonetten- 
dichtung Goethes 275 fg. Ab- 
handlungen über (Bibl.) 323. 

Sprichwörtlich, Alles in der Welt 
etc. 279. 

Urworte, Orphisch 301. 

Vom Vater hab' ich die Sutur cic 
293. 

Westöstlicher Divan 214. Zum — 
(Zwiespalt) 277 ff. 

Wilhelm Meister, aus; Ausüben, 
Erläuterungen, Compositionen 
(Bibl.) 322. 3 30 fg. 

Xenien 116 fg. iio. 122. 135 fg. 
142. 144. Huber über die — 283 ff. 
— Neue Ausgaben (Bibl.) 323fg. 

Zahme Xenien 300. 

Zauberlehrling, der 87. 99. 

Zueignung, Aohandlung Ober (Bibl.) 
524. 

Rocjuette über die Gedichte 297. 

Weimarer Ausgabe ^05 fg. 

Neue Ausgaben, Erklärungen, Illu- 
strationen, Compositionen (Bibl.) 
322 fg. 330 fg. Dichtungen der 
ersten Weim. Jahre, Neue Ausg. 
(Bibl.) 322. Humoristische Dich- 
tungen, neue Ausg. (BibL) 322. 



8. Kunst. 

Arabesken, von 309. 

Aufsätze über bildende Kunst und 

Theater 282. 
Cellini, Benvenuto 45. 
Dilettantismus, über den 30Q. 
Einfache Nachahmung der Natur, 

Manier, Stil 178. 180. 
Einleitung in die Propyläen 308. 

310. 
Frauenrollen auf dem römischen 

Theater etc. 310. 
Hackert U4. 
Italienische Fragmente aus einem 

Reisetaffebuch 308 fg. 
Kunst und Altenhum 31. 112. 154. 

281. 307. 
Laokoon 308 fg. 



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Goethe-Register. 



347 



Leonardos Abendmahl, Deutung 

(Bibl.) 324. 
Porapejanische Wandgemälde, über 

259. 
Propyläen 09. 307 ff. 
Sammler, der, und die Seinigen 

308%. 
Tonlehre, Schema zur 26. 
Uebersicht der zu behandelnden 

Materie 308%. 
Ueber strenge Ürtheile 300. 
Von deutscher Baukunst Weimarer 

Ausgabe 305. 
Vorarbeiten zur Kunst 104—107. 

308 ff. 
Wahrheit und Wahrscheinlichkeit 

der Kunstwerke, über 308. 310. 
Weimarer Ausgabe 303. 306 ff. 
Zu einem kleinen Goethischen 

Kunsuufsatze 282. 



9. Naturwissenschaftliches. 

An Freunde der Geognosie 17 fg. 

22. 
Entoptische Farben 281. 
Farbenlehre 8. 25. 40. 115. ii8fg. 

1S2. 

Farbenlehre, Geschichte der 46. 300. 

Farbige Schatten 33. 46. 

Metamorphose der Pflanzen 176. 
178. 

Morphologie, zur 306. 

Naturlehre, die 180 fg. 

Naturwissenschaftliche Schriften 
17 fg. 22. 27. 46. 160. 

Optik, Beiträge zur 32 fg. 

Sammlung zur Kenntniss der Ge- 
birge etc. 10. 17. 22. 

Versuch die Elemente der Farben- 
lehre zu entdecken 45. 47. 

Osteologisches Buch 115. 



10. Sonstige prosaische 
Schriften. 

Auswärtige Literatur 204. 

Brief des Pastors etc. Weimarer 

Ausgabe 305. 
Carlsbader Relation, Schlusswort. 

Weimarer Ausgabe 312. 
Essai sur les fictions, Uebersetzung. 

Neue Ausgabe (Bibl.) 324. 



Frankfurter Gelehrte Anzeigen, 
Recensionen in 192 fg. Weimarer 
Ausgabe 304 fg. 

Friedrich der Grosse, Gespräch 
gegen. Weimarer Ausgabe 304. 

Jugendschriften aus der Frankfurter 
und Strassburger Zeit. Weimarer 
Ausgabe 30811. Aus der Leip- 
ziger Zeit. Weimarer Ausgabe 
305. 

Nachlass, Goethes, Vorschlag zu 
einer Ausgabe. Weimarer Aus- 
gabe 312. 

PhilosophischemAufsatz,zuGoethes 
(G. J. XII, Spinoza, Abhandlung 
über) 174— 181. 

Shakespeare und kein Ende 67. 

Sprüche in Prosa 300. 

VOSS, Lyrische Gedichte von Johann 
Heinrich (Recension) 71 fg. 74fg. 

Wieland, Rede auf 153 (e. 

Zwo biblische Fragen. Weimarer 
Ausgabe 305. 



1 1 . Biographische Einzel- 
heiten, Lebensbeziehungen 
(persönl. u. litterarische) zu: 

Am Anfang des Jahrhunderts (Bibl.) 

326. 
Anatomie, Goethe u. die plastische 

282 fg. (Bibl.) 328. 
Berlin und Potsdam, Goethe in 

(Bibl.) 326. 
Bettinas letzter Besuch (BibU 327. 
Böhmen, in, bes. Eger und Teplitz 

(Bibl.) 326. 
Böttiger, C. A., aus dem Brief- 
wechsel zwischen — u. Rochlitz 

1801 — 1852. 143— 159. Nachtrag 

302. 
Carlyle, zu (Bibl.) 327. 
Dante als Qjuelle (Bibl.) 327. 
Delph, Familie und (Bibl.) 326. 
Eckermann, T. P., zu dem Aufsatz 

(G.-J. XVn. 105 ff.) 294. 
Eisenach, Beziehungen zu (Bibl.) 

326. 
Frankfurt, Goethe und (Bibl.) 326. 
Garve an Schiller über die Xenien 

und Manso 154—143. 
Gotter über Goethe 113. 
Heidelberg, Goethe in (Bibl.^ 326. 
Heine, Verh. zu und zur Antike 

(Bibl.) 327. 



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348 



Goethe-Register. 



Herders Einfluss (Bibl.) 326. 
Heun (Clauren) als Förderer der 

Jenaer A. L.-Z. 290 fF. 
Huber, Therese über Goethe 120 ff. 
Jacobi, Brüder, Verhältniss zu 

(Bibl.) 327. 

Jacobs, Fr. über Goethe 116 fg. 
talien, auf Goethes Spuren in 

(Bibl.) 326. 
Tugend (Bibl.) 326. 
Kant, Vcrhältniss zu (Bibl.^ 328. 
Klettenberg, Susanne (Bibl.) 327. 
Manso über Goethe 119 fg. 
Merck, Charakteristik (Bibl.) J27. 
Mickiewicz, Beziehungen zu (Bibl.) 

327. 
Munter, F., Bischof über Goethe 

ii5ff. 
Napoleon, Verhältniss (Bibl.) 327. 
Nerval, G^rard de 197-217. 



12. Verschiedenes. 

Appel, Nekrolog auf J02. 
Archiv in Weimar, Mittheilungen 

aus d. ^ — xoo. 
Archiv, Einweihung (Bibl.) 330. 
Autographen-Cataloge 315. 
Bemays, Michael, riekrolog auf 



297—302. 
Bildnisse (Bibl.) 32 
Biographieen (Bibl.) 325 



Biographische Einzelheiten (Bibl.) 

326. 
Bücher-Cataloge 318. 
Compositionen 3 30 fg. 
Denkmäler 320. 
Dresdener Gallerie, Goethe und die 

104—107. 
Erzieher, als (Bibl.) 327. 
Feier in Laucnstädt (Bibl.) 322. 
Fort mit Goethe (Bibl.) J17. 
Frauen, Stellung zu (Bibl.) 328. 
Gespräche, neue Ausgaben 316. 
Goethe-Handschriften, z. Kenntniss 

V. 317. 
Kunst, Goethe und die bildende 

(Bibl.} 328 fg. 
Lehrer der Schauspielkunst, Goethe 

als (Bibl.) 322. 
Nachträge und Berichtigungen 294. 

302. 



National - Museum, Mittheilungen 

aus loi— 107. 
Neue Ausgaben der Werke 316. 
Neue Schriften über — 316 fg. 
Putbus, Graf von, über Goethe 

loi — 104. 
Reinhard über Goethe 117 ff. 
^ggi> Maddalena. Verhältniss zu 

(Bibl.) 327. 
Rochlitz, Fr., Aus dem Briefw. 

zwischen C. A. Böttger und — 

143— 159. 302. 
Roms, das Sudtbild zur Zeit Goethes 

218-25?. 
Roquette, Nekrolog auf 295—298. 
Schelling, Caroline, über Goethe 

119. 
Schopenhauer, A. Verhältniss zu 

(Bibl.) J27. 
Schuster, Magistratsrath,Berührung 

mit (Bibl.) 328. 
Sprachliches bei Goethe (Bibl.) 

317- 
Stolberg, F. L. über Goethe iiq. 
Strassburg, Aufenthalt in (Bibl.) 

326. 
Textor, ein Vetter Goethes als 

Frankfurter Localdichter 295 fg. 
Theater in Frankreich 321. 
Unheil, ein, über Wdmar und 

Goethe aus dem Jahre 1776. 

(Graf Putbus) loi— 104. 
Verwandte Goethes (Bibl.) 315. 

326. 
Volkslied, Einfluss auf (Bibl.) 324. 
Voss, H. über Goethe und Schiller 

(Bibl.) 329. 
Weimarer Ausgabe 104 fg. Bericht 

j03ff. 
Wiener Goethe-Verein ^BibU 316. 
» » Abende (Bibl.) 317. 

Wiener Nachdruck 13. 29 ff. 
Wien, Goethes Tod und 256—268. 
Wolzogen, Car. von, Schilderung 

Goemes (BibU j2j. 
Zeitjg^enossen, Mittneilungen über 

Groethe von 113— 159. 
Zeitung, über die Heirath (Bibl.) 

326. 
Zürich, eine Goethe-Anekdote aus 

Zwickauer Goethe-Verein (Bibl.) 
316. 




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Zwölfter Jahresbericht 



DER 



Goethe - Gesellschaft. 



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|eber den schweren Verlust, welchen die Goethe- 
Gesellschaft und mit ihr alle Freunde deutscher 
Literatur am 23. März dieses Jahres erlitten, haben 
sich Vorstand und Ausschuss an anderer Stelle ausgesprochen ; 
es erübrigt sich, hier unsern Mitgliedern den satzungs- 
gemässen Bericht über das Geschäftsjahr 1896 zu erstatten. 



Das bedeutendste Ereigniss des Jahres war die Sonntag 
den 28. Juni erfolgte feierliche Eröffnung des von Ihrer 
Königlichen Hoheit der Frau Grossherzogin erbauten 
Goethe- und Schiller- Archivs, an welcher Theil zu nehmen, 
Vorstand und Ausschuss unserer Gesellschaft eingeladen 
waren. Als dauerndes Zeichen der zwischen Archiv und 
Gesellschaft bestehenden engen Verbindung, sowie des 
Dankes für die unseren Bestrebungen jeder Zeit gewährte 
Unterstützung, hatte der V^orstand die hohe Besitzerin um 
Erlaubniss gebeten, in das nun vollendete Gebäude die 
Marmorbüsten der beiden grossen Dichter stiften zu dürfen. 
Der Frankfurter Bildhauer Herr Carl Rumpf hatte den ihm 
gewordenen Auftrag trefflich ausgeführt, und die beiden 
Büsten an dem Eingange des Handschriftensaales aufgestellt. 
Sichtlich erfreut sprach Ihre Königliche Hoheit dem Vorstand 
ihren Dank für die Gabe, dem Künstler ihre Anerkennung 
für seine Arbeit in warmen Worten aus. 

An den folgenden Tagen hatten alle Mitglieder unserer 
Gesellschaft Gelegenheit, das schöne Gebäude mit seinem 
reichen Inhalte näher zu besichtigen, und sich dabei in dem 



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südlichen Saale von dem stattlichen Bestände unserer daselbst 
aufgestellten Goethebibliothek zu überzeugen. 

In der am 29. Juni stattfindenden Jahressitzung des 
Vorstandes wurden die üblichen Geschäfte erledigt, die 
Rechnung des Jahres 1895, sowie der Voranschlag für das 
Jahr 1896 festgestellt, Herr Dr. Max Friedlander in Berlin 
mit der Herstellung der XL Schrift: »Goethes Lieder in 
Compositionen der Zeitgenossen« beauftragt. Der wichtigste 
Beschluss war die definitive Regelung des von der Goethe- 
Gesellschaft zu dem Erwerb der Stein-Briefe zu leistenden 
Beitrags. Mit einer Gesammtsumme von 13400 M. hat 
sich die Gesellschaft daran betheiligt und somit wesentlich 
dazu beigetragen, dass dieser bedeutendste Schatz aus 
Goethes literarischem Nachlasse für das Archiv gesichert 
wurde und dem Vaterlande für alle Zeit erhalten bleibt. 
Am 30. Juni fand die satzungsgemässe Generalversammlung 
in dem Saale der »Erholung« statt, an Stelle des durch 
seinen leidenden Gesundheitszustand ferngehaltenen Präsi- 
denten, Exe. Dr. E. von Simson, durch Dr. Ridand eröflfnet 
und geleitet. 

Nach Begrüssung der die Versammlung auch dies Mal 
mit ihrer Anwesenheit beehrenden höchsten Herrschaften, 
sowie der ungewöhnlich zahlreichen Besucher von Nah* 
und Fern, hatte der Vorsitzende zuerst allen Mitgliedern der 
Goethe-Gesellschaft den Dank Ihrer Königlichen Hoheit der 
Frau Grossherzogin für die in das Archiv gestifteten Dichter- 
büsten, sowie für die Betheiligung an der Spende der Stein- 
Briefe auszusprechen. Der hieran sich schliessende Bericht 
über den Geschäftsgang des verflossenen Jahres gab zu keinen 
Erörterungen Anlass, und so konnte der Vorsitzende alsbald 
Herrn Professor Dr. K. Burdach das Won ertheilen zu dem 
gütigst übernommenen Festvortrag über Goethes West- 
östlichen Divan. Lebhafter Beifall lohnte den Redner für 
die geistvollen, auf eingehendste Studien gegründeten 
Auseinandersetzungen. 

In dem sich nach einer kurzen Pause anschliessenden 
geschäftlichen Theile der Verhandlungen beschloss die Ver- 
sammlung, von einer ausführlichen Verlesung der in dem 
XVIL Band des Jahrbuchs gedruckt vorliegenden Geschäfts- 



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-♦5 4— 

berichte abzusehen; auf Grund der vorgelegten, durch den 
beeidigten Revisor geprüften und richtig befundenen, sowie 
von dem Vorstande genehmigten Rechnung für das Jahr 1895 
wurde dem Schatzmeister, Herrn Cammer:(ienrath Dr. Morit:(, 
einstimmig Decharge ertheilt und der Dank der Gesellschaft 
iur seine Mühewaltung ausgesprochen. 

Nachdem am Nachmittag das übliche gemeinsame Mahl 
die sehr zahlreichen Festtheilnehmer vereinigt hatte, be- 
schloss eine sorgfältig vorbereitete Aufführung von Goethes 
»Erwachen des Epitnenides« mit B. A, Webers Musik die 
Goethetage des Jahres 1896. 

lieber den geschäftlichen Verlauf des Jahres erwähnt 
das Einzelne der unten folgende Bericht des Schatzmeisters. 

Der XVII. Band des Jahrbuchs gelangte unmittelbar 
nach der Generalversammlung, die schon oben erwähnte 
XI. Schrift kurz vor Weihnachten zur Versendung. Die 
von Dr. Friedländer mit feinster Empfindung ausgewählten 
und von ihm auf Grund seiner reichen Sachkenntniss trefflich 
erläuterten 78 Compositionen von 47 Goetheschen Gedichten 
haben laut der uns zahlreich zugekommenen Schreiben bei 
unseren Mitgliedern die verdiente, freundliche Aufnahme 
gefunden ; mehrfach wurde bedauert, dass die Auswahl nicht 
grösser, sowie dass sie nicht bis auf die Gegenwart herab- 
geführt sei. Wir können die Erfüllung dieses Wunsches 
nur einer günstigen Zukunft anheimgeben. 

« « 

« 

Der Herr Schatzmeister berichtet über das abgelaufene 
Geschäftsjahr wie folgt: 

»Die Goethe-Gesellschaft bestand am 31. Dezember 1896 
aus 2676 Mitgliedern. Darunter befanden sich 30 Mitglieder 
auf Lebenszeit und J05 durch die Herren A. Nutt und 
H. Preisinger gemeldete englische Mitglieder. 

Die Zahl der Mitglieder hat sich gegen das Vorjahr 
um 17 vermindert. 

Die Gesammt-Rechnung des Jahres 1896 zeigt buch- 
mässig einen Fehlbetrag von M. 1535.18, welchem M. 
60.748.10 in sicheren Werthpapieren, verzinslich angelegt 
und bei der Grossherzoglichen Hofhauptkasse in Weimar 

GOITBI-JABUCCB XVHL 2^ 

DigitizeGtDy V!; 



niedergelegt, gegenüberstehen. Auf den Reservefonds ent- 
fallen hiervon M. 54.156.58. 

Die Zahlen bedeuten den Ankaufswerth ohne laufende 
Zinsen und es ist dabei zu bemerken, dass sich der gegen- 
wärtige Courswerth zum grössten Theil nicht unwesentlich 
höher stellt. 

Ausserordentliche Geldspenden hat die Gesellschaft 
in diesem Jahre nicht empfangen. 

Bei Einziehung der Beiträge und Vertheilung der Jahr- 
bucher und Schriften unterstützten uns mit gewohnter 
Bereitwilligkeit die Herren 

Hofbuchhändler Th. Ackermann, München, 
Verlagsbuchhändler Dr. G. Fischer, Jena, 
Buchhändler Lucas Gräfe, Hamburg, 
Buchhändler Paul Kurtz, Stuttgart, 
Hofbuchhändler G. Liebermann, Karlsruhe, 
Literar. Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M., 
Rentier Ferdinand Meyer, Berlin, 
Buchhändler Max Niemeyer, Halle a. S., 
Buchhändler Alfred Nutt, London, 
T. A. Stephens, Manchester, 
Bankier Bernhard Rosenthal, Wien, 
Schletter'sche Buchhandlung, Breslau, 
Buchhändler von Zahn & Jaensch, Dresden. 
Wir sprechen ihnen für ihre freundliche Mühewaltung 
unsem aufrichtigen Dank aus«. 



Wir lassen nun den vom Director des Goetlie- und 
Schiller-Archivs, Herrn Geh. Hofrath Dr. Suphan darge- 
botenen Bricht folgen. 

»Es ist das zehnte Mal, dass an dieser Stelle sich die 
Mittheilungen über das Goethc" und Schiller' Archiv anreihen. 
Ueber »das Archiv Ihrer Königlichen Hohäi der Frau Sophie 
von Sachsens, so lautete es bisher im freudigen Bewusstsdn 
der Zugehörigkeit; jetzt wird der theure Name der ver- 
ewigten Herrin genannt in schmerzvoller Empfindung 
des schwersten, unersetzlichen Verlustes. Dieser Name 
bleibt für alle Zeit mit der Anstalt verknüpft, die Sie im 



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höchsten nationalen Sinne begründet hat. Und für Alles 
was darin gearbeitet wird, bleibt vorbildlich und zielgebend 
das Wort vom Titelblatte der Weimarer Goethe-Ausgabe : 
»Im Auftrage der Grossherzogin Sophie von Sachsen«. 
Wie Grosses die Fürstin auch für Ihr Institut gethan durch 
den steten Aufwand reichlicher Mittel, so ward als das 
Höchste doch empfunden Ihre unablässige persönliche 
Fürsorge und Mitwirkung. Ihr Antheil war Antrieb, belebend 
und beseelend; Ihr gütiges Annehmen und Anerkennen 
verlieh jeder Gabe und Leistung einen höheren Werth. 
In der tiefen, noch wortlosen Trauer wendet sich der 
Blick dem Bilde der verklärten Fürstin zu: »Das ist der 
Vorzug edler Naturen, dass ihr Hinscheiden in höhern 
Regionen segnend wirkt, wie ihr Verweilen auf der Erde«. 



Im letzten Jahre ihres thatenreichen Lebens hat die 
verewigte Fürstin einen Tag von hoher, festlicher Bedeutung 
begangen, an dessen Feier die Goethe-Gesellschaft den 
nächsten Antheil gehabt hat : Die Einweihung des für das 
Goethe- und Schiller-Archiv erbauten Hauses am 28. Juni 1896. 
Der Gedanke, den ihr anvertrauten literarischen Schätzen 
eine sichere, würdige Stätte zu bereiten, von den ersten 
Zeiten des Besitzes an gehegt, gewann infolge der Stiftung 
der Freiherren von Gleichen-Russwurm festere Gestalt. Die 
Ausführung des nach der Idee der Frau Grossherzogin 
entworfenen Planes erfolgte in den Jahren 1893 — 9^> ^^^ 
war dem Hqßaumeister Minckert anvertraut; mit dem regsten 
Interesse hat die hohe Bauherrin die Arbeit in allen ihren 
Perioden begleitet. In den ersten Juniwochen ward die 
Uebersiedelung und die Aufstellung der Archivschätze und 
der Bibliothek der Goethe -Gesellschaft in den drei dazu 
bestimmten Sälen bewerkstelligt. 

Die Bedeutung der Feier vom 28. Juni ist allgemein 
empfunden worden; sie sprach sich vor der Nation dadurch 
aus, dass Seine Majestät der Kaiser in der Person seines 
Geh, Cabinetsraths Exe. Dr. v. Lucanus einen Vertreter zu 
derselben entsandte. Den Verlauf in seinen Einzelheiten 
und das Gebäude in seiner Erscheinung haben zahlreiche 

23- 



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-^ 8 ♦— 

Berichte in Tagesblättem und Zeitschriften eingehend ge- 
schildert;' an diesem Orte gilt es allein die Antheilnahme 
der Goethe-Gesellschaft darzustellen. 

Am Eingang zum Mittelsaal des Archives sind die 
Marmorbüsten Goethes und Schillers aufgestellt, Werke 
des Frankfurter Bildhauers C. Rumpf; die Inschriften der 
Sockel »Gewidmet von der Goethe-Gesellschaft 1896a be- 
zeichnen sie als Weihegaben zu dem Tage der Eröffnung. 
Als die Grossherzogin mit den Mitgliedern des Gross- 
herzoglichen Hauses und den geladenen Gästen die Frei- 
treppe erstiegen hatte und vor dem Saale anlangte, fielen 
die Hüllen von den Büsten, und Geh. Hofraih Dr. Rtdand, 
der erste Vicepräsident der Gesellschaft, übergab sie der 
Fürstin; dies war die Einleitung der Feier, die nun mit 
den Klängen des »Hymnus an die Freude« begann. Im 
Sinne der hohen Frau, die von ihr selbst zu reden nicht 
gestatten und lediglich der Dankbarkeit gegen die Stifter,, 
die Enkel Goethes und Schiller zumal, Ausdruck geben 
wollte, ist es geschehen, dass die Begrüssungs-Ansprache 
und Weiherede des Directors B. Suphan das Fest ganz 
besonders als ein Fest der »Mitwirkung« kennzeichnete. 
In der festlichen Stunde selbst sollte die Mitwirkung sich 
wiederum herrlich bewähren : im Namen einer Vereinigung 
von Stiftern überreichte Professor Erich Schmidt der Frau 
Grossherzogin die Originale der Briefe Goethes an Frau 
von Stein, jene sieben kostbaren Bände, die so lange den 
literarischen Hausschatz der v. Stein'schen Familie auf 
Kochberg gebildet hatten. Die Gefahr, dass dieser Schatz 
in's Ausland veräussert würde und sich zerstreute, war 
nun für immer beseitigt, er war auf immer für Deutschland 
gerettet. Die Freude über dieses Gelingen klang aus den 
Worten des Sprechers, des ersten Directors des »Goethe- 
Archivs« und aus der dankenden Erwiderung der Fürstin. In 
hervorragender Weise hat die Goethe-Gesellschaft zu diesem 
Gelingen beigetragen, durch die Höhe ihrer Leistungen 

' Es seien hier besonders Paul von Bofanowskis das Fest stimmungs- 
voll einleitender Aufsatz über das Goethe- und Schiller-Archiy in der 
Weimarer Zeitung und Alfred Schönes warme Darstellung der Feier 
im Augustheft der Deutschen Rundschau genannt 



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«^ 9 *fr— 

nicht nur, sondern auch durch das thatkräftige Interesse 
der leitenden Persönlichkeiten. Ein voller Dank gebührt 
für die mit opferwilliger Hingabe durchgeführte Behandlung 
des Geschäftlichen Herrn Ludwig Delbrück in Berlin. Die 
im Archiv aufbewahrte Stiftungsurkunde nennt alle Die- 
jenigen, die im Verein mit der Frau Grossherzogin und 
mit der Goethe-Gesellschaft die Erwerbung des köstlichen 
Schatzes vollbracht haben : Seine Majestät Kaiser Wilhelm IL 
König von Preussen; Seine Königliche Hoheit der Gross- 
herzog von Baden; die Stadt Frankfurt a. M.; das freie 
deutsche Hochstift zu Frankfurt a. M.; Seine Exe. Herr 
Dr. Eduard von Simson, Präsident der Goethe-Gesellschaft, 
Berlin; Herr Ludwig Delbrück, Berlin; die Firma Delbrück, 
Leo & Co., Berlin ; Exe. N. Dumba, Wien ; die Firma von 
der Heydt-Kersten & Söhne, Elberfeld; Herr Geh. Com- 
merzienrath F. A. Krupp, auf dem Hügel bei Essen a. R. ; 
Herr Alexander Meyer Cohn, Berlin; Herr Charles Hall- 
garten, Frankfurt a. M.; Herr Geh. Justitzrath C. R. Lessing, 
Berlin; Herr Professor Dr. F. A. Leo, Berlin; Herr Geh. 
Commerzienrath Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, Berlin; 
Herr Robert von Mendelssohn, Berlin; Herr Franz von 
Mendelssohn, Berlin; die Firma E. J. Meyer, Berlin; die 
Nationalbank für Deutschland, Berlin; Herr Commerzien- 
rath Elwin Paetel, Berlin; Herr Adolph vom Rath, Berlin; 
Herr Robert Warschauer, Berlin. 

Ausser dieser, im vollsten Sinne des Wortes so zu 
nennenden »Ehrengabe« erfolgten zur Feier des 28. Juni noch 
andere werthvolle Stiftungen. Frau Ida Freiligrath in London 
(geb. Melos aus Weimar) verehrte der Frau Grossherzogin 
den gesammten umfänglichen Nachlass ihres Gatten, ein- 
schliesslich der bedeutenden Correspondenz, Briefe von 
Chamisso, U bland, Clemens Brentano, Immermann, Kinkel, 
Dingelstedt, Geibel, Kerner, Auerbach, Keller. Der Verleger 
der »Deutschen Monatshefte«, Herr Friedrich Westermann 
in Braunschweig bereicherte die Sammlungen zur neueren 
Literatur durch eine Auswahl aus dem Archiv seiner Zeit- 
schrift: Dichtungen und Prosa von Klaus Groth, Theodor 
Storm, Laube, Scheffel, Paul Heyse, Fanny Lewald u. A. 
Ein sinniges Geschenk brachten der Fürstin die Freiherren 



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— <♦► 10 4— 

Ludwig und Alexander von Gleichen- Russtvurtn dar: das 
Exemplar von »Wilhelm Meisters Lehrjahren«, das Schiller 
als Geschenk Goethes besessen hatte (mit Eintragung von 
Emilie von Gleichen). Fräulein Rosa Lüdt, Grossh. Sachs. 
Hofschauspielerin, schenkte einen Brief Schillers an Rein- 
wald (ßauerbach, 14. April 1783), Frau Therese von Helldorf, 
geb. V. Gerstenberg, auf Schwerstedt, ein Heft, enthaltend 
Wielands Uebersetzung von Ciceros Briefen, Buch 13. 

Reichlicher als je sind überhaupt im Laufe dieses Jahres 
der Anstalt Schenkungen zugeflossen, und auch darin zeigt 
sich die Bedeutung des Tages, der in ihrer Entwicklung 
Epoche macht. Wie die Zuwendungen zum 28. Juni, so 
kommen auch die weiteren theils dem »achtzehnten Jahr- 
hundert«, theils den Sammlungen »neuerer Literatur« zu 
statten. 

S. K. H. der Grossher:(og überwies dem Archiv neunzehn 
Briefe Augusts Graf von Platen an Prof. Conrad Schwenck 
in Frankfurt a. M., die Briefe Anastasius Grüns an L. A. 
Frankl (1845-76) die Höchstdemselben von Dr. Bruno Frankl, 
Ritter von Hochwart dargebracht worden sind; femer 
Schillers Gedicht »Dem Erbprinzen von Weimar als er nach 
Paris reiste«, eine Gabe von Herrn Carl Meinert in Dessau. 
Ihre Hoheit die Frau Herzogin Johann Albrecht von Meck- 
lenburg-Schwerin schenkte ein Exemplar der ersten Ausgabe 
von Werthers Leiden (Leipzig 1774) mit eigenhändigen, 
bisher noch nicht bekannten Versen von Goethe. — Herr 
Dr. Oscar von Hase in Leipzig übergab dem Archiv im 
Einvernehmen mit seinen Geschwistern, die im Besitz der 
Familie verbliebenen Papiere von Wilhelm von Wolzogen, 
eine ansehnliche Sammlung, die dem Schiller-Archiv zu- 
geführt wurde (Briefe an Caroline von Wolzogen, Berichte 
und Briefe an Carl August und andere Schriftstücke); die 
Frau Grossherzogin nahm diese Gabe zugleich als eine werth- 
voUe Erinnerung an den »unvergesslichen Vater« der Stifter 
entgegen. (Karl Hase, Annalen meines Lebens S. 77 und 
195.) Herr Georg Hir:(el in Leipzig schenkte zunächst das 
Druckmanuscript von Heinrich von Treitschkes Historischen 
und politischen Aufsätzen; er fügte sodann eine wichtige 
und umfängliche Gabe, ebenfalls aus dem Archiv des 



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— ♦• 1 1 4»— 

Hirzerschen Verlages hinzu, eine Reihe von Druckhand- 
schriften von Werken Gustav Freytags, nach Dictat ge- 
schrieben und eigenhändig von ihm durchcorrigirt und mit 
Zusätzen versehen : Die verlorene Handschrift, Karl Mathy, 
Ingo und Ingraban, das Nest der Zaunkönige, die Brüder 
vom Deutschen Hause, die Geschwister, Bilder aus der 
Deutschen Vergangenheit II, i. III nebst Correcturbogen 
der »Neuen Bilder«. Es ist somit der Stamm zu einem 
Gustav Freytag-Archiv vorhanden, das sich bald durch 
Stücke der Correspondenz erweitem mag, wie denn bereits 
durch letztwillige Verfügung des Herrn Geh. Justi:(rath 
Strüt:(ki in Charlottenburg ein ansehnlicher Zuwachs von 
dieser Seite gesichert ist. — Fräulein Clara Bechstein zu 
Weimar vervollständigte die im Mai 1892 von ihr und ihren 
Geschwistern gemachte Stiftung durch einen grösseren 
Nachtrag, enthaltend Dichtungen und wissenschaftliche 
Niederschriften Ludwig Bechsteins, ferner Briefe an ihn von 
Ludwig Storch u. A., — Fräulein Elisabeth Hauff in Heil- 
bronn schenkte ein Billet Goethes an Sulp. Boisser^e, Herr 
Professor Dr. Joseph Joachim in Berlin einen Brief Schillers 
an Sophie Mereau, Herr Dr. Kilian von Steiner in Stuttgart 
einen Band mit Weinsprüchen und Trinkliedern von HofF- 
mann von Fallersieben, Herr Geh. Regierungsrath Prof. 
Dr. Herman Grimm ein BiUet von Klaus Groth und einen 
Brief von Ernst Curtius aus dessen letzten Lebenstagen, 
Freiherr Dr. Woldemar von Biedermann Abschriften noch 
ungedruckter Briefe Goethes, Dr. Th. Hampe Abschrift eines 
Briefes von Ottilie von Goethe, Herr Kirchenrath Dr. Spinner 
in Weimar die Handschrift eines Gedichtes in Hexametern 
von Lavater »Das menschliche Herz«. 

Neben diesem hocherfreulichen Zuwachs hat eine be- 
trächtliche Vermehrung durch Ankauf stattgefunden; hierbei 
ist vornehmlich die klassische Zeit in Betracht gezogen 
worden, und so wurden ausser werthvollen Stücken von 
Goethe und den Zeitgenossen besonders noch umfangreiche 
Aufzeichnungen Riemers, Vorarbeiten seiner »Mittheilungen 
über Goethe« erworben. 

Wie die aufgezählten Handschriften-Zuwendungen, so 
beweisen auch die Schenkungen von Büchern und Drucken 



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— ^ 12 4— 

eine erhöhte Theibahme in der Nähe und Ferne. Die 
hochselige Frau Grossherzogin pflegte die ihr darge- 
brachten Literaturwerke, nachdem sie sich daran erfreut, 
ihrem Archiv zur Autbewahning zu übergeben.' Die Namen 
der Dedicatoren solcher Bücher sind in das folgende Ver- 
zeichniss desshalb mit aufgenommen. 

Freiherr F. W. von Biedermann (Leipzig), Bürgermeister 
Brandt (Tennstädt), Professor C. A. Buchheim (London), 
die Verlagshandlung J. G. Cotta Nachfolger (Stuttgart), 
Dr. K. Th. Gaedertz (Berlin), Oberbürgermeister Gebeschus 
(Hanau), die Goethe-Schiller-Monument-Gesellschaft in San 
Francisco durch den Präsidenten Charles Bundschu, Fräulein 
Auguste Götze (Leipzig), Dr. H. G. Graf (Wolfenbüttel), 
Geh. Regierungsrath Professor Dr. Herman Grimm (Berlin), 
Professor Dr. O. Harnack (Darmstadt,) Schulinspector Dr. 
Fritz Jonas (Berlin), die Verlagsbuchhandlung E. Keils 
Nachfolger (Leipzig), R. M«- Lintock (Liverpool), Stadt- 
pfarrer Dr. Hermann Mosagy (Heidenheim a. Br.), Professor 
Dr. W. Rein (Jena), Geh.* Regierungsrath Professor Dr. 
Alfred Schöne (Kiel), Professor Dr. K. J. Schröer (Wien), 
Dr. Martin Schubart (München), die Stadtbibliothek in Frank- 
furt a. M. durch Stadtbibliothekar Dr. Ebrard, Geh. Hofrath 
Professor Dr. Bernhard Suphan (Weimar), Professor Dr. 
Veit Valentin (Frankfurt a. M.), Professor Dr. Georg 
Witkowski (Leipzig). 

Auch den Gönnern und Freunden, die durch Darleihung 
von Handschriften und sonstige gute Dienste zu unsem 
Arbeiten förderlich mitgeholfen haben, sei freundlichst Dank 
gesagt. Herr Rudolf Brockhaus in Leipzig theilte eine grössere 
Anzahl Goethescher Briefe mit. Geh. Roth Professor Dr. C. A. 
Cornelius in München die Briefe Goethes an Peter von Cor- 
nelius, Siaatsminister von Schelling in Berlin Briefe Goethes 
an Pauline Gotter und Silvie von Ziegesar. Abschriften, 
CoUationen und sonst wissenschaftliche Beihülfe danken 
wir Albert Cohn in Berlin, Wilhelm Drucker in Frankfurt a.M., 
Dr. Günther in Leipzig, Director Dr. Schuchardt in Leipzig, 
Dr. Otto Pniower in Berlin, Dr. Albert LütT^mann in Jena. 

Ueber den Fortgang der Hauptarbeit des Archivs ist 
an anderer Stelle berichtet worden. Im Druck befinden 



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— ♦ 13 ♦— 

sich zur Zeit von der ersten Abtheilung Band 25 II (Wander- 
jahre, Lesarten und Paralipomcna), von der zweiten Band 5 
(die älteren Arbeiten zur Farbenlehre), von der dritten 
Band 9 (Tagebücher von 1823 und 1824), von der vienen 
Band 22. Es werden zunächst dann in den Druck gehen 
Band 33 und 48 der ersten Abtheilung (Campagne in 
Frankreich, Belagerung von Mainz, Schriften zur Kunst 
und Kunstgeschichte). An der dritten Abtheilung setzt 
Dr. Ferdinand Heitmüller seine Thätigkeit, unter Theil- 
nahme von Dr. Julius Wähle fort, auch nachdem er (Ende 
1896) aus dem engeren Verbände der Archivbeamten aus- 
geschieden ist; die Herausgabe der Briefe ist Dr. August 
Fresenius übertragen worden, nachdem Dr. Albert Leitz- 
mann, um sich wiederum der akademischen Lehrthätigkeit 
zu widmen, seine Stellung im Archiv aufgegeben hat 
(Mitte 1896). Er hat das seiner Hand anvertraute Werk 
in den ein und dreiviertel Jahren, die er dem Archiv ge- 
widmet hat, mit rüstiger Kraft gefördert. Um dieselbe 
Zeit beschloss Dr. Rudolf Steiner seine Thätigkeit, der 
seit dem Herbst 1890 als ständiger Mitarbeiter in freier 
Zugehörigkeit mit uns verbunden war. Er hatte sich der 
schwierigen Aufgabe unterzogen, die Hauptmasse der natur- 
wissenschaftlichen Schriften Goethes (ausgeschlossen die- 
jenigen zur Farbenlehre und Optik) herauszugeben, und ein 
weitschichtiges, anfangs kaum übersehbares Handschriften- 
material war zu diesem Behufe zu sichten und auszuwirken. 
Was er hierbei in glücklichem Zusammenwirken kritischer 
und productiver Fähigkeit geleistet hat, hat den Beifall aller 
Kenner gefunden. Es ist seinem selbstlosen, unablässigen 
Bemühen zu danken, dass in wohlgeordneter Folge und ein- 
heitlichem Aufbau eine Fülle von Urkunden vorliegt, die dem 
Naturforscher Goethe eine vollere und höhere Würdigung 
sichert. Den ideellen Ertrag der sechs bei uns verlebten Jahre 
zu Tage zu fördern bleibt ihm vorbehalten in der Periode 
freier Produaion, der er sich nun ganz wieder zugewandt 
hat; die Zeit jenes Zusammenwirkens hat den Arbeiten der 
Anstalt überhaupt mannigfaltigen Gewinn gebracht. — 

Als ständiger Mitarbeiter ist seit dem i. October Herr 
Dr. Carl Schüddekopf, vorher als Bibliothekar zu Rossla a. H. 



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— 4^ 14 ♦— 

in Fürstlich Stolbergischen Diensten, beim Archiv ein- 
getreten. 

Die Bibliothek der Goethe-Gesellschaft hat ihre Stelle in 
dem grossen südlichen Saale des Archivs gefunden, der zu 
übersichtlicher Anordnung reichlichen Raum gewährt, neben 
dem gemeinsamen Arbeitssaale. Sie ist in der bisherigen 
Weise von der Direction des Archivs verwaltet worden. 
Die Ankäufe erstreckten sich besonders auf neuere Goethe- 
Literatur. Zur Vermehrung des Bestandes haben, wie in den 
früheren Jahren, Gönner und Freunde dazu beigetragen, 
deren Namen hier mit aufrichtigem Danke genannt werden : 

Frau Gyula von Benczur (Budapest), Dr. Bobi (Kopen- 
hagen), Fräulein R. Boelke (Berlin), Professor Dr. Konrad . 
Burdach (Halle a. S.), Josef Diner (Budapest), Professor 
Dr. Bernhard Erdmannsdörffer (Heidelberg), das Stadt- 
biliothekariat zu Frankfurt a. M. durch Dr. Ebrard, Professor 
Dr. Karl Frey (Berlin), Oberbürgermeister Gebeschus 
(Hanau), Professor Dr. Ludwig Geiger (Berlin), Dr. Hans 
Gerhard Graf (Wolfenbüttel), Professor A. Heller (Budapest), 
Frau Juncken (Hannover), Dr. Albert Leitzmann (Jena), 
Literarische Anstalt (Frankfurt a. M.), Alexander Meyer 
Cohn (Berlin), Dr. Mathias Murko (Wien), Dr. Richard 
Rosenbaum (Berlin), Geh. HofrathDr. Carl Ruland (Weimar), 
Professor Dr. Erich Schmidt (Berlin), Geh. Hofrath Professor 
Dr. Bernhard Suphan (Weimar), Dr. Theodor Toeche 
(Berlin), Professor Dr. Veit Valentin (Frankfurt a. M.), 
Georg Westermann (Braunschweig), Professor Dr. Horatio 
White (Ithaca, N. Y.).« 



Aus dem Goethe-National-Museum ist für das Jahr 1896 
hervorragendes nicht zu berichten. Die Ordnung der 
Bibliothek wie einzelner Theile der Sammlungen hat ihre 
gleichmässigen Fortschritte gemacht, die Benutzung seitens 
auswärtiger Forscher und Institute sich anhakend gesteigert. 
Das erfreulichste Zeichen von der immer wachsenden Theil- 
nahme an dem Goethehause und seinem reichen Inhalte 
sind die Geschenke, die ihm auch in diesem Jahre wieder 
zugegangen sind. Indem wir die Namen der Geber hier ver- 



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— 4^ 15 •♦ — 

zeichnen, sprechen wir ihnen nochmals den herzlichsten 
Dank aus. 

Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossher:(Ogin überwies 
ein in Oel von Gräfin Julie EglofFstein gemaltes Portrait 
Goethes, welches Herr Apotheker Paulsen in Leipzig Ihrer 
Königlichen Hoheit verehrt hatte. — Frau Gyula von Benc:(ur 
in Budapest schenkte ein Autograph von August von Goethe; 

— Die Erben des verstorbenen Geheimen Raths Carl 
Bergfeld eine mit ausserordentlicher Treue gefertigte 
plastische Darstellung Weimars aus den Jahren 1827/28; 

— Frau Oberhofmeister M. von Donop in Detmold zum 
Andenken an ihren verstorbenen Gatten ein Original des 
Goethe-Büstchens in Fürstenberger Biscuit, eine bisher un- 
edirte Silhouette mit autographen Versen vom 15. Juni 
1826, eine Anzahl wichtiger Collectaneen über Corona 
Schröter u. a.; — Geh. Regierungsrath Professor Dr. Herman 
Grimm einen Kupferstich von C. v. Mechel nach H. Fuessli, 
den Besuch Lavaters bei dem Prediger Spalding zu Barth 
in Pommern 1763 darstellend; — Herr Professor Dr. H.Riegel 
im Auftrage des Herzoglichen Museums in Braunschweig 
eine Photographie der Büste Friedrichs d. Gr. von Johann 
Eckstein, 1786; — Herr Dr. Victor Russ in Wien einen 
autographen Brief von Bertha von Levetzow, das im Goethe- 
National-Museum befindliche Aquarellportrait der Schwestern 
Levetzow betreffend. 

Für die Bibliothek des Museums schenkte Herr F. W. 
von Biedermann in Leipzig den X. Band der Goethe-Ge- 
spräche; — die Literarische Anstalt Rütten & Loening in 
Frankfurt a. M. CoUins Faust in seiner ältesten Gestalt und 
den XVn. Band des Goethe- Jahrbuchs; — Herr Max Müller 
(Kerns Verlag) in Breslau den L Band von F. Cohns 
Leben der Pflanze; — Herr Dr. Martin Schubart in 
München seine Monographie über den Königslieutnant 
Grafen Thoranc. 

Seine Hoheit PrinTi Bernhard von Weimar übergab dem 
Museum unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes ein treff- 
liches Miniaturbildniss Carl Augusts von F. Jagemann 18 16 
gemalt; — der Königlich Sächsische Kammerherr Sahrer 
von Sahr auf Dahlen verpflichtete die Direction zu Dank 



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— ♦ i6 *— 

durch die zeitweise Ueberlassung des in seinem Besitze 
befindlichen vorzüglichen Wielandbildnisses von A. GrafF. — 

Die Goethe-Gesellschaft konnte aus dem Nachlasse des 
Bildhauers David d' Angers eine trefflliche Zeichnung Goethes 
erwerben, welche der Dichter dem Schöpfer der berühmten 
Colossalbüste 1829 zum Andenken geschenkt hatte; sie ist 
in dem Majolikazimmer des Goethehauses zur Ausstellung 
gelangt. 

Möge dem Goethe-National-Museum auch in Zukunft 
das Wohlwollen aller Goethefreunde in so thatkräftiger 
Weise erhalten bleiben ! 

Weimar, i. Mai iSpy. 

Im Auftrage des geschäftsführenden Ausschusses: 
Dr. C. Ruland. 




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— ► 17 ■*— 



Mitglieder -Verzeichniss 

DER 

Goethe -Gesell SCHAFT. 

(Abgeschlossen Mai 1897.) 
i m I — 

Protector: 

Seine KSnJgl. Hoheit der Grosshenog Oarl Alezander 
von Saohsen-Weimar-Eisenaoh. 



Vorstand: 

Präsident: 

Präsident des Reichsgerichts a. D., Wirkl. Geh. Rath Dr. 
Eduard von Simson, Excellenz, in Berlin. 



Vice-Pr äsidenten : 

Geh. Hofrath Dr. C Ruland, Director des Grossherzog- 
lichen Museums und des Goethe-National-Museums 
in Weimar. 

Geh. Rath Freiherr Dr. fV. von Biedermann in Dresden. 



Vorstands-Mitglieder : 

Geh. Staatsrath Dr. Eggeling^ Curator der Universität in Jena. 
Wirkl. Geh. Rath Professor Dr. Kuno Fischer, Exceflenz, 

in Heidelberg, 
Freiherr Dr. L, von Gleichen-Russwurm, Königl. Bayerischer 

Kämmerer, in Weimar. 
Dr. Paul Heyse in München. 
Professor Dr. Erich Schmidt in Berlin. 
Wirkl. Geh. Rath Dr. Carl von Stremayr, Präsident des 

K. K. obersten Gerichtshofes, Exceflenz, in Wien. 
Geh. Hofrath Professor Dr. B. Suphan, Director des Goethe- 

und Schiller-Archivs in Weimar. 
Professor Dr. Veit Valentin in Frankfurt am Main. 



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i8 



Geschäftsführender Ausschuss 
in Weimar: 



Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. C. Ruland. 
Stellvertreter: Geh. Hofrath, Oberbibliothekar 

P. van Bojanowsky. 
Schriftführer: Staatsrath Dr. K. Kuhn. 
Schatzmeister: Commerzienrath Dr. jur. R, Morit:^. 



Verlagsbuchhändler H. Böhlau. 

Archivdirector Dr. K Burkhardt. 

Geh. Hofrath Professor Dr. B. Suphan. 

Kammerherr, Hoftheater-Intendant H. v. VignauMsAor z. D. 

Oberhofmarschall Wirkl. Geh. Rath Graf 0. v. Wedel, Exe. 




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— 4^ 19 ♦- 



Mitglieder: 

Seine E. u. K. Mqest&t Wilhelm IL, Deutsoher Kaiser 

und KSnig von PreasBen. 
Ihre K. u. E. lltuest&t AugnstaViotoria, Deatsohe Kaiserin 

nnd Königin von Prenssen. 
Ihre K. o. K. Majestät Viotoria, Kaiserin und KSnigin 

Friedrioh. 
Seine K. n. K. Apost Majestät der Kaiser von Oester- 

reioh, König von Ungarn. 
Seine Majestät der König von Schweden n. Norwegen. 
Ihre Majestät die Konigin von Italien. 
Ihre Majestät die KSnigin Marie von Neapel. 
Ihre M^est&t die KSnigin von Bnmänien. 
Ihre Kaiserliohe Hoheit die Fran GrossfBrstin Elisabeth 

Maurikiewna von Bassland. 
Seine KSnigliche Hoheit der Grossherzog von Baden. 
Ihre KSnigliohe Hoheit die Fran Orossherzogin von Baden. 
Seine KSnigliohe Hoheit der Qrossherzog von Oldenburg. 
Seine KSnigliohe Hoheit der Orosshenog von Saohsen. 
Seine KSnigliohe Hoheit der Erbgrossherzog von Saohsen. 
Ihre KSnigliohe Hoheit die Fran Erbgrossherzogin-Wittwe 

von Sachsen. 
Ihre KSnigliohe Hoheit die Fran Herzogin Oarl Theodor 

in Bayern. 
Ihre KSnigliche Hoheit die Fran Herzogin Amalie von Urach. 
Seine KSnigliche Hoheit Alezander Friedrich, Landgraf 

von Hessen. 
Ihre KSnigliohe Hoheit die Fran GrSfin von Flandern. 



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20 



Seine Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenbnrg. 
Hure Eaiserlioh Königliche Hoheit die Frau Herzogin Marie 

von Sachsen-Ooborg und Qotha, Herzogin von Edin- 

bnrgi OroBsfBrstin von Bnssland. 
Ihre Hoheit die Frau Herzogin Wittwe von Sachaen- 

Oobnrg und Gotha. 
Seine Dnrohlanoht Fftrat Benss j. L. 
Seine Hoheit der Erbprinz von Saohsen-Meiningen. 
Seine Hoheit der Herzog Johann Albreoht von Meoklen- 

bnrg-Schwerin. 
Ihre Hoheit die Frau Herzogin Johann Albrecht yon 

Mecklenburg-Schwerin. 
Seine Durddaucht der Prinz Heinrich VII. Beuss. 
Ihre Hoheit Frau Prinzessin Heinrich VII. Beuss. 
Ihre Hoheit Frau Prinzessin Moritz yon Sachsen-Altenburg. 
Ihre Hoheit Prinzessin Marie von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Hermann von Sachsen- Weimar. 
Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen-Weimar. 
Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen. 
Seine Durchlaucht Erbprinz HeinrichXXVII. vonBeuss j. L. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich Oarl yon Hessen. 
Ihre Hoheit die Frau Erbprinzessin von Schanmbarg-Lippe. 
Ihre Hoheit die Frau ErbprinzessinElisabeth von Anhalte 
Hure Durchlaucht die Frau Prinzessin Hermann zu 

Solms-Braunfels. 
Seine Hoheit der Herzog zu Schleswig-Hohrtein. 

(0^ 



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— *^ 21 4-— 



Ehren-Mitglieder: 

von Gleichen-Russwurm, Freiherr Dr. L., Königl. Bayerischer 

Kämmerer in Greifenstein ob Bonnland. 
Ulrike von LevetT^ow, Stiftsdame auf Schloss Tf iblic in Böhmen. 



Berlin: 



Mitglieder auf Lebenszeit: 

Seine K. u, K. ApostoL Majestät der Kaiser von Oesierreich, 

König von Ungarn. 
Ihre K K Hoheit die Frau Herzogin Marie von Sachsen- Coburg 
und Gotha^HerT^oginv. Edinburgh Grossfürstin v. Russland. 
Seine K. Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf von Hessen. 
Friedlaender, Frau Professor. 
Liebermann, Dr. F. 
Maas, Heinrich, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
ManhetmeTy Stud. phil. Victor, 
von Rheinbaben, Geh. Ober-Regie- 

rungsrath. 
Kornfeld, Sigmund, Director der 
Ungarischen AUgem. Creditbank. 
Sturd:^a, Demetrius, Kgl. rumän. 
Staatsminister a. D., Excellenz. 
Frau Geh. Reg.-Rath von Siemens. 
Frau Geh. Commerzienrath E. Spaeter. 
Dr. Woldemar Masing. 

Guts-Administrator Lothar Meyer. 
Gg. Albert Keyl. 

Frau Lucy Frent^^en, geb. Hoesch. 
Dr. jur. Adolf Axel von Dehn. 
Paia von Petrovics, Redacteur. 

24 



Budapest: 

Bukarest : 

Charlottenburg : 

Coblenz : 

Dorpat: 

Dyrotz, Rittergut b, 

Wustermark : 
Frankfurt a. M.: 
Godesberg bei Bonn ; 
Hamburg : 
Hfldburghausen : 

Goethc-Jaurbvch XVni. 



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— 4^ 22 4- — 



Nassau: 

Nieder-Ingelheim : 
Nikolajew: 



München: Fräulein Marie von Ritter. 

Dr. M. Schubart. 

Frau Gräfin L. G. von Kielmansegge. 

Frau Baronin von Erlanger-Bemus. 

Rudolf IVolfgang Reyher. 
Siegersleben b.Eilslb.: Frau Kreisrichter M. Führung. 
Weimar: Frau M. von Göben. 

Seine Erlaucht Graf Gört:(^ von Schiit^. 

Geh. Legationsrath Raschdau. 
Wien : Ihre Durchlaucht Frau Fürstin M. ^w 

Hohenlohe - Schillingsfürsty geb. 
Prinzessin Wittgenstein. 

Dumba, Nicolaus ^ Geheimerrath, Exe. 

Frau Rosa von Geroldy geb. Henneberg. 

Frau Anna Jägermayer. 




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— 4^ 23 



Die Namen der Mitglieder auf Lebenszeit sind in der nach- 
stehenden Liste noohmals oarsiv abgedruolct. 



DEUTSCHES REICH. 



Aachen. 

Messow, Franz G. 
Stadtbibliothek. 

Ächem i/Baden, 
Wagner, G., Privatier. 

ÄUenstein i/Ostpr. 
Grass, Franz, Rechtsanwalt. 
Szostakowski, Amtsgerichts-Rath. 

Altenburo 

(Sachsen-Altenourg). 
Landesbibliothek, herzogliche. 
V. Scheffler, k^l. preuss. General 
der Infanterie z. D., Excellenz. 

Altona. 

Callisen, Frau Dr. 
Kahler, C, Pastor. 
Matthiessen, Dr., Gynmasial-Ober- 

lehrer a. D. 
Sieveking, Carl, Rechtsanwalt und 

Notar, Justizrath. 

Ämiiix i/Lausitz (Kr. Guben). 
Heinrich, Prinz zu Carolath-Schön- 
aich, Durchlaucht, Freier Sun- 
desherr und Majoratsherr. 

Andernach. 

Schlecht, Frau L. 

Ännaberg (Erzgebirge). 
Warmann, Eduard. 

Annettenhoh b/Schleswig. 
V. BrockdorfF, Frau Baronin. 

Ars a/Mosel (Lothringen). 
Carlebach, Dr. Ed., Notar. 



Aschaffenburg. 

Reber, Dr. Joseph, Director. 

Augsburg. 

Bauer, Ludwig, Rechtsanwalt. 
Flesch, Gustav, Bankier. 
Herzfelder, J., Rechtsanwalt. 
Stadtbibliothek. 

Aurich. 

Grisebach, Erich, Landrichter. 

Baden-Baden. 

Roeder, Emil, Commerzienrath. 

Bamberg. 

Marschalk v.Ostheim,FreiherrEmil. 

Barby a/Elbe. 
Thierbach, Otto. 

Barmen. 

v. Eynern, Ernst, Stadtverordneter, 
Mitglied des Abgeordneten- 
hauses. 

Frank, Max, Land^erichtsrath. 

Liedtke, Dr. Heinrich, Oberlehrer. 

Nordhaus, Hermann, Kaufmann. 

Stadtbibliothek. 

Bautzen. 

Fritzsche, Georg, Gymnasialober- 
lehrer. 

Klee, Dr. Gotthold, Professor, 
Gymnasialoberlehrer. 

Kunz, Dr. Heinrich, Staatsanwalt. 

Bayreuth (Bayern). 
Gymnasialbibliothek. 
Wagner, Siegfried. 
Würzburger, Frau Jenny, Rechts- 
anwalts wittwe. 



24* 



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— *f 24 4— 



Bedburg b/Düren. 

Diebl, Dr. phil. Ernst. 
Bellin b/Bärwalde (Neu-Mark). 

V. Kahie, Fräulein Julie. 
Berlin. 

Abraham - Römer, Dr. jur. A., 
Journalist. 

Aegidi, Dr. L., Professor, Ge- 
heimer Legationsrath. 

Alexander, Fdix, Procurist. 

Alt, Stud. phil. Carl. 

Andresen, Waldemar. 

Amheim, Fräulein Amalie. 

V. Asten, Fräulein Julie. 

Baerwald, S. 

Bahlsen, Dr. Leopold, Gymnasial- 
lehrer. 

Bardt, Dr. C, Gymnasialdirector. 

Becker, Carl, Beamter der Handels- 
gesellschaft. 

Becker, Fräulein Hanna. 

V. Beckerath, A. 

Behrend, Adolf, Buchhändler. 

Bellermann, Dr. B., Director des 
Königstädtischen Gymnasiums. 

V. Berg, Amtsgerichtsrath. 

Berger, Dr. phil. Arnold E. 

Bernhard, Arthur, Bankier. 

Bernhard, Stud. phys. Ludwig. 

Bernstein, Frau Professor Dr. C. 

Bibliothek, Königliche. 

Bibliothek, Städtische der Goeritz- 
Lübeck-Stiltung (O. Goeritz). 

Bibliothek d. Kgl. Realgymnasiums. 

Bibliothek des Kgl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Bielschowsky, Dr., Oberlehrer. 

V. Bissin^, Freiherr Dr. phil. 
Friedrich Wilhelm. 

Bloch, Dr. Iwan, prakt. Arzt. 

Blumenthal, Dr. Oskar, Director 
des Lessing-Theaters. 

Bodländer, Rechtsanwalt. 

Bondi, Dr. phil. Georg, Verlags- 
buchhändler. 

Borchardt, Dr. Oskar. 

Borchardt, Frau Comm.-Rath Rud. 

Borckenhagen, Frau Capitän z. See. 

Boretius, Fräulein Charlotte. 

Brahm, Dr. Otto, Director des 
Deutschen Theaters. 

Braumüller, Dr., Professor, Ober- 
lehrer. 

V. Braunschweig, Kaiserl. Ge- 
sandter z. D. 



Berlin. 

Breiderhoff, Frau Dr. 

V. Bremen, Geh. Ober-Reg.-Rath. 

Breslauer, Bernhard, Rechtsanwalt. 

Bril, Fräulein Helene. 

Broicher,Otto,Kammergerichtsrath. 

V. Brühl, Gräfin Hedwig, Palast- 
dame, Excellenz. 

Bunsen, Fräulein Marianne. 

V. Bunsen, Fräulein Marie. 

Bürgers, Max, Bankier. 

Busch, Richard, Kammergerichts- 
rath. 

Caro, Dr. Georg. 

Cassirer, Ernst. 

Cassirer, Cand. phil. Fritz. 

Cohn, Albert, Buchhändler. 

Cohn, Alexander Meyer, Bankier. 

Cohn, Alfred, Procurist. 

Cohn, Dr. Heinrich, Rechtsanwalt. 

Coste, Dr. David, Professor, Lehrer 
am Askanischen Gymnasium. 

V. Cramm-Burgdorf, Freiherr, Her- 
zogl. Braunschweig. Gesandter. 

Crome, Rechtsanwalt und Notar. 

Daffis, Dr. Anton. 

Daffis, Dr. jur. Eduard, Gerichts- 
Assessor. 

V. Dallwitz, Frau W., geb. v. Gräfe. 

Darmstädter, Dr. Ludwig, Fabrik- 
besitzer. 

Delbrück, Dr., Staatsminister, Ex- 
cellenz. 

Delbrück, Ludwig, Bankier. 

Delbrück, Frau Geh. Commerzien- 
rath Luise. 

Dohme, Frau Geh.-Rath. 

V. Donop, Dr. L., Professor. 

Doss, Fräulein Marie. 

Dümmler, Dr. E., Professor. 

Eger, W. 

Elias, Dr. phil. Julius. 

Elias, Max, Rentier. 

Ellinger,Dr.Georff,RealschuIlehrer. 

Eloesser, Dr. phil. Arthur. 

Enslin, Cand. med. Fritz. 

Epstein, M., K. Gerichts-Referendar. 

V. Erdberg, Dr. R. 

Ernst Eberhard, Verlagsbuchhdlr. 

Euchel, F., Justizrath. 

Feig, Dr. M., Sanitätsrath. 

Feist, Richard, Referendar, 

Fischer, Adolf. 

Fleischhammer, Dr., Geh. Hof- 
justizrath. 

Flinsch, Alexander, Kaufmann. 



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-— ** 25 *^— 



Berlin. 

Fränkel, Dr. Max, Professor. 

Fraenkel, Max, Maurermeister. 

V. Frankenberg, Rittmeister im 
Garde-KürassierregimenL 

Franzos, Dr. K. E., Schriftsteller. 

Frenkel, H., Bankier. 

Frenzel, Frau Bertha. 

Frenzel, Dr. Karl. 

Freund, Ernst 

Frey, Dr. Karl, Professor. 

Friedenthal, Frau Margaretha. 

Friedländer, Frau Professor, 

Friedländer, Max, Amtsgerichtsrath. 

Friedländer, Dr. phil. Max, Privat- 
docent der Musikwissenschaft. 

Friedmann,Dr.Alfred,Schriftsteller. 

Fromberg, Frau Martha. 

Fuchs, Dr. phil. M. 

Geiger, Dr. Ludwig, Professor. 

Geiger, Frau Professor Dr. Martha. 

Gero, Fräulein Franziska. 

Gernsheim, Dr. Fr. W., Professor. 

Gesenius, Stadtältester, Director 
des Berliner Pfandbrief- Amtes. 

Glaser, Dr. Adolf, Redacteur. 

Glaue, Arthur, Buchhändler. 

Gloeden, Lehrer an der Sophien- 
schule. 

Goecke, Rudolf, Kaufmann. 

Goering, Dr. Robert, Chemiker. 

V. Goldbeck, Ober-Reg.-Rath. 

Goldbeck, Dr. Ernst, G)rmnasial- 
Oberlehrer. 

Goldberg, Alfred, Kaufmann. 

Goldschmidt, Professor, Geheimer 
Tustizrath. 

Goldschmidt, Arthur, Schriftsteller. 

Goldschmidt, Rob., Bankier. 

Gothein, Kgl. Bergmeister. 

Gottheiner, Fräulein Marie. 

Gottheiner, P., Stadt-Bauinspector. 

Gotthelf, M. 

Gottschalk. Gustav, Kaufmann. 

Grimm, Dr. Herman, Professor, 
Geheimer Regierungsrath. 

Groebenschutz, öberverwaltungs- 
gerichtsrath. 

de Gruyter, Dr. Walter, Kauf- 
mann. 

Güterbock, Stud. phil. Eduard. 

V. Guldencrone, Frau Baronin. 

Guttmann, Frau Marie. 

Hagen, Werner .A. G. 

Hartleben, Otto Erich, Schriftsteller. 

Hartmann, Dr. phil. Hugo. 



Berlin. 

V. Heerwart, Dr. Adolf, Wirkl. 
Geheimer Rath, Excellenz. 

Heinitz, Frau Anna. 

Heinitz, Franz, Rechtsanwalt. 

Heitmüller, Dr. Ferdinand. 

V. Helmholtz, Frau Anna, Exe. 

Henning, Theodor, Architect. 

Herrmann, Dr. phil. Max, Privat- 
docent an der Universität. 

Hertz, Wilh., Verlagsbuchhändler. 

Heydemann, Dr. phil. V. 

Hiller v.Gaertringen, Freiherr Dr. F. 

Hirschfeld, Philipp. 

Hoffmann, Dr.Ed., Geh. Ober-Reg.- 
Rath. 

Hofmann, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

v. Holst, Mathias, Baumeister. 

v. Hopfen, Dr. Hans, Schriftsteller. 

Horsfall, Charles. 

Hübler, Dr. jur. Bernhard, Pro- 
fessor, Geh. Ober-Reg.-Rath. 

v. Hutten-Czapski, Graf, Mitglied 
des Herrenhauses. 

Jablonski, Berthold, 
acobi, Leopold, Kaufmann und 

Stadtverordneter. 
Jacoby, Dr. Daniel, Gymnasial- 
Professor. 

Jaffd, Frau Dr. Helene, 
ahn, Cand. phil. Kurt, 
aquet, Dr. med. M., Sanitätsrath, 

pract. Arzt. 
Imelmann, Dr. J., Professor am 
JoachimstharschenGymnasium. 
Joachim, Professor Dr. Joseph, 
Director der Kgl. Hochschule 
für Musik. 
Jonas, Dr. Fr., Städtischer Schul- 
inspector. 

Jonas, Frau Clara, 
ordan, Dr. Max, Geheimer Ober- 

Remerungsrath. 
Isaac, Julius, Fabrikbesitzer. 
V. Kaickreuth, Frau Gräfin B., geb. 

Meyer. 
Kalischer, Dr. S. 
Kalimann, Eugen, Rechtsanwalt 
Kapp, Fräulein Ida. 
Kaskel, Frau Carl. 
Kastan, Dr. 
V. Kaufmann, Dr., Professor, Geh. 

Regierungs-Rath. 
Kekule V. Stradonitz, Dr. Reinhold, 

Professor, Geh. Reg.-Rath. 



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—-»^ 26 ♦— 



BeHiB. 

Kempner, Frau Ida. 

Kerb, Robert, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Kestner, Dr. phil. Ernst. 
V. Keudell, Wirkl. Geh. Rath. Exe. 
von dem Knesebeck, Kabinetsrath ' 

I. M. der deutschen Kaiserin. 
Koegel, Dr. phil. Fritz. 
Koehne, Frau Clara. 
Koenigs, Fräulein Elise. 
Kraft, Bernhard, Rechtsanwalt. 
Kraft, Cand. med. Ludwig. 
Krause, Dr. jur. 

Krause, Dr. jur. Paul, Rechtsanwah. 
Kriege!, Stud. phil. Fr. 
Kronecker, Fräulein Elisabeth. 
Kronfeld, Dr., Rechtsanwalt 
Kronheim, Georg. 
Kubier, Dr., Professor, Director 

des Wilhelm-Gymnasiums. 
V. Kühlewein, Rqnerungsrath. 
Lassar, Dr. med. Oscar, Professor. 
Lef&nann, Gustav, Kaufmann. 
Lehmann, Gustav, Geh. Kirchen- 

rath. 
Lehmann, Paul, Buchhändler. 
Leo, Dr. F. A., Professor. 
Leske, Dr., Geh. Justizrath. 
Lesse, Justizratii, Rechtsanwalt und 

Notar. 
Lesser, Adolf, Reichsgerichtsrath 

a. D. 
Lesser, Paul Ph. 
Lessing, Frau Alma, geb. Marschall 

V. Biberstein. 
Lessing, C. R., Geh. Justizrath. 
Lessing, Dr. phil. Oscar. 
Levin, Dr. Moritz, Prediger. 
Levy, Martin. 
Levy, Richard, Bankier. 
Levy, Richard, vereideter Wechsd- 

makler. 
Levyson, Frau Dr. Auguste. 
Lcwald, Dr. Felix, Geh.Finanzrath. 
Lewald,Theodor, Re^erungs-Rath. 
Lewinsohn, L., Fabrikbesitzer. 
Lewy, Julius, Kaufmann. 
v.derLeyen,Dr.,Geh.Ob.-Reg.Rath. 
Lichtenthai, Simon, Kaufmann. 
Licbermann, Dr. F. 
Liepmannssohn, Leo, Buchhändler. 
V. Lipperheide, Freiherr Franz. 
Lisco, Dr. Hermann,Geh. Justizrath. 
Lisco, Walter, Rechtsanwalt. 
Lobe, Frau Magda. 



Berlin. 

LoefHer, Ldw., Verlagsbuchhändler. 
Maas, Hänrich, FaSrikbesäxer und 

Handelsrichter. 
Maass, Dr. Felix, Rechtsanwalt. 
Magnus, Frau Geh. Reg. -Rath 

Bertha. 
Magnus-Levy, Dr. med. Adolf. 
Manasse -Waldeck, erster Vor- 
sitzender des Literar. Vereins 

»Schiller«. 
ManJjeimer, Stud. phil. Victor. 
Marcus, Dr. Georg, Landgerichts- 

rath. 
Martins, Frau Margarethe,geb.Veit. 
Marx, S. 
Mattliiae, Dr. Otto, Professor, 

Oberlehrer. 
Meder, Albert, Kunsthändler. 
Meder, Louis, Kunsthändler. 
V. Meier, Dr. jur. Ernst, Geh. 

Ober-Reg.-Rath , Universitäts- 

Curator a. D. 
Meirowsky, Frau Emestine geb. 

Soutonsky. 
Mendelssohn-BartholdyJ^rauMaria. 
Menzer, Cand. phil. Paul. 
Meyer, Dr. jur. Alexander. 
Meyer, Dr. phil. Alfred Gotthold, 

Priv.-Docent an der KgL techn. 

Hochschule und Lehrer an der 

Kgl. Kunstschule. 
Meyer, Carl, Fabrikant. 
Meyer, Ferdinand, Rentier. 
Meyer, Georg. 
Meyer, Dr. Ludwig. 
Meyer, Ludwig, Kaufmann. 
Meyer, Paul, Rechtsanwalt. 
Meyer, Dr. Richard M., Privat- 

docent. 
Meyer-Michaelis, Frau Elise. 
Michaelis, Dr. Carl Theodor. 
Mirauer, Carl, Maurermeister. 
Möbius, Dr. Kari, Professor, Geh. 

Regierungs-Rath, Director der 

zool. Abth. des Museums für 

Naturkunde. 
Möller, Dr. W., Oberlehrer am 

Königstädtischen Gymnasium. 
V. Mohl, Ottmar, Kgl. Kammer- 
herr, Geh. Legationsrath. 
V. Mohke, F., Geh. Reg.-Rath. 
V. Moltke, Frau Landrath Julie. 
Morris, Dr. M., prakt. Arzt. 
Morsch, Dr. Hans, Realgymnasial- 

Oberlehrer. 



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— ♦ 27 ^ — 



Berlin. 

Müller, Conrad, Oberlehrer am 
Toachimtharschen Gymnasium. 

Müller-Grote, Carl, Verlagsbuch- 
händler. 

Munk, W., Landrichter. 

Nathan, Dr. P. 

Naumann, Dr., Geh. Ober-Reg.- 
Raih. 

Nehring, K., Oberlehrer. 

Nelke, Dr., Rechtsanwalt. 

Nelke, Frau Emma. 

Neubauer, Dr. Richard, Professor 
am Gymnasium zum Grauen 
Kloster. 

Neumann, Dr. H., Rechtsanwalt. 

Niemann-Seebach, Frau Marie, Kgl. 
Hofschauspielerin. 

v. Oettingen, Dr. Wolfgang, Prof. 

Ohrtmann, Dr. W., Geheimer 
Sanitätsrath. 

Oldenberg. C. M. 

Osborn, Dr. phil. Max. 

Paetel, Elwin, Verlagsbuchhändler, 
Commerzienrath. 

Parey, Dr., Verlagsbuchhändler. 

Peniice, Dr. A., Professor, Geh. 
Justizrath. 

Peters, Dr. Carl, Afrikaforscher. 

Peters, Johann, Geh. Rath. 

Pfaff, Alben, Commerzienrath. 

Philipp, Fräulein Marie. 

V. Philippsbom, Ernst, Geh. Ober- 
Reg.-Rath. 

Pieper, Oberlehrer. 

Pietsch, Ludwig, Professor. 

Pietsch, Dr. P., Professor. 

Pilger, Dr., Geh. Reg.- u. Schul- 
rath. 

Pincsohn, Max. 

Pindter, Dr. jur. Ludw., Kammer- 
gerichts-Referendar. 

Plessner, Landgerichtsrath. 

Plessner, Dr., prakt Arzt. 

Pniower, Dr. phil. Otto. 

Poppenberg, Dr. phil. Felix, Schrift- 
steller. 

Posner, Dr. med. Karl, prakt. Arzt. 

Preuss, Dr. R., Assistent an der 
Kgl. Bibliothek. 

Prinz Heinrich - Gymnasium, Kgl. 

Rading, F. 

vom Katli, Adolf. 

vom Rath, Frau Anna. 

Reimann, Rud., Fabrikbesitzer. 

Reissert, Dr. Arnold, Privatdocent. 



Berlin. 

Reschke, Max, Schiffskapitän a. D. 

Reschke, Oscar. 

V. Rheinhdben, Geh, Ober-Regierungs- 
rath. 

Richter, Frau Professor. 

von Richthofen, Freifrau, geb. 
Mendelssohn-Bartholdy. 

Riesenfeld, Hugo, Kaufmann. 

Riesser, Frau Dr. 

Ring, Louis, Bankdirector. 
■Robert-tornow, Frau Edith. 

Rodenberg, Dr. Julius. 

Rödiger, L)r. Max, Professor. 

Rohde, John, Director. 

Roenneberg, Frau Melida, Schul- 
vorsteherin. 

Rosenbaum, Dr. phil. Richard. 

V. Rotenhan, Freinerr, Unterstaats- 
secretär im Auswärtigen Amt. 

Rubensohn, Hermann. 

Sachs, Hugo, Rechtsanwalt. 

Saegert, Fräulein Anna. 

Schaper, Fritz, Professor, Bildhauer. 

Schaper, Wolfg^ng. 

Schaum, Frau Professor Clara. 

V. Schelling, Dr., Staatsminister, 
Excellenz. 

Schelske, Dr. R., Privatdocent 

Scherer, Frau Geh. Reg.-Rath 
Marie. 

Schermann, Leo, vereideter Fonds- 
makler. 

Schiff, Alfred. 

Schiff, Dr. med. Emil, Schriftsteller. 

Schiff, Georg, Assessor. 

Schiff, Julius, Bankier. 

Schleicher, Dr. Iwan. 

Schlemm, Frau Sanitätsrath. 

Schienther, Dr. phil. Paul, Schrift- 
steller. 

Schienther, Amtsgerichtsrath. 

Schlesinger, Frau Alice. 

Schlesinger, P., Gymnasiallehrer. 

Schlesinger-Trier, "Frau C. 

V. Schlippenbach, Frau Gräfin. 

Schmidt, Dr. Erich, Professor. 

Schmidt, Frau Dr. Julian. 

Schmidt, Dr. Max C. P., ordentl. 
Lehrer am Askanischen Gym- 
nasium. 

Schmidtlein, Dr. med. C, Arzt. 

Schmieden, Kgl. Baurath. 

Schmoller, Dr. Gustav, Professor. 

Schneider, Dr. E. 

Scholl, Robert, Geh. Legationsrath. 



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— ♦ 28 *fr— 



Berlin. 

Schöne, Dr., Wirkl. Geheimer 
Ober-Regierungsrath, General- 
director der Kgl. Museen. 

Schoenfiies, Fräulein Dora. 

Schönlank, Alexis, Schauspieler. 

Schönlank, Frau Generalconsul 
WiUiam. 

Schröder, Dr. Otto, Professor am 
Joachimthalschen Gymnasium. 

Schroeder, Dr. 

Schubert, Geh. Justiz- u. Kammer- 
gerichtsrath. 

Schulhoff, Fräulein Else. 

Schultzen-v. Asten, Frau Professor. 

Schulze, Adolf, Professor an der 
Kgl. Hochschule für Musik. 

Schwabe, Frau Mathilde. 

Schweitzer, Eugen, Kaufmann. 

Schwieger, Dr. Paul, Oberlehrer am 
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 

Seckt, Dr. Felix, Oberlehrer am 
Friedrich- Wilhelm-Gymnasium. 

Sello, Dr. F., Rechtsanwalt. 

Seminar, Kgl, für Germanistische 
Philologie. 

Siemenroth, Franz, Verlagsbuch- 
händler. 

Silberstein, Dr. Max, Rechtsanwalt. 

Simon, Frau Adele. 

Simon, Dr. Hermann Veit, Rechts- 
anwalt. 

Simonson, Frau Amtsfi;erichtsrath 
Gertrud, geb. Mende. 

Simrock, Fritz, Musikverleger. 

V. Simson, Aug., Justizrath u. Notar. 

V. Simson, Dr. Eduard, Wirkl. 
Geh. Rath, Präsid. des Reichs- 
gerichts a. D., Excellenz. 

V. Simson, Fräulein Elisabeth. 

V. Simson, Fräulein Margarethe. 

Sobemheim, Siegfried, Handels- 
richter. 

SommerstorfF, Otto, Mitglied des 
Berliner Theaters. 

Soulange-Bodin, Frau Marthe. 

Spannagel -Karthaus, Frau Auguste. 

Stange, Max, Lehrer an der Kgl. 
Hochschule für Musik. 

Steig, Dr. Reinhold, Gymnasial- 
lehrer. 

Stein, Philipp, Redacteur. 

V. Steinau-Steinrück , Frau Dr. 
Martha. 

Stengel, Dr. Paul, Oberlehrer am 
Joachimthalschen Gymnasium. 



Berlin. 

Stern, Dr. med. E. 
Stern, Dr. med. Julius. 
Sternheim, Siegmund, Bankier. 
Stettenheim, Julius, Schriftsteller. 
Stettenheim, Dr. phil. Ludwig. 
Stettiner, Frau Mathilde. 
Strassmann, Dr. med. P., Augenarzt. 
Thost, Dr. Robert, i. Firma Gebr. 

Bomträger, Verlags-Buchh. 
Tiktin, Paul, Referendar. 
Tobler, Dr. A., Professor. 
Todt, Carl, Gymnasiallehrer und 

Adjunct. 
Toeche, Dr. Theodor, Königlicher 

Hoibuchhändler. 
Toennis,FrauAdelheid,geb.Cremcr. 
Türk, Rechtsanwalt. 
V. Uhden, Dr. jur. Richard. 
Ullrich, Dr. phil. Richard. 
Universitätsbibliothek, Königliche. 
Vahlen, Dr., Professor, GÄ. Re- 

gierungsrath. 
Victoria-Lyceum. 
Vierling, G., Professor. 
Violet, Dr. Franz, Gjrmnasial-Ober- 

lehrer. 
Vogeler, Julius, Schuldireaor. 
Vorder, Kichard, Director einer 

nöheren Mädchenschule. 
Voigt, Fräulein Margarethe. 
Wagner, Dr. A., Professor, Geh. 

Regier ungsrath. 
Wagner, Dr. B. A., Professor. 
Wahllander, Frau Geh. Rath. 
Wattenbach, Dr. W., Professor, 

Geh. Regierungsrath. 
Weber, Otto, Landgerichtsrath. 
V. Wedel, Frau Margarethe. 
Wehrenpfennig, Frau Geheimrath, 

geb. Kopp. 
Weigert, Dr. Max, Sudtrath. 
Weinhagen, Ernst. 
Weinhold, Dr. Karl, Professor, 

Geh. Regierungsrath. 
Weisstein, Gotthilf, Schriftsteller. 
Wellmann, Dr. E., Professor am 

Königsstädtischen Gymnasium. 
Welti, Dr. Heinrich, Schriftsteller. 
Werner, Dr. R., Oberlehrer. 
Wesendonck, Frau Mathilde. 
Wessely, Dr. Hermann. 
Wetzel, Johannes, Gymnasiallehrer. 
v.WejTauch, Dr., Unterstaatssccret. 
V. Wildenbruch, Dr. Ernst, Lega- 

tionsrath. 



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-•»* 29 ♦— 



Berlin. 

Wilmanns, Dr. A., Professor, Gene- 
raldirector der Kgl. Bibliothek. 
Wilmersdörflfer, Rechtsanwalt. 
Wolff, Frau Adelheid. 
Wolflf, Charles. 
Wolff, Dr., Oberstabsarzt. 
Wrede, Dr. jur. Friedrich, Schrift- 
steller. 
Zimmermann, Dr. A., Consul. 

Bielefeld. 

Loebeirsche Bibliothek. 
Ransohoff, Dr, phiL Georg. 

Blankenburg a/Harz. 
Wellmer, A., Schriftsteller. 

Blasewitz. 

Schmid, Dr. jur. Carl. 

Blitzenrodt b/Lauterbach. 
Matthaei, Ke^L Eisenbahnbau- und 
Betriebs-Inspector. 

Boohom i/Westf. 
Broicher, Frau Elise. 
Leseverein. 

Bogenhatisen b/München. 
Weigand, Wilhelm, Schriftsteller. 

Bonn. 

Akadem .-germanistischer Verein. 
Aufrecht, Dr. Theodor, Professor. 
Drescher, Dr. phil. Carl, Privat- 

docent. 
Franck, Dr. loh., Professor. 
Gräfe, Dr., Professor. 
Haass, Dr. med. Friedrich Ludwig. 
Harkort, Frau Commerzienrath P. 
Hüffer, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Justizrath. 
Kayser, Dr. H., Professor. 
Leo, Fräulein Therese. 
Litzmann, Dr. B., Professor. 
Loeschke, Dr. G., Professor. 
Magnus, Gustav, Justizrath. 
Prym, Dr. Eugen, Professor. 
Rosenmund, Dr. phil. Richard, 

Privatgelehrter. 
Schnitze, Dr. Fr., Prof., Director 

der med. Klinik. 
Seminar, Kgl. germanistisches der 

Universität. 
Universitäts-Bibliothek,Königliche. 



Bonn. 
Usener, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Regierungs-Rath. 
Wilmanns, Dr. W., Professor, Geh. 

Reg.-Rath. 
Zitelmann, Dr. Ernst, Professor. 

Schloes Bothmer bei Klütz. 

(Mecklenburg-Schwerin.) 

v. Bothmer, Frau Gräfin Bertha. 

Brake b/Lemgo. 
Roller, Dr., Director. 

Brandenborg a/H. 
Heine, Dr,, Domherr, Director 

der Ritter-Academie. 
Köpke, Fräulein Suse. 

Branneohweig. 

Aronheim, Dr. med. Felix. 

Bergmann, Ernst, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Bibliothek des Gymnasiums 
Martius-Katharineum. 

Blasius, Dr. Wilhelm, Professor. 

Flechsig, Dr. phil. Eduard. 

Frühling, Hermann, Hotelbesitzer. 

Helle, Cari. 

Huch, Dr. jur. Richard, Rechts- 
anwalt und Notar. 

V. Krosigk, Major a. D. 

Magnus, Karl, Bankier. 

Westermann, Friedrich, Verlags- 
buchhändler. 

Bremen. 

Deetjen, Gustav. 

Frese, Fräulein Anna. 

Fritze, Dr. phil. Edmund, Professor. 

Graef, Frau Sophie. 

Hackfeld, Frau M., geb. Pflüger. 

Hartlaub, Dr. G. 

Jacobi, Tustus, Pastor an der St. 
Stepnani-Kirche. 

Kippenberg, Anton, Buchhändler. 

Krug, E., Director der Deutschen 
Bank. 

Pauli, Dr. jur., Senator, Bürger- 
meister. 

Pflüger, J. C, Kaufmann. 

Rassow, Gustav. 

Ruperti, Fräulein Amalie, Privati^re. 

Sattler, W., Professor. 

Stadtbibliothek. 

Breslau. 

Bienko, Dr. Polizeipräsident. 
Breslauer Dichterscnule. 



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30 



Breslau. 

Cohn, Dr. Ferdinand, Professor, 

Geh. Regierungs-Ratb 
Fielitz, Prof Dr. W. 
V. Flottwell, Regierungspräsident. 
Franck, Fräulein A. H. 
Friedenthal, Adolf, Kaufmann. 
Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 
Gesellschaft der Freunde. 
Hamburger, Dr. phil. Paul. 
Henry, Felix, Architekt. 
Hensel, Frau Stadtgerichtsrath 

Selma. 
Heyne, Alfred, Eisenbahnsecretär. 
Hirt, Dr. med. Ludwig, Professor. 
Holz, Albert, Bankier. 

Jänicke, Karl, Stadtrath. 
nunerwahr, Leopold, Kaufmann. 

Koch, Dr. Max, Professor. 

Ladenburg, Frau Geheimrath, Pro- 
fessor M. 

Luc6e, C., Buchhändler. 

Milch, Dr. phil. Louis, Privat- 
docent an der Universität. 

Molinari, Frau Commerzienrath. 

Morgenstern, E., Verlagsbuchhdlr. 

Neisser, Dr. med. Professor. 

Pakscher, Dr. phil. A., Privatdocent. 

Partsch, Dr. med. Carl, Professor. 

Pinder, Frau Caroline. 

Ponfick, Emil, Professor, Medicinal- 
rath. 

Pringsheim, Max A., Kaufmann. 

Richter, Dr., Professor. 

Rösler, Frau Marie. 

Sackur, Frau Margaretha. 

Seidel, EisenbahxiDau- und Be- 
triebsinspector. 

Silbergleit, Frau Seraphine. 

Sitte, Otto, Opticus. 

Stadt-Bibliothek. 

Stern, Frau Charlotte. 

Storch, A., Direaor. 

Trewendt, Ernst, Vcrlagsbuch- 
händler. 

Trewendt & Graniers Buchhand- 
lung (Alfred Preuss). 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Urbach, Fräulein Rosa. 

Vogt, Dr. F., Professor. 

Wendriner, Dr. phil. R. 

Zinipel, Frau Professor Helene. 

Bretten. 

Kahn, Dr. Franz, Amtsrichter. 



Bromberg. 

Belling, Frau Oberlehrer Dr. Marie. 

Buckeburg. 
Lücke, Dr. O., Gymnasialdireaor. 

Büdesheim (Oberhessen). 
v. Oriola, Frau Gräfin W. 
Bfilow a/Criviiz (Mecklenburg), 
v. Bamer, Fr., Gutsbesitzer. 

Burgsteinfnrt (Westfalen). 
Eschmann, Dr. Gustav. 

Calw (Württemberg). 
Weizsäcker, Dr. phil. Paul, Direaor 
des Reallyceums. 

Caasel. 

Förster, Auguste, LehreriiL 
Landesbibliothek, Ständische. 
Muff, Dr., Professor, Gymnasial- 

Director. 
Schmitt, Dr. phil. H., Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Stölting, G., Consistorialrath. 

Charlottenburg. 

Beiger, Dr. Chr., Professor. 

Berent, Fräulein Selma. 

Brandis, Dr. phil. K. 

Cohn, Frau btadtrath Dr. Anna. 

Comicelius, Dr. phil. Max. 

Grisebach, Hans, Architekt. 

Heinemann, Felix, Redacteur. 

Hirschfeld, Dr. Otto, Professor. 

Kehrbach, Dr. phil. Karl. 

Kühlstein, Frau Ernst. 

Lehrerbibliothek des Kgl. Gym- 
nasiums. 

Lepsius, Reinhold, Maler. 

Lessmann, Otto, Herausgeber der 
AUg. Deutschen Musik-Zeitung. 

March, Otto, Kgl. Baurath. 

Mommsen, Dr. Ineodor, Professor. 

Neumann-Hofer, Otto, Redacteur. 

Siemens, Frau Geh, Rtg.-Ratb. 

v. Simson, Dr. jur., Assessor. 

Spielhagen, Friedrich, Schriftsteller. 

Strehlke, Frau Marie. 

Strützki, Ed., Kammergerichtsrath 
a. D., Geh. Justizrath. 

Thür, Fräulein Anna. 

Weber, Dr. jur. M., Stadtrath von 
Berlin. 

Weingartner, Felix, Kgl. Hoikapell- 
meister. 



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— ► 3^ ♦- 



Gharlottenburg. 

V. Wilamowitz-Möllendorff, Frau 

Prof. 
Wolff, juUus. 

Zabel, Dr. Eugen, Redacteur. 
Zimmermuin, Frau Generalmajor 
, Johanna. 

Chemnitz. 

Bibliothek des Ksl. Gymnasiums. 
Kirchner, Dr. Carl, Professor, 

Oberlehrer. 
Kühn, Dr. Bernhard, Landrichter. 
Morell, Georg. 
Stadtbibliothek. 

Ullrich, Dr. phU, H., Oberlehrer. 
Wächter, Dr. med. R. 

Coblenc 

Deiters, Dr. Hermann, Geh. Reg.- 
Rath. 

Jordan, Otto, Rentner. 

Söaeter, Frau Geh. Commenjenrath E. 

Wahl, G., Realg)rmnasial - Ober- 
lehrer. 

Coburg. 

Beck, Dr. Heinrich, Professor, Gym- 
nasialdirector. 

Colmar i/Elsass. 
Weber, Dr. Wolf, Ober-Landge- 
richtsrath. 

Coln a/Rhein. 
Bürgers-Stein, Frau Geh. Justiz- 

rath J. 
Curtius, Dr. Rud., Reg.-Assessor. 
Düntzer, Dr. Heinrich, Professor, 

Bibliothekar. 
Herbertz, Frau Geh. Rath M. 
Herstatt, Arthur, Landgerichtsrath 

a. D. 
Heuser, Frau Eugenie, geb. Nico- 

lovius. 
Heuser, F. Robert. 
Heuser-Nicolovius, Robert. 
Leiden, Franz D., Vice-Consul. 
Lempertz sen., Heinrich, Renmer. 
Lewmger, Ernst, Oberregisseur. 
Meuser, Paul, Rechtsanwalt. 
V. Mevissen, Dr. G., Geh. Commer- 

zienrath. 
V. Mevissen, Fräulein Mathilde. 
V. Mevissen, Frau Therese. 
Oelbermann, Emil. 



Cöln a/Rhein. 

PeilL Wilh., Kaufmann. 

Pfeifer-Schnitzler, Frau Paula. 

Schneider, Frau Professor Lina. 

Schnitzler, Eduard. 

Schnitzler ,Frau Amtsrichter Robert. 

Schnitzler, Robert, Geh. Rath. 

Schnitzler, Dr. jur. Victor, Rechts- 
anwalt. 

Schuch, Paul, Regierungsrath. 

Stein, Frau Elise, geb. v. Mevissen. 

Stein, Frau Julicka, geb. Leiden. 

Vorster, Julius, Fabrikbesitzer, 
Commerzienrath. 

Wüllner. Dr. Franz, Professor, 
Kapellmeister. 

Coeelin (Pommern). 
Hochdanz, Dr. Professor, Gym- 
nasial-Oberlehrer. 

Comptendorf (Kreis Cottbus), 
v. Berndt, Alfred, Prem.-Lieutenant. 

Crefeld. 

Peltzer, Dr. jur. Rudolf. 

Culmitxseh b/Berga a/Elster. 
Hoffmann, Max, Pfarrer. 

Coetiin. 

V. Wurmb, Frau E., geb. Gräfin 
v. Bothmer. 

Dancig. 

Berndt, Fräulein Gustel. 

Bibliothek des städtischen Gym- 
nasiums. 

V. Gossler, Dr., Staatsminister, 
Oberpräsident, Excellenz. 

Löschins Bibliothek des Real- 
gymnasiums zu St. Johann. 

Stadtbibliothek. 

Darmetadt. 

Edward, Hugo, Hofschauspieler. 

Hamack, Dr. Otto, Professor. 

Hepp, C. 

Hof Dibliothek, Grossherzogliche. 

Literarischer Verein. 

Merck, Dr. phil. C. E. 

Merck, Dr. Louis. 

Merck, Wilhehn. 

Rieffer, Dr. Max. 

Wulckow, Director, Dr. 



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—^ 32 



Dessau. 

Antoinettenschule, Herzogl. 

Friedrichs-Gymnasium, HerzogL 

Meinert, Carl, Fabrikbesitzer. 

Oechelhäuser, Geh. Commerzien- 
rath. 

V. Oechelhäuser, W., General- 
Director der Deutschen Con- 
tinental-Gasgesellschaft. 

Detmold. 

GjTTinasium Leopoldinum. 
V. Meysenbug, Freiherr, Major a. D. 
u. Kammerherr. 

Donauesohingen. 

Hentig, Präsident der Fürstlich 
Fürstenbergisdien Kammer. 

Hofbibliothek, Fürstlich Fürsten- 
bergische. 

Dortmund. 

Gymnasial-Curatorium. 

Nägel, Bernhard, Amtsgerichtsrath. 

Dresden. 

Amen, Frau Dr. 

Arndt, Jul. Max, Grosskaufmann. 

Aulhom, Stud. med. Ernst Rud. 

Auihorn, Paul Rud., Fabrikbesitzer. 

V. Biedermann, Freiherr B., General. 

V. Biedermann, Dr., Freiherr W., 
Geh.-Rath. 

V. Boxberg-Zschorna, Frau Oswine, 
geb. Keil. 

Diestel, Dr., Professor. 

Ehlermann, Dr. phil. Erich, Ver- 
lagsbuchhändler. 

V. Einsiedel, Fräulein Helene. 

V. Finck-Nöthnitz, Freiherr, Kam- 
merherr. 

Förster, Dr. med. Richard, Hofrath. 

V. Gerbel-Embach, Dr. Nicolaus. 

Gmeiner-Benndorf, Frau Commer- 
zienrath Rosa. 

Götze, Dr. Edmund, Professor beim 
Kadettencorps. 

V. Haber, Baron R., Premier- 
lieutenant a. D. 

Hasper, Dr. Iheodor, Professor. 

Hassel, Dr. Paul, Geh. Regierungs- 
rath, Director des Hauptstaats- 
archivs. 

Heyl, Frau Anna geb. Hübler. 

Jaensch, Emil, Buchhändler (i. Fa. 
V. Zahn & Jaensch). 

Jensen, Paul, Kgl. Hofopernsänger, i 



Dresden. 

Kayser-Langerhanns, Frau Sanitäts- 
rath Agnes. 

Knoop, Wilhelm, Consul. 

V. Könneritz, Fräulein Marie, Staats- 
dame a. D. 

Körner-Museum der Stadt Dresden. 

Krausse, Robert, Maler, Professor. 

Leopold, Dr., Professor, Geheimer 
Medicinalrath. 

Lesky, Wilhelm, Rechtsanwalt. 

Lücke, Dr. Herm., Professor. 

y. Mangoldt, Fräulein Helene. 

Mannl, Johannes. 

Meinert, Dr med. E. 

Müller, Dr. Theodor, Landgerichts- 
präsident. 

V. Overbeck, Fräulein Camilla. 

Palm, Frau Baronin, geb. Gräfin 
Berlichingen. 

Paul, A., Königl. Sächsischer Hof- 
schauspieler. 

Pechwell, Dr. jur. Alfred, Königl. 
Sachs. Ober- Kriegsger ichtsratn. 

Posse, Dr. phil. Regierungsrath. 

Pusinelli, Dr. med. prakt. ArzL 

Rachel, Dr. Paul, Oberielirer. 

Richeben, Christel, Regisseur am 
Kgl. Hoftheater. 

Ritterstädt, Dr., Geh. Finanzrath. 

Sauer, Frau Dr. 

Schanze, Dr. jur. Oscar, Kaiserl. 
Reg.-Rath a. D. 

Scheidemantel, K., Kammersänger. 

Schmidt, Heinrich, Lehrer. 

Schmidt, Rudolf, Rechtsanwalt u. 
Notar. 

Schnorr v. Carolsfeld, Dr. Franz, 
Professor,Kgl.Oberbibliothekar. 

Schramm, Frau Dr. Martin. 

Schramm, Otto E., Ins^enieur. 

V. Schultzendorff, W.^ Kammerherr. 

Schwender, G. E. 

Sendig, Rudolf, Hotelbesitzer. 

Singer, Dr. pliil. Hans W. 

Sontag, Carl, Hofschauspieler. 

Stern, Dr. A., Professor. 

V. Steun, Frau Therese, geb. v. 
Dziembowska. 

Stürenburg, Dr. H., Professor, 
Reaor der Kreuzschule. 

Undeutsch, Max, Rechtsanwalt 

Villers, Dr. Alexander. 

Vogel, Dr. Theodor, Professor, 
Geh. Schulrath. 

Vollniöller, Dr. Karl, Professor. 



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-♦ 33 ^- 



Dresden. 

Vorländer, H., Rittergutsbesitzer. 

V. Weber, Freiherr, Oberstlieute- 
nant z. D. 

Wiecke, Paul, Kgl. Hofschauspieler. 

Woermann, Dr. Karl, Prof., Director 
der Kgl. Gemäldegallerie. 

Würzburger, Dr. Euj^en, Director 
des Stadt. Statistischen Amtes. 

V. Zahn, Robert, Buchhändler (i. Fa. 
V. Zahn &Jaensch). 

Zschille, Frau Therese, geb. v. Ein- 
siedel. 

Zschuppe, Arno, Schriftsteller. 

Dttiaburg a/Rh. 

Feller, W., Professor, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Vijgen, Dr. jur. Max, Gerichts- 
assessor. 

Dulzen b/Preuss. Eylau. 
Rosenow, Frau, Johanna, geb. Fre- 
denhagen, Rittergutsbesitzerin. 

Dürkheim a/H. 
Chally, P., Kgl, Gymnasiallehrer. 

Düsseldorf. 

Bönin£;er,Ferdinand,Fabrikbesitzer. 
Künstler- Verein »Malkasten«. 

Dyrotz b/Wustermark. 
Meyer, Lothar, Glas-Administrator, 

Eberswalde. 

Klein, Dr. J., Gymnasialdireaor. 

Eisenach. 

Ganzert, Carl, Fabrikbesitzer. 

Hossfeld, Dr.Carl, Gymnasiallehrer. 

Kieser, Hugo, Archidiakonus. 

Koellner, Dr., Arzt. 

Kürschner, Joseph, Prof., Geh. 
Hofrath. 

Michels-Schnitzler, Frau Kaufmann 
Julius. ^ 

Schneidewind, Dr. E., Gymnasial- 
Professor. 

Schwabe, Fräulein Luise, Instituts- 
vorsteherin. 

Streck, Carl, Apotheker. 

Weber, Dr. H., Hofrath, Gymnasial- 
director. 

Eisenberg (Sachsen-Ahenburg). 

Frenzel, Carl, Sudtrath. 
Gymnasial-Bibliothek. 



Elberfeld. 
Blank, Frau Alexander. 
Martens, Dr. Ludwig, Professor, 

Gymnasial-OberJehrer. 
Simons, Walter, Commerzienrath. 
Weychardt, Conrad. 
Wieruszowski, Alfred, Landrichter. 
Zurhellen, Frau Justizrath. 

Ellwangen. 
Erik, G., Rechtsanwalt. 

Emden. 

Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Freytag, Dr. Hans, Wissenschaftl. 
Hilfslehrer. 

Emmendingen. 

Feldbausch, Dr. Otto, Arzt a. d. 
Irrenanstalt. 

Erdebom (Rittergut) b/Ober- 
Voeslingen a/See. 
Marckwald, Fräulein Marie. 

Erfurt. 

Barth, M., Reg.-Rath. 

Burkhardt, Dr. med. Friedrich, 
Augenarzt. 

Gymnasium, Königl. 

Kutter, Frau Gustav. 

Lochner, K., Geh. Baurath. 

Lucius, Geh. Commerzienrath. 

Stürcke, Hermann, Geh. Commer- 
zienrath. 

Erlangen. 

Penzoldt, Dr. F., Professor. 
Rosenthal, Dr. J., Professor. 
U niversitäts-Bibfiothek, Königliche. 
Vogel, Frau Professor Dr. W. 

Eutin. 

V. Beaulieu-Marconnay, Freiherr, 
Grossherzogl. Oldenburgischer 
Ober- Jägermeister. 

Finsterwalde i/Neumark. 
Rhode, Fräulein Anna. 

Flonheim (Rheinhessen). 
Knell, Dr. Karl, prakt. Arzt. 

Frankenthal (Rheinpfalz). 
Baum, W., Landgerichts-Director. 



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— ^ 34 **— 



Frankfurt a/M. 

Stadt Frankfurt a/M. 

Abendroth, Moritz, Buch- und 
Kunsthändler. 

Albert, Frau Elisabeth. 

Auerbach, Fritz. 

Baer, Simon Leopold, Buchhändler. 

Baerwald, Dr. Hermann, Realschul- 
Director. 

de Bary, Dr. med. Joh. Jacob, 
Sanitätsrath. 

Beil, Dr. med. W. 

Beit, Frau Eduard. 

Berghoeffer, Dr., Bibliothekar der 
Preiherrl. Carl v. Rothschild- 
schen öffentlichen Bibliothek. 

V. Bethmann, Freiherr Simon Moritz. 

Bibliothek des Freien Deutschen 
Hochstifts. 

Bibliothek der Polytechnischen Ge- 
sellschaft. 

Bibliothek, Frdherrl. Carl v. Roth- 
schildsche öffentliche. 

Braun, Landgerichts-Präsident. 

Braunfels, Otto. 

V. Brüning, Frau Dr. Clara. 

Bürgerverein. 

Burghold, Dr. Julius, Rechtsanwalt. 

Calm-Blumenthal, Heinrich, Kauf- 
mann. 

Carl, Dr. med. August. 

Cohnstaedt, Ludwig, Redacteur. 

Detloff, Adolf, Buchhändler. 

Dietz, Dr. Alexander, Rechtsanwalt. 

Dondorf, Bernhard, Rentier. 

Donner-v. Richter, Otto, Historien- 
maler. 

Dotter, Fräulein Doris. 

Dreyfus, Georges. 

Ehler, Frau Rosa. 

Eckhard, Fr. Dr., Ober-Landes- 
gerichtsraths-Wwe. 

Ehlers, Dr. R., Consistorialrath. 

EUissen, August. 

Emden, Heinrich. 

Flersheim, Robert. 

Frankfurter Zeitunc^ (Redaction). 

Friedländer, Dr. Adolph, Gerichts- 
assessor. 

Fries, Jacob, Infi;enieur u. Fabrikant. 

Funck, Carl, Kaufmann. 

Geifi^er, Dr. Berthold, Rechtsanwalt, 
Ifustizrath. 

Goldschmidt, Dr. jur., Hermann. 

Goldschmidt, Marcus Moritz, 
Bankier. 



Ki 



Frankfurt a/M. 

Günther, Ferdinand, Kunsthändler. 

Hahn, Louis Alfred, Bankdirector. 

Hammeran, Dr. phil. A. 

Hanau, Heinrich A. 

Herxheimer, Dr. med. S., prakt. 
Arzt, Sanitätsrath. 

Hochhut, Joh. D., Kaufmann. 

Hoffmann, Frau Dr. Therese, Geh. 
Sanitätsraths-Wwe. 

ung, Dr.phil. Rudolf^Stadtarchivar. 

unker, Hermann, Kunstmaler, 
ahn, Bernhard, Bankier. 

Kahn, Julius. 

Keyl, Georg Albert, 

Koch, Frau Anna Louise, geb. 
V. St. George. 

Koenitzer, Carl Wolfgang. 

Lentz, A. Professor. 

Lichtenstein, Leopold, Kaufmann. 

Liebmann, Dr., Landrichter. 

Lucius, Dr. Eugen. 

Maier, Gustav, Bankier. 

V. Marx, Ritter Ernst. 

V. Marx, Ritter Heinrich. 

May, Eduard Gustav. 

Mayerfeld, Anton, Kaufmann. 

Meister, Frau C. F. Wilhelm. 

Melber, Walter Wolfgang. 

Merton, W., Kaufmann. 

V. Mumm, P. H. 

Neher, Ludwig, ArchitccL 

Neumann, Dr. jur. Paul, Rechts- 
anwalt. 

Osterrieth, Eduard. 

Osterrieth-Laurin, August. 

Oswalt, Frau Wwe. Brandine, Ver- 
lagsbuchhändlerin. 

Oswalt, Dr. jur. H., Rechtsanwalt, 
Justizrath. 

Pfeiffer, C. W. 

Philippi, Fräulein Helene. 

Qpincke,Wolfgan^,Schauspielregis- 
seur der vereinigtenSudttheater. 

Rade, Dr. M., Pfarrer. 

Reinhardt, Dr. phil. Carl, Director 
des Goethe-Gymnasiums. 

Reitz & Köhler, Buchhandlung. 

Rosenmeyer, Dr. med. Ludwig. 

Rothschild, Aue^ust, Bankier. 

Rumpf, K., Bildhauer. 

Sachs, Dr. Otto, Rechtsanwalt. 

Sanct-Goar, Ludolph. 

Sauer, Julius, Kaufmann. 

Schmidt-Metzler, Dr. Moritz, Geh. 
Sanitätsrath. 



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-* 35 *- 



Frankfurt a/M. 

Scholderer, Dr. Emil, Director. 

Schölles, Frau Dr. Henriette, Sani- 
tätsraths-Wwe. 

Scholz, Dr. Bernhard, Professor. 

Schott, Sigmund. 

Siebert, Dr. jur. Jacob, Justizrath. 

Speyer, Georg Bankier. 

Stern, H., Redaaeur. 

Stern, Theodor, Bankier. 

Stiebcl, Dr. med. Fritz. 

Strasburger, P., Bankier. 

Textor, C. W. 

Trommer shausen, Dr. E., Ober- 
lehrer am Gymnasium. 

Valentin, Dr. Veit, Professor. 

Varrentrapp, Dr. A., Stadtrath. 

Völcker, Georg, Buchhändler. 

Vohsen, Dr. med. Carl. 

Weigert, Dr. Carl, Professor, Geh. 
Sanitätsrath. 

Weiss, Dr. Guido. 

Wohl, Jacques. 

Frankfurt a'O. 
Hoffmann, Paul Lehrer. 
Kempner, L., Kaufmann. 
Kühn-Schuhmann, Frau Antonie. 
Scheller, Fräulein Emilie. 

Freiberg i/S. 
Heisterbergk, Ulrich, Justizrath. 

Freiburg i/Br. 

Berg, Stud. phil. Otto. 

Bettler, Eugen, Fabrikant u. Kauf- 
mann. 

Kluge, Dr. F., Professor. 

Lorenz, Frau Major Margarethe. 

Manz, Dr. med. Otto. 

Meyer, C. M. Robert. 

Pfaff-Beringer, Otto. 

Rümelin, Dr., Professor. 

Schmitt, Dr. H., Professor. 

V. Simson, Dr. B., Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Grossher- 
zogliche. 

Weissenfeis, Dr. phil. Richard, 
Professor. 

Freiburg i/Schlesien. 
Realprogymnasium. 

Freienwalde a/0. 
QjLiedefeld,Dr. G., Professor, Gym- 
nasial-Oberlehrer. 



Friedberg (Hessen). 
Trapp, Carl, Fabrikbesitzer. 
Friedenau b/ Berlin. 
Paetow, Dr. phil. Walter, Schrift- 
steller. 
Raabe, Dr. phil. 

Fulda. 

Landesbibliothek, Ständische. 

Fürth i/ Bayern. 
Besels, Heinrich, Kaufmann. 
Türkheim, Leo. 

Geor^engarten b/Dessau. 
V. Ditfurth, Fräulein Else, Hofdame 
I. K. H. der Landgräfin v.Hessen. 

Gera (Reuss j. L.). 

GoUe, Rügold, Kaufmann. 

Gymnasial- und Landesbibliothek, 
Fürstliche. 

V. Meysenbug, Freiherr, Ober- 
Hofmarschall, Excellenz. 

Müller, Rudolf, Justizrath, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Schlotter, Dr. jur. Alfred, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Schrader, Dr. med., Augenarzt. 

Germersheim a/Rh. 
Klarmann, J., Major und Ingenieur- 
Offizier vom Platz. 

Gemabach i|B. 
Funck, Heinrich, Professor. 

Giesaen. 

Behaghel, Dr. Otto, Professor. 
Bock, Alfred, Schriftsteller. 
V. Bradke, P„ Professor. 
Collin, Dr. J., Privatdocent. 
Gaffky, Dr., Professor. 
Höhlbaum, Dr., Professor. 
Löhlein, Dr. med. Hermann, Pro- 
fessor. 
Oncken, Dr. Wilhelm, Professor. 
Schmidt, Dr. jur. Arthur, Professor. 
Siebeck, Dr. H., Professor. 
Strack, Dr. Adolf, Privatdocent. 
Universitäts-Bibliothek, Grossh. 
Wetz, Dr. Wilhelm, Professor. 

Bergisch-Gladbach. 

Zanders, Frau Marie. 

M.-Gladbach. 

duack, Wm., Commerzienrath. 



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— ♦ 36 



Gleiwitz. 

Winkler, Siegfried. 
Zuckerkand], V iaor. 

Glogau i/Scbl. 
Cohn, Frau Justizrath Caroline. 
Sachs, Leopold, Stadtrath (i/Fa. 
Sachs & Gellin). 

Glückstadt 

Gymnasium, Königliches. 

Godesberg b/Bonn. 
Frenhien, Frau Lucy, geb. Hoesch, 

Göppingen. 

Gutmann, Frau Fabrikant Bernhard. 

GorliU. 

Köhn, Dr. phil. Karl. 
Rörig, A., kgl. Eisenb.-Vcrkehrs- 
Inspector a. D. 

Gotha. 

Bibliothek des Gymnasium Emesti- 

num. 
Bibliothek, Herzogliche. 
V. Ebart, Freiherr P., Kammerherr. 
Ehwald, Dr. R., Professor. 
Fleischrnann, Julius. 
Gilbert, Dr., Professor. 
Purffold, Dr. K., Director des 

Herzoglichen Museums. 
Rohrbach, Dr. phil. Carl E. M., 

Gymnasiallehrer. 
Schwarz, Dr. med., prsdct. Arzt. 

Gottingen. 

Coehn, Dr. phil. Alfred. 
Dihhey, Dr. Karl, Professor. 
Droysen, Dr. med. Felix, Professor 

und prakt. Arzt. 
Ehlers, Dr., Professor. 
Frensdorflf, Dr. F., Professor, Geh. 

Justizrath. 
Hentze, Dr. Kr., Professor. 
Lehmann, Professor Max. 
Leo, Dr. F., Professor. 
Lexis, Dr., Professor. 
Röthe, Dr., Professor. 
Schulze, Dr. W., Professor. 
Schwalm, Dr. phil. J. 
Seminar, Königliches, für deutsche 

Philologie. 
Universiiäis-Bibliothek,Königliche. 
Wildhagen, Dr., Rechtsanwalt. 



Greifenateiii ob/Bonnland. 
V. GIeichen>Russwurm , Freiherr 
Alexander, Kgl. bayr. Kammer- 
junker. 

Greifswald. 

Bibliothek des germanistischen Se- 
minars. 
Heimann, Oskar. 
Maas, Dr. E., Professor. 
Reifferscheid, Dr. A., Professor. 
Rewoldt,Dr.,Rechtsanwalt u.Notar. 
Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Grei& 

Stier, Paul, Geh. Reg.-Rath. 

Grimma b/Ldpzig. 
Fürsten- und Landesschule. 

Groeealsieben (Anhalt). 
Exter, Pastor. 

Grosskarben (Hessen). 
V. Leonhardi, Freiherr Moritt, Guts- 
besitzer. 

Gross-Lichterfelde b/Berlin. 
Böckh, Dr. R., Professor, Geh. 

Reg.-Rath. 
Booth, Fräulein Esther. 
Delbrück, Heinr., Landgerichtsrath. 
Tafft, Rechtsanwalt. 
Kekule von Stradonitz, Dr. Stephan. 
Marcus, Frau Paul. 
Minde-Pouet, Dr. phil. Georg. 
Müller, Paul, Gymnasialoberlenrer. 
Quincke, Walter, Kaufmann. 
Rothstein, Dr. Max, PrivatdocenL 
Rudorff, Ernst, Professor an der 

Kgl. Hochschule für Musik. 
Schuwrt, Dr. phil. Toh. 
Schwarz, Director Arthur. 
Sommerfeld, Otto, Fabrikbesitzer. 

Grunewald b/Berlin. 
Bamstorff, Frau Wwe. D. 
Grandke, WirkL Geh. Ober-Finanz- 
rath. 

Guben. 
Driese, Emil, Kaufmann. 

Gumbinnen (Ostpr.). 
Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Hecht, Dr. phil. Max, G3minasial- 

Oberlehrer. 
Lewald, Dr. Otto, Regierungsrath. 



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— * 37 *— 



Gundelsheini b/Gunzenhausen. 
Putz, Karl, Pfarrer. 

Hagenau i/£lsass. 
Brodrück, Georg, Major. 

Haggn (Schloss) b/Bogen a/Donau. 
V. Schrenk, Freiherr Leopold, Kgl. 

bayr. Hauptmann a. D. und 

Rittergutsbesitzer. 

Hainholz (vor Hannover). 
Seeligmann, Sigmund, Fabrikant. 

Halberstadt. 

Zimmer, Frau Rittmeister. 

Hcdensee b/ Berlin, 
de Gruyier, Albert. 
Mauthner, Fritz, Schriftsteller. 
Servaes, Dr. phil. Franz. 

HaUe a/S. 
Bertram, Frau Constanze, Ober- 

bürgermeisterswittwe. 
Bethke, L., Bankier. 
Bibliothek des Stadtgymnasiums. 
Burdach, Dr. Konrad, Professor. 
Deetjen, Stud. phil. Carl. 
Erdmann, Dr. H., Privatdocent. 
Franke, Fräulein Marie. 
Fränkel, Dr. Carl, Professor. 
Friedberg. Dr. R., Professor. 
V. Fritsch, Dr. K., Professor. 
Genzmer, Dr. A., Professor. 
Goeschen, Assessor. 
Gosche, Fräulein Agnes. 
Gräfe, Dr. A., Professor, Geh. 

Medicinalrath. 
Grenacher, Dr. H., Professor. 
Gründiff, A., Administrator der 

Bucüdruckerei d. Waisenhauses. 
Hamack, Dr. Erich, Professor. 
Hartwig:, Dr. O., Geh. Rath, Ober- 

bibliothekar. 
Haym, Dr. R., Professor. 
Hesslcr, Dr. H., Privatdocent 
Hiller, Frau Professor Dr. E. 
Kohlschutter, Dr. E., Professor. 
Kraus, Dr. Gregor, Professor. 
Kühn, Dr. J., Geh. Reperungsrath. 
Lehmann, Heinrich, Bankier. 
Leser, Dr. Edmund, Privatdocent. 
v.Lippmann, Dr. Edmund, Director 

aer Zuckerraffinerie. 
Lothholz, Dr., Professor, Gym- 

nasialdurector a. D. 

Gobthe.Jaurbcch XVIII. 



Halle a/S. 

Meier, Dr. phil. John. 

Mekus, Dr., Arzt. 

Nickel, M. Philipp, Kaufmann. 

Niemeyer, Fräulem Marianne. 

Niemeyer, Dr. Max, Verlagsbuch- 
händler. 

Pott, Dr. jur. R., Professor. 

Robert, Dr. Karl, Professor. 

Ross, Frau Professor Emma, geb. 
Schwetschke. 

Saran, Dr. phil. Franz. 

Schlieckmann, Geh. Justizrath. 

Schmeitzer, Geh. Ober-Finanzrath. 

Schulze, August, Director der 
Zuckerraffinerie. 

Schwarz, Dr. E., Professor. 

Sievers, Dr. E., Professor. 

Strauch, Dr. Philipp, Professor. 

Universitäts-Bibliotnek, Königliche. 

Vaihinger, Dr. H., Universitäts- 
Professor. 

V. Voss, Fräulein Elisabeth. 

Wagner, Dr. Albrecht, Professor. 

Welcker, Dr. H., Professor, Geh. 
Medicinalrath. 

Hamburg. 

Arndt, Oskar (i/Fa. Arndt & Cohn). 

Behn, Dr. jur. Hermann. 

Behrmann, Sen. G.D. theol., Haupt- 
pastor. 

V. Berenberg-Gossler,John,Bankier. 

Berkefeld, O. 

Bertheau, D. theol. Carl, Pastor. 

Brackenhoeft, Dr. jur. E., Rechts- 
anwalt. 

Bülau, Dr. med. Gotthard. 

V. Dehn, Dr, jur. Adolf Axel, 

Duncker, Ricnard. 

Elkan, Ed. Ferdinand. 

Fertsch, F. (i/F. Fertsch & Laeisz). 

Gerstenberg, Dr. phil. Heinr., Ober- 
lehrer. 

Gloede, Dr. phil. Hermann. 

Goldschmidt, Dr. phil. Adolf. 

Gräfe, Lucas, Buchhändler. 

Groothoff, H., Architekt. 

Grüner, Dr. Th. W. 

Hahn, Emil. 

Hartmann,Dr. jur. K.,Rechtsanwalt. 

Hertz, Dr. G., Senator. 

Heylbut, Dr. phil. G. 

Hinrichsen, Siegmund, stellv. Vor- 
sitzender der Handelskammer. 

Hottenroth, Hans, General-Agent. 

Hotzel, Dr. med. A. 

25 



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38 ♦— 



Hamburg. 

Kiehn, Heinrich. 

Koehne, Ernst, Kaufmann. 

Köster, Paul, Kaufmann. 

Kreusler, Fräulein L. 

Lehmann, Frau Dr. Emiir 

Levy, Dr. H. B. 

May, Anton. 

Meissner, jun., Otto, Buchhändler. 

Merschberfi^er, Dr. G., Professor. 

Metz, Adolf, Lic. theol., Professor 
am Tohanneum. 

Mönckeberg, Dr. Rudolf. 

Newman, Fräulein Julie. 

Oehrens, Dr. med. Wilhelm. 

Oppenheim, Emil. 

Oppenheim, Frau Marie. 

Petersen, Rudolf, Director. 

Pflüger, Dr. M. 

Rebattu, Dr. Alb., Pastor zu St. 
Gertrud. 

Redlich, Dr. C, Director der 
höheren Bürgerschule. 

Rosenhagen, Dr. phil. Gustav, 
Oberlehrer. 

Rudolph, G. A., Buchhändler. 

Sasse, Wilhelm. 

Scharlach, Dr. jur., Advokat. 

Schiff, Fräulein Jenny. 

Schroeder, Dr., Senator. 

Schwabach, Frau Reg.-Rath Hen- 
riette. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm. 

Sohle, Dr. jur. Martin. 

Sokolowsky, Dr. phil. Rudolf. 

Sporri, Dr. H., ev. Prediger. 

Stadtbibliothek. 

Stemann, Dr., Landgerichtsdirector. 

Suse, Dr. Theodor. 

Thöl, Dr., Oberlandesgerichtsraih. 

Warburg, Aby S. 

Warburg, Siegmund Rudolf. 

Weisser, Dr., Kgl. preuss. Stabsarzt. 

Wentzel, Dr. Wilh. Joh. 

Wohlwill, Dr. Adol^ Professor. 

Wolffson, Dr. A. 

Hamm i/Westf. 
Beneke, Prof. Dr., Director des 

Kgl. Gymnasiums. 
Gymnasium, Kgl. 
Hanow,Oberlandesgerichts-Senats- 

Präsident. 

Hanau a/M. 
Osius, Rechtsanwalt und Notar, 
Justizrath. 



Hannover. 

V. Bennigsen, Rudolph, Ober- 
präsident, Excellenz. 

Graeuel, v. Graetz, Dr. P., Ober- 
lehrer. 

Hüncke, Herm., Kaufmann. 

Juncken, Frau Johanna, geb. Maudt. 
!eyer, Erich, Gymnasial - Ober- 
lehrer. 
Ratjen, Adolf, Landgerichtsdireaor. 
Schaefer, H. Professor, Gymnasial- 

Director. 
Schläger, Dr. med. Hermann. 
Schmorl u. v. Seefeld, Nachf., Buch- 
händler. 
Spiegelberg, Frau Elsbeth, geb. 

Frank. 
Wülbern, Senator. 

Harzburg a/Harz. 
Grundner, Dr. F., Forstrath. 

Hattenheim. 
Wilhelmy, A., Procurator. 

Heidelberg. 

Abbott, Frau Dr. 

Braune, Dr. W., Professor. 

Buhl, Dr. H., Professor. 

Erb, Dr. Wilhehn, Professor, Geh. 
Rath. 

Erdmannsdörffer, Dr. B., Professor. 

Fischer, Dr. Kuno, Professor,Wirkl. 
Geh. Rath, Excellenz. 

Fürst, Dr., Rechtsanwah. 

Gegenbauer, Dr. Karl, Professor, 
Geh. Rath. 

Germanisch-Romanisches Seminar 
an der Universität. 

Groos, Karl, Buchhändler. 

Hausrath, Dr. Adolf, Professor, 
Kirchenrath. 

Hoffmeister, H., Lederfabrikant. 

V. Holle, Baron. 

Knaps, Fräulein Anna. 

Koenler, Dr. Karl, Professor. 

V. Lilienthal, Dr. Carl, Professor. 

Meyer. Dr. jur. G., Professor, 
Hofrath. 

Meyer, Dr. V., Professor. 

Meyer v. Waldeck, Dr. F., Pro- 
fessor der Universität, Hofrath, 
KaiserL russ. KoUegienrath. 

Petters, Otto, Buchhändler. 

Rohde, Dr., Professor, Geh.Hofrath. 

Scholl, Dr. F., Professor. 

Schwinger, Richard, Privatmann. 



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— ♦ 39 *- 



Heidelberg. 

Universitäts-Bibliothek, Grossher- 

zofi^lich Badische. 
V. Waldberg, Freiherr, Dr. Max, 

Professor an der Universität. 
Wunderlich, Dr., Professor. 
Zweig, Dr. Egon. 

Heidenheim. 

Meebold , Frau Commerzienrath 
Natalie. 

Heilbronn. 

Harmonie- Gesellschaft. 

Heinrichau b/Breslau. 
Eberhardt, Julius, General director. 
Gottwald , Superintendent und 
Schlossprediger. 

Heinrichsdorf b/ Wilhelmsfelde 
(Reg.-Bez. Stettin). 
Lenke, Fräulein Jenny. 

Hild burghaueen. 

V. Petrovics, Paia. 

Hildeeheim (Hannover), 
von Gneist, Regierungs-Assessor. 
Schiefler, Gustav, Landgerichtsrath. 

Hoerde (Westf.). 
Vohwinkel, Dr. med. Karl, prakt. 
Arzt. 

Hofgeismar b/Cassel. 
V. Wittich, Frau Luise. 

Hohenfiohte (Sachsen). 
flauschild,Max E.,Commerzienrath. 

Hohen-Pähl, Schloss b/Wilshofen 

(Oberbayern). 
Czermak, Ernst, Gutsbesitzer. 

Hasnm (Schleswig-Holstein). 
Tönnies, Fräulein Elisabeth. 

Jena. 

V. Bardeleben, Dr. K., Professor. 
Delbrück, Dr. B., Professor. 
Devrient, Dr. phil. H. 
Eggeling, Dr. H., Geh. Staatsrath, 

Curator der Universität. 
Eichhorn, Dr. med. Gustav, prakt. 

Arzt, 
Eucken, Dr. R., Professor, Geh. 

Hofrath. 



Jena. 

Fischer, Dr. G.,Verla^sbuchhändler. 
Fürbringer, M., Professor, Hofraüi* 
Genthe, Theodor, Lehrer. 
Gille, Dr., Geh. Hof- und Justizrath. 
Götz, Dr., Professor. 
Haeckel, Dr. Ernst, Professor. 
Hallgarten, Fräulein. 
Kniep, Dr., Professor. 
Knorr, Dr. L., Professor. 
Leitzmann, Dr. Albert, Privatdocent 

an der Universität. 
Lemcke, Ernst, Candidat des höh. 

Schulamts. 
Liebenam, Dr. W., Professor. 
Liebmann, Dr. Otto, Professor, 

Hofrath. 
Lorenz, Dr. O., Professor. 
Merian-Genast, Dr. Hans. 
Michels, Dr. Victor, Professor. 
Rausch, Dr. Alfred, Gymn.-Lehrer. 
Richter, Dr. G., Gymnasialdirector, 

Geh. Hofrath. 
Rosenthal, Dr. Eduard, Professor. 
Schlösser, Dr. Rudolf, Privatdocent. 
Stichling,Carl, Oberlandesgerichts- 

rath. 
Stoy, Dr. Heinrich, Privatdocent. 
Sloy, Dr. Stephan, Privatdocent. 
Türk, Dr. phil. Hermann. 
Universitäts-Bibiothek. 
v. Vogel- Fromannshausen, Frau 

Anna, k. k. Regierungsraths- 

u. o. ö. Professors- Wittwe. 
Walter,Dr.phil.Johannes,Professor. 
Wilhelm, Dr. Eugen, Professor. 

Illenau b/Achem. 
Schule, Dr. H., Geh. Hofrath. 

Ilmenau. 

»Gemeinde Gabelbach«, Gesell- 
schaft. 

Insterbnrg. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Isselburg b/Wesel. 
Nering-Bögel, G., Kgl. Commer- 
zienrath. 

Itxehoe. 

Claussen, Dr. med., Sanitätsrath. 

Kappeln (Schleswig-Holstein). 
Thomsen jun., Dr. med. Julius, 
prakt. Arzt. 

25» 



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— ► 40 *— 



Karlsruhe i/B. 

Arnsperger, Dr. phil. Walther. 

Bernays, Frau Professor Dr. 

Bielefeld, Jos., Verlagsbuchhändler, 
K. K. österr.-ungar. Consul. 

Blankenhcrn, Dr. Adolf, Professor. 

Boeckh, Stadtrath. 

Bürklin, Frau Dr. A. 

V. Chelius, Rieh., Geh. Kabinets- 
rath, Kammerherr. 

V. Edelsheim, Freiherr, Grossh. bad. 
Obersthofmeister, Excellenz. 

V. Eisendecher, Frau, geb. Freiin 
V. Eickstedt, Excellenz. 

Eller, Dr. Carl, Oberlandesgerichts- 
rath. 

Ettlinger, Fräulein Anna. 

von und zu Gemmingen, Freiherr, 
Oberstkammerherr, Excellenz, 

Göller, L., Ministerialrath. 

Hauck, Dr. Carl. 

Hauser, Joseph, Grossh. badischer 
Kammersänj^er. 

Hof-Landesbibliothek, Grossh. 

Liebermann, Gustav (i/Fa. A. Biele- 
felds Hofbuchlandlung). 

Mainzer, Fräulein Helene. 

Ministerium der Justiz, des Kultus 
und Unterrichts. 

Molitor, Fräulein Fanny. 

V. Oechelhäuser, Dr. A., Professor 
am Polytechnicum. 

Ordenstein, Heinrich, Director des 
Conservatoriums für Musik. 

Regensburger, Dr. Leopold, Rechts- 
anwalt. 

RofFhack, Dr.jur., Geh. Reg.-Rath. 

Schnorr von Carolsfeld, Frau Mal- 
vina, königl. bayr. Kammer- 
sängerin. 

Seubert, Emil, Ministerialdirector. 

Weill, Dr. Fr., Rechtsanwalt. 

Weltzien, Alexander. 

Wendt, Dr. Gustav, Geh. Hofrath. 

Kehl a/Rh. 

Gernand, Dr. phil. Cas., Lehr- 
amtspraktikant. 

Kerpen b/Cöln. 
Wenzel, Amtsrichter. 

Kessenich. 

Schlieper, Frau Gusuv. 



KieL 

Gering, Dr. H., Professor. 

Kauffmann, Dr. Fr., Professor. 

Krofiinann, Ernst, Gerichtsassessor. 

Mattnaei, Dr., Professor. 

Mühlau, Dr. F., Professor. 

von Müller, Stud. phil. Hans. 

Niepa, Alexander, Chefredacteur. 

Rogge, Frau Clara, geb. Plantier. 

RossDach, Dr. O., Professor. 

Scheppig, Dr. phil. Richard, Pro- 
fessor, Oberlehrer. 

Schlossmann, Dr., Professor. 

Schöne, Dr. Alfred, Professor, Geh. 
Rath. 

Stange, H., Professor. 

Toeche, Paul, Hofbuchhändler. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

WolfF, Dr. Eugen, Professor. 

Kirohheimbolanden (Rheinpfalz). 
Bibliothek der Kgl. Lateinschule. 
Moschel, R., Königl. bayr. Rent- 
amtmann. 

Klein-Oels b/Ohlau i/Schlesien. 
Yorck V. Wartenburg, Graf Hans. 
Yorck V, Wartenburg, Graf PauL 

Klein-Säaewitz b/Kattem 
(Reg.-Bez. Breslau). 
Lewald, Georg. 

Kohlhohe b/Gutschdorf (Schles.). 
V. Richthofen-Damsdorf, Freiherr, 

Ober-Reg.-Rath. 

Königsberg i/Pr. 

Alscher, Dr. Walter, Rechtsanwalt. 

Baumgart, Dr. Hermann, Professor. 

Bibliothek der städtischen Real- 
schule. 

Bibliothek des Altstädtischen Gym- 
nasiums. 

Bibliothek des KneiphöfischcnGym- 
nasiums. 

Bibliothek des Realgymnasiums auf 
der Burg. 

Bibliothek des städtischen Real- 
gymnasiums. 

Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Brode, Max, Dirigent der Kgl. 
Sinfonie-Konzerte. 

Dittmer, Geh.Ober-Regierungsrath. 

Frohmann, Dr. med. Julius, prakt. 
Arzt. 



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— ♦ 41 *- 



Königsberg i/Pr. 

Goldberg, Julius, Bankier, Consul. 

Gruenhagen, Dr., Professor, Ge- 
heimrath. 

Güterbock, Dr. jur., Professor, 
Geheimrath. 

Gyssling, Robert, Rechtsanwalt. 

Königl. u. Universitäts-Bibliothek. 

Lehnen, Dr. phil. Max, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Rümpler, Alex, Redacteur. 

Samuel, Dr., Professor. 

Schön dörffer, Dr. Otto, Gymnasial- 
lehrer. 

Simon, Frau Rittmeister Marie, geb. 
Burchardt. 

Stern, Frau Dr. A^nes,geb. Wiehler. 

Teppich, Frau Emil. 

Töcnterschule, städtische höhere. 

Vogel, Rudolf, Rechtsanwalt. 

Schloss Konitz i/Thüringen. 
Reiss, Dr.Wilhelm, Geh. Reg.-Rath. 

Konstanz. 
Brandes, Wilhelm, Bankdirector. 
Fischer, Dr. med. Gg., Hofrath. 
Mülberger, Dr. F. 
Ottendörfer, Dr. Hermann, Land- 

gerichtsrath. 

Bad Kosen. 

Schütze, Dr. med. Carl. 
Kowanöwko b/Obornik (Posen). 
Lewald, Dr., leitender Arzt der 

Privat- Heilanstalt für Nerven- 

und Gemüthskranke. 

Krotoschin (Posen). 
Bibliothek des Kgl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Kusel (Rheinpfalz). 
Heydel, J., Kgl. Regierungsrath. 

Lahr i/Baden. 
Stadtbibliothek. 

Landau (Pfalz). 
Zahn, August,Kgl.Landgerichtsrath. 

Landeshnt i/Schlesien. 
Realgymnasium. 

Langenburg (Württemberg), 
zu Hohenlohe -Langenburg, Frau 
Fürstin Leopolcfine, Grossher- 
zogliche Honeit 



Lauban i/ Schlesien. 
Wissenschaftlicher Verein. 

Legefeld b/Weimar. 
Reusse, Rudolf, Pfarrer. 

Leipzig. 

Abraham, Dr. Max, Verlagsbuch- 
handler. 

V. Bahder, Dr. Karl, Professor. 

Baur, Fräulein Marie. 

Beer, Dr. Rudolph, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Berlit, Geor^, Professor. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Bibliothek des Nikolaigymnasiums. 

Bibliothek des Thomasgymnasiums. 

V. Biedermann, Freiherr F. W., 
Verlagsbuchhändler. 

Binding, Dr. Karl, Professor. 

Borchers, Bodo, Hofopemsänger 
a. D., Gesangslehrer. 

Brockhaus, Dr. Eduard, Verlags- 
buchhändler. 

Brockhaus, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

Brugmann, Dr. Oskar, Oberlehrer 
am Nikolaigymnasium. 

Curschmann, Dr. med., Professor, 
Geh. Medicinal-Rath. 

Degenkolb, Dr., Professor. 

Dix, Paul, Rechtsanwalt. 

Dodel, jun., Friedrich Wilhelm, 
Kaufmann. 

Doering, Dr. B., Professor, Gym- 
nasial-Oberlehrer. 

Dolega, Dr. med. Max. 

Dürr, Alphons, Stadtrath. 

Dürr, Dr. Alphons, Buchhändler. 

Eelbo, Bruno, Baurath. 

Elster, Dr. Ernst, Professor an der 
Universität 

Förster, Dr. med. Fritz. 

Fränkel, Dr. Albert, Schriftsteller. 

Friedberg, Dr. Emil, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Geibel, Frau Leonore, geb. Weisz. 

Geibel, Frau Marianne. 

Gensei, Dr. jur. Julius, Secretär 
an der Handelskammer. 

Georgi, Dr., Rechtsanwalt. 

Giesecke, Herm. F. (Firma Giesecke 
& Devrient). 

Goetz, Ernst Ferdinand. 

Goetze, Fräulein Auguste, Kammer- 
sängerin. 



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— <♦ 42 ♦— 



Leipzig. 

Haarhaus, Julius R., Redacteur und 
Schriftsteller. 

Haessel, H., Verlagsbuchhändler. 

V. Hahn, Frau. 

V. Hase, Dr. Oskar, Verlagsbuch- 
händler. 

Heinemann, Dr. phil. Karl. 

Heinichen, B., Königl. Stations- 
Assistent. 

Herbst, Günther, Kaufmann. 

Hering, Stud. phil. Robert Eugen. 

Hildebrand, Dr. phil. Rudolf, Rcal- 
schul-Oberlehrer. 

Hirzel, H., Verlagsbuchhändler. 

V. Holstein, Frau Hedwig. 

Institut, bibliographisches. 

Junck, Dr. jur., Rechtsanwalt, 
ungmann, Dr., Professor, Rector 
zu St. Thomae. 

Kayser, Dr. Paul, WirkL Legations- 
Rath. 

Kettembeil, Dr. jur. Johannes, 
Landrichter. 

Kinkel, Walter. 

Köhler, K. F., Buchhändler. 

König, Wilhelm. 

Krehl, Dr. Ludolf, Professor, Geh. 
Hofrath. 

Lange, Dr. Robert. 

Leskien, Dr. A., Professor. 

Liebisch, Bernhard, Buchhändler. 

Limburger, Rechtsanwalt. 

Lipsius, Dr. Hennann, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Lorentz, Alfred, Buchhändler. 

Loewenstein, Dr., Senats-PräsidenL 

Meyer, Friedrich Heinrich, Buch- 
händler und Antiquar. 

Meyer, Georg Heinnch, Verlags- 
buchhändler. 

Müller, Dr. jur. Carl Otto, KgL 
Sachs. Geh. Rath, Professor. 

Nachod, Frau Consul Marie. 

Pfalz, Dr. Franz, Professor, Director 
der Realschule. 

Prüfer, Dr. jur. u. phil, Arthur, 
Privatdocent. 

Reisland, O.R.,Verlagsbuchhändler. 

Ribbeck,Dr.O.,Professor,Geh.Rath. 

Romberg, E. L., Geh. Justizrath. 

Rost, Adolph, Buchhändler (J. C. 
Hinrichs'sche Buchhandlung). 

Scheibner, Dr. Wilhelm, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Schmidl, Stud. phil. Josef Wendelin. 



Leipzig. 

Schmidt, Cand. jur. Reinhard Bruno. 
Schneider, Dr. Arthur, Professor. 
Schneider, Carl, Kaufmann. 
Schulz, Hermann, Buchhändler. 
Schunck, Fräulein Cornelia. 
Schuster, Dr. phil. Hermann, In- 

stitutsdirector. 
Schwabe, FrauSusanne,geb.Klemm. 
Schwarz, H., Reichsgericntsratha.D. 
Seelig, Dr. Justizrath, Rechtsanwalt 

beim Reichsgericht. 
Seemann, Arthur, Verlagsbuch- 
händler. 
Seminar, Köni^l. Deutsches. 
Simon, Dr. jur. Gustav Wilhelm, 

Rechtsanwalt. 
Simon, Frau Stadtrath Hedwig, 

geb. Simon. 
Stadtbibliothek. 
Staegemann, M., Director des 

Stadttheaters. 
Steffen, Dr. Georg, Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Stumme, Cand. med. Emmrich 

Gerhard. 
V. Tauchniu, Bernhard, Freiherr, 

Verlagsbuchhändler. 
Titze, Adolf, Verlagsbuchhändler. 
Tröndlin, Dr., Bürgermeister. 
Universitäts-Bibliothek, Kgl. 
Voerster, Alfred, Buchhändler. 
Voerster, Karl, Buchhändler. 
Vogel, Dr. Julius, Custos am städt. 

Museum. 
Voigt, Dr. phil, Hans, Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Volkelt, Dr. Johannes, Professor. 
Wagner, Franz, Commerzienrath, 

Stadtrath. 
Wamer, Dr. med. Paul, Privat- 
docent. 
Walter, Geh. Ober-Postrath. 
Warburg, Stud. agr. Georges S. 
Weber, Dr. phil. Robert. 
Wendland, Dr. jur., Handels- 

kammersecretär. 
Wiesand, Dr. jur., Kaiserl. Reichs- 

gerichtsrath. 
Windscheid, Fräulein Dr. Käthe. 
Witkowsky, Dr. Georg, Professor. 
Wülker, Dr. Richard, Professor. 
Wundt, Dr. Wilh., Professor. 
Zarncke, Dr. Eduard, Professor. 
Zschiesche Nachf., (Georg Müller), 

Buchhändler. 



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—^ 43 ^r— 



Liegnitx. 

V. Lüdinghausen -Wolff, Baron, 
Oberstlieutenant, Commandeur 
des Grenadier-Regiments König 
Wilhelm I. No. 7. 

Rawitscher, Frau Assessor. 

Lindau i/B. 
Brüller, Max, KgLBezirks-Thierarzt, 

Linden b/Hannover. 
Bibliothek des Königl. Kaiserin 
Augusta-Victoria-Gymnasiums. 
Grasshof, Dr., Gymnasialdirector. 
Haase, Frau Helene. 
Laporte, Rechtsanwalt. 

Lobejün (Saalkreis). 
Matzdorff, Dr. Hans, prakt. Arzt. 

Löoknit2 (Pommern). 

V. Eickstedt - Peterswaldt , Frau 

Gräfin, geb. v. Eisendecher. 

Lübben (Niederlausitz). 
Schneider, Florentin, Landesbestall- 
ter der Niederlausitzer Stände. 

Lübeck. 

Achilles, Dr. E., Rechtsanwalt. 

Curtius, Frau Senator Dr. 

Fehling, Dr., Senator. 

Hoffmann, Dr. Paul, Director der 
Ernestinenschule. 

Pabst, Dr. jur. Gustav. 

Schillerstiflunp, Lübeckische. 

Stooss, Dr. jur. Alfred, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Ludwigslust. 

Schaumkell, Ernst, Lic. theol. 

Lüneburg. 

Frederich, Otto, Hofweinhändler. 
Gravenhorst, K., Justizrath. 

Lyok (Ostpreussen). 
Dembowski, Dr. Johannes, Ober- 
lehrer. 
GjTTinasium, Königliches. 
Wiebe, Emil, Buchhändler. 

Magdeburg. 

Aefner, Hermann, Kaufmann. 
Aufrecht, Dr. 

Bemdt, R., Director der Magdeb. 
Feuer- Vers.-Gesellschaft. 



Magdeburg. 

Flitner, Dr. med.Fritz, Assistenzarzt. 

Glatte, Elly, Lehrerin. 

Grünhut, Dr. Leo, vereid. Gerichts- 
Chemiker. 

Hindenburg, Frau Carl, geb. Rei- 
mann. 

Hürse, K., Königl. Musikdirector. 

Kawerau, Waldemar, Redacteur 
der Magdeb. Zeitung. 

Liebau, Frau Hermann. 

Sträter, Dr. phil. E., Oberreal- 
schullehrer. 

Trosien, E., Geh. Reg.- und Pro- 
vinzialschulrath. 

Waetzoldt, Prof. Dr.,Kgl. Regier.- 
u. Schulrath. 

Mainz. 

Feldheim, C. F., Geh. Commer- 

zienrath. 
Heidenheimer, Dr. phil. Heinrich. 
Scholz, Carl (Firma Jos. Scholz). 
Schultheis, Albrecht. 
Stadtbibliothek. 

Mannheim. 

Bibliothek, öffentliche. 
Darmstaedter, Dr., Rechtsanwalt. 
Diffen^, Dr. K. 
Hecht, Dr. Felix, Geh. Hofrath, 

Bankdirector. 
Hirsch, Emil. 
Hirsch, Louis, Kaufmann. 
Kahn, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 
Köhler, Martin, Kaufmann. 
Ladenburg, Frau Commerzienrath 

Ida. 
Lenel, Alfred, Kaufmann. 
Loewe, M. (Firma Loewe & Eschell- 

mann). 
Mathy, Johann Wolfgang. 
Reimann, Frau Dr. Clara, geb. 

Diffen^. 
Reiss, Fräulein Anna. 
Reiss, Karl, General-Consul, 
Staudt, Dr. med. J., prakt. Arzt. 
Thorbecke, Julius, Fabrikant. 

Marburg i/Hessen. 

Cohen, Dr. H., Professor, 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Gymnasium, Königliches. 

Hess, Dr. Carl, Professor, Augen- 
arzt. 



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— *^ 44 44— 



Marburg i/ Hessen. 
Kochendörffer, Dr. Karl, Biblio- 
thekar. 
Köster, Dr. Albert, Professor. 
Kühnemann, Dr. phil., Privatdocent 
Rathke, Dr., Professor. 
Schröder, Dr. Eduard, Professor. 
Souchajj, C. C, Gutsbesitzer. 
Universitäts-Bibliothek, Kgl. 
Wenck, Dr. C, Professor. 
Wilbrandt, Dr. Adolf. 

Marklissa. 

Kauffmann,Wilhelm,Fabrikbesitzer. 
Markowitz (Provinz Posen). 

V. Wilamowitz-Möllendorf, Frei- 
herr, Kgl. Kammerherr, Ober- 
präsident d. Prov. Posen, Excell. 

Maulbronn i/ Württemberg. 

Palm, Aug., Professor, Ephorus 

des theologischen Seminars. 

Meerane i/S. 
Scheiu, Dr. Emil, Apotheker. 

Meesendorf b/ Backschütz 
(Schlesien). 
Waldersee, Frau Gräfin Helene, 
geb. V. Wilamowitz-Möllendorf. 

Meinin^en 

(Sachsen-Memingen) . 

Baumbach, Dr. Rudolf, Hofrath. 

Kircher, Dr., Geh. Regierungsrath. 

V. Koelichen, Oberst z. D. 

Lindau, Dr. Paul, Intendant des 
Hoftheaters. 

Martiny, Fr., Eisenbahn-Maschinen- 
Ingenieur. 

Wüllner, Dr. Ludwig, Herzogl. 
Meining. Hofschauspieler. 

Meissen. 

Bibliothek der Kgl. Fürsten- und 
Landesschule. 

Memel. 

Bibliothek der höheren Töchter- 
schule. 

Friede, Fräulein Lucie. 

Gymnasialbibliothek, Kgl. 

Halling, Director der höheren 
Töchterschule. 

Valentin, Richard. 

Merseburg. 

Barth, Frau Generaldirector. 



Metz. 

Neuffer, Dagobert, Director des 
Stadttheaters. 

Mülhausen i/Elsass. 

Kesmer, Dr. Hermann, San.-Rath. 
Muhrau b/Striegau i/Schl. 

V. Kramsta, Fräulein Marie. 
München. 

Ackermann, Theodor, Kgl. Hof- 
buchhändler. 

Bernstein, Max, Schriftsteller. 

Bittmann, Friedrich. 

V. Bodman, Freiherr J. Ferd., 
Grossh. Bad. Gesandter. 

Bronsart v. SchellendorfF, Kam- 
merherr, Wirkl. Geh. Rath, Exe 

V. Bürkel, Ludwig, Kgl. Bayer. 
Ministerial-Director. 

Cornelius, Dr. C. A., Professor. 

Cornelius, Dr. phil. Carl. 

v. Dursy, Kaiserl. Ministerialrath. 

Dyck, Ör. Franz, prakt. Arzt. 

Efler, Frau Henriette, Oberhof- 

ferichts-Advocatenwittwe, 
ndrich, H. A., Amtsrichter a. D. 

Fiedler, Frau Dr. Conrad. 

Fraenkel, Dr. Ludwig, Hochschul- 
Docent und Realschullehrer. 

Fulda, Dr. Ludwig, Schriftsteller. 

v. Gietl, Ritter Max, Ministerialrath. 

Göppinger-Meebold,Frau Adelheid. 

Gottnelf, Cand. phil. Fritz. 

Grätz, Dr. Leo, Universitäts-Pro- 
fessor. 

Haaser, Ernst, Journalist. 

Hanfstängl, Edgar, Hofrath. 

v. Hausmann, Frau Justizrath Dr. 
Betty. 

von der Hellen, Dr. Eduard. 

Hertz, Dr. Wilhelm, Professor. 

Heyse, Dr. Paul. 

Hot- und Staatsbibliothek, Kgl. 

Kappelmeier, Georg, Brauerei- 
Director. 

Lehner, Johann, Director der Bayer. 
Notenbank. 

Lehrerbibliothek, Städtische. 

Levi, Hermann, K. Generalmusik- 
Director. 

V. Marogna, Graf. 

V. Marogna, Gräfin Angela, Hof- 
dame I. K. Hoheit der Frau 
Herzogin Carl Theodor in 
Bayern. 



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-* 45 *- 



München. 

V. Mayer, Dr. Carl, Kgl. Staatsrath. 

Muncker, Dr. Franz, Professor. 

V. Naegeli, Frau Professor Henriette. 

Oberhummer, Roman. 

Oelschläger, Dr. phil. Hermann. 

Oertel, Cand. phil. Heinrich. 

V. Oettingen, Frau M. 

Oldenbourg sen., R., Verlagsbuch- 
händler. 

Pallmann, Dr. phil. Heinrich. 

Paul, H., Professor. 

V. Perfall, Freiherr, General-Inten- 
dant der Königl. Hofmusik, 
Excellenz. 

Qjiidde, Dr. phiL L. 

Rau, Frau Anna. 

V. Ritter, Fräulein Marie. 

Savits, Jocza, Oberregisseur des 
Kgl. Hoftheaters. 

Scherer, Dr. Georg, Professor. 

Schmidt, Dr. med. Oswald. 

Schubart, Dr. M. 

Solbrig,Dr.Veit,K. Ober-Stabsarzt. 

Steinitzer, Paul, K. K. österr. 
Major a. D. 

Sulger-Gebing, Dr. phil. Emil, 
Privatdocent. 

Traube, Dr. Ludwig. 

Universitätsbibliothek, Königl. 

Waldthausen, Justus, Kaufmann. 

Weltrich, Richard, Kgl. Professor. 

Hünohenbemsdorf 

(Grossh. Sachsen). 
V. der Gabelentz-Linsingen, Lieut. 
im Hus.-Reg. v. Ziethen. 

Münster i/Westphalen. 
Andresen, Dr. Hugo, Professor. 
Koepo, Dr. Friedrich, Professor. 
Lüdjcke, Max, Eisen bahndirections- 

Präsident. 
Paulinische Bibliothek, Kgl. 
Schmedding, Frau Reg.-Rath Laura, 

geb. Hüffer. 

Nassau. 

V. Kielmannsegge, Frau Gräfin L. G. 

Nastätien (Prov. Nassau). 
Cathrein, Joseph. 

Naumburg a/S. 
Bennecke, Justizrath. 
Bröse, G. Oberlehrer. 



Naumburg a/S. 
V. Gisecke, Dr. jur. Hermann, 

Landgerichtsrath. 
Kirchner, Fräulein Elisabeth. 
Köster, Dr., Geh. Sanitätsrath. 
Lehmann , Oberlandes - Gerichts- 

rath a. D. 
Remertz, Rechtsanwalt. 
Seelmann, Fräulein C. L. Gertrud. 
Sturm, Dr. Aug., Rechtsanwalt und 

Notar. 

Naundorf (Bez. Dresden). 
V. Lindenfels, Freiherr, Kgl. Ober- 
förster. 

Naunhof bei Leipzig. 
Francke, Carl, Versicherungsbank- 
Director a. D. 

Neuburg (Stift) b/Heidelberg. 
V. Bemus, Freiherr. 

Neuendorf (Bezirk Köslin). 
V. Osterroht, Gotthilf. 

Neumünster. 
Crespel, A., Rechtsanwalt. 
Neusal2 a/Oder. 
Wenck, W., Prediger. 

Neustadt a/Haardt. 
Kern, Frau Anna, Rentnerin. 

Neustrelitz. 
Götz, Dr. G., Obermedicinalrath. 

Niederbreisig. 

Huyssen, W., Ingenieur. 

Nieder-Ingelheim. 

V, Erlanger-Bernus, Frau Baronin. 

Niederwalluff. 
Marcuse, H., Consul. 

Niep b/Crefeld. 
Boscheidgen, Dr. jur. Hermann, 
Gericntsreferendar. 

Nordhausen a/H. 

Gymnasium, Königl. 

Hasse, Dr. med. 

KneifF, Rudolf. 

Mylius, C, Landgerichtsrath. 

Schenke, Hermann, Premier-Lieu- 
tenant, Stadtrath a. D. und 
Brennerei-Besitzer. 



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46 ♦— 



Nfimberg. 

Cohen, Dr. phys. Rudolf. 
Enderlein, Landgerichtspräsident. 
Germanisches Nationalmuseum. 
Hopf, Frau Lili, geb. Josephthal. 
Lecnner, Max, Gymnasialrector. 
Merzbacher, Sigm., Rechtsanwalt. 
Pemesischer Blumenorden (Literar. 

verein). 
Rau, Rudolf, Rechtsanwalt. 
Stadt Nürnberg. 
Wendriner, Ferd., Kaufmann. 

Oberlahnstein (Rheinprovinz). 
Lessing, A. 

Offenbaoh a/M. 
Grünebaum, Emil. 
Weber, Frau Justizrath Dr. 

Ohrdruf. 

Gymnasium Gleichense, Herzogl. 

Oldenburg i/Grossh. 
V. Beaulieu-Marconnay, Eugen, 

Baron, Oberlandesgerichts-rrä- 

sident, Excellenz. 
Becker, Landesgerichts-Präsident. 
Bibliothek,Grossherzog]iche öffentl. 
Kelp, W., Apotheker. 
Leesenberg, Dr. phil. F. A. 
Mosen, Dr. R., Ober-Bibliothekar. 
Schwartz, A., Hof buchhändler. 
Wolken, E., Kaufmann. 

Oppeln (Prov. Schlesien). 
Glasewald, Kgl. Oberreg.-Rath. . 
Maske, Georg, Verla^buchhändler. 
V. Viebahn, Oberstlieutenant. 

Ostenwalde b/Melle. 
Bibliothek Ostenwalde. 

Ostrowo (Reg.-Bez. Posen). 

V. Lützow, Freiherr, Dr. jur. Land- 

rath und Kgl. Kammerherr. 

Pankow b/Berlin. 
Ehrstaedt, Dr. P., Besitzer der 
Adler-Apotheke. 

Partenkirchen. 

Mayer-Doss, Georg Ludwig. 

Pensig i. d. Oberlausitz. 
Drevin, Helmuth, Apotheker. 



Pforzheim. 

Bbsinger, C, Gymnasial-Director. 
Fischer, Dr. Franz, Director der 

Irrenanstalt. 
Waag, Alfred, Architect, Director 

der Kunstgewerbeschule. 

Plagwitz b/Ldpzig. 
Keil, Dr. phiL Alfred. 

Planen i/Sachsen. 
Erbert, Dr. jur. Karl, Referendar. 
Hofmann-Stirl, Frau Hofrath Pro- 
fessor Helene, Kammersängerin. 

Poppenbiittel b/Hamburg. 
Henneberg, Albert, Gutsbesitzer. 

Posen. 
Künke, Fritz, Referendar. 
Kantorowicz, Frau Lina. 

Potsdam. 

Bertz, Eduard, Schriftsteller. 

v. Chelius, Hauptmann im General- 

sub. 
König, Dr. Robert, Daheim-Redac- 

teur a. D. 
Philippi, G. 
V. Wedel, Graf E., Kaiserl. Obcr- 

stallmeister, Excellenz. 

Räcknitz b/Dresden. 
V. Biedermann, Freiherr M. O., 
General-Major a. D. 

Radeburg. 

Strack, Frau Hauptmann Fanny, 
geb. Hertz. 

Rastenbarg i/Ostpr. 
Kowalski, Carl, Kaufmann. 

Rathenow. 

Rhein, Frau Clara. 

Ratibor. 

Suchsland, Adolf, Landgerichtsrath. 

Ratzebnrg (Lauenburg). 
Wassner, Dr. Julius, Gymnasial* 
direaor. 

Rechtenfleht b/Bremen. 
Allmers, Hermann. 



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-^ 47 *— 



Rehnsdorf b/Elstra (Sachsen). 
V. Boxberg, Georg, Ritterguts- 
besitzer. 

Reiohenbaoh i/Schlesien. 
Preu, Dr. med., Sanitätsrath. 

Remagen a/Rh. 
Linden, Fräulein Lina, Pensionats- 
Vorsteherin. 

Retzin b/Priegnitz. 
zu Putlitz, Frau Baronin. 

Reutlingen. 

Kusel, Fräulein Lucie. 

Rissiissen b/Ulm a/D. 
Schenck v. Stauffenberg, Dr. Fr., 
Freiherr, 

Rostock i/Mecklenburg. 
Beriin, Dr. Rudolf, Professor. 
Eggers, Dr. Carl, Senator. 
SSller'sche Hof- und Universitäts- 

Buchhandlun^. 
Universitäts-Bibliothek, Grossh. 

Rotenburg i/ Hannover. 
Boehrs, Dr. D., Kreisphysicus. 

Rodolstadt. 

Bibliothek, Fürstl. öffentliche. 

Satzkorn b/Potsdam. 
Brandhorst-Satzkorn, W., Ritter- 
gutsbesitzer. 

Schkeuditz. 

Schäfer, F. W. E., Buchhändler. 

Schleiz. 
Paetz, G., Kammerpräsident. 

Schleswig. 
Bergas, Julius, Buchhändler. 
Hoe'sche Bibliothek. 
Kammer, Dr., Professor, Provinzial- 
schulrath. 

Schlettstadt. 
Kapff, Dr., Stabsarzt. 

Schlobitten i/Ostpreussen. 
zu Dohna, Frau Gräfin Emmy. 



SchneidemuhL 

Löbner, Dr. Heinrich. 
Schnepfenthal b/ Waltershausen. 
Ausfeld, Dr. Wilhelm, Schulrath. 

Schönebeck b/Magdeburg. 
Saalwächter, Otto, Fabrikbesitzer. 

Schoneberg b/Berlin. 
Kern, Dr. phil. Reinold. 

Schönefeld b/Leipzig. 
Lazarus, Dr. Morite, Professor, 

Geh. Reg.-Rath. 
Schonwerder b/Dölitzi /Pommern. 
V. Bonin, Frau, geb. v. Zanthier. 

Schreitlancrken b/Willkischken 

i/Ostpreussen. 
v. Dressler, Frau. 

Schulpforta. 
Kettner, Dr. Gustav, Professor. 
Landesschule, Königliche. 
Schreyer, Dr. Hermann, Professor. 
Volkmann, Dr. Dietrich, Professor, 

Rector des Landesschule. 
Zimmermann,Justizrath,Procurator 
der Landesschule. 
Schwenda b/Stolberg a/Harz. 
Hausmann, J., Pastor. 

Schwerin i/M. 
V. Ledebur, Freiherr, Kammerherr, 
General -Intendant des Hof- 
theaters. 
Müller, Dr. phil. Waher. 
V. Pritzbuer, Stud. jur. et cam. 

Friedrich. . 

V. Prollius, Jaspar, Ministerial- 
rath im Grossherzogl. Meckl.- 
Schwerin. Finanzministerium. 
Schröder, Dr., Regierungsrath. 

Seesen a/Harz. 
Philippson, Dr. phil. Emil, Director 

der Realschule. 
Seifersdorf b/Radeberg (Sachsen). 
V. Brühl, Graf Cari. 

Siegersleben b/Eilsleben. 
Fuhrling, Frau Kreisrichter M. 
Skalmierzyce (Prov. Posen). 
I Peretz, Moritz. 



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— ► 48 ^- 



Sondershausen. 

Budde, Staatsrat!!. 

V. Gerber, Frau Staatsminister Exe. 

Warte Sonnenbllok (Eisenbahn- 
Stelle Sulzbach i/Taunus). 

Volger, Dr. G. H. Otto, Natur- 
forscher. 

Sorau N/L. 
Lorentz, Dr. phil. P., Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Springe (Hannover). 
Kaufmann, Karl, Fabrikbesitzer. 

Stallupönen. 
Kalau V. Hofe, Cand. des höheren 
Schulamts. 

Stassfurt. 

Stengel, Rudolf, Fabrikbesitzer, 
Konsul a. D. 

Steglitz b/Berlin. 
Dahms, Dr. Rudolf, Professor. 
Hoffmann, Dr. Otto, Professor, 

Gymnasial-Oberlehrer. 
Paulsen, Dr. Friedrich, Professor. 
Weber, W., Oberbürgermeister a. D. 
Wendeler, Dr. Camillus, Professor. 

Stendal. 

Wendorff", Landgerichts-Präsident. 

Stettin. 

Adler, Dr. med. Eugen. 
Gerstäcker, Otto,Amtsgerichtsrath. 
Tobst, R., Professor, 
fceddig, C. A., Director. 
Klauwell, Rudolf, Kaufmann. 
Kurtz, Frau Kaufmann Reinhold. 
May, Rudolf, Kaufmann. 
Meister, Ernst, Rechtsanwalt. 
Preusser, Fräulein Marie. 
Schleich, Dr. med. Karl Ludwig, 

Sanitätsrath. 
Steffen, Frau Dr. Sanitätsrath P. 

Stolberg i/Harz. 

Albrecht liger, Prinz zu Stolberg- 
Stolberg, Durchlaucht. 

Bode, Fritz, Fürstl. Stolberg*scher 
Kammer director. 

Stolno, Post Klein-Czyste. 
Kreis Kulm i/Westpreussen. 
Strübing, Fräulein Frieda. 



Stolp (Pommern). 
Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Pickert, W., Gymnasial-Oberlehrer 
und Bibliothekar. 

Strasburg W/Pr. 
Gymnasium, Königliches. 

Strassbnrg i/Elsass. 

Budde, Dr. Karl, Professor. 

Friedländer, Dr. Lud wig, Professor, 
Geh. Rath. 

Henning, Dr. R., Professor. 

Jacob, Dr. Carl. 

Joseph, Dr. Eugen, Privatdocent. 

Lenel, Dr. phil. Walter. 

Martin, Dr. E., Professor. 

Michaelis, Dr. Adolf, Professor. 

Robertson, Dr. John G., Lector 
an der Universität, 

Seminar, Germanistisches, an der 
Universität. 

Stilling, Dr. J., Professor. 

Trübner, Karl J., Verlagsbuch- 
händler. 

Universitäts- u. Landesbibliothek, 
Kaiserliche. 

Varrentrapp, Dr. C, Professor. 

Ziegler, Dr. Theobai d, Professor. 

Stuttgart. 

Abert, Hofcapellmeister. 

Bacher, Dr. jur. Albert, Amtsrichter. 

Becher, Fräulein Emmv. 

Bibliothek, Königliche öffentliche. 

Bibliothek der Kgl. Technischen 
Hochschule. 

Clason, Arthur, Kaufmann. 

Deahna, Dr., prakt. Arzt. 

Donndorf, A., Professor. 

Douglas, Theobald, Bergwerks- 
besitzer. 

Gerock, Dr. Christof, prakt. Arzt. 

Gerschel, Oskar, Antiquar und 
Buchhändler. 

Hartmann, Dr. Julius, Professor. 

Haude, Fräulein Pauline. 

Hausmann, Conrad, RechtsanwalL 

Hertz, Prof. Dr. 

V. Holleben, Baron, Kgl. preuss. 
Gesandter, Excellenz. 

Krabbe, C, Verlagsbuchhändler. 

Kröner, Adolf, Verlagsbuchhändler, 
Commerzienrath. 

Kröner, Alfred, Buchhändler. 

Kurtz, P., Buchhändler. 



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— •*• 49 *— 



Stuttgart. 

Lang, Dr. Wilhelm. 

Mayer, Paul, Ober-Regierungsrath. 

Müller, Gustav, Kaufmann. 

Müller-Palm, Adolf, Professor. 

Müseums-Gesellschaft. 

Nast, A, 

Obrist,Dr. Aloys,Hofcapellmeister. 

Obrist, Frau ur Hildegard. 

Proelss, Johannes, Redacteur. 

V. Riecke, Dr. Karl, Staatsminister, 
Excellenz. 

Rominger, jun., Nathanael. 

Rommel, Dr. Otto. 

Schall, Dr. Rieh., Rechtsanwalt. 

Schoenhardt , Dr. , Oberstaats- 
anwalt. 

Schott, Frau Amalie. 

Siegle, Gustav, Geh. Commerzien- 
rath. 

Spemann, W., Verlagsbuchhändler. 

V. Steiner, Dr. K., Director, Geh, 
Commerzienraih. 

Stockmayer, M. E., Rechtsanwalt. 

Straub, Dr. L. W., Professor. 

Ulrich, Gustav, Privatier. 

Vetter, Leo, Kaufmann. 

v. Westenholz, Freiherr, Dr. Friedr. 

Wildermutli, Dr. H. A., Arzt. 

Zeller, Dr. Eduard, Professor, 
Excellenz. 

Tangerhütte b/Magdeburg. 
v. Arnim, Frau Marie. 

Thalstein b/Jena. 
V. Tümpling, Kaiserl. Legations- 

rath a. D. 

Thann i/Elsass. 
Curtius, Dr., Kreisdirector. 

Tharandt. 
Hucho, Dr. Heinrich, Amtsrichter. 

Thorn. 

BischofF, Landrichter. 

Tiefturt bWeimar. 
Graness, Kammergutspächter. 

Torgau. 
Girth, Bürgermeister. 

Trachenberg (Schlesien). 
V. Hatzfeld, Frau Fürstin, Durch- 
laucht, geb. Gräfin v. Bencken- 
dorfF, Oberhofmeisterin L M. 
der Kaiserin Augusta Victoria. 



Tubingen. 

Froriep, Dr. August, Professor. 
Geib, Frau Professor L. 
Geiger, Dr. Karl, Oberbibliothekar. 
Hümer, Dr. G., Professor. 
Oesterlen, Dr., Professor. 
Siemerling, Dr. E., Professor. 
V. Sigwart, Dr., Professor. 
Spitta, Dr., Professor. 
Universitäts-Bibliothek,Königliche. 
Vöchting, Dr. H., Professor. 

Tutzing b/ München. 
Ebers, Dr. Georg, Professor. 

Rittergut ülbersdorf i/ Sachsen, 
v. Gontard, Alexander. 

Vegesack b/Bremen. 
Werry, F., Real-Gymn.-Oberlehrer. 
Wilmanns, Dr. med. Georg. 

Verden a^AUer. 
Echte, Landrichter. 

Vieselbaeh. 

Starke, Dr. med., Bezirksarzt. 

Yogtshof (Herrnhut) Sachsen. 
Bertram, M., Fabrikdirector. 

Vorra b/Hersbruck (Bayern). 
V. Soden, Freiherr, Kais, deutscher 
Gouverneur. 

Waidenburg i/Schl. 
Faist, Frau Director, geb. Kicl- 
mann. 

Wandsbeck. 
Gymnasium. 

Wehlau (Ostpreussen). 
Moldaenke, Gynmasiallehrer, Pro- 
fessor. 

Weilburg a/Lahn. 
Bibliothek der Landwirthschafts- 
Schule. 

Weimar. 

V. Ahlefeld-Dehn, Baron Louis. 
Anding, Karl, Kaufmann. 
Apelt, Dr. phil. O., Professor. 
Asmus, Wilhelm, Redacteur der 

Weimarischen Zeitung. 
Aulhorn, Max, Major a. D. 



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— *^ 50 *^— 



Weimar. 

ßatsch, C. F.,Vice-Admiral ä la suite 
des See-Offiziercorps, Excellenz. 

Behrend, Frau Martha. 

Bessier, Adolf, Kaufmann. 

Böhlau, H., Verlagsbuchhändler. 

V. ßojanowski, P., Geh. Hofrath, 
Oberbibliothekar. 

V. Bothmer, Graf M., Hofreise- 
marschall S. K. H. d. Grossh. 
von Sachsen. 

V. Bothmer, Gräfin E., Staatsdame L 
K. H. der Frau Erbgrossherzogin 
von Sachsen-Weimar,Excellenz. 

Brock, Paul, Hofschauspieler und 
Ober-Regisseur. 

Brüger, £., Staatsrath. 

Burckhard, Dr. iur. W., Geh. Rath. 

Burkhardt, Dr. H., Archivdirector. 

V, Bylandt-Rheydt, Graf, Ritt- 
meister, Flügd- Adjutant Sr. K. 
H. des Grossherzogs v. Sachsen. 

V. Conta, Dr. A., Geh.Medicinalrath. 

Deinhardt, Frau Dr. Marie. 

Demmering, Gerhard, Verlagsbuch- 
händler. 

von und zu Egloffstein, Reichs- 
Freiherr Dr. phil. Hermann. 

Emminghaus, Fräulein Marie. 

Ernst, H., Pfarrer. 

Felber, Emil, Verlagsbuchhändler. 

Förster-Nietzsche, Frau Dr. 

Francke, Dr. Otto, Professor. 

Fresenius, Dr. phil. A. 

V. Frey tag -Loringhoven, Freiin 
Maria. 

V. Freytag -Loringhoven, Freiin 
Matnilde. 

Froriep, Fräulein Clara. 

Geister, Carl, Rentier, 

Genast, Frau Ministerialdirector A. 

V. Göben, Frau M, 

Göpfert, K., Capellmeister. 

Görti V. Schiit^, Graf, Erlaucht. 

Gottschalk, G., Rentier. 

le Goullon, Fräulein Charlotte. 

Graue, Paul, Diaconus. 

V. Gross, Dr. R., Freiherr, Wirkl. 
Geh.Rath,Staatsmimster, ExcclL 

V. Gross, Freiin Melanie, Stiftsdame. 

Guyet, Frau Geh. Staatsrath, 
Adolfine. 

Haberstolz, Dr. med. A. 

V. Hannecken, Fräulein Minnette. 

Hardtmuth, Frau Charlotte, geb. 
Voelkel. 



Weimar. 

Härtung, Albert, Verlagsbuch- 

hänaler. 
V. Helldorff, Freiherr, Oberschenk. 
Hertel, Friedrich, Hofphotograph. 
Hesse, Dr. ß., General -Super- 
intendent, Geh. Rath, Excellenz. 
Hiffht, Geo Aiuslie. 
V. Holleben, Frau, geb. v. Kunow. 
Hummel, Karl, Professor. 
Hunnius,Dr. jur. Joh., Geh.Finanz- 

rath. 
Huschke, A., Hofbuchhändler. 
Isles, Miss Alison. 
Kohl, Ernst, Ober-Baurath. 
Kramsta, Frau Maria. 
Krause, O., Kanzleirath. 
Krehan, Arno, Kaufmann. 
Krieger, Fräulein Karoline. 
Kriesche, E., Baurath. 
Küchling, Robert, Geh. Hofrath, 

Secretär I. K. H. der Frau 

Grossherzogin von Sachsen. 
Kuhn, Dr. jur. K., Staatsrath. 
Kuhn, O., Geh. Finanzrath. 
Lämmerhirt, Dr. phil. Gustav. 
Lassen, Dr. Eduard, General- 

Musikdirector z. D. 
Löbbecke, Ad., Rentner. 
V. Loen, Freifrau Maria, Excellenz. 
Loring, Frau S., Renti^e. 
Mensing, Wilhelm, Privatier. 
Meurer, Dr. H., Professor. 
V. Milde, Fr., Kammersänger. 
V. Minckwitz, Wirkl. Geh. Rath, 

Kgl. Sachs. Gesandter, Excel). 
Mirus, Dr. A., Gerichts-Assessor 

a. D., Schriftsteller. 
Morite, Dr. jur. R., Commerzienrath. 
Müller, Theodor, Hofjuwelier. 
Müller- Härtung, Karl, Professor, 

Hofrath, Director der Grossh. 

Musikschule. 
V. Müller-Schubart, Frau Baronin, 

geb. Gräfin v. Bothmer. 
V. Pal^zieux-Falconnet, Oberst u. 

Flügel-Adjutant Sr. K. H. des 

Grossherzogs von Sachsen. 
Panse, A., Oberst z. D. 
Panse, Frau Oberst. 
V. Pappenheim, Fräulein Julie. 
Pfeiffer, Dr. Ludwig, Geh. Hof- u. 

Medicinalrath. 
Preller, Frau Professor. 
Rasch, Hermann, Buchhändler. 
Raschdau, Geh, Legatiomrath, 



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—4fr 51 <fr- 



Weimar. 

Raschdau, Frau Geh. Legationsrath. 

Rassow, Dr., Geh. Oberschulrath, 
Geh. Hofrath. 

Rothe, K., Wirkl. Geh. Rath, Ex- 
cellenz. 

V. Rott, Fräulein Amelie. 

Rudolph, A., Oberst z. D. 

Ruickoldt, Dr. med. W.,prakt. Arzt. 

Ruland, Dr. C., Geh. Hofrath, 
Director des Grossherzoglichen 
Museums und des Goethe- 
National-Museu ms. 

Sältzer, O., Staatsrath. 

Sandvoss, Dr. Franz, Schriftsteller. 

zu Sayn -Wittgenstein - Berleburg, 
Prmz Otto, Durchlaucht, Oberst 
und Flügel- Adjutant Sr. K. H. 
des Grossherzogs von Sachsen. 

Scharf von Gauerstedt, Ritterguts- 
besitzer. 

V. Scheffler, Dr. phil. Ludwig, 
Privatgelehrter. 

Scheidemantel, Dr. E., Gymnasial- 
lehrer. 

Schenk, Dr. E., Staatsrath, Ministe- 
rial-Director. 

Schmid, Dr. jur. J., Geh. Reg.-Rath. 

Schmid, Regierungsrath. 

Scholl, Fräulein Louise. 

Schomburg, Fräulein Doris. 

V . Schorn, Fräulein Adelheid, Stifts- 
dame. 

Schubert, Dr. phil. O., Professor, 
Gymnasiallehrer. 

Schüddekopf, Dr. Carl, Assistent 
am Goethe- u. Schiller- Archiv. 

Schütz, Frau Rath W. 

Schwabe, Dr. B., Oberstabsarzt. 

V. Schwendler, Fräulein E. 

Schwier, K., Photograph. 

Slevogt,Dr.K.,Geh.Regierungsrath. 

Sophienstift. 

Spmner, Dr., Oberhofprediger und 
Kirchenrath. 

Stapff, A., Rechtsanwalt. 

Stavenhagen, W., Rentier. 

Steiner, Dr. Rudolf, Schriftsteller. 

Stollberg, J., Geh. Finanzrath. 

V. Stracnwitz, Frau Gräfin, geb. 
Gräfin Henckel v.Donnersmarck. 

V. Strauch, W., Oberlandjäger- 
meister, ExceUenz. 

Suphan, Dr. Bernhard, Professor, 
Geh. Hofrath, Director des 
Goethe- und Schiller-Archivs. 



Weimar 

V. Taube von der Issen, Otto, Baron. 
Thelemann, Ludwig, Buchhändler. 
V. Thüna, Dr., Freiherr, Bezirks- 

director a. D. 
Trümpier, Frau Anna. 
Uschmann, Ernst, Buchdruckerei- 

besiuer. 
v.Vignau, H., Kammerherr, Grossh. 

Hoftheater-Intendant. 
V. Vignau, Frau Margarethe. 
Voigt, Heinr., Verlagsbuchhändler. 
Vulpius, Fräulein Helene. 
Wächter, Frau Jusiizrath Bertha. 
Wähle, Dr. Julius. 
V. Wasmer, Fräulein L. 
V. WatzdorfF, Fräulein A., Staats- 
dame. 
Wedekind,FrauReg.-Rath-Wwe.G. 
V. Wedel, Graf O., Wirkl. Geh. Rath, 

Ober- Hofmarschall, Excellenz. 
Weniger, Dr. L., Professor, Geh. 

Hofrath, Gymnasialdirector. 
Weniger, Fräulein Elisabeth. 
V. Wilamowitz-MöUendorff, Tello, 

Oberstlieutenant z. D. 

Weinheim (Baden). 
Goebel, Dr. phil., Gymnasial-Ober- 
lehrer a. D. 

Rittergut Wendiaohbora (Sachsen). 
V. Woehrmann, Baron. 

Wernigerode. 

Hamack, Frau Professor H. 
Henkel, Dr., Professor, Gymnasial- 
director a. D. 

Westend b/Charlottenburg. 
Sydow, Frau Elisabeth, geb. Fuhr- 
mann. 

Wiesbaden. 

Bickel, Dr. Gustav, pract. Arzt. 
Clüsener, Ludwig, Rentier. 
Conrady,Dr. Max,Geh.Sanitätsrath. 
V. Crüger, G., Generallieutenant 

a. D., Excellenz. 
Frank, Dr. Georg, Docent. 
Fresenius, Dr. R., Professor, Geh. 

Hofrath. 
Gecks, Leonhard, Buchhändler. 
Giessen, Hans, Kammersänger. 
Grünhut, Dr. Leo, Docent am 

chemischen Laboratorium. 
Guttmann, Rechtsanwah. 



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— * 52 ♦- 



Wieebaden. 

V. Hülsen, G., Intendant, Kammer- 
herr. 
Konopacka, Fräulein Anna. 
Lemke, Julius, Privatmann. 
Lugenbunl, Frl. Helene, Rentnerin. 
Magdeburg, Stud. med, K. W. 
Meissner, Dr. Carl, Professor. 
Pfeiffer, Dr. Emil, Sanitätsrath. 
Preyer, Dr. W., Professor, Hofrath. 
Schieiden, Fräulein Eleonore. 
Wankel, Hauptmann a. D. 
Weidenbusch, H. 

Wilhelmshaven. 

Kirchhoff, Frau Capitän zur See. 

Wilmersdorf b/Berlin. 
Manasse, Julius, Kaufmann. 

Wittenberg. 
Guhrauer, Gymnasialdirector. 
Wohlau i/Schl. 

Arlt, Albrecht, Gymnasial - Ober- 
lehrer. 

Wolfenbuttel. 

Graf, Dr. phil. Hans Gerhard. 

Worms. 
Heyl zu Herrnsheim, Freiherr. 
Remhart, Frau Nicolaus. 

WQrzbnrg. 

Prym, Dr. Friedrich, Professor. 
Roettecken, Dr. Hubert, Privat- 
docent. 



Würzburg. 

Schönborn, Dr., Professor, Geh. 
Medicinalrath. 

Stahel, Oscar, Kffl. Hof- und Ver- 
lagsbuchhändler. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

Zabrze O/S. 
Serlo, Walter, Kgl. Bergassessor. 

Dominicum Zakrzewo 
b/Wytaszyce (Provinz Posen). 
Garst, Frau Dr. Martha. 

Zehlendorf, Kr. Teltow. 
Lewinsohn, E., Amtsgerichtsrath. 

Zittau i/ Sachsen. 
Neumann, Dr. phil., Realgymnas.- 

Oberlehrer. 
Stadtbibliothek, öffentliche. 

Zschopau. 
Gensei, Richard, Buchhändler. 

Zweibrücken (Rheinpfalz). 
V. Bobics, Baron E., Gutsbesitzer. 
Henigst, Oscar, Kaufmann. 

Zwickau. 
Becker, Stud. phil. Erwin Joh. 
Goethe-Verein. 
Kellner, Dr. phil. H. C., Professor 

und Gymnasial-Oberlehrer. 
Rathsschulbibliothek. 



ÖSTERREICH-UNGARN. 



Baden b/Wien.^ 
Landes-, Real- und Ober-Gym- 

nasium,Nieder-österreichiscnes. 
Rollet, Dr. Hermann, Stadtarchivar 

und Museums-Custos. 

Balince, Post Slatina. 
Förster, Frau Eugen. 

Blancko (Mähren). 
Salm, Fürst Hugo, Durchlaucht. 

Brunn. 
Franzens-Museum. 

Budapest. 
V. Benczür, Frau Director Gyula. 
Elischersche Goethesammlung. 



Budapest. 

Heinrich, Dr. Gusuv, Professor. 
Kornfeld, Sigmund, Director der 
Ungarischen Allgem. Creditbank. 

Czemowitc 

Hilber^, Dr. J., Professor. 
Paschkis, Dr. Moriz, Director 

der Bukowinaer Boden-Credit- 

Anstalt. 
Staats-Obergymnasium, K. K. 
Universitäts-Bibliothek, K. K. 
Walter, Richard, Fabrikant. 

Dobling b/Wien. 
v.Gionima,Eugen,Landgerichtsrath. 



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-^ 53 ♦- 



Gaya (Mähren). 
Koch, Dr. Carl, Advocat und 
Bürgermebter. 

Grac 

Adamek, Dr. Otto, Professor. 

V. Anems, Dr., Graf Ignaz. 

V. Alterns, Frau Gräfin Rosa. 

V. Gnad, Dr. Ernst, Ritter, K. K. 
Landesschul-Inspector, Hofrath 
a. D. 

Hermann, Frau Maria. 

Hofmann, Dr. Karl B,, Professor. 

Landes-Bibliothek,Steiermärkische. 

Landes-Oberrealschule. 

Mack, Fräulein Marianne. 

Neuhold, Franz, Bankier. 

Philologen -Verein, Akademischer. 

Schlossar, Dr. Anton, KaiserLRath, 
Gustos der K. K. Universitäts- 
Bibliothek. 

Schönbach, Dr. Arnold E., Pro- 
fessor, Regierungsrath. 

Seminar für deutsche Philologie an 
d. K. K. Karl-Franz-Universität. 

Seufiert, Dr. Bernhard, Professor. 

Strzygowski, Dr. Jos., Univers,- 
Frofessor. 

Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Griea b/Bozen (Tirol). 
Jansen, Dr. phil. A., Professor. 

Hermannatadt. 

Baron Samuel v. Brukenthal'sches 
Museum. 

Jaworzno (Galizien). 
Stein, Ernst Eduard, Director der 
Jaworznoer Steinkohlen - Ge- 
werkschaft. 

Innsbruck (Tyrol). 
Loewit, Dr. Moritz, Professor. 
Staats-Gymnasium, K. K. 
Wackerneil, Dr. Jos. E., Professor. 

Katxelsdorf 

bei Wiener Neustadt. 
v.Qjiirini, FrauRittmeister Hermine, 
geb. Borekenstein. 

Klagenfnrt (Kärnthen). 

Obermayer, Victor, Ingenieur i. P. 

der Ungarischen Staatsbahn. 

Krakau. 

Creizenach, Dr. Wilhelm, Professor. 
V. Gorski, Dr. phil. Konstantin. 
Seminar, germanistisches, an der 
K. K. Universität. 

Goithi.Jahubüch XVIII. 



Kmmpendorf b/ Klagenfurt. 
Rauscher v. Stainberg, Eduard. 

Laitmerits i/Böhmen. 
Lehrerbibliothek des K. K. Staats- 
Obergymnasiums. 

Lemberg. 

Seminar für deutsche Philologie. 
Werner, Arnold, Kaufmann. 
Werner, Dr. Richard Maria, Pro- 
fessor. 

Marbnrg a/Drau. 
Prem, Dr. S. M., K. K. Professor 
an der Suats-Oberrealschule. 

Neosats (Ungarn). 
Savic, Dr. Milan,